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Jüdische Rundschau · 1930-11-28 · Heft 94 (28.11.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 94 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 630 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94» 28. XI. 1930 Unsere Kandidaten Für die Repräsentanten ״Versammlung 1. 1 3. 4. 5. 8 7 8 9 10 11 12 13 14 15 18. 17. 18. 19. 28. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57. 58. 59. 80. 61. 62. 63. 64. 65. 66. 67. Dr. Alfred Klee, Rechtsanwalt and Nett*. Georg Kareski, Direktor. Prof. Dr. Heinrich Löwe» OberWbliothekar a. d. Unlver• sitäts-Bibliothck. Hans Goslar, Ministerialrat. Markus Hornstein, Hituserverwalter. Lina Wagner-Tauber. Dr. Siegfried Moses» Rechtsanwalt. Prof. Dr. Hermann Pick, Bibliothekar a. d. Prenfl. Staat«- bibliothek. Dr. Hermann Leiewer» Rechtsanwalt and Notar. Alfred Berger, SozialsckretSr. Arthur Rau, Landgerichtsrat. Dr, Oskar Wolfsberg, Facharzt. Moses Goldmann, Fabrikant. Philipp Grüabaam, Veraicherangsagent. Moses Waldmann, Redakteur. Bruno Dobfdukl, Maßschneider. Philipp Kozowar, Rechtsanwalt and Notar. Aloia Sadgcr, Arzt. . Moritz Alker, Malermeister. . Nathan Ac&erhslt, Kanfmann. : Dr. Siegfried Kanowitz, Kinderarzt. Jakob Stiebei, Lehrer. Dr. Aron Sandler, Arzt. Dr. Max Keilenscher, Rechtsanwalt und Notar. Abraham I. Grcbler, Rentier. Hugo Kaufmann, Kaufmann. Nathan Scheftelowitz, Kaufmann. Frieda Weinreich, Sozialbeamtin. Dr. Meyer Fines, Schriftsteller. Jean Heilbrunn, Fabrikant. Alfred Scherk, Kaufmann. Adolph Caro, Zahnarzt. Arthur Marens, Kaufmann. Theodor Herzog, Fabrikant. David Heimann, Kaufmann. Daniel Baruch, Kaufmann. Fron Edith Hirsch. Josef Zucker, Kaufmann. Josef Konnes, Juwelier. Gustav Israel, SchuhwarenhSndler. Dr. Paul Hirsch, Arzt. Salo Lent, Schneidermeister. Dr. Abraham Steinert, Arzt Sally Wolzinekv, Schneidermeister. Dr. Reinhard Moses, Arzt. Simon Neißer, Kaufmann. Dr. Hermann Moses, Arzt. Max Saul, Fabrikant. Frau Bluma Herachlowitz. Dr. Erwin Meyer, Arzt Hermann Kristall, Kaufmann. Dr. Walter Blumenthal, Rechtsanwalt. Levi Warsehawiak, Synagogendiener. Dr. Walter Wottf, Patentanwalt Erich Buri, Kaufmann. H. E» Kurz, beeidigter Sachverständiger. Georg Löwenberg, ••׳ ».יי ■- . Isidor Schweriner, Rentner; Dr. Egon Rosenberg, Chemiker. Jakob Podschubski, Kaufmann. Frau Justizrat Kill Lissner. Prof. Dr. Julius Cltron, Facharzt Lesser Ury. Dr. Moritz Freier, Rabbiner. Prof. Dr. Gotthold Weil, Univ.-Prof. Dir. a. d. Staatsbibliothek. Prof. Simon Dubnow, Schriftsteller. Für den Landesverband 1. Dr. Alfred Klee, Rechtsanwalt und Notar. 2. Georg Kareski, Direktor. 3. Dr. Hermann Badt, Ministerialdirektor. 4 Kart Blumenfeld. 5. Dr. Emil Levy, Rabbiner. 6. Dr. Max Soloweitachik, Staatsminister a. D. 7. Dr. Werner Silberstein, Arzt. 8. Frau Dr. Efrlede Bergel-Gronemann. 9. Dr. Max Kollenaeher, Rechtsanwalt und Notar. 10. Dr. Aron Sandler, Arzt 11. Gustav Benario, Bankdirektor und Handelsrichter. 12. Isidor Engländer, Kaufmann. 13. Dr. Siegfried Kanowitz, Kinderarzt 14. Dr, Nahum Goldmann. Schriftsteller. 15. Frau Dr. Else Rabin-IIcß. 16. Dr. Georg Landauer, Privatbeamter. 17. Dr. Abraham Löb, Recbtaanwatt and Notar. 18. Alfred Berger, Sozialsekretär. II. Dr. Hermaaa Stahl» Kinderarzt. 20. Pinkae Haueer» Kaufmann. •21. Dr. Abraham. Steinert, Arzt. IS. Dr. Opa Altschul, Kaufmann. 23. Isidor Bach, Fabrikant. 24. Dr. Alfred Landsberg, Rechtsanwalt 25. Frau Bertha Kochmann. 26. Abraham I. Grebler, Rentier. 27. Simon Ehrmann, Kürschner• 28. Julius Hirsch, Kaufmann, 29. Salomon L. Bronner, Kaufmann. 30. Hans Klee, Referendar. 31. Adolf Kraus, Kaufmann. 32. Dr. Felix A. Theilhabcr, Facharzt. 33. Leo Karnlnski, Geschäftsführer. 34 Josef Schmeidlcr, Direktor. 35. Karl Soberaky, Handelsvertreter. 36. Arthur Cohn, Angestellter. 37. Frau Dr. Betty Leszynski. 38. Hugo Wolfermann, Destillateur. 39. Dr. M. Koß, Chemiker. 40. Dr. Herbert Fürder, Rechtsanwalt. 41. Berisch Ortner, Buchdrucker. 42. Fritz Bernstein, Kaufmann■ 43. Georg Baer, Kaufmann. 44 Fran Dr. CIBre Blamenthal. 45. Georg Lewin, Kaufmann. 46. Moses Lautmann, Kaufmann. 47. Hermann Kruh, Angestellter. 48. Ist Eisner, Stud. piiii. 49. Leo Wolfermann, Destillateur. 50. Dr. Ernst Mandelbaum, Versicherungsbeamter. 51. Frau S.-R. Dora Laserstein. 52. Jakob Reinhold, Kaufmann■ 53. Salo Koppe, Angestellter. 54. Heinz Engländer, Angestellter. 55. Sonja Gronemann. 56. Dr. Adolf Levy, Arzt 57. Dr. Siegfried Moses, Rechtsanwalt 58. Kurt Hammerstein, Studienrat 59. ■ Dr.,:WUhelp ■ Lew!, Rabbiner.;, - : ■ ■ -v,, 66.' Frau Rosa Banetb. ־.. 'i ..... t ...t 61. Dr. Salomon Hildesheimer, Augenarzt 62. Frau Selma Abramczyk■ 63. SanitStsrat Dr. Caspary, Arzt 64. Frau Dr. Bertha Badt-Strauß, Studienrat 65. Isai Klinow, Schriftsteller. 66. Frau Recha Freier. 67. Siegfried Hirsch, Kaufmann. 68. Dr. Arthur Levy, Rabbiner. 69. Arnold Zweig, Schriftsteller. ... an Stelle einer Konkursverwattung der durch die umeingeschränkte jahrzehntelange liberale Herrschaft her* beigeführten Pleite des deutschen Judentums. Wir haben uns also in diesem Wahlkampfe darauf beschränkt, Angriffe zurückzuweisen und haben Richtungen außer acht gelassen, die entweder nur Varianten des Assfmllatlonsliberalismus sind oder irgendein Teilinteresse der jüdisehen Gemeinschaft auf ihre Fahne geschrieben haben. Darum nahmen wir auch nicht Bezug auf die Tätigkeit der einzelnen wahlwerbenden Parteien, mochte sie uns auch in gewissem Sinne sympathisch und verbündet sein. Wir verkennen nicht, daß außer der Volkspartei auch andere Parteien in gewissem Sinne durchaus akzeptable Forderungen im Wahlkampfe vertreten, aber wie gesagt, diese Parteien rücken immer irgend ein besonderes, spezielles Interesse in den Vordergrund ihrer Programme. Die Jüdische Volkspartei aber ist die Vertreterin aller vitalen Interessen der jüdischen Gemeinschaft Dementsprechend ist ja auch die Jüdische Volkspartei nicht durchaus homögen. In ihr sitzen Vertreter des Misrachi, Vertreter der Ostjuden, Vertreter der allgemeinen Zionisten und linksgerichtete Repräsentanten eines volksbewußten Judenturris. Sie ist eine Dachorganisation und ihre Existenz macht eigentlich das Entstehen von besonderen Riehtungen überflüssig. Damm halten wir es für abwegig, daß die Konservativen mit feiner eigenen Liste in den Wahlkampf traten, wofern diese Konservativen wirklich konservativ sind und nicht auch Elemente in sich schließen, die bei der Betonung einer orthodoxen jüdischen Lebensanschauung den Begriff des jüdischen Volkstums bis zur Unkenntlichkeit vernachlässigen. Deshalb ist die besondere ostjüdische Liste des ״Klal Jisroel“ ein Widersinn, denn eine derartige Liste entschuldigt geradezu die Existenz der Naumann-Rich« tung, welche, das müssen wir mit Genugtuung feststellen, von der überwältigenden Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft mit Empörung abgelehnt wird. Grotesk ist der sogenannte ״Demokratische Block“ mit dem Spitzenkandidaten Feigenbaum und unter der ideellen Führung Dr. Singalowskys, dessen Anti- Zionismus so stark ist, daß er geradezu bewußt dem Assimilationsjudentum die Steigbügel hält. Die Partei der Unparteiischen, die sogenannte Ueberpartei, mag in gewissem Sinne ihre Berechtigung haben. Ihre Haltung im Wahlkampfe hat uns nicht veranlassen können, gegen sie aufzutreten. Verfänglich ist die Ent- Wicklung, die die Mittelpartei genommen hat. Sie ist seinerzeit unter der Parole des Ausgleiches, des Parteiverbindenden geschaffen worden. Mehr als ein Symptom deutet darauf hin, daß sie diese Grundsätze verlassen hat .Die״J? p l.i b e r a,l % ״ J.ö 418 c h.e X. e r ei n i - g'u'tt.§j-■ ttisfe ':Tli^,r,:Ö04Ä8tX*’15ir4lrie ,.'int ,.Wfien' 'der, f Entwicklung des deutschen Judentums liegende Parteibildung. Ihre Tendenzen sind sicherlich sympathisch, und es muß mit Anerkennung hervorgehoben werden, daß diese Richtung im Wahlkampfe sich hohen Ernstes und vornehmer Mittel befleißigt hat. Allumfassend im Sinne eines modernen, das Prinzip der jüdischen Wiedergeburt anerkennenden Judentums ist nur die Jüdische Volkspartei. Aus diesen Gründen wiederholen wir mit größter Entschiedenheit unsere Forderung: Alle Freunde und Gesinnungsgenossen mögen am 30. November ihre Energien aufbieten und mit allen Kräften dafür sorgen, daß dieser Partei die Mög- I ichkeit geschaffen werde, in der komm enden Repräsentanten versammlun g das Werk, das sie ln den letzten drei Jahren mit so großem Geschick aufgenommen hat, fortzusetzen, damit die jüdische Gemeinschaft in Berlin den Weg eines hoffnungsvollen, in die Zukunft blickenden, sein Wesen betonenden, auf seine Eigenart stolzen Judentums fortsetze. s. n. Unsere Versammlungen Ohne Posaunenklang und ohne Trompetengeschmetter, ohne Solisten und ohne Orchester, ohne musikalische Entrefilets und rezitatorische hors d’oeuvres haben wir im Wahlkämpfe zahlreiche Versammlungen veranstaltet, die, je näher der Wahltag heranrückte, immer stärker besucht waren. Oft ergab sich die Notwendigkeit, Parallelversammlungen im gleichen Gebäude oder im nahe gelegenen, in letzter Minute gemieteten Lokale abzuhalten. Alle Versammlungen verliefen in mustergültiger Ordnung. Versuche von gegnerischer Seite — die gegnerische Seite waren stets Liberale — durch Zwischenrufe zu stören, erstickten unter dem Widerspruch der anderen Teilnehmer. Die Ausführungen der Referenten in unseren Versammlungen konzentrierten sich auf die Dar- Stellung des bisher Geleisteten. Fast niemals hörte man Worte wie ״wir wollen, wir werden, wir verlangen״, sondern regelmäßig nur die selbstbewußte Darstellung ״wir haben". Unsere Wahlversammlungen hielten sich immer auf einem beachtliehen Niveau, da die Referenten die Weisung hatten, sich nicht mit kleinlichen Fragen dritten Ranges zu beschäftigen, sondern die Gelegenheit auszunützen und Erziehungsarbeit an der jüdischen Masse zu leisten. Immer gingen die Referenten von einer Darstellung der jüdischen Situation aus, und oft mußte man aus dem Munde liberaler Horchposten oder Störenfriede den Zwischenruf hören: ״Gehört das zu einer Wahlver- Sammlung?״, woraufhin das interessierte Publikum durch lauten Beifall bekundete, daß es gern über die allgemeine jüdische Lage unterrichtet sein will. So waren denn unsere Wahlversammlungen eigentlich Lehrkurse über das jüdische Problem, Volkshochschulen, an denen nicht nur über die aktuellen Fragen der Berliner Jüdischen Gemeindepolitik, sondem über alle Probleme der Judenheit vorgetragen wurde. Bei dieser Gelegenheit konnte man aufs neue feststellcn, wie stark bereits die Verbundenheit des jüdischen Pubiiküms mit den Kragen des Palästina-Aufbaus tat. So oft ein Referent im Laufe seiner Ausführungen auf das Palästinaproblem zu sprechen kam, dankte ihm die Zuhörerschar durch demonstrativen Beifall. Ferner war festzustellen, daß die Wählerschaft sich völlig klar ist über das Grundprinzip, um welches im gegenwärtigen Wahlkampf gestritten wird: Verkleinerte s Judentum oder Maximaljudentum. Es entspricht dem Zeitgeiste, der jeder Verschleierung abhold ist, daß die jüdische Wählerschaft es ablehnt, im unklaren über jüdische Wesensart und über die Problematik der jüdisehen Existenz gehalten zu werden. Nach dieser Richtung bedeutete die Wahlbewegung, über das voraussichtlich günstige Ergebnis für die Jüdische Volksparte! hinaus, einen großen Gewinn. Denn die geleistete Erziehungsarbeit wird nicht verloren gehen. Eine auffallende Erscheinung an allen Wahlversammlung gen der Volkspartei war die außerordentliche starke Beteiligung der Jugend. Nicht nut die Mitglieder der Jugendbünde״ der Sportverbände und anderer jugendlicher Organisationen waren in den Versammlungssälen vertreten. Vielmehr konnte man mit Genugtuung feststellen, daß unter den Zuhörern die nichtorganisierten jugendlichen Elemente bei weitem überwogen. Die Entwicklung des jüdischen Lebens, der schwere Wirtschaftskampf, die gesamtpolifische Lage in Deutschland haben in jüdischem Sinne bewußtseinstärkend gewirkt. Besonders in den Stadtvierteln mit dichterer jüdischer Bevölkerung, im Zentrum, Osten und Norden, war der Anteil der jüngeren Jahresklassen außerordentlich rege. Diese jungen Menschen haben, wie sich aus Gesprächen nach Versammlungsschluß ergab, aus den gehörten Referaten mancherlei Anregung empfangen. Die Jüdische Volkspartei verfügt, was ja ein öffentliches Geheimnis ist, kaum über den zehnten Teil der WahlgeWer, die der liberalen Partei in so reichem Maße von sonst jüdisch wenig interessierten, aber anläßlich der Wahlen aufgeputschten wohlhabenderen Juden zugeflossen sind. Sie sah sich daher gezwungen, in jeder Versammlung eine Pause eintreten zu lassen, um für den Wahlfonds zu sammeln. Bei dieser Gelegenheit sind wohl nicht im einzelnen große Summen gegeben worden, aber die kleinen Beträge, die bereitwillig gespendet wurden, bedeuteten eine wesentliche Stärkung des volksparteilichen Wahlfonds. Die Voraussagen, daß mit Rücksicht auf die allgemeine politische Lage die Beteiligung an den Wählerversammlungen schwach sein werde, weil sich die Juden scheuen würden, demonstrativ an jüdisehen Versammlungen in Massen teilzuiiehmen, hat sich zum Glücke nicht bewahrheitet. Es ist eine ungerechtfertigte Annähme, daß die Juden bei der Bekundung ihrer Zugehörigkeit zum Judentum durch den Aufstieg der antisemitischen Weile in Deutschland verängstigt worden wären. Man konnte im Gegenteil die entgegengesetzte Erfahrung machen. Gerade der Zustand der erhöhten Bedrohung durch die allgemeine politische Entwicklung in Deutschland hat in der Richtung■ eines stärkeren Zusammenschlusses der Juden und einer mannhärteren Bekundung des jüdischen Bewußtseins gewirkt. Vo? dem Wahltage, am 30. November, werden noch einige Massenkundgebungen der Jüdischen Volkspartei stattfinden. Es ist vorauszitsehen, daß sie ebenso wie die Versammlungen in den letzten Tagen außerordentlich stark besucht sein werden, obwohl als Lockmittel keine Opern-Ouvertüren und keine Ankündigung von Sängern und Rezitatoren verwendet werden.- Nach den Wahlen werden wir noch Anlaß nehmen, der Haitung des jüdischen Publikums in unseren Versammlungen Anerkennung zu zollen. Heute sei zum Ausdruck gebracht, daß wir allen unseren Freunden, Helfern, dem Publikum und den Referenten für ihre eifrige und ergebene Arbeit ttnseren Dank aussprechen. n. s. Moset Waldmann Was sind wir? Nur Primitive und Hochdifferenzierte haben Ich-Bewußtseln. Die seelische Haltung der Zwischenstehenden ist schwankend. Das gilt für den Selbstverständlichkeits-Juden des Ostens, für den intellektuellen Zionisten des Westens und für die Vertreter der verschiedenen Assimilationstheorien. Der Primitive ist naturgebunden, instinktiv egozentrisch. Er repräsentiert die 11rspriinglic he,unkomplizierte Geschlossen heit. Der Hochdifferenzierte schritt über die Differenziertheit seines seelischen Erlebens zur bewußten Geschlossenheit. Der zionistische Jude hat das klare Wissen, daß er, ähnlich einem Planeten, außer der Eigenbewegung noch die Bewegung um einen ״Fixstern“ und mit diesem die Bewegung in einem Universalsystem mitmacht, genauer ausgedrückt, daß er Eigenart hat, jüdisches Eigenleben führt, außerdem aber Anteil nimmt an der Kultur und dem Leben seines Heimatlandes und, mit diesem gemeinsam, beteiligt ist an einem universalen Kulturkreise. Der ״liberale" Jude hat erfahren, daß er außer dem Eigenleben noch Anteil am Leben seiner Umgebung hat, und sein Begriffsbild ist verworren. Die Fragestellung, was ein Jude sei, Jude oder Deutscher, Jude oder Franzose, ist naiv. Die Juden sind, um ein Wort Bubers zu wiederholen, in höherem Grade Mischung als andere Menschen. Die Zionisten wollen Herren dieser Mischung sein, die liberalen Assimilationsjuden aber sind Sklaven dieses Zustandes. Dem Zionisten ist, obwohl er gleich jedem anderen Juden an allen Lebensströmen Anteil hat, kraft innerer Entscheidung das Judentum Primat. Für den ״Liberalen“ Ist nicht nur das Judentum, sondern auch sein Weltbild verschwommen.

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