Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-11-24 · Heft 93 (24.11.1930) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 93 (24.11.1930)
Date
1930-11-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653242--21987-2680149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 93, 25. XL 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 625״ Nach der Unterhaus-Debatte Das Echo in Jerusalem Die Beamten freuen sich. Der Jerusalemer Korrespondent der ״Time s“ drahtet seinem Blatt aus Jerusalem am 18. November: Sowohl der jüdische Nationalrat (Waad Leumi) als auch die Arabische Exekutive treten heute Abend zusammen, um die politische Position unter dem Gesichtspunkt der Parlamentsdebatte über die Interpretation der Regierungspolitik durch das neue Weißbuch zu beraten. Gegenwärtig ist als Reaktion auf die Debatte eine große Erleichterung in den arabischen Kreisen festzustellen, wo in den letzten zwei Wochen die Besorgnis bestand, die Regierung könnte die neue Politik wieder einschränken. Manche britische Beamte loben laut die HaltungderRegierung und sagen, endlich könnten sie mit ganzem Herzen ihre Arbeit führen. Großes Er staun e n herrscht über die neue Anleihe von 2>/a Millionen Pfund zu Erschließungsarbeiten. Man ist der Ansicht, daß hierdurch den Finanzen eines so kleinen Landes wie Palästina eine unerträgliehe Last aufgebürdet wird. — Die Juden zeigen eine schwere Enttäuschung darüber, daß die neue Regierungserklärung keinen Versuch macht, die angeblich falschen interpretationen des Weißbuches zu beseitigen. ♦ Lieber die Sitzung des Waad Leumi, die in vorstehender ״Times-Depesche angekündigt wird, berichtete die JTA am 19. November telegraphisch aus Jerusalem: Jerusalem, 19. November. (J. T. A.) Am 18. November hat der Waad Leumi, nach Einlangen des Berichtes über die Palästina! ebatte im englischen Unterhaus, unter dem Vorsitz von Pinchas Ruthenberg eine Sitzung abgehalten. Es wurde eine Resolution angenommen, in der der Simpson-Bericht als ״verräterisch und unehrlich“ (״treacherous and dishonest“) bezeichnet wird. Er bedeute, heißt es weiter, ebenso wie der Shaw-Bericht, eine Verschwörung gegen das jüdische Volk; die Anerkennung dieser Dokumente seitens der Regierung bedeute eine Verletzung ihrer Verpfliehtungen gegenüber den Juden. Der Waad Leumi beschloß, die Jewish Agency aufzufordem, keine Verhandlungen mitderRegierungaufderBasisdesWeißbuchs zu führen. Am nächsten Tag telegraphierte die JTA, der Text der Resolution sei einer neuen Redaktion unterzogen worden, wobei die Worte ״verräterisch und unehrlich“ als Charakteristik des Simpson-Berichts eliminiert worden sind. Im übrigen betont die Resolution nochmals ihre Ablehnung des Weißbuches und die Enttäuschung über die Unterhausdebatte. Die Arabische Exekutive hat in der gleichzeitig am 18. abgehaltenen Sitzung beschlossen, eine Erklärung zu veröffentlichen, worin die Politik des englischen Weißbuches ak zepti ert wird. Die Araber wiederholen in dieser Erklärung ihre Vorbehalte bezüglich einer demokratischen Konstitution für Palästina, zugleich aber sind sie bereit, in den Legislative Council einzutreten. — und In New York Ueber die Aufnahme der Parlamentsdebatte im am er!- kan i sehen Judentum meldet der New Yorker Korrespondent der ״Times“ am 18. d. M., die Erklärungen der Regierung im Parlament hätten einen gemischten Eindruck hervorgerufen. Man könne nicht sagen, daß sie mit Begeisterung aufgenommen worden seien. Die gemäßigten Führer der amerikanischen Juden aber glauben, daß die Debatte ein Anzeichen für die Bereitschaft der Regierung ist, sich auf Verhandlungen und Ausgleich einzulassen. Sie bedauern tief, daß dieses Verfahren nicht vor der Veröffentlichung des Weißbuches eingeschlagen wurde, aber sie sind überzeugt, daß es noch nicht zu spät ist, die Situation zu retten, falls die Regierang bereit ist, den Zionisten auf halbem Wege entgegenzukommen. Sie glauben nicht, daß die Regierung durch die Veröffentlichung des Weißbuches und seine Verteidigung im Unterhaus ihre Hände gebunden hat vor dem Beginn einer Round Table-Konferenz über Palästina. Viele andere jüdischen Führer jedoch erklären, daß die Haltung der Regierung im Parlament eine Round Table-Konferenz sinnlos gemacht haben. Der Korrespondent führt Aeußerungcn der Zionisten L i p s k v und Ernanuel Neumann an, die erklären, nur durch Beseitigung des Weißbuches könnten Verhandlungen mit der Regierung ermöglicht werden. Pressestimmen Die Londoner ״Time s“ schreibt in ihrem Leitartikel vom 18. d. M.: Der Verlauf der gestrigen Palästina-Debatte sollte als Warnung hinsichtlich der Gefahren dienen, die sich durch Sorglosigkeit bei der Vorbereitung offizieller Dokumente und aus Unklarheiten über die Politik ergeben, die von ihnen involviert wird. Selbst Lloyd George, der den Angriff eröffnete, wies darauf hin, daß die Regierung, wenn sie überhaupt eine Palästina-Politik hatte, von der Linie aller ihrer Vorgänger abgewichen sei und eine Richtung eingeschlagen habe, die gegenüber den Juden unfair ist, und ein Abgehen von den internationalen Verpflichtungen darstellte, die unserem Lande durch ein internationales Mandat auferlegt sind. Die kürzlich veröffentlichte Regierungserklärung, welche ihm die Textunterlage für eine große rethorische Leistung lieferte, kann seiner Interpretation schwerlich standhalten. Sie zeigt nach Amern Worten die ״Unvermeidlichkeit von Taktlosigkeiten“, und man kann wohl hinzusetzen ״die Unvermeidlichkeit schlechter Stilisierung“ unter der gegenwärtigen Verwaltung. Das Weißbuch hat einige sehr ins Auge fallende Mängel; es enthielt unnötige Härten. Seine Darstellung der Lage in Palästina erscheint einseitig. Während einige Stellen dieses Dokumentes ein empfindliebes und gefühlstarkes Volk verletzen, waren andere so zweideutig abgefaßt, daß sie falsche Interpretationen begreiflich machen und diese geradezu herausfordern, ln einem Brief, der kürzlich in diesen Spalten veröffentlicht wurde, haben Lord H a i I s h a m und Sir John S1 m o n die öffentliche Aufmerksamkeit auf den deutlichen Widerspruch hingelenkt, der zwischen dem Mandat (das selbst nicht gerade ein Muster klarer Formulierung ist) und nicht weniger als sieben Punkten der letzten Regierungserklärung besteht. Lord Passfields Antwort erklärte lang und breit, daß ihre Einwände auf einer falschen Interpretation der wahren Bedeutung dieser Stellen beruhe. Aber was soll man über die Abfassung eines so wichtigen Dokumentes sagen, wenn zwei der hervorragendsten Juristen in der fnterpretation der wesentlichsten Punkte dieses Dokuments und der Intentionen der Regierung, die es herausgibt, so vorbeigreifen mußten. Kurz darauf ist der Eindruck von der schwankenden Haltung des Ministeriums und der Konfusion im Weißbuch durch die Entscheidung der Regierung noch vertieft worden, die einer Anzahl von jüdischen Emigranten, deren Zertifikate im Mal kassiert worden waren, jetzt die Erlaubnis zur Einreise und Ansiedlung in Palästina erteilt. Diese Leute gehören, wie es scheint, wohl zu Kategorien, gegen deren Zulassung Sir John Hope Simpson in seinem Bericht keine allgemeinen Einwendüngen erhob. Aber das Zusammentreffen dieser neuen Kon- Zession mit der Entdeckung, daß die große jüdische Wählerschaff in Whitechapel, wo eine Nachwahl bevorsteh(, durch die vermutete Feindseligkeit der Regierung gegenüber dem Zionismus tief berührt ist, vermag gerade nicht ein Gefühl der Beruhigung aufkommen zu lassen. Tatsächlich waren, und nicht zum ersten Male, die Absichten der Regierung viel besser als ihre Erklärungen. Mac Donalds persönliches Telegramm an General S m u t s, das am 27. Oktoher veröffentlicht wurde, war eine weit bessere Regierungserklärung als das vom Colonial Office herausgegebene Originaldokument. Der Primeminister wiederholte gestern vieles von seinen Grundgedanken und Alle mann an Bord ist die Parole am 30. November! von Ihnen hingt der Erfolg des Wahltages ah. Bitte melden Sie sich zur Wahlhlife für den Wahltag am Sonntag, den 30. November, von 9 bis 6 Uhr. Niemand darf fehlen! Wir brauchen alle Kriftel Meldet Euch selbst, Mann und Fraul Schickt auch Eure Söhne und Töchter! Wir varlangen bei dieser wichtigen Aktion, von deren Erfolg unser Wirken in Deutschland für die nächsten Jahre abhängt, daß Ihr Eurer Organisation diesen einen Tag ganz widmet Jüdische Volkspartei machte es deutlich, daß seine Regierung sich absoluter Unparteilichkeit gegenüber allen Palästinensern befleißigen wolle, ob Juden oder Arabern, auf deren Kooperation, wie Dr. S h i e 1 s : bereits in Seinem Plädoyer für die Regierang gesagt hatte,.die künftige ökonomische Wohlfahrt Palästinas gänzlich beruhe. Er wiederholte die Zusicherung, die bereits vom Unterstaatssekretär für die Kolonien gemacht wurde, daß die Regierung niemals ein Abweichen von ihren Verpflichtungen als Mandatsmacht oder gar die Ausübung eines Zwanges 1n der Richtung, daß das Jüdische Nationalheim im Zustand seiner gegenwärtigen Ent- Wicklung erstarre, in Betracht gezogen habe. Die Vorschläge für eine Entwicklung der intensiven Landwirtschaft in Palästina mit einem Kostenaufwand von 2 500000 Pfund stießen im Laufe der Debatte auf wenig oder keine ernste Kritik und waren deshalb von Bedeutung, weil sie den Entschluß der Regierung zeigten, die H au p t e m p f e h I u n ge n des Simpson- Berichtes in die Tat umzusetzen. Aber hier muß doch ein gewisses Caveat gesprochen werden. Hoffentlich wird die Regierungsanleihe, die unter Garantie des britischen Schatzamtes aufgelegt werden soll, so weit als möglich für produktive Zwecke verwendet werden, um so mehr, da ihr Zinsendienst in den nächsten Jahren eine Belastung des britischen Budgets darstellen wird. Der Bericht schlägt eine Verstärkung der Zivilverwaltung in Palästina vor, die nicht leicht von einem, Land getragen werten kann, bei dem nicht die Wahrschein- Iichkeit besteht, daß es aus seinen eigenen Hilfsquellen wohlhabend werden wird. Die Neuschaffung von Departements und Verwaltungsposten, die unvermeidlicherweise mit nichtarabischen Spezialisten besetzt werden müssen, mag die Wirkungskraft der Verwaltung verstärken. Aber ihre Popularitat bei der Majorität der Einwohner des Mandatsgebietes wird sie kaum heben. Bleibt noch abzuwarten, ob die gestrige Erklärung über die Politik der Regierung die zornige Erregung unter den Juden vieler Länder dämpfen wird, 7. B. in New׳ York, wo eine größere jüdische Gemeinde existiert als in irgendeiner Stadt der Welt. Etwas von dem Unwillen, welcher so laut zum Ausdruck gekommen ist, ist nach sorgfältigerem Studium der Tatsachen Palästinas abgeflaut, und in diesem Zusammenhang muß besondere Anerkennung dem Verständnis und der Mäßigung gezollt werden, die die Bemerkungen der ״New York Times“ über die britische Regierungserklärung auszeichneten. Aber leider bleibt viel Mißstimmung zurück, und wahrscheinlich vor allem in den Kreisen der politischen Zionisten, die nach Herbert Samuel in einer kleinen Minorität sind, wobei freilich seine Abschätzung ihrer Stärke wahrscheinlich von denen bezeugt werden müßte, die besser mit den Massen als mit den Führern im Zionismus bekannt sind. Was die Enttäuschung der Juden betrifft, die dadurch hervorgerufen wurde, daß die britische Regierung eine Interpretation des Mandates ablehnt, welche das Jüdische Nationalheim in einen Judenstaat in Palästina verwandeln würde, so ist keine Politik, der irgendeine britische Regierung ehrenhaft folgen könnte, imstande, sie aus der Welt zu schaffen. Die extremen Ansprüche dieser zionistischen Politiker sind, unzulässig. Sie würden involvieren, daß mit Hilfe der britischen Verwaltung, letzten Endes gedeckt durch britische Truppen, in offensichtlicher Verletzung wesentlicher Artikel des Alandafes eine jüdisehe Ueberlegenheit über die Araber in Palästina errichtet würde. Aber die gemäßigten Zionisten, welche mit Nachdruck den Rückschlag in der Politik einer intensiven Kolonisierung bedauern, werden gut daran tun, sich zu erinnern, daß erstens, wie $ir Herbert Samuel sehr klug sagte, ein Vorteil für die Araber kein Nachteil für die Juden sein müsse, und zweitens, daß ein Jüdisches Nationalheim, um gesichert zu sein, ein solides Fundament von arabischem Einverständnis benötige. Die Politik der Regierung zielt deutlich darauf ab, dieses arabische Verständnis zu sichern. Es ist schade, daß diese Politik im ersten Augenblick mit so wenig Präzision zum Ausdruck gei bracht wurde. ״Manchester Guardian" schreibt über das 22'י- Millionen-Anleihe-Projekt: Dies ist zweifellos der richtige Weg, um dem Problem Palästinas gerecht zu werden, so unsympathisch es auch im gegenwärtigen Zustand unserer Finanzen sein mag. Das Problem liegt einfach: Das Mandat erlegt England die Verpflichtung auf, Palästina unter solche ökonomischen B e d i n g 1111 g c n zu stellen, welche die Entwicklung des Jüdischen Nat i o n a I h e ims in d i e s e in Lande möglich m a c 11 c n. Für dieses N'ationalhcim ist natürlich Boden erf orderlieh, aber der meiste Boden in Palästina ist bereits besetzt. Er ist jedoch dünn bevölkert und ärmlich bewirtschäftet. Bewässerung und moderne Arbeitsmethoden würden den gegenwärtigen Pächtern es möglich machen, auf kleineren Landflächen ihre gegenwärtige Lebensführung aufrecht zu erhalten oder sogar zu verbessern, und auf diese Weise würde Land für jüdische Ansiedlung frei werden. Aber intensive Bewirtschaftung ist unmöglich ohne Kapital, und da die Araber zu arm sind, um dieses selbst beizutragen, muß es aus anderen Quellen beschafft werden. Dies ist die Rechtfertigung dafür, daß die englische Regierung die Ausgabe und den Zinsendienst einer solchen Anleihe auf sich nimmt. ״Daily Telegraph“ schreibt: Aus der Etebatte im Unterhaus wird klar, daß die Regierung bestrebt ist, •den Schaden, der nicht nur ihrem eigenen Ruf, sondern dem Ruf Großbritanniens durch das beklagenswerte Weißbuch zugefügt wurde, zu reparieren. .... Wir glauben nicht, daß dies (s. c. die Landerschließungs-Aiileinc) den Unwillen, der in zionistischen Kreisen aber keineswegs nur in diesen — durch den wegwerfenden Ton des Weißhuches erregt wurde, beschwichtigen wird. Aber ebenso wie die Ausgabe der 1500 Zertifikate zeigt es, daß die Regierung bestrebt ist, den durch den Rücktritt von Ihr. Weizmann und anderen entstandenen schlechten Eindruck zu beseitigen.Das ״M i ß - Verständnis“ (auf das sich die Regierung beraft) war so allgemein, sogar in Kreisen, die der Regierung nicht unfreundlich gegenüberstehen, daß es ein immer tieferes Geheimnis wird, wie es möglich war, daß ein derartiges Dokument zur Veröffentlichung gelang t e. Die konservative ״Mornin'g Post“ erklärt, die Nachwähl in Whitechapel habe ihre Schatten auf die Unterhaus- Debatte geworfen und besonders Lloyd George habe der Regierung geradezu lächcrlicne Vorwürfe gemacht. Das Blatt nimmt aber auch Stellung gegen den konservativen Amery, lobt das Weißbuch der Regierung und beruft sich auf eine antizionistische Aeußerung des ehemaligen (im Kriege) Ministers für Indien, Montagu, bekanntlich eines liberalen Juden, um darzutun, daß eine Gegnerschaft gegen die Balfour- ,Deklaration absolut nicht von Antisemitismus diktiert sein müsse. Die Juden in England genießen alle Rechte und Freiheit. Wenn sie aber fordern, daß auf ihren Böden in Palästina nur Juden beschäftigt werden, wie können sie dann in anderen Ländern freie Beschältigung für sich fordern? Und wenn sie in Palästina gegen Selbstverwaltungsinstitutionen sind, wieso fordern sie dann für sich in anderen Ländern volle politische Rechte? — Wer die Naturschätze Palästinas kennt, der weiß, daß die Siedlungsmögliclikeiten dort bereits überspannt sind. Das Versprechen der 2>2-Millionen-Anleihe werde vielleicht mit Rücksicht auf die Stimmung in Whitechapel von vielen Paüfikern geschluckt werden; aber der Zionismus wird dadurch beim britischen Steuerzahler keineswegs populärer werden. Der Parlamentsberichterstatter der ״M o r n i n g Post“ erzählt, ein konservatives Parlamentsmitglied habe angesichts des Regierungsvorschlages einer Anleihe für Palästina gesagt: ״Dies ist wohl eine für Whitechapel bestimmte Geste: das wird die kostspieligste. Nachwahl sein, die es in der Geschichte gegeben hat.“ Der Berichterstatter stellt ferner fest, es sei aufgefallen, daß am Tage der Palästina-Debatte der Außenminister Hcnderson sich in den Couloirs des Unterhauses befand, jedoch das Schlußwort der Regierung, das eigentlich er hätte halten sollen, seinem Kollegen, dem Marineminist er Alexander überließ. Dabei betreffe diese Sache doch viel eher das Außenministerium als das Marineministerium. ,.Aber Herr Henderson ist in diesen Tagen nicht selten abwesend, wenn das Kabinett gerade in Not ist.“ m Der ״Near East and 1 n d i a“ schreibt am 20. d. M.: Die Unterhausdebatte habe wenig Neues gebracht. Die Sprecher der Regierung konnten ohne Schwierigkeit und ohne im geringsten von der Grundhaltung des Weißbuches abzugehen, die Mißverständnisse dahin aufklären, daß ihr einziges Ziel Gerechtigkeit gegenüber allen Parteien in Uebereinstimmur.g mit den Bestimmungen des Mandates ist. Das Interesse Palästinas als Ganzen muß stets die erste Erwägung sein. Der Schlüssel der Entwicklung ist arabisch-jüdische Zusammenarbeit. Wenn die Regierang aber dieses Ziel erreichen will, muß sie mit stärkerer Hand regieren als bisher. Sie muß überwachen und leiten, wo sie bisher nur passiv zugesehen hat. Daher muß auch das ganze S i e d 1 u n g s p r 0 bl e m in Zukunft Sache der Regierung sein. Dies ist die wahre Bedeutung der 2• ä-Millionen-Anleihe, die nötig gewo den ist, weil frühere Regie ungen verabsäumt haben, dafür zu sorgen, daß gleiches Recht in Palästina bestehe. Möglicherweise wird dies zur Folge haben, was der Primeminister eine Verzögerung des Tempos der Entwicklung des Jüdisehen Nationalheims nannte. Daß die Sicherung gleichen Rechtes und Ordnung, was synonym ist mit Wohlstand und Frieden, das Hauptziel der Regierung ist, muß allen unparteiischen Lesern dieser Debatte klar sein. Es wäre bedauerlich, wenn, wie Sir Herbert Samuel in seiner Rede sagte, die Juden durch die Erklärungen der Regierung entmutigt wären. Der Jerusalemer K.o rrespondent derselben Zeitschrift berichtet über die Aufnahme des Weißbuches in Palästina. Er charakterisiert die jüdische Ablehnung und die arabische Haltung, die zuerst zögernd und dann bejahend gewesen ist. Sodann berichtet er über verschiedene Ver- Sammlungen der Revisionisten, bei denen gleichzeilig der ״englische Verrat“ und der 50. Geburtstag von Jabotinsky besprochen wurden. Er berichtet, wie Jabotinsky als größter Führer gefeiert und mit den Richtern des jüdischen Altertums verglichen wurde und fährt fort: ״Dies ist alles sehr verständlich aber unter dem Gesichtspunkt irgendeiner Hoffnung auf eine arabisch-jüdische Verständi - g u n g bedauerlich. Ueber Jabotinskys Größe kann kein Zweifel bestellen, aber niemand hat mehr als er dazu gedient, Argumente in die Hände der Araber zu spielen, die deren schlimmste Befürchtungen einer jüdisehen Vorherrschaft in Palästina rechtfertigen,“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.