Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1930)
- Date
- 1930-11-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 624 Nr. 93, 25. XI. 1930 ..r_gegen Liberalismus und warum 1r n , .י für Volkspariei? Beteuerungen Insbesondere im Wahlkampfe beweisen nichts. Die sicherste Probe auf eine politische Lehre ist das Leben. Was aber lehrte die Entwicklung des deutschen Judentums unter der Führung und Vormundschaft des Liberalismus? Wie sah das Ergebnis der liberalen Epoche im deutschen Judentum aus? Der Gemeinde-Liberalismus, diese Richtung der hoffnungslosen Resignation und der bedingungslosen Assimilation, entjudete das jüdische Heim, verödete und zerstörte die einst in Deutschland blühenden Lehrhäuser, leerte die Synagogen und verwischte die jüdische Eigenart. Zuerst hieß es: sei Jude nur innerhalb Deiner vier Wände und Deutscher im Leben! Dann verbannte man das Judentum auch aus dem jüdischen Heim und verwies es ins Bethaus. Dann verdeutschte man allmählich das BethauJf und das Judentum des Liberalismus war auf die jüdischen Begräbnisstätten beschränkt. Der Weg des Liberalismus führte vom lebendigen Judentum der einstmaligen Judengemeinde über die Entjudüng von Heim, Lehrhaus und Synagoge zu einem großen Trümmerfeld. Die geistvollen Lehren der Denker und Wortführer des liberalen Judentums haben nicht vermocht, den unaufhaltsamen Sterbeprozeß des deutschen Judentums aufzuhalten. Hunderttausend Täuflinge, ungezählte Mischehen, Interesselosigkeit der überwältigenden Mehrheit des deutschen Judentums, Entjudung der Jugend, Verfall des Wissens im Judentum und jüdischer Lehrer — das waren die Früchte der liberalen Führung. Aus diesen Gründen kann kein bewußter Jude für die liberale Liste stimmen. Erst der Zionismus, der die lebendigen Kräfte der Judenheit in der ganzen Welt geeinigt hat und der der Jüdischen Volkspartei den Daseinsgrund gibt, hat das Interesse für Juden und Judentum auch in Deutschland wachgerufen. Er hat die Jugend dem Volke wiedergewonnen. Er hat das jüdische Selbstbewußtsein gehoben. Er hat das jüdische Volk zur Selbsthilfe erzogen. Er hat das jüdische Volk nach achtzehnhundertjährigem Exil wieder zum aktiven Faktor im Völkerleben gemacht. Er hat die hebräische Sprache zu neuem Leben erweckt. Er hat den Dienst für Judentum und jüdisches Volk neu geadelt und den im Volksdienst Stehenden das verschwundene Gefühl von Würde und Freudigkeit wiedergegeben. Er hat mit dauernd steigendem Erfolge eine umfassende körperliche Regenerationsbewegung durch Pflege von Turnen und Sport hervorgebracht. Er hat dem jüdischen Volke Gegenwartsinhalt und Zukunftshoffnungen gegeben. Liberalismus fst sterbende Vergangenheit. Zionismus ist lebende Gegenwart und frohe Zukunft. Wer das Judentum bejaht, wer seinem Leben jüdischen Inhalt und seinen Kindern Ziel und Zukunft geben will, wer den Bestand des Judentums sichern will, der muß sich am 30. November für die Jüdische Volkspariei entscheiden. ..Illllllllllll.Illllllllllllllllllllllllllllllllll.Illllll.[Illlllll.111|11111111111||||11|||||||||||||]1|||||||||||||||||||||||||||||]11||||||||:||||||||||||||||||1|||||||||||||||||111111ח|||||||||||||||||||||.Illlllllllllllllllll rung erklärte Weizmann, die Bestimmung der Anzahl zuzu• lassender jüdischer Einwanderer dürfe nicht von der Arbeite• losigkeit unter den Arabern, ja nicht einmal von der Arbeite•!osigkeit unter den Juden abhängig gtjpacht werden, sondern einzig und allein von den Beschäftigungsmöglichkeiten, die den Neuankömmlingen geboten werden. Die Juden seien zwar im Jahre 1922 bereit gewesen, sich an einer Gesetzgebenden Körper■ schaft zu beteiligen, heute aber •nicht mehr. Denn Im Jahre 1922 bestanden keine Beziehungen zwischen den arabischen Extremisten und der Palästina-Regierung. Seit 1922 aber sei der Einfluli des extremen arabischen Flügels auf die Palästina• Regierung, die sich seinen Forderungen stets gefügig gezeigt und ihn sogar vielfach ermutigt hat, stetig gewachsen. Auch genössen die palästinensischen RegiemngsDeamten, denen ein Teil der Sitze im geplanten Legislative Council Vorbehalten ist, nicht das Vertrauen des jüdischen Volkes, weil es an die Bereitschaft dieser Beamten, die Verpflichtungen des Mandates zu erfüllen, nicht zu glauben vermag. Sollte die Regierung in ihrer Antwort dem Standpunkt Weizmanns Rechnung tragen, so werden die inzwischen auf Montag, den 24. November, vertagten Verhandlungen von jüdischer Seite aufgenommen werden. Wenn aber die Regierung Weizmanns Standpunkt nicht oder nur ungenügend berücksichtigen sollte, so werdendieVertreterderJ-ewish Agency an weiteren Verhandlungen nicht mehr teilnehmen, da die einmütige Meinung aller Mitglieder der Politischen Kommission, der Zionistischen Exekutive und der Exekutive der Jewish Agency dahin geht, daß in diesem Falle Verhandlungen als zwecklos betrachtet werden müssen. Es käme dann zu einem offenen Konflikt mit der englischen Regierung, der kaum beigelegt werden könnte, solange das gegenwärtige Kabinett im Amte ist. inzwischen wurden die einzelnen Mitglieder der Exekutive beauftragt, von ihrem persönlichen Gesichtspunkt aus eine Liste jener positiven Forderungen zusammenzustellen, die ihrer Meinung nach der Regierung vorgelegt werden sollen. Donnerstag, den 20. November, hielt die Zionistische Exekutive eine Sitzung ab, die bis spät in die Nacht andauerte. In dieser Sitzung wurden die Vorschläge für die an die Regierung zu stellenden Forderungen diskutiert. Da es bisher noch nicht feststeht, ob Pinchas Ruthenberg und Professor Frankfurter als Vertreter des Waad Leumi bzw. der amerikanischen Zionisten in der auf der Aktions-Comite-Tagung eingesetzten Politischen Kommission nach London kommen werden, nehmen Dr. H e x t e r und Prof. Harold L a s k i als provisorische Vertreter Amerikas an den Beratungen teil. (Diese Darstellung ist offenkundig irrig, da die Teilnahme der Vertreter der Nicht Zionisten gar nichts zu tun hat mit der erwarteten Teilnahme des Vertreters des Waad Leumi, Ruthenberg, und des Vertreters der amerikanisehen Zionisten, Prof, Frankfurter. — Anm. d. ״R. J.“) Harold Laski, Professor der politischen Wissenschaften in London, ein Sohn des ,Mitgliedes des Board of Jewish Deputies Nathan Laski, wurde von den amerikanischen Mitgliedern der Jewish Agency ersucht, die Wahrung ihrer Interessen zu übernehmen, da er als jahrelanger Mitarbeiter von Judge Brandeis mit den amerikanisch-jüdischen Verhältnissen vertraut ist.' Die Teilnahme Harold Laskis an den Beratungen wird im Hinblick auf seine ausgezeichneten Beziehungen zur englischen Regierung und seine großen Erfahrungen auf dem Gebiete der eng- ]!sehen Politik als bedeutender Gewinn für die jüdische Sache gewertet. Laski war viele Jahre lang mit Lord Passfield eng befreundet, hat jedoch jetzt aus Empörung über das Weißbuch seine Beziehungen.abgebrochen und sich, obwohl er sich bisher niemals aktiv jüdisch-politisch betätigt hat, entschlossen, den Kampf gegen das Weißbuch aufzunehmen. Hexter und Laski haben ein Verzeichnis der jüdischen Forderungen an die englische Regierung vom Standpunkt der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency in Amerika ausgearbeitet. Auf Grund der Entwürfe der einzelnen Mitglieder der Zionistischen Exekutive, sowie der Vorschläge Laskis wird ein Memorandum ausgearbeitet werden, das der Regierung anläßlich der eventuellen Wiederaufnahme der Verhandlungen vorgelegt werden soll. Der Londoner Zionistische» Exekutive wurde von der Palästina-Exekutive telegraphisch mitgeteilt, daß die Palästina• Regierung Anstalten trifft, . um Verordnungen auf Grund des Weißbuches zu erlassen. Das Telegramm traf einige Stunden vor der Vertagung der Konferenz ein, so daß Weizmann Gelegenheit hatte, seinen Inhalt der Konferenz zur Kenntnis zu bringen. Weizmam#erkiärte es für unfair, daß das Weißbuch in Kraft gesetzt werde, solange Verhandlungen im Gange sind. Außenminister Henderson gab die Ver- Sicherung ab, daß vor Beendigung der Konferenz keine Verfügungen auf Grund des Weißbuches getroffen werden würden; es sei aber nur natürlich, daß die Palästina-Regierung Vorbereitungen treffe, um die ihr vom Kolonialamt erteilten Weisungen rechtzeitig ausführen zu können. Auf Veranlassung der Zionistischen Exekutive bleiben die Führer der palästinensischen Juden Arlosoroff, Berl Katzenelson, Sprinzak und Rabbi Berlin während der Dauer der Verhand- Hingen mit der Regierung in London. Weizmann steht in ständiger Fühlung mit James de Rothschild, Sir Herbert Samuel und Lord R e a d i n g , deren Rat vor jedem wichtigeren Schritt der jüdischen Konferenzteilnehmer eingcholt wird. Wenn auch kein Zweifel darüber bestehen kann, daß das Weißbuch auf Grund der Ergebnisse der Konferenz nicht zurückgezogen werden wird, ist doch das Bestreben der Vertreter der Jewish Agency darauf gerichtet, die weitmöglichsten Konzessionen seitens der Regierung zu erlangen. Wie wird es sein, nachdem die neue Repräsentantenversammlung am 30. November gewählt fst? In Eure Hand, jüdische Männer und Frauen Berlins, ist die Entscheidung gelegt. Wollt Ihr, daß die Gemeinde, wie in früheren Jahren, kein Verständnis hat für die wirtschaftlichen und politischen Bedrängnisse der Juden in dieser Zeit? Wollt Ihr, daß an die Stelle sozialpolitischer Arbeit wieder nur die Armenpflege tritt? Wollt Ihr, daß die Erziehung zur Selbsthilfe unterbunden wird? Soli die jüdische Jugend wieder dem jüdischen Leben entfremdet, aus der Mitarbeit herausgestoßen werden? Sollen die jüdischen Kinder wieder aufwachsen mit nur einer Stunde wöchentlichen Religionsunterrichts? Nein, das wollt Ihr nicht! Ihr wollt mit uns den Ausbau und Aufbau jüdischen Lebens, jüdischer Religiosität und jüdischer Kultur. Ihr wollt mit uns die jüdische Schule für diejenigen Eltern, die verlangen, daß ihre Kinder hier eine harmonische Er- Ziehung finden, die sowohl jüdischen Geist als deutsche Kultur vermittelt. Ihr wollt mit uns die Förderung der Selbsthilfe für den schwer bedrohten, sinkenden jüdischen Mittelstand. Ihr wollt mit uns die Heranziehung des jüdischen Handwerks. Ihr wollt mit uns den Ausbau des Arbeitsnachweises! den die Jüdische Volkspartei ln der Gemeinde geschaffen hat für den in seiner Existenz ungeheuer bedrohten jüdischen Angestellten und Arbeiter. Ihr wollt mit uns statt nur Suppenküchen wirkliche Zedakah und Sozialpolitik. Ihr wollt mit uns, daß sich die Gemeinde um das ganze vielgestaltige jüdische Leben bemühe. ihr woft mit uns die Verbindung mit den jüdischen Zukunltsaufgaben unserer Tage, die Mitarbeit in der Jewfsh Agency, der außer den Radikal-Liberalen Berlins die gesamte deutsche und Weltjüdenheit angehört, die vereint ln werktätiger Mitarbeit an dem Aufbau Palästinas aktiven Anteil nimmt. Die Jüdische Volkspariei hat gezeigt, was sie kann Das Ergebnis der drei kurzen Jahre, in denen sie maßgebenden Einfluß auf die Gemeinde hatte, fst die Rationaiisierung der Gemeindeverwaltung, die Verdoppelung der Leistungen ohne Steuererhöhung. Ein Ausschnitt ans nnserer geleisteten Arbeit Reform und Ausbau des Wohlfahrtswesens. Sozialpolitik an Stelle reiner Wohltätigkeit — nicht bequemes Almosengeben, sondern planmäßige soziale Arbeit für die jüdische masse, den jüdischen Mittelstand, den jüdischen Angestellten und Arbeiter und somit Bekämpfung der Wirtschaftsnot weiter jüdischer Kreise durch die Jüdische Gemeinde. Uebernahme und Ausbau des jüdischen Arbeitsnachweises und der jüdischen Berufsberatung sowie zahlreicher Wohlfahrtsanstaiten, Kinderheime, Mittelstandsküchen. Schaffung von Jugendheimen und Altersheimen. Gründung einer neuen Poliklinik — Ausbau des jüdischen Krankenhauses. Schaffung eines Jugendamtes für die sozialen, geistigen und sportlichen Aufgaben der jüdischen Jugend. Uebernahme und Reorganisation der jüdischen Fürsorgeerziehung. Errichtung eines Sportplatzes für die jüdische Jugend. Errichtung jüdischer Volksschulen. Uebernahme der Kinderheilstätte im Solbad Eimen. Uebernahme und Ausbau des Genesungsheims Lehnitz. Errichtung des Jugendlandheims in Wolzig. Ausgestaltung des Gemeindeblattes, das, früher von niemandem gelesen und beachtet, heute zu einem lebendigen, unparteiischen, allen jüdischen Interessen dienenden, fepräsentativen Organ der Berliner Judenheit geworden ist. Eingemeindung der Außenbezirke Oranienburg und Cöpenick. Schaffung der Gemeindeabende. Errichtung von Zweigbibliotheken in sieben Bezirken. Ausbau der Kunstsammlung. Vermehrung der Betstätten. Ausgestaltung des jüdischen Religionsunterrichts. Nur 11% Stenern und dennoch: 3,6 Millionen im Sozialetat. 3,5 Millionen im Kulturetat. 1,5 Millionen im Schuletat. Steigerung der Leistungen ohne Erhöhung der Steuern — aas Ergebnis von drei Jahren Arbeit der Jüdischen Volkspartei! Die gegnerischen Flugblätter sind voll von unsachlichen Anrlffen und Verunglimpfungen. Wir antworten darauf nicht, ür uns sprechen unsere Leistungen. Keine deutsche Großgemeinde hat einen so niedrigen Steuersatz wie Berlin. Wahlbüro: Berlin N 24. Monbijouplat/ 10 Fernsprecher: I) 2 Weidendamm 4881. / Postschei»־Konto: Volksbank iwria Nr, 10923 für Jüdische Volkspartei. ״Ein Brief ohne Antwort" Unter dieser UIberschrift brachten wir in unserer vorigen Nummer den Auszug eines Briefes, in welchem unser Gg., Ministerialdirektor ,Dr,, Hertqanq padt, dem Führer der Liberalen, Herrn Ä"F!eiÄ!t‘ SiWh ,"״den Vorschlag machte, den Wahlkampf in der Form kontradiktorischer Unterhaitungen vor das Forum der Wähler zu bringen. Wir bemerkten dazu, es sei charakteristisch, daß dieser Brief bis nach Drucklegung des Blattes noch nicht beantwortet sei. Nunmehr teilt uns Herr Dr. Badt hierzu mit, er habe am 21. d. M, also nach der Drucklegung, aber vor Erscheinen unserer Freitagnummer, endlich die Antwort auf seinen Brief vom 8. d. M. erhalten. Freilich ändert diese Antwort nichts an unserer Beurteilung der Sachlage, denn Dr. Stern lehnt es ab, auf die Badt’sche Anregung, die er an sich begrüßt, einzugehen, weil er den Zeitpunkt des Wahlkampfes als ungeeignet für die auch von ihm anerkannte notwendige Auseinandersetzung der beiden Weltanschauungen erachtet. Dr. Badt hat sich damit nicht begnügt, sondern im Laufe eines längeren telephonischen Gesprächs am 22. d. M. noch einmal den Versuch gemacht, für die letzte Woche des Wahlkampfes ״Wahlgespräche״ zustande zu bringen. Er hat dabei Dr. Stern vorgeschlagen, er wolle ihm in jeder Ver- Sammlung, in der er spreche, die Hälfte der ihm zur Verfügung stehenden Zeit abtreten. Das scheine ihm um so nötiger zu sein, als er in der liberalen Kundgebung vom 10. November, in der Dr. Stern sprach, habe feststellen müssen, daß Stern׳s Gedankenführung sich kaum von dem Inhalt des Naumannsehen Wahlartikels in der letzten Nummer der Zeitung ״Der nationaldeutsche Jude“ unterschieden habe. Dr. Stern, der erst zugesagt hatte, diese Anregung wenigstens noch für die letzte Woche des Wahlkampfes an seine Parteifreunde weiterzuleiten, lehnte dann aber am folgenden Tage in einem erneuten Schreiben auch dies ab. Der Grund? ״Wenn Dr. Badt“, so schreibt Dr. Stern, ״die Art, wie er spreche, mit Naumann vergleiche, so fürchte er, daß eine gemeinsame Aussprache nicht mehr möglich sei. Er würde sich z. B. niemals gefallen lassen, in einer öffentlichen Versammlutig mit Naumann verglichen zu werden, sondern würde ohne ,weiteres eine solche Versammlung verlassen.“ Ein erfreuliches Abrücken von Naumann, aber seit wann? Standen nicht noch bei den letzten Wahlen die Anhänger Naumanns friedlich auf der Liste der Liberalen, trotz ihres Programms, das damals so klar war wie heute? Ist dieses entschiedene Abrücken etwa erst die Folge davon, daß Dr. Naumann es diesmal vorgezogen hat, eine eigene Liste aufzustellen? Oder setzte die Entfremdung schon vorher ein, als Naumann Herrn Stern und seine Freunde als ״Karlchen- Miesnick-Tertianer“ bezeichnete? Wie dem auch sei, wir wollen nicht so unfreundlich sein anzunehmen, daß es sich bei der Ablehnung der ״Wahlgespräche“ nur um Ausreden eines Gegners handelt, der sich unseren Argumenten nicht gewachsen fühlt und ganz genau weiß, er würde vor den Wählern unterliegen müssen, wenn er sich endlich einmal offen zu einer Auseinandersetzung stellen würde und der es daher vorzieht, einseitige, mit Musik verbrämte Kundgebungen loszulassen, bei denen Diskussion nicht stattfinden darf. Wir begnügen uns vielmehr für heute damit, Kenntnis davon zu nehmen, daß eine Arbeitsgemeinschaft zwischen den Liberalen der Naumann-Richtung und den offiziellen Liberalen zurzeit gestört und offenbar erst dann wieder aufgenommen werden soll, wenn wieder einmal eine ״Erklärum׳ deutscher Juden“ fällig ist.