Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1930)
- Date
- 1930-11-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 92, 2t. XI1030 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 619 Politische und ökonomische Tatsachen Stlmmungsumschwung unter den Arabern. — Orangenielt. — Halfa-Bay. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AO., Tel-Awiw, den 13. November 1930. Von manchen Seiten wurde auf die Richtigkeit der durch das Weißbuch proklamierten Politik daraus geschlossen, daß es sowohl von jüdischer wie von arabischer Seite Protest erregte. Ein Dokument, so wurde argumentiert, daß es keiner Seite recht macht, wird vermutlich den goldenen Mittelweg zwischen den beiden Seiten halten. Diese Beweisführung ist für Palästina nicht richtig. Hier war die Aufnahme durch die Juden durchaus ablehnend, während bei den Arabern sehr bald die Zufriedenheit mit der politischen Wendung in London deutlich wurde. Während der letzten Woche bereitet sich jedoch ein Stimmungsumschwung im arabischen Lager vor. Die vielen und einander Oft widersprechenden Mitteilungen aus London über neue Erklärungen des Weißbuchs, über Kritik führender Männer englischer und auswärtiger Politik, die Nachrichten über den das ganze Oaluth umfassenden jüdischen Proteststurm werden unter den arabischen Führern aufmerksam verfolgt. Und während gleich nach der Publikation der Dokumente die Gemäßigten sich durchsetzen konnten und anerkannt wurde, daß hier eine Basis zur Kooperation mit der Regierung gegeben sei und der klare Wille, sich am Legislative Council zu beteiligen, ausgesprochen wurde, werden jetzt neue Besorgnisse und Zweifel laut. Nach Ansicht vieler arabischer Führer besteht die ernste Gefahr, daß von neuem unter dem Drucke der jüdischen Propaganda eine Aenderung der britischen Riehtung eintreten könnte. Man fürchtete, daß die im Weißbuch skizzierte Politik durch nachträgliche Erklärungen verwässert wird und es auf diese Welse gar nicht dazu kommt, daß neue Gesetze die Lage ändern. Bestärkt werden diese Zweifel noch durch die Ausgabe der 1500 Zertifikate. & ist auf* fallend, daß auch d i e arabischen Zeitungen, die noch vor einer Woche Kooperation mit der Regierung predigten, jetzt wieder in einen scharfen hetzerischen Ton zurückgefallen sind, der sich sowohl gegen England wie gegen die Juden richtet. Es wird damit gwiroht, daß auch von arabischer Seite her der nötige Druck auf die Regierung ausgeübt wer* den wird, um den Einfluß der Juden zu paralysieren, da es ja nach dem Schwanken der Regierung bewiesen scheint, daß auf dem konstitutionellen Wege der Verhandlungen und Untersuchungen kein wahrer Erfolg zu erzielen sei. Es wird von neuem an die Araber der umliegenden Länder appelliert, damit sie Palästina zu Hilfe kommen, — kurz — die Beruhigung, die nach dem Weißbuch eingetreten war, ist wieder einer gewissen Spannung gewichen. Diese Spannung wird freilich in manchen Telegrammen ins Ausland übertrieben. Trotz der Erregung sind keinerlei Zwischenfalle zu erwarten, die schon durch die Anwesenheit des Militärs völlig aussichtslos erscheinen. Auffallend ist bei der augenblicklich von Juden und Arabern geführten Kampagne die für eine unbeschränkte autonome Administration charakteristische Isolation der Regierung von der Bevölkerung, und zugleich der mangelnde Zusammenhang zwischen den drei Beteiligten, den Juden, Arabern und Engländern. FreflicÜ eräpfSrtgf de» High Commissioner Abordnungen und beruhigt einmal die Araber mit dem Versprechen, daß nichts am Weißbuch geändert werden solle, und — wenn sich Gelegenheit bietet — auch die Juden, daß England am Mandat festhielte. Bei der heutigen Situation macht das alles zusammen mit den Bewegungen der Londoner Regierung einen recht lahmen Eindruck und von allen Seiten wird die Frage gestellt, wie sich die Dinge weiter entwickeln sollen. Freilich ist noch von keiner Seite eine befriedigende Antwort erteilt worden. Für die Stimmung unter den Juden ist es bezeichnend, daß die Ausgabe der 1500 Zertifikate nur wenig Widerhall erweckt hat. Wenn man sich vor Augen hält, mit welcher Hartnäckigkeit man im Lande um die Beseitigung der Einwanderungssperre gekämpft und wie man auf neue Ankömmlinge gewartet hat, kann man an der Freudlosigkeit, die trotz der Zertifikate herrscht, erkennen, welch tiefen Eindruck das Weißbuch gemacht hat. Man sieht in diesen 1500 Erlaubnissen weder eine große Hilfe, noch eine Aenderung der Regierungspolitik, und verhält sich dementsprechend mehr als reserviert. Daß die für die nächste Woche angekündigte Parlamentsdebatte mit großer Spannung erwartet wird, braucht kaum erwähnt zu werden. * Der ökonomischen Lage wird zurzeit besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Die jüdische Wirtschaft wird jetzt von der arabischen Krise nur wenig berührt und die Arbeit geht ihren normalen Gang. Es wird aber befürchtet — und cs gibt einen gewissen Grund für derartige Aengste — daß die politische Lage auf die Wirtschaft zurückwirken könne, daß Arbeiten, auf die man gerechnet hatte, nicht zur Ausführung kommen und dadurch Komplikationen entstehen. Inwieweit im einzelnen diese Faktoren wirksam sind, läßt sich heute noch nicht übersehen, aber die Erfahrungen des vorigen Jahres zeigen, daß eine Verlangsamung des Tempos durch politische Katastrophen eintritt. Es werden verschiedene Mittel erwogen, um vorzubeugen. Und es wird naturgemäß jetzt wieder vieles von der Haltung des Galuth abhängen. In der letzten Woche hat der Orangenexport eingesetzt und die Arbeit in den Küstenkolonien kommt bereits in vollen Schwung. Die Regierung hatte den Export von Früchten bis jetzt gesperrt, um die Güte der Produkte zu garantieren und nicht unreife Früchte auf den europäischen Markt zu werfen. Die Zahl der zum Export kommenden Kisten wird für dieses Jahr auf ungefähr zweieinhalb Millionen geschätzt, wozu auch eine gewisse Quantität von Grape-Fruit kommt. Mit dem Einsetzen der Pflückzeit wird die Lage in den Kolonien für die Arbeiter — wie jedes Jahr — besser, es ergeben sich weitere große ArbeitsmögHchkeiten. In diesen Tagen wurde eine der großen zivilisatorischen Arbeiten beendet, die im Laufe der letzten Zeit durchgeführt worden sind. Auf den Böden der Haifa-Bay, die heute im Besitz des Keren Kajemeth sind, ist ein Teil der Dränagearbeiten fertiggestellt worden. Damit wird ein großes Stück der Haifaer Bucht, das mit Malaria verseucht war, saniert und moderner Bebauung zugänglich gemacht. Es wird beabsichtigt, in der nächsten Zeit an die Dränage weiterer Böden dieser Zone heranzugehen und damit nach und nach den gesamten Komplex für die Besiedlung vorzubereiten. Im Jischuw wurde die Beendigung dieser Arbeit als ein Fest gefeiert, wie überhaupt heute mehr als je jeder praktische wirtschaftliche Fortschritt als eine Sicherung gegen politisches Ungewitter gewertet wird. Die arabische Gegenaktion Jerusalem. 17. November. (I.T.A.) Die palästinensisch-arabische Exekutive hat dem High Commissioner Sir John Chancellor eine Denkschrift an das Kolonialamt in London überreicht, in der gegen die Einladung der zionistisehen Führer zu einer Beratung über angeblieh unklare Stellen des Weißbuches Pr01est eingelegt wird, in der Denkschrift wird erklärt, der Wortlaut des Weißbuches sei klar und eindeutig. Die Exekutive befürchte, jede Erläuterung des Weißbuches werde dazu führen, daß die Araber an dem guten Willen der Regierung, sie im Besitz jenes kleinen Bodenausmaßes, das ihnen noch verblieben sei, zu schützen, und die Einwanderung einzustellen, zweifeln. Die palästinensisch - arabische Exekutive hege die feste Ueberzeugung, daß Erläuterungen Irgendwelcher Art die durch die im Widerspruch zum Weißbuch stehende Bewilligung von 1500 Arbeit er zertlfikaten. unter den Arabern ausgelöste Erregung aufs heftigste steigern müßten. Sir John Chancellor erteilte der Delegation, die ihm die Denkschrift der palästinensisch-arabischen Exekutive überreichte, den Rat, die Palästina-Debatte im Unterhaus abzuwarten, und erklärte, das Kolonialamt habe ihm die Weisung erteilt, den Arabern zu versichern, daß die englische Regierung keinem Teil der Bevölkerung Palästinas gegenüber ihre Pflicht vernachlässigen werde. * Am 17. November, dem Tage der Palästinadebatte im englisch«! Unterhaus, erschien in der ״Times“ ein Brief von Schelk Muschir Hutsain Kidwai of Oadia, worin ea heißt: ״Als Ehrensekretär der Zentralen [slawischen Ge* Seilschaft, die Moslems aus aßen Teilen der Welt vertritt, habe ich am 9. Juli 1917 in der Caxton Hall eine Versammlung einberufen, in welcher gegen den Plan einer jüdischen Heim- Stätte in Palästina protestiert werden sollte. Damals war der Krieg noch im Gange, so daß die Vorschläge noch nicht ein fait accompli werden konnten. Aber die moslemische Welt war durch die Drohungen der Balfour-Deklaration sehr nenös geworden. Jetzt aber, wo in gewissen einflußreichen Kreisen der Wunsch geäußert wird, die Deklaration noch zu erweitern und durch die automatische Austreibung der Araber, die das Land mehr als 1000 Jahre besessen haben, das jüdische Heim in einen jüdischen Staat zu verwandeln, und wo ein Geschrei sich erhebt gegen die Bemühungen der gegenwärtigen britischen Regierung, die Balfour-Deklaration in ihren wirklichen Grenzen zu halten und mit Art. 20 und 22 des Völkerbundpaktes ln Einklang zu bringen, erhebt sich ein Gefühl stärksten Widerspruches in den Herzen der Moslems, besonders bei denen, die zur britischen Völkergemeinschaft gehören. Wenn die jüdische Immigration nach Palästina nicht eingestellt wird, so heißt das, daß 700000 Araber heimatlos werden. Wo sollen sie hingehen? Ehe Inder, die als Delegierte der Round Table-Konferenz in London sind und deren repräsentativen Charakter die britische Regierung nicht bestreiten kann, werden wohl sobald sie Zeit dazu haben, unter der Führung seiner Hoheit des Aga Khan ihren Protest aussprechen. Inzwischen י nmthte!«►4־*»r'’Stagen) daß hinter dem Brief Mr. Stokers nicht nur einige hunderttausend palästinensische Araber stehen, sondern viele minderte Millionen Moslems. Zweifellos sind die Zionisten mächtig, gut organisiert und reich, aber für das britische Reich haben sie nicht dieselbe Bedeutung wie die Araber (Moslems).“ Die Aktion» - Comii6 - Sitzung Von Dr. Arnold Barth. Da die Sitzung des A.-C. in London u. a. auf den Antrag des G. A. der Z. V. f. D. zurückzuführen war — die Exekulive hatte lediglich die Politische Kommission der Jewish Agency einberufen wollen — so ziemt es sich wohl, rückschauend festzustellen, ob dieser Antrag zweckmäßig war und die A.-C.-Sitzung sich als notwendig und nützlich erwiesen hat. I. Der größte Teil der deutschen Zionisten verschiedenster Parteirichtungen hatte auf das Weißbuch einheitlich reagiert. Das allgemeine Gefühl ging dahin: Notwendigkeit der Bußeren Stärkung der Organisation durch Zuführung großer Zahlen neuer Mitglieder, Stärkung der Fonds, Intensivierung der Arbeit, Stärkung der inneren Front durch Vermeidung aller unnötiger Differenzen zwecks Vereinheitlichung des außenpolitischen Kampfes. Die Reaktion in den anderen Ländern war zum Teil eine wesentlich andere. Die polnischen Zionisten sämtlicher Richtungen, mit Ausnahme der Linken (Radikale, Et Liwnoth und Misrachi), hatten einmütig scharfe Resolutionen, die nach sofortiger Umbildung der Leitung verlangten, gefaßt. Die österreichischen und tschechoslowakischen Zionisten batten sich dem angeschlossen. In Frankreich war ein ähnlicher einstimmiger Beschluß (dort sogar unter Einschluß der Hitachduth) gefaßt worden. Die palästinensischen Vertreter des A.-C., mit Ausnahme der Linken, kamen mit einem ähnlichen Standpunkt zur Sitzung. Dadurch stellte sieh für die deutschen Vertreter das Bild von vornherein anders dar, als hätte vermutet werden müssen. Hatte man nach dem Inhalt der Beratungen, wie sie in Berlin im Anschluß an das Weißbuch abgehalten worden waren, annehmen können, daß es sich in London vorwiegend um die Behandlung der außenpolitischen Fragen handeln würde, so konnte man sich unter der Wirkung dieser Stellung weiter zionistischer Kreise, auch außerhalb der ״offiziellen“ Opposition, dem na* türlich nicht verschließen, daß hier eine Bereinigung eintreten müsse, wenn fruchtbar weitergearbeitet werden sollte. Es zeigte sich, daß die Tatsache, daß die Exekutive in London sitzt, weitab von allen jüdischen Zentren, eine Tatsache, die schon oft bedauerliche Folgen gehabt hat und die auch die Erklärung dafür bot, daß man nicht sofort empfand, daß das A.-G in dieser Stunde einberufen werden müsse, auch in dieser Beziehung sich sehr schädlich erwies. Während selbst die deutschen Zionisten trotz ihrer oben skizzierten grundsätzliehen Einstellung, sofort erkannten, daß unmöglich ohne eine Befriedung der Organisation die nächsten Monate bis zum Kongreß gearbeitet werden könnte, nahm die Exekutive den Standpunkt ein, daß, da sie selbst das Vertrauen hätte, die notwendigen Aktionen richtig zu machen und da im A.-C. eine formale Mehrheit für eine Neugestaltung nicht vorhanden sein würde (und gewiß nicht die qualifizierte, die das Statut vorschreibt), ohne Rücksicht auf die Stimmungen in den einzelnen Ländern, in der Leitung alles beim alten zu bleiben habe. Wir glauben, daß es nicht Parteivoreingenommenheit ist, wenn wir sagen, daß das Verdienst daran, daß es nicht so kam, dem Misrachi zufällt. Die Tatsache, daß er sich durch das Vorhandensein seiner Vertreter in der Exekutive nicht dazu bestimmen ließ, dem offiziellen Standpunkt der Exekutive sich anzuscldießem, und daß er dadurch in der Lage war, zwischen den Parteien zu vermitteln, brachte es schließlich zuwege, daß der aus der Berichterstattung bereits bekannte Ausweg gesucht und gefunden wurde: die Exekutive bleibt unverändert, für die aktuellen politischen Aufgaben wird eine Kommission gewählt, die im wesentlichen aus den Gruppen besteht, die sich durch die Exekutive in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung nicht vertreten fühlen und diese hat für die bevorstehenden politischen Arbeiten Sitz und Stimme in der Exekutive. Zeigen auch die Deklarationen, die am Schluß der Beratung abgegeben wurden, daß eine vollkommene Befriedung dadurch nicht eintrat, daß insbesondere Et-Liwnoth (der früher regierungstreuesten Gruppe!) die Regelung nicht weit genug geht, daß auch die Radikalen an ihrer grundsätzlichen Opposition festhalten, so ist doch klar, daß eine solche Ilineinziehung der Opposition in die praktische Arbeit die Vorbedingung dafür schafft, daß so gearbeitet werden kann, wie es nach unserer eingangs wiedergegebenen Ansicht jetzt geschehen muß: in breiter geschlossener Front den Angriff nach außen zu tragen. II. Auch die politische Aussprache muß als durchaus fruchtbar betrachtet werden. Die ausführliche politische Resolution zeigt in guter Argumentierung die wesentlichsten Einzelfehler des Weißbuches auf und gibt in ihrer Eingangsformel eine kurze, klare Darlegung der Gründe, aus denen aas Weißbuch abseits von allen Einzelheiten seinem Gesamtgeiste nach abgelehnt werden muß. Auch die Solidaritätserklärung mit dem Waad Leumi bei seiner Ablehnung der Beteiligung an den Wahlen zum Legislative Council ist von nicht zu unterschätzender politischer Bedeutung. Wichtiger aber noch als der Text der angenommenen Resolution erscheint ans die Ausspräche der politischen Kommission und im Plenum des A.-C. Es war ein Zeichen alten zionistischen Geistes, daß in der Plenarsitzung, in der die politischen Resolutionen behandelt wurden, das A.-C. mit Einschluß seiner Senioren noch nachts um 2 Uhr nicht nur vollzählig versammelt war, sondern mit stärkster Beteiligung an den Debatten Anteil nahm. Und es zeigte sich deutlich, daß die Aufhebung der Londoner 1901ation, der lebendige Kontakt mit den Zionisten aus aller Welt doch eine Verstärkung der Kräfte schafft, die gerade für die aktuelle politische Arbeit von größter Bedeutung ist. III. Auf einen Punkt soll noch besonders eingegangen werden: die Exekutive hatte schon vor der A.-C.•Sitzung erklärt, daß sie den Kongreß auf den Februar einberufen würde. Die Exekutive und A.-C. blieben hierbei, obgleich gewichtige Stirnmen, insbesondere der Linken, mit Rücksicht auf die ungestörte K. 1!.-Arbeit für einen Sommerkongreß eintraten. Es überwog aber doch bei weitem der Standpunkt, daß, selbst wenn man von der Fondsarbeit ausgeht, diese Entscheidung falsch wäre. Auch die Sammelarbeit müßte erheblich leiden, wenn so lange Zeit hindurch keine innere Klärung erfolgt sei. Es ist theoretisch gewiß richtig, daß Arbeitszeit für die Fonds gewonnen werden würde, wenn der Kongreß erst im Sommer stattfindet, aber es ist andererseits fraglos, daß der Elan und die innere Kraft, mit der an die Arbeit, gegangen werden kann, ungleich stärker sein wird, wenn, so oder so, mit Sieg oder überhaupt behandelt wird, so deshalb, weil alle Zionisten, gleichgültig, ob sie für Sommer- oder Winterkongreß waren, sich darüber klar sein müssen, daß eine ungeheuere Verantwortung in den nächsten Monaten auf ihnen liegt. Wirtschaftlieh und politisch wird Entscheidendes davon abhängen, ob es gelingt, in den nächsten Monaten die Zahl unserer Anitager und die Mittel unserer Fonds so zu steigern, daß das ״nun gerade“, was wir jetzt in so vielen Reden und Artikeln gehört und gelesen haben, auch wirklich in die Praxis umgesetzt wird. Für diejenigen, die an der A.-C.-Sitzung teilnahmen, war sie sicher ein Ansporn zu erhöhter zionistischer Arbeite Hoffent- Zionisten fortpflanzen! Hamburger Brief Von Unserem Berichterstatter. Nach lebhafter Aussprache wählte die Generalversammlung vom 18. Oktober einen neuen Vorstand der Hamburger ZIonistischen Vereinigung, dem Dr. Ernst Heppner als Vorsitzender, und die Herren Gärtner, Dipl.-Ing. Heinemann, Jacob Hertz und Dr. Kupferberg an gehören. Der Vorstand konstituierte, einer Anregung der Generalversammlung folgend, ein Gremium, dem neben Vertretern der einzelnen Gruppen die Hamburger Landesvorstandsmitglieder angehören, und das ihn besonders in politischen Fragen zu beraten bestimmt ist. Dieser ״erweiterte Vorstand“ gewährleistet die weitgehende Wahrung der besonderen Wünsche aller in Hamburg arbeitenden zionistisehen Fraktionen, während der eigentliche Vorstand nicht nach fraktionellen Gesichtspunkten zusammengesetzt ist, sondern nur für die Geschäftsführung der Hamburger Zionistischen Verein!- gung bestimmt ist. Die durch das Weißbuch der MacDonald-Regierung hervorgerufene politische Lage veranlaßte eine in breitem Rahmen einberufene Mitgliederversammlung, auf der Dr. Ha Ipern, Berlin, über die letzten Ereignisse sprach. Vor einer großen, nach mehreren Hunderten zählende Zuhörerschaft referierte Dr. Halpern üher den Inhalt des Simpson-Reports und des Weißbuches, nachdem er die Entwicklung der englischen Palästina- Politik seit der Balfour-Deklaration dargestellt und insbesondere die Unterschiede zwischen dem Churchill-Weißbuch aus dem Jahre 1922 und der jetzigen Regierungs-Verlautbarung kritisch analysiert hatte. Ohne im einzelnen me Möglichkeiten zu erläutern, die sich aus der Situation ergeben, legte der Refe« rent doch mit Nachdruck Wert auf die Feststellung, daß poli« tische Rückschläge, wie die Veröffentlichung des Gutachtens von John Hope Simpson und der Erklärung von Lord Passfield sie darstellen, die Intensität unserer Arbeit und den hingebungsvollen Eifer der zionistischen Welt, nicht im Kern zu treffen vermögen; er rief zu doppelt und dreifacher Stärkung der Fonds und zu stärkster Beteiligung am Schekelverkauf auf. Während der Vortrag Dr. Halperns der Orientierung der Hamburger Gesinnungsgenossen und Schekelzahler zu dienen bestimmt war, wurde durch die am 19. d. M. abgehaltene Kundgebung der Hamburger Ortsgruppe, auf der Kurt Blumenf e 1 d sprach, der zionistische Protest gegen die MacDonald- Erklärung und unser Willen zu verstärkter Weiterführung der Arbeit vor einer weiteren Oeffentlichkeit dargelegt. Ueber diesen Abend, der im Anschluß an die nordwestdeutsche Bezirkstagung stattfand, wird gesondert berichtet werden. Einer der Mittelpunkte der politischen Winterarbeit unserer Gruppe wird, zur Ergänzung der hier erwähnten und weiterer Vortragsabende, ein historisch-politisches Seminar sein, das unter der verantwortlichen Führung von Herrn Gärtner vorbereitet und durchgeführt wird. Am 8. d. M. sprach Gärtner, in Er- . Öffnung dieser Vortragsfolge, über: ״Die historischen Grundlagen der gegenwärtigen Palästina-Politik“. In besonders sachkundiger weise schilderte er die politischen Orientinteressen Englands in den letzten hundert Jahren und den Inhalt der während des Krieges in bezug auf Palästina zwischen den Entente-Mächten getroffenen Vereinbarungen. Ein zweiter Abend dient der Darstellung des Palästina-Mandats; der dritte Abend wird die Entwicklung der Palästina-Politik Endands im letzten Jahrzehnt an Hand der verschiedenen offiziellen Erklärungen