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Jüdische Rundschau · 1930-11-21 · Heft 92 (21.11.1930) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 92 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 02, 21. XI. 1030 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 617 liehen Bestimmungen des Mandats stehen. Dem sei wie es mag. Zweifellos war der Eindruck, der Im Gehirn der gewöhnlichen Leser, Araber oder Juden oder Engländer hervorgerufen wurde, daö die ganze Ausführung des Mandats für eine unbestimmte Zeit von Jahren kristallisiert würde in dem Stadium jüdischer Entwicklung, die auf dem von den Juden bereits erworbenen Boden stattfinaen könnte, und daß die jüdische Einwanderung streng so lange unterbrochen werden sollte, wie ein einzelner Araber ohne Arbeit sei. Kein Wunder, daß ein Aufschrei durch die ganze Welt ging! Jetzt sagt man uns, daß all dies voreilig war; daß das Frohlocken der Araber verfrüht sei, daß es ein öffenbares MiOverständnis ist, daß die jüdische Immigration eingestellt werden solle. Der Primeminister hat bereits General Smuts die Ver- Sicherung gegeben, daß alles so ist wie es vorher war. Unglückseligerweise ist jedoch nicht alles wie es vorher war. Sentiments wurden auf beiden Seiten entflammt, die Stimmung von Arabern und Juden wurde wieder verschärft; und wir alle hoffen, daß der Ausbruch des letzten Jahres der letzte solcher Ausbrüche ist. Die Stimmung der Moslems der ganzen Welt wird gegen das Mandat selbst, nicht gegen die Einzelheiten seiner Anwendung aufgebracht. Die Stimmung der Juden in der ganzen Weit ist gegen England aufgebracht worden. Ist dies nicht ein Unglück, das ein wenig Klugheit und Voraussicht, ein wenig psychologisches Verständnis und ein wenig Takt hätte abwenden können? Dies ist nicht das erste Weißbuch dieser Art, das erschienen ist. Auf den Hügeln des Zambesi und an den Gestaden des Tiberias-Sees herrscht Unruhe, Verwirrung und Besorgnis, weil die Weißbücher, die vom Coloniai-Office herauskoramen, wie man uns nachher sagt, nicht meinen, was sie zu sagen scheinen, ich erhebe diesen Vorwurf nicht gegen Dr. Shlels. Ich mache ihn im wesentlichen gegen den, der für die Geschäftsführung des Coloniai-Office verantwortlich ist; aber ich bin mir nicht ganz klar darüber, ob ich Recht habe. Es besteht ein beträchtlicher Zweifel an der Vaterschaft dieses Dokuments und anderer Dokumente. Es gibt Gerüchte, daß das Weißbuch über Ostafrika nicht vom Coloniai-Office, sondern aus anderen Qu dien stammt. Und der Ton, in dem der Kolonialsekretär im House of Lords vor einigen Tagen darüber sprach, war nicht der Ton eines stolzen Vaters, sondern mehr der Ton einer Entschuldigung für einen mißratenen Findling, den er irgendeinem zu "unterschieben habe. Und er erklärte nur zu gern, daß es auf einem Mißverständnis beruhe, wenn irgend etwas in der Sprache des Weißbuches unangebracht sei. In weiten Kreisen Ist der Eindruck entstanden, daß dieses Dokument ebenso sehr ein Schlag für das Kabinett wie für die Juden war. Aber ich finde in einem Interview des Staatssekretärs für die Kolonien vom 7. November mit dem ״New Yorker Forum“ folgenden Absatz: ״Im Laufe der Unterhaltung machte Lord Passfield eine erstaunliche Bemerkung über die Herkunft des Weißbuches. Er sagte: ,Es ist nicht mein Dokument; es ist das Dokument des Kabinetts: ich bin lediglich technisch verantwortlich. Er sagt dies als Entschuldigung dafür, daß das Weißbuch einen viel schlechteren Eindruck auf die Jaden machte, als er beabsichtigte und daß es nicht so klarbestimmt in vielen Punkten war. Diese Bemerkung klang etwas komisch, denn das Kabinett erklärt, daß es nichts mit dem Weißbuch zu tun hat und schiebt das Odium auf Lord Passfield. Es scheint, daß keiner die Vaterschaft für dieses unerwünschte Kind anerkennen will." Ich unterstelle nicht, daß der Prlraeminister bereit ist, dieses Problem der bestrittenen Vaterschaft aufzuklären. Wir können dies kaum von ihm erwarten. Wir können auch kaum von ihm erwarten, eine revidierteAusgabedesWeißb u c h e s unter Aufhebung der früheren Ausgaben herauszubringen; aber auf jeden Fall können wir um vollste und klarste Erklärung unter seiner Autorität wie unter der des Vertreters des Colonial Office bitten, daß kein Abweichen beabsichtigt wird von der so viele Jahre mit solchem Erfolg betriebenen Politik und daß, wenn der fatale Fehler gemacht würde, nicht alle betroffenen Instanzen vorher zu befragen, dieser Fehler, wie es der Unterstaatssekretär angedeutet hat, beseitigt wird. Kommen wir, das Weißbuch beiseite lassend, zurück zum Simpson-Bericht, einem offenbar wertvollen fairen und unvor* eingenommenen Dokument, und betrachten wir diesen Bericht in allem, was er für die Rechte der Zionisten und der Araber bedeutet. Niemand in diesem Haus wünscht auch nur einen Augenblick zu streiten im Hinblick auf eine Vorsichtsmaßregel gegenüber der Einwanderung, die erforderlich sein mag, um ie Verbreitung von Arbeitslosigkeit in Palästina zu vertondern. Unsere Pflicht muß es sein, die Interessen der Bevölkerang als Ganzes zu betrachten. Noch weniger wünschen wir etwas zu tun, was eine große, landlose, unbeschäftigte arabische Bevölkerung schaffen könnte. Wir müssen mit allen Mitteln jede Maßnahme ergreifen, die es sicherstellt, daß die Araber, die ihr Land verkauft haben, entweder mit Land, das sie dichter besiedeln können, oder mit Arbeit versehen werden. Aber das Haus ist berechtigt, die Versicherung zu erhalten, daß die Schwierigkeiten der Situation, in ihrer Realität und in dem ernsten Erfordernis einer wohlgesinnten und fähigen und energischen Behandlung, zu keinem Vorwand dafür gemacht werden sollen, daß man sich zurückzieht von einer Politik, die beständig mit Erfolg von dieser Regierung in den letzten Jahren verfolgt wurde, — einer Politik, zu der wir nicht nur durch unsere eigenen Versprechungen und unseren eigenen Ruf, sondern auch durch feierliche internationale Verpflichtungen verbunden sind; einer Politik, die, wie schwierig sie auch sein mag, in sich die Saat einer fairen und d^m Endziel zustrebenden Entwicklung von Juden und Arabern in gleicher Weise in sich trägt; einer Politik, die voller Hoffnung für die Juden und die Araber ist; einer Politik, die diesem Lande Beruhigung und Zutrauen bringt. MacDonalds Rede Primeminister Ramsay MacDonald: Ich finde es sehr schwer, eine abweichende Meinung zu äußern von vielem, was mein Vorredner gesagt hat Sein geschichtlicher Ueberblick war etwas kursorisch, aber das ist kein Grund zum Streit. Was das Mandat betrifft, so habe ich immer wieder gesagt und sage es jetzt wieder, daß das Mandat durchgeführt werden soll. Aber wenn wir zu den Verhältnissen in Palästina kommen, müssen wir zugeben, daß das Mandat in einer Weise durchgeführt werden muß, daß aus seiner Durchführung keine Störung der bürgerlichen Ordnung resultiert. Der Unterstaats- Sekretär, der für die Regierung erwidert hat, hat eine volle, aufrichtige und wichtige Erklärung abgegeben, und ich übernehme für jedes seiner Worte die Verantwortung. Ich wundere mich, daß mein Vorredner folgendes Argument benutri hat: Bevor die Balfour-Deklaration abgegeben wurde, haben wir sie in ihrer Beziehung zu den Schwierigkeiten, die aus ihr zwischen Juden und Arabern entstehen könnten, überlegt; wir überlegten alles, was seither geschehen ist; bevor das Mandat entworfen wurde, fand eine .ärmliche Ueberlegung statt Dazu habe ich zu sagen, daß wir erst zwölf fahre nach 1917 ins Amt kamen, abgesehen von 1924, aber sobald wir zur Regierung kamen, standen wir den Unruhen von August 1929 gegenüber und jede Untersuchung, die angesteüt wurde, zeigt, daß diese Unruhen wenigstens zum Teil darauf zurückzuführen sind, daß die vorhergehende Regierung keine genügenden Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung getroffen hat. Wenn man dies alles bedenkt, dann kann ich unseren Vorgängern nicht zu ihrer Voraussicht gratulieren. Aber noch mehr. Ich war vor acht Jahren in Palästina und bereiste das Land der Länge und Breite nach. Wer gesehen hat, was ich sah, kann gar nicht zu übertrieben sein in seiner Anerkennung der jüdischen Siedler in Paiästina. Ich sah, wie Sumpf in anbaufähiges Land verwandelt wurde. Ich sah die historischen und unfruchtbaren Gelände des Gebirges Gllboa mit Oelblumen bepflanzt Ich sah den Sumpf am Fuße des Gebirges, längst des Tales, wo einst der besiegte Saul floh. Ich sah, wie dieser Sumpf ausgetrocknet und fruentbar gemacht wurde. In Palästina herrschte nicht nur Arbeit, sondern Begeisterung und Großmut. Universitätsdoktoren arbeiteten Seite an Seite mit Tagelöhnern, ihre Hände bekamen Schwielen von den Steinen, die sie brechen mußten, um.Straßen zu bauen. Das war eine Arbeit, die jede Regierung dieses Landes ermutigen muß, solange wir das Mandat innehaben. Aber auch damals entstanden ökonomische Streitigkeiten. Ich verbrachte eine Nacht in Haifa im Hause unseres Kommissärs. Man sagte mir, daß die Wahrscheinlich- »061■ ZION / LI IT K 5 Öffentliche Versammlungen zur ßemeindeu/ani: Montag, dan 24. lio!r. 1930, abends 8 Vs Uhr, Im Hackeschen Hof, Roaenthalar Str. 40/41 Donnerstag, den 27. Nov. 1930, abends 8'/s Uhr, Im Deutschen Hof, Luckauer Str. 15 Referenten: S• Adler »Nudelt Dr. Oskar Cohn, Marcol Lew, M. Naustadt, Joseph Wahl Thema: Die indische lemeinde soll den Interessen der lOdiscnen Werktätigen dienern keit bestünde, daß Ich ln der Nacht geweckt werde, da ein Konflikt zwischen Juden und Arabern bestehe, ein Konflikt, der eine ökonomische Grundlage hatte. Die verantwortlichen Füllrer der jüdischen Arbeiterorganisation, diese wunderbaren Männer, die ich persönlich kennenzulernen den Vorzug hatte, saßen Abend für Abend mit mir, als wir nach Damaskus fuhren und besprachen dieses Problem. Sie gaben zu, daß wenn sie nicht zu ökonomischer Verständigung mit den Arabern kommen werden, Schwierigkeiten entstehen werden. Dieselbe Frage, ob es klug sei, auf der einen Seite eine ausschließliche jüdische Arbeiterkolonie und auf der anderen Seite eine arabische Arbeiterpolitik zu haben, nahm Stunden unserer Zeit in einer sehr nützlichen und angenehmen Unterhaltung in Anspruch. Welche Voraussicht die Verfasser der Balfour-Deklaration und später des Mandates auch gezeigt haben mögen, man mußte doch nachher Experiment nach Experiment durchführen, und als die Unruhen von 1929 kamen, zeigten sie, daß die bis dahin gemachten Versuche sich nicht erfolgreich erwiese» haben. Dann hatten wir den Simpson-Bericht. Mein Besuch in Palästina war sehr kurz, aber in seinem Verlauf empfing ich Deputationen. Schon damals wurde es völlig klar,daß die Bödenfrage große Schwierigkeiten machen wird, wenn man sie nicht mutig anpackt. Simpson sagt: ״In der jetzigen Zeit und bei der jetzigen Methode der arabischen Landwirtschaft gibt es keinen Bodenüberschuß für die Ansiedlung neuer Immigranten, mit Ausnahme der noch unbesiedelten Böden, die die verschiedenen jüdischen Stellen in Reserve haben.״ Wenn während der letzten paar Jahre die Verwaltung ihre Pflicht erfüllt hätte, daun wäre eine dichtere arabische Besiedlung durchgeführt worden und dann wäre auch eine weitere Entwicklung des Bodens möglieh gewesen. Das muß man bedenken. Das Weißbuch gibt zwar keine Details oder nur sehr wenige, aber das Weißbuch sagt ganz entschieden, daß die Regierung ein systematisch ausgearbeitetes Projekt der Landentwicklung in Palästina in Angriff nehmen muß. Seit Erscheinen des Weißbuches ist diese Angelegenheit weiter behandelt worden und es wurde ein Arrangement für ihre finanzielle Unterstützung mit Zustimmung der Staatskasse gefunden. Der Unterstaatssekretär hat erklärt, worauf sich diese finanzielle Unterstützung bezieht. Die Art und Weise, wie das Geld auszugeben ist, wurde angedeutet in einer Bemerkung des Unterstaatssekretärs bezüglich Wasserbohrungen, Bewässerung, Entwässerung usvv. Dies wird durchgeführt werden. Was die Frage der Immigration betrifft, gibt es nichts in dem Weißbuch, was die Propaganda rechtfertigen würde, die Regierung wolle die Immigration einstellen oder nur mit Rücksicht auf die Ziffern der arabischen Arbeitslosen beschränken. Als ich in Tel-Awiw war. sah Ich an der Küste einen Platz, wo die Immigranten empfangen wurden, and zu jener Zeit gab es eine sehr ernste Beschränkung der Immigration, aus denselben Gründen, wie sie im Simpson-Bericht und im Weißbuch angeführt werden. Noch eine andere Ueberlegung muß man berücksichtigen. Mr. Amery hat die Unruhen in Verbindung mit der Klagemauer gering veranschlagt. Amery: Das tat ich nicht, ich äußerte nur die Ansicht, daß es ein religiöser und nicht ein ökonomischer Streit war. Primemlnltter: Ich stimme dem zu, aber wer kann bei der Verwaltung Palästinas diese beiden Gründe scharf trennen? Ein ökonomischer Konflikt wird sofort einen religiösen Zusammenstoß zur Folge haben. Ein religiöser Streit, wie es zweifellos der Kiagemauerstrelt ursprünglich war, erzeugt ökonomische Unruhen. Der Vorredner erwähnte die Tatsache, daß es sehr schwierig ist zu verstehen, wie leicht diese Flammen entzündet werden. Noch eine andere Tatsache ist schwer zu verstehen, wenn wir uns mit östlicher Politik beschäftigen — nämlich daß ihr ganzes Leben eine Einheit bildet An welchem Punkt man es berührt, schließlich kommt es doch zu dem, was allem orientalischen Leben zugrunde liegt, und das ist die religiöse Ueberzeugung. Man kann die beiden nicht trennen, und daher muß die Regierung bei der Durchführung des Mandates ihre Aufmerksamkeit und ihre Augen wachsam halten auf der bürf erlichen Ordnung und ökonomischen Harmonie. Das Ist unbeingt notwendig. Das jüdische Volk, die Zionisten, mögen enttäuscht sein. Sie waren auch wie bereits gesagt wurde, 1922 enttäuscht, aber wenn sie enttäuscht sind, weil die Verhältnisse eine gewisse Verzögerung des Tempos der Entwicklung notwendig machen, wenn diese bewundernswerten Männer wie Dr. Welzmann, die ihr ganzes Leben und ihr ganzes Herz dieser Arbeit gewidmet haben, enttäuscht sind —, so sind doch die gegebenen Umstände so, daß die Verzögerung notwendig ist. Aber sie mögen unser Wort dafür nehmen, daß die Verzögerung inkeinemSlnneeinAufgebendesMandates oder eine Aenderung der zur Durchführung des Mandates eingeschlageaen Politik bedeutet Das ist alles, was ich zu sagen habe, weil es au die Wurzel der Besorgnisse rührt, die nicht nur in diesem Hause, sondern auch außerhalb geäußert wurden. Die Regierung wird ihre Pflicht tun. Im gegenwärtigen Moment Ist sie in Beratung mit den Vertretern der zionistischen Bewegung und sie wird sich nur zu sehr freuen, eine ähnliche Berührung mit den Arabern herzustellen. Das Zeichen des Erfolges, sein einziges Zeugnis, wird es sein, wie weit das Mandat in s e in e n zwei Aspekten durchgeführt wird. Ich brauche nl:ht des langen und breiten zu betonen, daß die beiden Aspekte von gleichem Gewicht sind, aber die Regierung wird das Mandat in beiden Aspekten durchführen und alle Energien dafür einsetzenj damit die Entwicklung Pallsinas unter Bedingungen, welche eine Harmonie zwischen Juden und Arabern enger und enger macht, fortgesetzt wird, so daß die Araber auch weiterhin die Vorteile genießen, die sie schon jetzt von jüdischer ftnmigration und jüdischem Kapital haben, und daß der Jude, der ergebene Zionist, in Palästina mehr und mehr die volle Verwirklichung seines Ideals, des Jüdischen Nationalheims, werdet! sieht. Wir haben die ersten vier Reden der Palästinadebatte nach dem offiziellen stem ׳frr hischen Protokoll in wörtlicher llebersetzun׳» wiedergegeben. Aus technischen Gründen sind wir nicht in der Lage, in der heutigen Nummer bereits das Protokoll der ganzen Debatte zu veröffentliehen. Wir werden in den nächsten Nummern den Schluß der wörtlichen Uebersetzung nachtragen und geben bereits jetzt bekannt, daß das ganze Protokoll dann InßroschUrenform veröffentlicht werden wird. Um jedoch unseren Lesern bereits heute ein vollständiges Bild des Fortgangs der Debatte zu bieten, geben wir im folgenden noch eine gekürzte Zusammenfassung der Reden, die sich an die Erklärung des Primeministers anschlossen. Nach MacDonald sprach Sir Herbert Samuel, der liberale Führer und erste Oberkommissar Palästinas (1920 bis 1925). Herbert Samuel gegen das Weifjbuch Herbert Samuel: Ich bezweifle, daß MacDonald oder Dr. Shiels Rede bei den Kreisen, die das Weißbuch kritisiert haben, Beruhigung schaffen wird. Es ist zu begrüßen, daß die Vertreter der Regierung sich entschieden zu dem Mandat bekannt haben, aber das Gesagte ändert wenig an der geschaffenen Situation. Die Balfour-Deklaration hat zwei Teile. Wenn die Bestimmung bezüglich der Wahrung der Interessen der nichtjüdischen Teile der Bevölkerung im Mandate nicht enthalten wäre, wäre es dennoch unabwelslich gewesen, sie bei der Verwaltung Palästinas zu beachten. Würde es darum gehen, die 600000 Araber aus ihrer Heimat zu vertreiben, um Platz für das Jüdische Nationalheim zu schaffen, oder aber die Araber einem anderen Volke politisch zu unterwerfen, ihre Heiligen Stätten dem Einfluß anderer zu unterstellen 0. ä,, dann wäre diese Politik durchaus falsch (Beifall). Gegen eine solche Politik würden sich die Araber mit Recht wenden. Aber diese Politik wurde niemals beabsichtigt. Es gibt vier Gründe, warum eine solche Politik durchaus unmöglich ist. Schon der erste Grund würde genügen: Es wäre eine ungerechte Politik und hätte daher niemals die Billigung der englischen öffentlichen Meinung oder die des Hauses oder die Unterstützung der Dominions. Zweitens wäre völlig unmöglich, die Durchführung einer solchen Politik zu erzwingen. Che Araber sind ein begabtes Volk mit großen Traditionen, und sie würden bei ihrem Widerstand gegen diese Politik die Unterstützung der ganzen arabischen und moslemischen Welt haben. Drittens hätte der Völkerbund einer solchen Gewaltpolitik niemalszu״estimmt,Viertens aber hätte eine derartige antiarabische Politik die ganze jüdische Bewegung aufs schwerste diskreditiert, und ein von solchem Geist erfülltes Jüdisches Nati> nalheim wäre nicht wert zu bestehen. (Lebhafter BeifalL) Die Juden haben selbst jahrhundertelang unter Unterdrückung f■'" übt, und wenn sie das Unrecht, unter welchem sie in ihrer Geschichte gelitten haben, andern zufügten. Als ich vor zenn Jahren nach Palästina geschickt wurde, war es meine Aufgäbe, den Schutz der arabischen Interessen als integrierenden Bestandteil der Politik des Jüdischen Nationalheims zu betrachten und ich habe dies keine Stunde vergessen. (Lebhafter Beifall.) Aber ist damit gesagt, daß das ganze Unternchmen unmöglich ist? Bedeutet die Anwesenheit einer Bevölkerung von 600 000, daß kein Platz für das Jüdische Nationalheim ist? Bei geeigneter landwirtschaftlicher und industrieller Entwicklung kann Palästina in naher Zukunft eine Bevölkerung von zwei Millionen erhalten und es besteht kein Grund zu bezweifeln, daß das Land in etwa einer Gene* ration vielleicht drei Millionen erhalten kann. Die Anwesenheit dieser Bevölkerung darf nicht als ein absolutes Hindernis gegenüber dem überwältigenden geistigen und nationalen Drang unter 15 Millionen Juden in der ganzen Welt, eine Heimstätte ln dem Lande, das ihre Vorfahren berühmt machten und das auch ihnen eine Auszeichnung aufprägte, betrachtet werden. (Beifall.) Wenn das jüdische Volk ein Nationalheim in Palästina wieder aufbauen wilL so geschieht das nicht aus einem unklaren Gefühl, alten Glanz wieder herzustellen, noch beruht es auf bloßen politischen oder ökonomischen Motiven, sondern es soll ein Antrieb für geistige und religiöse Kräfte sein, die lange Zeit teilweise brach lagen, aber nicht tot sind. Denken wir doch daran, daß auf den Hügeln Zions noch die Fackel des Geistes brennt, vielleicht trüb und schwach in diesen Tagen, aber wer kann wissen, ob sie nicht bestimmt ist, wieder aufzuflammen und zum drittenmal die ganze Menschheit zu erleuchten 1 Bei der Behandlung des Schicksals Palästinas rühren wir an die tiefsten Dinge. Wenn wir bedenken, daß die Zionisten von solchen Ideen und solcher Begeisterung erfüllt sind, dürfen wir uns nicht wundern, daß manche von ihnen vielleicht die praktischen Schwierigkeiten unterschätzt haben. Aber die Extremisten, die die Bedeutung des arabischen Problems verkennen, sind nur gering an Zahl und beherrschen keineswegs die Politik der zionistischen Bewegung als ganzes. Sicherlich haben ihre Ideen niemals einen so bedeutenden Führer wie Dr, Weizmann erfüllt Mit vielen Empfehlungen des Simpson-Berichtes kann ich übereinstirnrnftn. Die Forderung daß die Regierung große Flächen von Staatsländereien zur Verfügung stellen soll, ist!infundiert. Es gibt kaum anbaufähigen Staatsboden, der noch nicht besetzt ist. ich stimme auch mit Simpson darin überein, daß die Fellachen in einem Zustand großer Armut sind, aber so war es allgemein im türkischen Reiche. Die Depression, unter der sie in diesem Jahre leiden,

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