Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1930)
- Date
- 1930-11-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 614 JUEDJSCHE RUNDSCHAU Nr. 92, 21. XI1930 I die jüdischen Siedlungen kam sie nicht zur Verwendung. Man er/ahlt, die Juden benutzten ihren Reichtum, um die armen arabischen Fellachen von dem Boden ihrer Väter zu vertreiben. Das ist nicht wahr. Der größte Teil des von den Juden bewirtschäfteten Bodens ist von ihnen aus dem Zustande der Verviistting durch Urbarmachung nutzbar gemacht worden. Hier und da mag ohne Zweifel ein kleines verschmutztes Araberdorf mit Rande eines Morastes in Unordnung gebracht worden sein. Aber nur 71)0 Menschen sind fortgebracht worden, um die Ent- Wässerung des Bodens 711 ermöglichen. Die Hälfte von ihnen ist wieder aufs Land gebracht worden, und die übrigen haben andere Beschäftigung gefunden. Ich möchte hier einen Satz vor Ihnen zitieren; ״Der größte Teil des von den Juden erworbenen Bodens war sumpfig und malariaverseucht und erforderte sehr große Ausgaben für Entwässerung, bevor er bewohnbar gemacht werden konnte. Der Rest bestand größtenteils aus Sanddünen.“ Was ergibt sich daraus?, Es können nicht nur mehr Mensehen auf dem Lande angesicdelt werden, sondern es werden dadurch auch die Ciesundheitsverhältnisse der Gesamtbevölkerang verbessert. Die dort herrschende Malaria ist eine gefährliehe Seuche und hat jene armen Menschen dahingerafft; aber durch die enormen Ausgaben zionistischer und anderer Körperschäften, wie der Jewish Colonisation Association, sind große Strecken Landes in diesen Gebieten entwässert und die Malaria zum Verschwinden gebracht worden. Der jüdische Beitrag zur Besserung der Verhältnisse in Palästina ist nicht abschätzbar. Mit ihrem Gesundheitsdienst leisten sie ebenso viel wie alles was die Regierung tut. Durch ihre Krankenhäuser, ihren Gesundheitsdienst, durch Forschungsarbeit und Entwässerung leisten sie weit mehr als die Regierung. Das gleiche gilt im Punkte der Erziehung. Nahezu alles, was auf dem Gebiete des Erziehungswcsens von der Regierung geleistet wird, kommt den Arabern zugute; die Juden erziehen ihre Kinder selbst. Aufforstung! Jeder weiß, was das für Palästina bedeutet. Warum ist Palästina eine so dürre Wüste? Weil die Türken die Bäume abgeholzt haben. Ke Folge davon war, daß der verwitterte Boden von dem Hügellande fortgeschwemmt wurde. Ke Juden aber haben nicht nur selbst eine große Zahl von Bäumen gepflanzt, sondern haben der Regierung Millionen von Setzlingen geliefert, die sie in den Stand setzten, gleichfalls Bäume zu pflanzen. Ke Juden bringen Intelligenz und Scharfsinn für die Regeneration Palästinas ins Land. Ich wünschte, das gleiche wäre anderswo möglich. Ich gehe nicht auf andere Punkte ein, z. B. die Elektrizität, vermittels derer sie dort Industrien aufbauen, die vorher nicht existierten und die den Arabern ebenso nützlich sind wie den Juden, die sogar den Arabern höhere Löhne verschaffen. Die Löhne der Araber sind, seitdem der Stand der Löhne durch die jüdische Arbeiterorganisation aufgestellt wurde, um 120 0/0 gestiegen. Nun sagt man mir aber, es gebe keinen Boden mehr in Palästina und man hat erst vor ganz kurzer Zeit die Zahlenangaben bezüglich des anbaufähigen Bodens in Palästina von 11 Millionen auf 6 Millionen heruntergesetzt — ich will nicht gerade sagen, daß man dies getan hat, um einen bestimmten Effekt zu erzielen — es hat aber dazu beigetragen. Es ist nicht wahr, daß kein Boden mehr vorhanden wäre. Es gibt noch den großen Hule-Bezirk im Norden, dann ist noch das Gebiet von Beisan beiderseits des Jordans, wo vielleicht ein paar elende Fellachen unter ständiger Bedrohung durch die Malaria leben und auf 100—150 Dunam gerade eben ein jämmerliches Dasein zu fristen imstande sind, während auf diesem Boden, wenn man ihn entwässern würde, Tausende von Arabern und Juden angesiedelt werden könnten. Wenn überhaupt irgendeine Politik der Entwicklung vorhanden wäre, könnte man doppelt so viel Araber auf den Boden bringen, der jetzt von Arabern besetzt ist. Die Regierung selbst führt so gqt wie gar,keine.,Bcwpserungarbeiteg aus.. Betrachten Sie einmal das, was die. gtfechlsdieTRegierutigTÜr die;ghecMsebtir Ansiedler in Mazedonien und sonstwo getan hat. Man hat nichts getan. Was ist die Folge? Man verwendet die Tatsache, daß man nichts für die Araber tut, als einen Vorwand, um den Juden zu verbieten, etwas für sich zu tun. Eine solche Politik ist überaus dumm. Mit solchen Mitteln kann man keine Eifersüchteleien vermeiden. Sie könnten doppelt so viel für die Araber tun und könnten es um so besser tun, wenn Sie sich dieser Arbeit unterzogen hätten, die durch ausländisches Kapital unterstützt worden wäre und die Basis für eine Anleihe zu Entwicklungszwecken bieten würde, die den Arabern ebenso wie den Juden helfen würde. Es ist nicht die Rede davon, daß man nicht das Beste für die Araber tun soll. Einer der Vorwürfe des Völkerbundes lautete, daß wir nichts für die Araber getan haben, und daß wir die Juden entmutigen. Ke einzige Antwort der Regierung ist: ״Also gut, wenn wir nichts für die Araber tun können, werden wir die Juden hindern, irgendetwas zu tun.“ Das ist eine närrische Politik. Bei der Betrachtung der Frage, ob Boden für die Araber vorhanden ist, möchte ich feststellen, daß man Transjord a n i e n nie in Betracht gezogen hat, trotzdem es zum Mandatsgebiet gehört. In Transjordanien ist ebenso viel anbaufähiger Boden wie in dem gesamten übrigen Palästina vorhanden. Es gehört zum Mandat, ist aber aus der Nationalen Heimstätte für die Juden ausgeschlossen worden. Wir haben hier ein großes Landgebiet, das für die Zwecke.der Ansiedlung von Arabern offen ist, falls ein Bevölkerungsüberschuß, der Boden nötig hat, vorhanden ist. Aber dieses Land muß entsprechend erschlossen werden. Ich gebe zu, daß dies eine schwierige Aufgabe ist. Wir hätten uns dies überlegen müssen, bevor wir das Mandat annahmen, dessen Annahme ich im übrigen gewiß nicht bereue, der ich so verantwortlich wie irgend jemand in diesem Hause für die Ausgestaltung des Mandates und für seine Uebernahme bin. Wenn aber das Unterhaus erklärt, es könne dieses Mandat nicht durchführen, dann müssen wir es zuriiekgeben. Es gibt genug Leute in der Welt, die genügend Mut haben, um Verantwortungen zu übernehmen. Sollten wir in England eine Regierung haben, die die Verantwortung nicht übernehmen kann, so möge sie einem anderen Lande auf erlegt werden. Wir haben ein großes Experiment vor uns, ein Experiment, dessen Spur in der Geschichte nicht verwischt werden wird. Ais die Juden in jenem Lande lebten, hinterließen sie ihre Spuren in der Geschichte. Sie besitzen noch immer die gleichen Anlagen, und unter Bedingungen, die diese ihre Anlagen durch ihren Patriotismus für das Land ihrer Herkunft verstärken, werden sie wiederum imstande sein, der Menschheit Dienste zu leisten. Wir haben geglaubt, daß ihnen diese Möglichkeit gewährt werden müsse. Die zum Rate versammelten Nationen der Erde sind zum gleichen Beschluß gekommen. Wenn nun unsere Regierung erklärt, sie könne dies nicht durchführen, dann wollen wir in Gottes Namen jemand anderem die Gelegenheit dazu geben. (Auf einen Zwischenruf:) Oh nein, ich plaidiere natürlich nicht dafür. Ich glaube nicht, daß die Fähigkeiten Englands so gering sind. Urteilsfähigkeit, Mut und Beharrlichkeit sind für diese Aufgabe notwendig. Die Regierung ist leider zu s ehr bereit, Schwierigkeiten als Vorwand für die Hinausschiebung einer Aufgäbe anzusehen. Die Augen der Welt richten sich sehr gern auf Palästina. Wenn zwischen Arabern und Juden ein Streit um die Ruinen von Karthago ausgebrochen wäre, so hätte dies nicht so viel Aufmerksamkeit erregt; auf dieses kleine Land jedoch fällt ein starker Lichtschein, den der Genius einiger seiner größten Söhne in der Vergangenheit ausstrahlt, so daß jedes kleine Dorf und jeder Hügel bedeutsam ist und jede Episode hervorragt Wenn wir in Palästina versagen, so wird unser Versagen allen Nationen der Welt sichtbar sein. Wenn wir Erfolg haben, so wird dies das Vertrauen und die Fähigkeit Englands, ein Reich zu regieren, wieder herstellen. Die Antwort der Regierung Dr. Druminond Shiels, Unterstaatssekretlr des Kolonialamtes: Ich begrüße die heutige Debatte. Sie befaßt sich mit einem Gegenstand, der stets schwierig war, und besonders im letzten Jahre und darüber. Die Sache, hat der Regierung und insbesondere dem in erster Reihe verantwortlichen Departement beträchtliche Sorgen gemacht. Ich würdige den Wert dieser offenen Aussprache und kann erklären, daß die Regierung sich freuen wird über jede Hilfe, die ihr von der Gesamtheit dieses Hauses geboten wird. Das wichtigste ist, das ProblemalseiaOanzeszu sehen und nicht nur den Gesichtspunkt der einen oder der and«- ren interessierten Partei. Lloyd George hat eindrucksvoll gesprochen, aber er hat gerade diese Methode außer acht gelassen. Seine Rede enthielt viele falsche Darstellungen, was bedauerlieh ist in Anbetracht der Bedeutung, die seinen Worten beielegt wird. Er sagte einiges über den Ursprung unserer Verindungen mit Palästina, und ich will das Haus auch an einige Einzelheiten in demselben Zusammenhang erinnern. * Palästina Ist ein kleines Land, oft verglichen mit Wales. Nach einer Periode militärischer und ziviler Verwaltung wurde 1922 der großbritannischen Regierung ein Mandat erteilt, unter welchem Palästina seither verwaltet wird. Das Mandat enthält auch die Balfour-Deklaration von 1917. Damals waren in Palästina 84 000 Juden und 590000 Araber. Nun haben die Araber JÜDISCHE VOLKSPARTEI Wählerversammlung Sonnabend, den 22. November, abends 8 Uhr Stadthalle, Ktosteratrafie Wählt die Partei des Aufbaus Jüdische Volkspartei Liste 2 * Referenten: Dr. Alfred Klee, Rabb. Dr. Moritz Freier Dr. Max Soloweitsebik, Ministerialrat Hans Goslar, Alfred Beiger, Dr. Hermann Leiewer. von Anfang an dem Mandat widersprochen. Zunächst forderten sie, daß Palästina zu den Gebieten gehört, die ein arabisches Königreich bilden sollen, und wir hatten einen Abklang dieser Schwierigkeit in der Parlamentsdebatte über •die MacMahon- Korrespondenz. Zweitens widersetzten sie sich den Bestimmutigen des Mandates selipt. Sie behaupten, das Mandat sei dem:Nam#f» «fch.em' ״A“-Man0ff wie' d#'füf:lfjSk,/züm.“Z^veck.e. der Entwicklung von Selbsti'irwaStüngseinrichiungen: DufcH die Einführung des auf das Jüdische Nationalhelm bezüglichen Teiles wurde jedoch — so sagen die Araber — das Mandat faktisch ein ״B“-Mandat, in welchem der Nachdruck auf die Vormundschaft gelegt ist und wo die Entwicklung voller Selbst- Verwaltungsinstitutionen nach dem Vorbild von Irak unmöglich ist. Die Araber haben aus diesem Protest heraus abgelehnt, durch Teilnahme an dem ihnen 1922 angebotenen Gesetzgebenden Rat mitzuarbeiten, ebenso durch Bildung einer Arab Agency entsprechend der Jewish Agency. Sie waren stets gegen systematische jüdische Einwanderung. Die Palästinaregierung hat getan, was sie konnte, um eine Aenderung der Haltung der Araber herbeizuführen und ich glaube, daß seit jener Zeit eine Anzahl arabischer Führer sich entschlossen hat, den Realitäten der Situation ins Auge zu sehen und irgendeine Form der Zusammenarbeit mit der Regierung in Betracht zu ziehen. Auf der anderen Seite hat eine große Menge von Juden in der ganzen Welt das Mandat als die Erfüllung, oder doch als die teilweise Erfüllung der Träume von Jahrhunderten begrüßt. Nicht alle Juden sind jedoch Zionisten, und besonders in England und Amerika gibt es eine Anzahl, die gleichgültig oder gegnerisch einem politischen Judentum, das seinen Ausdruck in dem Nationalneim in Palästina findet, gegenüberstehen. Dieser Teil der Juden hält die Religion und nicht ein politisches Programm für das grundlegende und entscheidende Merkmal des Judentums. Unter den Zionisten gibt es gleichfalls eine beträchtliche — kräftige und laute — Gruppe, welche niemals die Einschränkungen des Mandates oder aas Wesen des Nationalheims akzeptiert haben und welche nicht ein Jüdisches National heim in Palästina, sondem einen jüdischen Staat Palästina erstreben. Diese Gruppe war auch eine strenge Kritikerin der Zionistischen Exekutive, welche die Einschränkungen des Mandates akzeptiert hat und sich bemühte, sich innerhalb seiner Bestimmungen zu halten. Eine große Menge Geldes wurde, wie Lloyd George gesagt hat, von aen Juden der ganzen Welt für Lanakauf und Kolonisation in Palästina gespendet. Nun sind die Juden den Schotten darin ähnlich, daß sie einen guten Ertrag ihres Geldes gern sehen, und daher wird natürlicherweise ein starker Druck auf die Jewish Agency ausgeübt, sie solle dafür sorgen, daß die englische und die Palästina-Regierung bei der Stange bleiben und daß ein so starkes Einströmen von Juden nach Palästina wie irgendmöglich auch durchgeführt wird. Die Mehrzahl der jüdischen Immigranten kommt von Osteuropa, wo die Lebensbedingungen des jüdischen Volkes nicht gut sind und wo chronische Arbeitslosigkeit besteht. Während es richtig ist, daß, wie ich schon sagte, Meinungsverschiedenheiten bestehen, ist es doch nur billig, zu sagen, daß die Weltjudenheit als Ganzes eifrig interessiert ist an dem Erfolge des Jüdischen Nationalheims in Palästina. Seit 1922 haben verschiedene britische Regierungen sich bemüht, gewissenhaft ihre Mandatspflicht zu erfüllen. Es gibt schwarze Kapitel in dieser Geschichte, bei welchen ich nicht verweilen will, welche jedoch den Nachgeschmack von Bitterkeit und Schwierigkeit hinterlassen haben. Ke gegenwärtige Regierung hatte kurz nach ihrem Amtsantritt sich mit den tragischen Ereignissen vom August des letzten Jahres zu beschäftigen. Eine Kommission von drei Mitgliedern dieses Hauses mit Sir Walter Shaw als Vorsitzendem wurde ernannt, um Untersuchungen anzustellen und Bericht zu erstatten. Ihr Bericht wurde von der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes im Juni d. j. behandelt. Den jüdischen Behörden gefiel der Shaw-Bericht nicht; sie waren der Meinung, daß er ihrer Siche nicht gerecht wird und sie unternahmen Schritte, um ihre Einwendungen der Mandatskommission zur Kenntnis zu bringen. In ihre Vorstellungen nahmen sie auch verschiedene scharfe Kritik der englischen und der Palästina-Regierung auf. Die Shaw-Kommission legte besonderen Nachdruck auf die Gefahr, daß als Ergebnis der Boden- und Kolonisationspolitik der Zionisten eine Klasse landloser Araber entstehe, und sie äußerte mit Nachdruck den Rat, es solle eine sachverständige Untersuchung durchgeführt werden, damit die Immigration und die Landesentwickhmg womöglich nach mehr wissenschaftlichen Riehtlinien vor sich gehen könne. Die Regierung sandte daraufhin Sir John Hope Simpson, dessen Befähigung für diese Aufgabe allgemein anerkannt wird, nach Palästina. Auch die Permanente Mandatskommission betonte in ihrem Bericht an den Völkerbundsrat im vergangenen September die Wichtigkeit, daß dem arabischen Landbebauer mehr Interesse zuf".. . freuen. Wenn dies der Fall ist, dann hat es zweifellos nichts zu tun mit einer Abweichung vom Mandat, sondern sie bcgrüßten die Andeutung des Weißbuches, daß eine Bevölkertmgsklasse, die ihres Bodens entsetzt und von früheren Regierungen vernachlässigt worden war, endlich einige Fürsorge erfahren soll. Bei einigem Nachdenken wird mein Vorredner anerkennen, daß dies eine naheliegendere Erklärung ist als die seine. Während die englische Regierung sich genötigt sah, von manchen Punkten der von aer Permanenten Mandatskommission geübten Kritik abzuweichen, war sie der Ansicht, daß gerade diese Empfehlungen eine neue Rechtfertigung für die folgende Untersuchung von Sir John Hope Simpson bietet. Der Bericht und die Empfehlungen Simpsons sind bereits seit mehreren Wochen in der Hand der Parlamentsmitglieder, und man wird mir zustimmen, daß sie ein wichtiges und gewichtiges Dokument darstellen. Gleichzeitig mit dem Bericht wurde ein Weißbuch veröffentlicht, das die Richtlinien der Politik der Regierung angibt aber das Weißbuch scheint bei den jüdischen Führern keinen Gefallen gefunden zu haben. Es scheinen mehrere offenkundige Mißverständnisse bezüglich seines Sinnes unterlaufen zu sein, und viele Stimmen aus hochgestellten Kreisen erhoben sich zum Protest. Ich bin überzeugt, daß die heutige Diskussion ein besseres Verständnis und weitgehendere Uebereins tim mung herbeiführen wird. Die Hauptiinle der von Lloyd George geübten Kritik geht dahin, daß das Weißbuch ein Abweicnen vom Mandat bedeutet, und eine Reihe angesehener Staatsmänner, die ebenso wie Lloyd George mit der Entstehung des Mandats verbunden sind, haben Zeichen der Beunruhigung von sich gegeben. Ich erkläre mit allem Emst, daß Irgendein Abweichen vom Mandate niemals in unserer Absicht gewesen Ist und ich hoffe zeigen zu können, daß diese Kritik auf völligen Mißverständnissen beruht. Zunächst möchte ich noch ein Wort über das Mandat selbst sagen. Wie ausgezeichnet auch die Absichten der Initiatoren des Mandates gewesen sein mögen, seine Abfassung läßt manches zu wünschen übrig. Die Unklarheit und die Bedingtheit seiner Bestimmungen waren von Anfang an eine Quelle von Schwierigkeiten. Da soll ein Jüdisches Nationalheim sein, da soll ferner Aufrechterhaltung der Rechte und Vorrechte der nichtjüdischen Einwohner sein, und schließlich soll auch noch eine Entwicklung von Selbstverwaltungsinstitutionen sein. Dabei wird keine Rang- Ordnung angegeben. Die extreme jüdische Meinung behauptet, daß der Hauptzweck des Mandates in der Errichtung des Jüdischen Nationalheims liegt und daß alles andere nur zweitrangig oder ergänzend gemant ist; oder, wie man es manchmal ausdruckt, die Bestimmung über das Jüdische Nationalheim sei positiv, alles andere negativ. ^.,״•Andererselii,peiflt,nit1e. Weihe,./aber energische Gruppe imt'eflfalb der ' p&mänentäi MärtdaiskötiuJitssiön ebenso "Me die Araber, daß die Entwicklung von Selbstverwaltungs- Institutionen als der Leitgedanke des Mandates zu betrachten ist. Die Unklarheit und Bedingtheit der Weisungen des Man- (lates haben beide Seiten dazu verführt, ihre Anschauung zu übertreiben und übermäßig geltend zu machen; dies hat eine Atmosphäre des Argwohns geschaffen und die Regierung bei jeder wichtigen Entscheidung dem Vorwurf des Treubruches ausgesetzt. Als ich im Juni als britischer Vertreter vor der Permanenten Mandatskommission stand, deutete ich zart an, daß das Mandat, mit dem uns der Völkerbund betraut hat, kein leichtes sei. Sofort wurde ich daran erinnert, daß das Mandat in seiner gegenwärtigen Fassung von uns dem Völkerbund zur Billigung vorgelegt wurde, und daß der Völkerbund nichts anderes tat, als die Billigung erteilen; und mein Vorredner hat uns daran erinnert, daß er zu jener Zeit Primeminister war. ich fürchte daher, daß die älteren Staatsmänner, die jetzt Kritik üben, selbst einige Verantwortung für die Schwierigkeit, den rechten Weg zu finden, tragen. Infolge dieser Schwierigkeit fand man es 1922, als Mr. Churchill Kolonialminister war, notwendig, ein bemerkenswertes Weißbuch zu veröffentlichen, welches die Interpretation des Mandates im Sinne der damaligen Regierung geben und die zu befolgenden Richtlinien anzeigen sollte. Dieses Weißbuch war die Grundlage der Verwaltung seit jener Zeit und, wie wir in unserem Weißbuch klar gesagt haben, haben auch wir es befolgt und wollen dies auch weiter tun. Jeder muß aber verstehen, daß da die Bevölkerung Palästinas zunimmt und das Ausmaß des unbesetzten Bodens abnimmt, die Streitfragen zwischen den beiden Völkern an Schärfe zunehmen. Es gibt jetzt in Palästina 690000 arabische Moslems, 162000 Juden und 90 (MX) meist arabische Christen. In Anbetracht der größeren Schärfe dieser Frage und der von der Shaw-Kommission und von Simpson aufgedeckten Gefahren wurde es notwendig, klarer und detirilierter als 1922 die Bedeutung beider Seiten des Mandates darzulegen. Das ist alles, was wir zu tun versuchen. Das Weißbuch enthält allgemeine Erklärungen und nicht detailierte Vorschläge, und es war stets die Absicht meines Freundes (des Kofonialministers), daß bevor Irgendwelche gesetzgeberische oder administrative Handlungen erfolgen, die Jewish Agency auf der einen Seife und d׳e arabischen Vertreter auf der anderen Seite die Möglichkeit erhalten sollen, Ihre Anschauungen zu unterbreiten. Es ist bedauerlich, daß dies nicht deutlicher verstanden wurde, da dann ein großer Teil der Kritik entfallen wäre. Wir haben wiederholt betont, daß wir das Mandat voll ausführen wollen und wir halten an dieser Erklärung fest. Wir haben auch gesagt, daß wir die beiden Seiten des Mandates als gleich gewichtig und wichtig anseheit, und das ist noch Jetzt unser Standpunkt; es war auch, wie im Weißbuch erwähnt, die Anschauung der Mandatskommission im Juni d. J. Wir sind einfach jetzt dabei, mehr ins Detail einzugehen. Die allgemeinen Pr inzipien unserer Politik bleiben dieselben wie die früherer Regierun gen. Palästina ist aber wie gesagt ein kleines Land, seine anbaufähige Fläche ist begrenzt. Die Gesamtfläche anbaufähigen Landes in Palästina wird auf 6 544 000 metrische Dunam geschätzt. Hiervon sind 1250000 metrische Dunam im jüdischen Besitz, davon 270 MX) im Besitze des Jüdischen Natu» alforids. Hiervon sind 155000 metrische Dunam noch unbesiedelt und man schätzt, daß bei einer normalen Entwicklung und Einwanderung eine Anzahl von Jahren verstreichen wird, bevor dieses ia jüdischem Besitz befindliche Reserveland besetzt ist Einer