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Jüdische Rundschau · 1930-11-18 · Heft 91 (18.11.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 91 (18.11.1930)
Date
1930-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 008 . J V EDISCflE RUNDSCHAU Nr. 91, 18. XL 1930 Pressesümmen ״The Ncar East and I n d 1* a“ schreibt am 13. November: Die Regierungserklärung über Palästina betont, daß keine Rücknahme der Balfour-Deklaration beabsiehtigt ist. Aber von vielen Betrachtern wurde eine andere Interpretation gegeben. Sie fürchteten offenbar, daß die zeit- «eilige Suspension der jüdischen Einwanderung als permanent gedacht ist. Jetzt jedoch wurden 1480 Bewilligungen für jiidische Einwanderung in den nächsten sechs Monaten erteilt. Damit ist der Vorwurf, die Regierung wolle das Jüdische Nationalheim in Palästina in seinem jetzigen Entwicklungs- Stadium ״kristallisieren“, widerlegt. Wahr ist nur, daß die Regierung in ihrem Statement ein für Parteipropagandisten unliebsames Prinzip lestgelegt hat, nämlich, daß Gleichheit zwischen den zwei Teilen der Balfour- Deklaration, die einerseits von der Position des jüdisehen Volkes und andererseits von der der Nichtjuden in Palästina handeln, besteht. Aber inwiefern ist ein solches Prinzip eine Rücknahme der Balfour-Deklaration? In Wahrheit ist es ja bereits in der Deklaration enthalten. Und die Tragödie der letzten zehn Jahre besteht darin, daß es nicht von den ersten Tagen des Mandates an anerkannt und zur Handlungsgrundlage gemacht wurde. Wieviele falsche Hoffnungen und falsche Befürchtungen wären im Keime erstickt worden, wenn eine solche Erklärung vor zehn Jahren gemacht worden wäre. In derselben Nummer veröffentlicht die Zeitung einen Leitartikel unter der UebersChrift ״Die Notwendigkeit einer Uebereinstimmung in der Politik des Nahen Ostens“, worin sie sich mit Entschiedenheit gegen die Methode wendet, außenpolitische Angelegenheiten Englands für innerenglische Parteizwecke zu mißbrauchen. Es sei notwendig, daß in den Fragen des Nahen Ostens, insbesondere Aegypten, Palästina tmd Cypern, die drei englischen Parteien eine gemeinsame Politik festiegen, damit die beteiligten Völker nicht meinen, sie könnten durch einen Regierungswechsel in England irgendwelche Vorteile für sich erzielen. Die Zeitung behauptet, daß nach Veröffentlichung des Palästina-Weißbuches verantwortliche jüdische Kreise in Palästina trotz aller Enttäuschung die Absicht gehabt hätten, auf Orund des Weißbuches die Weiterarbeit zu versuchen. Erst als der Brief von Baldwin, Chamberlain und Atnery in der ״Times“ erschien, der sich gegen das Weißbuch wandte, hätten auch die jüdischen Führer Palästinas ihre Absicht, an der neuen Politik mitzuarbeiten, zurüdegezogen, während auf der anderen Seite die bei den Arabern erzeugte Befriedigung sofort durch neues Mißtrauen verdrängt wurde. (Woher ״Near East“ seine Darstellung schöpft, daß die Führer des palästinensischen Judentums ursprünglich das Weißbuch akzeptieren wollten, ist uns völlig schleierhaft. Bekanntlich ging vom ersten Moment an gerade vom Jischuw eine spontane Opposition aus. — (A. d. R. ״J. R.“) Zwar — so fährt das Blatt fort — war In ßaklwins Briet keine eindeutige Erklärung vorhanden, daß eine konservative Regierung die Palästinapolitik Umstürzen würde, aber man konnte doch eine derartige Folgerung ziehen. Wenn nun wirklich gezeigt werden kann, daß die Politik der Regierung radikal unrichtig und mit den Bestimmungen des Mandates unvereinbar ist, dann müßte der Einspruch der Oppositionsparteien mit Recht bei der ersten Gelegenheit erfolgen. Wenn aber fediglich die Hoffnung ausschlaggebend war, aus irgendeiner unglücklichen Stilisierung des Regierungsdokumentes Parteikapital zu schlagen, dann ist klar, daß die britischen Interessen in Palästina der Partelpolitik geopfert werden und die Aufgabe der Palästinabehörden äußerst erschwert wird, nur um innerenglischer Parteipolitik willen. Das Blatt schließt mit der Bemerkung, daß die britischen Interessen im Nahen Osten gerade in dieser Zeit zu groß und empfindlich sind, um den Parteien als Spielba!l zu dienen, und appelliert darum an die Parteien, eine gemeinsame Linie zu finden. (Bemerkenswert ist, daß die konservative Zeitschrift in dieser scharfen Weise gegen die konservative Parteiführung auftritt.) * In der englischen ״S a t u r d a y Review“ nimmt ein iiberaler englischer Jude, der für den Jischuw nur etwa das gleiche Interesse zu empfinden glaubt, das ein Engländer an einem nach Australien ausgewanderten Zweig seiner Familie haben würde, zum Weißbuch Stellung. Er erklärt, die Quintessenz der neuen Palästina-Politik sei die Erhaltung des ״Gleichgewichtes“ zwischen Juden und Arabern, — was aber in Wahrheit die Unterstützung der Araber gegen die Juden bedeute, da sich sonst das Gleichgewicht immer mehr zugunsten der aktiveren, begeisterten und reicheren Juden verschieben würde. Auf das Bevölkerungsproblem eingehend, meint der Verfasser, die Entwicklung des Landes sei nicht möglich, solange sich die beiden Nationen um das Land stritten. Deshalb liege die Lösung in der massenweisenAussiedelung (wholesale removal) der Araber, — einer Umsiedelung, wie sie bei dem berühmten Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei unter den Auspizien des Völkerbundes durchgeführt worden ist. Nur die Juden könnten Palästina entwickeln, deshalb müßten die Araber weichen. Sie hätten aber dazu keinerlei Neigung, weil auch sie sich auf Versprechungen berufen könnten, und zwar auf Versprechungen eines großarabischen Reiches. Wenn dieses Versprechen gehalten worden wäre und ein arabisches Reich vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer bestände, so würden die Araber wohl unter gewissen Bedingungen auf den schmalen Küstenstreifen Palästina verzichtet haben. So aber sei es eine Torheit, an eine Lösung der jüdischen Frage in Palästina zu glauben, denn die jüdische Frage umfasse die ganze arabische! Deshalb müsse man die Lösung nicht nur in Jerusalem, sondern ebenso sehr in Bagdad und Aleppo suchen! Experimente, wie das jetzt von den Engländern vorgeschlagene palästinensische Parlament, müßten bis dahin völlig nutzlos bleiben. * Die amerikanische ״Nation“ schreibt zum neuen Weißbuch, die englischen Staatsmänner hätten das Gewicht der jüdischen öffentlichen Meinung in der westlichen Welt gegen das Gewicht der arabischen öffentlichen Meinung im Osten abgewogen und gefunden, daß es für England immerhin weniger gefährlich sei, die Juden durch Nichteinhaltung gegebener Versprechtmgen zu verletzen, als die Araber. Rein äußerlich sehe es so aus, als sei das neue englische Weißbuch den früheren offiziellen Erklärungen ähnlich. Aber das sei trügerischer Schein. Churchill habe im Weißbuch von 1922 ausdrücklich die Erleichterung der jüdischen Einwanderung versprochen, sowie dichte Ansiedelung von Juden auf dem Lande. Jetzt dagegen finde die Regierung die Verhältnisse für eine jüdische Einwanderung ungeeignet und sehe keinen Spielraum mehr, der für die Ansiedehing neuer Immigranten verfügbar sei. Infolgedessen seien die jüdischen Führer, die bisher ihre ungeduldigen Stammesgenossen immer wieder zum Vertrauen auf England ermahnt hätten, von ihren Posten zurückgetreten. Warburg klage ״in ungewöhnlich offener Form“ Passfield an, ihn getäuscht zu haben. — Bei der Mißbilligung der jetzigen Palästina-Politik durch Baldwin und andere konservative Führer dürften wohl Wahlrücksichten mitgesprochen haben, und vor allem die Befürchtung, durch Kon- Zessionen an den arabischen Nationalismus In Palästina den asiatischen Nationalismus anderwärts großzuziehen. Auch diese Politiker betrachteten die Palästina-Frage ausschließlich unter dem Ge8icbtewii1k£i des Nutzens für das Empire, und deshalb sei für cHe Juden die Moral der Geschichte, überhaupt nicht zu viel auf das Empire zu vertrauen. Vielen Juden werde sicherlich das neue Weißbuch als Rechtfertigung des Revisionismus erscheinen, in Wahrheit aber sei es ein Beweis für den .Weitblick und den staatsmännischen Geist von Dr. Mngnes (Brith Schajom); denn die britischen Bajonette seien ein schlechter Schutz für die jüdische Siedlung, und Palästina liege inmitten einer arabischen Welt. * Der ״S p ec tato r“ — die verbreitetste englische Wochenschrift — erklärt den Rücktritt□ r. Weizftianns für einen außerordentlichen Verlust, da dieser jüdische Führer niemals über seine zionistischen Zielen die Notwendigkeit, die Araber zu beruhigen, aus den Augen verloren habe. Vielleicht habe er trotzdem Ziele verfolgt, die eine Aussöhnung mit den Arabern unmöglich gemacht hätten, aber jedenfalls habe er die besten Absichten gehabt. Der Ansicht Weizmanns, daß das neue Weißbuch eine Aenderung der englischen Politik bedeute, stimmt der ״Spectator“ nicht zu, sondern sieht darin sogar eine konsequente, faire und zweckmäßige Fortsetzung der früheren Politik! Die englische Regierung habe bisher versucht, unter Anwendung von möglichst wenig Druck abzuwarten, ob Juden und Araber von selbst zusammenkämen. Aber die Unparteilichkeit der Engländer sei zu weit gegangen und von den streitenden Parteien als bloße Passivität angesehen worden. In Zukunft werde die Palästina-Regierung deshalb nicht mehr nur dem arabisch-jüdischen Schaukelspiel zusehen, sondern sie werde selbst in der Mitte der Schaukel stehen und das Gleichgewicht hersteilen. — Der ״Spectator“ zollt dann den Leistungen der jüdischen Kolonisten, die sich als viel bessere Farmer erwiesen hätten als die Araber, große Anerkennung und meint, alles hätte sich zur Zufriedenheit entwickeln können, wenn die Juden, die immer mehr Land kauften, auch arabische Arbeitskräfte beschäftigt hätten. — Weitaus am wichtigsten sei jetzt die Entwicklung des Landes im ganzen, die gewaltige Schwierigkeit liege in der Kostenfrage. Auf alle Fälle verdiene die Erklärung der Regierung Anerkennung. A. P. is ״The New States man“ überschreibt seinen Artikel: ״Verzweifelte Ratschläge“. Er stellt einleitend fest, daß die tiefe Bestürzung in der ganzen jüdischen Welt, die Resignationen von Weizmann und M e 1 c h e 11 nicht zu verwundern sind, daß jenseits des Atlantischen Ozeans die Gcfühle ihren Siedepunkt erreicht haben. Man muß gestehen, daß, wenn wirklich das Weißbuch das letzte ist, das die Regierung über den Gegenstand zu sagen wußte, auch die Nichtjuden tief enttäuscht sein würden. Die Vorschlage sehen aus wie der Rückzug aus einem hoffnungslosen Experiment. Zum Teil liegen die Schwierigkeiten bereits in der Balfour-Deklaration selbst. Nationale Feindschaft, Eifersüchteleien, gegenseitiger Verdacht und Befürchtungen, phantastische Erwartungen," wirkliche Mißverständnisse — alles dies hat der Lösung des Problems entgegengearbeitet. Araber und Juden haben nicht verstanden, miteinander zu arbeiten. Nach den beunruhigenden Ereignissen vom August 1929 hätte eine klare politische Deklaration der britischen Regierung Vertrauen und Zusammenarbeit der beiden Völker in Palästina wiederhersteilen sollen. Jetzt wird der Erfolg ein anderer seia Ein Punkt, der die Zionisten erregt hat, hatte auch alle diejenigen beunruhigt, die auf eine Lösung des Palästinaproblems gehofft haben. Niemand wird leugnen, daß mehr als bisher für die Besserung der Lage des Fellachen geschehen muß, und man liest mit Mißbehagen bei H ope Si m p so n ,.•daft hierin seit der türkischen Zeit nichf viel gebessert wurde, Üm sich dieser Schuld rei n z u wasch en, behauptet die"Regierung, daß sie zuviel für die Juden getan habe, oder, was dasselbe ist, den Juden gestattet hat, zuviel zu tun. Da nun einmal zu wenig Land vorhanden sei, so müsse man, um etwas für die Araber zu tun, die Einwanderung der Juden reduzieren oder gänzlich unterbinden, bis die übrigen Arbeitslosen Arbeit gefunden haben werden. Hiergegen hat sich Weizmannmit Recht gewandt. Damit soll nicht gesagt sein, daß wir die Bestrebungen zur Besserung der Verhältnisse der Araber nicht billigen oder daß wir meinen, die Interessen des Landes sollten den rionistischen Bestrebungen untergeordnet werden. Die gegenseitigen Beziehungen der beiden Völker zueinander sollen gebessert werden, die vorgeschlagenen Mittel sind aber nur dazu angetan, die Juden zu entmutigen und zu erbittern und auf der anderen Seite die Araber zu weiteren Kämpfen gegen das Jüdische Nationalheim und das Mandat anzufeuem. Das Dokument der Regierung liest sich wie ein Ratschlag, geboren ans Verzweifeln ng, verfaßt von einem Mann, der sich mit einem Problem herumquält, das er selbst für unlösbar hält. Der Plan muß geändert werden wenn das Palästinamandat etwas anderes sein soll als ein ständiges Geschäft für Polizisten. * Auch ״The Nation ik Athenaeum“ bringt einen ausführlichen Artikel über die Zukunft Palästinas und betont auch einleitend die schwere Sorge wegen der Folgen, die das Weißbuch gehabt hat. Hier wird aber hauptsächlich Nachdruck gelegt auf die Entwicklung des Landes, seitdem die jiidische Einwanderung begonnen hat und die Tatsache, daß niemand sonst als Juden eine solche Ent- Wicklung hätten bewerkstelligen können. Man könne unschwer voraussehen, was geschehen wird, wenn die Zionisten sich einem anderen Gebiet zuwenden und Palästina zurücklassen mit einer ständig wachsenden arabisehen Bevölkerung 1»1d einer stationären jüdischen Siedlung, die nicht mehr fähig und willens ist, Geld für weitere Ent- Wicklung aufzuwenden. Der englische Beamtenstal), tjer jetzt noch vergrößert werden sollte, ist in einer geradezu absurden Weise teuer tiir ein asiatisches Landeben mit einer Bevölkerungsziffer von unefähr einem Zwanzigstel einer indischen r o v i n z. Eine streng nationalistische und antibritische Bewegung muß sich in einigen Jahren entwickeln und das ägyptische Beispiel hat gezeigt, daß auf Dankbarkeit des Fellachen nicht zu rechnen ist, während der Haß der landbesitzenacn Klassen sich gegen uns wenden wird. Palästina als ein jüdisch-nationales Heim war ein schwieriges und unsicheres Unternehmen, aber als ein rein arabischer Staat wird es uns weder Ehre noch Nutzen bringen, sondern nur Gefahren und Kosten. Vorbereitung des XVII. Zionisfenkongresses Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat, wie uns mitgeteilt wird, die ersten ,Schritte zur Einberufung des Kongressea für Mitte Februar eingeleitet. An die zionistischen Verbände aller Länder ist die Weisung ergangen, die Sehe - kclsammlung für das Jahr 5091 sofort cinzuleiten und bis zum 31. Dezember 1930 abzuschließen, da sofort nach diesem Datum die Wahlen der Kongreßdelegierten beginnen müssen. Da die Durchführung der Kongreßwahlen unter dem Proportional-Wahlsystem, welches für die meisten Länder obliatoriseh ist, längere Zeit erfordert, kommt eine Ausdehnung iesea Termins nicht Ln Frage, Es •wird erwartet, daß durch eine außerordentliche Anstrengung der Zionisten in der Zeit bis zum 31. Dezember eine außerordentlich große Zahl von Sciickolim abgesetzt werden wird. Die Wahlen in Polen Der Wahltag vom 16. November brachte eine noch kaum für möglich gehaltene Verstärkung des Terrors gegen alle Parteien, die nicht dem Piisudski-Lager angehören. Besonders stark wirkte sich dieser Terror gegen die nationalen Minder* heiten und unter diesen vor allem gegen die zionistisehe Liste aus. In der Nacht auf den 16. November überfielen Pilsudskl-Anhänger die Redaktion und die Druckerei des ״H a j n t“ in Warschau, verwüsteten die Redaktionsräume, zerstörten die Setzerei und schlugen den einzigen noch anwesenden Setzer blutig. Zweck dieses Ueberfails war, das Erscheinen der Wahlnummer des ״Hajnt“ zu verhindern. Diese Absicht wurde jedoch nicht erreicht, denn die in vielen Zehn tausenden Exemplaren hcrausgegebene Wahlnummer war gerade eine halbe Stunde vor dem Üeberfall restlos zum Versand gebracht worden. Nach den bis Montag, dem 17. d. M., vormittags vorliegenden vorläufigen Ergebnissen sind zehn jüdische A b ge - ordnete gewählt worden. In Warschau ist Jizchak Grünbaum gewählt, in Lodz Dr. Uri Rosenblatt, in Krakau Dr. Oslas Thon, in Wilna Dr. Jakob WI - g 01 z k y, ln Lemberg Dr. Sommerstein, in Stanislau Dr. Rosmarin. Alle Genannten sind Zionisten. Von der Agudas Jisrocl Ist nur Rabbiner Aron Lewin aus Rzeszovv gewählt worden. Die endgültigen Resultate werden erst am Dienstag, dem 18. d. M., vorliegen. Die arabische Kampagne London, 14. November. (J.T. A.) Ehe politische Kampagne der Araber hat am 14. November mit einer Versammlung eingesetzt, an der zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der englischen Gesellschaft, viele Lords und eine Abteilung von Faschisten in schwarzen Hemden teilnahmen. Als Redner traten u. a. Lord I sli n g t on , der Führer der indischen Mohammedaner, Mohammed Ali, einer der Teilnehmer an der indischen Round Table Konferenz, und der Sekretär der palästinensisch-arabischen Exekutive Dschemal Hussein! auf. Lord Islington schlug eine Resolution vor, in der gefordert wird, daß der Artikel 22 des Völkerbund- Vertrages auf Palästina Anwendung finden soll. Er drückte sein Bedauern darüber aus, daß Araber von ihrem Boden vertrieben werden und erklärte, er sei zwar nicht Gegner der Niederlassung einer den Vorkriegsverhältnissen entsprechenden geringen Zahl von Juden in Palästina, bekämpfe aber eine Einwanderung großen Maßstabes. Mohammed AI! schloß sich den Ausführungen Lord Islingtons an und warf die Frage auf, ob England sich die mohammedanische Welt, die den vierten Teil der Menschheit darstellt, zur Feindin machen wolle. Mohammed Ali berichtete sodann über eine Unterredung, die er tags zuvor mit Lord Passfield hatte. Als dieser erklärte, er werde am Weißbuch festhalten, es werde jedoch eine erläuternde Erklärung zum Weißbuch veröffentlicht werden, habe Mohammed AU Lord Passfield ersucht, er möge dahin wirken, daß bei dieser Gelegenheit nicht der ganze Inhalt des Weißbuches fortinterpretiert werde. Landesvorstandssltznng der Z. V. I. D. Am Sonntag, dem 16. November, fand unter dem Vorsitz von Kurt Blumenfeid eine gut besuchte Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. statt. Unter den Gästen befand sich u. a, das polnische A.-C.-Mitglied Dr. H i n d e s. Der Landesvorstand nahm zunächst einen von Liebenstein erstatteten Bericht über die gegenwärtige Situation der Hachscharah-Arbeit in Deutschland entgegen. Hieran schlossen sich Berichte der deutschen A.-C.-Mitglieder über die Londoner Tagung des Aktions-Comitds und eine Aussprache, an der sich Vertreter der verschiedenen Gruppen beteiligten, und zwar die Herren Goldmann, Aron Barth, Lichthehn. Bileski, Rosenbtüth, Naftali, Hindes, Soloweitschlk, Blumenfeld, Haipern, Lubinski, Noack. Resolutionen wurden zu diesem Punkt der Tagesordnung nicht gefaßt. Der Landesvorstand beschloß, eine Zentralstelle für die Organisierung des Absatzes palästlnensischer Anlagewerte in Deutschland einzurichten und alle Ortsgruppen zu verpflichten, entsprechende lokale Vorkehrungen zu treffen. Weitere Beschlüsse des Landesvor- Standes, die den Ortsgruppen noch besonders zur Kenntnis gebracht werden, beziehen sich auf die Z i o n i s t e n 81 e u e r und auf die Durchführung der Kongreß-Schekela k t i o n. Kleine Nachrichten Auf eine Anfrage der J. T. A. hat die Palästina-Regierung die sensationelle Nachricht, daß einer mit der Standard Oil Company in Verbindung stehenden englischen Gruppe eine Petroie umkonzession am Toten Meer erteilt worden sei, offiziell dementiert. Es wurde bloß bestätigt, daß der Bergingenieur Sutherland, hinter dem ein ungenanntes engiisches Syndikat steht, eine kurzfristige Erlaubnis zu Bohrversuchen erhalten hat. Der Gesamtexport von Palästina-Orangen nach England wird in diesem Jahre auf 2>4 Millionen Kisten geschätzt. Der erste Transport von 27 000 Kisten ist am 12, November von Jaffa abgegangen. Im Hinblick auf die schlechte spanische Ernte dürften auf dem englischen Markt höhere Orangenpreise als im Vorjahre erzielt werden. Salomon Wiener Am 13. November verstarb in Breslau im 86. Lebensjahre Herr Stadtrat Salomon Wiener, der Vater unseres Freundes Arnold Wiener. Mit ihm ist eine fast legendäre Persönlichkeit dahingegangen, die im jüdischen Leben der Vorkriegszeit eine große Rolle gespielt hat. Der Verstorbene, welcher erst nach dem Kriege nach Breslau übergesiedclt ist, hat bis zu diesem Zeitpunkt viele Jahre in Kattowitz gewirkt. Salomon Wiener war eine allgemein anerkannte talmudische Autorität, er war lange Jahre Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Kattowitz, deren Geschicke er in der Vorkriegszeit mit großer Weisheit und Hingabe geleitet und maßgebend beeinflußt hat. Auch seine kommunale Tätigkeit auf dem nationalpolitisch stets heiß umstrittenen Boden von Kattowitz — er war lange Jahre Stadtrat und wurde schließlich in Anerkennung seiner Verdienste zum Stadtällesten ernannt — zeichnete sich durch besonderen Weitblick aus. Persönlich auf streng orthodoxem Standpunkt stehend, stand er den Bestrebungen des Zionismus sehr nahe.und nahm an unserem Aufbauwerk in Palästina und an der Wiedererweckung der hebräischen Sprache bis in die letzten Jahre lebendigen Anteil. Seine Beisetzung erfolgte in Beuthen O.-S. An seiner Bahre sprachen außer dem Rabbiner der Beulliener Gemeinde, Herr Dr. Melchior, namens der Familie Professor Dr. Heinemann-Breslau und namens der Katto* witzer Gemeinde Rabbiner Dr. Chameides.

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