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Jüdische Rundschau · 1930-11-14 · Heft 90 (14.11.1930) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 90 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I Seite 600 Der Wahlterror ln Polen Die größte zionistische Tageszeitung Polens, der ״Ha jnt“, veröffentlicht am 12. November nachstehende Mitteilung: ״An unsere Leser. Erklärung der Redaktion. Wir haben schon gestern mitgeteilt, daß wir aus bestimmten Gründen beschlossen haben, Über die Sejmwahlen lieber nicht zu schreiben. Um Mißverständnissen vorzubeugen, erachten wir es notwendig, festzustellen, daß unser Schweigen keine Aenderung in der Haltung unserer Redaktion und unserer Mitarbeiter in be ug auf die Wahlen bedeutet. Diese Stellung ist unseren Lesern gut bekannt.“ Um diese Erklärung zu verstehen, sei mitgeteilt, daß am vorigen Freitag Polizei in der Druckerei des ״Hajht“ erschien, alles auf die Wahlen bezügliche Material beschlagnahmte und die Druckerei verwüstete. Das gleiche Schicksal erlitten auch andere jüdischen Zeitungen. In der berechtigten Furcht, daß das Erscheinen der Zeitungen überhaupt unmöglich gemacht werden könnte, und daß durch unerträgliche Steuermaßnahmen und durch Anwendung von ״hygienischen Vorschriften“ die Druckereibetriebe stillgelegt werden könnten, haben sich also die jüdischen Zeitungen entschlossen, zu den Sejmwahlen, die am 16. November sfatiündcn werden, überhaupt keine Stellung zu nehmen. Studentische Heldentaten Krawalle in Berlin und Wien. An der Berliner Universität kam es am 12. d. M. zu nationalsozialistischen Skandalszenen, die sich vor allem gegen jüdisch aussehende Studenten und Studentinnen wandten. Es ertönte der Ruf ״Juden raus!“ Zwei jüdisch aussehende Studenten wurden blutig geschlagen, eine jüdische Studentin wurde geohrfeigt, zu Boden geschlagen und mit Füßen getreten. Der Rektor der Universität, Professor Dr. Deißmatjn, versuchte vergeblich den beschämenden Szenen ein Ende zu machen. Erst als von Nationalsozialisten Schüsse abgegeben wurden, griff die Polizei durch. Am Montag, dem 10. November, nachmittags, war die Wiener Hochschule für Welthandel der Schauplatz wüster Ausschreitungen gegen die jüdische Hörerschaff. Eine große Zahl christlicher Hörer der Hochschule, verstärkt durch etwa 50 antisemitische Hörer der Hochschule für Bodenkultur und zahlreiche Mitglieder des Studentenfreikorps der Heimwehren, drangen in die Hörsäle der Welthandelshochschule ein und stellten an die Professoren die Forderung, sämtliche jüdische Studenten aus den Hörsälen hinauszu weisen. Als die Professoren erklärten, sie hätten kein Recht zu einer solchen Maßnahme, erwiderten die völkischen Studenten, der Rektor der Hochschule sei über ihre Aktion unterrichtet. Naqji kurzen Verhandlungen erklärten sich die jüdisehen Studenten bereit, freiwillig das Hochschulgebäude zu verlassen, wenn ihnen freies Geleit zugesichert werden würde. Durch ein Spalier der antisemitischen Studentenschaft schritten sie auf die Straße. Aber ungeachtet des ihnen zugesicherten freien Geleits wurden sie von den antisemitischen Studenten mit Stöcken und anderen Schlagwaffen schwer mißhandelt; die Zigaretten wurden ihnen aus dem Munde, die Hüte vom Köpfe gerissen. Mehrere jüdische Studenten erlitten schwere, zum Teil stark blutende Hiebwunden. Eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft begab sich zum Rektorat, um Beschwerde einzureichen, sie wurde aber vom Rektor nicht empfangen. Die antisemitische Studentenschaft gab als Grund für ihr Vorgehen an, eine jüdisch-nationale Studentenvereinigung habe, ohne das Rektorat zu befragen, eine Kundgebung, in der zu einer Versammlung einberufen wurde, anschlagen lassen. Die Anschlagkästen der jüdischen Vereinigung wurden zertrümmert. Am nächsten Tage wiederholten sich die blutigen Exzesse. Auch an der Szegeder Universität kam es zu antisemitischen Ausschreitungen gegen die jüdischen Studenten. Jfldlsche Jngendarbelt In Oslo Oslo, Anfang November. Seitdem die Leitung des Skandinavischen Jüdischen Jugendverbandes nach Oslo verlegt worden ist, scheint sich das dortige ’u.cndleben stärker intensivieren zu wollen. Das zeigte sich in diesen Tagen wiederum bei der Durchführung einer bedeutsamen Aktion für den Erwerb eines Jugendheims, das insbesondere der seit Jahren Im schönsten Sinne bewußten Judenturas arbeitenden Ferienkolonie, daneben aber auch der jungen und starken Sportbewegung und dazu wichtigen sozialen Zielen dienen soll. Ein glänzend gelungenes Fest, das über 200 Menschen vereinigte, stellte den prächtigen äußeren Rahmen. Die blau-weiße Fahne schmückte Bühnenwand und Rednerpodium. Björn Björnson, der wundervolle Interpret der Kunst seines Landes, der verdienstvolle einstige Leiter des Nationaltheaters, hatte seine Kunst in den Dienst der Sache der jüdischen Jugend gestellt. In dieser Zeit eines, auch in Norwegen immer mehr um sich greifenden Judenhasses verdient diese seine Tat festgehalten zu werden, aber auch sein bewunderndes Eingangswort über die Kunstförderung und -freudigkeit der Judenheit, insbesondere in Deutschland. Es schloß sich daran der Festvortrag des neugewählten Führers der Gemeinde, Rabbiner Julius Samuel (früher Berlin). Er behandelte in dreiviertelstündigen Ausführungen ״die Arbeit der jüdischen Jugend in Deutschland“, die Zusammenhänge zwischen jüdisch nationaler Renaissance und körperlicher und geistiger Erziehung der jüdischeu Jugend. Sprach- und KulturBewegung, Turn- und Sportbewegung wurden herausgearbeitet als Erziehungsfaktoren für den in jüdischer Wirklichkeit lebenden jungen Juden. Die neue jüdische Jugendheimbewegung wurde in ihrer Bedeutung als Schaffung jüdischen Milieus und Gegenwirkung gegen würdelose Assimilationssucht gekennzeichnet, der Anteil der jüdischen Jugend in Deutschland an Ch aluziuth und planmäßiger Palästina-Arbeit wurde gewürdigt. An das Referat schloß sich ein Appell eines Jugendführers zur Durchführung der Aktion, die dann auch ein solches Resultat zeitigte, daß der Erwerb des Eigenheims der jüdischen Jugend gesichert ist. — Es steht zu erwarten, daß dieser ersten Tat weitere folgen werden, und daß auch die jüdische Jugend Norwegens nicht versäumen wird, der jüdischen Zukunft in Palästina ihren Tribut za zollen. Ben Jochebed. Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Keren Hajessod wurde ein von 150 Rabbinern Unterzeichneter Aufruf verbreitet, ln dem diese zur Fortlührung des Palistinawerkes auffordern und an die Judenheit der Welt den dringenden Appell richten, ihre Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod zu erfüllen. — Auch Rabbi Ku k wandte sich in einer Kundgebung an das jüdische Volk, in der er ebenfalls zur intensiven Mitarbeit am Aufbau Palästinas und Beteiligung am Keren Hajessod aufruft. JUEDISCHE RUNDSCHAU Die Antwort des arbeitenden Palästinas Wir erhalten folgenden Aufruf zur Veröffentlichung: Die Erklärung der Mandatsreglernng, die die Hoffnungen des jüdischen Volkes in seiner Heimat zu vernichten droht, stellt in den Mittelpunkt ihrer Anschuldigungen den Angriff auf den Kern des zionistischen Werkes! den jüdischen Arbeiter, seine Einwanderung, seine sozialen Schäpfnngen und sein Recht auf Arbeit. Die Histadruth und der Wcltverband der Ligen für das arbeitende Palästina haben daher beschlossen, sofort alle Kräfte der jüdischen, britischen und internationalen Arbeiterbewegung zum Kampfe gegen diese Erklärung aufzurufen. Sie proklamierten die Gründung des Politisdien Kampffonds der neben dem eigentlichen Ziel, der Beschaffung von Mitteln für den Kampf gegen die Palästina-Erklärung und der Sammlung unserer Freunde in diesem Kampfe auch noch dem Zwecke der Aufklärung und Organisierung der arbeitenden arabischen Bevölkerung Palästinas dienen soll. Diese Aktion, die in Palästina innerhalb von 14 Tagen mit großem Erfolg durehgefflhrt wird, soll nunmehr auch in den Galuthländern während eines Monats unternommen werden. Neben der Aktion für den Politischen Kampffonds soll ferner eine Aktion für den Volksprofesft cingcleitet werden. In diesem Volksprotest, der, von Millioncn Juden unterzeichnet, an die englische und internationale Arbeiterschaft gerichtet werden wird, soll der Protest der Histadruth und der Ligen für das arbeitende Palästina gegen die letzte Erklärung der Mandatsregierung bekundet und die Geschlossenheit und Unerschüiterlichkeit des jüdischen Volkswillens zum Aufbau des Arbeiterwerks in Palästina zum Ausdruck gebracht werden. Die Liga für das arbeitende Palästina in Deutschland ruft alle ihre Freunde und Verbündeten auf, •ich dieser Aktion aktiv anzuschließen, und solidarisch and mutig für das jüdischc Arbeiterwerk in Palästina, das Werk der Befreiung und des Friedens einzutreten. Jeder Tag ist kostbar, jede Spende willkommen! Spendet für den Politischen Kampffonds! Gebt Eure Unterschrift für den Volksprotest! Liga für das arbeitende Palästina Berlin N 24, Auguststr. 17• Postscheck: Eduard Bernstein. Palästina-Arbeiter-Fonds, Berlin 152 083. 111mn1n111n111nm1n11111111111111111n111nntn1111i111111111111111w11H(1nu1n1m1u1mH1111111111mnn11n11111111nnn1n111n11n1n1111M Staatsrat Jacob Teilet 80 Jahre Am 15. November 1930 vollendet Herr Jacob Teitel, Präsident des Verbandes der russischen Juden in Deutschland, sein 80. Lebensjahr. Der Jubilar wurde 1850 in Tschorny-Ostrow (Gouv. Podolien) geboren war erst Unter-, suchungsrichter, dann bis 1912 Mitglied des Landgerichts zu Saratow und war 30 Jahre lang der einzige jüdische Richter in Rußland. 1912 demissionierte er auf Dringen des antisemitisehen Justizministers Schtscheglowitow und unter dem Einfluß des judenfeindlichen ״Verbandes des russischen Volkes“, dabei wurde er wegen ״Eifers im Amte“ zum Wirklichen Staatsrate mit dem Titel Exzellenz ernannt, aucli wurde ihm eine erhöhte Pension bewilligt. Bereits während seines Justizdienstes widmete sich Teitel in großzügiger Weise sozialer und charitativer Tätigkeit. Sein Haus in Saratow war ein geistiger Mittelpunkt fortschrittlicher Elemente und vieler hervorragender Männer (Gorki, Lenin u. a.). Nach der bolschewistischen Revolution übersiedelte Teitel im Jahre 1921 nach Berlin und stellte sich an die Spitze des ״Verbandes russischer Juden in Deutschland“, für den er bis aut den heutigen Tag mit Selbstauf- Opferung wirkt. Er genießt Verehrung nicht allein in der russisch-jüdischen Kolonie Deutschlands, sondern auch überall, wo russische Juden leben, und auch im deutschen Judentum, wie in den jüdischen Gemeinschaften anderer Länder bringt man ihm höchste Achtung entgegen. 1929 veröffent- Uchte Jacob Teitel seine Erinnerungen, die auch deutsch unter dem Titel ״Aus meiner Lebensarbeit“ (Verlag!. Kaufmann, Frankfurt a. M.) erschienen sind. Der ״Jüdische Frauenbund“, der kürzlich eine Tagung abhielt, teilt mit, daß im Anschluß an die im März d. J. erfolgten Angriffe auf den J. F. B. im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden der Wunsch ausgesprochen wurde, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, daß die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu Unrecht erhoben wurden. Insbesondere möchte der J. F. B. feststellen, daß es ihm völlig fern gelegen hat, den Vorsitzenden der Berliner jüdischen Gemeinde ״weil er Zionist sei“ nicht zu seiner Jubiläumstagung einzuladen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde war, wie alle jüdischen Körperschaften, zu der offiziellen Feier geladen und auch durch den Herrn Vorsitzenden vertreten. Der Jerusalemer Korrespondent des ״Berliner Tageblatt“ will ״trotz strengster Geheimhaltung seitens der Regierung“ erfahren haben, daß eine Konzessionserteilung für Petroleum an englische Oelinteressenten bevorsteht, die durch einen Agenten namens Sutherland vertreten sind. Das Petroleum wurde in der Umgebung des Toten Meeres erbohrt. בית״עם עברי ברלין אספת עם מוקדשת לשאלת הבחירות לקהלה הישראלית בברליו. Anläßlich d«r W*M«n n der Berliner Jüdischen Gemeinde firofte hebräische Wahlversammlung des Beth-Ana Iwri, sa Sonnabend, den 15. November, in der großen Aula der Schule, Große Hamburger Str. 27, abends 81/״ Uhr pßnktlich / Gäste willkommen Nr. 00, 14. XL 1A30 Aus den Gemeinden Die Wahlen zum Landesverband Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt amtlich mit: Am 9. November ist die Frist zur Einreichung von Kreis- Wahlvorschlägen abgelaufen. Die Bemühungen, einen Wahlkämpf zu vermeiden, haben dazu geführt, daß in limfliehen Wahlkreisen, mit Ausnahme Berlins, Einheitswahlvorschläge zustande gekommen sind. Danach werden am 30. November Wahlen zum Verbandstag des Preußischen Landesverbandes nur in Berlin stattfinden. Zur Vermeidung der auf den 30. November 1930 anberaumten jüdischen Gemeindewahlen in Duisburg wurde ein Kompromiß geschlossen: Gemeindevertretung: Jüdischer Einheitsblock 5 (3 Zionisten, 2 Ostjuden), Liberale 3, Mittel* Partei 2, Poale Zion 1. Vorstand: Jüdischer Einheitsblock 2 (1 Zionist, 1 ostjüdischer Zionist), Liberale 2, Mittelpartei 1. Der Vorsitzende des Vorstandes ist Zionist (R.-A. Max Simon), ebenso der Vorsitzende der Gemeindevertretung. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre vom 1. Januar 1931. Einheitsliste Niederschlesien-Oberschlesien. Im Wahlbezirk Niederschlesien-Oberschlesien ist es nach langen Verhandlungen zu einem Kompromiß für die Landesverbandswahlen gekommen. Für die Jüdische Volkspartei ist auf der Einheitsliste Arnold Wiener, Beuthen, una als sein Stellvertreter Dr. Leo Cohn, Waldenburg, gewählt worden. Der Jüdischen Volkspartei ist außerdem der erste Stellvertreter im Rat zugebilligt worden. Die Einheitsliste besteht aas 2 Liberalen, 2 Konservativen und einem Volksparteiler. Auch hinsichtlich der Repräsentantenwahlen in Beuthen, welche infolge Kassierung der am 4. Mai d. J. stattgehabten Wahlen von neuem stattfinden mußten, ist es diesmal zu einer Einigung gekommen, und zwar soweit es sich um die Besetzung der Repräsentanz handelt, auf der Grundlage der letzten Wahlen. Das eigentliche Streitobjekt bildete die Besetzung des Vorstandes, welche schließlich in folgender Weise geregelt worden ist: Von den 9 Vorstandsmandaten werden 5 von dem C.-V.-Block besetzt, davon 4 Liberale und 1 Konservativer und 3 von der Jüdischen Volkspartei, das 9. Mandat von dem liberalen Gemeinderabbiner, Professor Dr. Golinski, der sowohl zionistisch wie beim C.-V. organisiert ist und seine Stellung als eine über* parteiliche betrachtet. Am 9. Nov. fand, wie wir schon berichtet haben, In Chem* nitz eine große Kundgebung gegen dasW ahlunrechtinder C hemnitzerJüdischenOemeinde statt Zu der sehr stark besuchten Kundgebung sind mehrere Delegierte und Gäste aus Dresden, Leipzig und Zwickau erschienen. Die Versammlung leitete der Vorsitzende der Jüdischen Volkspartei Chemnitz, Dr. Adler, der einen Ueberblick über die unglaublichen Verhältnisse in der Chemnitzer Gemeinde gab. Das Hauptreferat hielt Dr. Schornstein, Dresden. Es sprachen noch die Herren D u b i n e r, Leipzig, Vogel, Dresden, K a t z, Zwickau, und Dr. Sichel, Chemnitz. Die Versammlung nahm einstim• mig eine Resolution an, in der das allgemeine, gleiche Proportionalwahlrecht für alle Mitglieder der Gemeinde verlangt wurde. Am Nachmittag des gleichen Tages fand unter Leitung von Dr. Schornstein eine Besprechung der Jüdischen Volksparteien Sachsens statt, in der über die zur Erlangung des gleichen Wahlrechts in Chemnitz und Leipzig zu unternehmenden Schritte beraten wurde. Die Wahlen zum Repräsentanten-Kolleg der Synagogengemeinde Hannover sind infolge Verständigung vermieden worden. Dem neuen Kolleg werden 10 Liberale, 8 Einheitsparteiler, 3 Volksparteiler (R.-A. Block, R.-A. Goldstein , Dr. Sulke) angehören. Die Zahl der Repräsentanten ist von 17 auf 21 erhöht worden. Im früheren Kolleg waren 9 Liberale, 7 Einbeltsparteiler, 1 Volksparteiler vertreten. Protestaktion als Kettensammlung. Ein Privatbrief aus Palästina zeigt, wie die Protestversammlung zugunsten des KKL, über deren eigenartige Form wir bereits berichteten, um sich greift. ״In Tel-*״ירי snenrlet der Chauffeurverband ״Hascharon“ £ 5 und fordert alle Chauffeur-Kooperativen auf, das gleiche zu tun. Spenden dieser Art Heien ein von der Arbeitergrupne ״Asphalt“, der Freiwilligen Feuerwehr, den jüdischen Eisenbahnern. Die Hatenarbeiter in Haifa spendeten dem KKL zwei 1 agelöhne, die Fuhrleute am Hafen einen Tagelohn, ebenso die Lehrer der Allianceschule. Desgleichen in Rechoboth die Angestellten und Arbeiter der Weinkellereien und der Versuchs-Station, der Tischlerei-Genossenschaft und der Bojaren Smilansky.. Kino ״Eden“ in Jerusalem und Kino ״Beth Haam“ in Tel-Awiw widmeten dem KKL das Reinerträgnis einer Vorstellung, die Buchhandlung ״Achi Ewer“ 10 0/a ihre; ״,.״ ״e.ieiiinahn״ die Weinhanlhn״ Srhaul Halevy 25 0/0. Man wundert sich manchmal, wie es möglich ist. daß der kleine Fi ui.v über £ 80JO jährlich für Palästina aufbringt. Aber derartige Aktionen, wie die jetzige, zeigen, wie sehr der KKL in allen Volksschichten Wurzel gefaßt hat.“ Ausstellung ״Kult und Form“. Am 10. November wurde im Gebäude des alten Kunstgewerbemuseums in Berlin die Kunstdienst-Ausstellung ״Kult und Form“ eröffnet. Nach Begrüßungswprten der Herren Prof. Dr. Kurt Glaser und Reichskunstwart Dr. Redslob hielt Professor Dr. Paul T i 11 i c h, Frankfurt a. M., einen Vortrag über die Beziehungen zwischen religiösem Erleben und künstlerischem Gestalten, ln der Abteilung der jüdischen Gemeinden finden wir eine Schau moderner jüdischer Kultgeräte. Viel beachtet wurden die Metallarbeiten von Ludwig Wolpert, der auf der Ausstellung mit zwei Sabbatleuchtern aus Glas, einem Chanukkah-Leuchter aus Mattsilber, einer Sederschüssel aus Glas und Silber und einem 1,70 m hohen Chanukkah-Leuchter aus Bronze vertreten ist. Diese Arbeiten bringen das Streben nach klaren übersiehtliehen Formen unter Vermeidung von Ornament und Dekoration besonders deutlich zum Ausdruck. Erwin Roth stellt Arbeiten in getriebenem Silber aus, Harry Rosenthal ein ewiges Licht In Form einer glatten Messingkugel, in der hebräische Schriftzeichen ausgestanzt sind. Verschiedene Metalltreibarbeiten, wie Besomim-Büchsen und Kidduschbecher, bringt B. Friedlinder. Von der neuen jüdischen Friedhofskapelle in Königsberg, einem Werk des Architekten Erich Mendelsohn, ist ein Altarfenster ausgestellt, das eine gute Vorstellung der durch die Zusammensetzung von rechteckigen bunten Mattglastafeln erzielten Lichtwirkung gibt, die durch eingeschliffene Horizontalrillen erhöht wird. Zu erwähnen sind ferner Glasarbeiten von Miriam Rosenthal und Keramiken von Lea Halpern und Lotte Bud, sowie eine Sederschüssel in Keramik von Friedrich Adler. Der traditionell dekorativen Richtung huldigt Kahane mit einem Chanukkah-Wandleuchter aus Bronze. Von der neuen Synagoge in der Prinzregentenstraße sind zwei Thoravorhänge nach Entwürfen von Regierungsbaumeister Beer ausgestellt. Lobende Aeußerungen wurden auch über einen Misrach von Fanny Hambürg in Form einer farbigen Lithographie, die orientalische Bauformen, Kuppeln und Zinnen, komponiert, gehört. Die Aus- Stellung bleibt bis zum 28. Dezember geöffnet

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