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Jüdische Rundschau · 1930-11-14 · Heft 90 (14.11.1930) · page 5

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Nr. 90, 14. XL 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 599 Breslauer Brief Von unserem Berichterstatter. Der Kreis der Mitarbeiter, die die ständig sich mehrende Tagesarbeit auf sich nehmen, ist noch heute wie in früheren Zeiten und wohl auch bei allen einem Ideal dienenden Bewegungen und Bestrebungen ein sehr enger. Immer gibt es gar zu viele, die fällig und geeignet wären, einen Teil dieser Arbeit zu tun, aber bei aller Ergebenheit für unsere Idee sich der Kleinarbeit entziehen. Uebcr die Größe dieser Kleinarbeit macht sich der Außenstehende im allgemeinen keine Vorstellung. In aller Stille geht sie vor sich. Sie ist da. ln Erscheinung treten nur ihre Auswirkungen: kleinere und größere Veranstaltungen, die nicht immer so leicht zustände zu bringen sind, — Ergebnisse manchmal recht langwieriger Bemühungen auf den verschiedensten Gebieten unserer Arbeit, — Erfolge irgendwelcher Art, geistiger oder materieller, die nicht immer auf direktem Wege und nicht ohne manchmal mühevolle Beseitigung von Hindernissen und Widerständen aller Art uns werden. . . . Am 30. September begann die Breslauer Zionistische Ortsgruppe ihre Winterarbeit mit einem Vortrage des Präsidenten der deutschen Landsmannschaft, Kurt Blumenfeld, der über die Sitzung des A.-C. im August berichten sollte, dessen Referat aber weit über diesen Rahmen hinaus zu einer packenden Darstellung der Entwicklung Palästinas in den letzten Jahren wurde, wie es sich dem Redner in seinen Ergehnissen bei seiner letzten Anwesenheit in Palästina darbot. Gerade aus dieser Darstellung gewann der Hörer die feste Ueberzeugung, daß dieses Werk durch nichts mehr erschüttert oder gar zunichte gemacht werden kann. Sicherlieh war es zumeist auf den vorzüglichen Eindruck der Schilderung Blumenfelds zurückzuführen, daß, als kurz darauf die ersten Nachrichten von dem englischen Weiß buch mit seinem Versuch, unsere Arbeit zumindest stark zu beschränken, hierhergelangten, die Breslauer Freunde dies zwar auch mit großem Schmerz und großem Kummer erfüllte, aber doch ohne Verzweiflung aufgenommen wurde. Nicht einen Moment lang kam ihnen der Gedanke, daß das große Werk des jüdischen Aufbaus Erez-lsraels dadurch auf die Dauer gestört oder auch nur für längere Zeit eingeschränkt werden könnte. Als einzige Antwort galt allen die Selbstverständlichkeit vermehrter und verstärkter Arbeit für Erez-Israel und für den zionistischen Gedanken, Nichtsdestoweniger sollte doch in aller Form der Protest gegen das Verhalten der derzeitigen englischen Machthaber zum Ausdruck gebracht werden. Hierzu vereinigten sich alle an Palästina interessierten Kreise, die lokale Vertretung der Jewish Agency und die Zionistische Ortsgruppe mit ihren verschiedenen Untergruppen. Als Hauptredner des Abends war Dr. Nahum Goldmann in Aussicht genommen, der aber 1m letzten Moment am Erscheinen verhindert war. Dankenswerter Weise war Dr. Eli Auerbach bereit, für ihn ein zuspringen. Schon vor der für den Beginn festgesetzten Zeit füllte sich der große Saal der Versammlung und bald war auch die Galerie überfüllt. Im Aufträge der Einberufer eröffnete R.-A. Jacobsohn die Versammlung und gab der großen Enttäuschung aller Palästina-Freunde über das englische Weißbuch Ausdruck. Der zweite Redner, R.-A. Alfred Wolff, der im Namen der Nichtzionisten in der Jewish Agency sprach, erörterte die durch das Weißbuch geschaffene unhaltbare Rechtslage und die Widersprüche zum Mandat. Er forderte auf, nicht nur mit Worten der Empörung zu protestieren, sondern in praktischen Maßnahmen den unerschütterlichen Willen zu zeigen, das begonnene Werk zu einem guten Ende zu, führen. Für die Revisionisten sprach R.-A. Lachniann, der die Zuhörer ermahnte, trotz ־aller Schwierigkeiten und Hindernisse in Treue und Zuverlässigkeit zu unseren alten Idealen zu stehen. In überaus fesselnder, über 11/2 Stunden währender Ausführung gab dann Dr. Eli Auerbach ein Bild von der einzigartigen Entwicklung Palästinas in den 20 Jahren, seitdem er nach Palästina kam. Er schilderte die Art und Einstellung der englischen Beamten und gab eine eingehende Analyse des Weißbuchs mit seinen Schwächen und Fehlem, seiner Heuchelei und seinen Täuschungen. Er schloß mit dem Hinweis, daß englische Re■ gerungen kommen und gehen, daß jedoch das ״am olam“ bestehen bleibe. Immer aber bekommen wir nur das, was wir haben, was wir uns erarbeiten. Die Versammlung gab dann in einer scharf gehaltenen Protestresolution ihrer einhelligen Meinung über das Verhalten der englischen Regierting Ausdruck. Diese Versammlung verlief absolut ruhig und ungestört. Gegen die Erwartung mancher ängstlicher Gemüter. Denn es gab unter den Juden Breslaus manche Kreise, die es als eine Provokation schlimmster Art ansahen, ״in dieser Zeit“ eine öffentliche jüdische Versammlung anzukündigen und für diese die schlimmsten Hakenkreuzler-Ueberfälle befürchteten. Es ist ein tief bedauerliches Charakteristikum dieser Tage, daß so viele Juden — und natürlich gerade die, die uns stets ״Rückkehr ins Ghetto“ und Mangel an Mut vorwerfer zu dürfen glaubten — von solcher Angst erfüllt sind; selbst wenn nur bei einer fröhlichen und harmlosen Ssimchath- Thorafeier im geschlossenen Jugendheim eine Horrah getanzt wird oder wenn eine links eingestellte Gruppe die ״Internationale“ singt, deren Töne doch ״nach außen dringen“ könnten. Zugeben muß man, daß die christliche Jugend stark verhetzt ist. Nicht wenig hat dazu eine Ausstellung des V. D. A., des Vereins für das Deutschtum im Auslande, beigetragen, die kürzlich hier stattfand. Selbstverständlich lag diese Neben- Wirkung nicht im Sinne der Veranstalter, die doch das jüdische Geld für ihre Zwecke z. B. bei den sudetendeutsehen Antisemiten brauchen. Jedenfalls hat die jüdische Mitgliedschaft die Nazis nicht zurückgehalten, während der Tage der Ausstellung vor derem (notabene der Firma Tietz gehörenden, gratis zur Verfügung gestellten) Gebäude sich in Gruppen zu postieren und in ihm jüdische Schüler und Schülerinnen, die von den Schulen dahin geführt wurden, mit Schmährufen zu belästigen und teilweise tätlich anzugreifen. Und keine Aufsicht hinderte diese Lümmels daran. Es war zwar von oben her den Schulen der Besuch der Ausstellung nur ״empfohlen“ worden — eine Empfehlung der kurz zuvor in denselben Räumen gewesenen Arbeiterausstellung, die überaus interessant und lehrreich war, erfolgte nicht! — Aber von den Schulleitungen wurde natürlich ein mehr oder weniger leichter Zwang zum Besuch ausgeübt, dem sich die meisten jüdischen Schülerinnen nicht entziehen zu können glaubten, was aber nach den dort gemachten Erfahrungen jetzt doch ihren Austritt aus den Schulgruppen des V. 15. A. zur Folge hat, trotz mancher gegenteiliger Bemühungen. Andererseits gibt es aber jüdische junge Mädchen, die, wenn sie am Vorabend durch die Stadt gehen, sich das Abzeichen der Nazijugend, die Wolfsangel,;instecken, um sich so vor unliebsamer Belästigung zu schützen. Doch im allgemeinen läßt unsere Jugend sich durch diese Provokationen und auch durch die Ghettoängste so vieler Eltern und anderer Aelteren nicht beeinflussen, gellt ihren immer positivere Bahnen einschlagenden Weg und läßt sich in ihrer jüdischen Arbeit nicht beirren, die sich jetzt immer mehr in dem vor einem halben Jahr von der Gemeinde geschaffenen Jugendheim konzentriert, einer wirklich dankenswerten und segensreichen Schöpfung der Gemeinde. Unsere Kandidaten Für die Repräsentanten - Versammlung 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57. 58. 59. 60. 61. 62. 63. 64. 65. 66. 67. Dr. Alfred Klee, Rechtsanwalt und Notar. Georg Kareski, Direktor. Prof. Dr. Heinrich LBwc, Oberbibliothekar a. d. Umver• sitiits-Bibliothck. Hans Goslar, Ministerialrat. Markus Hornstein, Hüuscrvcrwalter. Lina Wagner-Tauber. Dr. Siegfried Moses, Rechtsanwalt Prof. Dr. Hermann Pick, Bibliothekar a. d. PreuB. Staatsbibliothek. Dr. Hermann Leiewer, Rechtsanwalt und Notar. Alfred Berger, Sozialsekretlr. Arthur Rau, Landgerichtsrat Dr. Oskar Wolfsberg, Facharzt Moses Goldmann, Fabrikant Philipp Grttnbaum, Versicherungsagent Moses Waldmann, Redakteur. Bruno Dobrzlnski, Maßschneider. Philipp Kozower, Rechtsanwalt und Notar. Alois Sadger, Arzt Moritz Anker, Malermeister. Nathan Ackcrhalt Kaufmann. Dr. Siegfried Kanowitz, Kinderarzt Jakob Stichel, Lehrer. Dr. Aron Sandler, Arzt Dr. Max Kollcnscher, Rechtsanwalt und Notar. Abraham I. Grebler, Rentier, Hugo Kaufmann, Kaufmann. Nathan Scheftelowitz, Kaufmann. Frieda Wcinrcieh, Sozialbeamtin. Dr. Meyer Pines, Schriftsteller. Jean Heilbrunn, Fabrikant Alfred Seherk, Kaufmann. Adolph Caro, Zahnarzt Arthur Marcus, Kaufmann■ Theodor Herzog, Fabrikant David lleimann, Kaufmann. Daniel Baruch, Kaufmann. Frau Edith Hirsch. Josef Zucker, Kaufmann. Josef Kormes, Juwelier. Gustav Israel, Schuhwarenhlndler. Dr. Paul Hirsch, Arzt Salo Lent, Schneidermeister. Dr. Abraham Steinert Arzt Sally Wolzinskv, Schneidermeister. Dr. Reinhard Moses, Arzt Simon Neißer, Kaufmann. Dr. Hermann Moses, Arzt Max Saul, Fabrikant Frau Bluma Herschlowitz. Dr. Erwin Meyer, Arzt Hermann Kristall, Kaufmann, Dr. Walter Blumenthal, Rechtsanwalt Levi Warschawiak, Synagogendiener. Dr. Walter Wolff, Patentanwalt Erich Buri, Kaufmann. H. E. Kurz, beeidigter Sachverständiger Georg Löwenberg, Rechtsanwalt Ely 1. Uziel, Generaldirektor. Isidor Schweriner, Rentner. ■ ■•-. Dr. Egon Roaenberg, Chemiker. Jakob Podschubski, Kaufmann. Frau Justizrat Elli Lissner. Prof. Dr. Julius Citron, Facharzt. Lesser Ury. Dr. Moritz Freier, Rabbiner. Prof. Dr. Gotthold Weil, Univ.-Prol. Dir. a. d. Staats bibliothek. Prof. Simon Dubnow, Schriftsteller. Für den Landesverband 1. Dr. Alfred Klee, Rechtsanwalt und Notar. 2. Georg Kareski, Direktor. 3. Dr. Hermann Badt, Ministerialdirektor. 4. Kurt Blumenfeld. 5. Dr. Emil Levy, Rabbiner. 6. Dr. Max Soloweitschik, Staatsmlnistcr a. D 7. Dr. Werner Silberstein, Arzt 8. Frau Dr. Efriedc Bergel-Gronemann. 9. Dr. Max Kollcnscher, Rechtsanwalt und Notar. 10. Dr. Aron Sandler, Arzt 11. Gustav Benario, Bankdircktor und Hande'wichtcr, 12. Isidor Engländer, Kaufmann. 13. Dr. Siegfried Kanowitz, Kinderarzt 14. Dr. Nahum Goldmann, Schriftsteller. 15. Frau Dr. Else Rabin-Heß. 16. Dr. Georg Landauer, Privatbeamter. 17. Dr. Abraham Löb, Rechtsanwalt und Notar. 18. Alfred Berger. Sozialsekretär. 19. Dr. Hermann Stahl, Kinderarzt 20. Pinkus Hauser. Kaufmann. 21. Dr. Abraham Steinert, Arzt. 22. Dr. Ilya Altschul, Kaufmann. 23. Isidor Bach, Fabrikant. 24. Dr. Alfred Landsberg, Rechtsanwalt 25. Frau Bertha Kochmann. 26. Abraham I. Grebler, Rentier. 27. Simon Ehrmann, Kürschner. 28. Julius Hirsch, Kaufmann. 29. Salomon L. Bronncr, Kaufmann. 30. Hans Klee, Referendar. 31. Adolf Kraus, Kaufmann. 32. Dr. Felix A. Thcilhaber, Facharzt. 33. Leo Kaminski, Geschäftsführer. 34. Josef Schmeidler. Direktor. 35. Karl Sobcrsky, Handelsvertreter. 36. Arthur Cohn, Angestellter. 37. Frau Dr. Betty Leszynski. 38. Hugo Wolfermann. Destillateur. 39. Dr. M. Koß, Chemiker. 40. Dr. Herbert Förder, Rechtsanwalt. 41. Berlsch Orlner, Buchdrucker. 42. Fritz Bernstein, Kaufmann. 43. Georg Baer, Kaufmann. 44. Frau Dr. Cläre Blumenthal. 45. Georg Lewin, Kaufmann. 46. Moses Lautmann, Kaufmann. 47. Hermann Kruh, Angestellter. 48. Isi Eisner, Sind. phil. 49. Leo Wolfermann, Destillateur. 50. Dr. Ernst Mandelbaum, Versicherungsbeamter. 51. Frau S.-R. Dora Laserstein. 52. Jakob Reinhold, Kaufmann. 53. Salo Koppe, Angestellter. 54. Heinz Engländer, Angestellter. 55. Sonja Gronemann. 56. Dr. Adolf Levy, Arzt 57. Dr. Siegfried Moses, Rechtsanwalt 58. Kart Hammerstein, Studlcnrat 59. Dr. Wilhelm Lcwy, Rabbiner. 60. Frau Rosa Baneth. 61. -De# SaliwnwJHildesholm«Jf, Augenarzt...ז -.., 62. Frau Selma Abramczyk. 63. Sanitätsrat Dr. Caspary, Arzt 64. Frau Dr. Bertha Badt-Straaß, Studienrat. 65. Isaf Klinow, Schriftsteller. 66. Frau Recha Freier. 67. Siegfried Hirsch, Kaufmann. 68. Dr. Arthur Levy, Rabbiner. 69. Arnold Zweig, Schriftsteller. n1IIIIH»HIWI>na1>MI)il)HII1n1l»1r1llillllllHIIIIIIIMIIIIIII)IIIIHIIIIIIIIIIMIIIWIIIIIIMHIIIIIIBIIHmBIIIIIIIIIIIIHIIIIHIIIIIIII»lillllllllllllllllllMlllllllllll1mHlllllllllliu1llllllllllllUIIIIIIIIUIIMIIIIIUUm1IIIIIUWIIUn1IMUItlllllUI1m1WIIIHIHHIilllillU»llltllllllMn1lÜi5 Einen gewissen Höhepunkt innerjüdischer Arbeit bedeutete die dreitägige Anwesenheit Martin Bubers in Breslau. Buber hielt vor etwa 500 Menschen den Eröffnungsvertrag in der ״Jüdischen Volkshochschule“ bei Ihrem neuen Semesterbeginn, in dem er in sehr klarer und unschwer verständlicher Weise seine Auffassung vom jüdischen Messianismus auseinandersetzte. An den darauf folgenden Abenden gab er in kleinerem, aber immer noch beträchtlichem Kreise eine mehr ins einzelne gehende Darstellung der Entwicklung des Messianismus im Judentum. Im Anschluß an den dritten Vortrag war noch ein Zusammensein Bubers mit der Breslauer jüdischen Jugend im Jugendheim, bei dem er in zwangloser Aussprache auf Fragen und Anregungen der Jugend einging und dieser die sehr erwünschte Gelegenheit gab, ihn und seine Ideenwelt näher kennenzulernen. Ein paar Stunden, die sehr anregend verliefen und die Jugend aufs wirkungsvollste beeinflußte. Um dieselbe Zeit kämpfte die ältere Generation um das Zustandekommen eines Kompromisses für die bevorstehenden Gemeinde- und Landesverbands wählen. Wochenlang zogen sich diese Bemühungen hin, bis endlich geradezu in letzter Stunde unter vielen Mühen und Kämpfen eine Einigung erfolgte. Es liegt in der Natur eines Kompromisses, das schließlich keine der beteiligten Richtungen voll und ganz befriedigt ist. Aber wir können wohl sagen, daß wir, wenn wir auch vielleicht bei einer Kampfwahl noch mehr erreicht hätten, mit dem Ergebnis doch einigermaßen zufrieden sein können. Das bedeutungsvollste an dem Kompromiß ist, daß endlich die liberale Majorität in der Gemeindevertretung gebrochen ist, nachdem sie viele Jahrzehnte lang eine absolute Selbstverständlichkeit war und nachdem es erst bei den letzten Kampfwahlen gelungen war, ihre ^-Majorität zu beseitigen. Es darf dabei nicht verschwiegen werden, daß die Liberalen gleich zu Beginn der Verhandlungen das Zugeständnis machten, nur noch 10 von 21 Repräsentantensitzen und 6 von 12 Vorstandsitzen besetzen zu wollen. Die großen Schwierigkeiten, die dann noch entstanden und beinahe das Kompromiß zum Scheitern brachten, ergaben sich aus der Fülle der Parteien, die in letzter Zeit in Breslau sich gebildet hatten und alle Berücksichtigung heischten. Sie waren zwar sämtlich gegen den offiziellen Gemeindeliberalismus eingestellt, aber es war schwer, ihren Anteil an der ״Herrschaft“ in halbwegs gerechter Weise auszugleichen. Eine Einigung war schließlich nur dadurch möglich, daß man die Zahl der Gemeindevertreter aut 23 erhöhte, von denen nun die Liberalen 11, die Volksparte! 4, die Konservativen 3, die Mittelpartei 2, die Wirtschaftspartel 2 und die Ostjuden einen Sitz erhalten. Die Konservativen hatten früher 4 Vertreter. Im Vorstand sollen neben 6 Liberalen wie bisher 2 Volksparteiler und 2 Konservative, ferner je ein Mittel- und Wirtschaftsparteiler sitzen. Alle Nichtliheralen stehen den zwei sachlichen Forderungen, die die Volkspartei erhoben hatte, sympatisch gegenüber: Sicherung der jüdischen Schule und Beisteuer für den Keren Hajessod. Es gelang jedoch nicht, die Erfüllung dieser Forderungen schon im Einigungsabkommen zu sichern Man mußte sich mit gewissen entgegenkommenden Vorschlagen der Liberalen begnügen, so 1 B. daß alle Palästina betreffenden Forderungen erst in einem im selben Partei verhältnis wie die Gemeindevertretung zu besetzenden ״Ausschuß zur Prüfung von Anträgen betreffend Aufwendungen für Palästina“ Vorzüberaten sind, der allerdings mit Stimmengleichheit schon beschließen kann, daß sie nicht mehr vor die Gemeindevertretung kommen. Daß die Liberalen sich in diesem Punkte so hartnäckig zeigten und man nicht mehr darüber weiterverhandeln konnte, daran trug das lange Hinausschieben der Endverhandlungen vor allem durch die Gruppe der O s t j u d e n schuld, die sich zuerst zu sehr weitgehenden Forderungen verleiten ließen, und wenn sie auch eine Arbeitsgemeinschaft bilden, doch durch die große Zersplitterung in ihren eigenen Reihen zu keinem endgültigen Resultat über Personen und Forderungen kamen Das Abkommen gilt zunächst nur für ein Jahr und gilt nur dann für die weitere Datier der Wahlperiode verlängert, wenn alle Gemeinde- Vertreter dem zustimmen. Sonst erfolgen in einem Jahre Neuwahlen. Man muß sich erinnern, daß es erst wenige Jahre her ist, daß die Breslauer Liberalen sich mit aller Entschiedenheit dagegen wehrten und es für absolut üntimlich erklärten, daß ein Zionist in den Vorstand eintritt. In den letzten fünf Jahren saßen allerdings bereits zwei Zionisten in diesem Gremium und nahmen auch an der Arbeit in allen Zweigen der Verwaltung teil, nicht etwa nur, wie sich das der eine oder andere vorher dachte, zur Wahrung gewisser Interessen, Und nun zieht die Volkspartei als zweitstärkste Gruppe in die Gemeindevertretung ein. Ein Immerhin nicht unbetriedigendes Ergebnis. Jetzt heißt es, dafür zu sorgen, daß die sachlichen Forderungen, die wir erheben müssen, auch durchgesetzt werden. Dazu wird es noch mancher Arbeit bedürfen. Für diese Arbeit und für unsere sonstigen Aufgaben werden uns hoffentlich noch Mitarbeiter und Helfer in genügend großer Zahl erstehen. K u p s s a i. Bei den österreichischen Nationalrats wählen am 9. November, deren Resultate aus der Tagespresse bekannt sind, erhielt die von der ״Union österreichischer Juden“ unterstützte demokratische Liste 6719 Stimmen, die von Oberbaurat Robert Stricker geführte ״Jüdische Liste“ erhielt 2134 Stimmen. Da für ein Mandat eine Mindestzahl von 20 000 Stimmen Voraussetzung ist, gingen diese beiden Listen leer aus. Strickers Kandidatur wurde nur von den Radikalen Zionisten unterstützt, während das zionistische Landeskomitee öffentlich davon abrückte, Tel-Awiw, 10. November. (J.T,A.) Eine von den Rcvisionisten einberufene Massenversammlung, zu der sich bereits Tausende von Menschen eingefunden hatten, wurde in letzter Minute von der Polizei verboten, weil die Veranstalter den Erlag der Kaution von £ 50 verweigerten.

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