Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1930)
- Date
- 1930-11-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653238--21950-2680108- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 592 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 89, 11.3a 1930 lischen Regierung wie den Führern des jüdischen Volkes vorschwebten. Dr. Weizmann und die übrigen Führer der Jewish Agency handelten richtig, als sie zum Protest gegen diese Handlungsweise von der Führung zurücktraten. Damit haben sie dokumentiert, daß der Wortbruch der Regierung nicht vereinbar ist mit dem englischen ״fair play“, wie es Lord Melchett und Felix Warburg so treffend dargestellt haben. Die ganze Judenheit, Zionisten und Nichtzionisten, stehen geeint hinter Weizmann. Allmählich verschwinden die Unterschiede zwischen Zionisten und Nlchtzionisten in der Palästina-Frage und ich möchte jetzt nur betonen, daß das jüdische Volk weise, geschickt und mit vollem Vertrauen in sein Recht die Arbeit mit noch größerem Mut fortsetzen muß, als bisher. Das wird die würdigste Antwort auf die Erklärung der englischen Regierung sein.“ * Der ״Jewish Guardian“, das Organ der englischen liberalen Nichtzionisten, nimmt in seiner letzten Nummer zu dem Brief von Lord Hailsham und Sir John Simon Stellung und spricht sein Bedauern darüber aus, daß eine englische Regierung dem Parlament eine Regierungserklärung vorlegt, die derartigen Vorwürfen (s. c. des Rechtsbruches) ausgesetzt ist. Mit Bezug auf die Mitteilungen über die geplante Abänderung des Weißbuches, die auf die bevorstehende Nachwähl in Whitechapel zurückgeführt wird, bemerkt das Blatt, es sei überaus beklagenswert, daß eine englische Regierung erst durch eine bevorstehende Nachwahl bewogen wird, ihre Entscheidung zu überprüfen, als ob der Verlust eines Mandates wichtiger wäre als der Verlust der Ehre Großbritanniens. — In ihrem Leitartikel erklärt das Blatt seine volle Uebereinstimmung mit Dr. Weizmann und findet es notwendig, zu begründen, warum es als nichtzionistisches Blatt sich so für die Palästinasache einsetzt. ״Nichtzionistisch heißt in unseren Tagen nicht mehr antizionistisch. Dr, Weizmann hat mehr als irgendein anderer dazu getan, eine Unterscheidung zwischen ״Anti“ und ״Nicht“ herbeizuführen. Lord Passfieid darf nicht überrascht sein, wenn heute die Zionisten nicht mehr zu ihrem früheren Antizionismus zurückkehren. Er hat doch seine Angriffe seit August 1929 nicht gegen die Exzesse der Extremisten, sondern gegen die Gemäßigten gerichtet. Er ignorierte die Vorbehalte Snells und hat jetzt außer Betracht gelassen, was ihm in Simpsons Bericht nicht gefiel. Ein solches Verhalten verfrößert keineswegs den Antizionismus — außer vielleicht in en Spalten der ,Daily Mail‘.... Wenn Dr. Weizmann in seinem Briefe an Passfieid schreibt, er habe das Weißbuch immer wieder gelesen, um eine Interpretation zu finden, die eine Basis für eine weitere Zusammenarbeit mit der Regierung, die er durch soviele Jahre befürwortet hat, bilden könnte, aber keine gefunden, so sind wir — schließt ,Jewish Guardian‘ — genötigt zu sagen, daß wir als Engländer und als Juden leider völlig mit ihm übereinstimmen.“ Anlrnl des ״Hechalaz" Chawerim! In tiefer Erbitterung und mit großem Erstaunen haben wir die neuen Erklärungen der englischen Regierung über Erez-Israel aufgenommen. Die Wunde ist noch frisch und der Schmerz noch nicht abgestumpft, aber es muß doch gesagt werden: Es gibt keine Kraft in der ganzen Welt, sei es auch die des mächtigsten Imperiums, die das historische Werk von revolutionärer Hingabe und Opferwilligkeit — ein Ausdruck von großer Volksnot und starkem Volkswillen — zunichte machen könnte. Das von der englischen Regierung veröffentlichte Dokument ist eine Liquidation der Zusagen und Verpflichtungen Englands zur Förderung des Jüdischen Nationalheims. Der Satz am Ende der Regierungserklärung, daß ״die englische Regierung der Baifour-Deklaration treu bleiben wird“, ist Hohn und Heuchelei gegenüber den Erwartungen eines leidenden Volkes. Die Tore des Landes werden für die aufbauende jüdische Einwanderung geschlossen. Es werden Mittel erwogen, die Alijah, die schon im Lande ist, zu ״reinigen“. Es werden in Erez-Israel alte zaristische Ausnahmegesetze in bezug auf den Bodenkauf eingeführt: ״Alle außer Juden.“ Es %vird in vollkommenem Gegensatz zu den wirklichen Möglichkeiten und Erfahrungen des Landes ״fachmännisch“ behauptet: Das Land ist nicnt aufnahmefähig. Die Mandatarmacht sieht ihre Hauptaufgabe nicht darin, die Schaffung neuer Arbeits- und Kolonisationsmöglichkeiten zu erleichtern, sondern in der angeblichen Sorge für die ״örtliche Bevölkertmg“. Man will dieser in den jüdischen Wirtschaften Arbeit geben. Und zu alldem: die böswillige Verleumdung des Nationalfonds, dessen Bodenpolitik Tn ihrer sozialen Gerechtigkeit nichts Gleiches in der Kolonisation der ganzen Welt findet; der Angriff einer Arbeiterregierung auf das Recht der Zionistischen Organisation und insbesondere der organisierten Arbeiterschaft, auf die Auswahl der Einwanderer Einfluß zu nehmen. Es wird der Versuch gemacht, die Lebensinteressen und die Lebensnot des jüdischen Volkes politischen Kombinationen eines imperalistischen Englands zum Opfer zu bringen. Besonders groß ist der Schmerz, daß dieses Dokument einer großen Ungerechtigkeit von einer Arbeiterregierang gekommen ist, die dazu berufen sein sollte, bei der Befreiung von unterdrückten Klassen und unterdrückten Völkern tätig■ zu sein. Doch gibt es keine politischen Schwierigkeiten, die imstände wären, den Volkswillen und den Drang zum Wiederaufbau der Heimat zu erschüttern. Der Zionismus ist ein Produkt der großen historischen Not des jüdischen Volkes. Er ist für große Massen von jüdischen Arbeitenden und der jüdischen Jugend der einzige Weg zu einem Leben der Arbeit, dem einzigen vollen Ausdrucke ihrer nationalen und sozialen Erlösung. Das Schicksal des Zionismus ist nicht nur von dem guten oder schlechten Willen einer englischen Regierung und ihrer politischen Kombinationen abhängig. Die politische Kraft und die Bedeutung der jüdischen Massen in ihrem Kampfe soll gestärkt werden. Aufs Neue muß das zionistische Problem vor der ganzen Welt und vor allen internationalen Mächten aufgerollt werden. Der letzte Schlag der englischen Arbeiterregierung wird den Glauben an das Gewissen der internationalen Arbeiter- Schaft und der sozialistischen Bewegung in uns nicht schwächen. Er wird uns aber zu einer größeren Aktivität innerhalb der Arbeiterbewegung in der ganzen Welt verpflichten, um diese für das Werk des arbeitenden Palästina zu gewinnen. Gleichzeitig aber sollen alle Leistungen, die unsere Kraft und unsere Position im Lande stärken, vervielfacht, die Arbeiterwirtschaften in Erez-Israel befestigt und erweitert, tausende von neuen Arbeiterfamilien auf dem Reserveboden des Nationalfonds angesiedelt werden. Die Chaluzbewegung soll erweitert, ihre Gesinnung, ihre Standhaftigkeit und Kampfbereitschaft sollen vertieft werden. Die Hachscharahpunkte und die Kibbuzim sollen ausgebaut werden. Wie früher, so auch jetzt, wird der Hechaluz mit allen Mitteln die geschlossenen Tore des Landes sprengen. Die Chaluzim werden die ersten in dem großen Massenprotest und politischen Kampf sein. Erprobt im Schaffen, werden sie ihre Kraft auch im Kampfe zeigen. Der Weltverband des Hechaluz- Warschau, den 22. Oktober 1930. Vorschlag an die Mandatsregierung Palästinas I. Vorschlag. In der Erkenntnis, daß der arabische Fellache in Palästina sich in schwer gedrückter Lage befindet; in der Erkenntnis, daß insbesondere die als Pächter auf Großgrundbesitz arbeitenden Fellachen ein Leben harter Arbeit bei geringstem Ertrage und ohne Hoffnung auf Besserung ihres Loses führen; in der Erkenntnis, daß die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Hebung des Fellachen auch im Interesse der jüdisehen Kolonisation Palästinas liegt; in der Erkenntnis, daß bei der Ausdehnung der jüdischen Besiedlung eine Verdrängung des arabischen Fellachen nicht beabsichtigt und nicht erwünscht ist; in der Erkenntnis, daß schon bisher eine Besserung des Loses der Fellachen nur durch den Fortschritt der jüdischen Landwirtschaft erreicht wurde, und daß eine großzügige Hebung der arabischen Landwirtschaft nur durch weiteren großzügigen Fortschritt der jüdischen Kolonisation erreicht werden kann; in der Erkenntnis, daß es oberste Pflicht der Mandatsregierung Palästinas ist, reale Maßregeln zum Wohle der arabischen Fellachen zu ergreifen, ohne den Ausbau des Jüdischen Nationalheims zu stören, wird der Mandatsregierung Palästinas der folgende Vorschlag unterbreitet. Die Mandatsregierung Palästinas wolle durch gesetzliche Verordnung festlegen: 1. Keine Einzelperson darf mehr als 4000 Dun am Landes zu ihrer freien Verfügung besitzen. Als Eigentümer gilt der Inhaber des Kuschans (des im Grundbuch eingetragenen Besitztitels). Uebertragungen von Besitztiteln, im ganzen oder in Teilen, aus einem 4000 Dunam überschreitenden Besitz sind nach dem 1. November 1930 nur mit besonderer Erlaubnis der Regierung gestattet. 2. Juristische Personen (Gesellschaften, Stiftungen usw.), die mehr als 4000 Dunam besitzen, müssen den Nachweis erbringen, daß sie ihren bebaubaren Landbesitz an Siedler zu selbständiger Bewirtschaftung in der Weise aufgeteiit haben, daß im Durchschnitt auf die Siedlerfamilie nicht mehr als 400 Dunam entfallen. Darüber hinausgehender Besitz wird wie Einzelbesitz (§ 1) behandelt. 3. Der über 4000 Dunam hinausgehende Einzelbesitz an Boden wird von der Regierung durch Kauf erworben. Der Kaufpreis beträgt im Durchschnitt £P 1 —1V2 für den Dunam landwirtschaftlich nutzbaren Bodens und darf in keinem Fall £P 3,— für den Dunam unbewässerten Bodens übersteigen. Für bewässerte Böden ist eine besondere Abschätzung durch eine Regierungskommission vorzunehmen. 1. Der auf diese Weise in die Hand der Regierung gelangte Boden wird zu einem Drittel der Jewish Agency, zu zwei Dritteln arabischen Pächtern und Bauern zur Verfügung gestÄ Die Jewish Agency verpflichtet sich, 20 *ס/י des auf ihren Anteil entfallenden Bodenpreises innerhalb eines Jahres zu bezahlen, den Rest in gleichen auf 20 Jahre verteilten Raten. — Die arabischen Pächter und Kleinbauern zahlen'den ihnen zugeteilten Boden in Raten von 2!/a 0/0 jährlich in 40 Jahren ab. II. Kurze Bemerkung. Nach dem Gutachten von Sir John Hope Simpson ist in Palästina kein Land mehr für Juden frei, da die arabischen Fellachen bereits an Landmangel leiden. Wer in Palästina reist und meilenweit keinen Menschen trifft, wird sich über dieses Urteil wundern. Die Lösung des Widerspruchs ist einfach: 250 Familien von Großgrundbesitzern haben vier Millionen Dunam in ihrer Hand, 16000 durchschnittlich pro Familie. Hier liegt die wahre ״Bodensperre“. ״Weh denen, die Haus an Haus reihen, Feld an Feld fügen, bis kein Platz mehr da ist!“ (Jesaia, 5, 8). Durch den hier gemachten Vorschlag werden etwa drei Millionen Dunam frei, zwei für Araber, eine für Juden. Das gibt bei weiträumiger Siedlung (200 Dunam pro Familie) Platz für 10000 arabische und 5000 jüdische Bauernfamilien. (In Wirklichkeit würden die Juden, die heute auf etwas mehr als der Hälfte dieses Landes 7OQ0 Bauernfamilien haben, auch für 15 000 auf dem neuen Boden Platz finden.) Der Vorschlag erfordert etwa 4 Millionen £P. Ihr Drittel wird die Jewish Agency, wenn es notwendig ist, sofort finanzieren; ein zweites Drittel kann die Regierung sofort durch eine Anleihe erhalten, die durch die vermehrten Steuereingänge gesichert ist; dieses zweite Drittel und auch das dritte braucht an die Vorbesitzer nicht in bar gezahlt zu werden, sondern in Obligationen einer staatlichen Landbank. Einzelheiten sollen hier nicht gegeben werden; sie sind Sache fachlicher Ausarbeitung. Wenn die Mandatsregierung Araber und Juden wirklich versöhnen will, wenn sie den Fellachen wirklich schützen und heben will, wenn sie das Jüdische Nationalheim wirklich fördern will — hier ist der Weg! Dr. Elias Auerbach. Vom Dezember d. J. ab wird die direkte Schiffsverbindung T r i e s t—P a 1 ä s t i n a und umgekehrt, auf der bisher alle 14 Tage in beiden Richtungen ein Schiff verkehrte, durch die Einlegung eines neuen Schiffes wesentlich verbessert werden. Künftig wird jedeWoche ein Schiff in den beiden Riehtungen abgehen, und zwar wird die Abfahrt von Tri es t jeden Donnerstag, die Abfahrt von JaffajedenMittwoch erfolgen. Die Schiffe werden auf der Reise auch Cypem berühren. In einer Sitzung der Handelskammer für Jaffa und Umgebung erklärte Herr H 0 o f i e n, Generaldirektor der A. P. C., daß die Bank Vorbereitungen für die Errichtung eines großen Gebäudes zur Unterbringung ihrer Tel-Awiwer Filiale getroffen habe. Die Bank wird unbeeinflußt durch die politische Lage ihre Aufgabe darin sehen, in der gleichen Weise wie früher die wirtschaftlichen Interessen ihrer Klienten zu fördern. Der jüdische Friedhof auf dem Pfarrberg zwischen T r e b - nitz und Obernigk (Schlesien) wurde von bisher unerkannten Tätern geschändet. 34 Grabsteine wurden umgeworfen, andere mit Hakenkreuzen bemalt. Die Fenster der Leichenhalle wurden eingeschlagen und die Wände mit Aufschriften ״Heil Hitler. Juda verrecke!“ beschmiert. Die Habana in Stockholm Von unserem Korrespondenten. -Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.“ Dieses Sprichwort bewahrheitete sich auch bei dem schon lange vorher von der gesamten schwedischen Presse augekündigten Gastspiel der Habima-Leute in Stockholm, welches den Hohe- Punkt dieser Theatersaison bildete. Das hiesige Theaterpublikum hatte weder von der Existenz noch Bedeutung dieser einzigartigen hebräischen Schauspielertruppe eine Ahnung, weshalb man dem ״Jüdischen Akademischen Club“ hier Dank wissen muß, daß er einen Vortragsabend mit Oberrabbiner Dr. Marcus Ehrenpreis veranstaltete, in welchem dieser vor einem überfüllten jüdischen und nichtjüdischen Auditorium (Hunderte von Personen konnten schon lange vor Anfang keinen Einlaß mehr finden) die Entwicklung der Habima den Zuhörern in anschaulicher, leichtverständlicher Weise schilderte. ״Man hört, wenn man sieht, und man sieht, wenn man hört“, hatte Strindberg über die Expansionskraft der hebräisehen Sprache geäußert, weshalb man auch bei Nichtkenntnis der hebräischen Sprache den Vorstellungen ohne weiteres folgen könne. Der Vortragende meinte, daß das Repertoire der Habima-Leute dramatisch einen neujüdischen Messianismus darstelle. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag folgten Vorlesungen jüdischer Gedichte, denen Tora T e j e, Schwedens größte Tragödin, eine hervorragende Interpretin war. Nach dieser Einführung war das Publikum gewappnet, die Habima-Gäste, die ihr Gastspiel mit ״Dybuk“ begannen, feierlichst zu empfangen. Rein äußerlich bot dieser Abend im König!. Dramatischen Theater ein Bild eines ganz großen Ereignisses. Vor dem Gebäude wehte stolz eine große, blauweiße Fahne mit dem Davidstern, und an beiden Seiten ober* halb des Portales brannten zwei rote Lichter, was hier als Zeichen für ein völlig ausverkauftes Haus gilt. Drinnen lauschte ein exklusives Publikum; alle prominenten Persönlichkeiten, mit dem König und dein Königl. Hause an der Spitze, Vertreter der Politik, Literatur und Kunst, waren erschienen. Schon nach den ersten Szenen war das ganze Haus in den Bann der hebräischen Mystik gezogen, die durch diese einzigartigen Künstler ihre höchste dramatische Vollendung erreicht. Man saß in Spannung und Erschütterung und fragte sich, ob das, was oben auf der Bühne geschah, Wirklichkeit oder Theater sei. Am Schluß der Vorstellung brach tosender Beifall aus. der die Truppe, an der Spitze mit ihrer schlechthin unübertrefflichen Rowina, immer wieder vor den Vorhang rief. Die Rezensionen der gesamten Stockholmer Presse über das Spiel und die Aufführung der Habima gipfeln in höchsten Lobpreisungen, wie man sie bei der strengen hiesigen Theaterkritik nur ganz selten liest. ״Der Besuch der Habima ist ein ganz großes Ereignis, welches kein Theaterliebhaber versaumen darf“, schließt Dr. O e s t e r 1 i n g in ״Svenska Dagbladet“ seine Besprechung. Nach dieser Vorstellung hatte der hiesige hebräische Zirkel sowie der ״Jüdische Dramatische Amateurtheaterverein“ zu einem Bankett geladen, bei dem man in einem interessanten Gedankenaustausch den besten Eindruck von den Habima-Leuten bekam. Das Repertoire des folgenden Abends brachte ״Golem“; die Truppe erzielte auch hier mit A. Messkins monumentaler Gestaltung in der Titelrolle schauspielerische Höchstleistungen. Die Presse konstatiert ״einen Genuß, diesen wunderbar bewegten Rhythmen der Repliken zu lauschen, sowie die in ihrer Einfachheit außerordentlich ausdrucksvolle Wirkung der einzelnen Szenen an dem Auge vorübergleiien zu lassen. Keines dieser Bilder fällt aus dem Rahmen der Gesamtheit, ein jedes ist in sich vollendet. Hier hat unser eigenes Theater noch viel zu lernen, ebenso von der vollendeten künstlerischen Disziplin und der brennenden Hingebung zur Sache, die diese hebräischen Schauspieler auszeichnen“ Mit ״Davids Krone“ in der Calderon’schen Bearbeitung nahm die Habima Abschied von Stockholm. Nach Schluß dieser Vorstellung überreichte der Intendant des Dra* matischen Theaters, Erik Wettergren (dankdessentüchtiger Initiative das Gastspiel in Stockholm zustande gekotn* men ist), einen riesigen Lorbeerkranz mit Farben der schwedisehen Flagge, den er zu Füßen aller Schauspieler legte, da er, wie er in seiner in deutscher Sprache gehaltenen Rede aus führte, keinen von ihnen besonders genug auszeichnen könnte. Im ״hohen Norden“ hätten sie sich neue Freunde erworben und mit der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen bat er das Haus, welches sich erhob, in einen vierfachen Hurra-Ruf für die Habima einzustimmen, mit dem sich intensives Händeklatschen und laute Bravo-Rufe zu einer großartigen Ovation für die hebräischen Künstler (die, wie sie dem Korrespondent der ״Jüd. Rundschau“ in einem Interwiew mitteilten, die allerbesten Eindrücke von ihrer ersten Schwedentournee bei ihren Kollegen und dem Publikum mitnahmen), vereinigten und denen noch nicht einmal der ״eiserne Vorhang״ standzuhalten vermochte. Die Habima hat mit ihrer großen Kunst ein neues Land beglückt, und in der hiesigen Theaterhistorie ist ihr Besuch zu einem unvergeßlichen Eindruck geworden. ״Sie sind uns baldigst und herzlichst wieder willkommen“, rufen die Stockholmer Kritiker einstimmig nach der Abschiedsvorstellung aus, und dieser einfache Satz bedarf wohl keines Kommentares, Holger Ritter. Briefen, die aus Stockholm an das Komitee der Freunde der Habima in Berlin gerichtet wurden, ist folgendes Stimmungsbild zu entnehmen: ״. . . Es war ein Erlebnis von solcher Gewalt, daß man es hier niemals vergessen wird. Stockholm stand fünf Tage lang unter der Parole ,Habima‘. Das größte Theater des Landes trag in diesen Tagen zwei gleichgroße Fahnen, eine eine in den Farben des Staates und eine blau-weiß mit einem Magen- Dawid. Die Zeitungen überschrien sich in Lob- und Dankausdrücken, brachten Bilder und Schilderungen. Der König und der Prinz waren ständige Besucher des Theaters, klatschten Beifall und freuten sich mit dem übrigen Publikum. Es war auch ein großer Empfang für Habima im königlichen Theater. Man zeigte schwedische Nationaltänze, sang Volkslieder, feierte das ,beste Theater der Welt‘. Abends gab Habima ,Dawids Krone‘. Das Theater war ausverkauft, ein Beifallssturm ohnegleichen. Der Intendant brachte einen riesigen Lorbeerkranz und dankte dem Judentum für das Geschenk, das es dem schwedischen Volke durch die Habima dargebracht hat.“ Büro der Hamburg-Amerika-Linie in Jerusalem. Ais erste der großen transatlantischen Schiffahrtslinien hat die Hamburg-Amerika-Linie, dem gesteigerten Verkehr Rechnung tragend, im neuen Hotelviertel Jerusalems ein modernes Büro eröffnet. Die Leitung dieses Büros liegt in Händen des Paiestine und Egypt Lloyd. Im Zusammenhang mit der Eröftnung dieses Büros hat "die Hamburg-Amerika-Linie dem Palestine und Egypt Lloyd auch die Durchführung der Landausflüge in Palästina anläßlich der Mittelmeerfahrten des Dampfers ״Oceana“ übertragen. Für diejenigen Passagiere, die neben den historischen Stätten auch Interesse für das neue Palästina haben, sind im Rahmen der üblichen Landausflüge bei den Fahrten des Dampfers ״Oceana“ von der Hamburg-Amerika-Linie spezielle Führungen nach Tei-Awiw und den wichtigsten Kolonien vorgesehen. Außer der Generalvertretung der Hamburg-Amerika-Linie ist dem Paiestine and Egypt Lloyd auch die Vertretung des Mitteleuropäischen Reisebüros für den Nahen Osten übertragen worden. (Ziko.)