Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1930)
- Date
- 1930-11-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 89, 11. XI. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 591 Die Ronod Table-Conlerence Palästinafragen Im Unterhaus. Im englischen Unterhaus fragte am 4. No%rember Colonel Malone (Mitglied der Arbeiterpartei, auch in Berlin seit seinem Auftreten bei dem Kongreß für das arbeitende Palästina bekannt), ob der Unterstaatssekretär für die Kolonien bereit sei, über die Kundgebungen zu berichten, welche bei der Regierung aus verschiedenen Teilen der Welt mit Bezug auf die letzte britische Regierungserklärung bezüglich Palästinas eingelaufen sind. Unterstaatssekretär Lunn, der den kranken Dr. Shiels vertritt, antwortete: Eine Anzahl von Vorstellungen sind aus verschiedenen Teilen der Welt eingelaufen, aber Ich kann keine angemessene Zusammenstellung ihres Inhalts im Rahmen der Beantwortung einer parlamentarischen Interpellation geben. Colonel Malone: Will nicht die Regierung in Anbetracht der in verschiedenen Teilen der Welt entstandenen Mißverständnisse eine Erklärung veröffentlichen, die diese Miß* Verständnisse beseitigt? Lunn antwortete: Ich werde diese Anregung dem Kolonialminister weitergeben. Mr. Braken (konservativ) fragte den Unterstaatssekretär, ob er die Gründe angeben könne, warum die Regierung Dr. Weizmanns Vorschlag einer Round Ta Die- Konferenz zur Besprechung der palästinensischen Angelcgenheiten abgelehnt habe. Lunn antwortete: Die Frage einer Round Table-Konferenz wurde von der Regierung mehr als einmal in Betracht gezogen, aber seit den Unruhen des letzten Jahres waren die Bedingungen nicht so, daß sie diesen Vorschlag durchführbar gemacht hätten. — War dies nicht um so mehr Grund, gerade in Anbetracht dieser Unruhen, eine derartige Konferenz zu veranstalten? fragte Mr. Braken weiter. Lunn antwortete: Es besteht keine Möglichkeit einer befriedigenden Beilegung auf diesem Wege. Fenner Brockway, der Sekretär der Independent Labour Party, sagte: Besteht denn in Anbetracht der ernsten Meinungsverschieden־ heiten zwischen beiden Teilen eine Hoffnung auf eine Lösung durch eine andere Methode als eine Round Table-Konferenz? Darauf erfolgte keine Antwort mehr. * Ueber die Frage der Round Table-Konferenz äußert sich die englische Zeitung ״The Near East and India“ folgendermaßen: ״Es hat wenig Sinn, sich in eine Diskussion der Details der zum großen Teil bedauerlichen Vorgänge, die zur Veröffentlichung des Weißbuches geführt haben, einzulassen, aber ein Punkt ist da, den aufzuklären von Wert ist. Es wurde behauptet — und zwar nicht von Dr. Weizmann, aber in dem Brief der Herren Baldwin, Chamberlain und Amery in der ״Times“ —, daß die Regierung einen Kardinalfehler beging, indem sie es unterließ, eine Round Table-Konferenz zu veranstalten und die Rolle des ehrlichen Vermittlers zwisehen Juden und Arabern zu spielen. Die konservativen Führer hätten sich gewiß denken können, daß, wenn eine solche offenkundig wünschenswerte Konferenz möglich gewesen wäre, sie auch einberufen worden wäre. Die Wahrheit aber ist, daß wenn selbst die zionistischen Führer bereit gewesen wären, an einer solchen Konferenz teilzunehmen — und wie sehr die Massen der Zionisten eine solche Konferenz ablehnten, ist eine bekannte Tatsache —, die arabischen Führer unbedingt ablehnten, mit den Juden zu verhandeln und erklär- ןנ, sie würden nur mit der britischen Regierung und mit!mandem sonst zu tun haben. Die internationale Klagemauer-Kommission könnte wohl bestätigen, wie unmöglich es ist, die Methode einer Round Table-Konferenz auf Palästina anzuwenden. Die Kritiker der britischen Regierung machen ihrer eigenen Intelligenz wenig Ehre, wenn sie so tun, als ob die Regierung gar keinen Verstand hätte.“ (Es ist bemerkenswert, daß konservative Blätter wie ״Near East“ und z. B. ״Moming Post“ in dieser Sache scharf die Partei der Arbeiterregierung gegen die konservativen Führer ergreifen.) Loelgren verteidigt Passfield pberrfch ter Loefgren. ehemaliger schwedischer Ministerpräsident und Vorsitzender der internationalen Klagemauer-Kommission des Völkerbundes, veröffentlicht in Stockholm einen Artikel, worin erdieneuePalästinapolitik der englischen Regierung verteidigt. Kaum hat Simpson seinen Bericht überreicht und die Regierung ihr Weißbuch dem Parlament vorgelegt, — so schreibt Loefgren —, da sind auch_ schon Baldwin und Lloyd George zur Stelle, um öffentlich ihre Mißbilligung des Weißbuches auszusprechen, und Herr Churchill verwirft die Politik seines eigenen Landes in dieser delikaten Frage in einem Artikel, der durch ein Zeitungs- Syndikat in der ganzen Welt veröffentlicht wurde, sogar in der schwedischen Presse. Die antibritischen Demonstrationen in Amerika einerseits und die Aeußerungen der Oppositionsparteien in England andererseits unterscheiden sich zwar in ihren Motiven und Zwecken, vereinigen sich aber in der Anklage gegen die britische Regierung ״ und Lord Passfield, daß sie das der Judenschaft der Welt gegebene feierliche Versprechen Großbritanniens gebrochen haben. In dieser Weise scheint auch Churchill jetzt die Balfour-Deklaration und seine eigene Interpretation vom Jahre 1922 lesen zu wollen, aber wenn diese Auffassung richtig ist, was soll dann mit der ebenso unangreifbaren Garantie der Rechte und Lage der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas geschehen? Mag sein, daß zwei in so gleicher Weise gültige Versprechungen unmöglich gleichzeitig ausgeführt werden können. Wir dürfen uns aber nicht wundern, wenn eine Regierung, welche selbst für das ״Versprechen“ nicht verantwortlich ist, aber jetzt in erster Reihe dafür einzustehen hat, versucht, eine Lösung oder Interpretation zu finden, um beiden Zwecken nachkommen zu können. Churchill stand dieser Schwierigkeit im Jahre 1922 gegenüber, und MacDonalds Regierung und sein Kolonialminister sind heute in einem noch schlimmeren Dilemma. Loefgren weist dann darauf hin, daß, obwohl das Regierungsprogramm gewisse Maßnahmen zugunsten der arabischen Bevölkerung vorsieht, die Araber ihrerseits sicherlich nicht mit den Vorschlägen der Regierung bezüglieh einer sehr eingeschränkten Konstitution einverstanden sind. Keine der Parteien ist zufrieden, und daraus geht hervor, daß die Regierung die richtige Note angeschlagen hat in ihrem Versuch, Gerechtigkeit zu üben. Wenn eine gerechte und friedliehe Lösung erwartet wird, dann muß auf Tatsachen beruhende Sachverständigenmeinung, nicht aberPhrasen die beteiligten Parteien beeinflussen. Die jüdische Siedlung in Palästina entspringt Idealismus und hat große Opfer an Geld und Arbeit gekostet. Sie hat bemerkenswerte Resultate für die moralische und materielle Hebung dieses alten Landes hervorgebracht. Aber ■wenn diese Bewegung auf lange Sicht glückbringend für das Land und seine Bevölkerung sein soll, dann müssen auch die Zionisten die durch die gegebenen Bedingungen gesetzten Einschränkungen begreifen. Im ci-.glischen Unterhaus erklärte auf die Anfrage eines Arbeiterabgeordneten der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Lunn, daß in bezug auf die Oelröhren-Leitungen von Mossul zur Mittelmeerküste noch keine Entscheidung und keine Einigung erfolgt ist Eia Aufruf Ussischkins M. M. Ussischkin hat an seine Mitarbeiter in allen Ländern der Welt einen Aufruf gerichtet, in welchem er als > Antwort auf die Erklärung der britischen Regierung eine verstärkte Tätigkeit aller Freunde des Jüdischen Nationalfonds fordert. In dem Aufruf heißt es a a.: ״.... Die ungerechte Feindseligkeit der britischen Regierung gegen das jüdische Aufbauwerk in Erez-Israel tritt besonders deutlich in ihrem Verhältnis zum Volksfonds, zum Keren Kajemeth Lejisrael, hervor. Es ist noch nicht bekannt, welchen Beschränkungen die Arbeit des KKL unterworfen sein wird. Aus zwei Gründen wendet sich die Regierung gegen den KKL: 1. Gemäß unseren Statuten, die nicht geändert werden können, ist der Boden des KKL unveräußerlich. Die Regierung ist der Ansicht, daß die vom KKL erworbenen Böden dem Bodenmarkt entzogen werden und dadurch nie mehr von Nichtjuden gekauft werden können. 2. In unseren Pachtverträgen mit den Siedlern verpflichten wir die letzteren zur ausschließlich jüdischen Arbeit. Es erübrigt sich, darzulegen, weshalb diese Klauseln unbedingt notwendig und gerechtfertigt sind. Der KKL-Spender muß die Sicherheit haben, daß der mit Hilfe seiner Spende erworbene Boden nie verkauft werden kann, sondern für alle Ewigkeit im Besitze des jüdischen Volkes verbleiben wird. Das gleiche gilt auch für die zweite Klausel. Ohne jüdische Arbeit und ohne jüdische Arbeiter haben wir im Lande keine Existenzbasis. Es ist schwer, in den privaten Siedlungen auf privatem Boden das Prinzip der ausschließlich jüdischen Arbeit durchzusetzen. Auf dem Boden der Nation jedoch muß dieses Prinzip voll und ganz verwirklicht werden. Es gibt keine Regierung auf der Welt, die imstande wäre, den KKL-Spender zu zwingen, seinen Willen, daß seine Spende einem bestimmten Zweck zugeführt wird, zu ändern. Das einzige, was die Regierung machen kann, ist, den KKL eine zeitlang an der Durchfiihrung neuer Bodenkäufe zu verhindern. Ohne Zweifel wird sie jedoch in kurzer Zeit dem starken Widerstande von unserer Seite weichen müssen.“ Weißbuch and Weiterarbeit In der ״Selbstwehr“ schreibt Dr. Hugo Herrmann unter dem Titel ״Welche Arbeitsmöglichkeiten bleiben uns in Palästina“ u. a.: ״Was den Bodenerwerb anlangt, so weist das Statement selbst, allerdings in durchsichtiger Tendenz, darauf hin, daß die jüdischen Organisationen ״glücklicherweise“ im Besitz einer noch unbesiedelten Bodenreserve sind. Es ist dies das wirklich glückliche Ergebnis unserer Bodenerwerbspolitik, ohne das wir in einem so kritischen Moment wie dem jetzigen ohne Arbeitsmöglichkeiten dastünden. Nach dem ״Statistischen Handbuch für Palästina“ (1929) beträgt der gesamte jüdische Bodenbesitz in Palästina 1 002 000 Dunam, davon sind 463 570 bearbeitet und 538430 noch frei. Natürlich sind diese Böden sehr verschiedener Art und Lage und es läßt sich schwer sagen, für wie viele Ansiedler und welche Zeit sie ausreichen; sicher aber ist, daß sie für die irgend mögliche Ansiedlungsarbeit einiger Jahre genügen. Die Wirkung des Statements auf den Keren Kajemeth, das heißt auf seine Arbeit in Paljistina, ist gleich Null. Er hat noch einige Jahre an den Raten für die bisher gekauften Böden zu zahlen; die Er- Schließung seiner Besitzungen erfordert noch «mebliche Zeit und große Mittel. Vielleicht wird ihm sogar die jetzige Situation manche praktische Vorteile bringen. Es ist fast sicher, daß eine zeitweilige Sperrung der Bodenverkäufe die Wirkung haben wird, daß die Bodenpreise stark zurückgehen. Und da sich die bisherige Bodenkaufspölitik in diesem kritischen Augenblick so glänzend bewährt hat, wird der KKL unzweifelhaft weiterhin mit günstigster Aussicht an die Gebefreudigkeit der jüdischen Massen appellieren können. Was den Keren Hajessod anbelangt, so ist ja über jeden Zweifel erhaben, daß dieser Kolonisationsfonds auch bei Einwanderungssperre und Bodenkaufsverbot eine unendlich wichfige Mission hätte. Der Vorschlag der ״Atempause“, der darauf zielt, daß man eine Zeitlang nur soviel Geld nach Palästina senden soll, als zur Erhaltung des Bestehenden nötig ist, während jede Neukolonisation unterbleibt, fällt gänzlich ins Leere. Seit dem Basler Kongreß, also seit drei Jahren, wurde ohnedies keine neue KoIonisation unternommen und alle verfügbaren Mittel des Keren Hajessod zur Konsolidierung der bereits bestehenden Siedlungen verwendet. Aber auch dazu reichten sie nicht voll aus und samtliehe Mittel des Keren Hajessod, wenn seine Eingänge nicht erheblich gegen früher ansteigen, werden durch zwei bis drei Jahre nötig sein, um diese Konsolidierung zu vollenden. Das Palästinabudget für 5691 (1930/31) wurde in Berlin beschlossen, ehe das Passfield-Statement bekannt war; und doch ist in diesem Budget kein einziger Posten, der nicht auch nach Publikation des Statements programmäßig ausführbar wäre.“ Noch kein Beschluß der Araber Wie der ״Times“-Korrespondent aus Jerusalem meldet, wurde die Sitzung der Arabischen Exekutive auf u n b e - stimmte Zeit vertagt, ohne zu einer Entscheidüng in der Frage des Gesetzgebenden Rates und des Weißbuches zu kommen. Die arabische Zeitung ״Felestin“ fordert die Regierung auf, die Gesetzgebung zur Beschränkung des Boden- Verkaufes zu beschleunigen, denn gegenwärtig seien die Bodenmakler und Bodenbesitzer so eifrig am Werk, daß die nächsten Tage mehr Bodenverkäufe bringen dürften als die letzten zehn Jahre. Am 4. November — so berichtet die ״Times“ weiter — wurde der Grundstein für eine neue jüdische Arbeitersiedlung von 2000 Familien auf dem jüngst entsumpften Boden des Jüdischen Nationalfonds in der Haifa-Bay gelegt. Alle Reden waren auf den Ton gestimmt, daß dieses Werk die wirksamste Antwort auf den im englischen Weißbuch gegen den Jüdischen Nationalfonds unternommenen Angriff sei. Aus Beirut wird der ״Time s“ vom 5. November telegraphiert, daß das britische Weißbuch die arabische öffentliche Meinung in Syrien befriedigt habe, da man davon eine zeitweilige Behinderung der aggressiven zionistischen Ambitionen erblickt. Die Veröffentlichung des Telegrammwechsels zwischen MacDonald und General Smuts habe jedoch den Argwohn der Araber, die die Balfour-Deklaration als eine offene Wunde betrachten, wieder erweckt. Die Araber versuchen mit viel Geschick, die Sympathie der indischen Moslems gerade im Augenblick der Round-Table-Konferenz auszunützen; sie behaupten, bereits ein Versprechen der indischen Delegierten, sie zu unterstützen, erhalten zu haben. Der Präsident der Palestine Potash Company, Lord Lytton, früherer Gouverneur von Bengalien und Stellvertreter Lord Readings i. J. 1925, ist in Jerusalem eingetroffen und hat als Gast des High Commissioners im Regierungsgebäude Wohnung genommen. In den nächsten Tagen begibt sich Lord Lytton zur Inspektion der chemischen Werke an das Tote Meer« Der Protest Frankreichs Von unserem Korrespondenten. ar. Paris, 5. November. Gestern fand im herrlichen Großen Saal Pleycl eine von der ״France-Palestine“ und den ״Jeunesses Juives“ einberufene Versammlung zur Stellungnahme gegen die englische Palästinapolitik statt. Die Persönlichkeit der Redner und der Inhalt ihrer Erklärungen berechtigen, von einem Protest Frankreichs zu sprechen. Besondere Bedeutung kommt den Aeußerungen P a i n I e ves zu, des französischen Ministerpräsidenten zur Zeit der Balfour-Deklaration; er fühle sich, trotz aller Reserve, zu der ihn seine Stellung verpflichtet, gedrängt, die angekündigte neue Politik als einen Bruch der damals im Einvernehmen mit Frankreich eingegangenen Verpflichtungen zu bezeichnen. Der gewesene Minister G o d a r t, Präsident der ״France-Palestine“, erklärte, daß das Palästinamandat nicht Gegenstand der Auseinandersetzung zwischen England und dem jüdischen Volke, sondern nur zwischen England und seinen 52 Mandataren sein könne, die Garanten für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims sind und bleiben werden. Er versicherte die Zionisten des unerschütterten Vertrauens des französischen Volkes in die Zukunft ihres großen Menschheitswerkes, ln tief eindrucksvollen Worten erklärte Cor cos im Namen der f ranzösischen Zionisten die unerschütterliche Entschlossenheit zut Weiterarbeit an der Verwirklichung des Jüdischen Nationalheims. Wichtig, weil für die Labour Party nicht zu übersehen, sind die Ausführungen des französischen Sozialistenführers Jean L o n g u e t, eines intimen Freundes MacDonalds; er gab seinem Erstaunen über den Irrweg der englischen Genossen Ausdruck, von denen er annimmt, daß sie, nach den Empfindungen, die er bei ihnen für das jüdische Aufbauwerk kennt, unmöglich auf dem jetzt eingeschlagenen Weg beharren können. Der frühere russische Ministerpräsident M i 1 j u k o w sprach als warmer Freund des jüdischen Volkes, dessen Protest gegen den Vertragsbruch er sich anzuschließen das Bedürfnis empfinde. In seinen zusammenfassenden Betrachtungen erklärte der Vorsitzende, der frühere Minister de Monzie: ״La parole de la France est engagee,“ Frankreich haftet mit für die dem jüdischen Volk gegebenen Versprechen, es werde sein Wort einzulösen wissen. — Die vieltausendköpfige Versammlung nahm einstimmig die Protesterklärung gegen die britische Regierung an. Weitere Proiestknndgebungen Bukarest, 4. November. (J.T. A.) Alle jüdischen und zionistischen Organisationen in Bukarest veranstalteten eine Massenprotestversammlung gegen die Palästinaerklärung der englischen Regierung. Nach Ansprachen von Landesrabbiner Dr. Niemirower, von Dr. Wilhelm Fildermann im Namen der Jewish Agency, Adolf Bernhardt im Namen der Zionistischen Organisation, Feiler im Namen der Revisionisten, Dr. Singer 1m Namen der Radikalen und Adv. Dr. Lern er im Namen der Hitachduth wurde eine scharfe Protestresolution gegen die englische Palästinapolitik und das neue Weißbuch angenommen, in der es u. a. heißt: ... Die Landeszentrale des Keren Kajemeth für Altrumänien hat auf Anregung des Waad Leumi beschlossen, als ersten Schritt des aktiven Protestes gegen die Erklärung der englischen Regierung eine Sammlung für den Jüdischen Nationalfonds in den Straßen zu veranstalten, um der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, ihre Sympathie für den bedrohten Fonds zum Ausdruck zu bringen. Die rumänische Reglerung hat die Genehmigung für eine Straßen- Sammlung im ganzen Lande gegeben, so daß die Sammlungen am 16. November in allen Städten Rumäniens stattfinden werden. Auch der Keren Hajessod wird seine diesjährige Kampagne im Zeichen des Protestes gegen die Vergewaltigung der jüdischen Rechte in Palästina durchführen. In den Sophiensälen zu Wien fand eine Massenprotest- Versammlung gegen das neue Palästina-Weißbuch der englischen Regierung statt, die sehr eindrucksvoll verlief. Für die Allgemeinen Zionisten sprachen Dr. Grünbaum und der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Löwen herz, für Misrachi Rabbiner Dr. Feuchtwang, für die Hitachduth Frau Dr. Martha Hoffmann, für Poale Zion Mendel Singer. Die Redner warnten die englische Regierung vor der Durchführung der von ihr angekündigten Politik in Palästina, die eine eklatante Verletzung internationaler Verträge, die mit dem Völkerbund und den Vereinigten Staaten von Amerika geschlossen wurden, bedeuten würde. Auch wurde erklärt, daß die Politik der Arbeiterregierung antisozialistisch und antidemokratisch ist und im Gegensatz zu den Beschlüssen des Kongresses der Labour Party steht; diese Politik will die jüdische Arbeiterschaft opfern, um die Gunst der arabischen Effendis zu erringen. Einheilig wurde eine Protestresolution gefaßt, in der u. a. an die organisierte Arbeiterschaft in allen Ländern appelliert wird, die Protestbewegung der palästinensischen jüdischen Arbeiter- Schaft, die ein Hauptfaktor beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims ist, zu unterstützen. Die Resolution wurde an den Völkerbund gesandt und dem englischen Gesandten in Wien zur Weitergabe an seine Regierung übergeben. Gleich• zeitig richtete die Versammlung einen Appell an sämtliche zionistischen Gruppierungen, eine Einheitsfront für den Kampl gegen die Feinde des Jüdischen Nationalheims und für fortgesetzte angespannte Aufbauarbeit herzustellen. Prag, 4. November. (J.T. A.) In M ähr i sch-Ost rau fand eine Sitzung der Verbandsleitung der mährischen Kultusgemeinden statt, bei der folgender Beschluß ge־ + faßt wurde: Die Verbandsleitung des israelitischen Kultusgemeinde• verbandes für Mähren mit einer jüdischen Bevölkerung von über 40 000 Seelen drückt ihre Empörung und Erbitterung über die jüngste Erklärung der britischen Regierung zu ihrer Palästinapolitik aus. Diese Erklärung verletzt das dem jüdisehen Volke gegebene Wort und die völkerrechtlich verbrieften Rechte auf ein Jüdisches Nationales Heim in Palästina. Das jüdische Volk wird sich nie und nimmer mit einer solchen Politik _ einverstanden erklären und um sein gutes Recht weiterkämpfen. Wir werden dem jüdischen Jischuw in Erez- Israel und der Sache des Palästinaaufbaus die Treue bewahren, wahren. Nicfatzionistische Stimmen Hofrat Franz Szekely, Mitglied des Council der Jewish Agency, Ehrenpräsident des Ungarischen Pro Palästina-Verbandes und ehemaliger Präsident der Fester Israelitischen Kultusgemeinde, veröffentlicht im ״Zsido Szemle“ (Budapest) eine Erklärung, in der es u. a. heißt: ״Soeben habe ich das ״Weißbuch“ und den Simpson-Bericht aufmerksam studiert. Ohne Uebertreibung kann ich nur feststellen, daß die englische Regierung ihr dem ganzen jüdischen Volk gegebenes feierliches Wort gebrochen hat... Auf das Vertrauen zu diesem Versprechen gab das jüdische Volk die großen Kapitalien, Arbeit und Aufopferung für den Aufbau. Daß England nun plötzlich zum Patron des arabischen Fellachen wird, ist eine Verfäischung jener Intentionen, welche sowohl der damaligen eng-