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Jüdische Rundschau · 1930-11-07 · Heft 88 (7.11.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 88 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 578 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 7. XI. 1030 •ef, er biete angesichts der schwierigen Situation seine Hilfe zur Ueberwindung der Krise an. Er sprach ferner den Wunsch aus, In da s Weißbuch Einsicht nehmen zu dürfen, da die Revisionisten beabsichtigen, die Oeffentlichkeit zu informieren und eine Mitteilung an die Presse auf Grund der ihm, Großmann, bereits bekannten Einzelheiten Verlegenheiten schaffen könnte. Am Montag, nachmittags, erschien auch wirklich ein von den Revisionisten herausgegebenes Kommuniques, das einen ungünstigen Eindruck von• dem Simpson-Bericht vermittelte. Dies geschah trotz aller Bemühungen und eines noch in letzter Stunde an die Revisionisten gerichteten Appells Dr. Welzmanns, Ihr Statement nicht zu veröffentlichen, da noch Hoffnung bestehe, daß die englische Regierungserklärung geändert und ihre Veröffentlichung verschoben werden würde, um derjewlsh- Agency Gelegenheit zu weiterer Stellungnahtne zu geben. Dr. Welzmann machte Herrn Großmann klar, daß durch eine übereilte Veröffentlichung des revisionistischen Statements eine Verschiebung der Veröffentlichung des Weißbuches unmöglich gemacht werden würde. Auch Felix Warburg, Prof, Frankfurter und andere ZionistenfObrer Amerikas hatten Weizmann dringend gebeten, auf eine Verschiebung der Veröffentlfcnung des Weißbuches hinzuwirken. Dr. Welzmann besprach sodann den Wechsel, der sich in der Haltung der allgemeinen Presse gegenüber dem Weißbuch vollzogen habe. Unmittelbar nach Veröffentlichung der Regierungserklärung sei fast die gesamte Presse dem Weißbuch entweder neutral oder freundlich gegenübergestanden, bald habe sich aber ein Wandel in dieser Hinsicht bemerkbar gemacht. Es bestehe, fuhr Dr. Weizmann in seinem Bericht fort, die Möglichkeit einer Erörterung der Frage Im Unterhaus, doch sei es im gegenwärtigen Augenblick schwer vorauszusehen, zu welcher Entscheidung das Parlament gelangen werde. Bezüglich der Haltung der Regierung bestehen für die Zukunft zwei Möglichkeiten, entweder werde sie einen Rückzug antreten und ein erläuterndes oder kommentierendes Dokument herausgeben oder an ihrer Politik, wie sie im Weißbuch niedergeiegt ist, festhalten. Das Aktions-Comitd möge sich darüber schlüssig werden, welche Schritte in Jedem dieser beiden Fälle eingeleitet werden sollten. Die Jewish Agency wandte sich an die eben in Gen} tagende Permanente Mandatskommission des Völkerbundes mit der Bitte, eine etwa in Aussicht genommene Diskussion der Palästina-Frage auf den 17. und 18. November zu vertagen, da ein detailliertes Memorandum der jewish Agency als Antwort auf den Simpson- Bericht und das Weißbuch in Vorbereitung sei, das auf dem üblichen Wege anpdie Mandats- Kommission geleitet werden soll. Es bleibt abzuwarten, ob die Mandatskommission dieser Bitte willfahren und einen bestimmten Zeitpunkt für die Erörterung des Palästina-Problems festsetzen werde, oder ob die Diskussion darüber spontan von Seiten der Mitglieder der Kommission selbst werde eröffnet werden. Es bestehe weiter die Möglichkeit, daß eine konsultative Meinungsäußerung des Haager Internationalen Gerichtshofes, entsprechend dem Vorschlag von Lord Haiisham und Sir John Simon, über die Frage, ob das Weißbuch nicht dem Mandat widerspricht, eingeholt werden wird, und zwar entweder in der Form, daß sich die englische Regierung, oder daß sich der Völkerbundsrat an den Haager Gerichtshof wendet. Die Reaktion der britischen Judenheit auf das Weißbuch ist gekennzeichnet durch verstärkte Anstrengungen für Palästina. Die Arbeit für Keren Hajestod und Keren Kajemeth war im Laufe der letzten Woche in England besonders intensiv, und es sei zu hoffen, daß der augenblickliche Rückschlag die Juden in allen Lindem anspornen werde, alle Kräfte anzuspannen, um den Aufbau des Jüdischen Nationalheims mutig fortzusetzen. Er teile vollkommen die Ansicht des Vorsitzenden, daß der Zionismus diesen Schlag, wie so viele andere bisher, überleben werde. Nach einer Würdigung der großen Verdienste von Mrs. Dugdale, der Nichte Lord Balfours, um die Verteidigung des Erbes ihres Onkels, sowie des Beistandes, den Baron Edmond de Rothschild dem Zionismus in dieser schwierigen Situation geliehen habe, erklärte Dr. Weizmann, er wünsche, dem Aktions-Comitd formell seine Demission als Präsident der Zionistischen Organisation zu überreichen. ׳* Das Aktions-Comite nahm einen Antrag der Revisionisten, die Frage der Demission Weiztnanns gleichzeitig mit der Erörterung der politischen La״e zu behandeln, an, woraufhin Dr. Weizmann die Erklärung abgab, daß er sieh a n den weiteren Beratungen des A ktions -Comites nicht beteiligen werde. Nach dieser Erklärung verließ Dr. Weizmann den Saal, Harry S a c h er erklärte, es entspreche den pariamentarischen Gepflogenheiten, daß ein Präsident, der seine De• mission eingereicht habe, bei der Debatte über «diese Demission nicht anwesend sei. Es wurde jedoch, nachdem Weizmann den Saal verlassen hatte, auf Antrag Dr. Barths beschlossen, an Dr. Weizmann das Ersuchen zu richten, der Debatte beizuwohnen, da bezüglich gewisser politischer Frage« die Notwendigkeit ergänzender Mitteilungen und Erläuterungen von seiner Seite sich ergeben könnte. S. Kapiansky erstattete in Ergänzung der Ausfuhrengen Weiztnanns ein politisches Referat. Er befaßte sich hauptsächlich mit der politischen Arbeit der Poaie Zion und der Stellungnahme der Labour Party und gab eine gründliche Analyse der in den Kreisen der Arbeiterpartei vorherrschenden Meinung über das Palästina-Problem, wie sie in der von der Konferenz in Llandudno angenommenen Resolution zum Ausdruck kommt. Die freundliche Einstellung einer großen Zahl von Arbeiterabgeordneten und Mitgliedern des Kabinetts zum jüdischen Palästina-Werk stehe außer Zweifel; er habe den Eindruck, daß viele Abgeordnete der Arbeiterpartei vor der Veröffentlichung des Weißbuches keine Kenntnis von dessen Inhalt hatten. Der Balfour-Tag Riesige Protestdemonstration in Amerika Die ״Time s“ veröffentlicht nachstehenden telegraphischen Bericht über das jüdische Protestmeeting in New York anläßlich des dreizehnten Jahrestages der Baifour-Deklaration: Zwanzigtausend Juden nahmen am 2, November an einer Versammlung in Madison Square Garden teil, die zur Feier des dreizehnten Jahrestages der Baifour-Deklaration und zum Protest gegen die neue englische Palästinapolitik einberufen war. 15 000 Menschen konnten keinen Einlaß mehr in das Gebäude erhalten. Eine halbe Stunde lang war jeder Verkehr in dem ganzen Bezirk zu vollständigem Stillstand gebracht. Ganze Scharen von Rednern, welche von dem Auditorium im Saale hinausgeschickt wurden, um an die auf der Straße befindliche Menge Ansprachen zu halten, mußten das ununterbrochene Hupen ianger Reihen festgefahrener Autos überschreien. Die ganze Eight Avenue und die 49. Straße dröhnten von Beifallsrufen beim Namen von Lord Balfour und von Mißfallsgeheule beim Namen von Lord Passfieid. Die Menge hielt Ordnung, aber das Gedränge war so groß, daß ein ״Alarmruf‘* für die Polizei ausgegeben werden mußte und Polizeireserven herangezogen werden mußten. Schließlich mußte Mr. Mulrooney, Polizeikommissar von New York, persönlich aus seiner Wohnung In Bronx herbeikommen, um das Kommando Über die Polizeikräfte zu übernehmen. ln der Versammlung präsidierte Prof. Felix F r a n k f u r - ter, der Direktor der juristischen Fakultät der Harvard-Universität. Der erste Redner war Dr. Bernhard Deutsch, Präsident des Amerikanisch-jüdischen Kongresses. Er sagte u. a.: ״Jetzt müssen wir in unzweideutigen Worten erklären, daß wir mit Englands Politik in Palästina nicht zufrieden sind, und wir werden nicht ruhen, bis diese Politik geändert w i r d, in Einklang mit den Bestimmungen der Verpflichtungen der Mandatarmacht und mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des fair play. England, nicht das jüdische Volk, sitzt auf der Anklagebank, und England muß die Frage beantworten: Ist es bereit, seine Verpflichtungen gegenüber der Welt zu erfüllen? Wir Juden sind überzeugt, daß die britische Nation mit einem Ja antworten wird.“ Weitere Redner in der Versammlung waren der demokratische Senator Wagner (New York), Mitglied des auswärtigen Ausschusses des Senates, ferner Herbert Lehmann, stellvertretender Gouverneur des Staates New York, Felix Warburg und der Bürgermeister von New York, Mr. Walker. Walker, mit großen Ovationen empfangen, sagte u. a.: ״Ich komme hierher als Bürgermeister einer Stadt von sieben Millionen Mensehen, der kosmopolitischsten Gemeinschaft, die die Menschheitsgeschichte kennt.... ln New York gibt es mehr Juden als in irgendeiner anderen Stadt der Welt, und als Bürgermeister dieser Stadt sende ich folgende Botschaft nach Downingstreet: Ich wünschte, wir hätten doppelt so viel.“ ln der Versammlung wurden eine Reihe von ausführlichen Begrüßungsschreiben und Zustimtnungskundgebungen verlesen, die sich scharf gegen die neue englische Palästinapolitik wenden. U. a. waren derartige Zuschriften eingelaufen von Franklin D. Rooseveli, Gouverneur des Staates New York, Mr. T u 111 e, republikanischer Kandidat für das Gouvernorat, Senator Borah, William Green, Präsident der amerikanischen Arbeiterföderation. Aehnliche Protestver- Sammlungen wurden ln Philadelphia, Boston und Cindnatl abgehalten. Der Balfour-lag ln Palästina Zum erstenmal, so telegraphiert der Jerusalemer Korrespondent der ״Times“ am 3. November seinem Blatte, hat das jüdische Publikum und die jüdische Presse das Datum des Baifour-Tages vollständig ignoriert. Die einzige Ausnähme bildet der ״Haare z“, der schreibt, die Zeit werde kommen, wo dieses Datum wieder in die Reihe der jüdischen Festtage eingereiht wird. Zum erstenmal auch seit den letzten Jahren haben die Araber davon abgesehen, einen Streik zu veranstalte>1, ihre Läden zu schließen, schwarze Fahnen herauszustecken und die Zeitungen mit schwärzem Trauerrand erscheinen zu lassen. Die ganze arabische Presse veröffentlicht Artikel über den Balfour-Tag im Lichte der neuen Regierungserklärung. ״Al J.amia AI Arabije“, das Blatt des Mufti, greift die Arabische Exekutive an, weil sie angeordnet hat, es solle kein Streik stattfinden. Die Exekutive, so schreibt das Blatt, läßt sich täuschen und täuscht andere über das neue Weißbuch. Sie ist ein Instrument in der Hand der Engländer geworden, welche ihr vorschreiben, was sie zu beschließen hat, aber sie wird noch die Schattenseite dieses Weißbuches kennenlernen. Die ״Times״ teilt ferner mit, daß im Verfolg des bekannten christlich-mohammedanischen Konfliktes in Haifa (über den wir seinerzeit ausführlich berichtet haben — A. d. ״J. R.“) eine allgemeine Christen-Örganisation gegründet wurde, die ihre offizielle Anerkennung als legitimierte vertretung der Christenheit und als Beschützer aller christlichen Interessen, sowie als Schiedsrichter bei Streitigkeiten zwischen den einzelnen christlichen Bekenntnissen anstrebt. Berliner zionistische uereiniaunB Mittwoch, den 12. November, abends 8l/s Uhr im großen Saal der Loge, Kleiststraße 10 Vortragsabend Kurt BlUVneDfeld StasettWiti Hauptfragen zionistischer und Jüdischer Entwicklung Di• Sitxuns des Aktions-Com1t*s und der politischen Kommission der 3ewlsh Agency. Das heutige Palastin•. Des nichtzionistische Tudentum. Die Berliner Qemefndewahlen Karten Mk. 1.— (Jugendliche Mk. 050) im Büro der B. Z. V. Meinekestraße 10 (Bismarck 7165) Nene Erklärungen Passfields London, 4. November. (J. T. A.) Lord Passfieid erklärte gegenüber Vertretern der englischen Presse, die im neuen englischen Weißbuch angekündigte Politik unterscheide sich durchaus nicht grundsätzlich von der bisherigen Palästina- Politik. Keine einzige von den 23 Seiten des Weißbuches enthalte irgendein Wort über eine Einstellung der Ein- Wanderung nach Palästina oder irgendeine Behinderung der jüdischen Einwanderung. Das Kolonisationswcrk könne ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Passfieid teilte die jüdischen Einwanderer in neun Kategorien ein und wies darauf hin, daß eine Einwanderungsbeschrankung für acht von diesen Kategorien weder bestehe noch in Aussicht genommen sei, und daß nur die Einwanderung der neunten, auf Grund der Arbeiter-Schedule zugelassenen Kategorie der jeweiligen Aufnahmefähigkeit des Landes angepaßt werden müsse. Dieser Grundsatz sei auch in der Palästina-Politik der früheren englischen Regierungen maßgebend gewesen. Der Passus des Statements, in dem es heißt, daß bei der Bestimmung der Aufnahmefähigkeit Palästinas die Arbeitslosigkeit sowohl unter Arabern wie unter Juden berücksichtigt werden müsse, sei mißverstanden worden. Die- *er Passus beziehe sich nur auf einen bestimmten Teil der Ein- Wanderung, durch den die Arbeitslosigkeit unter den Arabern eine bedeutende Steigerung erfahren könnte. Schließlich gab Passfieid der Meinung Ausdruck, es könne angesichts der Tatsache, daß das Weißbuch, auf dem Boden des Mandats stehend, keine Einstellung der Einwanderung empfehle und tatsächlich den äußersten Möglichkeiten der Einwanderung nach Pa'ästina keine Grenze setze, nicht ernstlich darüber Klage geführt werden, daß die gegenwärtige englische Regierung nicht gewillt sei, die Versprechungen früherer englischer Regierungen zu erfüllen. Die neue Paiastina-Politik, die sich die Ausdehnung der Entwicklung des Mandatsterritoriums zum Ziele gesetzt habe, entspreche vollkommen den Forderungen, die eine Reihe jüdischer Organisationen an die Regierung gestellt haben. Die Regierung habe 1m Interesse einer gesunden künftigen Entwicklung Palästinas jene politischen Richtlinien gezogen, ohne die eine solche Entwicklung unmöglich wäre. '* Die Londoner Sonntagszeitung ״Reynold’s IIlustratqd News“ veröffentlicht in ihrem Blatte vom 2. November folgendes Interview mit Lord Passfieid: Ich bekenne, daß ich den Proteststurm, der auf die Rebritannien gegebenen Wortes sowie der Ablehnung des Mandates bezichtigt. Ich kann nur annehmen, daß diejenigen, die solche Erklärungen abgeben, keine Gelegenheit hatten, das Weißbuch selbst zu lesen. Dieses Dokument beginnt mit Aufklärungen, die mehrere Seiten umfassen, in denen der genaue Text des Mandates zitiert wird, was den Zweck hat, der Regierung die Möglichkeit zu geben, in der emphatischesten Weise festzustellen, daß sie den festen Willen hat, das Mandat sowohl dem Buchstaben wie dem Geiste nach durchzuführen. Um jede Zweideutigkeit In der Fassung des Mandates auszuschließen, wiederholt die Regierung die sehr eingehende Interpretation des Mandates, die im Jahre 1922 veröffentlicht und seither von jeder Regierung eingehalten wurde. Was immer für Meinungsverschiedenheiten in bezug auf den Sinn des Mandates bestehen mögen, die gegenwärtige Regierung ergreift die Gelegenheit, um sich für eine Fortsetzung der Politik auszusprechen, die iede britische Regierung seit dem Jahre 1922 einge 11 alten hat. Es ist also keine Rede von einer Verleugnung des Mandates. Auf das Problem der jüdischen Immigration eingehend, sagte Lord Passfieid, daß unter den gemachten Ein״ wänden ein wichtiger Vorwurf so aussieht, daß gesagt wird, daß die neue Regierungserklärung Jedes Fortschreiten der weiteren jüdischen Immigration zum Stillstand bringt, ich besitze eine Broschüre, in der definitiv gesagt wird, daß die Arbeiterregierung beschlossen hat, die jüdische Immigration nach Palästina zum Stillstand zu bringen und Juden den Einlaß in ihr Nationalheim zu verbieten. Auf keiner der 23 Seiten der Regierungserklärung befindet sich auch nur ein Wort über irgendwelche Stillegung der Immigration nach Palästina oder irgendwelches Verbot jüdischer Iramigration. Fm Gegenteil wird auf Seite 18 des Weißbuches definitiv erklärt, daß die Kokmisationsarbeit und die koionisatorischen Tätigkeiten der Juden ohne Unterbrechung fortgesetzt werden können. Lord Passfieid wies darauf hin, daß jüdische Palästina- Immigranten noch in neun verschiedenen Kategorien klassifixiert werden. In bezug auf acht dieser Kategorien besteht gegenwärtig keine zahlenmäßige Einschränkung und es wird auch keine Einschränkung angeregt. Hinsichtlich der neunten Kategorie, welche sich auf die ״Labour Schedule“ (Arbeiteranforderung) bezieht, bestand die Politik aller bisherigen Regierungen darin, die Gesamtzahlen nach der jeweiligen ״Absorptionsfähigkeit“ des Landes zu bestimmen. Dieser Grundsatz soll in allen künftigen Regelungen so eingehalten werden, wie in der Vergangenheit; und es werden für die Festlegung dessen, was eigentlich die ״Absorptionsfähigkeit“ ist, präzisere Maßnahmen vorgeschlagen. Es wird (im Weißbuch) gesagt, daß bei der Bestimmung der Absorptionsfähigkeit auf die Arbeitslosigkeit sowohl ׳unter den Arabern, wie unter den Juden Rücksicht genommen werden muß. Man beschwert sich nun darüber, daß damit gemeint wird, daß Juden von Palästina ferngehalten werden können, «)lange es irgendwelche Arbeitslosen unter den Arabern gibt. Dies ist selbstverständlich nicht der Fall Was gemeint wird, ist folgendes: Wenn erwiesen werden kann, daß irgendwelche spezielle Immigration geeignet ist, die Arbeitsloslgkeit unter den Arabern beträchtlich zu vergrößern, dann muß In Uebereinstimmung mit dem wörtlichen Texte des Mandates diese Tatsache bei der Fixierung der Zahlen der Einzulassenden berücksichtigt werden. Es scheint mir, sagte Lord Passfieid abschließend, daß, wenn es keine Verleugnung des Mandates, keine Stillegung der Immigration gibt, und wenn in der Tat den allerletzten Möglichkeiten der Itrnnigration nach Palästina keine Grenzen gesetzt werden, kann man nicht die ernste Klage erheben, daß die jetzige Reich betrachte die neue Politik der Regierung als eine Politik der expansiven Entwicklung des Mandatsgebietes, also genau das, worauf manche jüdische Organisationen die Regjerung drängten. Damit es in der Zukunft Raum für eine weitere Entwicklung Palästinas, für eine weitere jüdische Immigration jpbt, hat die Regierung die Aufgabe übernommen, die politische Richtung einzusehlagen, ohne welche die Entwicklung des Landes unmöglich Ist London, 3.November. (J.T.A.) Dr.Drummond Shiels war während seines Aufenthalts in Palästina erkrankt. Seit seiner Rückkehr nach London hat sich sein Zustand so verschlimmert, daß eA am 1. November in das Londoner Spital für Tropenkrankheeen überführt werden mußte. >

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