Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Keren Hajessod- Jubiläum Einzelnummer 0,40 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldtnark. \u8iradhabcm1s«!aentfl werden in dm Wikrunjs der eiigelnen Länder beredhnet. \n7eir־enprei*: * creep NonpereiHezefle 0,50 G.-M ‘nellengesueh• 0,25 G.-M Nummer 88 | Bei^7!MJ930^ Redaktion Verlag und Anzeigen - Verwaltung : Jüdische Rundschau RerlinTV 15. Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. Am^ffexudhhifk Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck Kobiid: Berlin 173 92, Be*•! V 9355. Belgrad 68032, Brüssel 394 33, Budapest 59693, Paarig 1973, Haeg 140470, Pr•■ 594 10 Ri#■ 4155» Strasehurg 164 30, Warschau I9070B, W1*0 156 030. ß a nie .Konten: Dartnstidter und Nadonalhenk, Depositen Kese* Berlin, Kurfürstendanmi 52; Bance de E§t» Ceruauu (RumKnien): Anglo Paletti*• Ce. מי Haifa, teruselem, Tel Aviv מיץ מר חשון תרצ״א | xxxv. Jahrg. Per Zionismus erstrebt >0t das Jüdische Volk die Schäftung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm■‘* Zehn Jahre Keren Hajessod ly on einem schweren Schlag jühlt sich die Judenheit in Erez-Isracl und das gesamte V Judentum, das mit dem Werke des Jüdischen Nationalen Heims verbunden ist, getroffen. Aber wie der Jude Palästinas keinen Augenblick wankend wird in seinem Gl Halben und in seiner Ueberzeugung, weil das Werk des Aufbaus verwurzelt ist in der tiefen Sehnsucht des Juden nach Zion, so wird die Kraft nicht brechen, durch die sich das gesamte Judentum in Opfer und Leistung für Erez-lsrael vereint hat. Es ist gerade ein Jahrzehnt, daß der Keren Hajessod geschaffen wurde, durch den sich die jüdische Opferwilligkeit und der jüdische Aufbauwille offenbart haben. Auf seine moralische und materielle Kraft mehr denn je vertrauend, richten wir in dieser Stunde an alle unsere Mitarbeiter und Freunde die Anforderung: Bleibet stark und treu! ln unserer eigenen Kraft liegt die Gewähr unseres Erfolges. Wir dienen einem großen Ideal. In diesem Dienst werden wir in Zeiten schwerster Prüfung nicht wankend werden. Diese unsere Entschlossenheit ist der Beweis vor dem Judentum und vor der ganzen Welt, daß unser Hoffen und unser Tun auf unerschülterlicher Grundlage beruht. Jeder Einzelne kann und muß jetzt zeigen, daß es ihm ernst ist um die Sicherung unseres Werkes, um seinen Ausbau und seine. Vergrößerung im Geiste der Selbstbefreiung, Die Freiheit, die wir selbst uns schmieden, wird dauern. Die gewonnenen Positionen müssen gestärkt und befestigt werden: die jüdische Stadt und das Dorf, die jüdische Schule, unsere Industrie. Wenn erst jede Spanne Boden» die sich in jüdischen Händen befindet, besiedelt wird, wenn alle Wirtschaftliehen, und kulturellen Energien fruchtbar gemacht werden, dann kann der Weg einer weiteren organischen Entwicklung des Jüdischen Nationalen Heims durch keine Macht der Welt versperrt werden. Wir beginnen jetzt das zweite Jahrzehnt des Keren Hajessod, unserer Arbeit für Volk und Land. Seid stark im Glauben und in der Arbeit und helfet uns, durch den Keren Hajessod der Zukunft den Weg zu bereiten. Das Keren Hajessod-Direktorium Oscar Wassermann Arthur Hantke Leib ]affe (Aeaßerungen jüdischer Führer am diesem Anlaß im Innern des Blattes) Die A.~C.~Silzung in London Weizmann berichtet über seine Verhandlungen mit Passfield London, 5. November. (J. T. A.) Unter außerordentlieh starker Beteiligung der Aktions-Comite-Mitglieder aus allen Ländern wurde am 4. November in London die Sitzung des Zionistischen Aktions-Comitös eröffnet. Außer den Mitgliedern des Aktions-Comites nimmt auch Richter Julian W. Mack (Vereinigte Staaten) als Gast mit beratender Stimme an den Sitzungen teil. Auf der Tagesordnung stehen neben einem großen politischen Referat Weizmanns eränzende politische Berichte von Dr. Brod etsky, Kapa n s k y und Colonel Kisch, Finanzreferate von Dr. Arthur Hantke und Colonel Kisch, sowie eine Aussprache über die Vorbereitung des 17. Zionistenkongresses. Der Vorsitzende des Aktions-Comites, Herr Leo Motzk i n} eröffnete die Tagung mit einem kurzen Hinweis auf die politische Situation und erteilte das Wort Herrn Dr. Welzmann, der ungefähr ausführte: Weizmanns Bericht Am 5. September d. J. hatten Dr. Brodetsky und Herr Namier ihre erste Unterredung mit Lord Passfield. Schon auh dieser Unterredung empfingen sie den Eindruck, daß der — damals In Vorbereitung befindlich gewesene — Entwurf zum Weißbuch von schwerwiegender Bedeutung sei. Dr. Brodetsky und Mr. Namier hatten aas Gefühl, daß eine vorausgehende wirkliche Beratung mit der Jewish Agency über diesen Gegenstand nicht erfolgen werde. Er, Dr. Weizmann, sei damals über den unfreundlichen Empfang der beiden Herren durch Passfleld erstaunt gewesen. Indessen bemühte sich die Jewlsh Agency nach der Richtung, daß man sie weiter zu Rate zieht, und in einem Brief vom 19. September ersuchte Dr. Weizmann u. a. um eine Unterredung mit Lord Passfield. Dieser antwortete, er wolle Dr. Weizmann am 1. Oktober empfangen. Bei Gelegenheit dieses Empfanges sprachen Passfield und Weizmann zum ersten Maie miteinander über den Simpson-Bericht. Der Bericht selbst lag allerdings nicht vor, und Dr. Weizmann mußte es sich versagen, zu einem Dokument, das er nicht kannte, Steilung zu nehmen. Im Verlauf des Gesprächs gab Lord Passfield einen allgemeinen Ueberblick Uber den Inhalt des Simpson-Berichtes und warf hierbei zum ersten Male das Problem der Bodenknappheit und der von der Jüdischen Arbeiter-Organisation Palästinas befolgten Pölitik auf, wobei er bemerkte, er hätte vielleicht den Inhalt des Simpson- Berichtes etwas ungünstiger dargestellt als er in Wirklichkeit sei. Dr. Weizmann entgegnete, er wolle vor Einsichtnahme in den Bericht keinerlei Meinung Ober seinen Inhalt äußern. Welzmann hatte den Eindruck, daß Lord Passfield den Zionismus als eine Angelegenheit von geringer Bedeutung betrachte. Cord Passfield führte aus, der im Simpson-Bericht enthaltene Passus über die Möglichkeit der Ansiedlung von weiteren 20 000 jüdischen Familien in Palästina spiegele bloß Sir John Hope Simpsons persönliehe Meinung wider, denn auf Grund von Simpsons Dar- Stellung bestehe auch nicht für einen einzigen Einwanderer die Möglichkeit, vor einer vollständigen Umgestaltung der palästinensischen Wirtschaftsverhältnisse ins Land zu kommen. Dr. Weizmann entgegnete, Lord Passfield müsse als erfahrener Wirtschaftler einsehen, daß gerade durch die Ein- Wanderung von 20 000 jüdischen Familien die ökonomischen Aussichten im Lande sich vollständig, und zwar zum Besseren, ändern würden. Eine solche Einwanderung würde weitere Ein- Wanderungsmöglichkeiten schaffen. Sodann wurde im Gespräch zwischen Weizmann und Passfield der im Simpson-Bericht entworfene Landentwicklungsplan erörtert. Dr. Weizmann äußerte sich dahin, daß es in diesem Stadium verfrüht wäre, eine Meinung über die Zusammen- Ein Kommentar zum Weißbuch? Der ,parlamentarische Korrespondent der ״Time s“ schreibt am 4. November: Es verlautet, daß die Regierung die Möglichkeit »überlegt, eine Aeußerung zu veröffentlichen, worin das letzte Memorandum Lord Passfields über die Politik der Regierung bezüglich des Palästinamandates erläutert und ergänzt wird. Die Regierung ist der Ansicht, daß die ursprüngliche Regierungserklärung mißverstanden und falsch interpretiert wurde. Sie betrachtet die Lage in Whitechapel, wo in der nächsten Zeit Infolge des Todes des dortigen Unterhausmitgliedes eine Nachwahl stattfinden muß, mit großer Besorgnis. (Dieser sehr stark jüdische Wahlkreis gehört seit langer Zeit zum Besitzstände der Arbeiterpartei. — A. d. R. ״J. R.“> Lord Passfield hat dem Parlamentsklub der Arbeiterpartei bei seiner Versammlung vorige Woche die Zusicherung gegeben, daß keine Aenderung der Politik beabsichtigt ist, und man glaubt, es wäre möglich, dies mit einem zweiten Memorandum in höherem Maße klarzustellen. * Auch ״News Chronicle“ meldet, daß die Regierung über die in jüdischen Kreisen der ganzen Welt hervorgerufene Feindseligkeit ernstlich beunruhigt sei; da die von Lord Passfield Uber die künftige Palästina-Politik der Regierung veröffentüchte Erklärung dem Kabinett vorher nicht unterbreitet worden war, soll jetzt eine er läute rndeErklärung herausgegeben werden, von der eine beruhigende Wirkung erhofft wird. Da eine Ersatzwahl in Whitechapel bevorstehe, wo mindestens ein Dritte! der Wähler jüdisch sind, werde, so fügt das Blatt hinzu, diese Auslegung sobald wie möglich gegeben werden. Setzung der Landentwicklungskommission abzugeben, da er ohne genaue Kenntnis des Planes nicht wissen könne, ob die Jewish Agency überhaupt in der Lage sein würde, mit einer solchen Lanaentwicklungskommisslon zusammenzuarbeiten. Lord Passfield gab zu, daß die Frage der Landentwicklungskommisslon in diesem Augenblick noch nicht Gegenstand einer Diskussion sein könne. Er versprach, den Simpson-Bericht und das Weißbuch der Regierung sobald als möglich Dr. Weizmann zu übermitteln, wies aber gleichzeitig darauf hin, daß er bestrebt sein müsse, den Bericht möglichst bald, und zwar noch vor der Eröffnung des Parlaments, zu veröffentlichen, und daß er deswegen nicht in der Lage sein werde, ihn mehrere Tage vor Veröffentlichung der Jewish Agency vorzulegen. Am 15. Oktober fand eine zweite Unterredung zwischen Weizmann und Lord Passfield statt, in der abermals über den Landentwicklungs plan gesprochen wurde. Auf die Frage Dr. Weizmanns, wo man das Geld für die Durchführung der vorgesehenen Landent- Wicklung hernehmen wolle, erklärte Lord Passfield, diesbezüglich beständen große Schwierigkeiten. Dr. Weizmann bestand darauf, daß die Meinung der Juden Uber diesen Gegenstand eingeholt werde, und daß den Juden die Vorteile der LandentwTcklungsma&nahmen in gleicher Weise wie den Arabern zugute kommen sollen, da sie als die Haupt- Steuerträger Palästinas zweifellos in hohem Maße zur Deckung der Kosten des Landentwicklungsplanes herangezogen werden würden. Im Hinblick auf diese Verhältnisse sei es unmöglich, einen so schwerwiegenden Gegenstand ohne gründliche vorbereitung zu diskutieren. Der äußere Verlauf der Unterredung konnte den Eindruck erwecken, daß Bodenkäufe des Nationalfonds, insofern sie nicht dem Landentwicklungsplan zuwiderlaufen, nicht grundsätzlich verhindert werden würden, und daß die Regierungserklärung im allgemeinen nichts enthalten werde, was den zionistischen Aufbau unterbinden könnte. Doch blieb bei Dr. Weizmann die Empfindung zurück, daß Ernsteres inderLuftiägeals das, was Lord Passfield angedeutet hat. Am 17. Oktober wurden die authentischen Texte der Regierungs־ erklärung und des Simpson-Berichtes Dr. Weizmann, der gerade eine Beratung mit Lord Read in g und James Rothschild abhielt, zugesandt. Da mit Rücksicht auf das Wochenende nur sehr wenig Zeit zu Beratungen vor der Veröffentlichung dieser Dokumente zur Verfügung stand, ersuchte Dr. Weizmann Lord Passfield am Sonnabend abends, er möge ihn auf seinem Landsitz, Passfield Cemer, empfangen. Lord Passfield beantwortete dieses Ersuchen mit der Erklärung, daß es ihm im gegenwärtigen Stadium nicht mehr möglich sei, irgendwelche Aenderungen am Weißbuch vorzunehmen. Am Sonnabend nachmittag sprach der Vizepräsident der Weltunion der Zionlsten-Revlsionlsten, Herr Meier Großmann, bei Dr. Weizmann vor. Großmann erklärte, er habe gehört, daß der Simpson-Bericht bereits in Weizmanns Händen