Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1930)
- Date
- 1930-11-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 87. 4 XI1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 575 Aus den Gemeinden Wie wir nach Redaktionsschiuß erfahren, hat Rabbiner Dr. Leo Baeck an die Führer der Parteien in der Berliner Getneinde ein Schreiben gerichtet, in welchem er im Einvernehmen mit seinen Kollegen bittet, die Verhandlungen zwecks Vermeidung von Wahlen für die Berliner Jüdische Gemeinde und den Landesverband wieder aufzunehmen. Die Wahlen In Berlin In die kommenden Geineindevvahlcn in Berlin treten die Zionisten ruhigen Gewissens ein. Sie haben nämlich auf eine Reihe von Leistungen hinzuweisen, wie sie, ohne Uebertreibung kann man das behaupten, eine Gemeindeverwaltung in so kurzer Zeit kaum jemals zu verzeichnen hatte. Die im Jahre 1926 gewählte Repräscntantenversammlung der Berliner Jüdisehen Gemeinde, welche durch den Block der Volkspartei, der Mittelpartei und der Konservativen nach vielen Jahrzehnten zum ersten Male das nationale Judentum an entscheidende Stelle in die Gemeindeverwaltung brachte, konnte wegen des liberalen Wahlprotestes erst anderthalb Jahre nach der Wahl ihre Funktionen aufnehmen. Die Wirksamkeit der neuen Gemeindeverwaltung unter entscheidender Mitwirkung der Jüdischen Volkspartei erstreckte sich also auf kaum drei ahre. Trotzdem diese Zeit nur kurz war und trotzdem der teuersalz, der in dieser Periode bestand, im Vergleiche zu den Steuern anderer religiösen Gemeinschaften in Berlin, der niedrigste gewesen ist, hat die Gemeindeverwaltung in diesen Jahren Werke geschaffen, welche der Berliner Juaenheit und weit darüber hinaus allen Juden in Deutschland und außerhalb der deutschen Grenzen zum Vorbiide dienen können. Im nachfolgenden sollen heute nur einige Schöpfungen der unter zionistischer Führung stehenden Gemeindeverwaltung Erwähnung finden. Wir werden im Laufe des nun beginnenden Wahlkampfes auch auf andere Tätigkeitsgebiete zu sprechen kommen. Besonders erwähnenswert ist das kulturelle Gebiet. Während dieser drei Jahre ist die Kunstsammlung der Gemeinde außerordentlich vergrößert worden und, wie an anderer Stelle der vorliegenden Nummer ausführlicher dargelegt wird, geht man jetzt daran, für die Kunstsammlung ein eigenes Gebäude einzurichten. In derselben Zeit hat die Bib- 1 i o t h e k der Jüdischen Gemeinde einen außerordentlichen Aufschwung genommen. In allen Stadtteilen Berlins sind Zweigbibliotheken eingerichtet worden. Von welcher Bedeutung das für die Stärkung des jüdischen Bewußtseins ist, braucht nicht besonders betont zu werden. Wir Judfh sind noch immer das Volk des Buches. Und der beste Werber für Judentum und jüdische Inhalte bleibt das jüdische Buch. Dieses der jüdisehen Bevölkerung nähergebracht zu haben, ist ein nicht gering zu veranschlagendes Verdienst. Auf dem Gebiete des h e b r ä ־ ischen Unterrichts sind die letzten drei Jahre geradezu segensreich gewesen. Wenn das Berliner Judentum heute mit Stolz festzustellen vermag, daß das Interesse des jungen jüdisehen Geschlechtes für die hebräische Sprache in dauerndem Wachstum begriffen ist, so ist diese Wandlung nicht zuletzt auf die Maßnahmen der gegenwärtigen Gemeindeverwaltung zurückzuführen. Die Hebräische Sprachschule ist auf den Gemeindeetat übernommen worden und leistet Erhebliches. Die jüdische Volksschule in der Rykestraße ist heute gleichfalls eine Gemeindeinstitution und die neue Mädchenschule in der Auguststraße erfreut sich, gleich den anderen jüdischen Volksschulen, eines derart lebhaften Zuspruches, daß in jedem Schuljahr leider viele Hunderte von jüdischen Kindern trotz der Einrichtung von Parallelklassen wegen Raummangels abgewiesen werden müssen. Schon daraus geht hervor, wie stark das Bedürfnis der jüdischen Eltern ist, ihre Kinder in jüdischen Schulen untergebracht zu wissen. Dieses aus zwei OrffiM&m ein e rs eif s Sagen sich diese Ettern, daß nur durch Erziehung im Kindesalter die Verbundenheit mit dem Judentum gekrlftigt und der Bestand des Judentums gesichert werden kann, andererseits aber sind die allgemeinen Volksschulen leider dermaßen von antisemitischen Lehrern und Schülern durchsetzt, daß der Aufenthalt eines jüdischen Kindes in einer derartigen Schule für dieses Kind eine ewige Quelle der Peinigung ist. Die Leistungen auf dem Gebiete des hebräischen Sprachunterrichts, die das Beth Am Iwri zu verzeichnen hat, sind nicht zuletzt auf die materielle Förderung zurückzuführen, welche diese ausgezeichnete Institution bei der jüdischen Gemeinde findet. Geradezu vorbildlich sind die Leistungen der Jüdischen Gemeinde auf sozialem Gebiet. Die Anregung von Gründüng jüdischer Kreditgenossenschaften (die Berliner Iwria, die sich ausgezeichnet entwickelt, war die erste, aber nicht die einzige), die Förderung des Verbandes der Ostjuden mit seiner Reehtsabteilung, die starke Unterstützung des Verbandes russischer Juden, der sich einer Reihe von verdienstvollen, in die Fremde verschlagenen notleidenden Volksgenossen aus Rußland annimmt, die Ueberlassung von neuen Räumen an das Kinder- Pflegeheim Ahawa, die Ausstattung des Krankenhauses mit einer neuen röntgenologisch-therapeutischen Einrichtung, die Eröffnung einer neuen Poliklinik unter der vorbildlichen Leitung unseres verstorbenen Freundes Prof. Lewin, die Uebernahme des Kindergenesungsheimes in L e h n i t z bei Oranienburg, die Uebernahme des Solbades Eimen, die starke Förderung des Büros für Arbeitsnachweis an Juden — das alles kann nur mit wenigen Worten Erwähnung finden. Diese Leistungen sind mit Ernst und Energie vollbracht worden, und dabei mit der Sorgfalt eines redlichen Kaufmannes für das, was er finanziell zu tragen vermag. Es soll nicht als besonderes Verdienst verzeichnet werden, denn das ist nur eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß trotz dieser Aus- Weitung des Tätigkeitsgebietes der Berliner Jüdischen Gemeinde die Finanzlage der Gemeinde während der Verwaltung durch unsere Gesinnungsgenossen außerordentlich günstig und wohlgeordnet war, im Gegensätze zu den Finanzen der anderen öffentlichen Körperschaften in Deutschland. Aus diesem Grunde blicken wir voll ruhiger Zuversicht dem Ausgang der kommenden Wahlen entgegen. Denn wir wissen, daß jeder unvoreingenommene Wähler sich für die Liste 2 der Jüdischen Volkspartei, die Liste Dr. Alfred K! e e—Direktor Georg Kareski entscheiden wird. b. a. * Die Landesverbandswahlen. (Telephonische Meldung aus Duisburg vom 3. 11. 30.) Im 12. Wahlkreis des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden (Rheinland außer Köln) kam ein Kompromiß zustande. Die Mandatszahl beträgt diesmal 11 statt 10. Im Jahre 1925 erlangten die Liberalen 7 Mandate, die Jüdische Volkspartei 2, die Konservativen 1 Mandat. Jetzt erhalten die Liberalen wieder 7, die Jüdische Volkspartei 2, die Konservativen 1 und die Poale Zion ebenfalls 1 Mandat. Wie im Jahre 1925 nehmen die Liberalen wieder beide Ratssitze in Anspruch, gewähren aber im Gegensatz zu 1925 der Jüdischen Volks- Partei einen, den Konservativen ebenfalls einen Stellvertretersitz. * Die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde in Berlin hat in den letzten Monaten durch Neuerwerbungen und Schenkungen einen derartigen Zuwachs erhalten, daß die in der Oranienburger Straße 29 befindlichen Räume für die Auf- Stellung nicht mehr ausreichen. Es ist deshalb auch schon ein neues Gebäude zur Unterbringung der Mn• seumsschätze in Aussicht genommen. Erst in den neuen Räumen wird man einen IJeberblick über die kürzlieh erworbenen palästinensischen Ausgrabungen interessanter Ton- und Glasgefiiße, die reiche Münzcnsammlung und die mannigfaltigen Kultusgeräte gewinnen können. An Werken moderner Künstler sind besonders zwei der bedeutendsfen Gemälde von Lesser U r v hervorzuheben: das von der Pressa 1923 bekannte Monumentalbild ״Der sterbende Moses“ und ein Selbstbildnis von 1930. Max Liebermann ist mit einem Porträt des Chirurgen James Israel, Pissarro mit einem feinen Aquarell vertreten. Den berühmten holländischen Meister Josef Izraels stellt ein Bildnis von J.Moscheles dar. Zwei Gemälde von Josef Oppenheimer (Bildnis Kareski) und zahlreichen jüngeren, in Paris tätigen Kirnstlern ergänzen die Reihe dieser Neuerwerbungen. * Am 26. Oktober wurde in Berlin-Grunewald das Olga Stern• Ha us des Jüdischen Frauenbundes, welches dank einer großzügigen Stiftung des Direktors J. Stern zum Andenken an seine verstorbene Gattin errichtet werden konnte, seiner Bestimmung übergeben. Die Eröffnungsfeier fand vor einer großen Zahl geladener Oiste statt und wurde von einer An- Sprache Direktors J. Stern eingeleitet, der nach einer kurzen Würdigung des Wirkens seiner verstorbenen Gattin den Mitgliedern des Jüdischen Frauenbundes für ihre hingebungsvolle Arbeit bei der Errichtung des neuen Heims dankte. Rabbiner Dr. Leo B a e c k hielt die Weiherede. Kammergerichtsrat Leo Wolff überbrachte die Glückwünsche des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin und des Preußischen Landes- JÜDISCHE VOLKSPARTEI Wählerversammlungen Mittwoch, den 5. November 1930, abends 8 Uhr Prachtsäle am Märchenbrunnen, Am Friedrichshain 29—31 Donnerstag! den 6. November 1930, abends 8 Uhr Tiergartenhof, Am Bahnhof Tiergarten Warum Wahlkampf ln dar Jüdischen Gemeinde? Referenten: Dr. Alfred Klee, Direktor Georg Kareski, Professor Dr. Heinrich Löwe, Ministerialrat Hans Goslar, Dr. Max Kollenscher, Dr. Aron Sdndler, Alfred Berger, Dr. Hermann Leiewer Verbandes jüdischer Gemeinden. Namens der Repräsentanten- Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde sprach Frau Lina Wagner- Tauber, namens des Hauptvorstandes des Jüdisehen Frauenbundes Frau Paula Ollendorf. Für den Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes sprach dessen Präsidentin Frau Berta Falkenberg und schließlich Frau Jacobi für das Kuratorium des Olga Stern-Hauses. An die Feier, welche von musikalischen Darbietungen (Frl. Rosen, Frau Marcus, Frau Friedmann und Kantor John) eingerahmt war, schloß sich ein Rundgang durch das von Architekten Heinrich Borchard mit außerordentlichem Geschick aus einer ehemaligen Privatvilla umgestaltete Haus. * Am 8. November d. J. wird in den Räumen des ehemaligen Kunstgewerbemuseums in der Prinz-Albrecht-Straße zu Berlin eine Ausstellung modernen Kultgerätes eröffnet, die vom Kunstdienst in Dresden in Gemeinschaft mit den staatlichen Kunstgewerbeschulen, den protestantischen und katholischen Kircnenbehörden und der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde Berlin veranstaltet wird. In bisher noch nie gebotenem Umfange wird diese Schau einen Ueberblick über die in der Sakralkunst bestehenden Bestrebungen zur Neugestaltung des Kultgerätes in modernkünstlerischem Sinne geben und an Hand des Gezeigten den Beweis erbringen, daß wir heute eine Neubelebung künstierischer Ausdrucksformen auf diesem Gebiete erleben. Gesellschaft zur Erneuerung des hebräischen Schaffens. Am 18.Okt. hielt Dr. S. Rawidowicz in einer außerordentlich besuchten Versammlung des Berliner Be th- A tn Iwri einen Vortrag über ״Zukunft und Schicksal des hebräischen Schaffens“. Redner entwarf ein Bild von den Wanderungen der hebräischen Literatur und Wissenschaft in den letzten 150 Jahren; er verweilte bei der Blütenperiode des hebräischen Schaffens in den Ostländern und in Deutschland während der ersten Nachkriegsjahre, um dann zur Beleuchtung der Tatsache überzugehen, daß in den letzten Jahren das hebräische Schäften in der Diaspora vollständig lahmgelegt worden ist. Redner erblickte darin eine große Gefahr, sowohl für das Diasporajudentum, wie für die Zukunft des hebräischen Schaffens überhaupt. An Hand zahlreicher Argumente nationalen und kulturpolitischen Charakters beweist Redner die Notwendigkeit, daß neben der hebräischen Literatur in Palästina das hebräische Schaffen in der Diaspora mit aller Energie gefördert werden müsse. Es wäre ein unmöglicher Gedanke, daß das Hebräische, das in manchen Diasporaländern Sprache der Schule und bis zu einem gewissen Grade in gewissen Volksschichten sogar Umgangssprache wurde, aufhören sollte, Sprache des jüdischen Schaffens in der Diaspora zu sein, wenn sie auch nicht d i e Sprache des Schaffens, des Gesamtjudentums werden kann. Das nationale, vor allem das zionistische Judentum, wenn es wirklich mit der Hebraisierung ernst nehmen will, sei besonders verpflichtet, dafür zu sorgen, daß das hebräische Schaffen auf den verschiedenen Gebieten des Diasporajudentums sich immer lebendiger und intensiver gestalte. Nach den längeren theoretischen Darlegungen ging Dr. Rawidowicz zu der praktischen Seite des Problems über: Das hebräische Schaffen dürfe nicht aufs Geradewohl der ״privaten Initiative“ überlassen werden. Es müsse in den Bereich der nationalen Bedürfnisse und Institute des Judentums eingereiht, zur Angelegenheit des Gesamtjudentums werden. Ein besonderer Kulturbund auf einer breiten Basis müsse geschaffen werden, der Träger und Vollstrecker des hebräischen Schaffens sein soll. Dieser Bund müsse die hierfür notwendigen Organe und Institutionen ins Leben rufen. Redner regte zum Schluß die Einberufung einer diesem Zwecke gewidmeten Konferenz an. — Der Vorsitzende Dr. M. P i n e s begrüßte besonders warm die Ausführungen des Referenten und rief die Versammelten zur aktiven Mitarbeit an der projektierten neuen Gesellschaft auf. Nach dem interessanten Vortrage entspann sich eine Aussprache, an der mehrere Redner teilnahmen. Jacob Rosenheim, einer der hervorragendsten Führer der jüdischen Orthodoxie, Präsident der Weltorganisation A g u d a s Jisroel, vollendet in diesen Tagen sein 60 Lebensjahr. Briefe an die Redaktion ln der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 79/80 vom 10. X. 30 S. 517 ist mein Aufsatz ״Die Stellung der Araber zu den Gegenwartsproblemen Palästinas“ besprochen. Diese Besprechung ist irreführend. Mir werden ״Ungenauigkeiten“ und ״Tatsachenfehler“ zur Last gelegt, meine Darstellung sei durchaus a n t izionistisch, insbesondere werden mir Ausdrücke vorge* * worfen, die ich von den dre* Hingerichteten Arabern gebraucht haben soll. Der genaue Tatbestand ist folgender: Zunächst habe nicht ich mir in dem Aufsatz eine Aufgabe gestellt, sondern mir ist, wie im ersten Satz des Aufsatzes ausdrücklich gesagt ist, eine Aufgabe gestellt worden, und zwar die: den arabischen Standpunkt darzustellen. Mein Aufsatz zerfällt in zwei Teile: 1.) S. 248—253, wo ich rede und eine Einführung in den folgenden zweiten Teil gebe; 2.) S. 253 bis 260, wo ich Aushebungen (ausdrücklich so bezeichnet im ersten Satz des Aufsatzes) aus der Presse der Araber gebe, referierend, um der mir gestellten Aufgabe gemäß ein genaues Bild des arabischen Standpunktes zu geben. Die in der Besprechung meines Aufsatzes — ebenso in privaten Zuschriften — gegen mich erhobenen Vorwürfe richten sich nun nicht gegen den ersten Teil, wo ich rede, sondern gegen den zweiten Teil, wo die Araber sprechen, nicht ich. Wenn es, eine Kritik von Zahlenangaben einleitend, in der Besprechung heißt: ״So schreibt z. B. Prof. Kampffmeyer: Die Küstenebene, die zur Baumkultur geeignet ist, umfaßt insgesamt 220000 bis 250 000 Dunam . . . usw.)“, so ist hier der Tatbestand falsch dargestellt, denn nicht i c h sage das, sondern der im Dienst der englischen Regierung stehende Ingenieur Ragbib Bey, dessen Darlegungen ich, unter ausdrücklicher Nennung seines Namens, mitteile. Mit ihm also bzw. mit Auni Abd ul-Hadi (״La Nation Arabe“, Juni 1930, S. 175—176) möge sieh der Referent meines Aufsatzes auseinandersetzen, statt mich öffentlieh der Ungenauigkeit zu zeihen (״das ist nur ein Beispiel für die Ungenauigkeiten des Kampffmeyerschen Artikels“). Ich habe im Gegenteil über die Darlegungen Raghib Beys nach der mir vorliegenden Quelle sehr genau referiert. Wenn mir weiterhin zum besonderen Vorwurf gemacht wird, ich spreche von den drei hingerichteten Arabern als von ״Blutzeugen“, als von ״Helden, die den Kampf für ihr Vaterland mit ihrem Leben besiegelten“ (die Anführungsstriche so in der Besprechung), so ist hier wieder der Tatbestand falsch dargestellt. Ich berichte ausdrücklich aus den arabischen Zeitungen. Diese schrieben: ״Der 17. Juni soll ein Gedenktag werden zur Erinnerung an Helden, die den Kampf für ihr Vaterland mit ihrem Leben besiegelten“. Als ״Blutzeugen“ haben sich die drei Hingerichteten in ihrem von mir mitgeteilten Abschiedsbriefe ausdrücklich unterschrieben, als solche, nur als solche (schuhadä׳), werden sie von der gesamten arabischen Presse bezeichnet, als solche sind sie gestorben. Das mußte ich zum Ausdruck bringen, daran konnte ich nichts ändern. Ich konnte es ebensowenig wie der sicherlich als wissenschaftlich objektiv anerkannte ״Oriente Moderno“, der in seiner Nr. 7 des laufenden Bandes (X) S. 306 bis 307 ähnlich wie ich über die Begleitumstände des Todes der drei Hingerichteten und über die Stellung der Presse zu dieser Hinrichtung berichtete, wobei er aus der Zeitung ״al- Karmel“ die Worte übersetzte: ״Die Hinrichtung des Fu’ad Hidschazi, des ’Ata ez-Zir und des Mohammed Abu Dschamdschum ist eine der Auswirkungen der Politik der Balfour-Deklaration. Möge das Blut dieser Blutzeugen, der unschuldigen Söhne Palästinas, die Wurzeln des Baumes der arabischen Ünabhängigkeit nähren. Erhaltet die Erinnerung an den Tag des 17. Juni alle Jahre lebendig“. Nicht meine Darstellung, nicht die des ״Oriente Moderno“ ist ״durchaus antizionistisch“, sondern die Araber, deren Standpunkt darzustellen war, sind — allerdings durchaus — antizionistisch. Wenn dann endlich am Schluß der Besprechung dem äußersten Erstaunen darüber Ausdrude gegeben wird, ״da® die Zeitschrift des Deutschen Palästinavereins und der Verfasser, Ptpt. Kampffmeyer, es für richtig gehalten haben, eine solche Darstellung, die nicht nur eine einseitige Parteinahme ist, sondern auch den wirklichen Sachverhalt verzerrt, ihren Lesern vorzusetzen“, so wird dadurch der Verdrehung der Tatsachen die Krone aufgesetzt. Vielmehr ist der wirkliche Sachverhalt — der arabische Standpunkt — genau dargestellt. Das aber, und das allein, war die mir von seiten des Deutschen Palästina- Vereins gestellte Aufgabe. Dem Deutschen Palästinaverein aber einseitige Parteinahme vorzuwerfen, ist ein Anwurf, den dieser Verein am allerwenigsten verdient hat. Ist er doch in der gelehrten Welt hochgeachtet gerade wegen seiner Wissenschaitliehkeit und Sachlichkeit, die er auch dadurch bewiesen hat, daß er Jahre hindurch — und ebenso im letzten Heft, zugleich mit dem Abdruck meines Aufsatzes — die auf zionistischem, von Prof. M. Sobernheim gelieferten Material beruhenden Berichte Prof. Steuemagels zur politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas mitgeteilt hat. Auf der Linie derselben Sachlichkeit liegt es, wenn man von mir eine Darstellung des arabischen Standpunktes erbat. Berlin-Dahlem, den 18. Oktober 1930. Prof. Dr. G. Kampffmeyer. %* Wir hatten aus dem Ton von Prof. Kampffmeyers Aufsatz in der ZDPV. den Eindruck, daß er sich mit dem von ihm mit so viel Sympathie wiedergegebenen arabischen Standpunkt weitgehend identifiziert. Wir nehmen gern zur Kenntnis, daß sein Aufsatz lediglich als Referat aufzufassen ist. — Red. Max Brod Staatspreis-Träger. Der alljährlich am 28. Oktober, dem Gründungstage der tschechoslowakischen Republik, zur Verteilung gelangende Staatspreis für Kunst und Literatur wurde in diesem Jahre Max Brod für seinen Roman ״Reubeni“, der kürzlich in tschechischer Uebersetzung erschienen ist, verliehen. Es ist das zweitemal, daß dieser Preis für ein in deutscher Sprache geschriebenes Kunstwerk einem uden zufällt, da bereits seinerzeit Franz Werfel diesen reis verliehen erhielt. — Wie unser Berichterstatter erfährt, hat sich Max Brod mit einem Aufrufe an die tschechoslowakischen Intellektuellen gewendet, in einer Kundgebung für die volle Aufrechterhaltung der Batteur-Deklaration und gegen alle Versuche einzutreten, sie irgendwie abzuschwächen und die Errichtung der Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu behindern. hl. Sterbefall. Am 30. Oktober starb in Berlin nach schwerem Leiden Minna Zollschan, geb. Margoninsky, die Gattin Dr. Ignaz Zollschans aus Karlsbad. Sie wurde ihrem Wunsche gemäß in aller Stille beigesetzt. Wir drücken unserem Gesinnungsgenossen Dr. Zollschan, dessen Publikationen weiteste Beachtung und Anerkennung gefunden haben, unser Mitgefühl aus. ________ Frau Recha Warschauer, die Gattin des Rabbiners Dr. M. Warschauer, ist am 29. Oktober einem tragischen Unglücksfali zum Opfer gefallen. Frau Warschauer war mit ihren beiden Schwestern, Frau Amalie Jacobsohn und Frau Bernhard, sowie deren Tochter, Frau Buchholz, im Auto zu ihrer vierten Schwester, Frau Marcuse, die ihren 60. Geburtstag feierte, nach Ptenzlau gefahren. Auf der Rückfahrt verungliickte der Wagen. Frau Dr. Warschauer war sofort tot, während ihre beiden Schwestern schwer verletzt wurden. Dr. Warschauer und seiner Familie wendet sich das allgemeine Miteefübl zu