Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1930)
- Date
- 1930-11-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 87, 4. KI. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 571 Erklärung des Waad Lcumi Nachstehend veröffentlichen wir den Wortlaut der Erklärung, die der Waad Leumi sofort nach Verlautbarung der neuen Regierungserklärung in Palästina veröffentlicht hat: Mit ihrer letzten Erklärung hat die Mandatsregierung die historische Verpflichtung gebrochen, die das britische Volk gegenüber dem jüdischen Volk auf sich genommen hat. Diese Erklärung, bar jedes konstruktiven Inhalts, macht die Zusage eines Nationalhelms zunichte, die dem ganzen jüdischen Volke gegeben wurde und nicht der jüdischen Bevölkerung Erez-Israels. Ein Nationalheim ohne Einwanderung und ohne Boden, — das ist grausamer Hohn und politische Heuchelei. Die jüdische Bevölkerung Erez-Israels lehnt es ab, dies vernichtende Urteil der neuen Regierungserklärung entgegenzunehmen. Unsere Hoffnung ist, daß die Regierung nicht dem Willen des britischen Volkes Ausdruck gegeben hat. Unser historisches Recht, in Erez-Israel unser Nationalheim zu erneuern, wurde von dem Völkerbund und den Vereinigten Staaten Amerikas anerkannt und von jeder englischen Regierung seit der Balfour-Deklaration bis heute bestätigt. Dies Recht wurde durch unsere Leistung in Erez-Israel in die Tat umgesetzt. Dieses unser Recht besitzt stärkere Geltung, als die Gegnerschaft irgendeiner Regierung. Wir können einer Verwaltung kein Vertrauen schenken, der diese Erklärung zur Richtschnur dient. Wir werden keine parlamentarische Körperschaft anerkennen und beschicken, die geschaffen ist, um den Auibau unseres Landes zu unterbinden. Wir werden unsere Aufbauarbeit fortsetzen, auf daß das jüdische Volk in seiner alten Heimat neu erstehe. Wir werden unsere historische Mission nicht verraten: Vorkämpfer für die Erschließung des öde und wüst daliegenden Landes zu sein. Der Wohlstand und der Fortschritt der arabischen Landesbewohner ist stärker an die jüdische Einwanderung und An- Siedlung gebunden, als an alle Maßnahmen einer britischen Verwaltung. In gemeinsamer Tätigkeit mit unseren arabischen Nachbarn sehen wir die Gewähr für die Blüte und den Frieden des Landes. Wir fordern das englische Volk und die ganze Kulturwelt auf, unser Recht wahrzunehmen, und die Juden aller Länder, den Aufbau des Landes durch Konzentrierung alter Volksenerglen zu beschleunigen. Einheitlich, verantwortungsvoll und diszipliniert wird die jüdische Bevölkerung Erez-Israels ihre Kräfte zusammenschließen. Waad Leumi. 29. Tischrl 5690 22. Oktober 1930 Die Poale Zion an die Labonr-Party London, 31. Oktober. (J. T. A.) Das Politische Komitee der Poale Zion hat an die Labour Part3׳ ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: Die neue Regierungserklärung ist ein unerwarteter Schlag für die, die das Vertrauen des jüdischen Volkes zur englischen Arbeiterregierung gestärkt haben. Die Parteikonferenz in Liandudno hat erst vor 14 Tagen einen Beschluß angenommen, in dem ausgesprochen wurde, daß jetzt die Zeit für die Mandatarmacht gekommen sei, jüdische Einwanderung und geschlossene Siedlungen zu fördern. Die Stimme von Downing-Street ist nicht die Stimme von Llandudno. Das neue Dokument erklärt, daß gegenwärtig kein Land mehr für jüdische Siedlungen vorhanden ist, und daß die Ein- Wanderung jüdischer Arbeiter mehr als je eingeschränkt werden muß. Die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims muß infolgedessen aufgehalten werden. Wir bestreiten die behaupteten Tatsachen und die Schlußfolgerung. Zu der Behauptung einer Knappheit an Land kommt die Erklärung dadurch, daß sie die großen Landreserven von Transjordanien außer acht läßt, die kultivierbaren Strecken der Barsheba -Gegend nicht berücksichtigt und das Gebiet der Hügelgegend von Palästina, das unter Kultur genommen werden kann, um Millionen Dunam verkleinert... Jüdische Arbeiter kämpfen in Palästina für die Prinzipien und Politik, die im Einklang stehen mit der internationalen Arbeiterbew-egung, und es ist erstaunlich, daß sie durch eine Arbeiterregierung angegriffen werden. Die leitende Formel für jüdische Einwanderung ist gewesen, daß die neuen Einwanderer keine Gruppe der existierenden Bevölkerung aus ihrer Arbeit verdrängen sollen... Die neue Erklärung der Regierung hat unserem Ansehen außerordentlich geschadet. Aber wir geben uns nicht geschlagen. Wir lehnen es ab, uns der neuen Interpretation des Mandates zu unterwerfen. Wir werden es bekämpfen vor jedem Tribunal der Welt und appellieren an das Gewissen der britischen und der internationalen Arbeiterbewegung. Wir verlieren nicht unseren Glauben an die Sache der Arbeit und der internationalen Solidarität der Arbeiterklasse. Nicht zu erschüttern ist unser Glaube an das Recht des jüdisehen Volkes zur politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wiedergeburt in Palästina und den endlichen Sieg unserer Bestrebungen, die im Leiden und im unbesiegbaren Lebenswillen geboren sind. * Jerusalem, 30. Oktober. (J.T. A.) Die Histadruth und die Weltliga für das arbeitendePalästina rufen zur Schaffung eines politischen Kampffonds zur ,,Bekämpfung der Erklärung der englischen Regierung, zur Samm-!urg aller Freunde des arbeitenden Palästinas in der jüdischen, britischen und internationalen Arbeiterbewegung, zur Verteidigütig ihrer Rechte und zur Tätigkeit unter den arabischen Arbeitendeir‘ auf. Die Aktion zur Schaffung des Kampffonds soll einen Monat dauern. Alle Gruppen der Liga, alle Arbeiter- Parteien, die Hechaluz-Organisationen, die Jugendbünde und alle Freunde der Bewegung sollen zu diesem Zwecke in Aktion treten. Die gesammelten Beträge sind der Arbeiterbank in T e 1- A w i w zu überweisen. Der XVII. Kongreß in mehreren Blättern wurde im Anschluß an die Ankündigung der A.-C.-Sitzung für den 4. November eine JTA.-Meldung des Inhalts verbreitet, daß, falls an der A.-C.-Sitzung sich eine zureichende Anzahl von Mitgliedern beteiligen sollte, es wahrscheinlich ist, daß das Datum des Kongresses verschoben werden wird. Die Exekutive der Zionistischen Organisation erklärt, daß sie diese Meldung nicht autorisiert hat und für ihren Inhalt־ nicht verantwortlich ist. (Wir haben bei Wiedergabe der JTA.- Meldung unsere Zweifel an ihrer Richtigkeit zum Ausdruck gebracht. Red.) Massenkundgebung in der StadthaUe Wir haben bereits in der vorigen Nummer einen kurzen Bericht über die große Kundgebung der Berliner Zicnisten am 30. Oktober sowie den Text der beschlossenen Resolution veröffentlieht. Nachstehend folgt ein ausführlicherer Versammlungsbericht: Berlin, 31. Oktober. (J.T. A.) Namens der Z. V. f. D. und der B. Z. V. eröffnete Kurt Blumen f eld die Versammlung und kündigte an, daß Redner aller zionistischen Parteien zu der durch das englische Weißbuch geschaffenen Lage Stellung nehmen würden. Als erster Redner ergriff das Wort namens des Misrachi Dr. Aron Barth und gab eine Dar- Stellung der Entwicklung von der Balfour-Deklaiation bis zum Weißbuch vom Oktober 1930. Dr. Hans Bloch erklärte namens der Revisionisten, daß diese sich eins fühlen mit den übrigen Zionisten in der Empörung über den brutalen und häßlichen Verrat, der am jüdisehen Volk begangen wurde. Nicht der Zionismus, sondern ein System habe einen Zusammenbruch erlitten; hierzu werden die Revisionisten in einer besonderen Kundgebung Stellung nehmen. Für die Poale Zion sprach Dr. Oskar Cohn. Das jüdische Volk, sagte er, müsse sich zu einer anderen Politik als bisher aufraffen, aber mit Säbelrasseln und dazu noch in Worten käme man nicht weit. Als Sozialist empfinde er ein besonderes Gefühl der Trauer darüber, daß gerade von einer sozialistischen Regierung den Juden so großes Unrecht zugefügt worden sei. Die Versammlung sei nicht das Forum, vor dem über MacDonald und seine Genossen Gericht gehalten werden könne, dies werde vor der Internationale geschehen. Felix M. Warburg, der sicher nicht als Hüter sozialistischer Gesinnung angesehen werden könne, habe Paßfield mit Recht Irreführung vorgeworfen. Es sei unwürdig für einen Sozialisten wie Paßfield, sich von einem Vertreter der bürgerlichen Welt an das Marx-Wort erinnern zu lassen, daß auch in der Politik Moral und anständige Gesinnung maßgebend sein müssen. In diesem Augenblick müsse sich der Kampf der Juden aber auch gegen die Gegner in ihrer eigenen Mitte richten. Der Führer der liberalen Juden in Deutschland, Heinrich Stern, dessen Parteifreunde unserer Arbeit für die Ostjuden innerhalb der Jüdischen Gemeinde stets zähen Widerstand entgegengesetzt haben, habe plötzlich sein Herz für die Ostjuden entdeckt und spiele in einem offenen Brief an Oskar Wassermann die Hilfsarbeit für die Ostjuden gegen den Zionismus aus. Als Weizmann erklärte, Palästina solle so jüdisch werden wie England englisch, habe er vergessen hinzuzufügen, daß Palästina 2000 Jahre länger jüdisch war als England englisch. Palästina werde noch jüdisch sein, wenn von einer englischen Regierung und einem englischen Weltreich keine Rede mehr sein werde. Die jüdischen Arbeiter würden gemeinsam mit ihren arabischen Arbeitsgenoss e n das arabische Land- und Stadtkapital bekämpfen und das Land in genossenschaftlichem Geiste gemeinsam aufbauen. Jede jüdische Politik aber, die etwa Gewalt gegen Gewalt setzen wollte, werde in der jüdischen Arbeiterschaft einen entschlossenen Gegner finden. Dr. Nahum Ooldmann beleuchtete die Situation vom Standpunkt der radikalen Zionisten. Er erklärte, die Politik blinden Vertrauens zu England müsse einer neuen Politik, einer Umorientierung weichen, und der Schwerpunkt müsse auf die Verbindung mit internationalen Faktoren gelegt werden. Die einheitliche Stellungnahme des Jischuw, von den Revisionisten bis zum Brith Schalom, gegen den Legislative Council sei ein Anzeichen dafür, daß diese Umorientierung bereits eingesetzt habe. Der neuen Außenpolitik müsse «ine neue Innenpoütik entsprechen. Der Rücktritt der Exekutive dürfe nicht nur als Protest nach außen gewertet werden, sondern als Bekundung des Willens zu einem neuen System nach innen, das durch neue Kräfte, neue Gruppen, neue politische Figuren repräsentiert werden müsse. Der Zionismus werde erfolgreich sein, wenn er mit der Idee des Anspruchs auf Lösung der tausendjährigen Judenfrage vor die Völker treten werde. Der letzte Redner, Dr. Kanowitz, erklärte für die Allgemeinen Zionisten, eine Idee wie der Zionismus sei unzerstörbar und werde in jeder Stunde jüdischen Lebens neu geboren. Nicht äußere Macht, nur jüdische Mutlosigkeit und Gleichgültigkeit seien imstande, den Zionismus zu gefährden. In diesem Augenblick käme alles darauf an, die jüdischen Kräfte zu sammeln und durch eine machtvolle Organisation die Entschlossenheit des jüdischen Volkes, an seinen Idealen festzuhalten, vor aller Welt zu bekunden. Proteste seien eine gute Sache, müßten aber wirkungslos bleiben, wenn ihnen nicht die Tat folgt. Die Arbeit für Palästina müsse nunmehr vervielfacht und das Ergebnis der Schekelaktion zu einem machtvollen Ausdruck des zionistischen Willens werden. Die augenblicklichen politischen Komplikationen würden die Zionisten nicht davon abhalten, mit den Gegnern, die jetzt versuchen, ihnen in den Rücken zu fallen, abzurechnen. Unsere Gegner halten uns vor, wir wollten mit dem Kopf durch die Wand. Bei der Befreiung eines Volkes gebe es aber keine Wege hintenherum. Der Weg ins Freie müsse gesucht werden auch mit dem Kopf durch die Wand. Protestversammloog in Breslau ln Breslau fand eine Protestversammlung gegen die Palästina-Erklärung der englischen Regierung statt, die sehr stark hesuclit war. Nach einem eingehenden Referat von Dr. Elias Auerbach (Haifa) wurde einstimmig die folgende Resolution angenommen: ״Die von der Breslauer Arbeitsgemeinschaft für die Jewish Agency und der Breslauer Zionistischen Vereinigung einschließ- Schekelsammlung 5691 Laut Beschluß der Zionistischen Exekutive müssen die Schekel für 5691 in den Monaten November und Dezember eingezogen werden. Den Ortsgruppen und Vertrauensleuten gehen die neuen Schekelblocks zur Einziehung der Schekel in diesen Tagen zu. Der G. A. hat beschlossen, den Schekel 5691 als Protestschekel gegen die jetzige Palästina-Politik der englischen Regierung zu proklamieren. Jeder Schekelzahler soll sich bewußt sein, daß er durch die Zahlung seines Schekels teilnimmt an der großen Aktion des zionistischen Protestes gegen das Unrecht, das dem jüdischen Volk durch den jetzigen Kurs der englischen Regierung zugefügt wird. Ein imponierendes Ergebnis der diesjährigen Schekelaktion soll der Welt zeigen, daß die Judenheit geschlossen hinter der zionistischen Forderung auf Durchführung der Balfour-Deklaration und des Mandats, dem Geist und Wortlaut nach, steht. Wir fordern alle Ortsgruppen und Vertrauensleute dringend auf, die Sammlung sofort in die Wege zu leiten und alle auf dem Boden des Baseler Programms stehenden Juden zur sofortigen Leistung des Protestschekels heranzuziehen. Der Schekelpreis beträgt auch für 5691 wieder 1,50 M. Zionistische Verünfgung tar Deutschland Postscheckkonto: Berlin Nr. 8091. Bankkonto: Volksbank Iwria, Berlin W8, Französische Str. 8, lieh der Ortsgruppen des Misrachi, der Zionisten-Sozialisten und der Zionisten-Revisionistcn vom 29. Oktober 1930 elnberufene öffentliche Versammlung gibt auf die Erklärung der britischen Regierung über die zukünftige Palästina-Politik einstimmig folgende Antwort: Wir sind einig mit der entschlossenen Ableh* nung des englischen Standpunktes, wie sie in den Kundgebungen von Millionen Juden aus der ganzen Welt und in den Rücktrittserklärungen der Präsidenten Weizmann, Warburg und Lord Melchett zum Ausdruck gekommen ist. Die vor wenigen Wochen bekanntgegebene Absicht der britischen Regierung, ein konstruktives Programm für die Verwaltung Palästinas und für den Aufbau der Jüdischen Nationalen Heimstätte aufzustellen, haben wir begrüßt. Das jetzt veröffentlichte Programm ist aber in seinen entscheidenden Teilen, nämlich in den praktischen Vorschlagen für die nächste Zukunft, nicht eine Auslegung, sondern eine Verleugnung der im Mandatsvertrage verbrieften Anrechte des jüdischen Volkes. Wir legen besonders Verwahrung ein gegen die ungerechte Einengung unserer Rechte auf Bodenerwerb und auf Einwanderung. Wir weisen die herabsetzenden und unrichtigen Ausführungen zurück, in denen die britische Regierung das neue jüdisdie Siedlungswerk mit der älteren Kolonisation vergleicht und die sozialfortschrittlichen Methoden der jüdischen Arbeiterschaft kritisiert. Wir stellen fest, daß die britische Regierung diese kränkenden und unsachlichen Ausftih• rungen hervorgeholt hat, ohne sic zur Begründung Ihrer praktischen Richtlinien auch nur zu verwenden. Der Schritt der britischen Regierung erschüttert uns um so mehr, als wir nicht vergessen können, daß sein unmittelbarer Anlaß ein blutiger Aufruhr gewesen ist, bei dem die Juden lediglich die An gegriffenen waren, und der die gesittete Welt mit berechtigtem Abscheu erfüllt hat. Das jüdische Volk, in einer zweitausendjährigen Leidensgeschichte gewöhnt, allen Anfeindungen und Enttäuschungen zu trotzen, wird sich auch diesmal von seinem Wege nicht ab bringen lassen. Wir rufen alle Juden auf, ihre Anstrengungen für "unsere gerechte Sache zu vervielfachen. Wir richten an alle Juden den Appell, durch Einigkeit und Entschlossenheit auch diesmal wieder das Gewissen aller zivilisierten Völker für unsere Sache wachzurufen.“ Julian W. Mack Aber die neue Lage W i e n , 29. Oktober. (J. T. A.) Auf einem von den Wiener Revisionisten und Radikalen Zionisten einbertifenen Massenprotestmeeting sprach Richter Julian W. Mack, der sich gegenwärtig auf der Durchreise aus Palästina nach London in Wien aufhält, über die gegenwärtige Lage im Zionismus. Er billigte die Feststellung im revisionistischen Aufruf, daß der Kampf der Revisionisten nicht gegen das englische Volk, sondem nur gegen die englische Regierung geführt werde. Die Proteste konservativer und liberaler Staatsmänner Englands geben der Hoffnung Raum, daß das englische Volk den Rechtsbruch der Arbeiterregierung wieder gutmachen werde. Sollte aber le Judenheit eine Enttäuschung auch seitens des englischen Volkes erleben — worüber bald Klarheit herrsdien müsse — so sei sie entschlossen, sich nur auf sich selbst z u v e r i a s s e n. Sie werde ebenso wie das Judentum Palästinas unerschütterlich und fest bleiben und zweifellos auch die jetzigen Widerstände besiegen. Voraussetzung des endgültigen Erfolges sei allerdings, daß die Juden Europas und Amerikas in Opfern für den Palästina-Aufbau wetteifern. Mack gab seiner Bewunderung für die von tiefer Zionsliebe erfüllte Erklärung Warburgs gegen Passfield Ausdruck und bemerkte, vielen Zionisten fehle eine solche Zionsliebe. Auf einen Zwlschenruf: ״Auch Weizmann fehlt sie!“ erklärte Mack, er werü? in London bei der Aktions-Confitfi-Sitzung Dinge zur Sprache bringen, die in einer öffentlichen Versammlung nicht mitgeteilt werden können. Schließlich äußerte sich Mack begeistert über die ungeheuren Fortschritte der Palästina-Arbeit in den letzten Jahren und hob besonders die Entwicklung der Werke am Toten Meer hervor, wo im Laufe eines halben Jahres ein auf zwei Jahre berechnetes Programm durchgeführt werden konnte. — Es sprachen ferner Oberbaurat Stricker sowie der Revisionist Dr. Bukspann Kein Araberstreik am Ballonr-Tag Wie der Jerusalemer Korrespondent der ״Times“ berichtet, bezeichnet ״F e 1 e a t i n“ den Rücktritt der Führer der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency als die Auflösung eines unmöglichen und längst veralteten Zustandes. Die neue britische Politik in Palästina bedürfe keiner Zionistischen Organisation, da sie ea lediglich mit der palästinensischen Judensehaft und ihren Beziehungen zur internationalen Judenheit zu tun habe. Die Arabische Exekutive hatte am 28. und 29. Oktober lange Sitzungen. Es wird allgemein angenommen, daß sie den Gesetzgebenden Rat annehmen werde, falls gewisse Acnderungen in den Wahlmethoden vorgenommen werden. Als Grund für diese Bedingung wird der von den meisten Mitgliedern der Exekutive geleistete feierliche Eid angesehen, einen Gesetzgebenden Rat nicht zu akzeptieren; dieser Eid bezog sich auf den Regierungsversuch von 1923. Die Arabische Exekutive hat bisher keinen Beschluß gefaßt; sie hat zunächst eine Proklamation folgenden Wortlauts erlassen: ״Da die Arabische Exekutive systematisch ihre genaue Prüfung der Palästina-Politik der englischen Regierung mit dem Ziele der Festsetzung unserer Haltung dazu fortsetzt, halten wir es für die arabische Bevölkerung nicht für erforderlieh, ihren Protest gegen die Balfour-Deklaration durch einen Proteststreik zum Ausdruck zu bringen, wie er in den letzten Jahren am 2. November üblich war. Wir bitten daher die ehrenwerte palästinensische Nation, vom Streik abzusehen und es mit der Absendung von Telegrammen an die Regierung genug sein zu lassen, um sie darüber zu informieren, daß die Baifotir-Deklaration weiterhin verurteilt wird.“ Eine Erklärung von Dr. Magnes Wie der Jerusalemer Korrespondent der ״Times“ miltcilt, haben einige jüdische Pressekorrespondenten nach Europa und Amerika berichtet, der Kanzler der Hebräischen Universität, Dr. J. L. Magnes, habe öffentlich erklärt, er nehme die britische Regierungspolitik mit ganzem Herzen an, billige den Simpson-Bericht una erwäge die Annahme eines Sitzes im Legislative Council. Dr. Magnes hat alle diese Behauptungen als unwahr dementiert und erklärt, er gedenke, sich über die neue Politik in keiner Weise zif äußern, solange die rundlegenden Dokumente ihm nicht zurVerügung stehen. Obwohl er der Ansicht sei, daß die Regierungserklärung Unannehmbares enthalte, lehne er es doch ab, die Hysterie allgemeiner Hoffnungslosigkeit zu teilen: es sei notwendig, vorsichtig, aber mit aller Kraft einen Weg für ein Zusammenleben zu suchen und er selbst glaube auch weiterhin, daß die einzige mögliche Baste hierfür eine jüdischarabische Verständigung sei. Nach den Unruhen von 1929 war Dr. Magnes zahlreichen Angriffen von jüdischer Seite wegen seiner Schrift ״Wie alle Völker?“ ausgesetzt. In dieser Schrift wandte er sich gegen die araberfeindliche Haltung der Juden. (Wir müssen die Verantwortung für diese Nachricht dem Korresnondenten der ״Times“ überlassen. J. JL)