Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1930)
- Date
- 1930-11-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 570 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. 87, 4. XI. 1930 Briefwechsel Passfield — Weizmann (Fortsetzung von Seite 1) Wieviel Chancen bleiben da noch für jüdisehe Einw anderung übrig, wenn Erwägungen dieser Art bestimmend sein sollen, ganz besonders wenn sie kombiniert sind mit einer neuen Bodenpolitik, die ebenfalls beherrscht wird durch eine ähnliche Tendenz, jüdischen Unternehmungen und jüdischem Fortschritt Halt zu gebieten? Das Weißbuch akzeptiert vorbehaltlos die Schätzungen von Sir John Hope Simpson, die gegenüber früheren offiziellen Schätzungen die bebaubare Fläche Palästinas um mehr als ein Drittel reduzieren, und die ihn zu der Schlußfoigerung führen, daß unter den gegenwärtigen Umständen für jüdische Ansiedlung kein Ueberschußland verfügbar ist. Ich erkenne die Richtigkeit dieser Behauptungen nicht an, selbst in der Form nicht, in welcher sie in dem Bericht erscheinen, obschon sie dort von gewichtigen, erläuternden Vorbehalten begleitet sind. Artikel 6 des Mandats gibt Juden unter gewissen Bedingungen ein Prioritätsrecht auf dichte Ansiedlung auf Staats- Böden, die für öffentliche Zwecke nicht benötigt sind. Dieses Recht ist in dem folgenden Abschnitt des Weißbuches, in welchem ich die wichtigen Worte unterstreiche, beiseite geschwemmt worden: Selbst wenn die Eigentumsansprüche der Regierung aut diese Ländereien bestätigt würden, und sie sind Tn manchen Fällen bestritten, so wäre es doch nicht möglich, diese Fliehen für jüdische Ansiedlung zur Verfügung zu stellen, angesichts der Tatsache nämlich, daß sie tatsächlich von arabischen Anbauem besetzt sind, und angesichts des Umstandes, daß es wichtig ist, zusätzliches Land zu beschaffen, auf welchem die jetzt landlosen arabischen Anbauer angesiedelt werden können. Es wird hier ausgesprochen, daß alle verfügbaren Staatsländereien nicht, wie es die Vorschrift des Mandates ist, für jüdische Ansiedlung nutzbar gemacht werden, sondern, daß sie für landlose arabische Anbauer reserviert werden. Das ist aber noch nicht alles. In logischer Konsequenz wird so das allgemeine Prinzip aufgestellt, das auf alle Arten von Böden anwendbar ist, wonach jeder landlose arabische Anbauer ein Recht hat, auf dem Lande als Farmer angesiedelt zu werden, bevor Juden Boden für dichte An- Siedlung erwerben dürfen, sogar wenn er niemals Land besessen bzw. niemals Land als Folge jüdischer Siedlungstätigkeit verloren hat. Aber während das Weißbuch diesen An- Spruch anerkennt, vermeidet es sorgfältig, die Regierung an seine Befriedigung zu binden. Das revolutionäre Prinzip verfolgt keinen anderen klaren Zweck, als ein Argument zu schaffen, mit welchem den Juden aas Recht aufden Erwerb weiteren Landes bestritten werden kann. Der wichtigste Teil des Berichtes von Sir John Hope Simpson ist ein konstruktiver Plan für landwirtschaftliche Ansiedlung, der die Förderung sowohl jüdischer wie arabischer Siedlung im Auge hat, und (in viel definitiverer Form als das Weißbuch), als selbstverständlich davon ausgeht, daß die Förderung jüdischer Ansiedlung auf dem Lande eine positive und zwingende der Mandatarmacht obliegende Verpflichtung ist. Es ist mir nicht gelungen, dieses Projekt in dem Weißbuch zu entdecken. Was allein klar aus dem Weißbuch hervorgeht, ist die Absicht, jüdische Bodenkäufe für eine Periode, deren Ende nicht absehbar ist, ernstlich zu beschränken, wenn nicht XPUig zu unterbinden.; Ich habe mich lediglich mit zwei besonders wichtigen Teilen des Weißbuches beschäftigt, die jedoch ein genügender Beweis dafür sind, daß zwischen der alten und der neuen Politik der britischen Regierung in bezug auf das Jüdische Nationalheim ein Bruch besteht. Ich habe das Weißbuch wieder und wieder gelesen und habe nach einer Interpretation gesucht, die eine Basis schaffen könnte für die Fortführung jener engen Zusammenarbeit mit der britischen Regierung, die während so vieler Jahre mein Programm war. Es war für mich ganz unmöglich, eine solche Interpretation zu finden. Sie waren so freundlich, darauf hinzuweisen, daß in dem Wortlaut des Weißbuches in Verfolg von Vorstellungen, die ich gemacht hätte, Aenderungen eingetreten wären. Diese Vorstellungen waren lediglich von allgemeiner Natur und konnten sich nicht auf den Inhalt der Regierungserklärung beziehen, von der ich damals keine Kenntnis hatte. Wenn ich auf die Entwicklung der Dinge zurückblicke, so bedauere ich es mehr denn je, daß meine dringende Bitte um ein letztes Interview, die ich am Sonnabend, dem 18. Oktober machte, die Antwort erfuhr, es stünde nicht in Ihrer Macht, in dem Wortlaut der Erklärung, deren Veröffentlichung bevorstand, Aenderungen vorzunehmen. Konkrete Vorstellungen hätten nur nach Kenntnisnahme des Inhalts des Dokumentes gemacht werden können, und ich kann daher nicht zugeben, daß ich, wie Ihr Brief andeutet, tatsächlich im Vorhinein um meinen Rat befragt worden war. Indem ich von Ihrer freundlichen Erlaubnis Gebrauch mache, übergebe ich Ihr Schreiben vom 25. Oktober zusammen mit diesem Brief der Presse. Ihr ganz ergebener Chairn Weizmann. Erklärungen des Board 01 Depnties Unter dem Vorsitz von O. E. Avigdor Ooldsmid beschäftigte sich die letzte Sitzung des ״Board of Deputies“ der britischen Juden vorwiegend mit der Lage, die durch die neue Regierungserklärung über ihre künftige Palästinapolitik geschaffen worden ist. Die folgenden Resolutionen wurden nach ausführlicher Aussprache, an der sich u. a. Lord Rothschild, Charles Wally Cohen, Rabbi Dr. Deiches beteiligten, auf Vorschlag Avigdor öoldsmids, der von Morris Myer unterstützt wurde, einstimmig angenommen: Der Board ist zu tiefst überzeugt, daß die in dem Weißbuch über Palästina dargelegte Politik dem Geiste des Mandats und den im Namen Englands von den aufeinanderfolgenden britischen Regierungen gegebenen Öffentlichen Versprechungen entgegengesetzt ist und begrüßt die schriftlich und mündlich getanen Aeußerungen der führenden Staatsminner der konservativen Partei Lloyd George’s und General Smuts׳ im gleichen Sinne. Das Palästina-Komitee des Board wird ersucht, zur ehestbaldigen Behandlung durch den Board in einer Sondersitzung eine Resolution oder Resolutionen auszuarbeiten, die begründete Ein wände gegen das Weißbuch und den Simpson-Bericht enthalten sollen. Das Palästina-Komitee wird ermächtigt, alle Maßnahmen, die es für notwendig hält, zu treffen und dem Board darüber Bericht zu erstatten. Ein Brief Dr. Weizmann* an den ״Mandtesier Guardian" Im ״Manchester Guardian“ vom 29. Oktober 1930 veröffentlicht Dr. Weizmann folgenden Brief: ״In einem Brief an die ,Times‘ vom 23. 10. 1930 haben Mr. St. Baldwin, Sir Austen Chamberlain und Mr. Amery der Regierung den Vorwurf gemacht, daß sie die Anregung unbeachtet ließ, die ich am 19. September Lord Passfield machte, dahingehend, daß die Regierung eine Verständigungskonferenz von Juden und Arabern etaberufen möge. Der ,Daily Herald' (das of f i z i e 11 e Blatt der Regierungs- Partei, Red.) erklärte am nächsten Tage, daß diese gegen die Regierung gerichteten Anträge entschieden unwahr seien und daß ein Versuch, meine Anregung zu verwirklichen, sich erfolglos erwiesen hat. Daraufhin schrieb ich dem ,Daily Herald‘, daß Lord Passfield meine Anregung vom 19. September nie beantwortete. Der ,Daily Herald‘ lehnte es jedoch ab, meinen Brief zu veröffentlichen und deutete an, daß ein Versuch zur Einberufung einer Konferenz zur Verständigung zwischen uns und den Arabern zu einem früheren Zeitpunkt (d. h. vor dem 19. September) unternommen wurde. — Ich antwortete der Zeitung am 26. Oktober d. J.: Da wir zu einer solchen Konferenz nie eingeladen wurden, kann Ihre Feststellung sich nur auf irgendwelche Anerbieten beziehen, die den Arabern gemacht wurden und bei ihnen offenbar keine Zustimmung fanden. Wie immer cs sich damit verhält, wurde uns Anfang September im Kolonialamt erklärt, daß unter den Arabern gemäßigte Meinungen herrschen und daß die Regierung ihre Politik dementsprechend formuliert. In Anbetracht der neuen Situation und in dem Gefühl, daß eine einvemehmliche Lösung entschieden erwünscht ist, erneuerten wir unseren Vorschlag einer Verständigungskonferenz. Dieser Vorschlag wurde von Lord Passfield ignoriert und der Vorwurf, der ihm in dem Brief der konservativen Führer gemacht wird, ist deswegen berechtigt und wesentlich relevant. Da der ,Daily Herald‘ sich weigert, meinen Brief abzudrucken, wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie meine Erklärung publizieren würden. (gez.) Ch. Weizmann. London, 28. Oktober 1930.“ Eine Erklärung Herbert Samuels Sir Herbert Samuel hielt eine Rede bei dem vom englischen Komitee des ORT und der OSE veranstalteten Bankett, an dem als Ehrengast auch Professor Einstein teilnahm. In der Rede kam Sir Herbert Samuel auch auf P a 1 ä s t i n a zu sprechen. Er sagte: ״Ich kann diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne einige Worte einer Krise zu widmen, die viel ernster ist als irgendeine der letzten 13 Jahre und die durch die jüngste Erklärung der Regierung herbeigeführt wurde. Diese Erklärung scheint mir zu ernsten Einwendüngen Anlaß zu geben, sowohl hinsichtlich ihres Geistes als auch ihres Inhalts, ich trug in großem Maße die Verantwortung für die frühere Regierungserklärung, die im Weißbuch von 1922 gemacht wurde. Die neue Erklärung gibt vor, die Grundsätze jenes Weißbuches zu bestätigen, bringt jedoch in Wirklichkeit seine An- Wendungsmöglichkeit zum Stillstand. Das Parlament wird zweifellos baldeineDebatte Uber die ganze Frage abhalten und bis dahin behalte ich mir vor, meine Ansicht ausführlicher auszusprechen. Ich habe jedoch den Wunsch, schon aus diesem Anlaß mich vollständig dem Protest anzuschtießen, den die Herren Lloyd George, Bald win, Austen Chamberlain, Amery, Churchill und General Smuts gegen eine Politik erhoben haben, die, falls man an ihr festhält, das Aufgeben des opfervollen Werkes bedeuten muß, welches mit so großem Erfolg in Palästina geleistet wird. Ich bin überzeugt, daß sowohl in Osteuropa wie in Palästina die Ausdauer der Juden über die Schwierigkeiten triumphieren wird. Wenn die Juden in den letzten 4000 Jahren durch alle WechseifäUe durchgehalten haben, so war es, weil sie den Willen zum Durchhalten besaßen. Keine wirtschaftliche Unterdrückung, kein politisches Hindernis, kein physisches Martyrium kann diesen Willen besiegen.“ Ein Brief von Col. Wedgwood ״Ti m e s“ vom 80. Oktober• veröffentlichen die folgende Zuschrift des der Regierungspartei angehörigen Col. Josiah C. YV edgwood, der in jüdischen Kreisen als Palästinafreund bestens bekannt ist und als Mitbegründer und Propagator der ״Seventh Dominion“-Liga schon früher aktiv in die Palästina- Politik eingegriffen hat. Wedgwood schreibt: Vor ungefähr zwei Jahren war ich an der Gründung einer ״Seventh-Dominion“-Liga von Engländern und Juden beteiligt, deren Ziel die Entwicklung eines freundschaftlichen Palästina und eine gesunde Stütze lür das britische Reich war. Wir hatten guten Erfolg innerhalb des Unterhauses und außerhalb; unsere Unternehmung war aber von der Zionistischen Organisation nicht durchaus gebilligt worden. Man war dort der Meinung, daß die deutschen und amerikanischen Juden, auf deren Unterstützung die Bewegung angewiesen ist, England mißtrauisch gegenüberstehen und den Verdacht haben werden, daß hier der Pferdefuß des Imperialismus sichtbar werde. Ich war nicht der Meinung, daß die amerikanischen Juden England unfreundlich gegenübersteben; offenbar aber ist diese Zeit nun vorbei, und die Liga und die Freundschaft tot. Es scheint unglaublich, daß es mittelalterlichen Rasse- Vorurteilen gestattet werden soll, unsere Chance in Palästina zu vernichten, und die Weltjudenheit zu Feinden zu machen und unseren guten Ruf für ehrenhafte Handlungsweise zu beflecken. Wird die Regierung ihre Politik nicht ändern, was wird dann als nächstes geschehen? Die Juden werden die neue Verf&ssung und die Palästina-Regierung boykottieren. Bisher fand das palästinensische Budget seinen Ausgleich in der jüdischen Einfuhr von Arbeitskraft und Kapital. Es wird in Zukunft nicht das Gleichgewicht erhalten können; den Fehlbetrag wird entweder der britische Steuerzahler einzubringen haben oder eine Einkommensteuer wird die Regierung bei Juden und Arabern und selbst — wie in Kenya und Ceylon — beim Verwaltung«- dienst noch unbeliebter machen. Die Jewish Agency wird es aufgeben, in Jerusalem und,Whitchall (London) Gerechtigkeit zu fordern — was bisher schon für sie immer etwas neinliH» und erniedrigend war. Statt dessen haben sie die Presse der englisch sprechenden Länder, in der sie die Ungerechtigkeiten zur Darstellung bringen können, um dann alles für die jährliehe Sitzung der Mandatskommission zusammenzufassen. Sie können ferner jedes Jahr in Genf auf die Uebertragung des Mandates an eine andere Macht drängen. Holland als die am wenigsten antisemitische Macht springt in die Augen; andere Mächte können aber williger sein, wenn England dazu gebracht werden kann, das Mandat aufzugeben. Nun sind die selben Menschen, die die gegenwärtigen Schwierigkeiten hervorgebracht haben, aber selbst dafür entschlossen, daß England Palästina nicht aufgeben solle. Sie wollen das Mandat nicht aufgeben — ihre Version des Mandates. Mit welchen Schwierigkeiten aber wird unsere Arbeit in Palästina jetzt verbunden sein — ohne Freund, ohne Prestige, ohne Wohlwollen und Respekt? Mögen diejenigen, die diese Mär aufgebracht haben, doch nicht argumentieren, daß keine andere Macht für die Stationierung und Besoldung einer Armee zum Schutze der Juden in Palästina sorgen würde. Andere Nalionen — und die Juden — wissen ganz gut, daß die jüdischen Siedler fähig und bereit sind, sieh selbst zu verteidigen, wenn sie nur die Verteidigungsmittel haben dürften, die anderen Siedlern in wüstem Land zur Verfügung stehen. Nicht eine bloße Aenderung im Weißbuch, sondern eine Aenderung im ganzen Geist der Verwaltung wäre jetzt nötig, um eine Kalamitftt zu verhüten. Ich muß dies schreiben, weil Krankheit mich daran hindern wird, im Parlament zu reden. Der Worflant von Uoyd Georges Pariamenterede Lloyd George hat, wie bereits berichtet, in der Eröffnungsdebatte des englischen Unterhauses in seiner großen Rede auch aut die neue Palästina-Politik der Labour-Regierung Bezug genommen und eine volle parlamentarische Debatte über die Palästinafrage gefordert. Im folgenden geben wir, dem Bericht der ״Times“ folgend, den vollen Wortlaut des betreffenden Teils der Rede von Lloyd George wieder, (es ist der Anfang des politischen Teils der Rede): Was die Thronrede angeht, so ist es klar, daß die Pa- Iästinafrage im Unterhaus debattiert werden muß. Es gibt vieles, was da geklärt werden muß. Der Ministerpräsident hat gesagt, daß von der bisherigen Politik nicht abgewichen worden sei. Wenn dem so wäre, dann wäre es doch sehr merkwürdig, daß die ganze Weltjudenheit anderer Ansicht ist. Die verantwortlichen Männer jener großartigen Bewegung — einer der bemerkenswertesten Bewegung der modernen Zeit — für die Besiedlung von Teilen Palästinas, der Führer der Opposition, der frühere Außenminister (Sir Austen Chamberlain), der frühere Kolonialminister (A m e r y) und ein solcher Mann wie General Smuts, der allen unseren Parteikontroversen vollständig ferne steht, alle diese haben die Meinung, daß in sehr ernsthafter Weise von der bisherigen Politik abgew ichen worden ist. Ich weiß nicht, ob sich die Regierung selbst dessen bewußt ist, daß ihre Politik gewisse Bindungen gegenüber den Arabern beinhaltet, und ich weiß nicht, wie sie vorbereitet ist, diesen Bindungen zu entsprechen. Sollte etwa daran gedacht werden, daß wir die Entwicklung Palästinas vermittels des arabischen Bevölkerungsüberschusses finanziell unterstützen sollen, — wie soll das hierzu nötige Geld aufgebracht werden? Welche Summen können auf Grund des Kredites, den Palästina genießt, aufgebracht werden? Wie steht es um diesen Kredit, und sollen wir ihn garantieren? Diese Politik hat mannigfaltige Konsequenzen, von denen ich schwerlich annehmen kann, daß die Regierung sie alle durchdacht hat, bevor sie sich tri ihre , Erklärung gebunden hat. Es ist klar, daß sie nicht So belassen werden feänn wie sie ist, daß sie zum Gegenstand internationaler Besprechungen gemacht werden muß und daß dem Unterhause die volle Mög- Iichkeit einer Debatte gegeben werden muß. Die Laboor Party and das Weißbuch London, 30. Oktober. (J. T. A.) Die Reichsexekutive der britischen Arbeiterpartei befaßte sich in einer am 28. Oktober abgehaltenen Sitzung mit der Lage in Palast in a im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des neuen Weißbuchs und beschloß, in dieser Sache beim Minister- Präsidenten Ramsay MacDonald vorstellig zu werden. Es wurde eine Kommission gewählt, die unter dem Vorsitz von Stanley Hirst steht und die Aufgabe hat, das von der Poale Zion übergebene Material und die anderen eingebrachten Resolutionen zu prüfen. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß im Hinblick au! die in Arbeiterkreisen und unter den Arbeiterdeputierten, die sich für die Förderung des Jüdischen Nationalheims verbürgt haben, bestehende Unzufriedenheit mit der Regierungserklärung die baldmöglichste Einleitung entsprechender Schritte erwünscht erscheine. * London, 31. Oktober. (J.T. A.) Am 29. Oktober hielt der Parlamentsklub der britischen Arbeiterpartei seine erste Sitzung in dieser Session ab. Den Hauptpunkt der Tagesordrung bildete die Frage der englischen Regierungserklärung über die Palästina-Politik. Kolonienminister Lord Passf i e 1 d führte in längerer Rede aus, daß seiner Meinung nach die durch die Veröffentlichung des Weißbuchs ausgelöste Erregung durchaus auf mißverständliche Auffassung zurückzuführensei. Es bestehe keinerlei Absicht seitens der Regierung, von der von den vorhergehenden Regierungen befolgten Palästina-Politik abzuweichen. Es verlautet, daß trotz dieser Erklärungen Lord Passfields viele Reden, besonders .solche von Abgeordneten aus Kreisen mit starker jüdischer Wählerschaft, auf einen scharfen kritischen Ton abgestimmt waren. Dr. Weizmann an die jßdischen Frauen London, 27. Oktober. (J. T. A.) Dr. W e i z m a n n erläßt den folgenden Aufruf an die jüdischen Frauen: ״Ich habe den jüdischen Frauen in Palästina und in der Diaspora folgende Worte zu sagen: Arbeitet mit verdoppelten Kräften weiter! Pflanzet unser nationales Ideal in das Herz aller jüdischen Frauen in der ganzen Welt! Setzet Eure erzieherische und praktische Arbeit in Erez-Israel fort! Stehet mit Eurem ganzen Mitgefühl, Eurem ganzen Verständnis und anfeuernd Euren Männern zur Seite! Die Geduld und der unerschütterllche Glaube der jüdischen Frauen möge Euch über den bitteren Augenblick hinweghelten. Gebet Eurer Zuversicht neue Nahrung! Bedenket, daß die augenblicklich herrsehende britische Regierung nicht gleichbedeutend ist mit der Stimme des gesamten britisehen Volkes, und daß Regierungen nicht nur kommen, sondern auch gehen! Es hat sich bereits klar gezeigt, daß zuverlässige Freunde und Mitarbeiter aus den Kreisen der Männer, aie bei der Schaffung der Balfour-Deklaration mitgeholfen haben, daß Männer der Regierung uns in unserem Bestreben, die Balfour-Dcklaration zur Tat und Wahrheit werden zu lassen, helfend und ermutigend zur Seite stehen, einem Bestreben, das nicht erlahmen wird, solange noch ein Tropfen Blut in unseren Herzen istl“