Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 86 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 564 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 86, 31. X. 1030 Aus den Gemeinden Wahlen in Berlin Trotzdem die Liberalen schon am 24. Oktober ihre Kandidatenliste für die Repräscntantcnwahlen am 30. November dieses Jahres dem Wahlkommissar überreicht hatten, setzten die anderen Parteien, Jüdische Volkspartei, Mittelpartei und Konservative, ihre Bemühungen fort, um einen Wahlkampf zu vermeiden. Man machte den Liberalen den Vorschlag, die Legislaturperiode der Repräsentantenversamrnlung bis zum Frühjahr 1932 auszudehnen (d. 11. man schlug vor, daß die Legislaturperiode nicht um zwei Jahre verkürzt werde, wie es bei Wahlen am 30. November 1930 gemäß einem seinerzeitigen Abkommen geschieht) und die Wahlen in den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden um ein hal• bes Jahr zu verschieben. Diesen Vorschlag lehnten jedoch die Liberalen ab und bewiesen dadurch, daß sie eigentlich seit jeher gewillt waren, trotzdem sie Friedenserklärungen abgaben und Verhandlungen führten, einen Wahlkampf zu entfesseln. Aus welchen Gründen die Liberalen das tun, ist leicht zu erraten. Sie gehen arische!- nend von der durchaus falscher! Voraussetzung aus, daß die letzten Ereignisse in Palästina und in der zionistischen Welt die Schlagkraft der Zionisten, die in der Jüdischen Volkspartei führend sind, vermindert haben. Sie haben dabei nicht an den Ausspruch gedacht, daß glühendes Eisen durch einen kalten *Wasserstrahl zu Stahl wird. Die Ereignisse in Palästina, die letzten Erklärungen der englischen Regierung, die Verschärfung der jüdischen Situation in der ganzen Welt haben im Gegenteil die Entschlossenheit der nationalen Juden gestärkt, ihren Kampfwillen erhöht und ihre Entschiedenheit gefestigt. Wir wiederholen, was wir schon mehrmals erklärt haben: trotz der momentan ungünstigen politischen Konstellation für den Zionismus haben wir die tiefe Ueberzeugung, daß unsere, die zionistische, Diagnose der jüdischen Situation durch die Entwicklung der letzten Jahre bewahrheitet wurde. Wir glauben, daß unsere Prognosen in jüdischen Angelegenheiten richtig sind. Dieses Bewußtsein gibt uns die innere Sicherheit, die Führung im jüdischen Leben überall anzustreben, denn wir fühlen uns im Einklang mit den Entwicklungsteadenzen in der jüdischen und der allgemeinen Welt. Die Liberalen sind in ihrem Kampfeifer offenbar auch von ihrem radikalen Flügel bestärkt worden, der es ungern gesehen hat, daß der politische jüdische Liberalismus in den letzten Jahren eine Wandlung zum Verständnis der jüdischen Wiedergeburtsbewegung zu machen schien. Diese radikalen liberalen Elemente wollen eine Rückkehr in jüdische Vorstellungen, wie sie vor Jahrzehnten in Deutschland allein vorherrschend waren und die durch die Entwicklung längst überholt sind. Es verlautet, daß auch die nationaldeutschen Juden mit einer eigenen liste, einer deutsch-jüdischen Liste, auf den Plan treten wollen. Ursprünglich war für diese Liste Amtsgerichtsrat Professor Dr. Heil fron als Spitzenkandidat ausersehen. Inzwischen scheint aber diese Kandidatur nicht mehr aktuell zu sein. (Uebrigens hat auch die liberale Vereinigung nationaldeutsche Herren hi ihrer Mitte, wie z. B» San .־Rat Peisei', der ja liberaler Mandatar Im Landesverbände jüdischer Gemeinden ist.) Diese deutschjüdische Liste wird zweifellos einen Teil von Wählern, die sonst bd den Liberalen Zuflucht gesucht laben, auf sich vereinigen. :Die naüonaldeutschen ׳ Juden'; «tit' ihrer־, ,ie^ch-jüdischen* Uste sind eigentlich der offenherzigere Ausdruck von Tendenzen, die weit in die Reihen der liberalen Vereinigung reichen. Max Naumann schrieb in der letzten Nummer seiner Vereinsmittdlungen ganz ungeschminkt von ״Halbasiaten״, womit er die Ostjuden meint. Die Liberalen sind einer derartigen rohen Dummhdt nicht fällig. Sie entdecken vielmehr immer vor Wahlen Ihn Herz für die armen, notleidenden Brüder im Osten. Heinrich Stern fordert (s. an einer anderen Stelle der vorliegenden Nummer) Dir. Oscar Wassermann auf, sich an die Spitze von Aktionen für die Ostjuden zu stellen. Eine derartige Aufforderung — sie ist sicherlich ernst gemeint —. macht sich jetzt vor den Wahlen sehr gut Andere Liberale sind seit einiger Zeit die wärmsten Freunde von ״Ort“, ״Ose“, ״Emigdirect“ usw. Dabei tun diese Herren so, als ob sie Amerika entdeckt hätten. Alle ostjüdischen Institutionen haben seit jeher die allerstärkste Förderung, sehr viele von ihnen ihr Entstehen, den Zionisten zu verdanken. In der Berliner Jüdischen Gemeinde waren es die Volksparteiler, die mit stärkstem Nachdruck den Grundsatz betonten, daß es Pflicht der großen Berliner Jüdischen Gemeinde sei, die Zwecke der genannten Institutionen moralisch und materiell zu fördern. Oft mußte man hierbei offenen oder verstecktem liberalen Widerstand überwinden. Vor den Wahlen aber sind die Liberalen d i e Freunde der Ostjuden. Wir freuen uns über diese Wandlung, möge sie auch zum Teiffe im Hinblick auf die Wahlen erfolgt sein. Da der Wahlkampf unvermeidlich ist, hat die Jüdische Volkspartei auch ihre Kandidatenlisten für die Repräsentanten- Versammlung und den Landesverband aufgestellt. Spitzenkandidaten der Gemeindeliste sind: R.-A. Klee, Dir. Georg Kareski, Prof. Dr. Heinrich Loewe und Ministerialrat Hans Goslar. Spitzenkandidaten der Liste für den Landesverband sind: R.-A. Klee, Dir. Kareski, Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt und Kurt Blumenf eld, Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Die angeführten Namen entheben einen der Notwendigkeit, ausführlich über das Programm zu sprechen, auf Grand dessen die Jüdische Volkspartei in den Wahlkampf tritt. Wir werden diese Wahl mit der alle r groß t e n Entschiedenheit betreiben. Wir sind gut ausgerüstet, voller Zuversicht, verfügen über gute Argumente und können auf Leistungen hinweisen, die die Struktur und das Bewußtsein der deutschen Judenheit in den letzten Jahren gründlich gewandelt haben. Wahl bedeutet für uns nicht Wahlkampf. Wir empfinden aber die Bedeutsamkeit des gegenwärtigen Augen- Micks als außerordentlich für die weitere Entwicklung des gesamten jüdischen Volksgeschickes und auch des Schicksals der in Deutschland lebenden Juden. Mit allen Kräften werden wir dieser historischen jüdischen Forderung gerecht zu werden versuchen. s. n. ♦ Zu den Wahlen für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden. Der Vorsitzende des Synagogen-Gemeindeverbandes hatte die Vertreter der dem Preußischen Landesverband angeschlossenen Gemeinden aus der Provinz Sachsen zu einer Besprechung über die Aufstellung der Kandidaten für den Verbanastag des Preußischen Landesverbandes zum 12. Oktober nach Magdebürg cingcladen. Auf die Provinz Sachsen fallen zwei Mandate. Die bisherigen Vertreter waren Sanitätsrat Dr. Frank e n s t e i n, Magdeburg, für die Liberale Partei, und Rechtsanwalt Dr. Fellxbrodt, Halle a. d. S., für die Jüdische Volkspartei. Es wurde beschlossen, einen Wahlkampf zu »ermeiden und sich auf den bisherigen Status zu einigen. An Stelle von S.-R. Dr. Frankenstein, der die Wiederwahl ablehnte, wurde von liberaler Seite Rechtsanwalt Dr. Merzbach, Magdeburg, aufgestellt. Von Seiten der Volkspartei wurde wieder R.-A. Dr. Fellxbrodt, Halle a.d.S., genannt. Als Vertreter für Dr. Merzbach wurden genannt Mainzer, Halle a.d.S., und Pinthus, Erfurt; für Dr. Felixbrodt Walter Heinemann, Magdeburg; ein zweiter Vertreter soll von der Volkspartei noch bekanntgegeben werden. freie Jüälscne VolKshochschule Am Sonntag, dem 2. November 19S0, vormittags tl1/* Uhr, spricht in der Kaiser-Friedrichschule, Knesebedcstr. 24, im Rahmen des Zyklus Jüdische Tagesfragen Kurt Blumenfeld über ״Tagesfragen zionistischer Politik“ Das neue Weifjbnch — Die Lage in PaMsifna Jaden a. Araber — Weltjadenhu», Jewish Agency, Palästina - Aufbau — Die deutsche Judenfrage Einzelkarte M. 0.50 Thomas Mann Aber Palästina Die Wiener ״Neue Freie Presse“ veröffentlicht am 26. Okt. ein interview Raffael da C o s t a s mit Thomas Mann, Während der Unterredung äußerte sich Thomas Mann auch ausführlich über seine Eindrücke aus Palästina. Er sagte u.a.: Mein Besuch in Palästina sollte eigentlich eine Studienreise für mein neues Buch ״Joseph und seine Brüder“ werden, das dort und ln Aegypten spielt Nun wurden wir — meine Frau und ich — bald nach unserer Ankunft krank und hatten Mühe, In der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, die Haupt- Sachen zu sehen. Es war also nicht viel, aber was wir sahen, war alles ln höchstem Grade merkwürdig. Ganz abgesehen von dem starken Erlebnis, jene uralten Stätten leibhaftig vor Augen zu haben, die seit frühester Kindheit als etwas Märchenhaftes und fast Jenseitiges in mir eine Rolle spielten (der Anblick der großartigen Oede des Toten Meeres erschütterte mich), war auch das Wenige, was ich an zionistischen Kolonien und Siedlangen besichtigen tonnte, interessant und aufschlußreich. Am merkwürdigsten ist wohl Tel-Awiw. Steilen Sie sich eine Stadt von 45 000 Einwohnern vor, von denen 44 500 Juden sind, eine Stadt, in deren schönen Straßfn europäische Technik und ein gelungener Ansatz zu einem eigenen jüdischen Stil zu finden ist, in der der Polizist, der Chauffeur und der Bürgermeister, der Schriftsteller und der Straßenkehrer Juden sind, Juden, die ausschließlich Hebräisch sprechen und schreiben, die Sport treiben und in ihre hebräische Oper gehen. Diese Stadt, vor zwanzig Jahren noch eine leere Sanddüne am Meer, stellt heute eine glückliche Verbindung von alttestamentarischen und modernetn Geist dar. Denselben Eindruck hatte ich von den Siedlungen im Lande, deren Kolonisten — ״Chaluzhn“, Pioniere, geheißen — in schwerster körperlicher Arbeit und außerordentlichem Idealismus am Werke sind, den harten Boden fruchtbar zu machen und die Fähigkeit des Juden zum Bauerntum unter Beweis zu stellen. Was die inneren und äußeren Schwierigkeiten des Zionismus betrifft, so scheint mir zunächst der wachsende Radikalismus der jüdischen Jugend als eine Art von Torschluß angst erklärlich. Seit der Araberrevolte 1m vergangenen Jahre und der Einwanderungssperre sehen die jungen Leute die Aussichten auf Milderung der allgemeinen Judennot durch breitere Einwanderung nach Palästina schwinden und Stück für Stück ihrer Hoffnungen zunichte werden. Aus dieser Angst entspringt eine etwas forderte Form nationaler Betätigungssucht, die sehr viel Aehnlichkeit mit den deutschen Verhältnissen hat. Ueberhaupt stellte ich schon oft eine starke Verwandtschaft zwischen luden und Deutschen fest. Beide Völker sind politisch unreif, beide reagieren stark, beide sind romantisch und materialistisch zugleich. Die Aussichten des Zionismus für die Zukunft beurteile ich trotz allem günstig. Ich betrachte das Gelingen dieses Experiments als eine kulturelle Notwendigkeit für beide Teile, Juden und Ntehtjuden. Kleine Nacbrldilen Einstein besuchte während seines Londoner Aufenthaltes das Zentralbüro der Zionistischen Organisation, wo er von Dr. Weizmann, der Exekutive und dem Büro empfangen wurde. Es wurden Ansprachen gewechselt. Weizmann erklärte, es sei in diesen schweren Tagen ein Trost, den berühmten Freund des Palästinaaufbaus im Zentralbüro der Zionistischen Organisation zu sehen. Die Regierung beabsichtigt in Ausführung der Erapfehlungen des Shaw-Berichtes ein neues Presse-Gesetz zu erlassen. Der Entwurf des neuen Gesetzes soll demnächst veröffentlicht werden. Seine Tendenz geht dahin, die Vera ntwortung der Redakteure zu erhöhen und der Regierung größere Möglichkeiten zum Einschreiten gegen Organe zu geben, die durch Hetzartikel den Frieden des Landes stören. Ein englischer Beamter soll demnächst in Palästina speziell zu dem Zwecke dntreffen, ein Presse-Büro bei der Regierung zu organisieren. Nach einer Mitteilung der arabischen Presse beab* sichtigt die Regierung, die geistlichen mohammedanischen Gerichte aus der Kompetenz des Obersten Mos- Ionischen Rates herauszunehmen und sie dem Gerichtsdepartment der Regierung, dem auch die anderen Zivilgerichte unterstehen, zu unterstellen. Die Durchführung dieses Schrittes würde von politischer Bedeutun g sein, da mit der Einschränkung der gerichtlichen Machtbefugnisse des Obersten Moslemischen Rates auch seine politische Bedeutung reduziert werden würde. In Wien verstarb der bekannte Kanzelredner Rabbiner Dr. Armin A b e 1 e s. Dr. Abeies wirkte zuletzt an den Gemeinde- Synagogen im III. und X. Bezirk, Ein Brief Heinrich Sterns R.-A. Heinrich Stern, der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum, richtete im Wege der J.T. A. an Direktor Oscar Wassermann im Zusammenhang mit dessen Erklärungen zur Palästinapolitik in der vorigen Woche einen ״Offenen Brief“, in welchem er sich zunächst darüber beschwert, daß Dir. Wassermann in seiner Erklärung im Namen ״der Juden“ schlechthin gesprochen habe, ohne daran zu denken, daß dadurch der ״Zwiespalt in den jüdischen Reihen verschärft werde“. Ferner erklärt sich Stern mit der Feststellung des englischen Weißbuches einverstanden, daß Palästina e i n und nicht das Zentrum des jüdischen Volkes werden solle. Schließlich meint Stern, da nunmehr durch die letzte Regierungserklärung die zionistischen Hoffnungen zerstört seien, da im besten Falle nach den Behauptungen des Simpson-Beriehtes nur noch HDOCO Menschen in Palästina angesiedelt werden können, möge sich Wassermann an die Spitze von Aktionen stellen, die sich um das Schicksal der 8 Miltionen notleidender Ostjuden kümmern. Er schließt mit den Worten: ״Stellen Sie sich an die Spitze dieser großen Oemeinschaftsarbeit, eines wahren wirksamen weitschauenden Aufbauwerkes und dann werden Sie gewiß sein dürfen, für alle Juden zu sprechen und zu handeln. Folgen Sie dem Rufe der Stunde, damit auch für die jetzt Enttäuschten und Bestürzten unter unseren Brüdern der großartige Ruf jüdischen Höffens und Ausharrens sich durchsetze: ״Garn sul letauwoh“. Wie wir erfahren, wird Oscar Wassermann auf dieses offene Schreiben antworten. , Nach dem ״Vorwärts“, Berlin, hat eine außerordentliehe Parteikonferenz der Histadruth in Jerusalem am 28. d. M. formell beschlossen, den Legislative Council zu boykottieren und die neue PalästinapoHtik der englischen Reierung zu verwerfen. Nach einer Depesche des ״News Chronicle“ vom 28. Oktober wird der körperliche Zusammenbruch Stephen Wises, der in einem Hotel von Coney Island in der Nähe New Yorks schwer erkrankte, in Zusammenhang mit seiner Aufregung über die politischen Erklärungen der englischen Regierung gebracht. Nach einer Pressemeldung aus B e i r u t ist dort eine Delegation von 36 englischen Ingenieuren zum Studium des Bahn- Projektes Bagdad—H aif a eingetroffen. Die Delegation wird sich nach dem Irak begeben. Die Arbeiten an der Bahnlinie selbst sollen nach Aussagen der Ingenieure im Oktober 1931 beginnen. Der Wert des Imports nach Palästina betrug im Juni 1930 492 332 Pfund gegenüber 480 675 Pfund im gleichen Monat des Vorjahres. Der wert des Exportes 138 679 Pfund gegenüber 83 785 Pfund im gleichen Monat des Vorjahres. Die Steigerung beim Export ist in erster Linie auf die Zunahme der Ausfuhr von Wassermelonen zurückzuführen. Nach Schluß der Redaktion Die Exekutive zom Ballour-Taß Anläßlich des dreizehnten Jahrestages der Balloiir-Deklaration erläßt die Exekutive einen Aufruf, den wir in der nächsten Nummer veröffentlichen «!erden. In diesem Aufruf wird ungeachtet der letzten Regierungserklärung die Fortsetzung der Arbeit für den Keren Kajemeth, den Keröt Hajessod und ln der Vorbereitung der Menschen für Erez-Israel gefordert. Mit scharfen Worten werden die Behauptungen des Weißbuches zurückgewiesen. Dfe Stärkung der Organisation und die Vorbereitung eines machtvollen Kongresses sind die Gebote der Stunde. Die zionistische Antwort Unter dieser Parole beriefen die Z. V. f. D. und die Berliner Zionistische Vereinigung für den 30. Oktober in die Berliner Stadthalle als Kundgebung anläßlich der Erklärung der englischen Regierung zur Palästinapolitik eine Versammlung ein. Tausende Juden folgten dem Rufe. Die StadthaUe war dermaßen Uberfüllt, daß Tausende von Einlaßbegehrenden abgewiesen werden mußten■ Ein Teil der draußen Harrenden formierte sich zu Gruppen und versammelte sich ln einer Parallel-Kundgebung In Haberlands FestsIIen. Als Redner traten Vertreter aller zlonistlschenParteien auf. Besonders auffallend waren der Andrang und das brennende Interesse der Jugend. Den Vorsitz führte Kurt Blum e n f e 1 d. Als erster Redner gab Dr. Aron Barth (Misrachi) einen Ueberblick über die Geschichte der Balfour-Deklaration und des PalMstinamandates bis zu dem zuletzt am 20. Oktober d. J. veröffentlichten neuen Weißbuch der britischen Regierung. Hierauf sprachen Dr. Hans Bloch (Revisionist), Dr. Oscar Cohn (Poale Zion), Dr. Nahum Gold mann (Radikaler), Dr. Siegfried Kanowitz (Allgemeine Zionisten) und zum Schluß Kurt BI u m e n f e I d, der nachstehende Resolution vorschlug, die einstimmig angenommen wurde: ״Die in der Berliner Stadthalle tagende Versammlung von mehreren tausend Juden, umgeben von weiteren tausenden Juden, vorwiegend jugendlichen Alters, die keinen Einlaß fanden, entbietet nach Anhörung von Rednern aller zionistischen Richtungen dem Waad Leumi brüderlichen Gruß. Die Versammlung versichert den JIschuw seiner werktätigen Sympathie und Solidarität und gelobt, den Kampf für das international garantierte Jüdische Nationalheim mit aller Kraft zu fuhren, damit Baifour-Deklaratlon und Palästinamandat dem Geiste und Worte nach verwirklicht werden.“ Die Versammlung nahm einen großartigen Verlauf. Mit der Absingung der Hatikwah wurde sie nach zweistündiger Dauer geschlossen. Einen ausführlichen Bericht über die einzelnen Reden werden wir fn der nächsten Nummer veröffenfliehen. * In einer großen öffentlichen Versammlung der Frankfurter Zionistischen Vereinigung am 27. Oktober, in der Kurt Blum enf eld über das Thema ״Zionistische Antwort, deutsche Judenfrage, Weltjudentum und Palästina-Aufbau nach der engfischen Regierungserklärung“ sprach, wurde einstimmig beschlossen, nachstehendes Telegramm an den Waad Leumi abzusenden: ״ln tiefer Empörung über den Versuch der englischen Regierung, den Aufbau der Jüdischen Heimstätte zu hemmen und die Entwicklungsmöglichkeit zu beschränken, entbietet die von der Frankfurter Zionistischen Vereinigung einberufene große jüdische Versammlung der jüdischen Bevölkerung Palästinas in dieser Stunde brüderliche Grüße und erneuert das Gelöbnis treuer und tatkräftiger Unterstützung.“