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Jüdische Rundschau · 1930-10-31 · Heft 86 (31.10.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 86 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 80, 31. X. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 563 Pressestimmen ״Sunday Times“ berichten, daß in einer privaten zionistischen Zusammenkunft in London 5000 Pfund gezeichnet worden sind, die nach Palästina überwiesen werden sollen, um den jüdischen Siedlern in Palästina zu verdeutliehen, daß man sie infolge der Unzufriedenheit mit der Regierungserklärung nicht im Stiche lassen wird.“ In der gleichen Nummer von ״Sunday Times“ erscheint unter dem Titel ״Angio-zionistische Krise“ ein scharf gegen die neue Regierungserklärung gerichteter Artikel, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Balfour- Deklaration die offizielle Besiegelung der seit dem 10. Jahrhundert schon vorhandenen Sympathien Englands für die jüdische Renaissance dargestellt’ habe. Daß dieses Verhältnis der Sympathie jetzt in einer schweren Gefahr schwebt, sollte das öffentliche Bewußtsein alarmieren. Es sei nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß die Judenheit, die dem englischen Worte vertraut habe und sich nun verraten sehe, durch seine internationalen Beziehungen alle die Schwierigkeiten in neuer und schwererer Form bereiten könnte, die England durch die irische Frage erfahren hat, falls es nicht noch gelingt, den Bruch zu heilen. Im weiteren Verlaut des Aufsatzes werden die Verdienste Dr, Weizmanns gewürdigt und Lord Passfield vorgeworfen, daß es ihm an jedem Sinn für politische Psychologie mangele. In der liberalen Tages/eituitg ״News Chronicle“ nimmt Wilson Harris Stellung zu dem Protestbrief Lord Melchetts, den wir bereits in der ״Jüdischen Rundschau“ wiedergegeben haben. Harris erklärt, er sei in Genf bei den Erklärungen Hendersons im Völkerbundsrat anwesend gewesen und könne nur sagen, daß Lord Melchetts Darstellung über den angeblich England erteilten Tadel eine groteske Entstellung der Tatsachen darstelle. Der Verfasser würdigt durchaus die jüdischen Leistungen in Palästina. Wären nur keine Araber im Lande, so schreibt er, dann wäre die jüdische Immigration ein wahrhafter Segen für das Land. Aber es sind Araber dort, und sie heißen die Juden keineswegs willkommen. Die britische Regierung aber hat ihnen gegenüber genau so eine Verpflichtung wie gegenüber den Juden. Dr. Weizmanns Vorwurf, die Regierung wolle das jüdische Nationalheim in seinem heutigen Stadium erstarren lassen, wäre nur dann richtig, wenn die Regierung beabsichtigte, die Einwan־ derung endgültig zu sperren, was aber offenbar nicht der Fall ist. Was Melchett den ״furchtbaren Tadel“ der Mandatskommission nennt, lautet in Wirklichkeit folgendermaßen: ״Die Politik der Mandatarmacht könnte gerechterweise keiner Kritik ausgesetzt sein, wenn sie nicht darauf abzielte, das Jüdische Nationalheim in seinem gegenwärtigen Stadium erstarren zu lassen oder die öffentlichen Institutionen Palästinas in ihrer heutigen Form zu stabilisieren. Wenn man aber die Politik an den Handlungen, in welchen sie täglich Ausdruck findet, sowie an den erreichten Resultaten beurteilt, dann ver• dient sie keinen derartigen Vorwurf.“ Wie ich das Weißbuch lese — schließt Harris — ist dies genau die Politik, welche weiter verfolgt wird, mit den notwendigen Anpassungen an die momentane Situation. Der Pariser ״Matin“vom 25. Oktober veröffentlicht ein Interview seines Berliner Korrespondenten mit Dr. Georg Landauer, Mitglied der Politischen Kommission der Jewksn Agency. Dr. Landauer erklärt, daß die deutschen Zionisten sich besonders für die Ereignisse in Palästina interessieren, denn sie tragen im großen Maße zu dem *Wachstum des Palästina- Werkes bei. Die deutschen Zionisten betrachten die Haltung der britischen Regierung gegenüber dem feierlich versprochenen Jüdischen Nationalheim als verräterisch. Das Interview nimmt auch bezug auf die in der Presse erschienene Erklärung Dir. Oscar Wassermanns und hebt hervor, daß trotz den Behauptungen des Simpson-Berichtes und des neuen Weißbuches Palästina noch hunderttausende jüdische Immigranten aufnehmen kann, wenn man den Juden nur «Be Möglichkeit gibt, die Aufnahmefähigkeit des Landes zu vergrößern. Der Londoner Korrespondent des Ullstein-Hauses, W. H. Edwards, berichtet in der ״Berliner Morgenpost“ vom 29. Oktober über die Eröffnung der Unterhaussession und schreibt u. a. folgendes: ״Die indischen Nationalisten haben jede Mitwirkung an der englisch-indischen Konferenz verweigert. Die indische Konferenz wird sich jetzt zwischen englischen Parteiführern, einigen Maharadschas, einigen indischen Millionären und von der indischen Regierung nach London entsandten höheren indischen Beamten abspielen. Um auf der indischen Konferenz wenigstens an einem Bestandteil des indischen Volkes, den Mohammedanern, einen moralischen Rückhalt zu haben, hat MacDonald die von England in der Balfour-Deklaration feierlich verbrieften Versprechungen an die Judenheit der ganzen Welt zugunsten der Araber gebrochen. Die Siedlungsarbeit in Palästina ist eingestellt. Die von den Juden geforderte Konferenz mit den Arabern unter englischem Vorsitz ist abgelehnt, und diese beiden Palästina bewohnenden Völker lehnen einmütig die Teilnahme an den Wahlen zu der von England gewährten gesetzgebenden Ver- Sammlung ab. Dieser Wortbruch MacDonalds hat die konservativen Führer Baldwin und Chamberlain veranlaßt, der Regierung in der ״Times“ vorzuwerfen, daß sie ״das wertvollste moralische Guthaben der englischen Außenpolitik“, den Glauben an Englands Vertragstreue, verspiele. ln der Regierungserklärung über Palästina hat sich die Regierung voraussichtlich selbst ihr Grab gegraben. Die Konservativen werden die Palästina-Deklaration Anfang November zum Gegenstand eines Mißtrauensvotums machen, für das die Liberalen werden stimmen müssen, die in ihren Reihen so bekannte Zionistenführer wie'*Lord Reading, Sir Herbert Samuel und den jüngeren Rothschild (Neffe jenes Lord Rothschild, dem Balfour 1917 in einem Briefe die Errichtung der nationalen Heimat der Juden versprach) zählen. MacDonald, so meint die ״Daily Mail“, würde ganz gern bald parlamentarischen Selbstmord begehen. Das wäre nur die Flucht vor den vielen uneingelösten und vielleicht durch die Ungunst der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse auch objektiv unetnlösbaren Wechseln in die bequemere Rolle der kritischen Opposition.“ (Wir geben diese Ausführungen der Kuriosität halber wieder. Es ist immerhin bezeichnend, wie ein gewiegter und erfahrener Journalist die Situation 1m Zusammenhang mit der neuen englischen Palästinapolitik beurteilt. Red.) Das ,,Israelitische Familienblatt“־Hamburg behandelt in seiner Nummer vom 30. Oktober im Leitartikel unter dem Titel ״Englands Palästinapolitik am Wendepunkt“ die letzten Ereignisse und kommt zu nachstehenden Schlußfolgerungen, die in gesperrter Schritt gedruckt sind: So mag man vielleicht hoffen, daß auch diese Erklärung einer Regierung, die ja erst ihre Sanktion durch das Parlament erhalten muß, einer Regierung, die durch eine andere politische Konstellation wieder gestürzt werden kann, ein Schreckschuß und ein Schlag ins Wasser bleiben wird. Aber viele Schwierigkeiten und Kämpfe sind zu durchschreiten, bis dieser unleugbare Rückschlag überwunden sein wird. Die moderne jüdische Palästinabewegung, der doch erst vor relativ sehr kurzer Zeit > * . _ ־׳ ״•#• L.U. 1& Zakt-ON Iralim uuiicii uui ich, in einer vc15«1»muung ״־־»«-* •׳"״*׳־' ״! wie dem Völkerbund, eine Stütze zu finden. Er hat einen Aufstieg hinter sich, der, man mag zu ihm stehen wie man will, doch als nicht seinesgleichen in der Weltgeschichte habend bezeichnet werden muß. Seine Anhänger werden sich damit abfinden, wieder so kämpfen zu müssen, wie seine Gründer. Sie sind zahlreicher geworden als vor dem Kriege, und weitere Kreise hat das Interesse für ihre Arbeit erfaßt — aber ob Anhänger oder nicht, hier geschieht einem wesentlichen Teile der Weltjudenheit ein schreiendes Unrecht, und alle innerjüdische Gegnerschaft muß vor diesem Angriff verstummen. Jerusalem, 27. Oktober. (J. T. A.) Die arabische Zeitung .,Fclestin“ fordert die arabische Bevölkerung auf, mit der englischen Regierung zusammen zu arbeiten und die Einsetzung des Legislative Council zu akzeptieren, die trotz der Weigerung der Juden, sich an den Wahlen zu beteiligen, erfolgen werde, da die Regierung entschlossen sei, jeden Widerstand niederzuringen. Obwohl der Council sich faktisch von dem im Jahre 1922 in Vorschlag gebrachten nicht unterscheide, JÜDISCHE VOLKSPftRTEI Wählerversammlungen Mittwoch! den 5. November 1930, abends 8 Uhr Praehtaäle am Märehenbnmnen, Am Friedridbshain 29—31 Donnfntag) den 6» November 1930, abends 8 Uhr Tiergartenhof, Am Bahnhof Tiergarten Warum wahiHampi ln aar JOditchan Bern ein«? Referenten: Dr. Alfred Klee, Direktor Georg K«re«kl, Professor Dr. Heinrich LSwe, Ministerialrat Hans Goslar, Dr. Max Kollenscher, Dr. Aron Sandler, Alfred Berger, Dr. Hermann Leiewer bestehe für die Araber angesichts der radikal zu Ihren Gunsten geänderten britischen Haftung kein Grund, Wahlabstinenz zu üben. Es sei unwahrscheinlich, daß die vom High Commissioner zu ernennenden Mitglieder des Councils aus dem englischen Beamtenstand eine judenfretindlich« Stet• lung einnehmen würden. ״Felestin“ weist sodann auf die Verstimmung hin, die die Regierungserklärung bei den Juden hervorgerufen habe und schreibt, von der Balfour-Er״ klärung sei nichts übrig geblieben außer dem bloßen Namen. Das Weißbuch, welches kein einziges für die Juden günstiges Wort enthalte, bedeute einen glorreichen Triumph der Araber. Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Lande erwartet werden könne. Es sei unwahrscheinlich, daß die Regierung, die bisher in der Erfüllung ihrer Aufgaben versagt habe, künftig den an sie gestellten Anforderungen gerecht werden werde, wenn ihr nicht eine verfassungsmäßige Körperschaft zur Seite gestellt werde, die ihre Handlungen kritisiert. Die Araber müßten sich fragen, ob die von der Regierung auf Grund der Vorschläge von 1922 gemachten Zugeständnisse in der Verfassungsfrage jenes Höchstmaß von Selbstverwaltung darstellen, das im gegenwärtigen Augenblick gewährt werden könne. Die übertriebenen Forcierungen der Juden hätten weitergehende Zugeständnisse verhindert. Unter den Regierungsbeamten, die in den Legislative Council entsendet werden sollen, werden sich voraussichtlich der" Direktor des Bodendepartements, Abramson, ein getaufter Jude, Oberstaatsanwalt Norman Bentwich und Einwanderungskomtnissar Hyamson befinden, so daß zusammen mit den zu wählenden jüdisehen Mitgliedern der Council eine starke Vertretung der Juden aufweisen werde. Im Hinblick darauf, daß die Christen Palästinas allein in vier Gruppen zerfallen und die Araber mindestens drei Richtungen repräsentieren, legt ״Felestin“ der Regierung nahe, eine Reihe von Beamtensitzen im Council für Vertreter arabischer Interessen zu reservieren. Bezüglich der Bodenfrage habe der Simpson- Bericht die Behauptung der Araber, daß unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Wirtschaftsmethoden keine Landreserve für die Ansiedlung neuer Einwanderer vorhanden sei, als zu Recht bestehend erkannt und fordere daher die Juden auf, die Fellachen mit der intensiven Bodenbearbeitung vertraut Zu machen, um so ״die Fellachen von den ehrlichen Absichten der Juden zu überzeugen und eine langsame, aber sichere Erschließung weiterer Ländereien zu ermöglichen, ohne daß hierdurch irgend jemandem Unrecht zugefügt wird“. Am 27. Oktober trat in Warschau das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens zu einer gemeinsamen Sitzung mit der politischen Kommission zusammen, die seinerzeit vom zionistischen Parteitag gewählt wurde. Nach längerer Debatte wurden vier Resolutionen gefaßt. In der ersten wird ausgedrückt, daß der Rücktritt weizmanns nicht nur ein Protest gegen England, sondern auch das Ergebnis des vollständigen Zusammenbruches der politisehen Methoden darstelle, die Dr. Weizmann in den letzten Jahren vertreten hat. Die zweite Resolution verlangt die völlige Ausschaltung Weizmanns von der Führung und den Rücktritt der gesamten Exekutive. In der drit* ten Resolution wird das am 4. November zusammentretende Aktions-Comite aufgefordert, eine provisorische Lei tung einzusetzen, die bis zum Zionistenkongreß die orgairi• satorischen Aufgaben, insbesondere die Vorbereitung des Kongresses, wahrzunehmen hätte. Sollte die Schaffung einer der■ artig provisorischen Leitung sich als unmöglich erweisen, so soll das Aktions-Comite die Exekutive bevollmächtigen, im Demissionszustand die Geschäfte der Organisation weiterzuführen und dafür zu sorgen, daß der XV11. Zionistenkongreß nicht später als im Februar 1931 zusammentrete, In der vierten Resolution wird, verlangt, daß die dringendsten politischen Angelegenheiten von der Politisehen Kommission der Jewish Agency wahrge■ nommen werden sollen. Diese Kommission muß durch Hin■ Zuziehung eines revisionistischen Vertreters verstärkt werden Die letzte Resolution wurde gegen die Stimme des revisionistischen Vertreters gefaßt, welcher erklärte, daß die Re visionisten sich an keinem Organ der lewish Agency zu be teiligen vermögen. [Alex Baerwald | Nach einigen Wochen einer plötzlichen und schweren Erkrankung ist Alex B a e r w a 1 d am 27. Oktober im Bikkur Cholim-Hospital in Jerusalem gestorben. Seinen Freunden — er hat deren viele! — ist es ganz unfaßbar, daß dieser lebensprühende, riesenhafte Mann von erlesener Schönheit tot sein soll, auf der Höhe der Kraft, wenig über fünfzig Jahre alt! Baerwald war eine der charakteristischsten und bekanntesten Gestalten des neuen Palästina. In einem nur noch lose mit dem Judentum zusammenhängenden Lebenskreise aufgewachsen, hörte er 1907 durch mich vorn Zionismus und von Palästina und wurde von der Größe der Idee ergriffen. Als er 1910 — er war damals in Berlin ein bereits durch seine Arbeiten bekannter Architekt — den Antrag erhielt, das Technikum in Haifa zu bauen, zögerte er keinen Augenblick. Er fuhr nach Palästina, seine Künsflerscele wurde von der Schönheit des Landes gefangen, und er kam nun Jahr für Jahr bis zum Kriege für einige Monate nach Haifa. In dieser Zeit schuf er die monumentalen Bauten des Technikums und der Realschule in Haifa, die ein unvergängliches Denkmal seines Geistes bleiben werden. Sie sind für die Zahllosen, die sich seitdem an ihrer heiteren und doch wuchtigen Schönheit erfreut haben, eines der sichtbarsten Wahrzeichen des neuen jüdischen Palästina. Nach dem Kriege entschloß sich Baerwald, der in Berlin eine geachtete und gesicherte Position hatte — er war preußischer Regierungs- und Baurat — sein Leben und seine Arbeit mit Palästina dauernd zu verbinden. Er wurde Professor für Architektur am Jüdischen Technikum in Haifa, dem seine besondere Liebe galt, und hat hier seinen Schülern, die schwärmerisch an ihm hingen, die Grundlagen für eine anständige Baugesinnung gegeben, die sich nicht an der Tagesmode orientierte, sondern an geschichtlich erfaßter Schönheit, an der Liebe zum schönen Stein Palästinas und an dem ehrlichen Zusammenklang von Form und Zweck. Von dieser seiner Einstellung zur Baukunst zeugen eine ganze Reihe von Privatbauten, die er in diesen letzten Jahren schuf, am schönsten vielleicht der entzückende Bau, «len er in Haifa für die Anglo-Bank errichtete. Vor kurzem erst erhielt er den ehrenvollen Auftrag, das durch das Erdbeben von 1928 schwer beschädigte deutsche Sanatorium auf dem Oelberg, den ehemaligen Sitz des High Commissioner, wiederherzustellen. Aus all dieser schöpferischen Arbeit ist er nun plötzlich herausgerissen worden. Alex Baerwald war eine der bezauberndsten Persönlichketten, die ich kannte. Er lebte ganz ln der Kunst, die ihm Lebensatem war. Vor allem natürlich in seiner geliebten Baukunst. Wenn er sich in die große Baukunst der Vergangenheit vertiefen und ihre Schönheit mit feinstem Verständnis einem Freunde weisen konnte, strahlte er vor Glück. Aber er war kein einseitiger ״Fachmann“. Er war ein feiner Zeichner und in den letzten Jahren ein ernst zu nehmender Maler, der fein empfundene und scharf gesehene palästinensische Landschaften geschaffen hat. Am vollkommensten strömte seine Künstlerseele in die Musik über, er war im höchsten Sinne musikalisch vom Schelte! bis zur Sohle. Selbst ein Meister des Cello, war ihm das Anhören guter Musik immer wfeaerifa■■fffefüi/־ErTebHs/bel dem"seil’’gSujzerKöirjw!mft-A vibrierte. Daneben hat er reizende Verse und Kinderstücke geschrieben, sprudelnd von dem sonnigen Humor und der drolligen Komik, die von diesem im tiefsten Qrunde gläubigernsten, ja melancholischen Menschen unzertrennlich waren. Der hünenhafte Mann mit der Bärenstimme war ein großes und gutes Kind. Schlechtigkeit und Falschheit begriff er nicht, und wo sie ihm selbst gegenübertraten, war er hilflos gegen sie. Er war einer von den wenigen ganz Reinen, die fürs Leben nicht gewappnet waren. Was Geld und GeWeswert war, verstand er nie; andere mußten hier für ihn sorgen. Er wollte immer nur schenken, mit der Geste des Märchenkönigs, weil er so reich war. Wir nannten ihn' immer ״Bärchen“, wie seine Frau ihn nannte, die treue Kameradin und Mitarbeiterin, die ihm alles und der er alles war. So wird er für uns fortleben, in zärtlichem und gerührtem Andenken, als der große und gute Mensch, der uns alle bereichert hat. Elias Auerbach. * Die ״Vossische Zeitung“ widmet Alexander Baerwald nachstehende Zeilen: Die Berliner Architektenschaft wird diese Trauerkunde mit tiefer Bewegung vernehmen, denn Baerwald, der ein ausgezeichneter Vertreter seines Faches, zugleich eine durch ihre Herzlichkeit gewinn^pde, durch freimütigen Humor erquickende Persönlichkeit war, gehörte zu den beliebtesten Vertretern unserer Baumeisterzunft. Er nahm durch Jahrzehnte, dem früheren Ministerium der öffentlichen Arbeiten zugehörig, Anteil an zahlreichen bedeutsamen Staats bauten Berlins, so besonders kurz vor dem Kriege an dem komplizierten Neubau der damals Königlichen Bibliothek Unter den Linden. Vor sechs Jahren ging Baerwald nach Palästina, wo er schon vorher das Technikum in Haifa errichtet hatte, und wo sich ihm nun vielfache, interessante Bauaufgaben darboten, die er mit großem Erfolg durchführte. Er hatte für diese Zeit vom Staatsdienst Urlaub genommen, der eben jetzt zu Ende ging: am 1. Januar sollte Baerwald sein Berliner Amt neuerdings übernehmen. Wie eng er sich auch in der Fremde seinem hiesigen Wirkungskreis und seinen Freunden verbunden fühlte, erkannte man erst wieder beim letzten Schinkel-Fest des Architekten-Vereins, zu dem der Fernweilende eines seiner köstlichen Tischlieder gedichtet hatte, dessen schlagkräftiger Witz wie immer lustig zündete und die Gedanken der Teilnehmer dem Abwesenden zuwandte. Daß der hochgewachsene Mann, der ein Bild der Gesundheit und Lebensfreude schien, so früh abberufen werden könnte, ahnte niemand. Me Etawandenuig ln Palästina tan Monat Alpst Während des Monats August sind in Palästina 328 Juden, 62 Christen und 17 Mohammedaner, insgesamt 407 Personen, eingewändert. Darunter befanden sich 208 Personen, die als Touristen ins Land kamen und hier die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalt erhielten. 8 Einwanderern wurde die Einreise verweigert. Die Zahl der Auswanderer im Monat August betrug 331, davon 158 Juden, 128 Christen und 45 Mohammedaner. Die rückläufige Bewegung der Lebenskosten in Palästina hat sich auch im Juli fortgesetzt. Die Indexziffer betrug im Juli 58,6 und war damit um 0,6 «'/י niedriger als im Juni. Basis des Index: Januar 1922: 100 0/0.) (Ziko.)

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