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Jüdische Rundschau · 1930-10-28 · Heft 85 (28.10.1930) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 85 (28.10.1930)
Date
1930-10-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 556 1 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 85, 28. X.!630 richts der Hope-Komraission in der gesamten jüdischen Welt ge* weckt hat, wieder einzudämmen. Uns liegen Nachrichten vor, daß der Rücktritt der jüdischen Führer Professor Weizmann, Lord Mclchett und Felix Warburg von ihren Aemtern in der Zionistischen Exekutive und der Jcwish Agency in Downingstreet tiefen Eindruck gemacht hat. Dieser Schritt der maßgebenden Zionistenführer, die an dem Aufbau und der Entwicklung des modernen Palästina entscheidenden Anteil hatten, ist in den englischen Regierungskreisen als der Ausdruck schärfsten Protestes gegen die antijüdische und proarabische Umstellung des Foreign Office empfunden worden. Lord Melchett, der unter dem Namen Sir Alfred Mond besser bekannte Industriekapitän, hat in einem Brief an Professor Weiz- *nann es als einen ganz klaren Verstoß gegen Artikel 4 des Man* dats gekennzeichnet, daß Sir John Hope Simpson ohne vprhergehende Einvernahme mit der Jewish Agency nach Palästina entsandt wurde. ״Ganz unglaublich“' nennt Lord Melchett in dem gleichen Brief die rücksichtslose Art, mit der die Arbeiterregierung die loyale Mitarbeit der Juden der ganzen Welt am Aufbau Palästinas beiseite schiebt. Man kann daher verstehen, daß die Zionisten in der ersten Zornesaufwallung über den tödlichen Stoß, den die englische Regierung ihrer Palästinaarbeit und dem Gedanken einer jüdisch* nationalen Heimstätte versetzt hat, daran dachten und ganz offen davon sprachen, den Sitz der Zionistischen Weltorganisation von London nach Amerika zu verlegen. Nach unseren Informationen wird aber in leitenden Kreisen der Zionistischen Exekutive ein Domizilwechsel nicht beabsichtigt. Es kann auch keine Rede davon sein, daß die Leitung der Zionistischen Organisation nun etwa einen streng antibritischen Kurs einzuschlafen gedächte. Wohl aber wird die grundlegende Schwenkung er englischen Mandatspolitik in Palästina als eine so vitale Frage betrachtet, daß — eine ganz ungewöhnliche Maßnahme, die seit 1904 nicht mehr vorgekommen ist — der zionistische Kongreß vorzeitig einberufen wird. Der Zusammentritt des Kon* gresses pflegt alle zwei Jahre zu geschehen. Programmäßig wäre er erst im Herbst nächsten Jahres fällig gewesen. Der Umschwung in London hat aber Veranlassung gegeben, den Kongreß bereits für den Februar 1931 einzuberuten. f Es könnte sein, daß nun die aktivistische Richtung im Zionismus, die von Jabotinsky geführt wird und stets gegen das Paktieren der Weizmann-Richtung mit der offiziellen englischen Politik energisch aufgetreten ist, die Oberhand gewinnt. Aut dem kommenden Kongreß wird jedenfalls die revisionistische Strömung mit verstärkter Anhängerzahl gegen Weizmann kämpfen. Ob es noch einmal zu dessen Wiederwahl kommt, ist unter diesen Umständen mehr als fraglich. * Die ״V o s s i s c h e Zeitung“ vom 24. Oktober meldet im Zusammenhang mit dem Briefe Baldwins, Chamber• lains und Amerys an die ״Times“ u. a.: Der Palästina* Bericht der Regierung wird nicht ohne innerpolitisehe Folgen für England bleiben. Baldwin, sein früherer Außenminister Amery und Chamberlain haben in einem offenen Brief an die ״Time s“ angekündigt, daß sie bei Beginn der neuen Parlamentssession die Regierung über Palästina inter* pellieren (?In dem Briefe stand davon nichts. — Red.) werden, da die neuen Richtlinien gegen den Text der Balfour-Deklara* tion verstießen. Bei einem konservativen Mißtrauens• votum ergäbe sich für MacDonaid eine kritische Situation, da man vermutet, daß Lord Reading und Sir Herbert Sa• muel ihren Einfluß dahin geltend machen werden, daß die liberale Partei mit den Konservativen stimmt. Ferner meldet die ״V o s s i s c h e Z e i t u n g“: Besondere Erregung habe Warburtrs Erklärung hervorgerufen, der Lord PassfielcL den britischen Kolonialminister, anschuldigt, ihn durch irrige Informationen zur Ausgabe von falschen Direktiven ver- #Ä®t׳-'ärljäbeit.: ־Mai ,eilte' ällgetreit#;ä«tteh^sclle Boykottbewegung vor, ebenso werde die Gründung eines zionistischen Nationalheims im französischen Mandatsgebiet Syr I e n lebhaft erörtert. (Wir brauchen nicht erst besonders zu betonen, daß ein .,Jüdisches Nationalheim in Syrien“ eine Ausgeburt einer üppigen Phantasie ist. Was die angeblich geplante Interpellation der englischen Konservativen anbelangt, die, von den Liberalen unterstützt, einen Sturz der Labourregierung herbeiführen soll, scheint es sich mehr um eine journalistische Kombination als um eine politische Wahrscheinlichkeit zu handeln. Red.) * Der Vorsitzende des französischen Palästina-Komitees, Senafor Justin Godart, nimmt in einem Artikel im ״Matin“ scharf Stellung zu dem britischen \7 .־;C >1:גי über die künftige Palästina-Politik, das in erster Linie eine Antwort auf den Völkerbundbericht über Palästina sei, der die britische Mandatsregierung wegen der blutigen Ereignisse im August 1929 bitter getadelt hatte. * Pertinax stellt im ״Echo de Paris“ fest, die Aroeiterregierung sei ihrer Verpflichtung, das Nationalheim in Palästina zu schützen, nicht gewachsen. * Die ״C. - V. - Z e i t u n g“ versieht die Meldungen über die englische Regierungserklärung und den Rücktritt Dr. W e i zm a n n s mit einer einleitenden Notiz, in der es u. a. heißt: ״Die Erklärung der englischen Regierung, der Bericht Simpsons, der Rücktritt Weizmanns, die inneren Schwierigkeiten der Zionistischen Organisation, verbunden mit der allgemeinen Weltlage, kommen in gefährlicher Weise hier zusammen, um die zionistischen Körperschaften vor schwerste Entscheidungen zu stellen. Wir hoffen und wünschen, und mit uns zahlreiche deutsche Juden, daß es ge- Iingt, schädliche Rückwirkungen auf die Lage der Juden in Palästina und auf den Bestand der kolonisatorischen Arbeit zu vermeiden.“ (Von uns gesperrt. Red.) Die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ kommentiert die verschiedenen Erklärungen nur durch die Titelüberschrift: ״Zusammenbruch der Palästinapoliti k“. Die Erklärung Oscar Wassermanns in der Presse wird unter der Schlagzeile ״Mit dem Kopf durch die Wand“ wiedergegeben. Der ״Jewish C h r o n i c 1 e“ behandelt die englische Regierungserklärung in einem Leitartikel unter dem Titel ״Ein großer Verrat“. In schärfsten Worten wird die Haltung der englischen Regierung gebrandmarkt und als eine Schande für England und als ein Bruch feierlichen Verpflichtungen bezeichnet. In der ״Jüdischen Zeitung“ für Ostdeutschland bespricht Rudolf Samuel in einem Leitartikel die Erklärung und verweist darauf, daß nach dem Simpson-Bericht mit der Kolonisation von 20000 jüdischen Familien (ungefähr 103000 Personen), in der Landwirtschaft gerechnet wird. Ein Kolonisationsplan, der mit einer Einwanderung von 303000 Menschen (203000 gestützt auf die 100000 Seelen in der jüdisehen Landwirtschaft) rechnet, wird unsere finanziellen Kräfte auf lange Jahre in Anspruch nehmen, auch wenn wir ihn nur als nächste Epoche betrachten. Auch das Zukunftsprogramm ist für uns wenig wert, solange wir nicht wissen, wie sich manche sehr vage Formulierung in der Praxis auswirken wird. Der ״Israelit“ (Frankfurt) schreibt u. a.: ....Die Tatsache, daß Chaim Weizmann, fast möchte man sagen endlieh die Geduld verloren und den Leidensweg grausam getäusehter Hoffnungen nicht weiterschreiten will, ist beredt genug, um über die Tendenz des englischen Palästina-Programmes klaren Aufschluß zu geben.... Dann folgt eine parteipolitische Beleuchtung der Situation vom Standpunkte der Orthodoxie. Die ״Jüdische Presse“, das Wiener Organ der Agudah, bringt einen Leitartikel von P. K. (Pinchas Kolm?) unter dem Titel ״Was nun?“. Es heißt darin: Und England hat gesprochen. Wieder einmal ist in brutaler Form eine jüdische Hoffnung zu Grabe getragen worden. Es wäre Geierarbeit, jetzt des langen und breiten erörtern zu wollen, warum es so kam und kommen mußte.... Dann folgt, trotz dieses Versprechens etwas, was der Verfasser zu vermeiden versprach. ln der Prager ״S e 1 b s t w e h r“ schreibt Dr. Felix Welt sch an leitender Stelle u. a.: ״Die neue englische Palästina-Politik ist ein schwerer Schlag für den Zionismus und für das ganze jüdische Volk. Es soll nicht geleugnet werden. Aber wir dürfen darum den Sinn für Proportionen nicht verlieren. In der Geschichte des jüdischen Volkes wird es doch nur eine kleine Episode sein und unter den Hamans unserer Haman-reichen Geschichte werden Lord Passfield und S hi e 1 s keine sehr bedeutende Rolle spielen ... Unser Weg war bisher das Vertrauen zu England. Das Verhalten Englands hat diesen Weg verschüttet. Nun heißt es, neue Wege suchen, neue Wege der Arbeit und der Politik, und wir werden sie zu finden wissen.“ Das ״Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ schreibt u. a.: Sie (die Regierungserklärung) bringt keine Ueberraschungen, wußte man doch schon längst, daß das Kolonialamt von der einmal eingeschlagenen Linie nicht abweichen wird.... Die Arbeit in und für Palästina gellt unbeirrt weiter. Das jüdische Leben in Palästina ist so erstarkt, daß es sich weiter entwickeln muß. Ausbau des bereits Erworbenen ist zur Stunde die Losung. Große bereits erworbene Bodenflächen, so in der Haifa-Bay, liegen noch gänzlich brach. Auch in der jetzigen Situation gibt es genug drängende Aufgaben, die unsere ganze Kraft erfordern. Das jüdische Palästina wird weiter wachsen und sich konsolidieren, nichts kann uns aufhalten. ״L’Univers Israelite“ (Paris) begnügt sich mit der Wiedergabe eines Auszuges aus der Regierungserklärung und dem Simpson-Bericht und versieht diese Veröffentlichung mit dem Titel ״Eine neue Orientierung der englischen Politik ip Palästina“ Die Zeitung kündigt eine Stellungnahme in der nächsten Zeit an. Eine Kandfiebung des Makkabi An die jüdische Jugend aller Länder! Die in Berlin versammelten Delegierten der europäischen Landesorganisationen des Makkabi-Weltverbands wenden sich in ernster Stunde an die jüdische Jugend aller Länder. Die Fortsetzung des Aufbaus Erez-1 sraels ist in Gefahr! Die letzte Erklärung der britischen Regierung will die jüdische Jugend ihrer Hoffnungen auf ein neues Leben in Erez-Israel berauben. Daher rufen wir die jüdische Jugend der ganzen Welt in diesem Augenblick auf, alle ihre Kräfte zu mobilisieren zum Dienst am jüdischen Volk. Wir fordern die jüdische Jugend auf, sich über alle Parteischattierungen hinweg zu vereinigen und alle Maßnahmen zu ergreifen, um für jede Notwendigkeit gerüstet zu sein. Der Makkahi-Weltverband ist. bereit(; die .Initiative zur'8eb*f|tBif. diper.-Snheitilfeoiif 'וגג ergreifen. Die Welt soll wisse(), daß der Wille der Jüdischen Jugend zum Aufbau des Landes und zur Arbeit für die Zukunft unseres Volkes unerschütterlich ist, und daß unsere Kräfte mit jedem Hindernis wachsen. Jüdische Jugend! Schließ Dich zusammen zum Kampfe für jüdische Freiheit, jüdische Zukunft und für den Aufbau unseres Landes Erez-Israel! Das Präsidium des Makkabi-Weltverbandes: Dr. L^lewer. Bulgarien: Levy, Dr. Cordovi; Deutschland: Leo Kaminski; Fagland: Wellesloy Aron, L. Schalit; Frankreich: Warszawsky; Jugoslawien: Schossberger; Litauen: Dr. Rabinowitsch; Oesterreich: Walter Brückner; Polen: Z. Rusecki; Rumänien: Weißberg; Tschechoslowakei: Arthur Herzog, Bleyer. Die Makkabikonlerenz in Berlin In Anwesenheit der Delegierten von 10 europäischen Landeskreisen tagte in Berlin die Makkabiahkonferenz des Makkabi-Weltverbandes. Ausführlicher Bericht erfolgt in der nächsten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“. Hervorgehoben sei heute nur der Beschluß, daß die Konferenz als Antwort auf die letzten Ereignisse die Schekelpflicht aller Mitglieder des Weltverbandes eingeführt hat. Um die Oel-Röhrenleitang Ein französisch-britisches Kompromiß? Unter dem 21. Oktober lassen sich ״Times“ von ihrem Pariser Korrespondenten melden, daß in der Frage der geplanten Röhrenleitung, mittels derer das im Mossul-Gewet (Irak) gewonnene Oe! direkt zur östlichen Mittelmeerküste gebracht werden soll, eine Einigung zwischen Frankreich und England erzielt worden sei. Einzelheiten der erzielten Verständigung seien nicht bekannt geworden, es sei daher anzunehmen, daß sowohl dem französischen Wunsche nach einer Mündung der Röhrenleitung im syrischen Hafen Tripolis als auch dem britischen Wunsch nach einer Mündung in Haifa entsprochen worden ist. Es scheine also, daß der vor einiger Zeit gemachte Vorschlag, die Röhrenleitung von Abu-Kemal ab, dem Punkte, wo die Grenzen von Irak, Syrien und Palästina zusammentreffen, zu teilen, so daß beide in Betracht kommenden Hafenstädte eine Leitungsmündung erhalten, der Einigung zugrunde gelegt worden ist. Um den beiden Hafenstädten eine gleiche Chance zu gewähren, war vorgeschlagen worden, gleiche Gebühren für die Oelentnahme in beiden Häfen zu erheben. * Zu dieser Nachricht veröffentlicht ״Manchester Guardian“ vom 24. Oktober eine Reuter-Meldung aus Bagdad, der zufolge der Ministerpräsident des Irak, Nuri Pascha, die Möglichkeit eines solchen Abkommens ohne Zustimmung der Bagdader Regierung bestreitet. In Bagdad sei derartiges jedenfalls nicht bekannt. Vortrag Jabotinsky Am Mittwoch, dem 22. Oktober, sprach Jabotinsky in Berlin in einer Versammlung der Union der Revisionisten über das Thema: ״Engländer — Araber und Juden". Der Bach-Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Hunderte von Menschen mußten in den Seitengängen stehen, ln dieser ersten größeren zionistischen Versammlung nach der englischen Regierungserklärung betonte Jabotinsky zunächst das Erfreuliche und Positive, das wir zu verzeichnen haben, nämlich die große Empörung, von der die jüdische Welt angesichts dieses Verrates der englischen Regierung beherrscht ist. Wenn manche glaubten, daß die Zielsetzung im Zionismus keine wichtige Frage sei, zeige die gegenwärtige allgemeine Entrüstimg, daß man sich darin mächtig geirrt hat. Eine fremde Hand hat aus der Bagatellisierung des zionistischen Endziels die logische Konsequenz gezogen und den Judenstaat preisgcgeben. Die jüdische Welt muß sich überzeugen, daß Zionismus nur Judenstaat, das heißt Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina, bedeuten kann. Für die Anti-Judenstaatler könne es wohl eigentlich. keine besondere Tragik bedeuten, ob wir in Palästina nur 20 oder 30 Prozent der Bevölkerung aasmachen. Die Geschichte erweise aber, daß die durch eine Minderheit geschaffenen Kulturwerte in keinem Lande ein selbständiges kulturelles Leben garantieren können. 403 Jahre waren die Deutschen die Kulturträger im Baltikum, 4030 . können dagegen nichts sagen: dort handelte es sich um territorial abgegrenzte Nationen und nicht um eine Mischung. Jüdische Mehrheit ist Judenstaat, Minderheit ist Ghetto. Paiästina kann vielleicht für eine jüdische Minderheit ein Paradies werden. Aber Jabotinsky will kein Paradies haben, zu dem Millionen Juden, die in einer Hölle leben, keinen Zutritt haben sollen. Jabotinsky führt dann Dokumente als Beweise dafür an, daß England dem Judentum tatsächlich einen fudenstaat versprochen hat. Er behandelt weiter die Gefahren, mit denen die Bildung .eines Parlamentes verbunden ist und berührt noch einige andere Punkte der Regierungserklärung. Es sei nötig, sich Rechenschaft abzugeben über die inneren Zustände im Zionismus. Er möchte in diesem Moment keine Anklagerede halten, er kann sie aber doch nicht ganz unterlassen. Jabotinsky bemüht sich aber, persönliche Angriffe zu vermeiden und spricht über ״unsere Schuld“, über die Schuld der Zionistischen Organisation, die durch ihre Politik das Unglück herbeigeführt habe. Es sei nicht wahr, daß unter allen Bedingungen alles so hätte kommen müssen. Solche Behauptungen, die auf einer mißverstandenen Loyalität beruhten, führen nur zu einer Stimmung der Verzweiflung, er warnt entschieden vor einer Verzweiflungspropaganda. Was f'.. . ... ־"יי- .... Auch nach“den August-Unruhen sei das System nicht geändert worden. Man hat sogar der voreingenommenen Shaw-Koramission Vertrauen geschenkt und ihre Mitglieder als Richter behandelt. Man hat a priori bei Simpson Objektivität vorausgesetzt, obgleich ein Mann nach drei Monaten unmöglich in der Lage sein kann, ein Urteil über so komplizierte Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung abzugeben. Der Simpson- Bericht ist kein Bericht, sondern ein Feuilleton. Jabotinsky sagt, er sei kein Bewunderer der Engländer. Die Schuld der englischen Regierung ist maßlos. MacDonaid hat schon 1922 in seinem Palästinabuch den Leichtsinn der englischen Politiker charakterisiert, die mit den Arabern kokettierten und den Juden ein nationales Heim versprachen. Der Leichtsinn, ״nie voraus zu planen“, ist zu einem System der englischen Politik geworden. ^;־־-־’Abw־:־^rad#d«%fegen׳i'haben,wir *altes'־Blut :׳zu bewahren. Die englische Regierung hat uns verraten. Aber hatten wir gute Anwälte vor dem englischen Volke? Haben wir dafür gesorgt, daß das englische Volk genügend orientiert werde, über die Umstände und Ursachen, die einen Lord Passfield zu einem Lord of Hebron machen? Wir haben zum letztenmal vor dem englischen Volk aufzutreten, vor dem letzten ״Appellationsgericht“, mit guten Anwälten, mit rücksichtsloser Anklage und mit den Forderungen eines Groß- Zionismus. Nur für einen Groß-Zionismus kann ein Volk Verständnis und Interesse haben. Englische Regierungen haben sich bereits mehrfach blamiert und unglückliche Erklärungen zurückgezogen. Wir haben jetzt keinen Grund zu Optimismus, aber eine vollständige Umstellung in der Politik der Zionistisehen Organisation und ein organisierter Druck seitens des jüdischen Volkes vermag vieles zu erreichen. Es wäre aber Charlatanerie, wenn er behaupten wollte, daß die Revisionisten imstande wären, jetzt in kurzer Zeit die Situation zu ändern. ״Wenn es auf die Abwehr gegen Räuberbanden ankommt“, sagte Jabotinsky im Schlußteil seiner Rede, ״glaube ich an einen legionistischen Zionismus. Wenn es sich um den großen Sieg handelt, tun den Zionismus, um die Befreiung des iüdisehen Volkes, glaube ich, daß die Gerechtigkeit und das Recht die einzige Macht in der Welt sind. Und im Zeichen dieses Glaubens fangen wir eine neue Periode im Zionismus an.“ Jabotinsky sprach drei Stunden. Ein Araber im Saal versuchte durch heftige Zwischenrufe die Rede zu stören. Er mußte den Saal verlassen. Abgesehen von diesem Zwischenfall verlief die Versammlung ruhig. * Die Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten veröffentlicht eine Erklärung im Zusammenhänge mit dem neuen Weißbuch der englischen Regierung und der Demission Dr. W e i z m a n n s, in der es u. a. heißt: In diesem kritischen Momente... senden wir diesen Ruf an das jüdische Volk, an seinem Entschluß, die Arbeit zur Wiederherstellung des Nationalheims fortzusetzen, vollaut festzuhalten. Regierungen kommen und gehen, Imperien werden aufgebaut und verschwinden, aber der Wille des jüdischen Volkes, Erez-Israel zurückzuerhalten, bleibt unerschüttert bestehen... Wir führen keinen Kampf mit dem englischen Volke, noch haben wir unseren Glauben an das britische fair play verloren. Eines Tages wird Britannien begreifen, daß ein jüdisches Pa- Iästina viel bedeutet für die Interessen des britischen Reiches und für die Interessen der Menschheit, die dem jüdischen Volke so viel schuldet... Die Zionisten müssen aus der gegenwärtigen Krise die folgenden Konsequenzen ziehen: 1. Das Aktions- Comitd muß sofort einberufen werden. 2. Die Zionistische Exekutive muß beseitigt werden. 3. Ein Notstandskomitee muß bestimmt werden für die Führung der zionistischen Geschäfte, bis eine neue Exekutive gewählt sein wird. 4. Ein ordentlicher Kongreß (mit Wahlen) muß einberufen werden. 5. Ein repräsentatives zentrales Wahlkomitee muß eingesetzt werden, um die Kongreßwahlen zu kontrollieren. 6. Ein spezieller Fonds muß beim Notstandskomitee zur Aufrechterhaltung der Arbeit in Palästina geschaffen werden. 7. Bis zur Sitzung des Aktions- Comites muß sich die Zionistische Exekutive auf administrative Arbeiten der Zionistischen Organisation beschränken. im Alter von 73 Jahren verdarb in Paris Mathieu D r eyfus. der Bruder des Obersten Alfred Dreyfus. In der Bevvegung für die Rehabilitierung seines Bruders Alf redDreyf us war Mathieu Dreyfus die zentrale Kraft, Freie Jüdische Volkshochschule. Sonntag, den 2. November, vorm. 111/3 Uhr, in der Kaiser-Frierich-Schule, Knesebeckstraße 24, im Rahmen des Zyklus Jüdische Tagenfragen Kurt Blumenfeld: ״Tagesfragen zionistischer Politik“.

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