Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-10-28 · Heft 85 (28.10.1930) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 85 (28.10.1930)
Date
1930-10-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653234--21908-2680062
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 554 JUEDISCHE RUNDSCHAU f Nr. 85, 28. X. 1930 Der Widerhall in der Wel Nachstehend veröffentlichen wir, soweit sie zu unserer Kenntnis gelangt sind, Pressestimmen aus aller Welt zu der letzten Regierungserklärung über Palästina. Eine Qesamtbeur* teilung dieser Aeußerungen kann noch nicht erfolgen. Soweit man jedoch übersehen kann, billigen nur die offiziösen und seit jeher zionistenfeindlichen Zeitungen in England, der offiziöse ״Terrtps“ in Frankreich und die ״New York Times“ in Amerika die Haltung der britischen Regierung. Sonst begegnet diese überall entweder schärfster Verurteilung oder zumindet ernfter Skepsis, ln der gesamten jüdischen Presse wird die Regierungserklärung in ihrer ganzen Bedeutsamkeit für das Palästina-Werk und für das jüdische Volk gewürdigt. * Unter dem Titel ״Juden und Araber in Pa* 1 11 n n , eine Untersuchung des Hope Simpson-Berichtes“, veröffentlicht der ״M anchester Guardian“ am 22. Okt. den Beitrag eines ״kürzlich in Palästina gewesenen Korrespondenten“. Der Aufsatz hat folgenden Wortlaut: Die Veröffentlichung des Berichts von Sir John Hope Simpson und der Regierungserklärung müssen politische Meinungsäußerungen und Kontroversen nach sich ziehen, die das eigentliche Problem der »»künftigen Entwicklung Palüstina zu verdunkeln geeignet sein könnten. Der Bericht stellt in vielen Hinsichten ein bewunderungswürdiges Stück Arbeit dar und ist als Gegengewicht zu vielen absurd optimistischen Darstellungen der landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes wertvoll; war es aber richtig, einer bestimmten Sorte zionistischer Enthusiasten eine kalte Dusche zu verabreichen, so besteht auf der anderen Seite die Gefahr, daß der Bericht, wenn •er mit allen seinen Konsequenzen angenommen würde, den Effekt haben könnte, alle Hoffnungen auf eine Umwandlung Palästinas in ein prosperierendes und fortschrittliches Land auazulöschea. Die Argumentation d93 Berichts scheint im wesentlichen diese ru •ein —: Die zukünftige Entwicklung des Landes muß in der Hauptsache eine landwirtschaftliche sein und daher sich auf den vorhandenen kultivierbaren Böden gründen. Das Aus* maß dieser Böden, ungefähr IV» Millionen acres. ist viel kl einer, als angenommen worden ist. Ungefähr ein Sechstel aller dieser Böden ist bereits im Besitze verschiedener zionistischer Organisationen, und was übrig ist, läßt eine Bodenmenge pro arabische Familie bestehen, die weniger beträgt als die zur Ermöglichung eines angemessenen Lebensunterhaltes nötigen 40 acres. Daher scheine ״bei den gegenwärtigen Methoden arabischer Landwirtschaft kein Boden für landwirtschaftliche Besiedlung durch neue Einwanderer mehr vorhanden zu sein, mit Ausnahme der noch nicht entwickelten Böden, welche die verschiedene» jüdischen Körperschaften in Reserve haben“. Da sowohl die arabische als auch die jüdische Bevölkerung Palästinas sich sehr schnell vermehren, steht es außer jedem Zweifel, daß eine intensivere Besiedlung der Böden erste Notwendigkeit ist, die wieder nur durch vermehrte Bewässerung und durch Verbesserung der fellachischen Anhaumethoden erzielt werden kann, und deshalb schlägt der Bericht die Schaffung einer von der Regierung unabhängigen ״Kommission erwerben und parzellieren, überall woes möglich »st, für Wasser zu Bewässerungszwecken sorgen und die Ansiedlung derjenigen Bevölkerungsteile in Angriff nehmen soll, die gegenwärtig landlos sind oder nicht genug Boden zur Erhaltung einer Familie haben. Das würde in der Praxis bedeuten, daß das jüdische Siedlungswerk auf die bereits in jüdischem Besitz befindlichen Böden beschränkt bliebe. Doch wird sich nicht nur die arabische Bevölkerung wahrscheinlich so schnell vermehren, daß es einer Kommission mit den doch beschränkten zu beschaffenden Mitteln schwer gelingen wird, den Ueberschuß zu absorbieren, sondern der Bericht schlägt auch noch die Ansiedlung der vorhandenen landlosen Arbeiter vor, ungefähr 30 % der ländlichen Bevölkerung, die jetzt für arabische und zum Teil auch für jüdische Landwirte arbeiten. An dieser Stelle erscheint der Bericht einigermaßen unlogisch, denn er lobt die älteren jüdischen Siedlungen dafür, daß sie arabische Arbeiter beschäftigen, und stellt sie dem zionistischen Siedlungswerk der Nachkriegszeit gegenüber, in denen alle Arbeit von den Siedlern selbst getan wird. Faktisch durchzieht den ganzen Bericht die stillschweigende Voraussetzung, daß jeder Araber auf eine bestimmte Bodenfläche Anspruch hat und ebenso in erster Linie auf alle und jede Arbeitsmöglichkeit, die geschaffen werden könnte. Es ist richtig, daß die Kosten für die Ansiedlung von Arabern sehr niedrig angesetzt werden könnern ungefähr mit 60 Pfund für jede Familie; aber der generolle Grundsatz, jedem Araber entweder ein gut gelegenes kleines Grundstück oder eine Beschäftigung zu bieten, ist 80 großzügig, daß er geeignet ist, die Zahl derjenigen Araber beträchtlich weiter zu erhöhen, die ständig über die ungesdhützten östlichen Grenzen eindringen, während gleichzeitig die Häfen im Westen so dicht für die Juden gesperrt sind. Der wichtigste Einwand gegen eine Entwicklung auf cler Basis der Ansiedlung einer Familie mit ungefähr 60 Pfund ist der, daß eine solche Entwicklung rein asiatisch bleiben müßte. Jeder, der einmal seit dem Kriege durch Palästina gereist ist, muß die sehr deutlich erkennbare Grenzlinie feststellen, welche die europäischen Siedlungen, sowohl die zionistischen als die anderen, vom sonstigen Land ahgrenzi. Die älteren, von Baron Edmund Rothschild begründeten Vorkriegskolonien, die deutschen Ansiedlungen bei Jaffa und die jüngeren zionistischen Kolonien zeigen unmittelbar den Effekt großer Kapitalaufwendungen pro Bodeneinheit. Innerhalb einer Entfernung von wenigen 100 Yards kann man arabische Bodenkultur von der Art finden, wie sie in größten Teilen Indiens geübt wird und zugleich Orangenplantagen, die nach dem modernsten intensiven System betrieben werden. Man sieht ״Busch“-Rinder auf roher Weide gelegentlich weiden in nächster Nähe einer modernen Viehzuchtfarm. Jeder, der landwirtschaftliche Erfahrung besitzt, kann, wenn er die zionistischen Siedlungen betrachtet, auf den ersten Blick erkennen, daß sie eine Kapitalinvestition von 80 Pfund pro acre vom Grundbesitzer und 10 Pfund vom Pächter darstellen. In Wirklichkeit haben die Kolonien infolge der starken Nachfrage nach Böden in der Nachkriegszeit mehr gekostet und in manchen Fällen mußten die Zionisten große Kapitalaul- Wendungen für Drainagearbeiten machen, aber der europäische Standard ist deutlich für aller Augen erkennbar. Ein Vergleich zwischen dieser Art der Ansiedlung und dem asiatischen Typus, der auf der Grundlage einer Aufwendung von 60 Pfund geschaffen werden kann, ist nicht möglich. Es ist allerdings durchaus wahr, daß ein großer Teil dieser europäischen Siedlungen unwirtschaftlich ist und der Bericht setzt sich sehr scharf mit diesem Aspekt der zionistischen Kolonisation auseinander, wobei sich Sir John Hope Simpson durch das Beispiel der griechischen und russisch-jüdischen Siedlungsaktion zu falschen Vergleichen hat verleiten lassen, und auch die zionistischen 'Aufwendungen für das, was man in Indien ״nation bull ding“ (Aofbau der Nation) nennt, mit einbegriffen hat. Palästina ist von Natur ein armes Agrarland mit nur einem großen Aktivum — der sandigen Küatenzone, in der bei Anwendung von Bewässerung Orangen gepflanzt werden können. Ohne seine religiöse Bedeutung würde Palästina für eine Kolonisation mit europäischem Standard nie in Frage kommen, weil auch die Orangenkultur ungeheure Kapitalien- Investitionen pro Bodeneinheit erfordert, deren größter Teil abgeschrieben werden muß. Es ergibt sich aber, daß eine gewisse Zahl von berechnenden Menschen aus bestimmten Erwägungen heraus geneigt ist, für die Besiedlung Palästinas auf europäischer Grundlage Geld aufzuwenden und den größten Teil des aufgewandten Kapitals abzuschreiben. Ein solches Siedlungswerk hat nichts Anomales an sich, denn auch unser eigenes Kleinsiedlungswerk in der Nachkriegszeit ist auf einer Grundlage aufgebaut, die die Abschreibung ungefähr der Hälfte des!«!!gewandten Kapitals bedeutet, der Fall Palästina ist aber ungewöhnlich durch die Tatsache, daß eine auswärtige Körperschaft bereit ist, ©in solches Werk zu leisten and nicht die Regierung. Zlonlülsdie Vereinigung lflr Denisdilana Berliner Zionlsllidie Vereinigung Donnerstag, den 30. Oktober, abends 8'/a Uhr in der Stadthalle Klosterstraße (U-Bahn Klosterstrafie) Die zionistische Antwort (nach dar Erklärung der angl. Regierung im Anschluß an den Simpson Bericht) Große öffentliche Kundgebung Redner aller Parteien Der Unterschied zwischen europäischer Siedlung kann am besten in der Orangenzone beobachtet werden. Ein Europäer braucht für den Lebensunterhalt seiner Familie ungefähr 3 acres (zirka 10 Dunam) Pflanzungsboden. Ein Araber aber kann wahrscheinlich ungefähr mit der Hälfte dieser Boden- und den Bau von Wohngebäuden 'beläuft sich auf ungefähr 300 Pfund pro acre, bis die Pflanzung irgendwelche Erträge abwirft Versuche von irgendeiner Regierungskommission, eine solche kostspielige und intensive Siedlung durchzuführen, scheinen daher keine Aussichten zu haben, der Bericht wird aber die auswärtigen Körperschaften daran hindern, sie zu unternehmen, außer wo sie bereits Bodenbesitz haben. Es wird daher das Ergebnis des Berichtes sein, daß die europäische Siedlung ungefähr auf ein Sechstel des kultivierbaren Bodens beschränkt wird. Es können wohl gewisse Bewässerungssarbeiten duxchgelührt werden, sollen aber solche Arbeiten ״wirtschaftlich“ sein, dann kann sehr wenig geschehen. Solche Unternehmungen wie die Austrocknung der Huleh-Sümpfe können auf der Basis fünfprozentiger Verzinsung keineswegs gerechtfertigt werden, aber es kann als sicher angenommen werden, daß diejenigen Körperschaften, die bereit waren, unökonotnisch© Arbeiten zum Zwecke der An- Siedlung von Jaden in Palästina durchzuführen, nicht bereit sein werden, das gleiche zu tan, um Arabern zu Wirtschaften zu verhelfen. Wird die Politik der Regierung durchgeführt, und sie geht in manchen Stücken über die Empfehlungen des Berichtes bei der Begrenzung der europäischen Einwanderung hinaus, dann wird sie bestimmt dahin führen, das Land d e f i - nitiv in einem asiatischen Zustand zu bewahren mit einem ähnlichen Lebensstandard wie in Transjordanien und Mesopotamien. Es wird indessen dazu neigen, in noch größere Armut zu verfallen, weil seine ständig wachsende Bauernbevölkerung immer schwerer auf die begrenzten Bodenvorräte drücken wird. ♦ Die dem Kolonialamt nahestehende Wochenschrift ״N e a r East and India“ nimmt an der Spitze ihrer Ausgabe vom 23. Oktober zu der Regierungserklärung■ Stellung. Unter dem Titel ״Palästinapolitik“ schreibt sie: Die Regierungserklärung über die Politik in Palästina ist das unvergleichiich bedeutsamste Dokument seit Uebernähme des Mandates durch Großbritannien. Zum ersten Male kann gesagt werden, daß die Absichten der Mandatarmacht unmißverständlich sind. Die früheren, die Balfour-Deklaration interpretierenden Regierungserklärungen ließen immer Lücken bestehen, durch die aas gierige Auge der Zionisten oder arabischen Extremisten hindurchblickte. Nun ist das alles verändert und die Extremisten sind auf den ihnen gebührenden Platz verwiesen. Von nun an kann niemand mehr extremistische Aktionen mit Berufung auf Worte der Regierung rechtfertigen. Unser Raum gestattet es uns nicht, hier die konstruktiven Vorhaben der Mandatarmacht aufzuzählen; wir wünschen aber hier mit größter Anerkennung zu vermerken, auf welche sorgfältige Weise die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas analysiert und beschrieben wird. Daß diese Analyse im wesentlichen die Behauptungen der arabischen Anwalte stützt, wird keinen unparteiischen Beobachter in Erstaunen versetzen, und die Entschließung der Regierung, die Einwanderung und ihre allgemeinen Auswirkungen genauer zu überwachen, bedeutet angesichts ihrer Verpflichtungen und der Geschichte der vergangenen Zeit nichts mehr, als eine Forderung des gesunden Menschenverstandes, Es ist als besonders glücklicher Umstand zu bezeichnen, daß die Dienste eines so ausgezeichneten Sachverständigen wie Sir iohn Hope Simpson bei Abfassung dieses hochwichtigen )okuments in Anspruch genommen werden konnten, das trotz seiner im Augenblick wohl sensationellen Wirkung auf die Dauer bestimmt die Anerkennung aller besonnen denkenden Menschen finden wird, Der ganze (Geist dieses Dokumentes Ist eine schlagende Rechtfertigung der Haltung, die der High Commissioner von Palästina, Sir John Chancellor, bis• her einzuhalten bemüht war, einer Politik gleicher und ge• rechter wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und des Vor• rangs der Wirtschaft vor der Politik; es kann kaum zweifei• halt sein, daß die Wirkung auf die besonnenen Teile sowohl der Majorität der Araber in Palästina, als auch des jüdisehen Volkes in aller Welt eine günstige sein wird. Endlich ist das Palästina-Problem seiner mysteriösen Verhüllung entkleidet und kein Raum mehr für Zauberkünstler frei. Daß cs eine angemessene Zahl von Arabern und Juden geben wird, die erkennen, daß ihre früheren Hoffnungen unausführbar sind und es jetzt darauf ankommt, das Land gemeinsam zu regenerieren, das ist nicht nur die bestimmte Hoffnung und Ueberzeugung der Mandatarmachf, sondern auch die jedes unparteiischen Beobachters jenes Problems, das, vielleicht neben dem indischen, das delikateste aller Orientprobleme darstellt. 4c Im Londoner konservativen Sonntagsblatt ״Observer“ vom 26. & M. senreibt J. L Garvin, der Chefredakteur des Blattes und ein langjähriger Freund des Zionismus, über die letzte Palästinaerklärung und deren Echo u. a. folgendes ״Das letzte Weißbuch liest sich nicht wie ein Versuch, gleiches Recht für Juden und Araber zu geben, sondern wie ein Ulti- 'matum an die Juden. Feststellungen, die den hingebungsvollen Vorkämpfern eines leidenschaftlichen und wundervollen Traumes tiefen Schmerz bereiten mußten, wurden gemacht, ohne das geringste mildernde Wort des Bedauerns und ohne den leisesten Funken der Sympathie. ... Die Situation ist von grundlegender Schwierigkeit. Unser Palästinamandat gehört zu den undankbarsten Aufgaben, die wir je hatten. Was immer wir tun, wir werden von beiden Seiten Undank ernten. Wir werden stets zwischen den beiden Schneiden einer Schere sein. Bei jedem Schritt werden wir angeklagt, entweder jüdische oder arabische Ansprüche zu verletzen, wir machen uns beide zu Feinden. Man muß untersuchen, was bei Berücksichtigtaig der Tatsachen äußerstes für den Zionismus getan werden kann. Wir sympathisieren wärmstens mit dem Zionismus, wir haben versucht, die Seele des Weltjudentums zu verstehen. Aber gewisse Tatsachen in Palästina sind unabänderlich. Der Zionismus muß dazu gelangen, sich zu beschränken. Es kann keine jüdische Herrschaft über das Ganze geben. Die Geschichte kann nicht wiederholt werden. Der Islam war ebenso lange im Besitz des Landes wie seinerzeit die zwölf Stämme. Die Araber verlangen Selbstbestimmung nach der Formel des Präsident Wilson. Sie werden ebenso wie die keltischen Iren bis zum letzten Blutstropfen gegen Verdrängung kämpfen. Und sie haben den ganzen Islam hinter sich. Wenn es überhaupt irgendeine Hoffnung für den Zionismus gibt, dann ist kein Ersatz vorhanden für die Zusammenarbeit von England und Juden. Aber die Mandatarmacht darf nicht jeden Moment gestört und bei jeder Gelegenheit beschimpft werden für die Kon- Sequenzen der wachsenden Schwierigkeiten, die_nicht_ England haben; In welchem Ausmaß? Nach welcher Proportion?ta •Verhllfnfä zu de'rZäMMjd BödenfliÄe^ der-'Araber? Das Ist eine einfache Frage. Es wird keine Sicherheit erreicht werden, solange man ihr nicht ins Auge sieht. Gewalt kann sie nicht beilegen. Nur Besonnenheit kann sie lösen, wenn sie überhaupt einer friedlichen Lösung zugänglich ist, was nicht feststeht. Wenn die Labour-Regierung Dr. Weizm anns Anregung einer Round Table-Konferenz ablehnte, machte sie einen großen Fehler. Diesen sollte sie wieder gutmachen, indem sie diese Konferenz jetzt veranstaltet Vieles an dem Weißbuch ist zwingend, aber sein schnoddriger Ton der offiziellen Ueberlegenheit ist ein schwerer Fehler. Es mangelt ihm an den Erfordernissen staatsmännischen Stils und Aufbaus. Der Zionismus kann herrlich und ausschlaggebend sein als eine geistige und intellektuelle Kraft in Palästina. Aber zu diesem Zwecke muß er mit Besonnenheit zustimmen zu den wohlüberlegten Grenzen seiner materiellen und ökonomischen Expansion. In der Beschränkung zeigt sich der Meister. Dies ist nicht ein Paradox, sondern tiefe Wahrheit. Die Judenheit muß an die Menschheit mehr als an sich selbst denken. Wenn dies verstanden wird, dann kann der Zionismus von Palästina unsterblichen Einfluß nach West und Ost ausstrahlen. Wenn es nicht verstanden wird, wird der Zionismus in Blut und Unglück untergehen. Keine Macht der Weit wird ihn retten können, wenn nicht Großbritanniens fundamentale Bereitwilligkeit zur rechten Zeit noch gewürdigt wird. 4t Die Dokumente wurden am Montag, abends 8 Uhr, von der Regierung ausgegeben. Bereits am Dienstag früh brachten alle führenden englischen Zeitungen ausführliche Berichte und großenteils auch redaktionelle Artikel. Der Brief Weizmanns an Lord Passfield mit der Bekanntmachung der Demission, den Weizmann in einer Pressekonferenz am Montag abends vorgelegt hatte, wird von der Presse ebenfalls erwähnt und kommentiert. Aus den ersten Pressestimmen (die Artikel der ״T i m e s" und des ״Manchester Guardian“ haben wir schon in der vorigen Nummer vollinhaltlich veröffentlicht) ist folgendes zu berichten: Zu den Blättern, die im antizionistischen Sinne Steilung nehmen, gesellt sich diesmal auch das offizielle Organ der Labour Party, der ״Daily H arold“. Das Blatt hatte am Montag früh das Erscheinen der Berichte angekündigt unter der Ueberschrift: Das Kabinett ist entschlossen, das Mandat auszuführen und hatte geschrieben: ״Welches ist die Politik der Regierung in bezug auf Palästina?“ Diese Frage wird morgen beantwortet werden, wenn eine neue Erklärung auf Grund der letzten Debatte des Völkerbundes und auf Grund des Hope SImpsonschen Berichtes erscheinen wird. Die Erklärung der Regierung wird eine Bestätigung der Balfour-Deklaration und der Mandatsbedingungen in der Fassung und dem Geiste der beiden Dokumente sein. Sie wird nochmals aussprechen, daß die Regierung unter allen Umständen das Mandat ausführen wird. Nach der Ankündigung, daß der neue Regierangsplan für die landwirtschaftliche Entwicklung des Landes sorgen wird, fährt das Blatt fort, daß auf diese Weise Vorteile für Juden und Araber entstehen und die Bevölkerung des Landes zahlreicher werden wird. Am Dienstag dagegen hatte die Zeitung auf der ersten Seite die dicke Schlagwortzeile ״Sturm über Palästina“ und als Ueberschrift des Artikels ״Kabinett und Mandat“. Gleiche Rechte für Juden und Araber. Zionisten in Raserei. Furcht vor Verlust des Jüdischen Heim es. Der Präsident tritt zurück. Weizmanns Briet an Lord Passfield wird in da wesentlichen Stella

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.