Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 84 (24.10.1930)
- Date
- 1930-10-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 84, 24. X. 1930 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 547 # ti gt. Es kann nicht im Interesse der Araber liegen, daß jüdisches Kapital gehindert wird, in das Land einzufließen und seine Position wird nicht verschlechtert, wenn hier jüdische Arbeit verwendet wird. Selbstverständlich mul] bet einer Arbeitslosigkeit im Lande auch verhindert werden, daß z. B. ägyptische Arbeiter angeführt werden und es muß Vorsorge gegen unautorisierte Einwanderung־ getroffen werden. Zum Schluß geht Simpson auf die Suspension der Zertifikate ein und stellt fest, daß die damalige Sehedulc auf dem ordnungsmäßigen Wege zustandegekommen und enchmigt worden war. Damals waren die Anweisungen an en Immigrationsbeamten und die Entscheidungen des High Commissioners durch die Aussicht auf Beschäftigung gerechtfertigt. Inzwischen haben sich die Verhältnisse zu Ihren Ununsten verschoben. Die unter Juden verbreitete Meinung, daß ie Wiedereröffnung der Grenzen für Arbeiter-Einwanderung das Vertrauen des Kapitals wieder herstellen würde, ist nicht ohne Begründung. Vom rein ökonomischen Standpunkt allerdings muß gesagt werden, daß die Rücknahme der Sus- Pension ein Risiko bedeutet, das bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage nicht gerechtfertigt wäre. Für die Ausarbeitung der Arbeiter-Schedule werden wesentliche Aendeningen nicht vorgeschlagen. Die Jewish Agency und das Immigrations-Departement mögen gemeinsam diese Schedulc auf stellen, evtl, könnte man unabhängige Wirtschattier etwa von Barclay’s Bank und den Anglo Palestine Co. hinzuziehen, die beide in ständiger Fühlung mit der Bevölkerung sind. * Aus der vorangegangenen Inhaltsangabe der wesentlichen Feile des Berichts ergibt sich, zu welchen Konklusionen der Verfasser kommt. Nur einige Zitate, die bemerkenswerte Formulierungen enthalten, mögen folgen. (Die Unterstreichungen sind im Original nicht enthalten.) ״Es hat sich klar ergeben, daß zur gegenwärtigen Zeit und mit den gegenwärtigen Methoden der arabischen Kultivierung kein Land mehr verfügbar ist für neue Immigranten mit Ausnahme solcher noch nicht entwickelten Ländereien, die die jüdischen Gesellschaften in Reserve haben.“ ״Wir haben Bezug genommen auf die Bedingungen, unter denen der Jüdische Nationalfonds sein Land kauft und verpachtet. Diese Bedingungen sind anfechtbar und müssen von Grund auf geändert werden. ״Verpflichtungen der Verwaltung aus dem Mandat: Es ist die Pflicht der Verwaltung aus dem Mandat, Sicherheiten zu schaffen, daß die Lage aer Araber durch jüdische Einwanderung keinen Schaden leidet Es ist ebenso ihre Verpflichtung aus dem Mandat, geschlossene Ansiedlung von Juden auf dem Lande zu unterstützen, wobei immer die früher erwähnten Bedingungen einzuhalten sind. Nur durch eine aktive Politik der Entwicklung des Landbaus, die zu ihrem Inhalt die Schaffung geschlossener Siedlungen und intensive Kultivierung derselben sowohl durch Araber wie durch Juden zum Inhalt hat, ist es möglich, diese offensichtlieh konkurrierenden Verpflichtungen in Einklang zu bringen.“ Zu diesem Zweck macht Hope Simpson den Vorschlag, ein Institut zu schaffen, das die Um- und Ansiedlung dirigiert. Was Juden betrifft, so stellt er fest, daß vorläufig noch eine genügende Bodenreserve im Besitz der jüdischen Gesellschafteti sei. Die Aufnahmefähigkeit des Landes für neue jüdische Einwanderer schätzt er auf mindestens 20 0 00 Famiüen. Er geht dabei von der auch einmal von Dr. Ruppin genannten Zahl voij etwa 54 OM Fatpilien ans, die neu angesiedelt wera|i״köt»pen,,.,brmgt. aber.:hieryon'׳»mebr •afe*-3ÖMQr Familien landloser Araber in Abzug, die ebenfalls angesiedelt werden müssen. Als Ansiedlungsbehörde schlägt er eine Development Commission vor, die mit den nötigen Vollmachten ausgestattet ist, einen Engländer als Vorsitzenden und je einen Araber und Juden als Mitglieder hat. Die Kommission hätte nicht nur die Entwicklung der Ländereien durchzuführen, sondern wäre auch verantwortlich für die Kolonisation von Arabern und Juden. Die den Ansiedlern zur Verfügung zu stellenden Mittel wären für alle die gleichen, die Zuschüsse, die die luden bei ihrem relativ höheren Standard of life benötigen, hätten sie sich von anderer Seite zu beschaffen. Die Kandidaten, die für die Ansiedlung in Betracht kommen, wären bei den Juden durch die Jewish Agency, bei den Arabern durch die Distrikts-Kommissäre zu benennen. Eine Zusammenarbeit zwischen den jüdischen Ansiedlungsgesellschaften und der Development Commission ist anzustreben. Notwendig Ist dies vor allem bei den Bodenkäufen, hier muß die Regierung ein Vorkaufsrecht für alle auf den Markt kommenden Böden haben und sie für den Zweck der Verteilung und der Intensivierung nutzbar machen. Wenn dagegen die Development Commission nicht willens oder nicht imstande ist, die Böden zu kaufen, so kann sie der Verkäufer anderweitig verkaufen, wobei Vorkehrungen gegen eine Preistreiberei getroffen werden müssen. Die gegenwärtigen Bodenpreise, die wesentlich zu hoch sind, müssen abgebaut werden. * London, 22. Oktober. (J. T. A.) Dr. Weizmann erklärte in einem interview, er sei durch die ungerechtfertigten Angrifte, die im S i m p s 0 n - B e r i c ht und in der britischen Regierungserklärung gegen die jüdische Arbeiterschaff gerichtet werden, der doch in erster Reihe der Erfolg der jüdischen Kolonisationsarbeit zu verdanken sei, besonders peinlich berührt. Gegen die jüdischen Arbeiter Palästinas wird im Simpson-Bericht die Anschuldigung erhoben, daß sie Kommunisten seien, während sie in Wirklichkeit erbitterte Gegner des Kommunismus sind, den sie als ihren größten Feind betrachten. Weizmann drückte weiter sein Bedauern über den Versuch der Regierung aus, bei der Feststellung der Einwanderungsquote ein Junktim zwischen dem Problem der arabischen und dem der jüdischen Arbeitslosigkeit zu machen. Die Arbeitslosigkeit unter den Arabern, sagte Dr. Weizmann, ist ein vager und unbestimmter Faktor, während die jüdischen Einwanderer von den aus dem Auslande nach Palästina zum Zwecke der Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Juden gebrachten Kapltalien abhängig sind. Ungefähr 40 Millionen Pfund sind im Laufe der letzten zehn Jahre auf diese Weise nach Palästina gekommen, woraus nicht nur die arabische Bevölkerung, sondem in weitem Maße auch die Palästina-Regierung selbst Nutzen gezogen hat. Wir hoffen, fuhr Dr. Weizmann fort, auf eine friedliche Entwicklung in Palästina und werden in Er- Wartung besserer Zeiten unsere Arbeit, so gut wir es können, fortsetzen. Es ist möglich, daß der Kongreß eine Verlegung der zionistischen Hauptleitung nach Amerika für angebracht finden wird. Es gibt ferner eine Reihe anderer Möglichkeiten des Kongresses, die ich im jetzigen Augenblick noch nicht voraussehen kann. Wir haben, schloß Dr. Weizmann, bei verschiedenen Gelegenheiten, der Regierung den Vorschlag gemacht, eine gemeinsame Konferenz von Arabern und Juden einzuberufen, aber aus Gründen, für die wir nicht verantwortlich gemacht werden können, ist dieser Vorschlag unberiicksichtigt geblieben. Aus den Gemeinden Vom Vorstand des Liberalen Vereins für die Angelegenhelfen der Berliner Jüdischen Gemeinde wird die J. T.A. um Veröffentlichung folgender Zuschrift gebeten: In den letzten Wochen sind, wie der Oeffentlichkeit nicht unbekannt ist, eingehende Beratungen darüber gepflogen worden, wie sich in der jetzigen Zeit schwerster Wirtschaftlicher Not und politisch unklarer Verhältnisse ein Wahlkampf für die Berliner jüdische Reprisentantenversammlung und den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden vermeiden lasse. Bei diesen Verhandlungen hat die Jüdische Volkspartei es abgelehnt, irgendwelche sachlichen Zusicherungen für die Gemeindepolitik der nächsten Zeit zu machen. Solche Zu- Sicherungen wären nach unserer Auffassung notwendig gewesen in dreifacher Hinsicht: Einmal hätte, falls die jetzigen Majoritätsverhältnisse beibehalten werden sollten, klargestellt werden müssen, daß in nächster Zeit zumindest ein weiterer Ausbau des jüdischen Profanschulwesens auf Kosten der Steuerzahler der Jüdlsehen Gemeinde unterbleiben würde. Statt dessen wurde bei den Verhandlungen seitens der Jüdischen Volkspartei die Forderung erhoben, jetzt auch noch höhere Schulen von der Berliner Jüdischen Gemeinde zu begründen. Es hätte ferner klargestellt werden müssen, daß unabhängig von der Stellung des Einzelnen zur Palästinafrage Steuergelder der Jüdischen Gemeinde nicht für Palästinazwecke Verwendung finden würden. Die Zionisten lehnten auch das ab und kündigten statt dessen sogar an, daß sie Anträge in einem der liberalen Auffassung entgegengesetzten Sinne stellen würden. Es wurde ferner von der liberalen Seite eine Sicherung dafür verlangt, daß in Zukunft bei Anstellung von Gemeindebeamten usw. nicht das Parteibuch, sondern die fachliche Eignung ausschlaggebend sei. Als von der Jüdischen Volkspartel sachliche Bindungen Jeder Art abgelehnt worden waren, wurde der Versuch unternommen, eine Vertagung der Wahl zunächst um ein Jahr zu beschließen. Ueber diesen Vorschlag ־besteht Einigkeit zwischen sämtlichen jüdischen Parteien, nur die Jüdische Volks- Partei lehnt ihn ab. Der Liberale Verein hat nunmehr in einem Brief, der der Volkspartei mitgeteilt Worden ist, um nochmalige Stellungnähme gebeten, um dadurch doch noch einen Wahlkampf in der jetzigen Zeit zu vermeiden. Die entscheidenden Sätze dieses Briefes, der an die Mittelpartei z, H. des Herrn Professor Dr. S obernheim gerichtet Ist, lauten: ״Mit lebhaftem Bedauern haben wir von dem ablehnenden Bescheid Kenntnis genommen, den die Jüdische Volks- Partei Ihnen in der Frage einer Vertagung der bevorstehenden Repräsentanten- und Landesverbandswahlen erteilt hat. Alle Parteien, außer der Jüdischen Volkspartei, waren bei den Verhandlungen der Auffassung, daß die Wirtschaftliehe Not und die politischen Gefahren des Augenblicks Veranlassung geben sollten, einen Wahlkampf in jetziger Zeit zu vermeiden. Alle Parteien außer der Volkspartei waren sich vollständig darüber einig, daß die Vertagung der Wahlen um ein Jahr der gebotene Ausweg sei. Entsprechend dem Votum unserer Verhandlungsführer, die diese Auffassung bereits bei den Verhandlungen vertreten haben, hat unser Hauptvorstand beschlossen, für eine Vertagung auf ein Jahr einzutreten, obwohl es für uns bei den zurzeit bestehenden Majoritätsverhältnissen begreiflicherweise ein schwerer Entschluß gewesen ist, für ein weiteres Jahr ohne sachliche Bindungen den Status quo ante in der Jüdischen Gemeinde bestehen zu lassen. Stichhaltige Gründe für die Ablehnung sind aus der Erklärung der Jüdischen < Volkspartei’nicht erskhtich. , ' V . ׳' Deshalb hoffen wir, daß die Jüdische Volkspartel gegenüber dem Wunsche zahlreicher Gemeindemitglieder bei ihrer Weigerung nicht beharren werde, wir bitten Sie, Klarheit darüber zu schaffen, ob die Jüdische Volkspartei ihre Weigerung aufrecht erhält, und uns bis zum Donnerstag abend, den 23, Oktober d. J,, hierüber Mitteilung zukommen zu lassen.“ * Von der Leitung der J üdischen Volkspartei geht uns folgende Zuschrift zu: Die Veröffentlichung des Vorstandes des Liberalen Vereins versucht den Eindruck zu erwecken, als ob die Jüdische Volkspartei die von allen Parteien erstrebten Friedensverhandlungen zum Scheitern bringen wolle. Demgegenüber stellen wir mit aller Klarheit und Eindeutigkeit fest, daß das Gegenteil riehtig ist. Der Standpunkt der Jüdischen Volkspartei geht aus unserer Antwort auf den Friedensappell der Berliner Gemeinderabbiner und aus unserer Zuschrift vom 20. d, M. an Herrn Professor Sobemheim hervor, die Im nachfolgenden wörtlich wiedergegeben Ist: ״Der Ausschuß der Jüdischen Volksparte! hat Im An- Schluß an die Sonnabend-Sitzung gestern sehr eingehend über die Frage der Verlängerung aer Dauer der jetzigen Repräsentanz um ein Jahr, wie sie vorgeschlagen war, verhandelt. Wir sind aber nach sehr ernster und zu Kornpromissen bereiter Beratung zu dem Resultat gekommen, daß die schematische Verlängerung, zumal um ein halbes Jahr oder ein Jahr, wie am Sonnabend erörtert, die erwünschte und von allen Seiten gewollte Befriedung der Gemeinde nicht zu bringen geeignet ist. Wir legen den größten Wert darauf, zu erklären, daß wir mit dieser Stellungnahme keineswegs eine weitere Diskussion von Verständigungsmögüchkeiten ablehnen. Auch bei uns ist durchaus nach wie vor der Wille vorhanden, zu einer Befriedung der Gemeinde beizutragen. Wir bitten deshalb, baldmöglichst eine neue Konferenz zur Beratung anderer Verständigungsmöglichkeiten einzuberufen, gestatten uns im übrigen zu bemerken, daß, wie wir hören, über das Ergebnis unserer Beratungen vom Sonnabend auch bereits morgen im Gemeindevorstand gesprochen werden wird.“ Diese Zuschrift ist von uns dem Vorsitzenden der liberalen Fraktion rechtzeitig vor Abfassung der Erklärung des liberalen Vereins mitgeteilt worden. Der liberale Verein wußte also, daß die Jüdische Volkspartei durchaus zu weiteren Verhandlungen bereit ist und mit aller Kraft eine wirkliche Befriedung der Gemeinde herbeiführen will: trotzdem hat er seine irreführende Erklärung publiziert. Die Jüdische Volkspartei lehnte gerade im Interesse einer wahrhaften Befriedung den Vorschlag der Mandatsverlängerung auf ein Jahr ab, weil diese Mandatsverlängerung nicht eine Vermeidung des Wahlkampfes, sondern in Wahrheit eine Verlängerung des Wahlkampfes um ein ganzes Jahr und der damit verbundenen Erregung der Gemeinde bedeutet. Uebrigens geht aus der Veröffentlichung des liberalen Vereins selbst nervor, daß die Schwierigkaten, die einer wahrhaften Befriedung im Wege stehen, durch das Vorgehen der Liberalen geschaffen worden sind. Nicht die Volkspartei hat Forderungen aufgestellt, deren Annahme vom liberalen Verein verlangt worden ist, vielmehr verlangt umgekehrt der liberale Verein von der Jüdischen Volkspartei die Entsagung von jeder positiven Arbeit und die Annahme überaler Forderungen, die in ihrer Durchführung eine Aufhebung der bisherigen positiven Aufbauleistungen bedeuten würden. Wir sehen von der Berichtigung der anderen, aus wähltaktischem Agitationsbedürfnis der Liberalen Partei entspriiigenden Entstellungen ab; wir bedauern aufrichtig, daß in einem Augenblick der Verhandlungen der liberale Verein die unwahre und unerhörte Behauptung aufstellt, die Volkspartei habe bei der Anstellung von Gemeindebeamten nicht die fachliehe Eignung, sondern das ״Parteibuch“ als ausschlaggebend betrachtet. Die Volkspartei hält es für unter ihrer Würde, eine derartige Behauptung zurückzuweisen; sie ist überzeugt, daß die jüdische Oeffentlichkeit schon aus diesem offenbar wider besseres Wissen erhobenen Vorwurf ersehen wird, wer die wahren Friedensstörer sind. Der liberale Verein wird aufgefordert, statt der allgemein gehaltenen Verdächtigung auch nur einen einzigen Fall anzuführen, in welchem der Partei- Zugehörigkeit die fachliche Eignung hintangesetzt wurde. Die Veröffentlichung des liberalen Vereins beweist nur, daß die Liberalen die in allgemeinen Wahlkämpfen übliche Methode anzuwenden bemüht sind, anderen die Verantwortung für das offensichtlich von ihnen gewünschte Scheitern der Verhandlungen zuzuschieben. Für diese Absicht spricht auch, daß der liberale Verein seine Veröffentlichung vorgenommen hat, obwohl im Interesse einer Fortführung der Verhandlungen von allen Seiten, auch von den liberalen Teilnehmern an den Verhandlungen, absolute Vertraulichkeit gelobt und zugesichert war. Die Jüdische Volkspartei erklärt sich, trotz dieses peinliehen Vorfalles und trotz der Gewißheit, daß der Kampf für sie günstige Resultate bringen würde, nach wie vor bereit, an wirklichen Befriedungsverhandlungen, d. h. an der Schaffung einer Einheitsliste, die der Gemeinde für die nächsten vier Jahre den Wahlkampf erspart, ihr eine verfassungsmäßige Vertretung gibt und die Demokratie sichert, gern mitzuarbeiten. Nach Schluß der Redaktion Ein Brief der konservativen Führer In der ״Times“ vom 23. Okt. wird ein Brief, gezeichnet von den konservativen Führern, dem früheren Mlnhterprlsl* denten Baldwln, dem früheren Minister des Aeußern Chamberlain, und dem früheren Kolonialsekretlr Amery, veröffentlicht. Der Brief beginnt mit dem Ausdruck des Be* dauern«, daß Dr. Weizmannim Hinblick auf die Regierung«• erkllrung von der Leitung der zionistischen Bewegung zurück* getreten Ist und mit einem Tribut an die Loyalität, mit der Dr. Weizmann durch 12 Jahre trotz vieler Schwierigkeiten und Enttäuschungen sich bemüht hat, mit der englischen Regierung zu kooperieren. Die Verfasser des Briefes sind überzeugt, daß Dr. Weizmann, wie aus seinem Resignationsschreiben zu ersehen Ist, die Aufgabe, der Regierung die Durchführung des Mandates zu erleichtern, erfüllt nat, solange sich dies mit seinen Pfliehten gegenüber seinem eigenen Volke vereinbaren Heß. Dr. Weizmann hat noch im September d. J. in einem Brief an Lord Pa s s f i e I d den Vorschlag wiederholt, den er vor einem Jahre dem Ministerpräsidenten machte, daß die Regierung als ein ehrlicher Makler zwischen Juden und Arabern auftreten und eine Verstlndigungskonferenz einberufen möge. Der Brief der konservativen Führer endet mit folgender Erklärung: ״Wir sind uns aufs tiefste der zweifachen Verpflich* tung sowohl den Juden wie den Arabern gegenüber bewußt, die Im Mandat verkörpert ist und die die Grundlage der Politik gebildet hat, welche seither von der englischen Regierung ver* folgt wurde. Was wir bedauern, ist, daß die Regierung diese Politik aufgegeben zu haben scheint. Indem dl$ Regierung Dt. Weltmanns Vorschlag unbeachtet ließ! entmutigte «ii die Bemühungen der jüdischen Führer, die darauf ausgingen, die einvernehmliche Stimmung zu fördern, welche die Keglerung selbst als die notwendige Bedingung zur Lösung der Palästlraprobleme betrachtet. Ohne weder den Arabern noch den Juden zur Darlegung ihrer Meinungen Gelegenheit gege* ben und ohne dem Parlament gestattet zu haben, seine Stimme zu erheben, hat die Regierung eine Politik festgelegt, die von so endgültig negativem Charakter ist, daß sie uns Im Wider- Spruch zu stehen scheint nicht nur zu der Forderung des Völkerbundsrates dahingehend, daß es den Intentionen des Mandates widersprechen würde, wenn das Jüdische Nationalheim Im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung durch eine Festlegung auf das jetzige Ausmaß endgültig abgeschlossen werden wurde, sondern auch zum ganzen Geist der Baifour-Deklaration und der Erklärungen, die in den letzten 12 Jahren von den aufeinanderfolgenden Regierungen abgegeben wurden. Es Ist nur zu deutlich, daß das Weißbuch auf die öffentliche Meinung der Judenheit in Amerika und in anderen Lindern die Wirkung haben wird, das Gefühl von Mißtrauen In den guten Glauben Englands zu erzeugen, der das wertvollste Besitztum unserer auswärtigen Reichspolitik bildet.“ Auf die Depesche der Z. V. f. D. an den Waad Leumi antwortete Pinchas Rutenberg, der Vorsitzende des Waad Leumi, mit Worten des Dankes für den herzlichen Ausdruck des Vertrauens zum Jischuw und für die Zusicherung tatkräftfger Unterstützung. Rutenberg fügt hinzu, daß die Aufrechternaltung und Entwicklung der ökonomischen Positionen in sichtbarster Form die lebenswichtigste Aufgabe Im gegenwärtigen Zeitpunkte darstellen. London , 20. Oktober. (J. T. A.) Auf dem Bankett, das zu Ehren Prof. A. Einsteins von dem Vereinigten Komitee von ״Ort“ und ״Ose“ Dienstag, den 28. Oktober, im Savoy-Hotei zu London veranstaltet werden wird, wird Lord Roth- Schild den Vorsitz führen. Bernard Shaw wird den Toast auf Prot. Albert Einstein sprechen. Weiter werden Sir Herbert Samuel, Unterhausmitglied Prof. Samuel Alexander, der königliche Astronom Sir Frank B y s o n und H: G. W c 11 s das Wort ergreifen. Auf Grund einer Vereinbarung mit der British Broadcasting Corporation werden die Reden Prof. Einsteins und Bernard Shaws im Rundfunk verbreitet werden. Jerusalem,20. Oktober. (J. T. A.) Am 18. Oktober verstarb in Jerusalem im Alter von 65 Jahren Rabbi Meir Franko, der letzte sephardische Rabbiner von Hebron. Rabbi Franko hatte während des Massacres in Hebron im August 1929, in dem die zwei anderen sephardischen Rabbiner von Hebron, Rabbi Hassun und Rabbi Castel, den Tod fanden, einen Nervenzusammenbruch erlitten, von dessen Folgen er sich nicht mehr erholen konnte. בית מדרש לעברית של קהלת היהודים בברלין. Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 1. Charlottenburg, Grolmanstr. 36 (Beth Am). 2. Berlin N, Gr. Hamburger Str. 27. 1. Im Beth Am ist ein Anfängerkursus für Jüngere im Alter v־on 12—14 Jahren eingerichtet worden. Es werden nur die Kenntnisse des Lesens vorausgesetzt Unterrichtszeit: Mittwochs 6—7,30 Uhr und außerdem an einem noch festzusetzenden Tage. 2. Sonnabend, den 25. Oktober, um 8 Uhr abends, beginnt In der Or. Hamburger Str. 27 der Unterricht in den verschicdenen Anfängerklassen. Kenntnis des Lesens vorausgesetzt