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Jüdische Rundschau · 1930-10-24 · Heft 84 (24.10.1930) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 84 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 548 Nr. 84, 24. X. 1630 jU ED ISCHE RUNDSCHAU ■ .... Der Bericht Sir John Hope Simpsons Auszug aus dem Beridii Der am 21. Oktober 1930 veröffentlichte Bericht führt den Namen ״Reporten Immigration, LandSettlement and Development“ und enthält einschließlich der Anlagen 185 Seiten. In dem Begleitbrief an den Staatssekretär für die Kolonien umschreibt Hope Simpson seine Aufgabe als die einer Untersuchung der Fragen von Einwanderung, An- Siedlung und Entwicklung des Landes, ln ständiger Beratung mit dem High Commissioner stehend, hat er das Land besichtigt, begleitet in einige arabische Dörfer von Jamal Effendi, Hussein!', in die jüdischen Siedlungen von Dr. Ruppin (״dessen Hilfe unschätzbar war“) und Victor Konn von der Pica. Dr. Wilkansky stellte ihm nicht nur seine großen technischen Kenntnisse landwirtschaftlicher Fragen zur Verfügung, sondern auch Probebogen seines Buches über die Fellachen-Wirtschaft, aus dem der Bericht Auszüge veröffentlicht. Der Bericht selbst enthält zunächst einige beschreibende Kapitel über Land und Klima, den für Bodenkultur geeigneten Teil Palästinas, über Bevölkerung und soziale Verhältnisse in der Landwirtschaft. Ffierauf folgt ein ausführliches Kapitel über die jüdischen Siedlungen. Nachdem kurz auf Privatinstitute, wie die der Bne Benjamin eingegangen wird, stellt der Bericht fest, daß das Oesamtareal, das im Besitz jüdischer Organisationen ist, etwa 1 250 000 türkische Dunam umfaßt. Die Hauptpunkte der Pica-Siedlungen, P et ach- Tikwah, Rechowoth, Rischon le Zion und Sichron Jakob werden flüchtig beschrieben, die Kabbara-Kon- Zession und das Pardassana-Projekt Benjamina u. a. geschildert und auf die ausgezekhneten Beziehungen zu den arabischen Nachbarn und Arbeitern hingewiesen, die dort früher geherrscht haben. ״Hätte die Pica die Politik der Freundschaft mit den Arabern fortsetzen dürfen, so wäre es unzweifelhaft in der Nähe der Kolonien nicht zu der beklagenswerten Verbitterung gekommen, die nun vorhanden ist.“ Als Einleitung zu dem Unterabschnitt über die zionistischen Siedlungen wird zunächst eine Darstellung des Nationalfonds gegeben, dessen Landbesitz auf 270 000 Dunam angegeben wird. Der Hauptunterschied gegenüber der Pica ist das Prinzip der Selbstarbeit. ״Es fehlt nicht an Begeisterung und es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Siedfungen die Siedler ernähren werden, besonders in der Pflanzui’gszone." Vorläufig sind sie aber nicht konsolidiert und wohl nirgends sind dem Jüdischen Nationalfonds oder dem Keren Hajessod seine Investitutionen zurückgezahlt worden. In Zitaten an anderer Stelle des Berichtes wird erwähnt, daß die jüdischen Siedlungen in Rußland und die griechischen Rück- Wanderer wesentlich weniger Unterstützung erhalten als die palästinensischen Chahizim. (Wenn allerdings der Bericht die Qesamt-fnvestitionen der Fonds für landwirtschaftliche Kolonisa.tion mit £ 4 891 000 angibt, so hat Dr. Ruppin nachgewiesen, daß diese Summe um mehr als das Doppelte zu hoch angegeben ist). Bei der Beschreibung des im Besitz des Nationalfonds befindlichen Bodens macht Hope Simpson die für die späteren Schlußfolgerungen wichtige Feststellung, daß eine Landreserve vorhanden ist, die dem Nationalfonds die W e i - terarbeit für mehrere Jahre ohne Bodenkäufe m ö g 11 c h m a e h t. Dies gestattet die Ausarbeitung eines Programms für die Erschließung des Landes, ohne daß es zu Kollisionen mit dem zionistischen Siedlungswerk kommt.“ Während Hope Simpson sich gegen den Typ der K w u z o t h ausspricht, schildert er mit mehr Schätzung die Möschawe Owdim. (Einzelheiten müssen hier übergangen werden.) Besonders wichtig ist der nun folgende Abschnitt über die Auswirkungen der jüdischen Siedlungen auf die Araber. Hier müsse ein großer Unterschied zwischen den Pica- und den zionistischen Kolonien gemacht werden. Von den ersteren haben die Araber reichen Vorteil gehabt und so waren die Beziehungen sehr freundschaftlich. Die von zionistischer Seite gebrachten Darstellungen des wohltätigen Einflusses jüdischer Arbeit auf die Nachbarn beziehen sich nur auf Pica- Siedlungen, die vor Errichtung des K.H. entstanden sind. Dort sind nicht nur gleichzeitig mit den eigenen die benachbarten arabischen Ansiedlungen entwickelt worden, sondern die Araber wurden auch von den Juden als Arbeiter beschäftigt. Anders ist es in den zionistischen Kolonien, und der Bericht sucht dies zunächst beim Kauf des Emek nachzuweisen. Bekanntlich hatte Dr. Ruppin Hope Simpson eine Liste der gesamten 688 Pächter übergeben, die sich auf den Emek-Böden befunden hatten, und diese verlassen haben, und er hat nachgewiesen, daß hiervon 437 Leute noch jetzt Böden bearbeiten, ein großer Teil der übrigen als Hirten tätig ist, 84 nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten, der Rest verstorben oder unauffindbar ist. Hope Simpson bemüht skh, diese Ziffern anzugreifen. (Gegenmaterial ist genügend vorhanden.) Immerhin fährt Hope Simpson fort: ״Den Juden kann man keinen Vorwurf daraus machen, in welcher Weise sie die S11 r suck - L ä n d e re; en gekauft haben. Sie haben hohe Preise bezahlt und darüber hinaus den Pächtern eine beträchtliche Summe vergütet, ohne daß sie hierzu rechtlich verpflichtet gewesen sind. Es war nicht ihre Aufgabe, sondern die der Verwaltung (auf Grund Art. 6 des Mandates), darauf zu sehen, daß die Araber bei der Transaktion nicht zu leiden hätten.“ Ausführlich geht Simpson nun auf die im Nationalfonds und Keren Hajessod vorgeschriebenen Verpflichtungen ein, die Böden an Juden zu geben (wobei auch die einschlägigen Artikel 3d und e der Agency-Koustitution zitiert werden). Sehr dezidiert sucht der Bericht festzustellen, daß diese Praxis mit der Araber-Resolution des XII. Zionistenkongresses tmvereinbar ist. Durch die Landkäufe des Nationalfonds werde der Boden exterritorial. Der Araber sieht _diese Terrains für ewige Zeiten aus seinem Bereich entschwinden. Nicht nur, daß er sie nicht zurückkaufen kann, er kann auch nie dort Arbeit finden. Der Boden wird ״tote Hand“. Dieser ״Boykott arabischer Arbeit“, unvereinbar mit Art. 6 des Mandates, stellt eine Gefahr für das Land dar. Und alle Anstrengungen werden von zionistischer Seite gemacht, dieses bisher auf die zionistischen Siedlungen beschränkte Prinzip auch auf die der Pica auszudehnen. Zur Beseitigung dieser aus Gründen der Gerechtigkeit und der öffentlichen Sicherheit gleicherweise abzulehnendcn Praxis, für die die Histad r u t h verantwortlich gemacht wird, wird die Hilfe der Zionistischen Organisation angerufen. Simpson kommt nun auf die zionistischen Forderungen auf Ueberlassung von Staatsländerden zu sprechen und konstatiert nach einer Darstellung des Materials (die von unserer Seite angefochten wird), daß Ländereien in beträchtlichem Umfang, die in Händen der Regierung sind, und für jüdische Ansiedlung zur Verfügung gestellt werden könnten, nicht vorhanden sind. Allerdings macht Simpson darauf aufmerksam, daß nur durch die Erneuerung der Huleh-Kon Zession und durch die sehr großzügige Uebergabe der Beisan-Ländereien an Araber die!«denleer ■®gegangen sind. Me folgenden Kapitel über die Lage der Fellachen ent* halten ausführliche Untersuchungen über das Minimum von Land verschiedener Bodenarten, das den Lebensunterhalt für die Familien bieten kann und beschäftigen sich mit dem Pro• blem der Fellachen und der Beduinen, das man nicht übersehen dürfe. Der Beduine ist pittoresk, aber wirkt als ein Anachronismus in kultivierbaren und kultivierten Gegenden. Auf die Streitigkeiten zwischen Juden und den herumziehenden Beduinen eingehend, bemerkt Simpson, daß z. B. in Waadi el Chawareth der Streit darum geht, ob, wie die Juden behaupten, die Beduinen jetzt neuerdings erst auf den Böden erschienen sind, oder, wie sie selbst behaupten, jährlich um die gleiche Zeit mit ihren Herden auf diesen Böden erscheinen. Im letzteren Falle müßten sie entschädigt werden, wenn sie den Boden verlassen müssen. Das Kapitel über die Entwicklung des Landbaus stellt zunächst fest, daß eine der wichtigsten und fortschrittlichsten Tätigkeiten der Juden in Palästina die wissenschaftliche Ent- Wicklung des Landbaus ist. Die Versuchsstation in Tel-Awiw mit ihren Nebenzweigen im Land ist nicht nur beschäftigt mit Untersuchungsarbeiten von allerhöchstem Werte für die palästinensische Landwirtschaft im allgemeinen, sondern ist auch der Mittelpunkt für einen Instruktionsdienst für die jüdischen Siedlungen. 3eit ihrer Gründung im Jahre 1922 sind ungefähr 85 503 Pfund für Einrichtung und Aufrechterhaltung ausgegeben worden. Drei Laboratorien beschäftigen sich mit der Pathologie der Pflanzen, Entomologie und Chemie des Bodens. Die Lehrkurse und ihre besonderen Instruktoren werden gewürdigt. Die Versuchsstation der Universität hat ebenfalls viel Nützliches geleistet. Es folgt dann eine Schilderung der Tätigkeit des Departements of Agricutture der Palästina-Regierung, deren nicht zureichendes Budget bemängelt wird. Mit besonderer Betonung wird auf die Bedeutung der Aufforstungen hingewiesen, die fast ausschließlich in jüdischen Händen liegt. Auf anscheinend völlig unfruchtbarem Felsenboden in M o z a h, wo eine Wüste ohne jede Vegetation irgendwelcher Art gewesen war, stehen heute, weite Obstgärten, die ihrem Inhaber ein reiches Auskommen gewähren. Ganz ähnlich hat die Zionistische Organisation in Kirjath Anawim Erfolge erzielt. Trotz mangelnder Be- Wässerung sind sie wundervoll gediehen. Ueberall pflanzen die Juden, alle ihre Kolonien sind mit Fruchtbäumen bedeckt. Zum Schulwesen übergehend, wird mit Bewunderung festgestellt, daß nahezu sämtliche jüdischen Kinder (jüdische) Schulen besuchen und daß dieses Schulwerk von jüdischen Instanzen mit nur sehr geringer Unterstützung seitens der Verwaltung unterhalten wird. Es sei eine ständige Klage in jüdisehen Kreisen darüber, daß die staatlichen Zuwendungen so gering sind (20 000 Pfund), während die Zionistische Exekutive für ihre insgesamt 227 Schulen im Jahre 1928/29 162500 Ptund aufgewendet hat. Ein vollkommen anderes Bild geben die arabischen Schulen (insgesamt 308), davon 259 in den Dörfern. Im Laufe des letzten Jahres hat die Zahl der Schulen um vier abgenommen. Von den schätzungsweise 95 000 Kindern in den arabischen Dörfern haben nur etwa 13,2 0/0 Schulunterricht. Das Gesamtbudget der Schulen für Araber liegt mit 144119 Pfund um mehr als 18 000 Pfund unter dem von der jüdischen Organisation für den gleichen Zweck ausgegebenen Betrage. Dennoch ist nicht einmal dieses bewilligte Budget ganz äti%dgetÄ worden. Da ohne Schulunterricht eine Entwicklung der Bevölkerung und ein Verständnis für fortschrittliche Methoden des Landbaus nicht möglich ist, wird die falsche Sparsamkeit getadelt. In dem folgenden Unterabschnitt über Bewässerung, in dem ein besonderer Abschnitt die A u d j h a - Kon Zession behandelt, wird die Politik der Regierung beim Uebergang der Huleh-Böden in den Besitz eines Konzessionärs in Beirut getadelt und nochmals beklagt (s. auch oben), in welcher unpraktischen Weise die Beisan-Böden verteilt worden sind. Der nächste Abschnitt über die Kooperation stellt wiederum einleitend die Pionierrolle fest, die die Juden spielen. Nicht weniger als 249 Kooperativen sind registriert, von denen jedenfalls 173 arbeiten. Sie sind ausnahmslos jüdische. Die 134 jüdischen Kooperativ-Gesellschaften, die Gegenstand einer Untersuchung waren, hatten 33 000 Mitglieder, ein Kapital (einschl. Reserven) von 334827 Pfund und außerdem Depositen und Spareinlagen von 711 445 Pfund. Dagegen war ihre Schuld an Banken und andere Kreditoren 294411 Pfund, so daß ihre Lage als außerordentlich zufriedenste! Iendbezeichnet werden muß. Nachdem einzelne der hauptsäch* liehen Kooperativgesellschaften, wie Pardes, Hamaschbir, Tenu* wah, Jakhin, beschrieben worden sind, wird der Grund untersucht, warum die Araber bisher keine Kooperativgesellschaften bilden konnten, ob dies möglich ist oder nicht und es wird den jüdischen Kooperativen nahegelegt, arabische Mitglieder aufzunehmen, womit auch eine Annäherung zwischen Juden und Arabern herbeigefiihrt werden würde. Das folgende Kapitel über landwirtschaftliche Produkte, das an und für sich zweifellos sehr bedeutungsvoll und interessant ist, muß hier außer Betrachtung bleiben, ebenso das über die Industrie. Dagegen ist das folgende fetzte Kapitel über Immigration von außerordentlicher Bedeutung, und führt zu schwer• wiegenden Schlüssen. Die Ziffern für die Ein- und Auswanderung seit 1922 werden jn besonderen Anhängen mitgeteilt und die verschiedenen Vorschriften über jüdische Ein- Wanderung aufgezählt. Im Anschluß an den Report der Shaw- Kommission über die Verteilung der Zertifikate nach p o I i t f sehen Gründen stellt sich Simpson auf den Standpunkt, den Harry S n e 11 in seinen Reservationen eingenommen hat. Dennoch aber kritisiert er den zu starken Einfluß, den die Histadruth auf die Auswahl der Immigranten ausübt. Die Art der Hachscharah mit ihren Lehrgütern in der Nähe von Warschau, in Galizien, Deutschland und Frankreich wird erwähnt, ebenso die Instruktoren, die seitens der Histadruth in diesen Lehrgütern verwendet werden. Diese Instruktoren erhalten von der Histadruth nur die Reisekosten, während sie das übrige entweder selbst verdienen oder aus Mitteln der Zionistischen Organisaiion erhalten. Die Histadruth hat tatsächlich einen unberechtigtcn Einfluß auf die Auswahl der Immigranten. ״In der großen Mehrheit der Fälle hat ein Einwanderer keine Chance, wenn er nicht persona grata bei der Histadruth ist.“ Als Beweis wird aus einem Memorandum der Histadruth an die Shaw- Kommission ein Passus zitiert, in dem festgestellt wird, daß sie einen entscheidenden Einfluß auf die zionistische Jugend in der Diaspora ausübt, die sie mit dem zionistischen Ideal und dem der Selbstarbeit erfüllen will, und daß die Gialuzorganisationen, die das hauptsächliche Menschenmaterial für das zionistische Palästina-Werk bilden, organisch verbunden sind mit der Histadruth, die ihr Erziehungswerk kontrolliert. Ein erwandernder Chaluz werde automatisch Mitglied der Histadruth, sobald er in Palästina ankommt. Als weiterer Beweis wird eine Kfage der Agudath Israel wegen Nichtberücksichtigung ihrer Arbeiter angeführt. Nunmehr wird die Technik der Zertifikat-Erteilung an die Zionistische Organisation, resp. die Jewish Agency geschildert und hierfür folgendes Schema aufgesteilt: A. Jüdische Arbeitslose; B. Juden, deren Arbeit im Laufe eines halben Jahres beendet sein wird; C. Summe von A und B; D. Anforderung jüdischer Arbeiter durch größere private und öffentliche Körperschaften; E. Schätzungsweise Anforderung von kleineren Firmen; F. Reserve (zur Verfügung des Immigrationsbeamten); G. Summe von D, E, r. Die Differenz zwischen B und G, mit Ausnahme der unter F genannten Reserven, stellt die Zahl der Zertifikate dar, die der Jewish Agency übergeben werden, und zwar zu deren freien Verfügung. Es wird auf eine Reihe von Mißständen hingewiesen, die sich durch Fehler des Systems ergeben haben und verlangt, daß wieder wie früher einmal Beamte.der Mandatarmacht an Punkten wie Warschau eine'Kontrolle vornehmen. Nach diesen mehr technischen Einzelheiten geht Simpson auf die Tätigkeit und die Politik der Histadruth ein, die weit mehr sei, als eine Arbeiterfederation im gewöhnlichen Sinne. Aus dem Bericht, den die Histadruth an die Shaw-Kommission gerichtet hat, wird ein großer Abschnitt abgedruckt, aus dem der Umfang der Organisation und die führende Rolle, die die Histadruth im Zionismus spielt, hervorgehen sollte. Simpson verweist auch darauf, daß Mitglieder der Histadruth gegen andere Mitglieder keine Klage bei Gericht eiabringen dürften, sondern daß eigeneGerichtshöfeder Histadruth unterhalten werden. ״Jüdische Arbeit, der Grundstein des Jüdisch-Nationalen Ffeimes“, so überschreibt Simpson den nächsten Absatz und zitiert aus einem Brief Ariosoroffs eine Reihe von Stellen, in denen etwa ausgesprochen wird, der Aufbau des Nationalheimes bedeute nicht nur die Rückkehr eines heimatlosen Volkes zum Boden, sondern gleichzeitig die Rückkehr eines Volkes, das jahrhundertelang von allen Quellen produktiver Tätigkeit entfernt war, zu einem Leben von Arbeit, dem Leben einer sich selbst erhaltenden Gemeinschaft, oder in dem es heißt, ,das Nationallleim, welches nicht das nach Profit jagende Unternehmen einer Chartered Company ist, darf nicht auf den Grundlagen billiger Eingeborenenarbeit und deren Ausnutzung durch ein wandernden Kapitalismus gebaut werden‘. Aehnliche Zitate, auch aus einem Briefe der Histadruth selbst werden reichlich gebracht, und Simpson fährt dann fort: ,Die Histadruth führt eine Politik, die die Einführung einer neuen Gesellschaftsordnung in sich schließt, basiert auf Gemeinschaftssiedlungen und dem Prinzip der Selbstarbeit. Wo Selbstarbeit unmöglich ist, besteht sie zum mindesten auf der Beschäftigung von ausschließlich jüdischen Arbeitern durch alle jüdischen Arbeitgeber. ... 46 der zionistischen Kolonien sind auf dem Prinzip der Gemeinschaftssiedlung aufgebaut. Dieser Grundsatz wurde durch die Experten in Ihrem Report und durch die Joint Palestine Survey Commission abgelehnt, aber diese Tatsache hat nur einen geringen Eindruck auf die Histadruth selbst und auf die Zionistische Organisation gemacht, denn neue Gemeinschaftssicdlungen werden Immer noch errichtet.“ Nach einer Anzahl von Zitaten von Elwood Mead und Sir John Cfi j>bfll, diej' wie SimpsohT Krtiferirf, auch die heutige Situation mit bemerkenswerter Genauigkeit schildern, faßt der Bericht seine Konklusionen folgendermaßen zusammen: ״Die Histadruth fährt fort, zu Lasten der Großzügigkeit der Weltjudenheit ein soziales und ökonomisches Experiment von großem Interesse, aber fraglichem Wert durchzuführen. Die Jewish Agency billigt entweder dieses Experiment oder ist unfähig, es zu unterdrücken.“ Nachdem über die Hauptherkunftsländer der Immigranten und die Gründe für ihre Auswanderung einiges gesagt worden ist, geht Simpson auf die Frage ״Einwanderung und Arbeitslosigkeit“ ein. Die Araber glauben in weiten Kreisen, daß die Arbeitslosigkeit in ihren Reihen auf die jüdische Einwanderung und die Konkurrenz der jüdischen Arbeit zurückzuführen ist. ״Soweit jüdische Arbeit gebraucht wird, In Unternehmungen, die nur mit einfließendem jüdischem Kapital unterhalten werden, ist keine Grundlage für einen solchen Glauben vorhanden. Es ist indessen unmöglich, sich Gewißheit darüber zu verschaffen, ob Arbeitskräfte in größerem Umfange, als für diese Zwecke notwendig sind, eineführt worden sind. In der Tat kann man aus der Tatsache er steigenden Beschäftigung jüdischer Arbeiter in anderen Unternehmungen in dem Departement für öffentliche Arbeiten, Eisenbahnen, Bauunternehmungen, die nicht ausschließlieh durch jüdisches Kapital erhalten werden, die Folgerung ziehen, daß mehr jüdische Arbeiter ins Land gebracht worden sind, als für rein jüdische Zwecke notwendig gewesen wäre und daß in diesem Umfang der arabische Arbeitsmarkt durch die jüdische Einwanderung gelitten hat. Andererseits kann es nicht zweifelhaft sein, daß die der jüdischen Einwanderung folgende Entwicklung des Landes wahrend der letzten neun Jahre neue Möglichkeiten für arabische Arbeiter geschaffen hat._ Die Entwicklung des Orangenhandels allein erfordert die Tätigkeit von einer großen Zahl arabischer Träger und Schiffer in den Häfen. Dasselbe kann man sagen von dem großen Import von Maschinen und Material im Zusammenhang mit der Jordan-Konzession, mit der Konzession des Toten Meeres und mit dem Bau und der Arbeit der Nesher-Zementfabrik. Durch all dies sind Arbeitsjmöglichkeiten für die Araber entstanden . . . und es ist eine {berechtigte Schlußfolgerung hieraus, daß die Konkurrenz der I eingewanderten jüdischen Arbeiter durch diese wachsenden ,Arbeitsmöglichkeiten ausgeglichen worden ist.“ Es folgen die Arbeitslosenziffern für die Monate Januar bis Juni dieses Jahres, getrennt für Juden und Araber und die Festeteilung, daß Im Gegensatz zu den jüdischen Organi• sationen die Araber keine ausreichende Statistik über den Arbeitemarkt besitzen. Immerhin kommt Simpson zu dem Schluß,_ daß die Arbeitslosigkeit bei den Arabern eine ernste Frage im heutigen ökonomischen Leben Palästinas geworden ist. Die Verwaltung hat die Verpflichtung, auf das Land als auf ein einheitliches Ganzes zu schauen. Die Zahl der ein• wandernden jüdischen Arbeiter darf nicht abhängen von dem Umfang der jüdischen Arbeitslosigkeit im Verhältnis zu der kommenden Arbeitsmöglichkeiten im nächsten halben Jahr sondern die Gesamtarbeitslosigkeit in Palästina muß zugrunde gelegt werden. ״Es ist falsch, daß ein Jude aus Polen, Litauen oder dem Jemen eingelassen wird, um eine freiwerdende Stelle auszufüllen, während in Palästina schon Arbeiter vorhanden sind, die diese Stelle ausfüllen könnten, aber keine Beschäftigung finden.“ Es wird aber festgestellt, daß das jüdische Kapital eben zu dem Zweck in das Land einfließt, damit dort jüdische Arbeiter angesiedelt werden können und deshalb macht der Berieht eine besondere Ausnahme. In solchen Unternehmungen, die ausschließlich von jüdischem einfließenden Kapital erhalten werden, ist das Prinzip der jüdischen Arbeit gerechtfer*

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