Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 84 (24.10.1930)
- Date
- 1930-10-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 84 24.X, 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 541 Demission Felix Warburgs New York, 22. Oktober, (J.T.A.) Felix M. War* bürg hat rum Proteste gegen die neue Palästina-Deklaration der britischen Regierung den Vorsitz im Administrative Committec niedergelegt und diesen Schritt in einer der J. T. A. ge• gcbenen Erklärung wie folgt begründet: Die Deklaration der britischen Regierung über ihre neue Politik in Palästina bedeutet einen grausam wirkenden Verrat des Vertrauens, das ihr vom jüdischen Volke ent- ׳״.gengebracht wurde. Der britische Kolonienminister Lord Paßfleid habe ihm, Warburg, gegenüber eine Erklärung abgegeben, die sich nun als falsch erwies und durch welche das jüdische Volk irregeführt wurde. Dadurch sei es ihm, Warburg, unmöglich geworden, als Vorsitzender des Administrative Committee der Jewish Agency auch weiterhin Beziehungen zu der englischen Regierung aufrechtzuerhalten. Meldietis Demissionsschreiben an Dr. Weizmann Mein lieber Weizmann, unglücklicherweise bin ich gegenwärtig unpäßlich und war außerstande, an den jüngsten Ereignissen hinsichtlich Palästinas irgendwie teilzunehmen. Ich habe den Zeitungen entnommen, daß Sie sich gezwungen sahen, angesichts der kürzlich von der Regierung veröffentlichten Erklärung über die Palästina-Politik als Präsident der Jewish Agency zu resignieren. Ihr Entschluß ist von äußerster Wichtigkeit, ich kann jedoch keine lieberraschung über den Schritt, zu dem Sie sich verpflichtet hielten, äußern. Während der Zeit unserer Zusammenarbeit beim Aufbau des Nationalheims in Palästina seit 1921 waren wir bestrebt, die aufeinander folgenden Regierungen und Verwaltungen in einem freundschaftlichen Geiste der Kooperation und mit ernstem und aufrichtigem Bemühen, unser Werk auf einer maßvollen Linie durchzurühren, zu beraten. Sie mußten die Bürde tragen, manche Handlungen der Mandatsverwaltung in Einklang zu bringen mit der Politik der Errichtung eures Nationalheims, und die Regierung bei vielen Gelegenheiten gegenüber großen Teilen unserer Gemeinschaft zu verteidigen, welche Sie und auch mich unzählige Male einer stänaigen Unterordnung gegenüber der Regierung um des Friedens willen beschädigt haben. Wir sind von Konferenz zu Konferenz vom Minister- Präsidenten eingeladen worden; wir haben zahlreiche praktische Vorschläge gemacht; wir haben uns bereit gezeigt, in jeder Weise die Kooperation mit den Arabern zu erleichtern, wenn nur die Regierung auch ihre Aufgabe dabei erfüllen würde. Unser Rat wurde gesucht, aber unsere Empfehlungen wurden geflissenffich ignoriert. Ais Sir John Hope Simpson, der vorher niemals in Palästina gewesen ist, mit einer geheimen Mission betraut wurde, hat die Regierung, ohne Vorberatung mit uns, wozu wir nach Artikel 4 des Mandats berechtigt sind, die offenkundigen Intentionen eben dieses Dokuments gänzlich in ihr Gegenteil verkehrt. Die groteske Travestie des Zweckes des Mandates, die in der Regierungs- Veröffentlichung gegeben wird, kann nur charakterisiert werden als eine Beleidigung der Intelligenz der Judenheit und als ein wohlüberlegter Affront der Mandatskommission. Es ist natürlich unmöglich, in diesem Briefe in eine ausführlich argumentierende Interpretation des Mandats einzugehen. Es ist jedoch von der Mandatskommission deutlich definiert worden, daß sein Zweck die Errichtung der Jüdisehen Nationalen Heimstätte und die Errichtung von Selbst- Verwaltungs-Institutionen ist. Jede Zeile des Regierungsdokumentes atmet einen Geist von Einschränkung und Feindseligkeit. Und während aus Mr. Winston Churchills Weißbuch ironisch zitiert wird, daß es ״wesentlich ist, daß die jüdische Gemeinschaft wissen solle, daß sie sich in Palästina aus Recht und nicht aus Duldung befindet״, — ist es unmöglich zu entdecken, welches Recht der Judenheit innerhalb oder außerhalb Palästinas in der Zukunft zugestanden wird oder wie sie das Oefühl erhalten soll, daß sie überhaupt irgendwelche Rechte hat. Man kann nur erstaunt sein, daß die Regierung die Stirn hat, die Zustimmung der Mandatskommission anzuführen, besonders nach der schrecklichen Zensur, die sie über ihre Führung der Geschäfte in Palästina erhalten hat, und nach der unqualifizierbaren Verteidigung,, die der Staatssekretär des Aeußeren für die Versuche, diese Zensur zu beseitigen, vorgebracht hat . . . Die unbekümmerte Art, in der diese Regierung die loyale Unterstützung der Juden im ganzen britischen Reich und in der Welt gefährdet hat, scheint unglaublich, — eine Hilfe, die Großbritannien und seinen Alliierten eine gute Stütze in einer großen Krisis war, die die Balfour-Deklaration von 1917 hervorgerufen hat. Wieviele Tausende jüdischer Freiwilliger kamen, um mit den britischen Streitkräften in einem kritischen Moment des Palästinafeldzuges zu kämpten? Wieviele haben ihr Leben für eine Sache gegeben, die sie töricht für ein ehrliches Angebot zur Errichtung eines Nationalheims für die Judenheit hielten. Es ist ein Akt von Undankbarkeit und Verräterei einer Regierung fast ohnegleichen — sicherlich nicht von der Nation gebilligt — gegen ein vertrauendes und gequältes Volk, das glaubte, einen Hafen unter der ausgebreiteten britischen Flagge und dem Ehrenwort britischer Staatsmänner gefunden zu haben. Im Hinblick auf die durch die Regierungspolitik beabsichtigte Einmischung in das Recht der Bürger Palästinas, über ihr Eigentum so zu verfügen wie sie selbst es vorteilhaft halten, ist es nach meiner Meinung wichtig, daß unsere arabischen Freunde wissen sollen, daß es nicht auf unser Betreiben zurückzuführen ist, wenn sie, individuell oder kollektiv, nicht mehr in der Lage sein werden, Land zu verkaufen, über das sie zu verfügen wünschen und das uns zu verkaufen sie bis heute allzu begierig waren. Ich möchte nun noch eine Bemerkung über meine persönliche Stellung machen. Als die Jewisn Agency gebildet wurde, übernahm ich das Amt des Joint-Chairman des Council und den Vorsitz der Politischen Kommission. Unter den gegenwärtigen Umständen fühle ich, daß ich diese Aemter nicht weiter In nützlicher Weise bekleiden kann. Ich habe daher keine andere Möglichkeit, al9 sie niederzulegen, was ich hiermit in aller Form tun möchte. Ihr sehr ergebener Melchett. 35, Lowndes-Square, S.W. 1, 21. Oktober. Jerusalem, 22. Oktober. (J.T.A.) Die britische Regierungserklärung hat in den Reihen der palästinensischen judenheit tiefe Bestürzung hervorgerufen. Obwohl anzunehmen ist, daß die Palästina-Regierung bereits am Montag, dem 20. Oktober, im Besitze des Statements war, erhielt die Exekutive der Jewish Agency erst aus den Veröffentlichungen des ״Palestine Bulletin״am 21. Oktober Kenntnis von seinem Inhalt Wie die J.T.A. erfährt, hat Colonel Kisch den High Commissioner aufgesucht, um dagegen zu protestieren, daß den Mitgliedern der Exekutive der Jewish Agency der vollständige Text des Statements nicht vorgelegt worden ist Stellungnahme der deutschen Zionisten Am Dienstag, dem 2t. Oktober, hat eine Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses der Z. V. f. D. stattgefunden, an der sich die in Berlin ansässigen Mitglieder des A.-C. sowie die Vertreter derjenigen zionistischen Gruppen, die zurzeit in der Leitung der Z. V. f. D. nicht vertreten sind — das sind die Gruppen der Radikalen, Revisionisten, Poale Zion und der Unabhängigen Zionisten — beteiligt haben. Nach einem einleitenden Referat von Herrn Kurt Blumenfeld fand eine Aus- Sprache über die politische Lage statt, die durch die Veröffentlichung des Berichtes von Sir John Hope Simpson und des Weißbuches der britischen Regierung einerseits und durch den Rücktritt Dr. Weizmanns andererseits entstanden ist. Die Protestkundgebung Dr. Weizmanns und die Einberufung des Kongresses fanden die einstimmige Billigung aller Teilnehmer. Einstimmigkeit herrschte auch darüber, daß die Organisation nunmehr einen entschiedenen Kampf gegen die unsere Arbeit einschränkenden politischen Maßnahmen der Regierung führen muß. Im Hinblick auf die von der Exekutive beschlossene Einberufung der Politischen Kommission wurden die Fragen unserer politischen Arbeit ausführlich erörtert. Zlonlsüsdie Vereinigung für Denlsdil&nd Berliner Ztonlfilstfie Vereinigung Donnerstag, den 30. Oktober, abends 8!/2 Uhr in der Stadthalle Klosterstraße (U-Bahn Klosterstraße) Die zionistische Antwort (nach der Erklärung der engl. Regierung im Anschluß an den Simpson - Bericht) Große öffentliche Kundgebung Redner aller Parteien In der Sitzung wurde weiter beschlossen, der Exekutive den Vorschlag zu unterbreiten, das Zionistische Aktions-Comite noch im November zusammentreten zu lassen, und, falls es möglich sein sollte, das A.-C. bereits am 9. November tagen zu lassen, die Sitzung der Politischen Kommission der Jewish Agency mit dieser Tagung za verbinden. Alle Teilnehmer der Sitzung waren übereinstimmend der Ueberzeugung, daß es unsere erste Aufgabe sei, die innerzionistische Front zu stärken. Es kommt jetzt alles darauf an, den Zionisten zu zeigen, daß unser Werk nicht Mn entschei- Mente» Weise von politischen Konjunkturen abhängig ist. Auch wenn die administrativen Schwierigkeiten sich mehren, müssen die Zionisten alle Anstrengungen machen, um unser Werk moralisch, politisch und materiell weiter zu kräftigen. Die Erklärung der englischen Regierung ist ungünstiger ausgefallen als selbst Pessimisten erwartet haben. Auch sie kann unser Vertrauen nicht erschüttern, daß das zionistische Ziel als einzige Lösung der Judenfrage erreicht wird. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland wird alle zionistisehen Kräfte mobilisieren, um die Arbeit mit erhöhter Energie fortzusetzen. Auf Beschluß der Sitzung hat die Z. V. f. D. ein Telegramtn an den Waad Leumi gerichtet, in dem der deutsche Zionismus dem Jischuw seinen ungebrochenen Willen zur Fort- Setzung der Arbeit für unser Aufbauwerk kundgibt. * Der Geschäftsführende Ausschuß hat beschlossen, eine Sitzung des Landesvorstandes der Z.V.f.D. einzuberufen, die voraussichtlich am 9. November zusammentreten wird. Hieran anschließend sollen Bezirkskonferenzen ln allen Tellen Deutschlands stattfinden, die eine Erörterung der neuen Situation und der sich daraus ergebenden, im Verlauf der Winterarbeit der Z. V. i. D. durchzuführenden Aktionen dienen. ♦ Bereits jetzt hat die Winterarbeit mit vollen Kräften begönnen. Der Vorsitzende der Z.V.f.D., Herr Kurt BIumenfeld, hat eine außerordentlich erfolgreiche Tournee, die ihn bisher in die Städte Königsberg, Hamburg, Hildesheim, Leipzig, Breslau und München geführt hat, am 21. Oktober für einen Tag unterbrochen, um an der Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses und anderen dringenden Besprechungen in Berlin teilzunehmen. Bereits am 22. Oktober setzte Herr Blumenfeld seine Tournee fort, die ihn weiter u. a. nach Nürnberg und Frankfurt a. M. führt. Ein Besdilnß des amerikanisch-jüdischen Kongresses Washington, 21. Oktobr. (J.T.A.) Der Arnerikanisch-Jüdische Kongreß hat eine Resolution angenommen und dem Staatsamt für Auswärtige Angelegenheiten übermittelt, in welcher die Regierung der Vereinigten Staaten aufgefordert wird, gegen das negative Verhalten der britischen Regierung gegenüber den Juden und dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina Steifung zu nehmen. Die Resolution bezeichnet den Simpson-Bericht und die Erklärung der britischen Regierung als eine Verletzung der Bedingungen, unter denen England das Mandat übertragen worden ist. Die Vereinigten Staaten als eine der Mächte, welche an der Durchführung des Mandates interessiert sind, werden aufgefordert, angesichts der neuen Lage diplomatische Schritte zu unternehmen. In einer Reihe weiterer Resolutionen wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß der Bericht Simpsons und die Erklärung der britischen Regierung in Widerspruch stehen mit dem zwischen der englischen Regierung und den Juden sowie zwischen der englischen Regierung und dem Völkerbund getroffenen Vereinbarungen. Die ״Times“ vom 22. d. M. lassen sich aus New York einen längeren Bericht über den Eindruck telegraphieren, den die britische Regierungserklärung auf die amerikanische Judenheit ausgeübt hat. In diesem Berichte wird mitgeteiit, daß beabsichtigt wird, eine aus Zionisten und Nichtzionisten bestehende Delegation so rasch wie möglich zum Präsidenten H o 0 v e r zu entsenden, um diesen zu einer Intervention bei der britischen Regierung zu veranlassen. Gleichzeitig wird ein Appell an den Völkerbund geplant. Harry S n e 11, Mitglied des Unterhauses, der Gast des amerikanisch-jü fischen Kongresses war und in mehreren jüdischen Versammlungen gesprochen hatte, wurde von jüdischen Führern darauf aufmerksam gemacht, daß es jetzt für ihn unangebracht wäre, weiter in Amerika zu bleiben. Mr. Snell hat alle Verabredungen bezüglich weiterer Versammlungen rück •ävig gemacht und kehrt unverzüglich nach England zurück. Am 21. abends fand im Mekka-Tempel in New York eine imposante jüdische 'Protestversammlung statt. Die Leitung der Englischen Zionistischen Föderation hielt am 21. d. M. eine Sitzung ab, in der nach Anhörung eines Berichtes Dr. Weizmanns eine Resolution gefaßt wurde, welche w׳ir nach den Londoner ״Times“ wiedergeben. In dem Beschluß heißt es: Die Englisch - Zionistische Föderation stellt mit Bestürzung fest, daß die britische Regierung sich als Gegnerin einer weiteren Entwicklung des jüdischen Volkes und seines Nationalheimes erklärt. Die Organisation beklagt, vom britischen und jüdischen Standpunkte aus, daß die Regierung das Jüdische Nationalheim nicht nur, gemäß dem dem jüdischen Volke feierlich gegebenen Versprechen, nicht werktätig unterstützt hat, sondern, daß sfe es jetzt für angebracht erachtet, vor der Welt kundzugeben, daß sie nicht länger bereit ist, dieses Werk in praktischen Anstrengungen zu fördern. Für Montag, den 27. Oktober, ist nach dem Pavillon- Theater zu London ein Massenmeeting einberufen worden, in welchem der Protest der Juden gegen die neue Palästina- Politik der englischen Regierung zum Ausdruck kommen soll. Den Vorsitz in dieser Versammlung wird Nahum Soko- 10w führen. Als Redner werden u. a. Chaim Weizmann und d'Avigdor Goldsmid auftreten. » Demonslraiionen in Warschau Meldungen aus Warschau zufolge haben jüdische Gruppen in den Straßen Warschaus gegen die britische Regierung wegen ihrer neuen Palästina-Deklaration demonstriert. Im Hause des englischen Generalkonsulatswurden die Fensterscheiben eingeschlagen. * Der Warschauer ״H a j n t“ vom 22. Oktober berichtet: Sofort nach dem Eintreffen der Nachricht von der Veröffentlichung der britischen Regierungserklärung trat das zionistische Zentralkomitee unter Vorsitz von Abgeordnetem Grünbaum zu einer Sitzung zusammen. Es wurde beschlossen, für den 23. d. M. eine Vollsitzung des zionistischen Parteirates nach Warschau einzuberufen. Da der zionistische Block zu den Sejmwahlen gesondert die Wahlagitation betreibt, sollen die zionistischen Wahlversammlungen den Charakter von Demonstrations- und Protestversammlungen tragen. — in einem telephonischen Gespräch Grünbaums mit Weizmann regte Grünbaum an, daß noch vor der Palästina-Debatte im Unterhaus eine Sitzung des zionistischen Aktions- Comites einberufen werde. Da dies jedoch aus technischen Gründen nicht möglich erschien, obwohl sich Grünbaum und seine Freunde bereit erklärt hatten, ungeachtet der Wahlbewegung in Polen, sofort nach London zu reisen, wurde Grünbaums Vorschlag fallen gelassen. Weizmann versicherte jedoch, daß keine Rede davon Sein könne, vot* te britischen Regierung zu kapitulieren und das von ihr veröffentlichte Programm zur Palästina-Politik in irgendeiner Form zu akzeptieren. im ״Nowy Dziennik“ vom 23. d. M. ist ein gemeinsamer Aufruf der Allgemeinen Zionisten, des Misrachi und der Hitachduth Westgaliziens veröffentlicht, in dem es u. a. heißt: ״Der XVII. Zionistenkongreß, die oberste Instanz der Bewegung, ist einberufen. Er wird seinen tönenden Protest vor den Nationen der ganzen Welt erheben. Schließen wir die. Reihen zusammen! Vereinigen wir unsere Fäuste zu gemeinsamer Arbeit und lassen wir unsere Herzen in einem einzigen Akkorde schlagen: Wir lassen uns Erez-Israel nicht entreißen! Jüdisches Volk, wir haben hundertfach schwerere Zeiten in unserer Geschichte erlebt und sie überstanden. Wir werden auch den gegenwärtigen kritischen Moment überstehen, wenn wir alle ausnahmslos in geschlossener Disziplin und in organisierter Anstrengung den Ereignissen die Stirn bieten.“ Das ״Berliner Tageblatt“ meldet aus Jaffa unter dem 21. Oktober: Anstatt der beabsichtigten narifizierenden Wirkung hatte die britische Regierungserklärung den gegenteiligen Effekt. Sowohl die Zionisten wie die Araber sind empört und fühlen sich hintergangen. Sie behaupten, daß die Regierungserklärung lediglich von britischem Interesse diktiert sei. Sämtliche jüdisehen Zeitungen schreiben von ״englischem Verrat“ und weisen darauf hin, daß die Regierungserklärung die Liquidation des Zionismus bedeute und sämtlichen Mandatsverpflichtungen sowie den kürzlich der Mandatskommission in Genf gemachten Versprechungen zuwiderlaufe. Besonders wird die neue Be- Schränkung der Einwanderung und des Bodenkaufes kritisiert. Auch die jüdische Presse ist gegen eine gesetzgebende Körper- Schaft, da diese die jüdische Bevölkerung Palästinas den antizionistischen englischen Beamten ausliefere. Die revisionistisehen Zeitungen greifen Weizmann schärfstens an und verlangen eine radikale Aenderung der zionistischen Politik. Arabischerseits wird der Plan einer gesetzgebenden Versammlung, besonders von dem Zeitungsorgan des Großmuftis, als völlig unzureichend zurückgewiesen. Die jüdischen nationalistischen Jugendorganisationen rufen zu Demonstrationen auf. Auch arabiseherseits muß mit Protestdemonstrationen gerechnet werden. Viel kommentiert wird die Erklärung, daß eine starke Garnison in Palästina aufrechterhalten werden solle. * Jerusalem, 22. Oktober. (J. T. A.) Unmittelbar nach dem Besuche Colonel K i s c h s sprach Pinchas Ruthenberg beim High Commissioner vor und konferierte mit ihm längere Zeit über die durch die Regierungserklärung geschaffene Situation. Jerusalem, 20. Oktober. (J.T.A.) Die unter der Kontrolle der Jewish Agency stehenden Schufen in Palästina sind am 19. Oktober wieder eröffnet worden. Die Gefahr efnes Lehrerstreiks, welche eine Zeitlang infolge von Differenzen in der Gehaltsfrage bestand, ist durch ein Uebereinkommen zwischen Lehrerschaft und Jewish Agency in dieser Frage beseitigt worden. T e I - A w i w, 20. Oktober. (J. T. A.) Am 18. August fand die zweite Verhandlung gegen die wegen der Demonstrationen gegen Dr. S h i e 1 s angeklagten Juden statt. Nach einem Verhör, das den ganzen Tag gedauert hatte, fällte der Richter Harkavy einen Freispruch.