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Jüdische Rundschau · 1930-10-24 · Heft 84 (24.10.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 84 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 540 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 84, 24. X. 1930 beantwortet, und diese Körperschaft wird zu der durch die englisclie Regierung geschaffenen Sachlage Stellung zu nehmen haben. Auch in anderen jüdischen Kreisen wird das neue Weißbuch nicht ohne Widerhall bleiben. Unsere Palästinaarbeit aber wird es nicht ändern. Auch nach der Auslegung, die jetzt dem Mandat gegeben wird, ist das Land für mehrere hunderttausend jüdische Einwan• derer offen. Für Familien, die über 1000 Pfund verfügen, besteht überhaupt keine Einwanderungsbeschränkung; daß die Einwanderung Unbemittelter nur von den wirtschaftlichen Möglich- Reiten abhängig sein kann, war bisher schon von uns als selbstverständlich anerkannt worden. Die mechanische Regelung, die anscheinend jetzt beabsichtigt wird, kann natürlich von uns nicht gebilligt werden; den Fortgang der Einwander u n g wird auch sie nicht hindern. Das Entscheidende wird, wie bisher auch, die Höhe der Gelder sein, die die Juden in der Welt für den Aufbau Palästinas zur Verfügung stellen wollen. Es hat sich bisher immer gezeigt, daß Schwierigkeiten, die man ihnen in den Weg legt, die Juden nicht von einem gefaßten Vorsatz abzubringen geeignet sind; so können wir auch jetzt mit vollem Vertrauen erwarten, daß die neuerliehe Erklärung der englischen Regierung die alten Freunde des Pallstlna-Aufbaus in ihrem Opfermut nur bestärken und dem Werke zahlreiche neue Freunde gewinnen wird. In Palästina leben gegenwärtig 170 0(» Brüder, die wir jetzt, und gerade jetzt, nicht im Stiche lassen wollen. Die Jewish Agencv und der Keren Hajessod bleiben angesichts der jetzigen Ereignisse fest und setzen ihre Arbeit zuversichtlich fort. Weizmann an Passfield Dr. Weizmann richtete am 20. d. M., sofort nach Veröffentlichung der britischen Regierungserklärung, an den Kolonialminister Lord Passfield nachstehendes Schreiben: ^ehr geehrter Lord Passfield, Ich habe den Bericht von Sir John Hope Simpson und die Erklärung über die Politik der britischen Regierung gelesen und erwogen. Die von diesen Dokumenten betroffenen Probleme sind von solcher Bedeutung, und die angekiindigten Entscheidungen treffen die Rechte und Interessen des jüdischen Volkes in so vitalem Maße, daß es meine Pflicht ist, Ihnen ohne Verzug meine Stellungnahme In aller Klarheit darzulegen. Die Erklärung der britischen Regierung bezeichnet sich als eine Neudarlegung der im Weißbuch von 1022 ausgesprochenen Politik und als eine Befolgung der Vorschläge des Berichtes von Sir John Hope Simpson. Meines Erachtens jedoch bedeutet diese Erklärung eine grundlegende Abänderung der im Jahre 1022 niedergelegten Politik, wie sie sich in der Praxis von acht Jahren gestaltet hat. ln einigen wesentlichen Punkten entfernt sie sich von dem Bericht von Sir John Hope Simpson. Obzwar die Jewish Agency viele von den Ergebnissen, zu denen dieser Bericht gelangt ist, kaum akzeptieren oder zugeben könnte, daß der Bericht die Frucht einer vollen Würdigung aller <|a^fe|tp׳..so wäre-Aie nfehtsdestoweniger, wie Ich mit Sicherheit annrttme, bereit gewesen, in dem Bericht eine gemeinsame Grundlage zu suchen, auf welcher eine Zusammenarbeit mit der britischen Regierung möglich gewesen wäre. Die Regierungserklärung, in welcher Meinungen sich bereits zu Entscheidungen verhärtet haben, enthält keine Einladung zu solcher Bemühung, ln weitgehendem Maße leugnet sie die Rechte und lähmt die Hoffnungen des jüdischen Volkes bezüglich der Nationalen Heimstätte in Palästina, soweit es in der Macht der britischen Regierung steht, dies zu tun. Der Rat des Völkerbundes warnte bei seiner letzten Sitzung die Mandatarmacht im voraus vor einer Politik, die ״darauf abziele, die Entwicklung der Jüdisehen Nationalen Heimstätte in ihrem gegenwärtigen Ent- Wicklungsstadium zu kristallisieren“. Die Auffassung des Rates wurde vom britischen Vertreter vorbehaltlos akzeptiert, die jetzt von der Regierung angekündigten Maßnahmen werden jedoch gerade dieses Resultat herbeiführen. Seit zwölf Jahren stehe ich an der Spitze der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency. Während dieser ganzen Zeit habe ich mich bemüht, in engstem Einvernehmen mit der britischen Regierung zu arbeiten und meine Tätigkeit auf der Grundlage enger Zusammenarbeit mit ihr aufzubauen. Niemand könnte ängstlicher bemüht sein als ich, einer Aufforderung zu weiterer Zusammenarbeit Folge zu leisten, wenn hierfür eine Grundlage vorhanden wäre. Ich kann eine solche jetzt nicht sehen, nachdem die britische Regierung einen Tadel Ober unsere vergangene Arbeit ausgesprochen und Ent- Scheidungen gefällt hat, die der Fortsetzung unseres Werkes in der Zukunft sehr ernste Hindernisse in den Weg legen. Unter diesen Umständen habe ich beschlossen, mein Amt als Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency nledemilegen und so schnell als möglich den Kongreß und den Rat dieser Körperschaften einzuberufen, damit sie die Maßnahmen ergreifen, die die Lage erfordert. ich werde diesen Brief der Presse übermitteln, damit er womöglich gleichzeitig mit den beiden offiziellen Dokumenten erscheine. ihr sehr ergebener Chaim Weizmann. Weizmanns Erklärungen vor der Pressekonferenz in London. Dr. Weizmann gab in der Pressekonferenz vom 20. Oktober 1030 in London nachstehende Erklärungen ab: Die neue Erklärung der Britischen Regierung über ihre künftige Palästina-Politik gibt vor, mit der Erklärung des Premierministers vom 3. April, mit dem Weißbuch von 1022, mit dem Mandat und mit dem Bericht der Permanenten Mandats-Kommission vom Sommer dieses Jahres in Uebereinstimmung zu stehen. Es ist nicht schwierig, nachzuweisen, daß die neue Politik in Wahrheit mit allen vier Kundgebungen in Widerspruch stellt. Mr. Ramsay Mac Donald sagte im Unterhaus, daß in dem Mandat ״eine doppelte Verpflichtung enthalten sei, gegenüber dem jüdischen Volke einerseits, und gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina andererseits“. Diese Erklärung wird in dem vorliegenden Dokument umgedeutet in ״eine Politik, welche auf die Förderung der Interessen der Einwohner Palästinas, sowohl Araber wie Juden, ab zielt“. Das jüdische Volk schrumpft so zu solchen jüdischen Individuen zusammen, die zurzeit in Palästina ansässig sind. Der Wechsel in der Einstellung ist fundamental und beweist ein tiefes Mißverstehen von Zweck und Bedeutung der Politik des Jüdischen Nationalheims. Das Versprechen der Balfour-Deklaration und des Mandates richtete sich an die Adresse des jüdischen Volkes in der Diaspora und gründete die Ansprüche des jüdischen Volkes auf Ihre historische Verknüpfung mit Palästina. Die Balfour-Deklaration anerkannte das Recht der Juden, ihr Nationales Heim in Palästina wiederherzustellen. Die Verpflichtung war dem ganzen jüdischen Volke gegenüber übernommen, das seinen Platz in Palästina ״von Rechts wegen und nicht aus Duldüng“ einnehmen sollte, um die Worte des Weißbuches von 1922 zu gebrauchen. All dieses verschwindet aus der neuen Regierungserklärung, wenn man ihren Sinn richtig versteht. Das Weißbuch vom Jahre 1922 erklärte hinsichtlich jüdischer Immigration, daß ״die Immigranten der Bevölkerung Palästinas als eines Ganzen nicht zur Last fallen und daß sie keine Gruppe der gegenwärtigen Bevölkerung ihrer Beschäftigung berauben sollten“, ln der neuen Erklärung wird dieser Grundsatz des Jahres 1922 umgedeute. in die Forderung, ״daß bei Abschätzung der Aufnahmefähigkeit Palästinas zu einer gegebenen Zeit arabische Arbeitslosigkeit ebenso in Betracht gezogen werden soll wie jüdische, wejm es sich darum handelt, die zulässige Immigrationsrate zu bestimmen“. Mit anderen Worten, jüdische Immigration soll eingeschränkt werden, nicht weil sie Arbeitslosigkeit verursacht, sondern weil unter den Arabern Arbeitslosigkeit existiert. Der Unterschied ist von großer Bedeutung, weil die Möglichkeit, jüdischen Immigranten Beschäftigung zu geben, in einem erheblichen Maße von der Einfuhr von Kapital nach Palästina durch die Judenheiten der Welt abhängt. Dieses Kanital gellt nach Palästina, um das Wachstum des Jüdischen Nationalen Heims zu fördern; es geht nach Palästina, um jüdischen Einwanderern Arbeit zu geben. Wenn cs diesen Zweck nicht erfüllen kann, so wird jüdisches Kapital nicht nach Palästina einströmen. Sir John Hope Simpsons Bericht, von dem die Regierung behauptet, ihm ״sehr sorgfältige Beachtung geschenkt“ zu haben, hat diesem Aspekt der Frage seine Aufmerksamkeit durchaus zugewandt. Er schreibt: ״Es kann offenbar für den arbeitslosen Araber nicht von Vorteil sein, daß jüdisches Kapital daran verhindert werden würde, in das Land einzuströmen, und er befindet sich auch in keiner schlechteren Lage, weil jüdische Arbeiter zur Ausführung von Arbeiten nach Palästina kommen, für die Geldmittel durch gleichzeitige Zuführung jüdischen Kapitals zur Verfügung gestellt werden. In Wahrheit befindet er sich sogar in einer besseren Lage, da letzten Endes die Verausgabung dieses Kapitals in Löhnen, die jüdischen Arbeitern gezahlt werden, zu einer Nachfrage von Dienstleistungen eines Teiles der arabischen Arbeitslosen führen wird“ (Seite 163). Der XVII. Zionistenkongreß Die Exekutive hat den ordentlichen XVII. Zionistenkongreß für den Monat Februar des Jahres 1931 einberufen. In der Einberufung des Kongresses zu einem ungewöhnlichen Termin kommt die ernste Situation des Zionismus zum Ausdruck, sowie die Schwere der Ent- Scheidungen, vor welche die zionistische Bewegung gestellt ist Der Kongreß, die oberste Instanz der zionistisch organisierten Judenheit, soll in diesem historisch bedeutsamen ÄI^M#tr'jie»^M«lfnf-Wetejd^i י**#**! sicfrfltterlfchen WT1 len und d 1er unbengsame Entschlossenheit des Zionismus zum Ausdruck bringen, das Werk der jö־ dischen Renaissance mit allen Kräften fortzusetzen. Zu diesem Zweck ist es notwendig, daß der XVII. Zionistenkongreß auch zahlenmäßig zur machtvollsten Kundgebung des jüdischen Volkes in seiner gesamten Diasporageschichte werden soll. Die Zahl der Kongreßwähler, d. h. der Schekelzahler, muß sich gegenüber den früheren Kongressen vervielfachen, und es ergeht an alle Zionisten die Aufforderung, sich in den nächsten Tagen und Wochen in erster Linie der Werbearbeit für den Schekel zu widmen. Deutschland soll viele Zehntausende von Schekallm aufbringen! Mit Mut, Zuversicht und leidenschaftlicher Hingabe kann und wird dieses Ziel erreicht werden. Kaufet, verbreitet den Schekel! GeschSftsfillirender Ausschuß und Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Berlin, den 21. Oktober 1930. Kurt Blumenfeld. Alexander Adler. Alfred Berger. Siegfried Kanowitz. Georg Landauer. Edmund Lewy. Siegfried Moses. Oskar Wolfsberg. Allgemeine Zionisten: Moritz Bileski (Berlin), Erich Buch bolz (Altona), Frau Buchholz (Altona), Harry Epstein (Duisburg), Isaac Feuerring (Berlin), Herbert Foerder (Berlin), Sigmar Ginsburg (Königsberg), Dipl.-Ing. Nathan Grünstein (Dresden), Max Jacobsohn (Breslau), Hans Kaufmann (Berlin), Alfred Landsberg (Wiesbaden), Franz Meyer (Breslau), Marie Meyer (Berlin), Meinhold Nußbaum (Nürnberg), Martin Rosenblüth (Berlin), Heinrich Strauß (Hamburg), Louis Tumpowsky (Leipzig), Margarete Tumowsky (Bernn), Georg Halpern (Berlin), Alfred Klee (Berlin), Hugo Schachtel (Breslau), Salman Schocken (Berlin). Hapoet-Hazair und Sozialistische Zionisten: Elieser Ascher (Berlin), Etienne Basch (Berlin), Walter Deutschmann (Oppeln), Werner Ilberg (Wolfenbüttel), Julius Levinsohn (Braunsberg), Fritz Millner (Frankfurt a. AL), Fritz Naphtaü (Berlin), Bruno Nathan (Köln), Rudolf Samuel (Breslau), Richard Wolfheim (Erfurt), Fritz Noack (Gotha). Misrachi: J. Bamberger (Nürnberg), Benno Kobn Frankfurt a. M.), J. Leibowitz (Köln), Erich Michaelis (Hamburg), Eugen Michaelis (Hamburg), J. Rabin (Breslau), Hugo Rothschild (Lübeck), Ernst Heppner (Wandsbek b. Hambürg). Gruppe der Radikalen Zionisten: Natron Goldmann (Berlin), Max Soloweitschlk (Berlin). Gruppe der Revisionisten-Zionisten: Paul Arnsberg (Frankfurt a. M.), Richard Lichtheim (Berlin). Gruppe der Unabhängigen Zionisten: Martin Ascher (Berlin), Fraenkel (Beuthen), Max Kollenscher (Berlin), Aron Sandler (Berlin), Ernst Kalmus (Hamburg). * Die Exekutive hat angeordnet, daß die Schekelaktion für das Jahr 5691 am t. November 1930 beginnt und am 31. Dezember 1930 zum Abschluß gebracht werden soll. Richtig ist, daß Sir John Hope Simpson die auf dein!ווו• port jüdischen Kapitals begründete jüdische Immigration, als ״einen speziellen Fall“ behandelt. In Wahrheit beruhte 90 #/0 der jüdischen Einwanderung nach Palästina stets auf de! Verwendung spezifisch jüdischen Kapitals, das niemals in das Land gekommen wäre, wenn es nicht die Ermöglichung jüdischer Einwanderung bezweckt hätte. Die Regierungserklärung klammert sich an den vagen Ausdruck ״Lage“ in dem folgenden Abschnitt des Artikels 6 des Mandats: ״Die Regierung Palästinas soll, bei gleichzeitiger Vorsorge dafür, daß die Rechte und die Lage jeder Bevölkerungsgruppe nicht beeinträchtigt werden, die jüdische Ein- Wanderung unter angemessenen Bedingungen fördern.“ Die Erklärung gibt diesem Worte eine völlig neuartige Interpretation und begründet hierauf einen ungerechtfertigten Angriff auf zionistische Arbeit in Palästina, sowie eine Boden- und Immigrationspolitik, die darauf abzielt, die weitere Ent- Wicklung des Jüdischen Nationalen Heims aufzuhalten. Es gibt keinen Streit darüber, daß weder die bürgerlichen, noch die religiösen Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina irgendeinen Nachteil erlitten haben, und die Regierung hat bei mehreren Gelegenheiten betont, daß sich ihre ökonomische Lage, hauptsächlich als ein direktes oder indirektes Ergebnis der jüdischen Arbeit für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims, entschieden gebessert hat. Die Regierungserklärung meint, daß zwischen Artikel 6 des Mandats und der Bestimmung der Verfassung der erweiterten Jewish Agency, wonach der von ihr erworbene Boden ״unveriiußcr■ lieh es Eigentum des jüdischen Volkes“ bilden soll, und wonach ״in allen von der Jewish Agency unternommenen oder geförderten Arbeiten grundsätzlich jüdische Arbeiter beschäftigt werden sollen“, ein Widerspruch besteht. Die Verfassung der erweiterten Jewish Agency, in der sich die jetzt zensurierten Bestimmungen finden, wurde der Regierung gemaß der Vorschrift des Mandates zur Genehmigung unterbreitet, und die Regierung hat sie nach einem genauen Studium von mehr als einem Jahr am 6. August 1930 bestätigt. Es ist schwer vorstellbar, daß diese Bestimmungen die Genehmigung der Regierung gefunden haben sollten, wenn sie, wie jetzt behauptet wird, im Gegensatz zum Mandat stünden. Die Regierung hat sich, wie es scheint, in ihrer Erklärung zu dem Grundsatz bekannt, daß jede ländliche arabische Familie von Rechts wegen einen Anspruch darauf hat, auf dem Lande angesiedelt zu werden, daß die Regierung eine Verpflichtung hat, ihr zu dieser Ansiedlung zu verhelfen und ihr die Mittel hierfür zur Verfügung zu stellen. Es ist ganz klar, daß ein so weitreichendes und neuartiges Prinzip weit über das hinausgeht, was vom Mandat ausdrücklich oder implizite gefordert wird, und daß es die Entwicklung des Nationalheims ernstlich behindern würde. Wenn die Regierungserklärung Anspruch darauf erhebt, mit den Ansichten der Permanenten Mandatskommission und des Völkerbundsrates in Uebereinstimmung zu stehen, so mag es genügen, die jetzt angekündigten Maßnahmen der folgenden Erklärung gegenüberzustellen, die der Völkerbundsrat mit Zustimmung des britischen Vertreters gesprochen hat: Die Mandatarmacht wurde in dieser Erklärung vor einer Politik gewarnt, die ״darauf hinzielte, die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims auf dem gegenwärtigen Stadium der Entwicklung zu kristallisieren“. Das Resultat der neuen Politik wird es sein, daß gerade diese Kristallisierung eintreten wird, welche der Völkerbund im vorhinein verurteilt hat. ,; ״Manchester Guardian“ veröffentlicht im An- Schluß an die Presseerklärung Dr. Weizmanns vor der englischen Presse folgende weitere Aeußerungen Weizmanns: Ueber die zukünftige Politik der zionistischen Bewegung befragt, antwortet Dr. Weizmann, er wisse nicht, welche Schritte der Kongreß ergreifen werde. ״Vielleicht wird der Kongreß entscheiden, den Sitz der Zionistischen. Weltorganisation nach Amerika zu verlegen, wo es eine starke jüdische Bevölkerung gibt. Natürlich werden ich und die gegenwärtige Exekutive weiter im Amt bleiben, bis ein neuer Präsident und eine neue Exekutive bestellt sein werden. Ich denke keinen Augenblick daran, daß die Juden ihre Hoffnung auf die Errichtung eines Nationalheims in Palästina aufgeben werden, wir haben in Palästina unter den größten Schwierigkeiten gearbeitet, und wir werden auch jetzt Weiterarbeiten. Wir können einen beträchtlichen Rückschlag erleiden, aber wir werden weiter alles tun, was wir können. Wir werden Palästina nicht aufgeben. Wir werden warten, bis bessere Zeiten kommen.“ ״Was wird Ihrer Meinung nach die Haltung der Welt- Judenheit gegenüber der britischen Regierung unter diesen Umständen sein?“ Auf diese Frage antwortete Dr. Weizmann: ״Die Weltjudenheit wird über die Haltung der britischen Regierung sehr unglücklich sein, sie wird aber, das ist meine feste Hoffnung, ihr Werk für Palästina fortsetzen.“ Um seine Ansicht über jene Abschnitte des Weißbuches befragt, in denen zu den Beziehungen zwischen Juden und Arabern Stellung genommen wird, sagte Dr. Weizmann: ״Das Weißbuch macht es uns außerordentlich schwer, gute Beziehungen zwischen uns und den Arabern herzustellen, wenn den Arabern autoritativ die Worte gesagt werden, ״daß unser Werk dahin geht, sie zu schädigen“. Einerseits wird zugegeben, daß die jüdische Einwanderung dem Lande Prosperität gebracht hat, andererseits behauptet man, daß die Araber unter der wirtschaftlichen Depression leiden. Für diese Depression sind nicht die Juden verantwortlich, sie ist vielmehr eine Teilerscheinung der Weltwirtschaftskrise. Solange aber mit einem Anschein von Recht den Juden nachgesagt werden kann, daß sie für die Depression verantwortlich zu machen sind, wird es keine Hoffnung auf Frieden zwischen uns und den Arabern geben. Es ist Aufgabe der Regierung, den Arabern klarzulegen, welches die wahren Ursachen der Depression sind und ihnen zu sagen, daß die von Demagogen gegebenen Darlegimgen auf Unwahrheit beruhen. Gibt ihnen hingegen die Regierung direkt oder indirekt einen Halt, dann wird dadurch unsere Lage außerordentlich schwierig. Jede fortschrittliche Bewegung, gleichgültig ob in Palästina, England oder Amerika, bringt gewisse Veränderungen mit sich. Es ist durchaus möglieh, daß einzelne Araber gelitten haben. Dem steht aber als Gegengewicht der ungeheure Nutzen gegenüber, den das Land erfahren hat. Stellt man an uns die Forderung, unser Nationalheim so zu bauen, daß jede kleinste Reibung vermieden wird, dann verlangt man von uns etwas, was nicht möglich ist“ Der Profest des Waad Lenin! Jerusalem, 23. Oktober. (J.T. A.) Der Waad Leumi hat einstimmig eine Resolution angenommen, In welcher er erklärt sich an dem in der Erklärung der britischen Regierung vorgesehenen Legislative Council nicht zu beteiligen und jede parlamentarische Institution abzulehnen, die darauf hinzielt, die Errichtung des Jüdischen Nationalheims zu hindern, ln einer zweiten Resolution erklärt der Waad Leumi, sich dem Proteste Weizmanns gegen Englands Bruch seiner Versprechungen anzuschließen.

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