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Jüdische Rundschau · 1930-10-21 · Heft 83 (21.10.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 83 (21.10.1930)
Date
1930-10-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 83, 21. X. 1030 JÜED1SCHE RUNDSCHAU Seite 537 fran Martha Weltsch | In der Nacht vom Freitag, dem 17., zu Sonnabend, dem 18. Oktober, ist Frau Martha Weltsch geb. Epstein, die Gattin unseres Chefredakteurs und Freundes Dr. Robert Weltsch, nach langem schweren Leiden in Berlin gestorben. Martha Weltsch, die nur 37 Jahre alt geworden ist, gehörte zu den wenigen westlichen Zionistinnen, die schon vor 1914 unsere Idee mit allen Kräften ihres Herzens erfaßt hatte. Durch ihre Brüder, Prof. Dr. Oskar Epstein, der dem Prager Studentenverein ״Bar Kochba“ angehörte, und ihren im Weltkrieg gefallenen Bruder Ernst, Mitglied der Prager zionistisehen Studentenverbindungen Barissia-Jordania, kam sie, die aus Krumau in Böhmen stammte, mit den Prager zionistischen Kreisen in nahe Verbindung. Schon in ihrer deutsch-böhmischen Heimatstadt hatte sie mit einigen gleichgesinnten Freundinnen einen ״Jüdischen Mädchenklub“ gegründet — eine damals noch recht vereinzelte Frauenorganisation, ln Prag hatte damals der Prager ״Bar Kochba" seine Glanzzeit und wies eine besonders große Zahl geistig hochstehender junger Kräfte auf. In diesem Kreis bildeten sich die Anschauungen Martha Epsteins; dort lernte sie ihren späteren Gatten kennen, mit dem sie gegen Ende, des Weltkrieges nach seiner Rückkehr von der Front gleichzeitig im Wiener Jüdischen Nationalrat tätig war. Kurz darauf heiratete sie und folgte ihrem Manne nach Berlin. Aus verschiedenen Beiträgen, die in der ״Jüdischen Rundschau“ und früher in anderen zionistischen Blättern erschienen sind, ist Martha Weltsch als eine feingeistige und kluge Frau wohl manchen Lesern in Erinnerung geblieben. Die Berliner zionistisehen Frauenzirkel, insbesondere die Arbeitsgemeinschaft zionistischer Frauen, kannten sie als eine stets hilfsbereite und gedankenreiche Mitarbeiterin. Am ungezwungensten und reinsten entfaltete sich aber der Charme ihrer Persönlichkeit in dem Kreise der vertrauteren Freunde und Gesinnungsgenossen, den sie an der Seite ihres Gatten öfter zu Hause versammelte und in den kleinen Zirkeln gleichgesinnter Frauen, an denen sie teilnahm. Hier traten neben ihrem Interesse für jüdische Dinge insbesondere ihr künstlerischer Sinn, die Freude an Schönem, an der Natur und mannigfache philosophische und literarhistorische. Interessen zutage. Doch wie wenig ist damit über ihre Persönlichkeit ausgesagt! Martha Weltsch war ein feiner, vornehmer Mensch; Reife des Geistes trotz ihrer Jugend, Herzensbildung, zartestes Frauentum, feinster Takt waren ihr eigen. An dem Schmerz ihres schwer getroffenen Mannes, unseres Freundes Robert Weltsah, und an dem Schicksal ihrer beiden Kinder, die in frühem Alter ihre Mutter verlieren, nehmen außer den deutschen Zionisten auch viele Zionisten anderer Länder den herzlichsten Anteil. Wir, die wir ihm aus persönlichen oder Gesinnungsgründen besonders nahestehen, möchten ihn in diesen für ihn schweren Stunden unserer Freundschaft, unseres Mitgefühls und des leider nur schwachen Trostes versichern, daß die Erinnerung an Martha Weltsch uns allen unvergeßlich bleiben wird. Adolf Böhm. T e 1 - A w i vv, 16. Oktober. (J. T. A.) Am!5. Oktober wurden fünf Teilnehmer an den Kundgebungen gegen Shiels gerichtlich einvernommen. Nach der Einvernahme, die von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags dauerte, wurden die Beschuldigten auf Anordnung des High Commissioners auf freien Fuß fesetzt und von der vor dem Gerichtssaal angesammelten Senge mit lebhaften Ovationen empfangen. Unter den Beschuldigten befindet sich der Mitarbeiter des ״D o a r H a j o m“ A c h i m e i r und Mosche S e g a 1, jener junge Mann, der am Jom Kippur an der Klagemauer das Blasen des Schofars verlangt hat. Unter den von der Staatsanwaltschaft geführten Zeugen befindet sich Bürgermeister Dizengoff. Jerusalem, 19. Oktober. (J.T.A.) Die wegen Teilnähme an der Demonstration gegen Dr. Shiels angeklagten Juden, die nach ihrer am Mittwoch, dem 15., erfolgten Einvernähme auf freien Fuß gesetzt worden waren, wurden mit Ausnahme von Achimeir, dessen Aufenthalt unbekannt ist, auf Anordnung der Generalstaatsanwaltschaft wieder verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert. Ihre Freilassung beruhte, wie jetzt mitgeteilt wird, auf einem Miß- Verständnis. Die telephonische Weisung des High Commissioners ging dahin, die Verhandlungen zu vertagen, nicht aber das Verfahren einzustellen. Die Wiederverhaftung der Beschuldigten hat unter der jüdischen Bevölkerung große Erregung verursacht. indische Volkshochschule Eröffnung der Herbstvorlesungen. Die Freie Jüdische Volkshochschule Berlin eröffnete ihre Herbstvorlesungen mit einer Feier, die am 16,Okt. in der Synagoge Prinzregentenstraße stattfand. Von den musikalischen Vorträgen, an denen sich die Jüdische Orchester- Vereinigung unter Leitung von Leo Kopf, sowie Willy Frey (Violine) und Erwin Joseph (Orgel) beteiligten, verdient besondere Erwähnung der Gesangsvortrag von Leo Oollanin, der sein großes Können auch bei der Einweihung der Synagoge Prinzregentenstraße am 16. September in diesem machtvollen Raum entfaltet hatte. Den Hauptvortrag hielt Rabbiner Dr. Max W i e n e r, der über das Thema ״Jüdische Bildung“ sprach. Dr. Wiener unterschied in seinem Vortrag Wissenschaft von Bildung. Jüdische Bildung ist nur bei den Juden selbst möglich, während jüdische Wissenschaft jeder treiben kann. Von Reuchlin bis etwa 1740 hat es denn auch eine fortlaufende Reihe nichtjüdischer Kenner der jüdischen Wissenschaft gegeben. Bildüng dagegen ist die Einkehr des Menschen zu den Dingen, die ihn persönlich auf Grund seiner Verwurzelung in einem bestimmten Lebenskreise angehen. Bildung entstammt einem sittliehen Gebot; man muß sich mit den Dingen beschäftigen, in denen man wurzelt. Die jüdische Bildung war stets mit einer geistigen Demokratie verbunden. Wissenschaft als Beruf ist Sache Einzelner, nicht dagegen Bildung. Mangel an Bildungsstreben ist ein sittlicher Mangel. Bildung Ist damit die demokratische Hinkehr zum Geist. Im Judentum sind Bildung und Frömmigkeit miteinander verknüpft Am Anfang der Menschheitsentwicklung steht die Offenbarung, d. h. die Erkenntnis großer Menschen, von denen man immer wieder lernen muß. Daher ist das Studium der heiligen Schriften ein Gebot. Das Christentum, das diese Richtung zunächst ablehnte, mußte später auch seinerseits den Weg des Wissens betreten. Während überall sonst Wissen eine Sache der Priester war, gibt das Wissen im Judentum den Anspruch auf Gleichberechtigung, aus der eine innerjüdische Demokratie entspringt. Es ist et ״ as eigentümlich Jüdisches, das die Väter verpflichtet, die Kinder zu unterrichten. Dieser Weg der allgemeinen Volksbildung wurde von der Reformation aufgegriffen. Auch eine gewisse Vertraulichkeit der Juden untereinander entspringt dieser geistigen Demokratie, die eigentlich in der Gemeinde so etwas wie eine klassenlose Oe- Seilschaft geschaffen hat. Im Judentum ist das Studium nie ein archäologisches Bestreben gewesen. Vielmehr liegt alles aut einer Ebene lebendigster Gegenwart; die jüdische Geschichte ist daher zeitlos. In unseren Tagen erst haben wir eine Geschichte bekommen, weil für uns vieles nicht mehr die volle Wirklichkeit besitzt. Aber auch heute ist jüdische Bildung nur möglich, wenn de die Beschäftigung mit einer uns ganz eigenen Sache ist L. דור הולך ודור בא והאריו לעולם עומדת Ein Geschlecht geht dahin, fön Geschlecht kommt. Aber das Land bleibt ewig Kohelet 1,4 ״Ein Vermächtnis für Erez> Israel" Der heutigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ liegt ein Informationsblatt des Keren Kajemeth Lejisrael bei, das die besondere Aufmerksamkeit der Leser der ״Jüdischen Rundschau“ erfordert. Der Laiidesvorstand hat in seiner Sitzung vom 12. Oktober 1930 auf Vorschlag des Geschäftsführenden Ausschusses der Z.V.f. D. einstimmig folgende Anträge angenommen: 1. Der Landesvorstand ersucht seine Mitglieder und Ersatzmitglieder, sofern sie nicht bei der Lebensversicherungs- Gesellschaft ״Phönix“ eine Lebensversicherung laufen haben, dem Jüdischen Nationalfonds e. V. als Mitglieder beizutreten, d. h. sich zugunsten des KKL unwiderruflich mit einem Betrage von 500 bis 1009 M. zu versichern. 2. Der Laiidesvorstand ersucht diejenigen Mitglieder und Er- Satzmitglieder, die eine Lebensversicherung beim ״Phönix“ laufen haben, eine Zusatzversicherung unwiderruflich zugunsten des KKL abzuschließen. 3. Der Land es Vorstand bittet seine Mitglieder und Ersatzmitglieder, der Versicherungsaktion zugunsten des KKL im laufenden Jahre ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und ihr ihre volle Unterstützung angedeihen zu lassen. Wir haben uns erst nach reiflicher Ueberlegung und monatelanger Vorbereitung entschlossen, bei der heutigen Wirtschaftliehen Lage mit dieser Aktion an die Oeffentlichkeit zu treten. Unser Entschluß wurde gefaßt, weil das Bodenproblcm gerade im letzten Jahr so überaus wichtig geworden ist, daß wir auch in Deutschland in den kommenden Jahren zusätzliche Anstrengungen machen müssen. Die Zionistische Organisation hat es in den mehr als drei Jahrzehnten ihres Bestehens — mindestens auf dem europäischen Kontinent — nicht verstanden, den alten Herzischen Gedanken der Erreichung von Legaten und Testamenten für Palästina fruchtbar zu machen. In Amerika und im British Empire ist dieser Gedanke weit populärer und führt unserem Werk in Palästina jährlich erhebliche Summen zu. Mit der L e gatsversicherung glauben wir, einen Weg gefunden zu haben, der dem KKL alljährlich durch die anfallenden Versieherungssummen größere, zusätzliche Einnahmen verschaffen kann, Einnahmen, die außer den Gelegenheitsspenden einfiießen und allmählich sich zu beträchtlicher Höhe steigern werden. Die Belastung des Einzelnen ist, wie sich aus dem beiliegenden Prospekt ergibt, wirklich gering. Der 30jähnge, der sich mit 1(XX) RM. unwiderruflich zuf unsten des Keren Kajemeth Lejisrael versichert, hat dafür nur ,41 RM. monatlich an Prämie zu entrichten, ein Betrag, der bei seinem Ableben oder nach 25 Jahren dem KKL 1000 RM., d. h. rund 121/2 Dunam Bodens sichert. Bei Auszahlung einer Versicherungssumme von mindestens 400 RM. wird der Spender in das ״Goldene Buch der Legate“ Deutschlands eingetragen. Eine Schädigung der regulären Spendeneinnahmen des KKL in Deutschland, der Zionistensteuer, des Keren Hajessod oder anderer palästinensischer oder zionistischer Fonds darf allerdings durch' den ÄtÄWWB der Versichörtüig zugunsten des KKL nicht eintreten, wenn nicht der Sinn der Aktion in sein Gegenteil verkehrt werden soll. Die kleine Belastung, die hier übernommen werden soll, muß eine zusätzliche Belastung sein, wenn sie ihren Zweck erreichen soll. Wir glauben, daß wir mit dieser Aktion, die von den Vertrauensleuten des KKL im Zusammenarbeiten mit der Versieherungsabteilung des KKL ehrenamtlich organisiert wird, der Sache Palästinas einen großen Dienst erweisen werden. Der KKL wird erhebliche Einnahmen haben. 1000 Ver- Sicherungen ä 500 bis 1000 RM. mindestens 500 000 RM. Versicherungssumme ist das Ziel des Jahres 5691. Das Ziel ist erreichbar. Es wurden bereits vor der Landesvorstandssitzung zirka 15 000 RM. und auf der Landesvorstandssitzung über 20 000 RM. gezeichnet. Darüber hinaus wird die Aktion den Vorteil haben, daß der Gedanke, ein Legat für Palästina in seinem Testament auszusetzen, populär werden wird. Wie schon einmal vor vielen Jahren mit der Baumspende, wollen die Zionisten Deutschlands auch durch die Legatsaktion beispielgebend wirken. Schon breitet sich, noch kaum begönnen, die Aktion in der Welt aus. Aus Amerika, England, Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien liegen Anfragen vor. Man will die Aktion auch dort organisieren. Um so mehr haben wir die Verpflichtung, im neuen Jahr diese Aktion zu einem vollen Erfolge zu führen. Dr. Georg W o 11 s t e i n, Berlin. Eine Reise durch das jüdische Polen, Vortrag von Dr. Gustav Krojanker in der Schule der jüdischen Jugend, Berlin. Die Schule der jüdischen Jugend in Berlin eröffnete am 18. Oktober ihre Herbstarbeit mit einem Vortrage von Dr. Gustav Krojanker über das Thema: ״Eine Reise durch das jüdische Polen“. Die Veranstaltung wurde von Dr. Moritz Spitzer mit einem Hinweis auf die Leistungen und die Aufgaben der Schule eingeleitet, die in der heutigen Zeit Wirtschaftlicher und seelischer Judennot der Jugend den Sinn für ihre jüdische Existenz erschließen soll. Hierauf führte Dr. Gustav Krojanker in seinem Vortrage über das jüdische Polen u. a. aus: Es kommt nicht darauf an, subjektive Eindrücke wiederzugeben, sondern den großen Umwandlungsprozeß zu schildern, den das polnische Judentum durchmacht. Für den Westjuden ist der erste wesentliche Eindruck die außerordentliche Lebendigkeit dieses jüdischen Volkslebens. Man unterscheidet auch sehr bald die wichtigsten Typen der dortigen Judenheit: Das alte orthodoxe Judentum, das in einem bestimmten Maße assimilierte und das zionistische Judentum. Trotz dieser Differenzen besteht aber ein enger historischer Zusammenhang der Generationen. Die wirtschaftliche Lage wird durch eine unsagbare Not weitester Voikskreise gekennzeichnet. Besonders ist das in Warschau zu spüren. Die Wohnungsverhältnisse und die Lebensverhältnisse der Jugend sind außerordentlich schlecht. Ein geistiger Umwandlungsprozeß ist mit dem wirtschaftlichen verbunden. Die Orthodoxie bröckelt immer mehr ab. Der wirtschaftliche Umschiehtungsprozeft muß zwangsläufig zu einer Abkehr vom Handel zum Gewerbe fiihren. Der jüdische Geist sträubt sich zwar gegen eine seelenlose Materialisierung; trotzdem erzwingt aber die Not den Uebergang zur Industrie. Zionismus und Kommunismus werben um die Seele der Jugend. Große Massen erstreben die Auswanderung nach Palästina. Solange diese aber nur in beschränktem Maße möglich ist, besteht immer die Gefahr, daß der Kommunismus an Einfluß gewinnt. Eine besondere Bedeutung kommt in der jetzigen Situation dem jüdischen Schulwerk und der Jugendbewegung zu. Die zionistische fugendbewegung aller Richtungen hat in Polen einen sehr starken Einfluß. Besonders eindrucksvoll ist die Vorbereitungsarbeit des üsdhatas. k Aus den Gemeinden Der Vorstand des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes in Deutschland verschickt nachstehenden Aufruf: Die jüngsten politischen Geschehnisse machen mehr als je den inneren Frieden im deutschen Judentum notwendig. Die schwere wirtschaftliche Notlage verbietet es zudem, Mittel für Wahlkämpfe zu verausgaben anstatt zu neuem Aufbau. Daher richten wir an alle Juden in Deutschland die dringliche Aufforderung, bei den bevorstehenden Wahlen zu den Landesverbänden und den Gemeindevertretungen Wahlkämpfe zu vermeiden, Zwiespalt nicht zu verschärfen und nach Möglichkeit den Kampf durch einen Wahlkompromiß auszuschalten. * Der Bezirk der Synagogen-Gcmeinde C ö p e n i c k ist durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Potsdam mit Wirkung vom 1. Juli 1930 mit der Berliner Gemeinde vereinigt worden. Die feierliche Uebernahmc findet am Sonntag, dem 26. Oktober d. J״ nachmittags 4 Uhr, in der Synagoge Cöpenick, Freiheit 8, statt. * Auf Grund der bei den Berliner Amtsgerichten abgegebenen Erklärungen vollzogen im Laufe des jahres 1929 in Berlin 57640 Personen ihren Austritt aus der Kirche. Davon entfallen auf die evangelische Kirche 50 491 Personen (28 997 Männer, 21 493 Frauen), auf die römisch-katholische Kirche 6570 (3823 Männer, 2746 Frauen), auf die Jüdische Gemeinde 579 (378 Männer, 201 Frauen), auf die sonstigen Religionsgemeinschäften eine Person. * Am 16. September fand in Berlin die üründungsversammlung einer Genossenschaft jüdischer Handwerke r statt, die alle diejenigen Handwerker umfassen will, die sich zu dem Gedanken der Sabbatruhe bekennen. An der Sitzung nahmen eine Reihe von Handwerkern, die Vertreter des Weltverbandes Schomre-Schabbos und der Volksbank Iwria G. m. b. H., Berlin, teil. Die Aufgabe dieser Handwerker-Genossensebaft wird darin bestehen, jüdische gesetzestreue Handwerker zum Zwecke einer besseren Versorgung mit Aufträgen zusatnmenzuschließen, ihnen die Möglichkeit eines zentralen Einkaufs zu gewähren und die bisher so schwierige Versorgung mit teuren Maschinen zu ermöglichen. Diese jüdische Handwerkergenossenschaft besteht vorläufig ausschließlich aus Vertretern des Baugewerbes. Die Handwerker werden Aufträge von jüdischen Hausbesitzern entgegennehmen und sie zu den allgemein üblichen Bedingungen zur Ausführung bringen, wobei ihre Mitglieder die Verpflichtung auf sich nehmen, am Sabbat keine Arbeiten zu verrichten. * Saloniki, 16. Oktober. (J. T. A.J Am 12. Oktober fand In Saloniki die Wahl der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde auf Grund des allgemeinen Wahlrechts statt. Die aus 70 Personen bestehende Versammlung wird nach ihrer Konstituierung einen zwölfgliedrigen Gemeindevorstand wählen. Von etwa 7000 Wahlberechtigten haben 6201 ihr Wahlrecht ausgeübt. Auf die zionistische Liste entfielen 21 2 3 S t i m m e n , auf die Liste der ״Nationalen Union“, einer Vereinigung von Misrachisten, einigen zionistischen Dissidenten und Antizionisten entfielen 1742 Stimmen. Die Kommunisten erhielten 1015 Stimmen, die mehr oder weniger antizionistischen Anhänger der Alliance 864, die Gewerbetreibenden 327 Stimmen. 148 Stimmen waren zersplittert. Somit haben die zionistische Liste und die der ״Nationalen Union“ etwa zwei Drittel der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. ״ ' * Am 15. Oktober verstarb in London Rabbiner Sir Hermann G o 11 a n c z, emeritierter Professor der hebräischen Sprache an der Londoner Universität, ein älterer Bruder des im JuK dieses Jahres verstorbenen bekannten Shakespeare-Forschers und Professors der englischen Literatur an der Londoner Universität Sir Israel Gollancz. Professor Hermann Gollancz, der erste und bisher einzige Rabbiner, der in den Ritterstand erhoben wurde, hat ein Alter von 78 Jahren erreicht. * Prag, 16. Oktober. (J.T. A.) Nach einer soeben erschienenen Statistik des Keren H a j e ss o d - Büros steht die Tschechoslowakei an erster Stelle jener Staaten, in denen jüdische Gemeinden Leistungen für den Keren Hajessod in ihr Budget aufgenommen haben. In der Tschecho- Slowakei leisten 38 Kultusgemeinden Beiträge für den Keren Hajessod. An zweiter Stelle folgt Deutschland mit 26 solcher Gemeinden. Jüdische Genossenschaftsbank in Essen. Am 12. Oktober 1930 ist in Es s e n , wie wir bereits in der vorigen Nummer in der Rubrik ״Aus den Gemeinden“ gemeldet haben, die Gründungsversammlung der neuen jüdischen Genossenschaftsbank vor sich gegangen. An dieser Gründungsversammlung nahmen etwa 130 Personen teil. Es waren Vertreter aus allen jüdischen Gemeinden der Umgegend vertreten, die sich an der Arbeit der neuzugründenden jüdischen Genossenschaftsbank beteiligen wollten. Direktor Karcski (Berlin) gab in einem ausführliehen Referat ein Bild von der Gesamtsituation der Juden in Deutschland und von den Konsequenzen, die sich aus der wärtschaftlichen Situation ergeben. Er betonte, daß es notwendig ist, durch die Schaffung eines ausgedehnten Netzes jüdischer Genossenschaftsbanken der drohenden Verelendung entgegenzutreten und bat ausführlich auf die wertvolle Tätigkeit der Voiksbank Iwria, G.m.b. H., Berlin, hingewiesen. Dr. B. Silbert sprach als Vertreter der Iwria, Berlin, über die Möglichkeiten, die sich auf sozialem Gebiet durch die Schaffung der Genossenschaft ergeben. Die Versammlung hat eine Propaganda-Kommission aus etwa 30 Personen zusammengesetzt, wobei alle Richtungen der jüdischen Gesellschaft beriicksichtigt wurden, die eine weitere Propaganda für den Ausbau der neugegründeten Bank in die Hand nehmen soll. Die Zeichnungsaktion für die Genossenschaftsbank ist in vollem Gange. Das gegen drei junge jüdische Kommunisten vor wenigen Monaten in Lemberg (Ostgalizien) wegen Besitzes verbötener kommunistischer Literatur gefällte Todesurteil wurde vom Appellationsgericht aufgehoben. Naphtali Propper wurde freigesprochen, die Strafe gegen Samuel Jugend auf ein Jahr und die gegen Israel Hirsch auf 18 Monate Gefängnis festgesetzt. Wir haben seinerzeit als erste jüdische Zeitung gegen die Todesurteile protestiert und eine große Aktion zugunsten der Verurteilten angeregt. Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina, Bezirksgruppe West. Dienstag, den 28. Oktober, nachm. 4>/ä Uhr, im K. J. V., Bleibtreustr. 50: Musikalischer Klubnachmittag mit Werken bedeutender jüdischer Komponisten. Hermann Swet: ״Einführung in jüdische Musik“, weitere Mitwirkende: Frau Mathilde T orczyn er (Klavier), Frau Vera Abraham (jiddisohe Lieder) und der russisch-amerikanische Violinvirtuose Max O l a n o f f. Gäste willkommen.

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