Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 81-82 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 81/82, 17. X. 1930 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 529 Wladimir Jabotinsky (Za sefatem 50. Gebartstag am IS. Oktober) Von S c h. Q 0 r e 1 i k. .1. Von den 50 Jahren seines Lebens waren die Hälfte dem leidenschaftlichen, begeisterten Kampf für die jüdisch-nationale Bewegung, für die Idee des Zionismus gewidmet. Jabotinsky, den man nur als erfolgreichen und äußerst populären Feuilletonisten der ״Odeskija Nowosti“ kannte, brachte, als er sich den russischen Zionisten anschloß, eine edle Rüstung für den Kampf mit: die große Begabung eines glänzenden, originellen Publi־ zisten und Redners von außerordentlicher Stärke und Wirkung. Er stellte sie in den Dienst des Zionismus und er war unermüdlieh und tapfer in seinem Dienst. Unglaublich groß ist die Zahl der Aufsätze, die Jabotinsky geschrieben und die Zahl der Reden, die er für den Zionismus, dieser seiner nunmehr größten, einzigen Passion gehalten hat. Und sie waren stets von der Art, daß sie ihm den Ruf als Meister auf diesen beiden Gebieten eintrugen. Es gibt in der Tat kaum einen Aufsatz von Jabotinsky, der nicht, unabhängig davon, ob man mit den Gedankengängen, die darin entwickelt sind, übereinstimmt oder nicht, imstande wäre, dem Leser einen geistigen Genuß zu bereiten und anregend auf ihn zu wirken. Und mit welchen Vorsätzen und Vorbehalten auch immer ein Gegner des Zionismus oder der Jabotinskyschen Auffassung vom Zionismus sich zu einer Versammlung begibt, in welcher Jabotinsky spricht, immer wird er von der faszinierenden Kraft dieser außergewöhnlichen Beredsamkeit, 'in welcher Schönheit der Form, klare Logik und Reichtum der Gedanken sich vereinigen, gefesselt und hingerissen werden. In den Jahren vor dem Kriege, die die r 0 m a ntischen Jahre seiner zionistischen Tätigkeit genannt werden dürfen, galt der Kampf Jabotinskys hauptsächlieh den Gegnern des Zionismus aus den assimilatorische» und sozialistischen jüdischen Kreisen Rußlands. Mit seinem Auftreten in der Arena des russischen Zionismus vollzieht sich die Eroberung jener jüdischen Kreise, die der nationalen Bewegung feindlich gesinnt waren, vor allem der assimilatorischen Jugend, in schnellerem Tempo als vorher. Seine rednerischen Tourneen durch die großen Städte Rußlands endeten stets mit einem Triumph sowohl für die Idee des Zionismus wie auch für ihn persönlich. Für die Bundisten, die jüdischen Sozialisten-Revolutionäre und Sozialdemokraten aber brachte das Erscheinen Jabotinskys große Besorgnis, denn sie hatten ernsthaften Grund, für die Standhaftigkeit ihrer vielen Mitläufer zu fürchten. Alles strömte herbei, Jabotinsky zu hören; und wenn nur ein Teil dem Zauber seiner Rede erlag, so gaben doch alle übrigen ehrlicherweise zu, unvergeßliche Stunden erlebt zu haben. Hartnackige, aber Fanatiker, die einen Erfolg der gegnerischen Partei schwer überwinden konnte», gingen schweigsam, verdrossen heim, sie gönnten den verhaßten Zionisten diesen Redner nicht. Die Zurückbleibenden aber versammelten sich in irgendeinem gastfreien Hause, um den Triumph zu feiern. Man blieb bis spät in die Nacht sitzen, und Jabotinsky mischte sich unter die Jugend und rezitierte in meisterhafter Art die von ihm selbst übersetzten italienischen Dichter. Wer den russischen Zionismus miterlebt hat, erinnert sieh nicht an den Jabotinsky dieser ersten Jahre, seine Wirkung und Tätigkeit, die von großer Popularität und Beliebtheit begleitet waren? Wenn diese Jahre hier als die romantischen bezeichnet werden, so geschieht es keineswegs darum, um damit zu sagen, daß der Zionismus Jabotinskys ein nebelhafter, schwärmerischer war. Keineswegs: der Zionismus Jabotinskys war immer ein klarer, bedingungsloser Herzlscher Zionismus, frei von jeglicher Mystik und Missionsidee. Romantisch möchte ich jene Jahre nennen, weil sie, abgesehen von einzelnen Fällen der Uneinigkeit — besonders während der Dumawahlen — ungetrübte Jahre waren, Jahre des Kampfes nur nach außen mit den Gegnern des Zionismus, aber frei von Kämpfen in den eigenen Reihen, die seelisch aufreibend sind und immer Gefühle der Bitterkeit hinterlassen. Diese schweren, bitteren Kämpfe kennzeichnen die zweite Periode, die heroische Periode sozusagen, die in den Jahren während des Krieges und nach dem Kriege folgten. Für die Persönlichkeit Jabotinskys und für den Platz, den sie in der Geschichte des Zionismus einnimmt, ist aber die zweite, heroische Periode bedeutender und ausschlaggebender. In ihr kommen erst seine schöpferischen Kräfte zu richtiger Entfaltung, und die Eigenarten seiner Persönlichkeiten erhalten schärfere Prägung. Aus der Arena des lokalen russischen Zionismus (auf den Vorkriegs- Kongressen sali man ihn hauptsächlich in den Versammlungen der russischen Landsmannschaft auftreten) tritt Jabotinsky in die breite Oeffentlichkeit des allweltlichen Zionismus. Die Riehtung, die Jabotinsky während dieser zweiten Periode seines Wirkens der zionistischen Bewegung zu geben bestrebt war, diese Periode, die mit der Propaganda der Legionsidee in den Kriegsjahren angefangen hat, machten ihn zu einer der zentralsten, kämpferischsten und am meisten bekämpften Figuren im Zionismus. Es liegt in der Natur des aktiven, schöpferischen Menschen, mehr noch als an die harmonischen, ungetrübten Jahre, an die kämpferischen, harten Jahre zurückzudenken, obwohl sie oft mit Verkanntsein und Einsamkeit und vielem Leid verbunden sind. Und hält Jabotinsky an diesem für ihn denkwürdigen Tag Rückschau über sein tätiges, bewegtes Leben, so bleiben seine Gedanken und Gefühle sicherlich mehr an den Monaten des einsamen, verzweifelten Kampfes für die Idee einer jüdischen Legion im Londoner Whitechapel haften als an der Zeit der glücklichen, ruhigen Erfolge in Odessa, Petersburg und Wilna. II. Von einer Wiedergabe der Jabotinskyschen zionistischen Auffassung, seinem aktiven Programm, oder gar von einer Auseinandersetzutfg mit ihnen sei hier bei der warmen Bestrebung, seine Persönlichkeit zu würdigen und' ihr gerecht zu werden, abgesehen. Was Jabotinsky vom Zionismus und von den Zionisten will und fordert, ist allzu bekannt. Einzig für jene großen Kreise im Zionismus, denen Jabotinsky wesensfremd erscheint, soll durch die folgende kurze psychologische Betrachtung versucht werden, den Menschen und Zionisten Jabotinsky verständlich zu machen. Jabotinsky ist die ganz selten, vielleicht einzig vorkominende Erscheinung eines Nicht-Golusjuden. Wenn er für sich mit einiger Betonung und nicht ohne Behagen den Anspruch erhebt, als ein normaler Mensch zu gelten, so meint er damit das Nichtvorhandensein aller jener Momente, die einen Juden mit Golus-Mentalität kennzeichnen, wobei dieser Begriff Golus-Jude breiter und tiefer genommen werden muß. Es gibt Juden, die allem Jüdischen längst den Rücken gekehrt haben und dennoch Golus-Juden geblieben sind. Sollte man sich entschließen, auch hier die Thainesche Methode bei der Analyse einer schöpferischen, künstlerischen Persönlichkeit anzuwenden, so muß der Stadt Odessa Erwähnung getan werden, wo Jabotinsky seine Kindheit und Jugend verlebte, und wo er seine ersten publizistischen und rednerischen Erfolge hatte. Jabotinsky stammt aus Odessa, dieser wunderbaren Stadt Rußlands, die nichts Russisches an sich hatte, weil auf ihr nicht jene schwere düstere Geschichte Rußlands lastete. Diese sonnige, lustige, lebensfreudige Hafenstadt mit ihren breiten geraden Straßen, mit ihren zahlreichen luxuriösen Kaffeehäusern, mit ihren anmutigen Parks beherbergte Russen, Griechen, Italiener, Juden und ihnen allen war ein gemeinsamer Zug eigen: klares, sachliches Verhalten dem Leben gegenüber, ungetrübte Freude an den Tagen des Daseins. Vor den Toren Odessas hörte jede überflüssige Grübelei und Probiemaiik auf. Wenn ein Ghetto-Jude die Ketten der Enge sprengen wollte, wenn er dem übergeistigten asketischen Litauen den Rücken kehren wollte, floh er nach Odessa. Im ganzen jüdischen Siedlungsrayon hieß es: ״er lebt wie Gott in Odessa“. Die Juden Odessas hatten in der Tat nicht viel vom Golus-Juden. Das waren Juden, die am wenigsten zu Hause saßen und über das berühmte ״fregt die Welt a alte Kasche“ grübelten. Zur Folge hatte das zwar, daß sie nicht übermäßig mit geistigen Dingen beladen waren, aber dafür konnte man in Odessa wie nirgends wo anders munter schreitende, lachende, sorglose Juden sehen. Wenn einem Odessaer Juden der Schuh drückte, tat er das einzig Vernünftige, Notwendige: er zog den Schuh aus. Er philosophierte nicht, wie ein litauischer Jude es bei solcher Gelegenheit nicht unterlassen hätte. Aber nicht nur der jüdische, sondern auch der spezifisch russische Golus, d. h. das Ueberhandnehmen der problematischen, kompürierten Karamasowschen Welt endete vor den Toren Odessas. Die Seele des russisch-jüdischen Intellektuellen war nämlich nicht nur beschwert durch das bekannte ״fregt die Welt a alte Kasche“, sondern auch durch die Besessenheit all der Helden Dostojewskys, die stets an die Welt und Menschen Fragen, dringende Fragen stellten (״Wenn es keinen Gott gibt, was bin ich dann für ein Kapitän“). Sie alle, unsere komplizierten Zionisten tragen in sich nicht nur den jüdischen, sondern auch den spezifisch russischen Golus. Gordon z. B. ist der typische russische intellektuelle Tolstoianischer Observanz. Jabotinsky aber blieb dem jüdischen wie dem russischen Golus völlig fremd. Er hat nicht nur wenig oder gar kein Verständnis für jüdische Mystik, sondern er empfindet auch Dostojewski als etwas unglaublich Schweres, Ungesundes und in vielen Hinsichten Abstoßendes. Deswegen beginnt auch der Uebergang Jabotinskys zum Zionismus nicht mit einer tiefen Diskussion, er begibt sich einfach in das Haus, wo der Odessaer jüdische Selbstschutz mit technischen Vorbereitungen beschäftigt war, krempelte seine Aerrnel auf und sagte: ״Ich gehöre zu Ihnen, und ich bin gekommen, Ihnen zu helfen.“ Und so denkt und handelt Jabotinsky bis auf den heutigen Tag. Er ist ein Herzlscher Zionist. Er ist kein Gegner des Sozialismus, es liegt keine klare Aeußerung seinerseits über dieses Thema vor, aber er glaubt, daß wenn man sich vornimmt, beide Dinge auf einmal zu tun, nämlich soziale und gleichzeitig nationale Ideale verwirklichen zu wollen, die Gefahr bestände, daß beide schlecht oder gar nicht verwirklicht werden. Daher sein Dogma vom bedingungslosen Zionismus. Weil Jabotinsky der unkomplizierteste Zionist ist, so wird er auch niemals begreifen können, daß z. B. das Abschlachten von Juden in Palästina nicht das elementare Gefühl der Abwehr hervorruft, sondern die Sorge darüber, ob nicht die zionistischen Massen von einer zu chauvinistischen Welle erfaßt werden. Diese letzte Sorge eben ist die Folge einer zu komplizierten Golus-Psychologie, die Folge jenes ״fregt die Welt a alte Kasche“ mit Dostojewski und Tolstoi vermengt, die den Zionismus zwar zu vertiefen imstande ist, aber auf die Gefahr hin, dem eigenen Volk nicht gerecht zu werden. In zwei Werken von bleibendem Wert versucht Jabotinsky sich mit der zionistischen Welt auseinanderzusetzen. Ich meine Landesverband dar Zionisten — Revisionisten Ortsgruppe Berlin Am 22. Oktober, abends 81/* Uhr, spricht im Bach-Saal (Blüthner-Saal), LützowstraSe 76 der Präsident der revisionistischen Weltorganisation Herr Wladimir Jabotinsky über das Thema: ״England, Araber und die Juden“ Karten von 1.— bis 3.— Mark bei Bote & Bock, Theaterkasse W e r t h e i m und an der Abendkasse seinen künstlerisch bedeutenden Simson-Roman und das Legionsbuch. Manche lyrischen wehmutsvollen Stellen — für den unsentimentalen Jabotinsky sehr auffallend — legen Zeugnis davon ab, wie stark dies Unverstandenwerden ihn doch seelisch beschäftigt und auch betrübt. Für den täglichen Kampf im Namen seines revisionistisehen Programms führt Jabotinsky eine sehr scharfe publizistische Feder. Sie hat gerade in den letzten Wochen besonders an Schärfe zugenommen. Jabotinsky glaubt zu dieser Schärfe berechtigt zu sein, weil er den Herzischen Zionismus von den jetzigen Führern preLsgegeben sieht. Es ist jetzt, wo man das Verlangen hat, Jabotinsky, den glühenden jüdischen Patrioten, zu seinem 50. Geburtstag zu begrüßen, nicht der Moment, sich über seine heftige, zornige Polemik, die er in der letzten Zeit führt, zu äußern. Eins aber soll am Schluß gesagt werden: wenn die angegriffenen Führer nur dem Zwang der realen Vernältnisse zu weichen glauben und das endgültige Urteil getrost der Geschichte überlassen, so wird die Geschichte auch Jabotinsky das Recht zugestehen, über dieses Zurückweichen seinen Schmerz auszudrücken. Es muß einer da sein, der, wenn er die Flagge auf Halbmast wehen sieht, diese Tatsache nicht als eine neue Epoche, sondern als ein sichtbares Zeichen der Trauer betrachtet. Zeitschriften - Schau In der ״N e w Republic“ veröffentlicht ein offenbar der Brandeis-Gruppe angehörender amerikanischer Zionist, Harold L o e b, einen längeren Artikel über ״Zions Zukunft“, in dem er nach einer leider recht oberflächlichen und teilweise direkt unrichtigen Darstellung der gegenwärtigen innen- und außenpolitischen und wirtschaftlichen Situation des Zionismus für die Zukunft folgenden Standpunkt vertritt: Der jüdisch-arabische Gegensatz sei nur darauf zurückzuführen, daß die Effendis, die ihre alte Herrschaft über die Fellachen durch die sozialen Aus- Wirkungen der jüdischen Einwanderung bedroht sähen, den religiösen Fanatismus der Fellachen gegen die Juden aufhetzten; aber England könne augenblicklich aus den bekannten Gründen, vor allem wegen Indien, keine antiarabische Politik treiben, und habe deshalb die bekannten Maßnahmen (Einwanderungssperre usw.) getroffen. Das jüdische Volk, das auf England vertraut habe, sähe sich jetzt von allen Seiten geprellt, und sein Vertrauen auf die Mandatarmacht sei endgültig zerstört, um so mehr, als der Schlag gegen den Zionismus gerade von der Labour-Party geführt worden sei, die man dem Zionismus für besonders günstig gesinnt hielt. Aber trotzdem sollten und würden die Zionisten ihre Anstrengungen nicht aufgeben, sie sollten sie nur in eine andere Richtung lenken, nämlich nicht mehr nach Palästina, sondern nach den umliegenden vorderasiatischen Ländern! Loeb spricht von Transjordanien, dem Negeb, ferner von Syrien, dem Irak, Anatolien, Persien und ganz besonders dem Hauran, die alle den Juden Einwanderungsmöglichkeiten böten. In dem gesunden und fruchtbaren Hochplateau des Hauran habe die Pica schon Land gekauft, und die Drusen-Sheiks seien auf die Reichtiimer, die den palästinensischen Effendis durch die jüdische Einwanderung zugeflossen seien, sehr neidisch und würden den Juden außerordentlich gern Land verkaufen, wie Loeb selbst vor zwei Jahren bei einem Besuch bei Faris Bey Atrasch festgestellt habe. Auch Frankreich sei auf das ausgeglichene Budget Palästinas neidisch, und es sei gar nicht ausgeschlossen, daß es die jüdische Einwanderung willkommen heißen würde. Syrien böte auch mit seinen Häfen und Städten viel reichere industrielle Möglichkeiten als Palästina selbst Freilich sei Syrien ein unruhiges Land, aber die Juden könnten sich gegen die primitiven Methoden der dortigen Kriegführung selbst schützen, und außerdem läge ja eine große französische Garnison da. Wenn die Nachbarländer Palästinas eine stärkere jüdische Bevölkerung bekämen, so würde sich auch der große kulturelle Apparat (Presse, Theater usw.), den man in Palästina geschaffen habe, viel besser rentieren. * Die in Genf erscheinende Zeitschrift ״Nation Arabe“ kritisiert in ihrer letzten Nummer in außerordentlich scharfer Form den Bericht der Mandatskommission des Völkerbundes. Dieser Bericht, schreibt ״Nation Arabe“, habe offensichtlich einseitig für die Juden Stellung genommen. Die Schaffung der Selbstverwaltung Palästinas schließe die Gründüng des Jüdischen Nationalheims aus, da eine freie palästinensische Regierung, zu deren Bildung die überwiegende arabische Mehrheit des Landes auf Grund des Mandats berechtigt sei, der Errichtung eines Jüdischen Nationalen Heims selbst in der eingeschränktesten Konzeption nicht zustimmen werde. Der Völkerbund werde sich zwischen Mißachtung der Rechte der Araber und Vernichtung illusorischer Hoffnungen der Juden entscheiden müssen. — Dieser Artikel der ״Nation Arabe“ steht vollkommen auf dem Boden des am 24. September von der syro-palästinensischen Delegation den Delegierten der Völkerbundversammlung überreichten Protestmemorandums gegen den Zionismus. In diesem Memorandum war behauptet worden, der Zionismus widerspreche dem Artikel 22 des Völkerbundpaktes und bezwecke die Errichtung eines Judenstaates unter Unterdrückung der autochthonen arabischen Bevölkerung. England habe den Juden ein Land versprochen, das ihm nicht gehört, und das den Arabern gegebene Versprechen, einen freien arabischen Staatenbund zu schaffen, gebrochen, um sich die Unterstützung der jüdischen Finanz und einen neuen Weg nach Indien zu sichern. Das Jüdische Nationalheim könne nur mit Hilfe der britischen Bajonette errichtet werden. Die Völkcrbundversammlung möge die Ungerechtigkeit wieder gutmachen, welche durch die Umkehrung elementarer Rechtsprinzipien seitens der Mandatskommission verübt worden sei. * In den englischen ״Foreign Affairs“ wird vor allem die historische Bedeutung des Berichtes der Mandatskommission hervorgehoben, die darin liege, daß ein internationales Komitee ungeniert dem größten Weltreich die Meinung gesagt habe, und daß dieses Weltreich daraufhin seine Handlungen vor der Welt habe verteidigen müssen! Man könne den ausgezeichnet geschriebenen Bericht der Mandatskommission nicht lesen, ohne festzustellen, daß die Weltmeinung eine reale Wirkung auf die Politik der großen Mächte auszuüben beginne, * Wie wir bereits in einer Notiz mitgeteilt haben, ist das September-Heft 1930 der Süddeutschen Monatshefte der Judenfrage gewidmet. Es ist eine seltene Erscheinung, daß sich Vertreter verschiedener Richtungen dazu bewegen lassen, in einem Heft an einer gemeinsamen Frage zu arbeiten und ״es ist wohl das erste Mal“, wie der Herausgeber im Vorwort sagt, ״daß an einer Veröffentlichung Juden und Antisemiten Zusammenarbeiten“. Nach einem rein geschichtlichen Aufsatz von Ismar El bogen über die Wanderungen der Juden schildert Israel Cohen (London) die zionistische Bewegung, ihre Geschichte und ihre Ergebnisse bis zur Jetztzeit. In einem besonderen Artikel geht Gerhard H old heim speziell auf den Zionismus in Deutschland ein. Entstehung, Bedeutung, Arbeitsgebiete und Arbeitsmethoden des Central- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens betrachtet