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Jüdische Rundschau · 1930-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 528 JÜBDISCHE RÜNDSCHÄU Nr. 81/82, 17. X. 1930 Das Landproblem ״Wenn wir die Regierung Palästinas nicht dazu bringen, uns Böden in großem Ausmaß zur Verfügung zu stellen, kann unsere Kolonisation nicht vorwärts kommen“ — sagen die Revisionisten. ״Wenn die Araber bei der jetzigen politischen Spannung sich weigern, uns Land zu verkaufen, oder die Regierung zum Schutz der Araber uns Beschränkungen im Landkauf auferlegt, muß unser Aufbauwerk zum Stillstand kommen“ — sagen unsere Aengstlichen. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Es läßt sich nicht vermeiden, dabei Zahlen zu nennen; aber es werden wenige und deutliche sein. Der landwirtschaftlich nutzbare (bebaubare) Boden Palästinas wird auf 121/2 Millionen Dunam geschätzt (bleiben wir beim Dunam ab Einheit, auch wenn nicht jeder weiß, wieviel das ist; unter uns gesagt, 1000 qm). Davon Ist jetzt in jüdischem Besitz P/i Million Dunam, also 100/0. Von diesem Bodenbesitz ist bisher etwas weniger als die Hälfte in Bearbeitung genommen; mehr als die Hälfte steht noch für zukünftige Kolonisation zur Verfügung. Auf diesem jüdischen Boden lebt heute eine ländliche Bevölkerung von etwa 40000 Seelen. Von die«! sind aber nur zwei Drittel im eigentlichen Sinne landwirtschaftlich Tätige (einschl. Kinder); ein Drittel ernährt sich von häuslichen Diensten, vom Handwerk, ländlicher Industrie und Handel, sind Beamte, Lehrer, Aerzte usw. Es entfällt demnach heute auf den Kopf der landwirtschaftlieh Tätigen ein durchschnittlicher Bodenraum von 50 Dunam, auf die Familie (vier Köpfe) ein durchschnittlieber Bodenraum von etwa 200 Dunam. Das jüdische Palästina ist also noch sehr dünn besiedelt und wird in sehr oberflächlicher, extensiver Wirtschaft bearbeitet. Freilich ist diese Rechnung zunächst eine theoretische, weil die ganze noch nicht kolonisierte Fläche mitgerechnet ist. Wie sieht es auf der bereits kolonisierten Fläche aus? Nach der Zählung vom Jahre 1927 umfaßten die Individual- Wirtschaften (Gegensatz: Cooperativen) etwa 375 000 Dunam; hier kam auf den Kopf 29,2 Dunam, auf die Familie also rund 120 Dunam (bei den Cooperativen rund 100 Dunam, also IhnHch). ln der Tat wird der jüdische Boden noch sehr oberflächlich, extensiv, bewirtschaftet Aber vielleicht kann der Boden nicht mehr ׳Menschen tragen? Wenn wir die Ziffern näher untersuchen, erhalten wir ein überraschendes und überaus eindrucksvolles Ergebnis. Unter den Einzelwirtschaften entfallen auf die Wirtschaften mit über 50 Dunam 350 000 Dunam, mit unter 50 Dunam 24 (XX) Dunam. Aber es lebten in den großen Wirtschaften 59 ״/«' der Seelen, in den kleinen Wirtschaften 41 0/0 der Seelen! Man höre und staune: auf 93,5 «/o der Fläche ernähren sich 59 «/ס der B e wo 11 n er; auf nur 6,5 ״/e d er Flache ernähren sich 41 ״/» der Bewohner. Hier haben wir klar und eindringlich den Unterschied zwischen extensiver und intensiver Wirtschaft. Denn die kleinen Wirtschaften, das sind die Wirtschaften mit intensiver Land- ,ateatMmg. Bei ihnen kommt durchschnittlich auf den Kopf, :eine Fliehe von nur 44;י Dunam, d. h. auf die Familie 18 Dunam (undda alle Wirtschaften bis 50 Dunam mitgerechnfet sind, müssen noch viele weit kleinere unter ihnen sein); bei den extensiven Wirtschaften kommen durchschnittlich auf die Familie 210 Dunam. * Nunmehr haben wir das Zahlenmaterial, aus dem wir unsere Schlüsse ziehen können. Nehmen wir einmal einen ganz unwahrscheinlichen, den allerschlimmsten Fall an: Zehn Jahre lang verkauft uns kein Araber (freiwillig oder unter gesetzlichem Zwang) einen Dunam Bodens; zehn Jahre lang liefert uns eine böswillige Regierung in Palästina keinen Dunam des Bodens aus, auf den sie ihre Hand legen kann. Wir sind dann gezwungen, nur auf dem Boden, den wir heute schon haben, zu kolonisieren; das heißt, den Boden zu nutzen, den wir bis heute noch nicht in Nutzung genommen haben, und vor allem auf dem schon bearbeiteten Boden die extensive Wirtschaft in eine intensive überzuführen. Kein Mensch, der Palästina kennt, wird behaupten wollen, daß selbst da, wo heute intensiv gewirtschaftet wird, der höchste Grad der Intensität bereite erreicht ist. Wenn heute die kleineren Wirtschaften (unter 50 Dunam) der Familie einen durchschnittlichen Emähiungsraum von 18 Dunam geben, so ist dies ein sehr mäßiger Grad von Intensität, ein Grad jedenfalls, den auf vorbearbeitetem Boden innerhalb von zehn Jahren eine sehr große Zahl von Wirtschaften erreichen und übertreffen kann. Wir wollen keinerlei phantastische Voraus- Setzungen machen. Wir wollen annehmen, daß!/! Mill. Dunam des jüdischen Bodens auch nach zehn Jahren noch Brachland sind, das die Bearbeitung noch nicht lohnt (Düne, Bergland, Sumpf). Wir nehmen weiter an, daß statt der heutigen 450 000 Dunam (einschl. Cooperativen) auch nach zehn Jahren noch 1/2 Mill. Dunam extensiv bewirtschaftet werden; daß aber 1,4 Mill. bereits soweit intensiviert sind, daß auf die Familie nur noch durchschnittlich 40 Dunam entfallen; daß endlich 1/j Mill. Dunam den Grad der Intensität erreichen, den heute die kleineren Wirtschaften haben (18 Dunam pro Familie), und der heute auf etwa 40 000 Dunam verwirklicht ist. Unter diesen maßvollen Voraussetzungen ergibt sich ein interessantes Bild der jüdischen Entwicklung in Palästina. Für das Ende dieses Zeitraums erhalten wir als Ziffer der landwirtschaftlich Tätigen: 1/4 Mill. Dunam Braclu — Einw. 1/3 » ״ extensiv (200 D. pro Fam.) 10000 ״ 1/4 ״ ״ teilintensiv (40 D. pro Fam.) 25000 ״ V1 ״ intensiv (18 D. pro Fam.) 55 500 ,, insgesamt landwirtschaftlich Tätige 85 500 ״ dazu nicht landwirtschaftlich Tätige 42750 ״ Ländliche Bevölkerung insgesamt rund 130000 ״ Von Franz Oppenheimer stammt das schöne Wort: Wer Städte bauen will, muß Bauern ansetzen. Legen wir das heutige Verhältnis zwischen ländlichen und städtischen Juden in Palästina (1:31/2) zugrunde, so entspricht diese ländliche Bevölkerung einer gesamten jüdischen Bevölkerung von 585000 Seelen. Es ist sehr fraglich, ob wir bei Anspannung aller Kräfte imstande sein werden, eine Einwanderung von 30 000 Juden jährlich, die zur Erreichung dieser Ziffer notwendig wäre, ins Land zu bringen. Das bedeutet aber: Innerhalb der Grenzen unserer Kräfte haben wir aufh bei dem heutigen jüdischen Landbesitz die Möglichkeit, unser Koioräsatioosweric und die An- Setzung neuer Bauern für absehbare Zeit fortzusetzen. Wir können dieruhige Zuversicht haben,daßunser Werk nicht angehalten werden kann, wenigstens nicht durch Bodenmangel. Die Folgen einer solchen langen Zurückhaltung der Juden vom Bodenkauf sind für das Land kaum auszudenken. Ganz Palästina ist auf den regelmäßigen Bodenkauf durch Juden eingestellt. Vier Millionen Dunam, fast zwei Fünftel des bebaubaren arabischen Bodens, sind in den Händen von etwa 250 Familien arabischer Großgrundbesitzer (Effendis), von denen also jede durchschnittlich 16 000 Dunam besitzt. Die meisten dieser Familien sind glatt ruiniert, wenn sie nicht mehr Teile ihres Bodens an Juden verkaufen können. Jedenfalls wäre ein furchtbarer Preissturz für Boden — und damit auch für alle arabischen Erzeugnisse des Bodens die Folge. Fast alle diese Familien haben auch erheblichen städtischen Grundbesitz, und sie müßten diesen um jeden Preis losschlagen. Aus ihrer Mitte würden sehr bald verzweifelte Bemühungen einsetzen, den Juden wieder den Bodenkauf zu ermöglichen. Für die Juden aber bedeutet der Uebergang zur intensiven Bewirtschaftung des Bodens ihre rasch fortschreitende Unabhängigkeit vom arabischen Erzeuger. Was wir an Gemüse und Früchten, an Geflügel und Eiern, an Milch, Butter, Käse, Fleisch und Oel gebrauchen, würden vir auch bei wachsender Einwanderung rasch selbst hervorbringen. Während in den letzten zehn Jahren rund zwei Drittel des von Juden ins Land gebrachten Kapitals in arabische Hände flössen (und fließen mußten!), würde dieser Anteil auf 10—15 <0/י sinken (für städtischen Boden, Mieten, Arbeitsdienste), und damit wäre der glanzvolle Aufstieg der Araber, der im letzten Jahrzehnt mit diesem Gelde finanziert wurde, zum jähen Stillstand gebracht. * Heißt das also, daß es unsere beste Politik wäre, zehn Jahre lang uns vom Landkauf zurückzuhalten? Nein. Land müssen wir auch weiterhin kaufen. Wir brauchen es vor allen Dingen als Bodenreserve für die Zukunft. In welcher Lage wären wir heute, wenn wir keine Bodenreserve hätten? Wir wären an Händen und Füßen gebunden dem Wohlwollen der Regierung und der Profitgier der Araber ausgeliefert, während wir ln Wirklichkeit freie Herren unseres — und ihres! — Schicksals sind, weil wir warten und arbeiten können. Weise Politik aber wäre es, vorläufig, für eine kürzere Zeit, keine Landkäufe zu tätigen. Man wiÄ uns vor — der Shaw-Bericht tut es unverblümt —, daß wir den Fellachen durch unsere Bodenkäufe gefährden und vom Boden vertreiben? Gut! Nach einem Jahr unserer Kaufabstinenz wird klar sein, wo sein Vorteil liegt, und daß nicht wir seine natürlichen Feinde sind. Der Effendi entdeckt sein nationales Herz und schreit über Auskauf arabischen Bodens? Gut, nach einem Jahr unserer Kaufabstinenz wird er uns nachiaufen und himmelhoch bitten, sein Land zu kaufen. Wir haben die Bodenpreise unnatürlich in die Höhe getrieben? Das mag sein; der Araber hat den Nutzen davon gehabt. Aber auch uns sind die Preise zu hoch, sie sind wirklich unnatürlich hoch. Warten wir, bis die Ware in Masse den Markt ,füllt und der Preis wieder ein vernünftiges Ausmaß hat. Es gjbt kein wirksameres Mittel, das Verhältnis zwischen Arabern und Juden freundnachbarlich zu gestalten, als eine :a$f־he׳©)th^tteamifeit. י . wir brauchen im Augenblick keinen arabischen Boden. Aber es wird schwer sein, «ine solche Bodenpolitik gegenüber unseren Fonds durchzusetzen. Sie werdeü sich in ihren heiligsten Interessen angegriffen fühlen und über nationalen Verrat schreien. Aber noch nie ist durch die Phrase eine gesunde Politik geführt worden. Das nationale Interesse verlangt, daß der Bodenkauf eine Zeitlang angehalten wird. Wir werden schon noch genug zum Landkauf kommen. Inzwischen brauchen unsere Landkaufinstitute nicht untätig zu sein; sie mögen — was sie bisher in gefährlicher Weise vernachlässigt haben — städtischen Boden kaufen, und sie mögen vor allen Dingen mit verdoppelter Kraft und mit all ihren Mitteln an der Verbesserung der vorhandenen Böden, d. h. an der Vorbereitung zur intensiven Nutzung, arbeiten. Nicht das Ausmaß, sondern die Ausnutzung des Bodens wird den Wettkampf der Nationen in Palästina entscheiden. Alle Energien, die wir bis jetzt auf den Kauf neuer Böden verwandt haben, sollten wir jetzt in die Forderung an die Regierung werfen, uns Regier 11 ngsböden zu übergeben. Hier liegt eine klare Verpflichtung der Regierung auf Grund des Mandates vor. Niemand wird geschädigt. Wenn die Regierung den Fellachen vor Auskauf schützen will, so gebe sie lins Regierungsböden her. Wenn sie beteuert, daß sie den Aufbau des Jüdischen Nation alh ei ms fördern will — hier hat sie Oelegenheit, es zu beweisen. Dieses Land, das nur zum geringen Teil sofort brauchbar sein wird, soll der Bodenreserve dienen. Es gibt noch einen Grund, der uns zum Bodenerwerb veranlassen muß. Auch der braucht uns nicht zur Hast zu treiben, aber eine vorausschauende Politik sollte ihn rechtzeitig erkennen und berücksichtigen. Wir müssen den jüdischen Bodenbesitz abrunden und zusammenhängend gestalten. Das ist eine Lebensfrage für unruhige Zeiten, die wiederkommen können. Schon hebt sich auf der Karte Palästinas die Gesetzlichkeit heraus, die unser Tun beherrschte, bevor wir sie erkannten: Die Juden sind das Volk der Ebenen, wie sie einst das Volk der Berge waren. Von Tel-Awiw bis Haifa muß die Küstenstraße durch jüdisches Land führen, das Emek muß jüdisch sein von Besan bis Akko, der Tiberias-See muß jüdisch sein. Eine sichere Straße von Tiberias nach Safed hinauf, eine sichere Straße von Tel- Awiw nach Jerusalem hinauf und zum Toten Meer hinab. In diesen wenigen Linien läßt sich unsere Landpolitik für die nächsten Jahre umreißen. Wie wir dieses Landprogramm durchführen können, ohne einen einzigen Araber zu verdrängen, soll einer gesonderten Untersuchung Vorbehalten sein. Sie wird uns zeigen, was für die sittliche und die politische Grundlegung des Zionismus entscheidend ist: Raum für alle hat die Erde! E. A. Einwanderong nach Palästina Jerusalem, 8. Oktober. JJ.T.A.) Wie die J.T.A. erfährt, finden innerhalb der Exekutive der Jewish Agency Beratungen über die neue Einwanderungsquote statt Wahrscheinlich wird bei der Regierung um Ausstellung von 2000 Zertifikaten angesucht werden. Die Histadruth hatte die Anforderung von 2800 Zertifikaten vorgeschlagen. Die Bewilligung dieser Einwanderungsquote für das erste Halbjahr wird nicht eine Freigabe der im vorigen Mai eingezogenen Einwandcrungszertitikate zur Folge haben, obwohl schon früher die Forderung an die Regierung gestellt worden war, die eingezogenen Zertifikate vor Einbringung eines neuen ßuotenvwscWi^es imzqgebea. Einstein Ober die Ifldlsch-arabische Verständigung Der Berichterstatter des ״Wiener Tag“ und Mitarbeiter der ״Stimme“, Wien, Dr. Jakob Rosenthal, wurde von Prof. Einstein empfangen. Einstein äußerte sich über die Frage einer jüdisch-arabischen Verständigung wie folgt: ״Im Prinzip ist die Bewegung des ,Brith Schalom‘ eine richtige. Denn ich halte es für unmöglich, daß zwei Völker in ein und demselben Land ohne eine regelmäßige Zusammenarbeit auf ökonomischem und politischem Gebiete leben sollen. Eine, wenn auch schwierige, Aufgabe besteht darin, daß man mit den arabischen Massen in Fühlung kommt und in ihnen das Vertrauen weckt, daß man ihre ökonomische Basis nicht antasten will. Durch geduldige politische Arbeit muß man versuchen, den Einfluß der unversöhnlichen Elemente, also der Berufspolitiker unter den Arabern, zu brechen und ihnen auf diese Weise ihr Wirkungsfeld zu entziehen. Jedenfalls rmiß man sich vor Augen halten* daß England uns nur helfen kann, wenn wir ihm die Aufgabe dadurch erleichtern, daß wir uns selbst mit den Arabern ins Benehmen setzen. Es wird auch notwendig sein, der Pflege der arabischen Sprache ein besonderes Augenmerk zu schenken, weil es unmöglich ist, in einen wirksamen Kontakt mit einer Bevölkerung ohne Kenntnis ihrer Sprache zu gelangen. Ich möchte hier noch etwas hervorheben: Ich bin noch immer der Meinung, daß man versuchen soll, die gemäßigten und politisch nicht aktivistischen Kreise sowohl der Juden als auch der Araber — also solche, die nicht durch ihren Beruf irgendwie politisch führende Funktionen haben — in engere Beziehungen zueinander zu bringen zwecks Beratung der strittigen Punkte und der gemeinsamen Interessen. Jede Prestigepolitik muß vermieden werden. Es ist klar, daß — weil das jüdische Volk oder vielmehr die Judenheit in erster Linie eine kulturelle Gemeinschaft bildet — man die wirklich wertvollen Elemente unter den Juden nur dann dauernd für das Palästinawerk gewinnen kann, wenn cs gelingt, die Araberfrage im Sinne ehrlicher Völkerverständigung zu lösen. In der unmittelbar folgenden Zeit kommt es hauptsächlich auf die wichtige Kleinarbeitsleistung an, und zwar auf das enge Zusainmenarbeiten zwischen den arbeitenden jüdischen und arabischen Massen auf gewerkschaftlichem Gebiete. Der Weg, den die Histadruth nach dieser Richtung einschlägt, ist der richtige. Aber nicht nur ihr allein fällt diese Aufgabe zu. Es muß in diesem Zusammenhang hervorgehoben werden, daß der Weg, den Arthur Ruppin mit seinem Kolonisationssystem weist — Intensivierung der Landwirtschaft usw. — sowohl in Wirtschaftlicher als auch politischer Beziehung der richtige ist. Durch einen fortwährenden Kampf in Palästina werden jene besseren Elemente der Juden abgestoßen, für die das Palästinawerk eine auf idealistische Basis gestellte Sache von größter Bedeutung ist; sie würden um so eher mittun, je mehr sich die politisehen Fragen im Sinne gütlicher Uebereinkunft lösen lassen.“ Jaltan IV. Mack in Palästina Jerusalem, 9. Oktober. (J. T. A.) Julian W. Mack ist in Palästina eingetroffen und hat die Kolonie D i 1 b sowie die chemischen Werke am Toten Meer besucht. In einem Gesprach mit dem Vertreter der JTA. äußerte sich Mack in folgender Weise über die empfangenen Eindrücke: Während die Massakers im vorigen Jahre und die nachfolgenden politischen Rückschläge mein Vertrauen in unser Werk erschüttert hatten, habe ich durch meinen jetzigen Besuch wieder volle Zuversieht in das Gedeihen unserer Arbeit ge- B1fthjdle-.E0l,ftchtfftÄ der Kälöitie Dilb in der Nähe des Toten Meeres iiberrasÄ Im Jahre 1923 war ich zum letzten Mal in Dilb und zweifelte damals an der Möglichkeit erfolgreicher landwirtschaftlicher Nutzung dieser kahlen Hügelhänge. Auch die gemeinwirtschaftliche Otganisation der Siedlung betrachtete ich mit einigem Skeptizismus. Heute habe ich eine blühende Siedlung vorgetunden, die Jerusalem mit Milchprodukten und anderen Lebensmitteln versorgt. Seit Gründung dieser Kolonie wurden dort 30 Kinder geboren, für die eine vorbildliche gemeinschaftliche Erziehung vorgesehen ist. ln den Werken am Toten Meer leben die Arbeiter in äußerst günstigen Wohnverhältnissen und sind durch moderne hygienische Einrichtungen geschützt. Juden und Araber lernen einander dort in gemeinsamer Arbeit kennen und verstehen. Die Ausbeute an Pottasche war in diesem Jahre sehr hoch und dürfte auch in der kommenden Produktionsperiode nicht sinken. Der Kamp! zwischen Moslems and Christen Jaffa, 8. Oktober. (J. T. A.) Im Hinblick auf den Besuch Dr. Shiels sind die arabischen Führer eifrig bemüht, die Differenzen zwischen Moslems und Christen in Haifa beizulegen. Inzwischen haben die Unruhen in Jaffa größeren Umfang angenommen. Ein angesehener Mohammedaner aus Jaffa, Achmed A n b e t a w i, wurde von arabischem Mob unter den Rufen ״schlagt ihn nieder“ überfallen und mißhandelt. Die Behörden haben die Schließung der Kaffeehäuser um 9 Uhr abends angeordnet. Die britische und palästinensische Polizei in Jaffa wurde verstärkt. Haifa, 12. Oktober. (J. T. A.) Die Voruntersuchung gegen die im Zusammenhang mit der Ermordung des Redakteurs Jamal Bakhri, eines Christen, verhafteten Mohammedaner, ist abgeschlossen. Sieben Beschuldigte, unter ihnen der Direktor des Wakf, R a s h i d Ibrahim, und der Sekretär der Verein!־ gung moslemitischer junger Männer, R a m in a z i Omar, wurden auf freien Fuß gesetzt, während gegen zehn Untersuchungshäftlinge, unter ihnen drei Frauen, die Anklage wegen un vorbedachten Mordes erhoben werden wird. Jamal Bakhri wurde bei einem Handgemenge zwischen Mohammedanern und Christen im Verlauf der Streitigkeiten um den Haifaer Friedhof am 6. September getötet. Je rusalem, 8. Oktober. (J. T. A.) Dienstag, den 7. Oktober, ist die Frist, welche die internationale Klageniauer- Kommission des Völkerbundes den Juden und Mohammedanern zur Erreichung eines freiwilligen Kompromisses in der Klagemauer-Frage gestellt hat, abgelaufen, ohne daß eine Einigung erzielt worden wäre. Die Entscheidung wird nunmehr durch die Kommission autoritativ gefällt werden. G e n f, 12. Oktober. (J. T. A.) Das Schweizer Mitglied der Klagemauer-Kommission des Völkerbunds, Oberstrichter B arde, teilte mit, daß die erste Sitzung der Kommission voraussichtlich Ende Oktober in Stockholm stattfinden werde. Das genaue Datum dieser Sitzung sei noch nicht endgültig festgesetzt. Jerusalem, 22. September. (J.T.A.) Wie die J.T.A, erfährt, plant die Palästina-Regierung die Einführung einer Einkommensteuer in der Höhe von 2י C bis 5 ״/o des Einkommens. Auch wird der Ersatz der Werko-Steuer und des Zehentsystems durch eine einheitliche Grundsteuer erwogen, ln der Uebergangszeit wird der Zehent von 10 auf 7!/4 0/0 ermäßigt werden.

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