Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 81-82 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sehe 528 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 81/82, 17. X. 1930 So beleuchtet der Fall Wadi Hawareth ein allgemeines, ungemein wichtiges Wirtschaftsproblem. Die Regierung, der die Sache jetzt endlich klar zu werden scheint, bemüht sich um ein. Kompromiß. Die Juden versuchen alles, um zu einem Ausgleich zu kommen. Es finden Verhandlungen statt über Ent- Schädigungen durch Geld und Boden, die die Härten der Transaktion beseitigen sollen. Jedoch ist es bisher nicht gelungen, eine Lösung zu finden, da die Pächter sich zu keinem Kompromiß verstehen. Trotz aller Komplikationen wird sich vermutlich in nächster Zeit eine befriedigende Lösung finden lass e n. Jedoch soll dieser Fall nicht als gesondertes Ereignis betrachtet .werden, sondern als eine Mahnung, das gesamte palästinensische Agrarproblem in Angriff zu nehmen, ein Problcm, an dem beide im Lande wohnenden Völker und die Regierung interessiert sind. * Jerusalem, 9. Oktober. (J. T. A.) Das Kreisgericht von Tulkarem hat dem Einspruch von acht arabischen Siedlern aus Wadi Hawareth ״egen die Gesetzmäßigkeit des Verkauls eines Bodenkomplcxcs von 3b()') Dunani an den Jiiclisehen Nationalfonds statfgcgebeii. ln der Entscheidung wird die Entfernung der arabischen Siedler aus ihrer Pachtung als ungesetzlich bezeichnet und die Wiedereinsetzung der Pächter in ihren früheren Besitz verfügt. Im Verlauf der langwierigen Prozesse um die Böden von Wadi Hawareth ist dies der erste Falleiner Entscheidung gegen den Jüdischen Nationalfonds. Der Gerichtsbeschhiß kam für die Leiter des Keren Kajemefh nicht überraschend, da der Kauf unter der Voraussetzung abgeschlossen worden war, daß von den Pächtem keine rechtlichen Ansprüche auf die betreffenden Grundstücke nachgewiesen werden können. Im gegenteiligen Falle sollle der Kaufpreis dem Jüdischen Nationalfonds zurückerstattet werden. Von größerer Bedeutung ist ein noch schwebender Prozeß, in dem mehrere arabische Pächter Vorkaufsrechte auf die Böden von Wadi Hawareth geltend machen. Dies kann unter Umständen dazu führen, daß das ganze vom Keren Kajcmcth erworbene Gebiet unter Rückkaufsrecht fällt. Shiels in Palästina (Fortsetzung von der 1. Seite.) Jerusalem, 10. Oktober. (J. T. A.) In einem Commumqud der palästinensisch-arabischen Exekutive wird mitgeteilt, ' Dr. Drummond Shiels habe einer arabischen Deputation gegenüber erklärt, die Veröffentlichung des Berichtes von Sir John Hope Simpson werde gleichzeitig mit der Regierungserklärung über die künftige Palästina-Politik Ende Oktober erfolgen. Im Verlaut der Unterredung mit der Deputation, die aus dein Präsidenten der palästinensisch-arabischen Exekutive und der Londoner arabischen Delegation Muza Kazim Pascha, dem Großmufti, dem Bürgermeister von Jerusalem, Nashashibi, A uni B e y, Abdul Hadi, Jamael Husseini, Alfred Roch und Moghanan Effendi bestand, wurden alle Fragen, welche Gegenstand der Unterhandlungen der Araber mit der Londoner Regierung gebildet hatten, weiter die Frage des Bodenkaufs in Wadi Hawareth, schließlich Erziehungs- und Budgetfragen zur Sprache gebracht. Dr. Shiels hat — so heißt es in dem arabischeu Commtmiqtie — erklärt, daß die Regierung diesen Angelegenheiten ihre volle Aufmerksamkeit widmen werde. Jerusalem, 15. Oktober. (J.T.A.) Am 15. Oktober besuchte Dr. Shiels in Begleitung■ von Colonel Kish, des ÄwlfeiBffU.'Ar; AHg*3n*i8e»fe v jüü»dt1®.1 :AibeiteaarffwiMtiQg, * -S eher to c k, und anderer Repräsentant« des paläitmenrfsehen Judentums die jüdischen Kolonien im Emek Jesreel. In der Siedlung Kfar Jecheskiel hielt der Ortsvorsteher, Kuschner, eine Ansprache an Dr. Shiels, in der er der tiefen Enttäuschung der jüdischen Bevölkerung über den Mangel an Unterstützung ihrer Arbeit seitens der Regierung und der Bestürzung, die die durch die Arbeiterregierung verfügte Einwanderungssperre für Chahizim hervorgerufen hat, Ausdruck gab. Dr. Shiels sagte in seiner Antwort: Ich werde niemals den Tag vergessen, den ich im Emek verbracht habe. Es sei allgemein bekannt, daß der Zionismus eine idealistische Bewegung ist, und daß die jüdischen Landarbeiter die idealistischsten Träger dieser Bewegung sind. Für die Vision eines neuen jüdischen Lebens, aus der die zionistischen Siedler Mut und Kraft für ihren Kampf schöpfen, empfinde er persönlich tiefe Sympathie. Die Regierung habe aber auch versprochen, der alten Bevölkerung des Landes zur Seite zu stehen und müsse auch mit den alten Ideen rechnen. Dr. Shiels beglückwünschte die Siedler zu ihren Erfolgen bei der ohne Hilfe der Regierung durchgeführten Trockenlegung der Malaria-Sümpfe von N ur i s und gab ihnen gegenüber die Versicherung ab, daß sowohl die englische, wie auch die Palästina-Regierung von dem Wunsche beseelt sei, ihnen zu helfen, und allen vorgebrachten Wünschen vollste Autmerksamkeit zuweriden würden. Dr. Shiels besuchte dann noch die Rutenberg-Werke, die Kolonie Dag aniah und Tiberias. Haifa, 15. Oktober. (J. T. A.) Dr. Shiels sprach am 12. Oktober In Haifa vor den Vertretern der palästinensischen Presse über die Stellung der englischen Regierung zum Palästina-Problem und die von ihm in Palästina empfangenen Eindrücke. Dr. Shiels führte aus: ״Palästina hat im Verlauf der letzten 15 Monate der britisehen Regierung besondere Sorgen bereitet. Die Regierung hat dem Palästina-Problem viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Neben der Verfassungsfrage haben sich im Zusammenhang mit Einwanderung und Kolonisation betrachtliehe Schwierigkeiten ergeben. Deshalb wurde Sir John Hope Simpson, eine anerkannte Autorität, nach Palästina entsandt, um das Problem in allen seinen Teilen «ner sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Die hervorragenden Fähigkeiten und die gründliche Sachkenntnis Sir Simpsons haben auf alle Beteiligte den besten Eindruck gemacht Der Veröffentlichung seines Berichtes wird daher mit Interesse und hoffnungsvoller Zuverricht entgegengesehen. Gleichzeitig mit diesem Bericht wird die Erklärung der Regierung über ihre künftige Politik in Palästina veröffentlicht werden. Die Aufbauarbeit wird dann unter geringeren politischen Diskussionen und größerer Konzentration auf wirtschaftliche und soziale Wohlfahrt vor sich gehen können. Die Regierung hat bei zahlreichen Gelegenheiten unzweidetitig zu erkennen gegeben, daß sie alle aus dem Mandat sich ergebenden Verpflichtungen uneingeschränkt anerkennt, daß sie es ungeachtet der damit verbundenen Schwierigkeiten für möglich hält, das Mandat in einer allen Beteiligten gerecht werdenden Weise durchzuführen und daß sie auch weiterhin beabsichtigt, alle ge gebenen Versprechungen und übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Ich habe die arabischen Städte und Dörfer besucht und mich von dem ausdauernden Fleiß der Fellachen und ihren Fortschritten in der Landwirtschaft überzeugt. Ich habe auch die alten und neuen jüdischen Kolonien gesehen und einen tiefen Eindruck von dem Idealismus der Siedler und ihren bemerkenswerten Erfolgen empfangen. Ich war ferner in der modernen jüdischen Stadt T e 1 - A w i w, wo eine neu geschaffene Industrie sich machtvoll entwickelt. Die Zahl derer, die hoffnungsvoll in die Zukunft Palästinas bücken, ist m beiden »Teilen der Bevölkerung größer als hot auf Grund der Darstellungen in der Presse annehmen würde. Bedeutende und einflußreiche Kräfte sind im Lande für die innere Befriedung am Werke. Ich hege die Hoffnung, daß ihren Bestrebungen die Möglichkeit des Erfolges gegeben werden wird. Palästina leidet darunter, daß es allzu sehr im Uchte einer weitgehenden Publizität steht, ich möchte der Presse Palästinas empfehlen, sich in den Dienst der überwiegenden Mehrheit der Gemäßigten zu stellen, statt die Forderungen der Extremisten zu vertreten.“ Zur größten Enttäuschung der Pressevertreter wich Dr. Shiels einer Beantwortung der an ihn gestellten Fragen über die Absichten der Regierung in der nächsten Zeit, speziell über die angeblich beabsichtigte Einsetzung eines Parlaments, aus, indem er erklärte, eine Beantwortung dieser Fragen im gegenwärtigen Augenblick sei untunlich. Tel-Awiw, 15. Oktober. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit den Demonstrationen, die am 9. Oktober gegen Dr. S h i e 1 s vor dem Palatin-Hotel statt gefunden haben, hat die Polizei in den Gebäuden des Brith Trtimpeldor und des jüdischen Schützenvereins, sowie in der Wohnung des Organisators des Brith Tnimpeldor, des ehemaligen Sergeanten im jüdischen Regimeni, ÄTber, Haussuchung vorgenommen. Die Freilassung der wegen der Demonstration gegen Dr. Shiels Verhafteten gegen Bürgschaft wurde von der Polizei abgelehnt. Die erste Vernehmung vor Gericht wurde für Mittwoch, den 15. Oktober, festgesetzt. Das Mitglied des Gemeinderates von Tel-Awiw, Diamant, nahm in «ner Interpellation gegen die seiner Meinutig nach brutale Behandlung der Verhafteten durch die Polizei Stellung. Die Polizei von Tel-Awiw habe sich durch ihr Vorgehen, so wird in der Interpellation aus geführt, als palästinensische OGPU. qualifiziert. London, 15. Oktober. (J. T. A.) Das Hauptbüro der Weltunion der Zionfstcn-Revisionisten teilt der JTA. mit, daß es auf Grund zuverlässiger Information durch die revisionistisehen Organisationen Palästinas in der Lage sei, mit aller Bestimmtlieit festzustellen, daß weder die revisionistische Organisation noch der Brith Trumpeldor in Palästina die Demonstration gegen Dr. Shiels in Tel-Awiw veranlaßt haben. An den völlig spontanen Kundgebungen haben einige hundert Personen verschieden«■ Parteizugehörigkeit teil genommen. Unter den sechs Person«, die im Zusammenhang mit der Demonstration verhaftet wurden, befinden sich die Revisionisten Ach inte ir, Segal, Tagansky und Bendavid. Ke Tatsache, daß «He Mehrheit der Verhafteten Revisionisten sind, sei daraut zurüfclczuführen, daß «He Behörden gegen «He Revisionisten vora'ngenommen seien. Charakteristisch für diese Einstellung sei auch der Umstand, daß die Gefangenen gefesselt In das Jaffaer Gefängnis gebracht wurden. London,12. Oktober. (J.T. A.) In der Londoner Presse kommt die Meinung zum Ausdruck, daß die Demonstrationen gegen Dr. Shiels in Tel-Awiw darauf zurückzaführen seien, daß nach Meldungen, die in Palästina aus London eingetroffen waren, Dr. Shiels der Arabischen Exekutive die Schaffung eines palästinensischen Parlaments zugesagt hätte. Ke Demonstranten hätten gerufen: ״Nieder mit dem Parlament nieder mit dieser Ungerechtigkeit gegen die Juden!“ Ke Polizei sei genötigt gewesen, von den Gummiknüppeln Gebrauch zu machen, um die Menge zu zerstreuen. Die Sitzung des Landesvorstandes Der Landesvorstand der Z. V. f. D. trat am Sonntag, dem 12. Oktober in Berlin zu einer ,Sitzung tritt folgender Tagesard- «%*■ «ittgfc r nrswte fl«? d&HtaHftfcgrtwSäi Wahlen zum Preußischen Landesverband, unsere Beziehungen zu den nichtzionistischen Organisationen. Referenten: R.-A. Max Jacobsohn (Breslau), Alfred Berger (Berlin), Dr.!Harrv Epstein (Duisburg). 2. Maasser-Ördnung,' Referent: 1Dr. Rosenblüth. 3. Ke Versicherungsaktion des Keren (Kaiemeth, Referent: Dr. Wollstein. 4. Die Winterarbeit der Z.V.f.D., Referent: Kurt Blumenfeld. Ke Sitzung war stark besucht; fast alle Mitglieder des Landesvorstandes und zahlreiche Vertreter von Ortsgruppen aus dem Reich nahmen an ihr teil. Sie war von größter Bedeiitiuig für den Fortgang unserer Arbeit; es herrschte Einmütigkeit, Entschlossenheit und der feste Wille, eine Propaganda größten Stils zu entfalten. Die innerzionistische politische Diskussion soll gegenüber der großen grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem deutschen Judentum in den Hintergrund treten. Eine besondere Würdigung der bedeutungsvollen Sitzung folgt demnächst. U. a. wurden nachstehend veröffentlichte Beschlüsse gefaßt: l. 1. Unsere Antwort auf die gegenwärtige Situation der Juden in Deutschland ist das Bekenntnis utid der Aufruf zum Zioltismus. Der bisher übliche Abwehrkampf hat rieh abermals als nutzlos erwiesen. Die deutsche Judenheit ist über ihre wahre Situation aufzuklären. Sie kann nur durch tätige Selbsthilfe ihr Schicksal gestalten und inuß erkennen, daß ihre Zukunft mit der der Weltjudenheit eng verknüpft ist. 2. An die Gemeinden und Gemeindeverbände stellen wir folgende Forderungen: Gemeinde und Gemeindeverbände haben die Rechte der in Deutschland lebenden Juden zu schützen und die gesamtjüdischen Interessen gegenüber den Organen der Gesetzgebung und Verwaltung wahrzunehmen, sie haben den Wirtschaftsantisemitismus zu bekämpfen und demgemäß die sozialpolitische Arbeit in allen ihren Formen ausztibauen und die jüdische Wirtschaftshilfe zu fördern. Als wirksamste Gesamtvertretung aller in Deutsch-!and lebenden Juden ist der Reichsverband der deutschen Juden auf demokratischer Grundlage schleunigst ins Leben zu rufen. II. Der Landesvorstand beauftragt die Gerne!ndekommissicm, baldigst eine Konferenz der zionistischen Gemeindevertreter aus dem ganzen Reiche nach Berlin einzuberufen. Kese Konferenz soll zur Aufgabe haben, nach Anhörang von Referaten über unsere Aufgaben auf dem sozialwirtschaftlichen, kulturellen und organisatorischen Gebiet neue Anweisungen für unsere praktische Gemeindearbeit zu geben. m. Der Landesvorstand der Z. V. f. D. anerkennt die Arbeit des Makkabiweltverbandes als wichtiges Mittel zur Gewitmung und Zionitienmg der jüdischen Jugend und empfiehlt die tatkräftige Unterstützung dieser Arbeit «furch alle Teile der Zionistischen Organisation. Besondere Aufmerksamkeit soll der Vorbereitung und Durchführung der Makkabiah 1932 — der ersten Jüdisch«! Olympiade — in Erez-Israel gewidmet werden. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ er• scheint am 2t. Oktober. Labour~ Party und Palästinatraten London, 8. Oktober, (J.T. A.) Am 6. Oktober wurde unter dem Vorsitz von Miß Susan Lawrence, der Pariamentssekretärin des Gesundlieitsministeriums, die Konferenz der Labour-Party in Llandudno eröffnet. Auf der Tagesordnung standen auch einige Resolutionen, die von der Poale Zion eingebracht worden sind. In der ersten Resolution wird erklärt, daß die Konferenz die Politik der Arbeiter-Partei in bezug aut die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina, wie sie in einer Reihe von Erklärungen und Resolutionen niedergelegt sei, aufs neue bekräftige und der Meinung sei, daß die Regierung alle ihr zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zur Entwicklung der wirtschaftlichen Möglichkeiten des ganzen Mandats-, gebietes, der Politik des Mandates entsprechend, anwenden müsse, um so die Einwanderung und geschlossene Ansiedlung von Juden bis zur äußersten Aufnahmefähigkeit des Landes zu ermöglichen. Ke Konferenz weise mit Befriedigung aut die Schlüsse hin, zu denen das Mitglied der Arbeiter-Partei in der Untersuehungskommission, Harry Sn eil, gekommen sei, indem er erklärte, daß die Leistungen der Juden in Palästina in! Verlauf der letzten zehn Jahre zu den bedeutendsten Erscheinungen der Gegenwart gehören, und daß seiner Ueberzeugung nach kein Interessengegensatz zwischen jüdischer und arabischer Arbeiterbevölkerung in Palästina bestehe. Ke Konferenz nehme mit Befriedigung die Erklärung des Vertreters der Arbeiterregierung vor der Permanenten Mandatskommission zur Kenntnis, daß das Jüdische Nationalheim ohne Verletzung nichtjüdischer Interessen errichtet werden könne und dem ganzen Lande zweifellos große Vorteile bringen werde. Ke Konferenz sei der Meinung, daß die Einführung einer entsprechenden sozlalen Gesetz gebung in Palästina, sowie die Förderung von gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Methoden die aussichtsreichste Politik zur Hebung der Lebenshaltung der arbeitenden Massen und zur Erzielung besseren gegenseitigen Verständnisses zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern darstelle. In der zweiten Resolution wird das Befremden der Konferenz über «He jüngst erfolgte Einstellung der Ein- Wanderung jüdischer Arbeiter nach Palästina ausgedrückt, die dem dem jüdischen Volk durch das Mandat gegebenen Recht widerspreche und den Lebensinteressen der jüdischen Arbeiterbewegung schädlich sei, und die Regierung aufgefordert, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das durch Ihr Vorf* . ' י" " ' ” ’ Eine weitere Resolution der Poale Zion fordert die Konferenz auf, die Reichsexekutive anzuweisen, eine Abänderung «kr bestehenden Naturalisationsbestimmungen für Ausländer in folgendem Sinne anzustreben: Ausländer, die innerhalb der letzten 8 Jahre vor Einbringung des Naturalisationsgesuches durch 5 Jahre in irgendeinem Lande des British Empire und mindestens 1 Jahr lang unmittelbar vor Einreichung um Naturalisation im Gebiet des Vereinigten Königreichs ihren ordentlichen Wohnsitz hatten, sollen Anspruch auf Einbürgerung erhalten. Ke Naturalisierungsgebühren sollen ermäßigt, der Einbürgerungsvorgang soll vereinfacht werden. — ln einer Resolution aus Leeds wird auf die Härten des gegenwärtigen Naturalisationsprozesses für vermögenslose Ausländer hingewiesen und die Regierung aufgefordert, die bezüglichen Vorschriften abzuändern. * Die Resolution, welche sich für die Errichtung des Jüdisehen Nationalheims in Palästina ausspricht, wurde von der Konferenz der britischen Arbeiter-Partei mit großer Mehrheit attgjbitonfflhen. Die Rerfütion Wiffde Jfem Platuin durch Mr. R o s c 11 i Vorgelegt und Von dem früher«! Bürgermeister von Stepney, Stadtrat Frankel, befürwortet. Der Unterstaats- Sekretär für auswärtige Angelegenheiten, Dr. Hugh Daiton, stimmte der Resolution namens der Exekutive der Arbeiter- Partei zu und sprach sich für ein Zusammengehen der jüdischen und der arabischen Arbeiter in Palästina aus. Ke zweite von der Poale Zion eingebrachte Resolution, die sich mit der Suspendierung der Arbeiter-Einwanderung nach Palästina befaßt, wurde auf Grund einer Vereinbarung zurückgezogen. Jerusalem, 8. Oktober. (J.T. A.) Die Nachricht von der Katastrophe des Luftschiffes ״R 101“ wurde in ganz Palästina mit Entsetzen «{genommen. Man hatte allgemein erwartet, das Luftschiff auf seiner Rückkehr aus Indien über Palästina zu sehen, und hatte sich von einem gelungenen Flug den Beginn einer neuen Aera im Verkehr mit dem Osten und damit große Vorteile für Palästina versprochen. Die Jewish Agency, der Waad Leumi, die Gemeindevertretung von Tel-Awiw und andere Körperschaften haben der britischen Regierung durch den High Coinmissioner Sir John Chancellor ihr Beileid ausdrücken lassen. — Der bei der Explosion des ״R 101“ tödlich verunglückte Luftfahrtminister Lord Thompson diente während des Krieges im Jahre 1917 unter Lord Allenby in Palästina und nahm als Brigadier-General seinen Abschied. Der Direktor der Verkehrsluftschiffahrt Sir Sefton Br anckor, gleichfalls ein Opfer der Katastrophe, war im Jahre 1917 Kommandant der königlichen Luftstreitkräfte im Mittleren Osten mit dem Sitz in Palästina. Vier jüdische Listen in Polen Warschau 9. Oktober. (J. T. A.) Bis zum Schluß des Einreichungstermins für Kandidatenlisten für die Parlamentswählen in Polen wurden vier jüdische Listen eingereicht. Die Spitzenkandidaten des zionistischen Blocks, der den Namen ״Block für Schutz der nationalen Rechte der Juden Polens“ trägt, sind J. Grünbaum, H. Farbstein, Hartglass, Dr. Insler, Dr. Rosenblatt, Dr. Wygodski, Körner, Rabbiner Brodt, Adolf Truskier. Der die Agudah Jisroel, die Folkisten, Kleinhändler und Handwerker umfassende Block, der sich ״Jüdisch-nationaler Wirtschaftsblock“ nennt, kandidiert an der Spitze den Rabbiner von Lucki Sorotzkin, Dr. Suritz, Ing. Seidemann, R. Szereszowski. Rabh. Lewin. Der ״Linkssozialistische Block“ (Bund und Unabhängige Sozialisten) kandidiert an der Spitze Heinrich Ehrlich, Victor Alter und Josef Kruk. Die Linken Poale Zion kamiidieren Itzchok Lew, Antoni Buksbautn und Samuel Edelmann. An 37. Stelle der Regierungsliste kandidiert der Agudist Jacob Minzberg, an 59. Stelle der Agudist Wisznicki; dafür hat sich die Agudah verpflichtet, in für sie zweifelhaften Wahlbezirken keine eigenen Listen aufzustellen, sondern die Regierungslisten zu empfehlen. — Ke ostgalizischen Zionisten haben ihren Beschluß, mit der Agudah ein Wahlbündnis 7u schließen, annulliert und beschlossen, dem zionistischen Wahlblock beizutreten, aber in Ostgalizien eigene Kandidatenlisten aufzustellen. Warschau, 12. Oktober. (J. T. A.) Ke rechten Poale Zion in Polen, der ״Bund“ und die Unabhängigen Sozialisten Polens, «He alle der Sozialistischen Internationale angehören, haben gemeinsam einen sozialistischen Wahl block gebildet und werden anläßlich der kommenden Parlamentswahlen selbständige Kandidatenlisten entstellen, ln einer Reihe von Wahlkreisen, so z. B. in Brest-Litowsk, Telce, Lida, Stanisiau-Kolomea, Zloczow-Brody, Rzeszovv-Jaroslau, Krasnoslaw-Chrujeschow u. a. m. kandidieren Poale-Zionisten an erste« Stell«.