Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 81-82 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Lanäproblem Doppelnummcr 0,40 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition 1 ״ , . . . , . . , monatlich 2,- Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. 1 Ration Verlag und Anzeigen-Vcrwaltnng: Auslandsabonnementa werden In der Währung der einzelnen Länder berechnet. 1 Jüdische Rundschau G.ID. b.ס., Berlin W15, Memekestr.lO Ameisenpreis: 8 gesp. NonpareiUezeÜe 0,50 G.-M Stellengesuche 0,25 G.-M | Telephon: J1 Bismarck 7165—70. Postscheck -Konten: Berlin!7392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brussel 394 33. Budapest 596 93, Danrig 1973, Haag 140470, Prag 594 10 Riga 4155, Strassburg 164 30, Warschau 190708, Wien 15603a Bank - Konten: Dannstadter und Nadanalhank, Depositen Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Banea de Est, Ceraauti (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv. Nummer 81/82 | Berlin, 17. X. 1930 | **®daktionsschluiß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ה תשרי׳ תרצ״א j xxxv. Jahrg. Der Zionismus erstrebt fBr das Jüdische Volk «He Schaltung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ zionistenKongreo im Januar 1931? London, 12. Oktober. (J.T.A.) Wie die JTA. erfährt, soll der 18. Zf onis 1 en kongreß vorzeitig, wahrscheinlich schon im Monat Januar 1931, einberufen werden. Der Zionistenkongreß wird vor allem die Aufgabe haben, zur politischen Situation, wie sie sich aus der demnächst erfolgenden englischen Regierungserklärung Uber die künftige Politik in Palästina und dem Bericht Sir HopeSimpson ergeben wird, Stellung zu nehmen. Vor ihrer Wiederwahl durch den Kongreß und ohne Befragung des Kongresses wird die Zionistische Exekutive keinesfalls Schritte von entscheidender politischer Bedeutung unternehmen. London, 15. Oktober. (J.T.A.) in Ergänzung der Meldüng _ über den vermutlichen Termin der Einberufung des 18. Zionisten-Kongresses erhält die JTA. nachstehende Information: Im Hinblick auf die bevorstehende Veröffentlichung des Berichtes von Sir John Hope Simpson und der Erklärung der britischen Regierung über ihre künftige Politik in Palästina, sowie die im Unterhaus zu erwartende Debatte über die Palästina-Frage wird die Zionistische Exekutive von der ihr durch eine Resolution der letzten Aktions-Comitö-Tagung erteilten Befugnis, im Falle von Entscheidungen der englischen Regierung, durch die lebenswichtige Interessen der zionistischen Bewegung berührt werden, einen außerordentlichen Kongreß einzuberufen, möglicherweise Gebrauch machen. In einigen Zeitungen ist die Mitteilung erschienen, daß im Januar ein Zionisten-Kangreß einberufen werden wird. Auf eine Anfrage bei der Zionistischen Exekutive wurde der JTA. bekannt gegeben, daß die Exekutive diese Nachrichten äugenblicklich weder bestätigen noch dementieren könne, daß aber der Januar als geeignetster Zeitpunkt für den Zusammentritt des Kongresses angesehen werde, falls die Zionistische Exekutive sich entschließen sollte, einen außerordentlichen Kongreß einzuberufen, was nur nach Veröffentlichung der englischen Regierungserklärung über ihre künftige Palästma-Politm möglich sei. i £ j»«Htion? 9. Oktober. (J. T,A.) Dt, Weizmann ist ׳ pa#*öÄÄit:? die BespreCmiJfgeb zwischen Jewfsfi AgCncy und dein britischen Kolonialamt wieder in Fluß kommen. Allerdings dürften die Besprechungen während der Fortdauer der britisehen R e i c h s k o n f e r e n z, die die Mitglieder der Regierung stark in Anspruch nimmt, nur langsam vorwärts kommen. Nach Veröffentlichung der Regierungserklärung über die englische Politik in Palästina, die vermutlich noch vor Beginn der neuen Pariamentssession erfolgen wird, dürften die Besprechungen einen lebhafteren Fortgang nehmen. Die Regierungserklärung wird sich_ zweifellos hauptsächlich auf den Bericht Simpsons stützen. Wie die JTA. erfährt, wird Simpson in diesem Bericht einerseits seine Bewunderung für die jüdischen Leistungen in Palästina zum Ausdruck bringen und die konstruktive Arbeit, welche durch die Initiative jüdischen Unternehmungsgeistes geschaffen wurde, hervorheben, andererseits aber auch den Standpunkt der Araber d a r l e g e n, die sich durch das Wachstum der jüdischen Siedlung fm^ Landbesitz und materieller Existenz, ja selbst in ihrer Freiheit und Religion bedroht fühlen, da die Palästina- Regierung bisher wenig für das gegenseitige Verständnis von Juden und Arabern getan hat. Daher werden die von den Juden erzielten Fortschritte als feindlicher Vormarsch aufgefaßt und besonders im Hinblick darauf, daß der vom Keren Kajemeth erworbene Boden nie mehr zurückgekauft werden kann, mit Eifersucht und Mißtrauen verfolgt. Simpson wird wahrscheinlieh versuchen, zwischen der Forderung nach Errichtung des Jerusalem, 9. Oktober. (J.T.A.) Dr. Drummond S hi e 1s, der kurz nach seinem Eintreffen in Palästina erkrankt war, ist nun wieder vollkommen hergestellt. Er besichtigte eingehend die Werke am Toten Meer. Seine Absicht, Trans- Jordanien zu besuchen, mußte er fallen lassen, da er nur sechs Tage im Lande bleiben konnte. Jerusalem, 10. Oktober. (J.T. A.) Einer Anregung der Arbeitertageszeitung ״Dawar“ folgend, hat Dr. Drummond S hi eis am 8. Oktober in Begleitung von Colonel K i s h die Hebräische Universität und das Spital der Hadassah in Jerusalem besucht. Am 9. Oktober verließ Dr. Shiels Jerusalem, um Jaffa, Tel-Awiw und Petach Tikwah zu besuchen. In Tel-Awiw nahmen Dr. Shiels und seine Begleitung an einem ihnen zu Ehren von der Gemeindeverwaltung gegebenen Lunch teil. Die Straßen, die Dr. Shiels auf der Fahrt zum Rathaus in Tel-Awiw passierte, waren von einer dichten Menschenmenge eingesäumt. Dr. Shiels äußerte sich begeistert über die Entwicklung der Stadt und die Schönheit ihrer Anlage. Anläßlich des Empfanges im Rathause wurden Dr. Shiels die Wünsche der Stadtverwaltung hinsichtlich des Aushaus des Hafens von Jaffa und der Verlegung des Eisenbahnknotenpunktes von Ludd nach Tel-Awiw vorgetragen. Vom Stadthaus begab sich Dr. Shiels zum Palatin-Hotel zu einer Aussprache mit sechs Mitgliedern der Exekutive der Histadruth. Im Verlauf dieser Ausspräche erklärte Dr. Arlosoroff, man könne dem jüdisehen Volke weitere Opfer für Palästina nur dann zumirten, wenn der Aufbau Palästinas unabhängig bliebe von der Zu- Stimmung einer nichtjüdischen Majorität im Lande. Ben Z w i beklagte es, daß die englischen Behörden wenig Sympathie für das jüdi9cne Aufbauwerk aa den ■Tag legen. Dr. Shiels Jüdischen Nationalheims und dein zweiten Teil des Mandats, welcher die Rechte der jetzigen nichtjüdischen Bevölkerung des Landes sichert, einen Mittelweg zu finden. Inzwischen hat das Kolonialarnt die im Mai dieses Jahres suspendierten Einwanderungszertifikate noch nicht freigegeben. Die wirtschaftliche LagePalästin äs, das durch die Weltkrise in immer stärkerem Maße bctroffen wird, dürfte durch das Zögern des Kolonialamtes in der Frage der Wiederaufnahme der Einwanderung eine weitere Verschlechterung erfahren. Die abwartende Haitung des Kolonialamtes ist auf eine geringe Steigerung der Arbeitslosigkeit in Palästina zurückzuführen. * London, 9. Oktober. (J. T. A.) Auf dem ersten Dinner des Londoner Autorenklubs in der diesjährigen Wintersaison sprachen Sir Herbert Samuel und Dr. W e i z m a n n über das Paläsiinaproblem. Sir Herbert Samuel führte aus: ״Zweitausendjähriges Heimweh ist das Motiv für die Rückkehr der Juden nach Palästina. In unserem materialistischen Zeitalter sind wir Zeugen der hohen idealistischen Oesinnung, die den Aufbau Palästinas beseelt. Hunderttausend Juden sind aus den Ländern Osteuropas in den letzten Jahren nach Palästina gekommen, darunter nur ganz wenige aus egoistischen Wirtschaftliehen Beweggründen. Im Hinblick auf materielle Wohlfahrt hätten andere Länder viel größere Anziehungskraft besessen. Die Pioniere, die nach Palästina gegangen sind, taten dies, 11m ihren Idealen zu leben. Bemerkenswert ist auch die hohe Summe von etwa 700 000 Pfund Sterling, welche von den Juden aller Länder jährlich in Palästina ohne Aussicht auf nahen Gewinn investiert wird. Freilich genügen für den Wiederaufbau Palästinas nicht bloß Ideale; das Werk muß vielmehr auch unter Berücksichtigung der jeweiligen Verhältnisse des Landes auf gesunde, ökonomische Grundlagen .gestellt werden.“ Sir Herbert Samuel legte dann die Entwicklung des Landes in den letzten Jahren dar, berichtete, daß eine Million Pfund für Landkauf und Errichtung von Siedlungen im Tale Esdraelon ausgegeben worden sei, und daß man nunmehr an die Ausbeutung der reichen Mineralschätze des Toten Meeres schreite. Das :״•IffcMsehci. Kr|ftwe|R״'SmiJörÄa׳ t»§f4e **luitil Laufe»dleiei- Jahres in Betrieb gesetzt werden tina «ektrisehe Kraft für ganz Palästina liefern. Der Hafen von Haifa sei einer der besten Häfen des östlichen Mittelmeeres. Auf die Prophezeiung anspielend, daß die Juden nach Palästina zurücksträmen würden, um einen heiligen Judenstaat aufzurichten, erklärte Sir Herbert Samuel, daß die Zahl der Juden in der ganzen Welt 16 Millionen betrage und daß Palästina auch bei höchst entwickelter Landwirtschaft und Industrie für kaum mehr als drei bis vier Millionen Einwohner Raum biete. Weder in der Balfour-Deklaration noch im Mandat sei festgelegt, daß Palästina zu einem Jüdischen Nationalheim umgewandelt werden soll. Es wird dort vielmehr nur ausgesprachen, daß in Palästina ein Jüdisches Natio- »nalheim als Zentrum des Judentums errichtet werden soll. Das Problem des Palästina-Aufbaus bestehe in der Ermöglichung der Errichtung eines Nationalheims für ein Volk in einem Lande, das zum Teil von einem anderen Volke besiedelt ist. Während seiner Amtstätigeit als High Commissioner, sagte Sir Samuel, habe er Wohlfahrt und Entwicklung der Araber stets gefördert. Sein Leitgedanke sei die Erreichung eines harmonischen Zusammenlebens von Juden und Arabern gewesen. Dr. Weizmann stellte fest, daß die Zionistische örganisation infolge der begrenzten Aufnahmefähigkeit Palästinas bei Verteilung der Einwanderungszertifikate für jeden zur Ein- Wanderung zugelassenen Bewerber 25 andere zurückweisen müsse. erwiderte, die Arbeiterregierung werde sich in ihrer künftigen Politik nicht von einseitigen Gesichtspunkten leiten lassen. Dauernde Opposition gegen die Regierung sei unklug. Die Mitglieder der Exekutive der Histadruth haben Shiels auf seiner Fahrt durch die Arbeitersiedlungen des Emek begleitet. Als Dr. Shiels und seine Begleitung nach der Konferenz mit den Arbeiterführern das Palatin-Hotel verließen, demonstrierte eine vor dem Hotel angesammelte Menge gegen Dr. Shiels durch Pfeifen, Johlen und Pfui-Rufe. Vier Demonstranten wurden verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich das ehemalige Redaktionsmitglied des ״Doar Hayom“, Akhi Mayer. * Einer bei ihm erschienenen Deputation der Jewish Agency und des Waad Leumi, bestehend aus Colonel Kish, Dr. Hext er Dr. Werner Senator, Pinchas Ruthenberg, Meier Dizengoff, Dr. Arlosoroff, Rabbi Ostrowski und Josef Meyuchas, gab Dr. Shiels bekannt, daß zwischen der Regierung in London und der Jewish Agency gegenwärtig Besprechungen über Aenderung der palästinensischen Verfassung stattfinden. Wie die J.T.A. erfährt, beklagte sich Dr. Shiels gegenüber der jüdischen Abordnung über die von den Juden an den Regierungsmaßnahmen geübte Kritik und deutete an, daß sich die Regierung bereits ein festes Urteil über die wichtigsten Probleme gebildet habe. (Fortsetzung auf der nächsten Seite.) Die Lehren von Wadi Hawareth Von unserem palästinensischen Korrespondenten. G. A. Tel-Awiw, 3. Oktober 1930. Im Zusammenhang mit einem Bodenkauf, der irn vorigen Jahre vom Keren Kajemeth durchgeführt wurde, hat sich eine komplizierte Situation ergeben, die Aufmerksamkeit verlangt. Es handelt sich um einen Komplex von ungefähr 30 000 Dunam, der gemeinhin unter dem Namen Wadi Hawareth bekannt ist und zwischen den Böden von Chederah und Natanieh liegt. Das Areal ist wirtschaftlich von Bedeutung, da es zum großen Teil bewässerbar und für Orangen bau geeignet ist. Das Gelände gehörte einem Großgrundbesitzer und kam seinerzeit zur öffentlichen Versteigerung durch die Regierung, wobei es der Keren Kajemeth erwarb. Die Schwierigkeiten begannen mit dem Moment, wo der Boden übernommen und die Pächter wie üblich durch Geld oder Boden abgefunden werden sollten. Während die Verhandlungen mit einem Teil der Bebauer zu einem Abschluß gebracht werden konnten, weigerten sich ungefähr 80 Leute, in der Haupt- Sache Beduinen, d e n Boden zu verlassen und mit dem Käufer zu einem Ucbcreinkommen wegen Entschädigung zu gelangen. Die Sache zog sich eine lange Zeit hin, bi§, sich die Regierung vor einigen Wochen nach langem Zögern entschloß, das vom KKL erworbene Gelände durch Polizei räumen ■zu lassen. Es kam dabei, weil es fast unvermeidlich war, zu einem Zusammenstoß, wobei einige Personen verwundet wurden. (Das JTA.-Telegramm, demzufo'ge die Araber mit 200 Gewehren bevvaffnet waren, entsprach nicht den Tatsachen.) Die Beduinen mußten sich schließlich der Polizei fügen und räumten den Platz, ließen jedoch ihre Zelte und Habseligkeiten zurück, die von der Gendarmerie in Verwahrung genommen wurden. Die arabische Presse hat zu Beginn die Nachrichten über die Räumung gewaltig aufgebauscht. Nach einigen Ta״en brachte dann der arabische ״F eIe s ti n“, der die Gerüchte verbreitet hatte, ein Dementi mit einer richtigen Darstellung der Situation. Der Fall wurde ausführlich diskutiert und erregte um so mehr das größte Interesse, als er bereits im Bericht der Shaw-Kommission figuriert. Und in der Tat ist dieser Fall geeignet, Schwierigkeiten aufzuzeigen, die für die ökonomische und politische Entwicklung des Landes von Bedeutung sind. Wir haben es hier mit Mißständen zu tun, die aus der Türkenzeit stammen und bis heute nicht abgestellt sind. Die yeberscbreibiing.jp־pßar Besitztümer auf.djta Feudaibesitzer schuf die berühmten Latifundien, die" vöf FfiteS tern bearbeitet werden. Die Bebauer von Wadi ITawaretij, sich zurzeit weigern, ihren Boden zu verlassen, argumentieren nun folgendermaßen: Sie hätten einen moralischen Anspruch aut das Land, das sie seit langer Zeit bebauen. Die Besitzrechte des Verkäufers seien vor der englischen Okkupation aut jene Weise erworben, wie es in Palästina häufig vorgekommen ist, nämlich durch Ueberschreibung der Ländereien im Tabu auf den Namen eines einzelnen Mannes, der jedoch das Land nicht selbst bewirtschaftete. Sie, die Pächter, seien jetzt beim Verkauf des Bodens nicht um ihre Zustimmung gefragt worden, sie machen jedoch ihre moralischen Anrechte geltend und weigern sich dementsprechend, den Boden zu verlassen. — Soviel zur Frage des Besitzrechtes. Außerdem wird von den Pächtern die Frage ihrer zukünftigen Existenz aufgeworfen. Ihre Wirtschaft steht auf primitiver Stufe und stützt sich in der Hauptsache auf Weidenutzung. Sie sind daher zu ihrer und ihres Viehs Erhaltung auf große Flächen angewiesen. Um sich an einer anderen Stelle niederzulassen, brauchen sie ein großes Areal, das ihnen ein ebensolches Leben der primitiven Landwirtschaft gewährleistet. , Diese Argumente sind vom Standpunktede rPächter durchaus einleuchtend. Der Bebauer des Bodens kann in der Tat ein moralisches Anrecht auf sein Land geltend machen, wenn auch meist die rechtliche Anschauung sich nicht viel darum kümmert. Und der Uebergang auf kleinere Flächen wird nur möglich, wenn der Pächter lernt, mehr aus dem Boden herauszuholen. Andererseits ist ein solcher Verkauf, wie er in Wadi Hawareth stattgefunden hat, eine unanfechtbare Transaktion. Der Keren Kajemeth hat in öffentlicher Versteigerung ein Stück Boden erworben, er hat sich danach daran gemacht, die Pächter der verschiedenen Teile zu entschädigen, hat also alles und mehr getan, als das Gesetz von ihm verlangte. Es ist also — was auch von arabischer Seite vielfach anerkannt wird — von den Juden mit Vorsicht und Verständnis vorgegangen worden. Der Fehler muß also nicht in der individuellen Handlungsweise der einen oder der anderen Seite liegen, sondern er muß tiefer zu finden sein. Und so ist es in der Tat. Denn hier stoßen w׳ir auf eine der kardinalen Unterlassungssiinden der Palästinapolitik. In dem Moment, wo England Palästina übernahm und es deutlich wurde, daß das Land für eine jüdische Einwanderung vorbereitet werden mußte, hätte die Administration der Bodenfrage ihre Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Es mußte ganz klar sein, daß der einzige Weg, große Flächen für Besiedlung freizumachen, darin lag, die gesamte Landwirtschaft durch verschiedene Maßnahmen, sei es Instruktion, Bewässerungsprojekte, Anleihen oder anderes zu heben und zu i n t e n s 1' v i e r e n. Es hätte eine weitschauende Agrarpolitik einsetzen müssen, die langsam, aber stetig das Gesicht des Landes gewandelt und seine Aufnahmefähigkeit vergrößert hätte. Dafür gab es jedoch nur schwache Ansätze. Bei der Regierung war wenig Initiative zu finden, die Araber waren, wie es ihrer Führung entsprach, völlig durch politische Fragen in Anspruch genommen und bei den Juden fehlte ein Plan der großzügigen Wirtschaftspolitik, die das ganze Land hätte umfassen müssen. So fehlte auch der Druck, der von der Bevölkerung auf die Administration hätte ausgeübt werden können, besonders da die Klasse der Fellachen die Situation nicht übersah, und auch wenn sie cs getan hätte, nicht fähig war, sich Gehör zu verschaffen. Im Moment nun, wo sich das Problem in seiner Schärfe präsentierte, wie im Falle Hawareth, waren keine Vorarbeiten für seine Lösung geleistet. ־ Der Beduine versteht in der Tat nur, seine Herden zu weiden, der Fellache weiß wenig von Be- Wässerung und braucht daher viel mehr Boden, als er bei einer rationellen Bewirtschaftung benötigen würde. Und die Regierung hat kostbare Jahre verstreichen lassen, in denen sie die ״friedliche Revolution“ hätte durchführen, oder zumindest vorbereiten können. 1111m1111n1111Hn1111MM111n1H1ywM11111111111B11111111111111111111M1111111111111a11B111111111111[111111111111111111111111111111111111111111111111)11un1i11111111111111111111111111111111111111111m111t111111111111111111111111111111111111t1111111111111111111111111111M111111H111111111M1111111)1111111111111 Shiels Besprechungen in Palästina