Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 79-80 (10.10.1930)
- Date
- 1930-10-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 79/80, 10. X. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 519 die Wurzeln des Prager Deutschtums sind. Zweimal attackierte der Pöbel das Neue Deutsche Theater, das Zentrum des deutsehen Thcaterlebens in der Tschechoslowakei, zerschlug samtliehe Fenster und Türen der Qassenfronten, um den Haß gegen diese von den Prager Deutschen opferwillig gehaltene Kulturbastion sinnfällig zu demonstrieren.“ Hat denn der Central-Vereins-Berichterstatter nicht das Empfinden dafür, wie abwegig diese Identifizierung von Judentum und Deutsch• tum, von Deutschem Haus, Prager Kasinoverein und den Juden Prags, in jeder Beziehung ist? Meint man etwa, daß man damit das Wohlwollen der Deutschen im Reiche und anderswo erwerben wird, wenn man hervorhebt, daß die Prager Deutschen eigentlich Juden sind und daß diese das Deutschtum in der Hauptstadt der Tschechoslowakei repräsenderen? Die Bezeichnung des Prager Deutschen Kasinos als Zentrale der ״Deutschjuden“ stammt aus der völkischen Terminologie. Während die Prager jüdischen Assimilanten stets Wert darauf legten, als ״Deutsche“ ohne Bindestrich angesehen zu werden, hat schon lange vor dem Krieg die Mehrzahl der arischen Deutschen sich separiert, ihre eigenen Institutionen gegründet und die liberalen deutschen Vereine als ״jüdisch“ verfehrat. Diese Deutschjuden waren daher doppelt angegriffen: aus dem deutschen Lager als Juden, und aus dem tschechischen Lager als Deutsche. Die Problematik ihrer tragischen Situation liegt tiefer, als die C.-V.- Zeitung erkennen läßt, wenn sie so ahnungslos vor den Reichsdeutschen sich des jüdischen Verdienstes um das Prager Deutschtum rühmt. Die C.-V.-Zeitung sollte die Situation der jüdischen Deutschen in Prag nicht noch dadurch erschweren, daß sie ihnen nicht etwa in ihrer Eigenschaft als jüdisches, sondem als deutsches Organ zu Hilfe eilt. Die Juden in aller Welt haben Anlaß, sich ihrer Volksgenossen anzunehmen, wo diese auch immer wohnen mögen. Geradezu unverantwortlich ist es jedoch, wenn deutsche Juden sich unterfangen, Juden in anderen Ländern unter dem Vorwand beizustehen, daß sie für das Deutschtum jener im Ausland bedrohten Juden eintreten. * In der gleichen Nummer der C.-V.־Zeitung sind eine Reihe von Zuschriften und Artikelchen abgedruckt, die wir auch am liebsten vollständig wiedergeben möchten, damit besonders Leser im Auslande, die die C.-V.-Zeitung nicht zu Gesichte bekommen, erfahren, auf welchem jüdisch-politischen Niveau im Jahre 1930 Juden in Deutschland stehen. In dem Artikelchen ״Bekenntnis“ beteuert ein jüdischer Don Quichote, Dr. E. L., in abgestandener Pathetik, daß er trotz Hitler und allen Teufeln sich sein Deutschtum nicht vermießen lassen werde. Dagegen ist gar nichts zu sagen, weil de gustibus non disputandum est. Derselbige Herr schließt sein anachronistisches Bekenntnis mit den Worten: ״Würde Deutschland, unser Deutschland, den Rechtsgedanken töten und damit auch uns (die Juden) tödlich treffen, nun, würden wir eben mit Deutschland ins Grab sinken und unsere unverbrüchliche Liebe zu ihm noch im Tode und durch den Tod besiegeln.“ Der Schreiber hat an die Fabel vom armen Fiichslein nicht gedacht, welches behauptete, die Welt gehe unter, weil es seine Aeuglein für immer schließen mußte. Dr. E. L. möge sich beruhigen. Deutschland wird nicht zugrunde gehen, aber die jüdische Assimilation, welche nicht nur in einer Bataille, sondem im Feldzug geschlagen wurde, hat ihre Existenzberechtttuttg verlorÄ ’•'■י'״..״־'־־־ ״ '’־׳'־*״'" ■ יי׳ 'V”r' ' In einer Zuschrift in derselben Nummer der C.-V.-Zeitung behauptet ein Herr H. W. (möglicherweise ein Nichtjude, der es nicht besser weiß, aber da hätte ihn die Redaktion der C.-V.-Zeitung aufklären können), daß er in einer Jerusalemer Jeschhvah einen dortigen Rabbiner seine Schüler in deutscher Sprache (allerdings mit ״lautlichen Verschiebungen“) unterrichten hörte. Seit einiger Zeit wird die C.-V.-Zeitung der jiddischen Sprache, die sonst immer für sie ein Gemauschel war und den meisten ihrer Leser grauenhaft im Ohre klang, gerecht. Es wird in der C.-V.-Zeitung festgestellt, daß im Jiddischen altes deutsches Sprachgut verborgen sei, man zitiert Aeußerungen Gelehrter, deutscher Institute über das Jiddische usw. usw. Neubekehrte sind aber erfahrungsgemäß besonders eifrig und so erleben wir jetzt in der Zuschrift der C.-V.- Zeitung geradezu eine Identifizierung von deutsch und jiddisch. Was zu viel ist, ist zu viel. Deutsch ist deutsch und jiddisch ist jiddisch. Und der Rabbi in Jerusalem hat jiddisch gesprochen und keine deutsche Nebensprache mit lautlichen Ver- Schiebungen. Warum aber diese Haltung der C.-V.-Zeitung? Will sie den Deutschen beweisen, daß zwischen Juden und Deutschen eine besonders innige Verwandtschaft besteht, inniger als zwischen Juden und anderen Völkern? Hofft man etwa, auf diese Weise sich besser in Empfehlung bringen zu können?... Daß man noch immer nicht einzusehen vermag, wie nutzlos und wie häßlich jede Form der Anbiederung ist! * Antisemitische Ausschreitungen und Kundgebungen sine leider nicht nur auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt, wiewohl Deutschland und Oesterreich in der politischen Organisierung des Antisemitismus den Rekord schlagen. Auch in Pa ris gab es am 28. September in der Gegend des jüdischen Viertels im Vaubourg du Temple antisemitische Kundgebungen, wie sie seit den Tagen der Dreyfus-Affäre nicht mehr vorgekommen sind. Einige Mitglieder der Royalistenliga belästigten jüdische Passanten, indem sie ihre Stöcke schwangen und ״Nieder mit den Juden“ riefen. Drei Camelots wurden verhaftet. Es ist festzustellen, daß nicht nur die Juden, sondern auch die nichtjüdische Bevölkerung gegen die Exzidenten Stellung nahmen. In Amerika wird ein Antisemitismus anderer Art betrieben. Dort wirkt er sich neuerdings in einem Numerus Clausus an verschiedenen Schulen, wie an der Western Reserve University in Cleveland, aus. Die Aufnahme eines jüdischen Schülers wurde mit der Begründüng abgelehnt, daß im Schulstatut das Prinzip einer Quote für die Aufnahme jüdischer Schüler festgelegt sei, die nicht überschritten werden könne. In Atlanta kam es Im Zusammenhang mit der Kandidatur des ehemaligen Gouverneurs Slaton, welcher vor 17 Jahren den zum Tode verurteilten angeblichen Mörder, den Juden Leo Frank, zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt hatte, zu judenfeindlichen Kundgebungen, die den Zweck verfolgen, Siatons Wahl unmöglich zu machen. Sofort, nachdem Slaton Frank begnadigt hatte, war er Gegenstand heftiger Angriffe wegen zu großer Milde gegen einen Juden. Im Jahre 1914 unterlag er bei einer Kandidatur für den Senat gegen den Staatsanwalt, welcher die Anklage gegen Frank erhoben hatte. Man nimmt an, daß die Anrufung der antisemitischen Instinkte auch diesmal Siatons Wahl zum Gouverneur verhindern wird. In R uminien und in Ungarn wird der Numerus Clausus in der Praxis auch in diesem Jahre gehandhabt. In Transsylvanien werden 90 0/0 der sich meldenden jüdischen Schüler zurückgewiesen mit der Begründung, daß der Staat nicht genügend Geld habe, Parallelklassen einzurichten und darum nicht alle Schüler aufnehmen könne. In Ungarn wurden bei den Inskriptionen an der Budapester Universität von 900 sich meldenden jüdischen Studenten 800 zurückgewiesen. Unter den Zurückgewiesenen befinden sich 44 Abiturienten, die das Abitur mit Auszeichnung bestanden hatten. An der Universität Debrczen wurde unter anderen Juden der Abiturient Eugen Samuel zurückgewiesen, der nicht nur das Abitur mit Auszeichnung bestanden, sondern auch in einem Wettbewerb aller ungarischen Mittelschüler den ersten Preis in Mathematik errungen hatte. j. r. Zlonutitcha Vereinigung Iflp Peutschianfl Berliner zionlttischa Vereinigung öltentiicho uaraammiung ״Der neue Reichstag und das deutsche Judentum“ Mittwoch, den 15. Oktob., abends 8% Uhr, in den Spichornsälen, Spichernstrafla 3 (U-Bahnhof Nürnberger Platz) Redner: Alfred Berger, Georg Kareskl, Dr. Alfred Klee Zar Innerzionistischei Diskussion Zu dem Artikel von Margarete Moses, ״Stimme eines Unpolitischen“, schreibt uns die Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina: Die Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina hat keine offizielle innerzionistische politische Stellung. Sie erklärt ausdrücklieh, daß der Artikel von Margarete Moses eine private Meinungsäußerung ist. So strittig auch alle Fragen der Methoden einer richtigen zionistischen Erziehung sind, so klar ist es, daß das Ziel jeder zionistischen Erziehung Menschen sind, die dem politischen Zionismus dienen, der durch das Baseler Programm bestimmt ist. In langen Zeiten des Galuth hatte das jüdische Volk darauf verzichtet, sein Schicksal zu gestalten. Der Sinn der zionistisehen Bewegung, die Bedeutung des Werkes Theodor Herzls besteht gerade darin, dem jüdischen Volk die Kraft zu geben, durch politische Tat eine Antwort auf die Judenfrage in Erez- Israel-«* finden; ■'י■׳•׳•'״׳ י'■׳ יי■*■' •י־ In der Erziehung der uns anvertrauten Jugend lehnen auch wir jeden Versuch der politischen Abstempelung ab. Um so wertvoller ist dann die durch jüdische Kenntnisse und Erlebnisse vorbereitete selbständige zionistische Entscheidung. Jenny Blumenfeld, Dr. Edith Hirsch, Dr. Marie Mayer. Ferner schreibt uns Frau Margarete Moses: Mein am 1. Oktober in der ״Jüd. Rundschau“ erschienener Artikel ״Stimme eines Unpolitischen“ scheint einige Mißverständnisse erzeugt zu haben. Ich erkläre darum hiermit folgendes: 1. Wie aus der Ueberschrift deutlich hervorgeht, soll mein Aufsatz keinesfalls den Standpunkt der hiesigen Wizo-Oruppe zum Ausdruck bringen, sondern lediglich meine ganz persönliehe Ueberzeugung. 2. Es erschien mir überflüssig, darin nochmals ausdrück־ lieh zu sagen, daß mir dies selbstverständlich ist: Eine solche Erlösung der jüdischen Geister wie ich sie erhoffe, kann nur möglich sein auf dem Weg über das Land der Väter, über die eigene Sprache, über die normalen volkhaften Grundlagen, über die eigene, durch Vermischung, Abwehr- und Angstreaktionen wie sie das Galuth notwendig erzeugen muß, un verzerrte Kultur. 3. Ich wehre mich nicht gegen die Politik überhaupt. Ich glaube, daß sie in diesem Stadium unserer Bewegung notwendig ist. Aber ich wehre mich dagegen, daß sie Selbstzweck wircT. Ich wehre mich gegen die Methoden, die meiner Meinung nach nicht aus jüdischem Leben, sondern aus europäischen S y s t emen geboren sind. Und ich wehre mich mit aller Kraft dagegen, daß man unsere Jugend ausschließlich an diesen Methoden orientiert, wie es früher geschehen ist. Ich halte es für falsch und für gefährlich, Menschen unter 18 Jahren ein bestimmtes politisches Etikett aufzukleben. (Dem J. w. B. den Kommunismus — dem Brith Trumpeldor den Militarismus.) Solange diese Jugend gläubig am Mund des Führers hängt, flammt sie begeistert und blind für seinen Ruf. Fängt sie aber an, selbständig zu denken, ist das Strohfeuer abgebrannt, dann verkehren sich Glut und Begeisterung in ernüchterte Kritik — das Etikett wird abgeschüttelt. Diese Jugend, die mit der Binde ihres jungen, heißen Willens zum großen Ideal vor den Augen, blind gefolgt ist — wird, wenn die Binde fällt —, absolut versagen. Wir haben das erlebt und wir können uns eine Wiederholung solcher Fehlschläge nicht lebten! Nur auf eine Jugend, die sich selbst entschieden hat, aus dem jüdischen Erlebnis heraus, können wir bauen. Nur Mensehen, die von dieser Entscheidung ergriffen wurden, die sie erfahren haben gleich einem heiligen Feuer, das auf sie fiel, nur diese können unserer Idee dienen. London, 29. September. (J. T. A.) Das Kolonialamt hat die Kosten der Vermessungs- und Terassierurgsarbeiten für die künftige Bahnlinie Haifa— Bagdad bewilligt. Danut fst ein neuer wichtiger Schritt zur Förderung dieses Projektes getan worden. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erscheint am 17. Oktober. Aus den Gemeinden Das Kollegium der Berliner Gemeinderabbiner richtete an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin die Bitte, alle Versuche zu unternehmen, 11m die für den 30. November d. J. vorgesehenen Gemeindewahlen und auch die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden zu vermeiden. Das Kollegium tritt dafür ein, daß in dieser Zeit die jüdische Gemeinschaft Entschlossenheit und Einigkeit an den Tag legen muß, daß aber ein Wahlkampf diese Einigkeit zerstört. ״Wir sind der Ansicht,“ heißt es in der Erklärung des Rabbiner- Kollegiums, ״daß in dieser Zeit wirtschaftlicher Depression und der besonderen, sich von Tag zu Tag verschärfenden jüdischen Wirtschaftsnot kein jüdisches Geld für die unproduktiven Zwecke eines Wahlkampfes verschwendet werden darf. Wir warnen davor, das Geschick der Berliner Judenheit dem Zufall und dem Aergernis der Wahlen in dieser Zeit auszuliefern, treten vielmehr dafür ein, daß alles geschieht, um uns das verlorengegangene Gefühl des gegenseitigen Vertrauens wiederzugeben, die Oemeinde zu stärken und auch unseren Widersachern zu zeigen: ״Die einigende Kraft des Hauses Israel ist unzerstörbar!“ Das Kollegium wünscht, daß eine Einheitsliste zu den Wahlen aufgestellt wird, und hält sich bereit, ausgewählte Kollegen zu einer Vermittlungstätigkeit zur Verfügung zu stellen. Zu dieser Kundgebung erfahren wir, daß unter den Unterzeichnern merkwürdigerweise die Namen jener Rabbiner gefehlt haben, die nicht nur religiös-liberal, sondern politischliberal, d. h. Anhänger der assimilatorischen Ideologie sind. Von den Rabbinern, die unterzeichnet haben, sind die meisten als zionistische Parteigänger bekannt. Der Schritt der Rabbiner, die zum Frieden mahnen und einen Wahlkampf für die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde vermieden sehen möchten, ist achtbar und beachtenswert. Auch wir sind der Ansicht, daß die Zeiten für die Juden in Deutschland ernst sind und daß darum innerjüdische Auseinandersetzungen vermieden werden sollen, insofern es sich nicht um wirkliche Lebensinteressen handelt. Wenn jedoch unsere Friedensbereitschaft dazu ausgenützt werden sollte, daß überlebte Richtungen im deutschen Judentum, deren völliger Zusammenbruch gerade in den letzten Wochen eklatant wurde, sich durch Schonung unsererseits wiederum auf das hohe Roß schwingen, so wäre das kaum zu verantworten. Wir sind für Frieden, für Vermeidung einer Wahl, vor allem für Vermeidung eines Wahlk ampfes, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Diese beziehen sich weder auf die Zahl der Mandate, noch auf intransigente zionistische Programmpunkte. Wir sind der Ansicht, daß die gegenwärtige Situation dringend verlangt, daß die jüdische Gemeinde als eine jüdische Körperschaft öffentlichen Rechts, in der alle Juden zusammengeschlossen sind, die Führung aller Aktionen zu übernehmen habe, die den Schutz der gesamten Judenheit betreffen, wobei klar zu verstehen ist, daß Führung und Durchführung nicht restlos zusammenfallen müssen. Ferner sind wir der Ansicht, daß in dieser Zeit der jüdischen Gemeinde in noch erhöhterem Maße als früher die Aufgabe obliegt, ihr soziales Werk nicht nur fortzuführen, sondern nach allen Richtungen auszubauen. Ferner gilt es, den Zusammenhang mit der jüdischen Gesamtheit in der ganzen Welt stärker zu gestalten und an allen Aktionen der Weltjudenil eit Aktiven Anteil als Gebende und Empfangende zu «ehtttn. Schließlich ist es notwendig, zur Hebung des Selbstbewußtseins und der inneren Festigung der Judenheit Erziehungsarbeit, besonders an der Jugend, zu leisten. Das kann nur in jüdischen Schulen geschehen. Wenn auf liberaler Seite der ernste Wille zur Verständigung vorhanden ist, so sind die angeführten Gesichtspunkte eine Basis, und zwar die einzige Basis, auf der Verhandlungen aufgenommen werden können. Keineswegs ist jedoch an einen Erfolg derartiger Verhandlungen zu denken, wenn sich die Liberalen den Inhalt eines Schreibens zu eigen machen, das dem Rabbinatskollegium als Antwort auf seine Friedensanregung zugegangen ist. In jenem Schreiben wurde zum Ausdruck gebracht, daß mit Rüdesicht auf die gegenwärtige Situation der Juden in Deutschland die jüdische Gemeinde sich auf eine rein religiöse Tätigkeit beschränken und ihr Hauptaugenmerk auf die Arbeit zur Versöhnung mit den Christen richten solle. Dieses Schreiben ist eine schlimme Entgleisung, weil es nicht erkennt, daß das genaue Gegenteil von dem geschehen muß, was in der Beschränkung auf nur religiöse Angelegenheiten gefordert wird und, weil es den Glauben aufkommen läßt, als ob man bisher nicht alles getan hätte, um mit den Nichtjuden im besten Einvernehmen zu leben. Wir wollen hoffen, daß dieses Schreiben nicht die Meinung der verantwortlichen und maßgeblichen Liberalen zum Ausdruck bringt. Sollte diese Hoffnung zutreffen, dann steht der Aufnahme von Verhandlungen zur Herbeiführung eines Einvernehmens bezüglich der Gemeindewahlen nichts im Wege. Allerdings muß es stutzig machen, daß sich die Rabbiner liberal-politischer Observanz an der Friedensanregung des Rabbinatskollegiums nicht beteiligt haben. s. n. * Der Jom Kippur brachte der Gemeinde Dresden und allen denen, welcne an der Beendigung der dort seit drei Monaten herrschenden Krise interessiert sind, die Botschaft, daß die bestehenden Differenzen restlos beigelegt sind und daß ein wirklicher Verständigungsfrieden zustande gekommen ist, bei dem es keinen Sieger und keinen Besiegten gibt. Die wochenlangen Verhandlungen waren trotz tiefgehender Meinungsverschiedenheiten vom ersten Augenblick an auf beiden Seiten von dem Willen getragen, eine friedliche Verständigung herbeizuführen. Man einigte sich dahin, daß allen M i t g 1 i edern der Gemeinde — inländischen wie ausländischen — das gleiche Wahlrecht zuerkannt und gleichzeitig den von den Liberalen vertretenen Interessen in vollem Umfang Rechnung getragen wird. Die Einigung geht so weit, daß für die Neuwahlen eine gemeinsame Liste aufgestellt und zwischen Liberalen und jüdischer Volkspartei kein Wahlkampf geführt wird. * Die Berliner Jüdische Gemeinde, die 1'm letzten Jahre ihren Wirkungskreis über die nördlichen Vororte bis O r a n i e n - bürg und über die östlichen Vororte bis Cöpcnick ausgedehnt hat, feierte am 21. September in Oranienburg die Oebernahme dieser Oemeinde und ihrer Institutionen. Der bisherige Vorsitzende des Oranienburger Gemeindevorstandes, Rechtsanwalt Dr. Bärwald, übergab den Berliner Gemeindebehörden das Gotteshaus. Direktor K a r e s k i versprach weitgehendste Berücksichtigung aller Wünsche der neu in die Gemeinde Eintretenden und wies auf die besondere Notwepdigkeit des engen Zusammenschlusses in diesen ernsten Zeiten hin, Rechtsanwalt Dr, Alfred Klee ging auf das