Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-10-10 · Heft 79-80 (10.10.1930) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 79-80 (10.10.1930)
Date
1930-10-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653230--21865-2680015
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 70/80, 10. X. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 515 Formeln und kein Ende Von Dr. Ellas Auerbach. Wir Juden haben eine merkwürdig starke Neigung zu programmatischen und theoretischen Formulierungen. Einst war das unsere Größe, in der klassischen Zeit des Judentums, als wir in unserem Lande saßen und unsere Propheten gegenüber der Vielgestaltigkeit und Unvollkommenheit der Umwelt das ideale Programm einer ethisch und sozial vollkommenen Zukunftsmenschheit entrollten. Je schmaler und unwirklicher die jüdische Lebensbasis wurde, desto stärker entwickelte sich die Neigung zu theoretischen Programmen. Von Juden stammen die Programme der modernen Aufklärung (Spinoza), des Liberalismus, des Nationalismus und Internationalismus, des Pazifismus und vor allem des Sozialismus (des orthodoxen wie des revisionistischen). Auch im Zionismus hat sich diese Neigung nicht verleugnet. Um die rdee ist in Ihm nur einmal gekämpft worden, im Uganda-Streit; meist wurde um ״Formulierungen“ gekämpft. Judenstaat, Charter, sogar ״politische“ und ״praktische“ Arbeit, Maximalismus und Minimalismus waren Gegenstand scharfsinniger Deduktionen und erbitterten Streites. Heute gibt es wieder neue Definitionen, um die gerungen wird: Nationalheim, binationaler Staat, Majoritätsbildung, Judennotsiösung, geistiges Zentrum, Revisionismus und Brith Schalom. Glücklicherweise ging die wirkliche Aufbauarbeit in Pa- Iästina unbekümmert um all diese Definitionen ihren Gang; sie folgte eigenen Gesetzen, den Gesetzen des blutvollen Lebens, weit abseits von der dünnen Atmosphäre der Theorie. In der klaren Luft Palästinas nehmen sich diese theoretischen Streitigkeiten trotz des heiligen Eifers, mit dem sie ausgefochten werden, merkwürdig unwirklich und zum guten Teil gegenstandslos aus. Es ist nicht nur nützlich, sondern für eine wirkliche, zielsichere Aktivierung der zionistischen Kräfte unerläßlich, einmal die Theoreme, die jetzt die Luft durchschwirren, der palästinensischen Wirklichkeit gegenüberzustellen. Wir müssen endlich begreifen, daß es nicht darauf ankommt, ob sich Systeme in mehr oder weniger lückenloser Vollendung logisch entwickeln lassen, sondern darauf, daß unsere allgemeinen Erkenntnisse als obersten Richter über ihre Brauchbarkeit in dieser Menschenwelt die Wirklichkeiten und Möglichkeiten Palästinas anerkennen. Einige dieser Probleme (z. B. Nationalheim und binationaler Staat) werden uns noch gesondert beschäftigen; für jetzt wollen wir nur die Gegensatzpaare Revisionismus — Brith Schalom, Judennots-Lösung — Geistiges Zentrum betrachten. Dabei ist sofort fühlbar, daß die ersten Glieder dieser Paare untereinander starke Verwandtschaft haben und ebenso die letzten Glieder. Von vornherein lehnen wir es ab, den Träger einer bestimmten Anschauung als ״guten Zionisten“, einen anderen als ,,Verräter“ zu kennzeichnen. Alle sind sie gute Zionisten. Oder härter und richtiger gesagt: Der einzige Maßstab des Zionismus ist die Größe der Opfer, die der Zionist für Palästina und in Palästina bringt. Das Wesen des Revisionismus ist die Forderung, die maximale Forderung. Alle seine Sätze beginnen mit: es muß, cs soll. Palästina muß ein reiner Judenstaat werden; es muß aufs schnellste eine jüdische Mehrheit geschaffen werden; die Mandatsregierung muß die jüdische Kolonisation aktiv fördern; unser Landbedarf soll nicht durch den jüdischen Käufer, sondem durch Maßnahmen der Regierung sichergestellt werden. Die jüdische Landwirtschaft und die jüdische Industrie müssen durch ein ihnen günstiges Steuer- und Zollsystem entwickelt werden. Es muß, es soll. Wie steht es mit dem ״kann“? Ais System ist der Revisionismus in sich *geschlossen, logisch und konsequent. Aber er ist die Politik blanker Uiusionen. Seine Forderungen entfernen keinen einzigen der (>501(00 Araber aus Palästina; sie beschleunigen int Gegenteil ihre nationale Konsolidierung und versteifen ihren Widerstand. Sie stärken nicht den guten Willen der Mandatsregierung, sondern geben ihrer wirklichen oder angeblichen Sorge vor Benachteiligung der arabischen Bevölkerung eine Basis. Sie erhöhen auch nicht — durch die Größe des aufgestellten Zieles — den Aufbau-Willen der Gesamtjudenheit, sondern schädigen ihn durch ihre offenbare Unerfüllbarkeit. Aber weil die revisionistische Theorie (eine Praxis gibt es nicht) sich um die ihr entgegenstehenden Tatsachen des wirklichen Lebens nicht kümmert, birgt sie ernste Gefahren in sich. Vielleicht die größte Gefahr ist die nach innen gewandte: die Züchtung der nationalistischen und chauvinistisehen Phrase. Wenn sich der Revisionismus in seiner politischen Theorie gern auf Herzl beruft (was leicht ist, da niemand wissen kann, wie sich Herzl zu den heutigen Problemen gestellt hätte!), in diesem Punkt darf er es gewiß nicht. Denn Herzl hat in seinem ״Altneuland“ einen ethischen Nationalismus gepredigt, der aufs schroffste der nationalistischen Verschärfung des Revisionismus entgegensteht. Es ist unheimlich leicht und billig, durch fortwährendes Betonen des ״Nationalen“ Massen mit sich fortzureißen; davon wissen die Juden in allen Ländern des Galuth ein Lied zu singen! Das hat dazu geführt, daß der Revisionismus eine Art Monopol des nationalen Gedankens für sich in Anspruch nimmt. Wer ihm nicht zustimmt, kommt in Gefahr, als weniger national verschrien zu werden. Hier liegt die Gefahr! Maßstab des Nationalen ist die Größe des Opfers, wiederholen wir. Das hat der Jischuw Palästinas längst erfaßt und Vorbildlieh im Leben bewährt, und darum stehen gerade seine produktivsten, auf Pioniertum eingestellten Elemente nicht zur revisionistischen Bewegung. Dessen Verfechter in Palästina sind Anwälte, Aerzte, Journalisten, Studenten — dieselben Elemente, die auf der arabischen Seite den nationalen Gegensatz schaffen und verschärfen. Wirkung in die Tiefe aber wird der Revisionismus in Palästina erst dann haben, wenn er Bataillone von Chaluzim vorschicken kann, die das Land unter Einsatz ihrer Person erarbeiten helfen. Die Programme des Revisionismus sind großzügig, seine Perspektiven glanzvoll. Aber da sie sehr geringe Berührung mit der Realität haben, stärken sie nicht den wirklichen Aufbau, sondern stören ihn, indem sie den Willen schwächen, am Aufbau in geduldiger Kleinarbeit mitzuwirken. Ihr ״Alles oder nichts“ führt zum Nichts, weil das ״Alles“ sich ihrem Zugriff entziehen muß. In der Forme?, daß nur auf einem bestimmten Wege der Aufbau des Jüdischen Nationalheims verwirklicht werden kann, Hegt die große Gefahr des Revisionismus. Denn was nun, wenn die Regierung sich dem Plan des Revisionismus versagt oder gar entgegenstemnrtü Dann geht es nicht! sagt der Revisjonismus. Hier muß der Zionismus ein energisches Halt gebieten. Für ihn gibt es keinen Verzicht, keinen Pessimismus. Tausend Wege führen nach Jerusalem, und nicht einen, sondern alle müssen wir gehen, wenn es nötig ist. Es darf kein Entweder-oder geben, keine Bedingung, unter der wir arbeiten oder nicht arbeiten. Gegenüber den Uebertreibungen eines scharfen Nationalismus hat eine Gegenbewegung, die im ״Brith Schalom“ organisiert ist, eine andere Formel zur Hand: Vor allem friedliehe Verständigung mit den Arabern! Wir haben hier eine eigentümliche Erscheinung vor uns: Führer ohne Gefolgschaft. Aber der Kreis, aus dem diese Forderungen kommen, bietet durch die Persönlichkeiten, die ihm angehören, die Gewähr dafür, daß es sich um eine sehr ernsthafte, ethisch unterbaute Bewegung handelt. Die Sprecher des Brith Schalom bezeichnen sich gern als ״Realisten“, ihre Politik als ״realistische“. Sie erkennen — richtiger als die Revisionisten —, in der Existenz der arabischen Bevölkerung den wichtigsten Faktor unserer zukünftigen Politik und Aufbau-Arbeit. Das Ziel des Zionismus, sagen sie, ist ohne friedliche Verständigung mit den Arabern nicht zu erreichen. Hier muß wieder gesagt werden, was vorhin betont wurde: Es darf für den zionistischen Willen keine Bedingung geben. Wie nun, wenn die Araber die Verständigung nicht wollen? Dann muß das Ziel des Zionismus auch gegen sie erreicht werden. Zwar nicht das Ziel des Revisionismus, aber auch nicht das Ziel des Brith Schalom. Denn er ist, um die Araber verhandlungsbereit zu machen, zu Zugeständnissen bereit, die unsere Position von vornherein hoffnungslos schwächen. Hier zeigt sich der akademische Charakter des Brith Schalom, indem er sich der Illusion hingibt, daß die arabischen Führer zu einer friedlichen Duldung der zionistischen Bewegung dann bereit sein Vor Chanuka: der große Gesellschafts-Ball der Zionisten in Berlin, Krollsäle, 7. Dezember 1930. werden, wenn wir unsere Forderungen ermäßigen. Er verlangt, daß wir vor irgendwelchen Verhandlungen nicht nur die arabisch-nationale Bewegung, sondern auch ihre heutigen Führer anerkennen, daß wir nicht mit Vorbehalten in Verhandlungen cintrcten, daß wir in eine parlamentarische Vertretung der palästinensischen Bevölkerung schon jetzt einwilligen, auch in eine Kontrolle der Einwanderung, und — daß wir die Ziel- Setzung des Zionismus ändern: die Erstrebung einer jüdischen Majorität soll fallen, und statt auf ein jüdisches Gemeinwesen sollen wir auf ein palästinensisches hinarbeiten, das beide Nationen in sich schließt. — Wollen nun die Sprecher des Brith Schalom, daß wir ganz ohne Vorbehalte zu solchen Verhandlungen mit den Arabern gehen? O nein! Wenn man sie bedrängt, so geben sie zu, daß gewisse Grundrechte nicht angetastet werden dürfen: die freie Einwanderung, die kulturelle Autonomie und die Sicherung gegen Majorisierung. Wie wirklichkeitsfremd der Brith Schalom in seinen Forderungen ist, zeigt die Haltung der arabischen Bewegung: sie lehnt diese Vorbehalte mit Hohn ab, verlangt Verbot der jüdisehen Einwanderung und des Landkaufs durch Juden, verlangt ein arabisches Palästina, Ausschaltung des Hebräischen und Aufhebung der Balfour-Dcklaration. Angesichts dieser Sachlage hat der Jischuw׳ einen gesunden Instinkt bewiesen, indem er energisch vom Brith Schalom abrückt. Er sieht — mit Recht — die große Gefahr dieser Bew׳egung darin, daß sie ein Monopol des Verständigungswillens für sich in Anspruch nimmt und den Anschein erw׳eckt, daß der Jischuw als Ganzes (die Araber wissen natürlich, daß hinter dem Brith Schalom keine Masse steht) weniger verständigungsbereit sei. Auch hier ist es mit Formeln nicht getan. Es läßt sich ganz genau sagen, wann die Araber zur Verständigung bereit sein werden: wenn durch Erstarken der jüdischen Bevölkerung ein friedlicher Vertrag den Arabern in ihrem Interesse erwünscht sein wird. Es gilt also, mit allen Kräften am Aufbau weiterzuarbeiten. Jede Preisgabe einer Position, jede Beschränkung unserer Ziele ist nicht Politik, sondern das Gegenteil von Politik. Daß wir alles versuchen müssen, um uns friedlich mit den Arabern zu verständigen, ist für jeden Juden Palästinas (mit Ausnahme der Revisionisten) eine Selbstverständlichkeit. Aber dazu ist das Programm des Brith Schalom, auch seine ״positiven“ Vor- Schläge, der denkbar ungeeignetste Weg. Das große Problem, das hier vorliegt, bedarf einer Behandlung in einem beson- ,deren Artikel. Es sei jetzt nur kurz angedeutet, daß unser ganzes eigenes Aufbauprogramm auf diesen Gesichtspunkt organisch eingestellt sein muß. Neben diesen Formeln des Revisionismus und des Brith Schalom, die das lebendige Palästina in gleicher Weise ablehnt, tauchen jetzt andere wieder auf, die alte, wenn auch nicht liebe Bekannte sind: Palästina als Lösung der Judenwanderungsfrage und Palästina als geistiges Zentrum der Judenheit. DasGedächtnis der Zionisten ist kurz. Diese Dinge sind während des Uganda-Streites abschließend diskutiert worden, und mancher würde mit Erstaunen feststellen können, wie aktuell heute die Jahrgänge 1903—1905 der ״Jüdischen Rundschau“ wieder sind. Palästina-Aufbau ist keine Lösung des Judennot-Problems, heute nicht und in den nächsten 20 Jahren nicht. Wieviel Juden Palästina einmal wird fassen können, ist heute ganz gleichgültig; in den kommenden zwanzig Jahren wird es nur einen kleinen Teil der großen Judenwanderung, und zwar einen ausgewählten Teil aufnehmen können, und diese Wanderung ist überhaupt nicht durch Kolonisation und neuen Wirtschaftsaufbau unterzubringen, sondern nur durch Einpassung in große bestehende Wirtschaftskörper. Daß diese Dinge wieder hervorgeholt werden, ist ein übler Rückfall in den friihherzPschen Zionismus, und mehr noch in den ״Territorialismus“, dessen Sterilität doch ausreichend erwiesen ist. Bleibt also der Palästina-Aufbau nur die Arbeit für ein ״geistiges Zentrum“? Es scheint, daß der Brith Schalom, seinem allgemeinen akademischen Charakter entsprechend, stark in diese Richtung tendiert. Die Antwort auf diese Frage gibt auch hier das Leben Palästinas. Wir haben keinen Zweifel — denn wir sind ja Zionisten! , daß Palästina in Zukunft einmal das geistige Zentrum der Judenheit, das Zentrum jüdischer Kultur sein wird. Aber Kulte wird nicht »gemacht“, eia geistiges Zentrum wird nicht ״aufgebaut“: es wird und wächst, in langen Zeiträumen. Die krampfhaften Versuche, heute schon ein neues jüdisches Geistesleben in Palästina zu konstatieren, können dem, der geschichtlich zu denken gewohnt ist, nur ein mitleidiges Lächeln entlocken. Haben wir Zeit! Bei der Rückkehr aus Babel hat es 300 Jahre gedauert, bis etwas wie eine jüdische Eigenkultur wieder emporwuchs. Bauen wir erst den organischen Volkskörper. Bauen wir ihn mit aller Energie und unter gesunden Bedingungen. Er wird —wenn wir noch das Volk des Mosche und der Propheten sind! — sich einst mit jüdischer Seele beleben. Wie diese Seele sich einst äußern wird, weiß niemand von uns. Palästina, das Kind des Zionismus, ist ein eigenwilliges Kind. Es läßt sich nicht gangein und nicht mit Formeln füttern und großziehen. Es wächst in herrlicher Unbekümmertheit heran, nach eigenen Lebensgesetzen. Ihnen haben war nachzuspüren, ihnen in Fleiß, Arbeit und Demut zu dienen. Dr. Wirtti Aber die Lage New Vork, 3. Oktober. (J. T. A.) Die amerikanische Presse veröffentlicht ein Interview des Reichsministers des Innern, Dr. Wirth, mit einem J. T. A.-Vertreter. Dieser führte aus, daß das Resultat der Wahlen zum deutschen Reichstag die ganze jüdische Welt in Unruhe versetzt habe; man befürchte, daß infolge des überraschenden Anwachsens der nationalsozialistischen Stimmen eine antisemitische Welle Deutschland überfluten könne. Es wäre bedeutungsvoll zu erfahren, wie die Reichsregierung sich zu dem Problem stellt. Der Reichsminister erwiderte, daß ein Grund zur Beunruhigung nicht vorhanden wäre, da die Reichsregierung von ihrer bisherigen Haltung nicht abweichen und sich in keinem Falle in ein antisemitisches Fahrwasser treiben lassen werde. Auf die Frage, wie ein so erstaunlicher Stimmungsumschwung zu erklären sei, wies Dr. Wirth auf die große wirtschaftliche Not hin; der Zuwachs der nationalsozialistischen Stimmen bedeute einen gewaltigen Protest gegen diese Not. Er glaube durchaus nicht, daß alle diejenigen, die ihre Stimmen für die National- Sozialisten abgegeben naben, damit sich als enragierte Judenfeinde haben dokumentieren wollen. Eine aggressive antisemi* tische Stimmung, die etwa zu Ungerechtigkeiten oder gar Gewalttätigkeiten führen könnte, sei nicht vorhanden. Die Regierung könne für die Ruhe im Lande bürgen. Es war stets ihr entschlossenes Bestreben, den deutschen Staatsbürger ohne Rücksicht aut sein Glaubensbekenntnis zu schützen. Darin sieht die deutsche Republik ihre Ehre engagiert, und zu diesem Schutze aller Staatsbürger sind wir nicht nur willens, sondern auch fähig. * Genf, 3. Oktober. (J. T. A.) Der in Genf weilende tchechoslowakische Außenminister Dr. Bene sch erklärte auf die Frage über Charakter und Tragweite der jüngsten Ausschreitungen in Prag, es wäre irrig, diese Ereignisse als einen Ausbruch des Antisemitismus zu betrachten; für den Antisemitismus bestünde keine Aussicht, daß er in der Tschecho- Slowakei Verbreitung finde. Die tieferen Ursachen der Prager Ereignisse seien rein innerpolitischer Natur. Unverantwortliehen Elementen ist es gelungen, einen Teil der Bevölkerung zu Gewalttaten aufzuhetzen, doch ist es der Regierung durch sofort eingeleitete energische Maßnahmen gelungen, tue Ordnung wieder herzustellen. Die Regierung ist Herrin der Situ*v tion ,und, wwd. jede,,WWhtfholiap (der Unruhen־ m verhindern wissen. Die jüdischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrats Jerusalem, 28. September. (J.T. A.) Bei einer Zusammenkunft zwischen einer Abordnung der zurückgetretenen jüdischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrats und dem stellvertretenden High Commissioner Sir Stewart Davis wurde die Frage der Rückkehr der jüdischen Mandatare in den Stadtrat erörtert. Die Mitglieder der Abordnung gaben ihrem Erstaunen darüber Ausdruck, daß die Regierung sich so leicht mit der Nichtteilnahme der Juden an deii Arbeiten der Munizipalität abgefunden habe, als ob dies ein normaler Zustand wäre. Die Juden seien mit der Untätigkeit der Regierung in diesem Belange sehr unzufrieden, und dies führe dazu, daß so extreme Vorschläge, wie Errichtung eines gesonderten jüdischen Stadtrates, in Betracht gezogen werden. Man verstehe es nicht, weshalb die Regierung sich beeilt hat, den Rücktritt der jüdischen Stadträte zu akzeptieren, und diese akute Krise mit einem formalen Dank an die jü-׳ disehen Stadträte für ihren geleisteten Dienst zu erledigen. Philipp Halsmann begnadigt. Der Bundespräsident Oesterreichs, Professor M i k 1 a s , hat Philipp H a 1 s m a n n begnadigt; der Begnadigungsakt wurde am Jom Kippur-Feiertage amtlich publiziert. Die Begnadigung Halsmanns war der letzte Akt des zurückgetretenen Kabinetts Schober. Mit der Begnadigung und Freilassung Philipp Halsmanns hat die ״österreichische Dreyfus-Affäre“ eine menschlich befriedigende Lösung gefunden, indem wenigstens die körperlichen Qualen eines jahrelang unschuldig schwere Kerkerstrafe Erduldenden beendet sind. Die rechtliche Seite des Falles harrt noch der Lösung und allgemein wird gehofft, daß es den Freunden Philipp Halsmanns und den Freunden des Rechtes doch noch gelingen wird, eine endgültige Rehabilitierung Halsmanns, an dessen Linschuld kein Vorurteilsfreier mehr zweifelt, zu erreichen״ Philipp Halsmann, der aus Oesterreich ausgewiesen wurde, ist nach Preß bürg abgereist. Das furchtbare Unglück, das die englische Luftschiffahrt durch den Untergang des ״R. 101“ betroffen hat, hat die ganze Welt in Trauer versetzt. Auch wir fühlen mit dem englischen Volke an seinem Unglück um so mehr mit, als dieses Luftschiff dazu bestimmt war, die Verbindungswege von England nach dem Orient zu erleichtern. Es gereicht zur Genugtuung festzustellen, daß dieses Unglück der britischen Nation in der ganzen Welt bei allen Völkern ungeteiltes Mitgefühl hervorrief. Warschau, 3. Oktober. (J.T. A.) Der vor kurzem zustände gekommene zionistische Wahlblock hat beschlossen, mit der Agudas Jisroel kein Bündnis anläßlich der kommenden Wahlen zum Sejm zu schließen. Somit werden die Zionisten und die Agudisten getrennt zur Wahl marschieren, wobei jede der beiden Gruppen je einige wirtschaftliche Organisationen hinter sich haben wird. Das Wahlkomitee der Agudah macht in einem Aufruf die Zionisten für das Nichtzustandekommen der jüdischen Einheitsfront verantwortlich, während der Führer der radikalen Zionisten, Grün baum, und der Misrachiführer Farbstein in einer Pressekonferenz darlegten, daß die Einheitsfront darum nicht zustande kommen konnte, weil die Zionisten von ihrem Standpunkt, daß eine unabhängige jüdische Politik geführt werden müsse, nicht abweichen konnten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.