Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 79-80 (10.10.1930)
- Date
- 1930-10-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653230--21864-2680014- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 514 jUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 79/80, 10. X. 1930 Stelle wiedergeben, die Motive des Zionismus klarer und richtiger wiedergibt als es sonst in der englischen Presse der Fall zu sein pflegt. Insbesondere weist die ״Times“ darauf hin, daß es ein elementares Bedürfnis für das Judentum ist, ein Land zu haben, in welchem sie nicht den Wechselfällen und der Willkür machtlos preisgegeben sind, wie es in ihrer zweitausendjährigen Geschichte, und selbst unter zivilisiertesten Völkern, oftmals der Fall war. Mit anderen Worten: der grundsätzliche Unterschied zwisehen Galuth und Nationalheim muß darin bestehen, daß im Lande des Nationalheims die Juden nicht abhängig sind von den jeweiligen Phasen des Wohl- oder Uebelwollens ihrer Wirtsvölker, sondern selbst ein konstitutives Eiement des Gemeinwesens bilden. Die legitime jüdische po* litische Forderung in bezug auf Palästina ist die nach einem solchen politischen Status, der ein Ausgeliefertsein, wie es für das Galuth charakteristisch ist, unmöglich macht. Die Verwirklichung des Jüdischen Natioaalheims setzt voraus das Bestehen einer wirksamen Völkerrechtliehen Satzung und einer diese Satzung verbürgenden Macht höherer Ordnung, wie sie der Völkerbund seiner Idee nach darstellt. In einer chaotischen Welt würde auch die Souveränität eines Judenstaates nicht ausreichen. Die Forderung, daß die Juden ״kraft eigenen Rechtes und nicht aus Duldung“ in Palästina sind, ist ein entscheidendes Grundprinzip. Wie in der Wirklichkeit Palästinas das Prinzip zu gestalten ist, hängt natürlich auch von der Beschaffenheit Palästinas ab. Wären die Juden die einzigen, die in Palästina ״kraft eigenen Rechtes und nicht aus Duldung“ sind, dann läge das Problem einfach. In Palästina lebt aber eine Bevölkerung von 750 000 Arabern, gleichfalls ״kraft eigenen Rechtes und nicht aus Duldung“. Diese Tatsache hat die Schwierigkeiten des jüdischen Aufbaus verursacht; auch im letzten Jahre waren die Bemühungen der Mandatarmacht darauf gerichtet, die in Unruhe geratene arabische Bevölkerung darüber zu beruhigen, daß sie nicht zu Bürgern zweiter Klasse in einem jüdischen Staat gemacht werden sollen. Die Notwendigkeit solcher beruhigender Versicherungen der Mandatarmacht wäre überflüssig gewesen, wenn von jüdischer Seite stets Klarheit darüber geschaffen worden wäre, daß auch vom Standpunkt der Juden eine solche Beeinträchtigung der Araber nicht beabsichtigt ist, vielmehr die Existenz beider Faktoren im Lande als maßgebender Elemente des palästinensischen Gemein- Wesens von uns erkannt wird. Leider aber ergaben sich hierüber Unklarheiten. Es ist ein historisches Verdienst von Dr. W e i z m a n n , daß er in der letzten Sitzung des Aktions-Comitcs ohne Rücksicht auf falsch verstandenes Prestige zugab, daß die Zionisten, als sie noch nicht mit den Realitäten Palästinas konfrontiert waren, an einen _ jtadenstaat־ dachten — freilich ohne diesem Wort den Sinn daß jedoch bei der gegebenen palästinensischen Wirklichkeit nicht die Rede mehr sein sollte von Judenstaat, sondern daß das jüdische Volk wissen muß, daß es auch in seinem Lande, im Lande des Jüdischen Nationalheims, mit einem anderen Volk Zusammenleben muß. Einem unbefangenen Zuhörer müßte dünken, daß damit nur Selbst- Verständlichkeiten ausgesprochen sind. Es geht dabei keineswegs, wie manche meinen, um einen wertlosen S t r e i t u in ״Formel n“, sondern es geht um die Basis und die Möglichkeit einer zionistischen Politik in unserer Zeit. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um das Jüdische Nationalheim selbst. Dr. Weizmann, dieser glühende Nationalist und zionistische Enthusiast, hat, auch hier wieder ein Pionier, der zionistischen Politik und Erkenntnis neue Wege bahnen wollen, und dieser Mann sollte es wahrhaftig nicht nötig haben, sich gegen den Vorwurf des ״Verrates“ zu verteidigen. Er hat das Echo nicht verdient, das ihm aus einem sehr großen Teil der zionistischen Oeffentlichkeit und Presse entgegenhallte. Weizmanns Darlegungen, die unserer Sache politisch einen großen Dienst erweisen konnten, wurden nicht nur unmittelbar im Aktions-Comite selbst, sondern auch nachher in der Presse mit heftigem Widersprach aufgenommen, und dieser Widerspruch, den man außerhalb doch auch als maßgebende zionistische Stimme registriert, hat viel von dem Nutzen, den Weizmanns Erklärung hätte schaffen können, wieder zunichte gemacht. Trotzdem wäre auch diese Episode nicht vergeblich, wenn sie der Ausgangspunkt ernsthafter Diskussionen wäre. Aber statt dessen finden wir leider wieder Auswüchse einer niveaulosen Polemik weit verbreitet, die z. B. in der Verdächtigung gipfelt, Weizmann hätte Felix Wartung zuliebe oder aber Lord Passfield zuliebe seine Rede gehalten. Als ob es solcher Erklärungen bedürfte, um Weizmanns Rede zu rechtfertigen, und als ob ihr sachlicher Inhalt damit abgetan wäre! Dr. Weizmanns Rede hat dem zionistischen Ziel nichts von seiner Hoheit und Einzigartigkeit genommen. Die Schaffung einer großen jüdischen Siedlung in unserem historischen Lande Palästina, einer jüdisehen Gemeinschaft mit gesunder sozialökonomischer Struktur und kultureller Eigenart, einer Gemeinschaft, die das verstreute jüdische Volk als Avantgarde betrachtet und die schon heute als vereinigendes Glied des Gesamtjudentums fungiert, dies ist ein Ziel, das für das Judentum unserer Tage der Mühen und Anstrengungen der Besten wert ist. Diese große jüdische Siedlung wird in Palästina ״kraft eigenen Rechtes und nicht aus Duldung“ sein; sie hat keine anderen politischen Machtaspirationen als die, die ihr kraft ihrer eigenen Existenz zukommen. Sie ist kein ״Judenstaat“, aber sie erfüllt die wesentlichsten jener jüdisehen Bedürfnisse, deren Erkenntnis den Zionismus entstehen ließ. Die Gegner einer solchen zionistischen Zielsetzung versuchen, sie unter dem Schlagwort ״geistiges Zentrum“ m bagatellisieren und erlauben sich auch heute noch wie in den Tagen Ach ad Haams, wogegen sich der Meister schon 1907 zur Wehr setzte, zwecks leichterer Polemik die Karikatur eines geistigen Zentrums zu zeichnen, das durch ein künstlich erzeugtes ״Geistesleben“ gebildet würde, obwohl nachweisbar niemals auch nur ähnliche Ansichten vertreten worden sind. Aber um dieser unlauteren Polemik willen ist der Vorschlag Dr. Ruppins, den er in seiner Rede auf dem Berliner Kongreß für das arbeitende Palästina machte, beachtenswert, statt ״geistiges Zentrum“ das Wort ״nationales Zentrum“ zu verwenden. Ein solches nationales Zentrum, ein Jüdisches Nationalheim, eine große und stolze jüdische Siedlung, die auch in den Fragen politischen Zusammenlebens und der Abschätzung politischer Scheinwerte die kulturelle Ueberlegenheit viertausendjähriger geschichtlicher Erfahrang und Geistesbildung bezeugt, dies ist ein großes, ein würdiges, ein — freilich erst nach großen Anstrengütigen, nach stärkster innerer Sammlung, aber doch — erreichbares Ziel. Die tiefe Not der Seele und des Leibes, die Verworrenheit und Zerrissenheit des Judentu ms unserer Tage können der Boden sein, von dem aus die entschlossene Aktivität der jüdischen Minderheit, die die Notwendigkeit einer Neugestaltung erkannt hat, auf dieses Ziel zusteuert. Man bedarf dazu keiner falschen Romantik, die uns von der Wirklichkeit wegtreibt. R.W. Zar Frage des zionistischen Zieles Beschlüsse der Zionisten Amerikas Am 17. September beschloß das Administrative Committee der amerikanischen Zionisten in Angelegenheit der m der Herliner A.-C.-Sitzung zur Diskussion gestellten Frage der zionistisehen Zielsetzung folgendes: ״Die Zionistische Organisation Amerikas sieht sich veranlaßt, durch ihr Administrative Committee auszusprechen, daß das zionistische Ziel immer gewesen ist und bleibt, was im Jahre 1920 von Justice Louis Brand eis zum Ausdruck gebracht wurde: Palästina in einer verhältnismäßig kurzen Zeit mit einer beträchtlichen Zahl sich selbst erhaltender Juden zu besiedein, die sich im Einklang mit den hohen jüdischen Idealen zu einem homogenen Volkstum entwickeln, die jüdischen geistigen und intellektuellen Ideale betätigen und schließlieh eine sich selbst verwaltende Gemeinschaft werden sollen. Die Zionistische Organisation Amerikas bekennt sich zu jedem Teile dieser Zielsetzung. Sie ist überzeugt, daß mit dem unablässigen Eifer einer geschlossenen Judenheit und mit einer loyalen Mitarbeit der britischen Regierung dieses Ziel in all seinen Punkten erreicht werden wird. Ferner erklärt die Zionistische Organisation, daß keine einzige Körperschaft berechtigt ist, irgendwelche Modifizierung oder Verzichtleistung in bezug auf irgendeinen Teil der Bestrederen oberste Vertretung der regelmäßig zusammentretende Zionistenkongreß bleibt.“ New York, 5. Oktober. (J. T. A.) In der ersten Sitzung der in Cleveland gewählten neuen Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas trat der Vorsitzende des Economic Committee, Israel Brodie, dafür ein, daß der Schwerpunkt der jüdischen Kolonisation in Palästina von der landwirtschaftliehen auf die städtische Siedlung verlegt werde. Brodie legte Pläne für die Schaffung einer Reihe von Insfitutionen zur Förderung von Handel und Industrie in Palästina vor. Er begründete seinen Standpunkt damit, daß infolge des beschränkten Vorrats an kulturfähigem Boden die landwirtschaftliche Einwanderung zu einem, allerdings noch fernen, Zeitpunkt ihre natürliche Grenze erreichen werde. Dagegen gäbe es für die städtische Einwanderung bei entsprechender Entwicklung von Industrie und Handel faktisch keine Grenze. Der Vorsitzende der Organisation, Robert S 7. 01 d , fügte hinzu: Jeder von uns hat eine hohe geistig-kulturelle Auffassung von unserem Endziel und weiß, daß eine gesunde ökonomische Basis nicht Selbstzweck ist. Gegenwärtig halten wir die Beschleunigung des Einwanderungstempos für die wichtigste Aufgabe. Der Konflikt zwischen Mohammedanern und Christen Jaffa, 5. Oktober. (J. T. A.) Der von dem Haifaer Friedhofsstreit ausgegangene Konflikt zwischen mohammedanisehen und christlichen Arabern hat auch auf Jaffa übergegriffen, wo ein christlicher Araber während des Mittagsgebetes öffentlich die mohammedanische Religion beschimpfte. Dem entstandenen Tumult wurde durch die Polizei ein Ende bereitet. Der christliche Araber Je ward Mansour hat auf den Herausgeber der Zeitung ״Seraat‘־', Abdallah Kalliilleh, ein Attentat verübt. Kalkilleh hat zahlreiche Sympathiekundgebungen von Glaubensgenossen aus dem ganzen Lande erhalten. Die Zeitung ״F a I a s t i n“ gibt der Vermutung Ausdruck, daß es sich bei dem Attentat um einen Racheakt wegen der Ermordung des Haifaer christlichen Redakteurs Jami! B a k h r i handelt, obwohl die Motive des Attentäters bisher noch nicht aufgeklärt sind. Was bringt der Simpson-Bericht? London, 3. Oktober. (J. T. A.) In einer zionistischen Versammlung machte der Abgeordnete der Labour-Partei, Daniel Hopkin, Andeutungen über den voraussichtlichen Inhalt des Berichtes von Sir John Hope Simpson. Der Bericht, meinte Hopkin, werde der englischen Regierung die Auswertung eines größeren Betrages zur Förderung der Einwanderung nach Palästina empfehlen, da Palästina genügend Raum für eine Einwanderung größeren Maßstabes biete, Gleichzeitig aber wird in dem Bericht eine neue Bodengesetzgebung und die Schaffung einer gesetzgebenden Körperschaft vorgeschlagen werden. Abgeordneter Hopkin teilte weiter mit, daß die Regierung demnächst das Programm ihrer künftigen Politik in Palästina veröffentlichen wird; dieses Programm werde wohl die wichtigsten Grundsätze für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims berücksichtigen. Jüdische Einwanderung auf breitester Basis und enge Kooperation zwischen Palästina-Administration und Jewish Agency seien seiner Meinung nach unerläßlich für die Sicherheit der jüdischen Kolonien. Die Palästina-Regierung, sagte Hopkins zum Schluß, muß sich die Politik der britischen Zentralregierung zu eigen machen und ihre Maßnahmen im Hinblick auf diese Politik treffen. Ist sie dazu nicht imstande, so hat sie die Pflicht, zu demissionieren. (Es bleibt abzuwarten, ob Hopkins Angaben zutreffen, RecLJu Die WeHkonferenz des Hechaluz Die Weltkonferenz des Hechaluz wurde am 2. Oktober spät abends im Logenhaus in Berlin in Anwesenheit von 71 Delegierten aus Polen, Rußland, Litauen, Lettland, Rumänien, Deutschland, Tschechoslowakei, Oesterreich, Ungarn, Bulgarien, Holland nnd Belgien und unter Teilnahme der jüdischen Arbeiterführer Palästinas eröffnet. Der Vorsitzende D o b k 1 n gab einen Ueberblick über die Entwicklung des Hechaluz in allen Ländern und konnte große Fortschritte dieser Bewegung in den letzten Jahren feststellen. Im Namen der Histadruth begrüßte Sprinzak die Konferenz. Er legte die Schwierigkeiten der Situation in Palästina, sowie die einer Einigung zwischen den verschiedenen Richtungen der Arbeiterschaft in der Diaspora dar und gab der Hoffnung Ausdruck, daß cs dem Hechaluz gelingen werde, diese auch ihn betreffenden Schwierigkeiten zu überwinden. Namens der Zionistischen Exekutive begrüßte deren Mitglied Felix Rosenbliith die Konferenz: Der Hechaluz sei jene Gruppe innerhalb der zionistischen Bewegung,' welche wohl am meisten Ursache hat, mit den Ergebnissen der Arbeit in den letzten Jahren unzufrieden zu sein. Andererseits sei diese Arbeit, allgemein als Weizmannsche Politik definiert, rein praktisch auf den Ausbau der jüdischen Positionen in Palästina im Geiste des Hechaluz gerichtet gewesen. Die Sammlung von Mitteln für den Aufbau Palästinas sei der Weg, der zum Ausbau der Chainziuth führe. Die rein palästinozentrlsche Politik der Zionistisehen Organisation in den letzten Jahren habe wohl bewirkt, daß gewisse politische nnd kulturelle Fragen der einzelnen Diaspora-Länder weniger eingehend behandelt werden konnten, sie habe aber gerade dadurch der Tendenz der Zersplitterung in verschiedene Arbeitsgebiete die Tendenz der Einigung im Zeichen Erez-Israels entgegengesetzt. Ke zionistische Organisation betrachte den Hechaluz als die schönste, reinste und ehrlichste Verkörperung der Erez-Israel-Arbeit in der Galuth. Für die Zionistische Organisation sei der Hechaluz dasselbe, wie die zionistische Bewegung für die Jewish Agency: Träger der lebendigen Forderung des jüdischen Volkes. In der kommenden Arbeitsperiode werde die Zionistische Exekutive innerhalb der Jewish Agency energisch für die Forderung einer stets wachsenden Alijah eintreten. Kurt Blumenfeld, der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, führte aus: Der politische Zionismus ist in seiner Entstehung eng mit sozialen Vorstellungen verknüpft. In ״Altneuland“ bezeichnet Herzl als Ziel des zionistischen Strebens die ״neue Gesellschaft“. Und mit diesem Namen kennzeichnet er entscheidend das neue Gemeinwesen, in dem es den Siebenstundentag gibt und gerechte Lebensbedingungen für alle. Wese neue Gesellschaft sollte durch das ganze jüdische Volk in Palästina geschaffen werden. Herzl rechnete augenscheinlich auf die ״List der Idee“, er sah voraus, daß auch Juden, die Im Galuth zu Lebensreform, sozialcr Neugestaltung nnd Pioniertum keine Beziehung haben und von solchen Dingen auch naturgemäß nichts wissen wollen, das ihrem Wesen fremde neue Leben in Erez-Israel mit herbeiführen werden. Die Entwicklung hat bewiesen, daß unsere politische Bewegung ihr Ziel mit Hilfe von Kreisen erreicht, die der Ideologie der Bewegung fern stehen und oft sogar gegen ihren Willen im Bannkreis der zionistischen Bewegung ihren Platz finden und mitarbeiten. Was wir früher ahnten, und von der Lage der luden unter den Völkern behaupteten, liegt heute klar vor aller Augen: der Ausschaltungsprozeß der Juden aus Gesellschaft und Wirtschaft. Der Versuch, die Positionen durch Assimilation zu halte», ist gescheitert. Die Möglichkfit, ein freies, auf Selbstbestimmurig beruhendes Leben in den LInäerft des Gallith zu führen, besteht nicht. Die Eroberung der Freiheit und der eigenen Lebensgestaltung geschieht in Erez-Israel und nur dort. Der Prozeß der Verwirklichung dauert Jahrzehnte — keine allzu lange Zeit gemessen an den Jahrtausenden des Galuth — und in dieser Zeit müssen zwei Voraussetzungen immer bestehen: Das unerschöpfliche Reservoir von Chaluziin und die Kraft der Zionistischen Organisation, die politischen und finanziellen Erfordernisse zu beherrschen. Die schwierigste Aufgabe für den Hechaluz stellen Zeiten einer kleinen Alijah. In solchen Zeiten kommt alles auf die Güte der zionistischen Erziehung und auf die Tiefe der menschlichen Durchbildung an. Ein Chaluz, dem lange Zeit die Möglichkeit der eigenen Alijah versperrt ist, bedarf stärkster innerer Festigkeit, um den Verlockungen der politischen Assimilation gewachsen zu sein. Und kommunistische Assimilation bietet nicht weniger Anreiz als liberale in früheren Zeiten. Eine Gewißheit besteht für uns: Es gibt keinen anderen Ausweg als den Zionismus, und der Irrtum, eine Lösung der Judenfrage als Nebenprodukt des Sieges einer allgemeinen Weltidee zu erhoffen, wird überraschend schnell offenbar. Aus dieser Erkenntnis kann der Hechaluz Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin gewinnen, seine Scharen verstärken und Falten bis zum Beginn der Einwanderung in größerem Maßstabe. Die zionistische Welt wird ihrer Aufgabe nur gewachsen sein, wenn der Wille zur Alijah in einer großen Chaluz- Organisation sichtbar wird. Wenn zehntausende oder gar hunderttausende junger jüdischer Menschen unablässig nach Palästina drängen, dann wird es der zionistischen Bewegung möglich sein, die jüdische Welt zur größten Anstrengung ihrer Kräfte zu veranlassen. Ferner sprachen Er ein für die Linke Poale Zion, der die Tatsache, daß sich seine Partei zum erstenmal an einer Konferenz des Hechaluz beteiligt, besonders hervorhol), und Liebe 11 stein für den Merkas Hechaluz in Deutschland. Die Verbandsbüros der Poale Zion und der Hitacliduth, der Hascliomer Ifazair, die Oordonia, der Hechaluz Hazair, der Keren Hajessod, der Keren Kajemeth u. a, m. hatten die Konferenz schriftlich begrüßt. In der Vormittagssitzung vom 3. Oktober erstattete Dob ki n für den Merkas Olami den Rechenschaftsbericht. Der Mitgliederstand des Hechaluz ist während der Berichtsperiode von 80(» zu Anfang 1928 auf 26000 Mitte 1930 gestiegen. Ke Zusammensetzung des Hechaluz wurde durch massenhaften Zustrom unorganisierter Arbeiterjugend, aus der heute die größere Hälfte der Mitgliederzahl besteht, völlig verändert. Die organisierte Hachscharah in den Institutionen des Hechaluz umfaßt 4400 Chawerim, doppelt so viel als in den vergangenen Jahren. Von diesen '1400 Chawerim waren 2231 in ständigen Kibbuzim, 1905 in Saison-Kibbuzim, 264 in eigenen Wirtschaften. In den letzten Jahren stellte der Hechaluz 90 0/״ der ganzen arbeitenden Alijah. Im Verlauf der letzten zwei Jahre wurden 3900 Zertifikate für chaluzische Alijah ausgegeben, auf Grund welcher 4678 Menschen die Alijah angetreten haben. Die übrigen chaluzischen Organisationen (Hechaluz Hamisrachi, Brith Trumpeldor) sind an dieser Alijah nur mit 5 bis 6 ״/o beteiligt. Der kibbuzistischcn Organisationsform, in welcher die Alijah des Hechaluz zu 70 0/0 vor sich geht, hat die leichte Einfügung der eingewanderten Chaluzim in die Wirtschaft des Landes ermöglicht. Die Alijah aus Westeuropa (Deutschland, Tschechoslowakei, Oesterreich) hat befriedigende Fortschritte gemacht. Leider wird die Einwanderung von Chaluzoth durch die Regierung behindert. Der Merkas Olami hat für die Zwecke der Alijah gegen 20 000 Pfund aufgebracht. Seine Gesamteinnahmen vom 15. 3. 1926 bis zum 1. 10. 1930 betrugen 34 300 Pfund. Die kulturelle Tätigkeit umfaßte die Herausgabe der Zeitschriiten ״H e ati d“, ״L e h a w o t h“, ״Derjunge Jud e“, einer chaluzischen Bibliothek, eines Sammelbuchs und die Organisie-!ung eines Weltseminavs,