Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 77-78 (1.10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 77/78, I.X. 1930 JUEDISCHE RONDSCHÄÜ Seite 507 Betar, Betar, huraj! Der Legion, der Legion muß sein! Weizmann mög׳ stören Und Magnes mög׳ wehren: Der Legion, der Legion muß sein! Betar, Betar, huraj! Der Ewer Hajarden muß sein! Der Araber mög’ schießen, Das Blut verfließen: Der Ewer Hajarden muß sein! Das ist die revisionistische Jugend oder, um einen Terminus, mit dem man in revisionistischen Kreisen noch selbst nichts aiizufangen weiß, der aber in vielen Köpfen herumspukt, aufzugreifen, der ,,neue Add“, die ״neue “Rasse“. Sie ist bereits viel zu stark, als daß man sich den Luxus erlauben dürfte, sie zu übersehen. Sie ist ein Faktor in der zionistischen Bewegung, mit dem man sich auseinandersetzen muß. Und man soh Farbe bekennen: Ja oder nein! Weltkonlerenz des Haschomer Hazair Kommunique des Histadruth Noar - Zoff - Chaluzi Haschomer Hazair. Wie wir bereits berichtet haben, fand vom 7. bis 13. September in Vrutky (Tschechoslowakei) die 3. Weltkonferenz des Haschomer statt. Nachstehend veröffentlichen wir ein Kornmunique der Histadruth Noar - Zofi-Chaluzi Haschomer Hazair: Der Haschomer Hazair ist gegenwärtig sowohl quantitativ als auch der Bedeutung nach der wichtigste jüdische Jugendbund. Er zählte zur Konferenz etwa 38 000 Mitglieder, ln den verschiedenen Schomer-Kibbuzim in Erez-Israel sind etwa 1300 Chawerim. Seine wichtigsten Erfolge sind auf dem Gebiete der Erziehung zu verzeichnen; er hat ein ausgebautes Jugenderzieh ungssystem, und er ist auch der einzige Jugendbund in der Galuth, dem eine vollkommene Hebrais i e r u n g gelang. Aber gleichzeitig mit dem Wachstum und Erstarken der Bewegung wuchsen und entwickelten sich auch die inneren Gegensätze in ihr; Gegensätze, die auf der Konferenz in Vrutky zur Spaltung der Weltorganisation führten. Die Majorität der Schomer-Kibbuzim schuf im Jahre 1927 den Kibbuz Arzi des Haschomer Hazair, der im Gegensatz zur übrigen kibbuzistischen Bewegung und vor allem zum Kibbuz Meuchad (vereinigter Kibbuz) nicht nur eine ökonomischsoziale und gesellschaftlich-kulturelle Einheit darstelit, sondern auch ein selbständiger politischer Faktor ist. Der Kibbuz Arzi führte die Schomerbewegung in politischer Hinsicht zur Isolierung von der übrigen Arbeiterschaft, er trat in Opposition zur vereinigten Arbeiterpartei, der Miphiegeth Poalim Erez- Israel, welcher er Opportunismus vorwirft. Er lehnt die 2. Internationale, welcher die vereinigte Arbeiterpartei angehört, ab und gibt gegen die Partei die Parole der stärkeren Betonungdes Klassenkampfes und der gemeinsamen Organisierung mit dem arabischen Arbeiter (Irgun Meschutaf) heraus. Er erklärt sich auch eindeutig gegen die Parole der 100 folgen jüdischen Arbeit in den privaten Pflanzungskolonien. Wir, die Minorität in der Schomerbewegung, konnten diesen Weg nicht mitmachen. Wir sehen in dieser Absonderung von der übrigen Arbeiterschaft eine nationale und soziale Gefahr und trotz aller Klassenkampfparolen eine Schwächung des realen Klassenkampfes des jüdischen Arbeiters in Erez-Israel. Wir erachten die politische Einheitlichkeit und Geschlossenheifcjder Arbeiterklasse ffir «ine unerläßliche Voraussetzung ihres Erfolges und bejahen darum die vereinigte Arbeiterpartei. Wir erachten ebenso die Spaltung der kibbuzistischen Bewegung für eine schwere Schädigung unseres kollektivistischen Werkes und sind darum stets für die Vereinigung der Schomer-Kibbuzim mit dem Kibbuz Meuchad unter Wahrung einer gesellscbaftliehen Autonomie der Schomer-Kibbuzim eingetreten. Der Kibbuz Arzi hat diese unsere Tendenz stets bekämpft. Gruppen des Kibbuz Arzi, die sich nach der Vereinigung der beiden Arbeiterparteien der vereinigten Partei anschlossen, wurden aus dem Kibbuz Arzi ausgeschlossen. Die Konferenz in Vrutky zeigte uns, daß der Kibbuz Arzi gewillt ist, die Spaltung weiter aufrecht zu erhalten. Aus dem Munde seines Führers hörten u׳ir die seltsame Theorie, daß eine Einheit der Arbeiter- Masse erst nach der sozialen Revqlution möglich sei, bis dahin müsse cs Spaltungen geben. Die Gegensätze zwischen der Majorität und Minorität in der Schomerbewegung prallten schon auf der 2. Weltkonferenz in Danzig aufeinander, doch wurde damals die Lösung gefunden, daß die Weltkonfercnz den Kibbuz Arzi zwar als die wichtigste, aber nicht als die einzige Fortsetzung der Schomerbewegung in Erez-Israel erklärte. Wir wollten auch jetzt keine Spaltung, da wir wissen, welch schwere Schädigung heute jede Spaltung unserem Aufbauwerke zufügt. Als daher die Weltkonferenz in Vrutky unsere programmatischen Thesen verwart, beantragten wir, daß man uns als Minorität in der Weltorganisation belasse. Die Majorität beschloß jedoch, daß der Kibbuz Arzi der einzige Weg der Schomerbewegung in Erez-Israel ist, verlangte von uns Aufgabe jeder Tätigkeit In der Galuth, von unseren Kibbuzim bedingungslosen Eintritt in den Kibbuz Arzi, ja, sie verbot uns sogar Delegierungen der Arbeiterorganisation (Histadruth) anzunehmen, wenn die Hanhagah Eljonan des Haschomer Hazair uns nicht die Bewilligung hierzu erteilt. Unter diesen Umständen bedeutete der von der Mehrheit der Weltkonferenz gefaßte Beschluß, wonach der Kibbuz Arzi als der einzige Weg der Weltbewegung anerkannt wurde, den tatsächliehen Ausschluß der Opposition aus dem Rahmen der Welt- Organisation. Die Minorität, die in Vrutky aus der Weltorganisation ausgeschieden ist, umfaßt die Landesorganisationen des Haschomer Hazair in Rußland (die trotz aller Verfolgungen seitens der Regierung ihr zionistisches und sozialistisches Erziehungswerk fortsetzt), Lettland, Oesterreich, einen Teil der Landesorganisation Litauens und kleinere Gruppen aus anderen Ländern. (Sie wird von vier Schomerkibbuzim in Erez-Israel aus Rußland, Lettland, Litauen und Rumänien unterstützt.) Sofort nach der Spaltung traten die Vertreter dieser Verbände zu einer Beratung zusammen und beschlossen die Gründung einer Welt- Organisation ״Histadruth Noar-Zofi-Chaluzi Haschomer Hazair“. Es wurde eine provisorische Leitung (Hanhagah Eljonah) gewählt. Sitz des Sekretariats ist vorläufig Wien. Als Organ der Weltorganisation wird die bisherige Zeitung der Landesorganisation Lettland ״AI Hamischmar“ erscheinen. Die Majorität des Haschomer Hazair hat uns gezwungen, die Organisation zu verlassen, in der wir aufgewachsen sind und die uns teuer ist. Ihre positiven Werte, aie guten schomerischen Besonderheiten wollen auch wir in unserer neuen Weltorganisation pflegen, an Stelle der Absonderung jedoch — proklamieren wir unsere Einheit mit der übrigen Arbeiterbewegung Erez-Israels. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ er• scheint am 10. Oktober. Memorandum der Jewish Agency an die britische Regierung Di» Jewish Agency hat bekanntlich im Mai 1930 der britischen Regierung ein ausführliches Memorandum über die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Palästina überreicht. Wir werden forilaufend eimelru! Abschnitte dieses Dokumentes veröffentlichen. Heute seien Auszüge aus den ersten zwei Kapiteln wiedergegeben. Red. I. Verteidigung und Sicherheit. Die Ereignisse im August 1929 und In den darauffolgenden Monaten haben deutlich den ungenügenden Zustand der öffentliehen Sicherheit in Palästina und die Notwendigkeit durchgreifender Reorganisation erwiesen. Der Erfolg, den die An- Stifter der August-Massakers gehabt haben, überstieg unsere schlimmsten Befürchtungen. Im Juni 1921 wurde die Gefechtsstärke der britischen Streitkräfte fn Palästina auf 5000 Mann reduziert. Die palästinensische Polizei, die sich zur Zeit der Unruhen im Mai 1921 zugestandenermaßen als unzureichend und unbrauchbar erwiesen hatte (vgl. den offiziehen Bericht für Juli 1920 bis Dezember 1921), wurde im Jahre 1921 reorganisiert und Ende des Jahres auf eine Stärke von 1213 Mann gebracht; hierunter befanden sich 38 britische Offiziere und 112 Juden, während der Rest hauptsächlich aus Arabern zusammengesetzt war. Im Jahre 1921/1922 kamen zwei neue Verteidigungseinheiten hinzu: die palästinensische Gendarmerie und die britische Gendarmerie. Die palästinensische Gendarmerie, die Im Juli 1921 auf gestellt wurde, bestand aus 550 Offizieren und Mannschäften. Im August 1921 wurde zwischen dem High Commissioner, Sir Herbert Samuel, und Dr. Eder als Vertreter der Zionistischen Exekutive vereinbart, daß die Rekrutierungen auf der Grundlage vorgenommen werden sollten, daß ein Drittel der Streitkräfte aus palästinensischen Juden, ein Drittel aus palästinensischen Arabern und der Rest aus anderen. Elementen bestehen sollte. Obwohl der volle Prozentsatz von Juden spater nicht eingehalten wurde, war es doch moralisch und politisch von großer Bedeutung, daß wenigstens im Prinzip für Araber und Juden die gleiche Zahl festgesetzt worden war, und die palästinensische Gendarmerie erwies sich als eine tüchtige und verläßliche Streitkraft. Ende 1922 wurde die palästinensische Gendarmerie (nicht zu verwechseln mit der britischen Gendarmerie) auf 450 und die britische Garnison auf 2800 Mann herabgesetzt. Eine weitere Reduktion der militärischen Streitkräfte wurde im Jahre 1925 vorgenommen. Im Jahre 1926 wurden die Verteidigungs- und Sicherheitsverhältnisse vollkommen reorganisiert: a) das britische Kavallerie-Regiment wurde zurückgezogen; b) die britische und palästinensische Gendarmerie wurde aufgelöst; c) die palästinensische Polizei wurde auf 1550 Offiziere und Mann gebracht, wobei etwa 200 Mann britischer Gendarmerie und 300 Mann der palästinensischen Gendarmerie wieder eingestellt wurden; d) das transjordanische Grenzkorps wurde errichtet. Diese Veränderungen erweckten bei der Zionistischen Organisation und der jüdischen Bevölkerung Palästinas schwere Befürchtungen. Am meisten beunruhigend war die Ersetzung der palästinensischen Gendarmerie, die 50 «/# Engländer und 15 0/0 Juden umfaßte, durch das transjordanische Grenzkorps, das mit Wohlbedacht und Absicht eine rein arabische Einheit war. Es enthielt Ende 1926 31 britische Offiziere und 37 Juden, die für technische Arbeiten eingestellt waren, während der Rest, 700 Offiziere und Mannschaften, Araber waren. Tatsächlich wurde in einem offiziellen Zirkular den zuständigen Mitgliedern der Gendarmerie mitgeteilt, daß in das transjordanische Grenzkorps (damals ״palästinensisches Verteidigungskorps“ genannt) Juden nicht eingestellt würden. Die Zionistische Palästina- Exekutive protestierte gegen eine solche Differenzierung, und es wurde ein neues Zirkular erlassen, um nach außen hin den Eindruck zu verwischen. Aber abgesehen von einer solchen formalen Genugtuung und einem Versprechen Lord Plumers an Dr. Weizmann vom 8. April 1926, das dahin ging, brauchbare jüdische Bewerber zur Einreihung in das transjordanische Grenzkorps aufzunehmen, änderte sich in politischer und praktischer Beziehung nichts. Die palästinensische Verwaltung lehnte die Einstellung einer größeren Anzahl von Juden in eine für Transjordanien bestimmte Streitmacht beharrlich als inopportun ab; gleichzeitig enttäuschte sie die Hoffnung auf eine merkliehe Erhöhung des Prozentsatzes der Juden in der palästinensisehen Polizei, in welche Juden der aufgelösten Gendarmerie hätten wieder eingestellt werden müssen. So bestand Ende 1926 in Palästina eine rein arabische militärische Einheit, das fransjordanische Grenzkorps und die Palästina-Polizei, bestehend aus 1752 Mann, von denen nur 212 Offiziere und Mannschaften Juden waren, gegenüber 1300 Arabern. Die Zionistische Organisation betrachtete diese Entwicklung als höchst unbefriedigend und forderte die Regierung wiederholt dringend auf, diese Politik zu revidieren. (Es folgt eine Wiedergabe dieser Forderungen, die die Form ernster Mahnungen tragen.) Diese Vorstellungen hatten keinen Erfolg. Die Regierung beharrte bei dem eingeschlagenen Kurse. Am 17. Februar 1926 erklärte der Chefsekretär, daß die palästinensische Polizei die volle Verantwortung für die Aufrecnterhaltung der Ordnung im Lande übernehme. Als im Juni 1926 der Chef- Sekretär, Sir Stewart Symes, in der Permanenten Mandatskommission von Prof. Rappard gefragt wurde, ob die Verwaltung überzeugt sei, daß sie jeder möglichen Unruhe vollkommen gewachsen sei, erklärte er, daß er die reorganisierten Streitkräfte jeglichem Zwischenfall gegenüber für gewachsen halte. Die Palästina-Regierung erklärte am 9. November 1926 in einer Antwort aut den Brief der Zionistischen Palästina-Exekutive vom 2. November, der High Commissioner sei sicher, daß die palästinensische Polizei in ihrer jetzigen Verfassung ausreichend sei, um die Ordnung im Lande vollkommen aufrechtzuerhalten. 1926 begann die Regierung die versiegelten Waffenlager, die man nach den Unruhen von 1921 für den Fall der Notwendigkeit einer Selbstverteidigung in den jüdischen landwirtschaftliehen Kolonien untergebracht hatte, aufzulösen. Diese Auflösung war praktisch im Laufe der nächsten drei Jahre überall durchgeführt; einige abgelegene Kolonien wurden ihrer Waffen kaum einen Monat vor den August-Unruhen beraubt. Ende 1928 bestand die palästinensische Polizei bzw. deren wichtigste Abteilung, bekannt als die Distriktspolizei — insgesamt 1549 Mann — aus 212 britischen Offizieren und Mann- *schäften, 211 Juden und 1126 Arabern. Die Juden bildeten somit kaum 14 0/0' der Gesamtstärke, obgleich ihr Anteil an der ansässigen Bevölkerung ungefähr 20 ״/o beträgt. Im transjordänischen Grenzkorps, das aus 677 Offizieren und Mannschaften besteht, dienten 27 Juden (d. h. 4 »/״), von denen die meisten mit technischen Arbeiten betraut sind. Obgleich Jerusalem eine jüdische Bevölkerung von über 50 (WO Seelen hat, d. h. 60 0/0 seiner Gesamtbevölkerung, waren von den 300 Offizieren und Mannschaften, die seine Polizei bilden, nur 41 Juden; von diesen wiederum waren 25 in der Musikkapelle beschäftigt. Es blieben demnach nur 16 Juden, d. h. 5,3 <y0 der vollen Starke, für den aktiven Dienst in der Jerusalemer Polizei übrig. Die Zivil- und M i li tä rs tr ei t krä f te haben sich so, wie sie im August 1929 zusammengesetzt waren, als unfähig erwiesen, den Ausbruch der Unruhen zu verhüten und dem politischen Verbrechertum während der folgenden Monate wirksam entgegenzutreten. Sie haben ferner bei der Aufgabe versagt, die Urheber der Angriffe gegen Juden dingfest zu machen. Einige Tatsachen: In Jerusalem wurden während der Unruhen 24 Juden getötet und 125 verwundet, während 15 Araber beim Angriff getötet wurden. Trotzdem wurden nur 11 Araber vor den Untersuchungsrichter gestellt, und von diesen kamen nur 4 vor Gericht. Von den Juden dagegen, die die Angegriffenen und deren Häuser geplündert und niedergebramnt worden waren, wurden nicht weniger als 30 vor den Umersuchungsrfchter und 12 vor Gericht gestellt. In Hebron wurden, um nur ein einziges Beispiel zu nennen, für der» Mord an 22 lind die Verwundung von 12 Juden im Hause von Slonim bis heute nur 3 Personen der Untersuchungsbehörde vorgeführt, und fünf Monate nach dem Gemetzel war noch nicht ein einziger unter Anklage gestellt. Angesichts dieses bedauerlichen Ergebnisses muß eine grundsätzliche und entschiedene Acnderung des im Sicherheitswesen augenblicklich herrschenden Systems erfolgen, wenn die elementaren Pflichten der Mandatarmacht, Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten und Leben und Eigentum zu schützen, erfüllt werden sollen. Wir möchten die Ansicht aussprechen, daß nur dann die Leistungsfähigkeit der Verteicliungstruppc gesichert und die Kosten für ihren Unterhalt in en Grenzen der finanziellen Möglichkeiten Palästinas gehalten werden können, wenn das zukünftige System der Sicherheit auf folgende Voraussetzungen gegründet ist: a) auf einen anemessenen Prozentsatz von Juden in der Polizei und im^Grenzorps; b) auf wirksame Maßnahmen für die Selbstverteidigung der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien sowie der jüdischen Vorstädte. Die jüdische Minderheit, deren Sicherheit und Leben aufs Spiel gesetzt, ja tatsächlich geopfert worden ist, hat einen berechtigten Anspruch auf die Anwendung besonderer Maßnahmen für Sicherheit und Schutz. Vorwiegend jüdische Bezirke sollten in der Hauptsache durch Juden, vorwiegend arabische Bezirke in der Hauptsache durch Araber geschützt werden. Oa die Juden 40 0/0 der städtischen Bevölkerung Palästinas bilden und die Polizeikräfte vorwiegend in den Städten konzentriert sind, würde eine größere Zahl von Juden in der Polizei, als ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht, die Durchführung der genannten Prinzipien erleichtern. Die In• differenz der Regierung gegenüber den jüdischen Empfindungen und der jüdischen Sicherheit mußte das Prestige der Juden herabsetzen und sich als eine Ermutigung der gewalttätigen Elemente auswirken. Die Wirkung der offenkundigen Entfernung der Juden aus dem transjordanischen Grenzkorps auf die orientafische Mentalität kann nicht stark genug hervorgehoben, werden. Transjordanien bildet einen Teil des Mandatsgebietes, und das ״OrenzKdrps wurde zum Schutz der gemeinsamen Grenzen dieses Landes (Transjordanien) und Palästinas gebildet“. Seine Unterhaltskosten werden zu fünf Sechsteln (83,4 °/0) von Paläsfina aufgebracht, während das verbleibende Sechtel durch einen Zuschuß aus dem britischen Staatsschatz beigesteuert wird, ״welch letzterer Anteil als Beitrag Transjordaniens zu den Kosten der Streitmacht anzusehen ist“. Trotzdem stad jedoch die Juden von dieser Streitmacht, die zum Schutze der lordanlinie zur Verhinderung des Waffenschmuggels nach Pa* lästina bestimmt Ist, so gut wie ausgeschlossen gewesen. Dies kann nicht anders als eine Degradierung der Juden zu Bürgern zweiten Grades angesehen werden, als ein Zeichen mangelnden Vertrauens der Regierung in die Zuverlässigkeit und die Tuch* tigkeit der Juden. Wir glauben, daß den Juden das Recht, sich und ihr Land zu verteidigen, nicht vorenthalten werden darf. Am 29. August 1921 schrieb das Kolonialamt an die Zionistische Exekutive: ״Die Regierung Sr. Majestät würdigt voll* kommen die Notwendigkeit, den jüdischen Kolonien in Palästina entweder hinreichenden Schutz zu gewähren oder ihnen Mittel für den Selbstschutz zur Verfügung zu stellen.“ Nach den Unruhen von 1921 verwandte die Palästina-Verwaltung beide Arten von Maßnahmen als gegenseitige Ergänzung. Die Polizei wurde reorganisiert; gleichzeitig aber wurden in den jüdischen Niederlassungen versiegelte Waffenlager angelegt, die ihnen im Notfall als Mittel zur Selbstverteidigung dienen sollten. Wir sind der Meinung, daß nunmehr das gleiche, jedoch in umfassenderer Weise, geschehen sollte*» Im August 1929 sind Kolonien, von denen die arabischen Rebellen annahmen, daß sie fürgeinen Selbstschutz gut ausgerüstet seien, von Ueberfällen verschont geblieben. Vorschläge für einen jüdischen Selbstschutz werden verschiedentlich mit der Begründung kritisiert, daß sie bestimmte Rechte nur einem Teil der Bevölkerung gewähren würden- In Wirklichkeit erscheint diese Maßnahme durch die Geschichte der letzten zehn Jahre als gerechtfertigt, ja als unumgänglich notwendig; denn in diesem Zeitraum sind wir dreimal von Arabern angegriffen worden, jedesmal mit wachsender Heftigkeit, während niemals ein Ueberfall von Juden auf arabische Niederlassungen oder Viertel vorgekommen ist. Wir verlangen für uns kein Privileg, wir beanspruchen lediglich das Naturrecht auf Selbstverteidigung, nachdem die Verwaltung dreimal bei der Aufgabe, uns in solchen Notfällen zu schützen, versagt hat. Die Reorganisationsvorschläge, die wir hier im Interesse des Friedens im Lande und der Sicherheit des jüdischen Siedlungswerkes Vorschlägen möchten, zerfallen in fünf Gruppen: a) aie palästinensische Polizei; b) das transjordanische Grenzkorps; c) Maßnahmen zur Selbstverteidigung der jüdischen landwirtschaftlichen Niederlassungen; d) spezielle Wachtposten; e) reguläre britische militärische Einheiten. Bezüglich der palästinensischen Polizei schlagen wir als eine angemessene Verteilung 20 0/0 Briten gegenüber je 40 0/9 Juden und Arabern vor, oder aber eine Zusammen- Setzung von je 331/3 °/° Juden, Briten und Arabern. Von Bedeutung ist, sowohl das qualitative wie das moralische Niveau der Mannschaften zu heben. Zu diesem Zwecke wird es notwendig sein, die Dienstverhältnisse zu verbessern, dadurch den Juden den Eintritt zu ermöglichen und zugleich einen besseren Typ von Arabern heranzuziehen. Geeignete Vorsorge für den Gebrauch der hebräischen Sprache im Dienste ist eine weitere Voraussetzung. Arabische Polizisten sind zu ermutigen, hebräisch zu lernen, und Juden in der Polizei, arabisch zu lernen. Das transjordanische Grenzkorps sollte in ein palästinensisches Verteidigungskorps, zu gleichen Teilen aus Juden und Arabern bestehend, umgewandelt werden. Sollte eine britische Einheit in dieses Korps aufgenommen• werden, so würden wir Vorschlägen, daß die Gesamtstärke von Briten nnd Juden nicht weniger als die Hälfte der Gesamtstärke des palästinensischen Verteidigungskorps betragen soll. Wir lassen die Frage dahingestellt, ob es zweckmäßig ist, rein jüdische oder gemischt jüdisch-arabische Abteilungen innerhalb des Korps zu bilden. Palästina dürfte mehr als 60 °/0 der Gesamtkosten des palästinensischen Verteidigungskorps beizntragen haben. MaßnahmenzurSelbstverteidigungder landwirtschaftlichen Siedlungen. Es ist erforderlich, daß der Selbstverteidigungsplaa der landwirtschaftlichen Siedlungen, wie er