Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 76 (26.9.1930)
- Date
- 1930-09-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 498 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78, 26. IX. 1930 UssisehMo ln Berlin M. M. Ussischkin weilte in den letzten Tagen in Berlin, wo er die Vorbereitungen für die von ihm angeregten Landeskonferenzen des Keren Kajemeth Lejisraei traf. Anläßlich seiner Anwesenheit veranstalteten Herr und Frau Blumenfeld am 18. d. M. in ihrer Wohnung■ einen festliehen Empfang, an dem sich die führenden Zionisten Berlins beteiligten. Nach Begrüßungsworten von Kurt Blumenfeid und Dr. Albert Ba er mahnte Ussischkin die deutsehen Zionisten an ihre Pflicht gegenüber dem Keren Kajemeth Lejisraei. Nach einer Erklärung Rlumenfelds, daß die Arbeit für den KKL in Verbindung mit der gesamtzionistisehen Arbeit energisch fortgesetzt werden wird und nach einer zwanglosen Aussprache unter den Gästen über die prinzipiellen Fragen der KKL-Arbeit feierte Dr. Alfred Klee Ussischkin als eine aktive kämpferische Natur, die immer wieder Gegner gesucht und niemals Feinde gefunden habe. Am Sonntag, dem 21., fand *eine Sitzung der KKL-Kommission statt. Dr. Albert Baer erstattete einen ausführlichen Jahresbericht; Dr. Mechncr sprach über die künftige Arbeit des KKL, worauf Ussischkin ein Referat über die Aufgaben des Nationalfonds hielt. An der Aussprache beteiligten sich u. a. Saiman Schocken und Kurt Bin men feid, * Am 14. September wurde in London die Nationalfonds- Konferenz für Großbritannien und Irland eröffnet. Zu Beginn der Tagung wurde ein Schreiben Dr. Weizmanns zur Verlesung gebracht, in dem es u. a. heißt; ״Wir müssen immer wieder feststellen und verkünden, daß die Grundlagen des Jüdischen Nationalheims Menschen und Boden sind. Das Jüdische Nationalheim muß eine ausgedehnte und stets wachsende Niederlassung von Juden aut dem Boden Palästinas mit großen gewerblichen und Handelszentren, ein fester Mittelpunkt jüdischen Lebens, werden. Um dies zu erreichen, brauchen wir einen ständigen Zustrom von Juden, die in ihre Heimat zurückkehren, und weite Bodenflachen, um diese Juden anzusiedeln. Der Jüdische Nationalfonds ist darum einer der wichtigsten Faktoren des nationalen Wiederaufbaus. Ich bin überzeugt, daß Ihre Konferenz ein stetes Ansteigen der Beiträge der Judenheit Englands zur Auslösung von Palästina-Boden zum Ergebnis haben wird.“ Der Vorsitzende des Jewish Board of Deputies und der englischen Sektion der Jewish Agency, O. E. d'Avfgdor Gofdamid, schrieb, es sei von äußerster Bedeutung, daß in diesem Augenblick, in dem das Aufbauwerk in Palästina so vielen Schwierigkeiten begegnet, alle Kräfte zu gemeinsamer Anstrengung für die Entwicklung des Jischuw und des Bodenkaufes zusammengefaßt werden. Aus den Gemeinden Ein schwerer Einbruch wurde in der Nacht zum 20. d. M. in die Synagoge in der Alten Schönhauser Straße 10, verübt. Nach dem Gottesdienst am Freitag abend war das Haus ordnungsgemäß abgeschlossen worden, aber als sich am Sonnabend die Mitglieder der Synagogengemeinde zum Gottesdienst einfanden, war die Türe *aufgebrochen. Diebe waren in der Nacht eingedrungen und haben wertvolie Gegenstände entwendet, unter anderem den Schmuck der Thora und einen wertvollen Kronleuchter sowie zwei silberne Hände. Zwecks Schaffung der seit langem angestrebten Organisation für die jüdische Wanderfürsorge in Oesterreich wurde von der Zentralkommissiön für soziale Fürsorge der Israelitischen Kultusgemeinde Wien eine Konferenz einberufen, an der neben den Vertretern der Wiener Kultusgemeinde und fast sämtlicher jüdischen Provinzgemeinden Oesterreichs Delegierte aus Deutschland (Hauptetelle für Wanderfürsorge in Berlin), aus der Tschechoslowakei (Fürsorgenzentrale in Prag, Brünn und Lundenburg), Polen und 'Jugoslawien, sowie der israelitisehen Allianz und der Chcwra Kadischa Wien teilnahmen. Dr. Kreutzberger, Berlin, erstattete ein ausführliches Referat über den derzeitigen Stand der jüdischen Wanderbewegung. Emil Engel, Wien, skizzierte sodann den Zweck der Beratungen, worauf der Abteilungsleiter für Organisation, Dr. Nahum Blauer, an Hand der statistisch erfaßten Daten der Wanderfürsorge die Richtlinien und den Aufgabenkreis der Orfanlsation darstellte. Die Konferenz beschloß, die Fürsorgeentrale der. Israelitischen Kultusgemeinde Wien als Zentrale für die jüdische Wanderfürsorge in Oesterreich zu konstitu• ieren, der sämtliche jüdischen Gemeinden Oesterreichs angeschlossen werden. Ferner wurde eine Kooperation mit den in Betracht kommenden jüdischen Gemeinden und Verbänden der an Oesterreich angrenzenden Länder angebahnt und der Zusammenschluß der Zentralen für die jüdische Wanderfürsorge in Deutschland, der Tschechoslowakei und Oesterreich vollzogen. Der Großrabbiner von J11 gosIavien , Dr. Isak Alka- 1 a v, hat für die Oeffentlichkeit folgende Erklärung abgegeben; ״Die Juden in diesem Staate waren immer ein zuverlässiges und loyales Element. Mit der durch das Manifest Seiner Majestät des Königs geschaffenen Lage sind die Juden besonders zufrieden. Dies ist die Stimmung und Meinung aller Juden in diesem Staate.“ Prag, 21. September. (}.T.A.) Soeben erschien in einer Auflage von 12000 Exemplaren die erste Nummer der ״Gemeindezeitung und Amtsblatt“, Organs des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Mähren und Schlesien. Das Heft enthält neben homiletischen Arbeiten den Entwurf für das neue Religionsgesetz der jüdischen Gemeinden und Verbände in den historischen Ländern. Es ist dies das erste jüdische Gemeindeorgan in der Tschechoslowakei nach deutschem Muster. Worms, 21. September. (J. T. A.) In Worms wurde soeben ein unter dein alten israelitischen Gemeindefriedhof liegender unterirdischer Gang, 36 Meter lang, 1,50 Meter hoch und 0,80 Meter breit, freigelegt. In dem Gang selbst wurden wertvolle Funde gemacht. Bisher wurden 8 Grabsteine gefunden, die teilweise aus dem 13. Jahrhundert stammen und einen Einblick in die Geschichte des mittelalterliehen Judentums geben. . Wie die JTA. erfährt, wurde das durch den Abgang Dr. Heinrich Brodys seit 1. September freigewordene Oberrabbinat Prags durch die Bestellung Dr. Aiadar Deutschs zum Leiter der Agenda des Oberrabbinats provisorisch besetzt. Eduard Sachau gestorben. Im Alter von 85 Jahren verstarb in Berlin der hervorragende Orientalist Eduard Sachau, der fast ein halbes Jahrhundert an der Berliner Universität als Ordinarius gewirkt und drei Jahrzehnte das Seminar für orientalische Sprachen geleitet hat. Neben seinen grundlegenden sprachhistorischen Werken war von großer kulturhistorischer Bedeutung, besonders für die Kenntnis des nachexiiischen Judentums, seine Sammlung und Edition der Papyri von Elephantine. _ Moskau, 19. September. (J. T. A.) In Charkow tagt gegenwärtig eine jiddische Sprachkonferenz zur Ausarbeitung einer Einheitssprache für die jiddische Presse und Literatur in Rußland, Der Bialikvortrag in Berlin Chaim Nachman B i a 1 i k führte am 20. d. M. in seinem Vortrag über das Problem Jiddisch-Hebräisch ungefähr folgendes aus: Die Frage des gegenseitigen Verhältnisses der hebrüsehen und jiddischen Sprache wurde bisher wenig objektiv behandelt. Sie soll aber nicht Gegenstand einer leidenschaftlieh erregten, von Sympathien oder Antipathien beeinflußten oder gar durch politische Momente verfälschten Auseinandersetzung sein. Eine Stellungnahme zu dieser Frage ist nur auf Orund wissenschaftlich historischer Betrachtung möglich. Die Juden haben sich im Verlauf ihrer Geschichte vieler Sprachen bedient, so z. B. des Aramäischen, Griechischen, Lateinischen, Arabischen, Französischen u. a. m.; sie haben diese Sprachen ihren eigenen Bedürfnissen angepaßt und ein ״Jiddisch“ daraus gemacht. Auch heute ist die jiddische Sprache nicht die einzige lebende Judensprache. Große Teile des Judentums bedienen sich des Spaniolischen, einige Tausend in Vorderasien verstreut lebende Juden sprechen noch heute einen syrisch-aramäischen Dialekt, die grusinischen Kaukasus- Juden haben ein tatarisches, andere ein persisches Jiddisch. In Italien gab es bis vor kurzem einige Gemeinden, welche einen spezifisch italienischen Jargon sprechen. Es gibt 12 bis 16 solcher Judensprachen. In der jüdischen׳ Vergangenheit hat das Aramäische, das 1200 Jahre lang Volkssprache war, die größte Bedeutung. Aber auch in der aramäischen Sprachperlode galt hebräisch als die offizielle Sprache des Gebets und des Thorastudiums, wenn auch manche Gebete ins Aramaische für das Volk übersetzt wurden. Der Talmud ist in aramäischer Sprache verfaßt. Die Gaonim bis auf Sadja Gaon, der schon arabisch schreibt, haben sich des Aramäischen bedient. Beim Uebergang zur arabischen Volkssprache wurden die aramäischen Teile der Literatur ins Hebräische übertragen. Eine auf dem Arabischen fußende Judensprache ist nicht mehr nachzuweisen. Die meisten Judensprachen der Diaspora hatten sich ans Hebräische angelehnt. In diesen Sprachen geschaffene Werke wurden für das spätere Judentum dadurch gerettet, daß sie ins Hebräische übertragen wurden. So ist die hebräische Sprache das Reservoir der jüdischen Geistesschätze. Das Hebräische selbst wurde aus einem tiefen Instinkt heraus nicht als Umgangssprache gebraucht. Es hätte sonst in verschiedenen Ländern fremde Eiemente aufgenommen, wäre in Dialekte zersplittert worden und damit untergegangen. Bei anderen Sprachen gibt es einen zentralen Dialekt, dessen dominierende Stellung ein völliges Zersplittern der Sprache hintanhält. Das Hebräische hätte eines solchen dominierenden Dialekts entbehrt und wäre ebenso untergegangen wie z. B. das Syrische, das sich ohne Zentralsprache in Dialekte zersplitterte. Andererseits wäre das Hebräische ohne die Befruchtung durch eine lebende Judensprache versteinert worden. So hat die Parallelität von Hebräisch und der jeweiligen Volkssprache beiden genützt. Während das Hebräische dazu diente, die Geistesschätze, die ln der Volkssprache niedergelegt waren, aufzunehmen und der Nachwelt zu überliefern, wurde es durch Beeinflussung seitens der Volkssprache lebendig und bildungsfähig erhalten. Auch heute wird das Neuhebräische vielfach mit Hilfe des Aramaischen weiterentwickelt. Wo aber die Volkssprache ohne Zusammenhang mit dem Hebräischen war, wie das Griechische der alexandrinischen Epoche oder das Arabische der kabbalistischen Literatur, sind die in ihr geschaffenen Kulturgüter dem Judentum verloren gegangen. Auch das heute gesprochene Jiddisch begleitet das Hebräische, wird von ihm beeinflußt und trägt andererseits zu dessen Belebung bei. Löst aber das Jiddische ren Zwsammenhang mit dem Hebräischen, so verliert es seine Bedeutung für die jüdische Kultur. Während manche leidenschaftlich für das Jiddische als Nationalsprache cintreten, beginnt es vielfach seine Verbindung mit dem Leben zu lösen und sich auf literarische Zirkel zurückzuziehen. Gleichzeitig verbindet sich das als ״literarisch“ verschrieene Hebräisch in Palästina mit dem Leben des Volkes. Heute könnte man schon beansprachen, daß Hebräisch zur Volkssprache wird; ist es doch dadurch vor Zersplitterung bewahrt, daß Palästina jenes dominierende Zentrum darstellt, welches ein in allen Teilen der Welt gesprochenes Hebräisch autoritativ zusammenhält. Es wäre eine ebenso dringende wie dankenswerte Aufgabe, die in jiddischer Sprache niedergeiegten Werte durch Uebertragimg ins Hebräische vor dem einstigen Untergang zu retten, da das Jiddische, man möge es bedauern oder begrüßen, wohl ebenso verschwinden wird wie die 16 jüdischen Volkssprachen vor ihm. Gastspiel der Habima Uriel Acosta von Gutzkow, Bearbeitung von M. Liwschitz, Regie Alexis Granowsky, Bühnenbilder Robert Falk, Musik Karl Rathaus. Der im Stucke von Rabbi Ben Akiba mehrmals gebrauchte Ausspruch ״Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ wird durch diese Aufführung widerlegt. Dieser Uriel Acosta ist vollständig neu. Die Aufführung, über die noch ausführlich berichtet werden soll, übte stärksten Eindruck. Da Uriel Acosta ein Judenstück ist, war hier die Art der Habima glaubhafter, weil dem Dargestellten naturgemäßer. Die Gesanitlästung von Regie, Ensemble und dem Komponisten ergab erstklassiges Theater, wie man es in dieser Vollendung nur sehr selten zu sehen bekommt Die Gesellschaftsszene una die Hochzeitsfeier waren Augen- und Ohrenweide in einem, so daß der Beifall mitten im Spiele losbrach. Alle Mitglieder der Habima gaben ihr Bestes. Man ist Immer wieder von dem heiligen künstlerischen Wollen der Mitwirkenden und von der einzigartigen Disziplin der Darsteiler gepackt. Die Unterordnung 1m Interesse eines einmütigen Kunstwollens adelt die Stars und die Statisten, sie zu einem geschlossenen Gremium zusammenballend. Besonderes Lob verdient die Ausstattung. Der Zusammenklang von Farbe, Ton und Bewegung war mustergültig. Für das Premierenpublikum war diese Aufführung ein unvergeßliches Fest. Der herzliche begeisterte Beifall gestaltete den Abend für die Habima, die sich in ernster Arbeit auf diese Darbietung vorbereitet hatte, zur Belohnung für ihre wunderbare Leistung. Alle Darsteiler verdienen hohes Lob. Wenn die Rowina, Friedland, Ben Chaim und Baratz besonders genannt werden, so geschieht das darum, weil ihre Art, ohne sich aus dem Gesamtwerk hervorzudrängen, eine eigenartig liebenswürdige Note aufwies. k.k. Ortsgruppen Gießen. Nach jahrelanger Pause wurde hier eine rege!- mäßige Ortsgruppenarbeit versucht. Ein kleiner Kreis traf sich jeden Monat einmal. Es referierten: Dr. Joseph Meer über ״Dostojewskis Stellung zum Judentum, russische oder jüdische Sendung“; Meir Meisler über ״Achad Haam und Achad Haaraismus“; Meir Meisler über ״Perez“; Bernh. T ei11er über ״Vom Sinn des Revisionismus“ und Lulu Weißenberg über ״Araber und Bodenfrage“. An die Referate schloß sich jedesmal eine lebhafte Aussprache. In diesem Sommer wurde hier auch ein? Filmvorstellung ״Frühling in Palästina“ gegeben. Obwohl sich hier einige Mitbürger über die hebräischen Plakate aufregten, kamen etwa 300 Juden und 200 Nichtjuden zur Aufführung. Die Landschaft und das Leben in Erez-Israel übten eine begeisternde Wirkung aus, die durch die verhältnismäßig gut gespielte Musik unterstützt wurde. An den KKL konnten 60 M. als Reingewinn der Veranstaltung abgeführt werden. WELTVI □AND Makkabiah-Tagung in Berlin. Ende Oktober findet in Berlin eine Tagung des Makkabi-Weltverbandes statt, an welcher aus allen Ländern die leitenden Personen der Makkabi-Arbeit teil• nehmen. Diese Tagung wird sich speziell mit der Vorbereitung der Makkabiah und mit der endgültigen Festsetzung des Program ms beschäftigen. Es liegen bereits Anmeldungen aus einer Reihe von Ländern vor. Palästina. Die Motorradfahrer sind nach glücklicher Be• endigung ihrer Reise wohlbehalten in Palästina angelangt und mit großer Begeisterung in Tel-Awiw und Jerusalem empfangen worden. Polen. Am 14. September fanden anläßlich der Sportplatzcinweihung des Makkabi die leichtathletischen Meisterschaften des Unterverbandes Südwestpolen im Polnischen Makkabikreis in Bielsko statt. Es beteiligten sich die Vereine Biclsko, Kr6lewska, Huta, Tarnow, Chrzanow, Zywiec, Dziedzice, Skoczöw, Cieszyn. Die meisten Siege trugen Makkabi Krölewska, Huta und Bielsko davon. Bar Kochba-Hakoah Berlin. Schach. Am Donnerstag, den 18. September, begann das Schachturnier des S. C. C. wir spielten in der ersten Runde gegen den S. C. C. an 20 Brettern und gewannen 11 : 9. An den ersten 10 Brettern spielten wir unentschieden 5 : 5. Am Donnerstag, dem 9. Oktober, folgt die zweite Runde gegen die kombinierte Mannschaft Bewag-Post im Klubheim des Postsportvereins im Poststadion, abends 8 Uhr. Unser Schachabend findet unverändert jeden Donnerstag ab 8 Uhr im Cafö König, Unter den Linden, im 3. Stock statt. Fußball. Am letzten Sonntag konnten wir durch einen grandiosen Sieg den an der Spitze der Westkreisliga stehenden Klub Concordia-Wilhelmsruh mit 3:1 schlagen. In der Auf- Steilung Schierlinski Schlank Isenheim Blonder Horowitz Oppenheim Sattler Gelernter Czupper Fuß Sperber Handball. Bei den meisten der elf Mannschaften, die am vergangenen Sonntag die Generalprobe für die am 28. beginnenden Punktspiele absolvierten, war leider ein erheblicher Mangel an taktischem Können festzustellen. Außerdem fehlt den unteren Mannschaften bisher die Sicherheit im Fangen und Werfen. Es ist daher damit zu rechnen, daß in den ersten Verbandsspielen mancher Punkt verloren wird, den gründliche Vorbereitung im Sommer gerettet hätte. Nur die Damen eigentlich ließen erkennen — trotz der Niederlagen —, daß sie energisch und unter verständiger Leitung trainiert haben. Mangelhaftes Stellungsspiel und naiver Spielaufbau führten bei der ersten Männermannschaft zu einem ״Stürmerspiel der Einzelaktionen״. Der Charlottenburger Handball-Club mit besserer, aber ebenfalls nicht guter Kombination war daher während des ganzen Spiels leicht überlegen. Sein Sieg war verdient. Die ersten junioren und die zweiten Knaben erfreuten durch Siege. — Bar Kochba Hamburg. Hockey: Bar Kochba I. Herren gegen Harvestehude I. B Herren 2:1. Die Herren waren nach dem Spiel gegen Altona nicht wiederzuerkennen und zeigten ein schnelles, technisch hervorragendes Zusammenspiel. Leider vergißt der Sturm im Schußkreis zu oft das Schießen. Gelegenheiten waren genügend vorhanden, es wurde aber viel zu viel kombiniert. Das Spiel wurde sehr fair durchgekämpft. — Bar Kochba II. Herren — Viktoria II. Herren 2:1. Die Herren waren dem Gegner überlegen dank der guten Läuferreihe. — Bar Kochba III. Herren — Viktoria I. Junioren 1:2. — Bar Kochba IV. Herren — H. S. V. IV. Herren 0:2. — Bar Kochba I. Damen — Altonaer Hockeyclub I. Damen 2:2. Die Altonaer Damen spielten sehr hart und zeigten sich sehr unsportlich. Unter diesen Umständen spielten unsere Damen sehr zurückhaltend und waren mit einem Unentschieden zufrieden. — Bar Kochba II. Damen — Viktoria II. Damen 2:2. — Handball: Bar Kochba I. Herren — Viktoria komb. 4:5. Beide Mannschaften zeigten ein sehr schnelles und faires Spiel. Besonders der Mittelläufer vom B. K. und der Mittelstürmer wußten zu gefallen. * Clüi (Klausenburg), 19. September. (J. T.A.) Anläßlich der feierlichen Einsegnung der Fahne des jüdischen Sport* kiubs ״Hagibor“ tand hier eine eindrucksvolle Festlich• keit statt, bei der sich König Car01 durch den Präsidenten des Ciujer allgemeinen Sportvereins, Ministerpräsident M a n i u durch den Redakteur der rumänischen Telegraphen-Agentur ״Rador“ vertreten ließ. Dr. John Loewenthal John Loewenthal, der vor einigen Tagen in Berlin starb, war eine im besten Sinne universale Persönlichkeit. Es gibt wohl keinen Zweig der Wissenschaft, in dem er nicht ein fast fachmännisches Wissen besessen hätte. Sein logisch scharfer und wissenschaftlich disziplinierter Verstand ging stets bis zum Grund der Dinge und ließ ihn das Wesentliche schnell und sicher erkennen. Wäre er nicht Jude gewesen, er hätte auch in der offiziellen Wissenschaft den ihm gebührenden Platz er* halten. Er aber war Jude mit seiner ganzen Kraft, mit seinem P" 'י' ־ ״ * 'י י * ' י erst durchringen mußte, sondern der Ausdruck seiner tiefsten Persönlichkeit, die nichts als Jude sein konnte, nichts anderes wollte. John Loewenthal war ein politischer Mensch, der den Wert der Gemeinschaft erkannte und seinen Freunden zeigte und lehrte. Wenn er auch in den letzten Jahren zionistisch nicht mehr öffentlich hervortrat, er wußte alles, er kannte alles, was in unserer Bewegung vorging. Sein scharfes Urteil, im Freundeskreis geäußert, beleuchtete oft schlaglichtartig die zionistische Situation. Er war Zionist als Kämpfer für Recht und Freiheit Frei sein zum Schaffen, zum Tun, das war sein Wille, mit dem er auch seinen schon lange kranken Körper bezwang. Unsere zionistische Bewegung verliert in ihm einen starken, stolzen Kämpfer, wir, seine Freunde, einen Freund, der allen viel zu geben wußte, und nicht zuletzt seine große, selbstlose Freundschaft. Dr. Paul Hirsch. Paris, 21. September. (J.T.A.) Hans Herzl wurde am 19. September mit seiner verstorbenen Schwester Paulin e in einem gemeinsamen Grabe auf dem jüdisehen Friedhof von Bordeaux bestattet. Gemäß seinem letzten Wunsche wurden am Grabe keine Gebete gesprochen oder religiöse Zeremonien verrichtet. Der katholische Pater Day, der seinerzeit Herzl getauft hat, erklärte, er sei einverstanden, daß Hans Herzl auf dem jüdischen Friedhof bestattet , werde, da dies dessen letztem!Wunsche entspreche,