Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 76 (26.9.1930)
- Date
- 1930-09-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 76. 26. IX. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 497 Brief aus Rumänien (Von unserem Bukarester Korrespondenten.) Das doppelte Gesicht. — Gleichheit vor dem Gesetze? — Einiges aus einer Enquete der ״Dlmineatza“. — Der Geist, in dem die rumänische Jugend erzogen wird. -h., Bukarest, den 19. September 1930. Liest man die verschiedenen offiziellen Enunzlationen von rumänischen Ministern und Staatssekretären über die Judenfrage in Rumänien, so hat man fast immer den gleichen Eindruck: Systematisch wird die Schwere der antisemitischen Ausschrei־ fangen abgeleugnet und immer behauptet, daß alle Meldungen im Auslände übertrieben seien. Charakteristisch für diese Mentalität der Regierung ist z. B. das Interview des Ministers liafencu, welches heute in der rumänischen Presse erschienen ist. Herr Gafencu spricht von dem Antisemitismus der Universität Jassy, daß dieser gar keine Bedeutung habe, behauptet, daß die letzten Ausschreitungen gar nicht antisemitischer Natur gewesen seien (merkwürdig, daß sie nur gegen die Juden gerichtet waren), sondern von der schweren ökonomischen Lage veranlaßt wurden und versichert, daß die Regierung die Juden als ein wertvolles, unentbehrliches Element in der Wirtschaft des Landes schätze. Die Regierung sei auch vollkommen Herr der Lage und garantiere hierfür, daß sich keine wie immer gearteten Ausschreitungen mehr ereignen werden. Wie wenig ernst derartige Erklärungen genommen werden dürfen, beweist wohl am besten die Tatsache, daß sich die untergeordneten Autoritäten um derartige offizielle Auslassungen sehr wenig kümmern. Wüßten alle diese Autoritäten, daß die Regierung die ungleiche Behandlung der Juden verdammt und daß sie gewillt ist, jede Ausschreitung gegen Juden nach dem Buchstaben des Gesetzes zu bestrafen, dann könnten sich nicht alle die Ungerechtigkeiten und Zurücksetzungen ereignen, die für die Juden von Rumänien schon so sehr zu einer alltäglichen Sache geworden sind, daß sie beinahe nicht mehr registriert werden. Um nur einige charakteristische Beispiele aus der letzten Zeit zu nennen: Ein jüdischer Arbeiter, der halb unzurechnungsfähig ist, macht zwei Soldaten die Mitteilung, er gehöre einer Organisation an, welche den Krieg verabscheue, und wird vom Gericht in Czernowitz zu einem Jahr Kerker verurteilt. Der berüchtigte Organisator der eisernen Garde, Z e I e a Codreanu, der die Bevölkerung offen zu Mord und Totschlag aufruft und unter dessen Terror die Einwohner ganzer Städte leiden, wird auf Grund desselben Gesetzes-Paragraphen in zwei Instanzen freigesprochen. Die Gerichtsbehörde von Marmorosch-Sighet, welche die antisemitischen Agitatoren, denen der Brand von Borscha zur Last gelegt wird, abzuurteilen hat, verhaftet 17 Juden aus Borscha mit der Begründüng, daß diese Juden die Bevölkerung zu den Ausschreitungen provoziert hätten. Gibt es drastischere Beispiele für den Gegensatz zwischen den Regierungserklärungen und der Amtsführung der einzelnen Behörden gegenüber den Juden? Noch unfaßbarer erscheint diese Einstellung der lokalen Gerichts- und Polizeibehörden, sowie der Siguranza, wenn man die Verhältnisse in Bessarabien betrachtet. Ein Sonderberichterstatter der demokratischen rumänischen Tageszeitung ״Dimineatza“ hat vor kurzem eine genaue Enquete in Bessarabien veranstaltet und publiziert jetzt seine bei dieser Enquete gewonnenen Eindrücke. Liest man diese Schilderungen, dann hat man das Gefühl, als wenn in Bessarabien wahrhaft mittelalterliehe Zustände herrschen würden. Unter dem Schlagwort ״Kampf gegen drohenden Kommunismus“ führt die Polizei und die Siguranza in den einzelnen Städtchen Bessarabiens, wo eine schwerarbeitende jüdische Bevölkerung lebt, einen systematisehen Kampf gegen die Jaden. Es gibt keinen Verdacht, auch wenn er noch so absurd wäre, daß er nicht dazu dienen würde, die Judenschaft bald des einen, bald des anderen Städtchens tage- und wochenlang in Schrecken zu halten, um die jüdische Jugend zu verhaften und sie ausgesprochen mittelalterlichen Torturen zu unterwerfen. Liest man in den Berichten der ״Dimineatza“ die Aktionen der Siguranza gegen die ״kommunistisehe Gefahr“ in Leova, Jedinezi, Baizi, Soroca oder Zguriza, dann fühlt man erst, wie wehrlos die dortige jüdische Bevölkerung Menschen ausgeliefert Ist, welche die ihnen neu vom Staate verliehene Macht, mit einem empörenden Sadismus dazu benützen, um friedliche Menschen unaufhörlich zu peinigen. Im Gegensatz zu den Behauptungen der Minister ist es eine Tatsache, daß der Antisemitismus von Tag zu Tag immer mehr an Ausdehnung gewinnt, daß die rumänische Intelligenz zum geringen Teile gleichgültig dem antisemitischen Treiben zusieht, zum großen Teile sich aber mit den antisemitischen Rädelsführern solidarisch fühlt und daß in den Schulen, angefangen vom Kindergarten bis hinauf zu den Universitäten, systematisch Haß und Verachtung gegen die Juden gezüchtet werden. Es gibt fast gar kein Lehrbuch, das nicht herabsetzend oder verächtlich von der jüdischen Bevölkerung Rumäniens sprechen würde. Wie weit diese systematische Verhetzung geht, zeigt am besten folgender Fall: Soeben ist eine rumänische Fibel in guter Ausstattung erschienen, als deren Verfasser zwei Schulmänner sowie ein führender rumänischer Journalist zeichnen. Diese Fibel wurde vom Unterrichtsministerium approbiert und hat jetzt in Zehntausenden von Exemplaren in allen Volksschulen Eingang gefunden. In dieser Fibel findet man nun ein Bild, das einen gebückten Handelsjuden darstellt, mit einem Warenballen auf dem Rücken, der voll Schrecken vor zwei Hunden, die ihn an seinen Rockschößen gepackt haben, die Flucht ergreift und dabei seinen Schirm in Abwehr und Angst vor sich hinstreckt. Unter diesem Bild befindet sich ein rumänischer Text, der in deutscher Uebersetzung folgendermaßen lautet: ״Moschko Isak. Die ganze Welt kennt den Moschko Isak. Isak ist ein Händler, er verkauft Waren aus Jassy und trägt auf dem Rücken ein Bündel. Moschko leidet, ihm sind Hunde entgegengekommen. Sieh nur wie er sich verteidigt! Der Hund beißt! schreit er. Aber die Hunde hören scheinbar nicht recht auf ihn.“ Dies weiß die führende rumänische Fibel über die Juden zu sagen. Eine solche Fibel wird vom Unterrichtsministerium autorisiert. In diesem Geiste wird die rumänische Jugend erzogen. Dabei handelt es sich nicht um einen vereinzelten Fall, sondern um eine systematische Einstellung gegen die jüdische Bevölkerung. Vergleicht man diese systematische Hetze mit den offiziellen Regierungserklärungen a la Gafencu, dann begreift man erst, was man von diesen zu halten hat. Jerusalem, 19. September. (J.T.A.) Der bekannte arabische Führer Subhi Kadra, den Sir Boytf Merrima» vor der Shaw-Kommission als eine der dunkelsten Erscheinungen Palästinas charakterisierte, wurde zur Stellung einer Kaution von 400 Pfund und einjährigem Zwangsaufenthalt in Safed mit regelmäßiger Meldepflicht bei der Polizei verurteilt. Subhi Kadra war wegen der Verfassung der Streikproklamation der Arabischen Palästina-Exekutive und eines aufreizenden Artikels in der Zeitung ״El Jamea el Arabia“ angeklagt worden. In jüdischen Kreisen Jerusalems wird die Konfinierung Subhi Kadras als die bedeutendste Maßnahme der Engländer gegen die arabischen Agitatoren angesehen. In einer Unterhaltung Mr. Bentwlchs mit einer Ddegation der jüdischen Gemeinde von Tel-Awiw, an der auch Rabbiner Usiel teilnahm, regte Herr Bentwich an, in die künftige Verfassung von Tel-Awiw eine Bestimmung aufzunehmen, nach der der Sabbat für den Bereich der Staat Tel-Awiw für jüdische Einwohner der Stadt zum gesetzliehen Ruhetag erhoben wird. Zeitschriften ״ Schau Der Palästina-Konflikt, zwischen England und der Mandatskommission des Völkerbundes findet ,jetzt in den englischen Wochenschriften sein Echo. Die völkerbundfreundliche ״N a > t i o n“ lobt die Sorgfalt des Berichtes der Kommission und meint, bei den strittigen Punkten, die er enthalte, handele es sich mehr um Winke für die Zukunft als um Kritik am Geschehenen. Da die Engländer den Kommissionsbericht zum Teil für ungerecht hielten, hätten sie ihm eine Antikritik entgegengesetzt; diese gehe betreffs der Agrarpolitik dahin, es sei besser, daß die Palästina-Regierung allmählich, mit der Steigerung ihrer Einkünfte, die notwendiger! Fonds aufbringe, statt daß‘‘das Schatzamt seinerseits große Mittel bewillige, die erst durch eine schwere Vorausbelastung palästinensischer Einkommensquellen gedeckt werden müßten. Ferner seien die Engländer entrüstet darüber, daß ,,parteiische Behauptungen über die Haltung der englischen Regierung“ von der Mandatskommission ohne weiteres aufgegriffen worden seien, während man die wohlerwogenen Feststellungen der Shaw-Kommission ignoriert oder als unhaltbar abgetan habe. Aber diese Entrüstung sei doch im Grunde unvernünftig, da die Mandatskommission die Pflicht gehabt habe, die ganze Lage z.u prüfen, und man doch nicht gut von ihr verlangen könne, daß, sie weniger sorgfältig hätte sein sollen! Stultdessen hätten die Engländer lieber nachwcisen sollen, warum Behauptungen, die die Mandatskommission geglaubt habe, von den britischen Behörden an Ort und Stelle für unbegründet gehalten würden. Die Existenz der Mandatskommission selbst sei einer der großten Fortschritte, die überhaupt in internationalen Fragen erzielt worden seien, und England mache «ich nur lächerlich, wenn es nicht imstande sei, ohne offizielle, und von den Laut- Sprechern eines Teiles der britischen Presse vervielfältigte, Entrüstungsausbrüche die gemüßigte Kritik der Mandatskommission zu ertragen. * Dagegen schreibt der ״Spectator“ in einem längeren redaktionellen Artikel, der bei aller Gereiztheit aus verletztem Nationalstolz doch ein starkes Streben nach Mäßigung und Objektivität zeigt, es müsse jeden gesund empfindenden Engländer schmerzlich berühren, daß die Mandatskommission England eine Moralpredigt halle wegen der Irrtümer, die England selbst bereits cingestanden und außerdem nur aus einem edlen Optimismus begangen habe; positive Vorschläge ließe der Kommissionsbericht dagegen ganz vermissen, ausgenonimen den weisen Rat, daß das wahre Heilmittel in der Wirtschaftlichen Entwicklung des Landes liege, — was aber nur eine höfliche Umschreibung dafür sei, daß der schon so überlastete britische Steuerzahler zu Ehren des Mandates noch tiefer in die Tasche greifen solle! Wenn die Kommission behaupte, England mehrfach wegen der Kleinheit seiner Garnison gewarnt zu haben, so könnten sich die Engländer leider dieser Warnungen absolut nicht entsinnen, wohl aber hätten mehrere Mitglieder der Kommission den Engländern ihre A n - erkennung dafür ausgesprochen, daß sie mit einer immer geringeren Militärmacht die Ruhe im Lande aufrecht erhielten. Vor allem aber müsse man fragen, obdenndieMandatskommission wirklich glaube, der einzige Weg, Palästina zu regieren, sei die Aufrechterhaltung einer großen Garnison und einer allegenwärtigen Gendarmerie? Wenn das die orthodoxe Doktrin es Völkerbundes sei, so habe der Weltkrieg nicht mehr geändert als ein paar Namen, denn die Mittel, den Frieden aufrechtzuerhalten, seien dieselben, die vor dem Kriege von denen empfohlen wurden, die die Macht für unentbehrlich hielten! Aber über all diese Empfindungen, so natürlich sie auch seien, müsse man hinwegzukommen suchen, und sich nicht in einen Groll gegen Völkerbund und Mandatskommission hineinsteigern. Die englische Erwiderung enthalte alles Nötige in einer ebenso bescheidenen wie festen Form; nur die m 0 r a - 1 i s c h e Seite des Problems lasse sie notwendigerweise, da solche Fragen nicht in eine offizielle Korrespondenz gehörten, unberührt; die englische Oeffentlichkeit aber müsse sich geradc darüber klar werden. Dem englischen Leser erscheine sicherlich der Kommissionsbericht widerspruchsvoll und lange nicht so brauchbar wie der nüchterne und freimütige Shaw-Bericht. Trotzdem könne man keinesfalls an dem Ernst und guten Willen der Kommission zweifeln, und das sei für alle Anhänger des Völkerbundgedankens sehr erfreulich. Freilich dürfe man bei der Beurteilung das Kommissionsberichtes nicht übersehen, daß einige ihrer Mitglieder offenbar der Versuchung nicht hätten widerstehen können, der vielgerühmten englischen Kolonialverwaltung endlich eins auszu wischen; die Engländer erinnerten sich jetzt natürlich, daß das höchst unnötige Bombardement von Damaskus durch die Franzosen von der Mandatskommission nicht getadelt worden sei, und wenn jetzt England wegen viel geringerer Vorkommnisse so kritisiert werde, so könne es eigentlich nur stolz darauf sein, daß seine Taten mit so viel strengerem Maß gemessen würden! — Daß die Rechte der nichtjüaischen Bevölkerung nach dem Mandat nicht verletzt werden dürften, habe die Kommission offenbar übersehen! Bei alledem sei aber als wichtigstes Resultat festzustellen, daß die Mandatskommission selbst in keiner Weise gefährdet sei, obwohl sie die britische Empfindlichkeit so schwer verletzt habe. Das sei schließlich ein höchst erfreuliches Zeichen für die Stabilität des Völkerbundes überhaupt! * Der ״New States man“ schreibt, der Konflikt zwisehen England und der Mandatskommission sei wenig erbaulieh und sollte eigentlich weder den Juden noch den Arabern besondere Befriedigung gewähren. Dagegen habe man sich anderwärts darüber gefreut, nämlich in Frankreich, wo Mandate eine delikate Frage seien, und in England selbst hätten die Feinde des Völkerbundes und die des Palästina-Mandates jetzt ihre Schadenfreude; besonders die ersteren fänden es sehr ergötzlich, daß ausgerechnet die Völkerbundspazifisten England die Kleinheit seiner Garnison vorhielten! Aber all das sei nebensächlich und man solle Jetzt nicht etwa behaupten, diese Episode sei ein Nagel zum Sarge des Palästina-Mandates usw. Die Mandatskommission habe ihre Aufgabe erfüllt, nur leider pfuscherhaft, und werde es das nächstemal hoffentlich besser machen. Die Pfuscherei bestände nicht etwa in der Kritik an der Mandatarmacht, im Gegenteil, >och so scharfe Kritik sei ein, legitimes Recht der Kommission, solange sie begründet sei Aber eben das sei nur zum Teil der Fall, und die Kommission habe sich in einigen Punkten sehr berechtigte scharfe Erwiderungen Englands zugezogen. Daß die Kommission nicht in allen Punkten zum Shaw-Bericht Ja und Amen sage, sei allerdings keineswegs ein Verbrechen, wenn es auch Downingstreet so ninsteile; sondern gegen den Shaw-Bericht sei in der Tat manches zu sagen. Aber die Mandatskommission habe sich viel zu sehr auf einseitige, parteiische Aeußerungen gestützt, die die englische Regierung vorher nicht einmal habe prüfen und beantworten können, und es sei, gelinde gesagt, höchst unzweckmäßig, daß in einem Falle, wo England vor der ganzen Welt zur Verantwortung gezogen werde, nicht einmal die gewöhnlichsten Rechtsformen beobachtet würden! Wegen der Kleinheit seiner Garnison sei Englund nicht von der Kommission gewarnt worden, und ebenso verfehlt sei die nachträgliche Kritik in der Frage der K.lagea1a uer. Bezüglieh der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungsmöglichkeiten Palästinas lege der Kommissionsbericht eine reichlich optimistische Anschauung an den Tag; aber jedenfalls müsse man wirklich alles mögliche tan, um die Araber Wirtschaftlieh und sozial zu heben, da dies eine Grundbedingung für den Erfolg dos Mandates sei. Aber die Hauptschwierigkeit liege in der Finanzierung. Die britische Antwort betone ganz richtig, die Mandatskommission setze offenbar voraus, daß der palästinensischen Regierung praktisch unbegrenzte Mittel zur Verfügung ständen. Dies sei aber keineswegs der Fall, und auch nicht für die Zukunft zu erwarten. Selbst wenn man die Ansicht der englischen Regierung nicht billige, daß eine gesunde ökonomische Entwicklung eines Landes nur auf der Basis der Selbsterhaltung stattfinden solle, müsse man doch wenigstens im Rahmen praktischer Politik bleiben! Bezüglich der Entwicklung von Selbsterhaltungseinrichtungen lägen die Dinge relativ einfach: die Gewährung aller arabisehen Forderungen würde die Juden in eine unmögliche Lage bringen; gewähre man aller den Arabern weniger, so würden sie fortfahren, sich zu beschweren, daß man ihnen ihre legitimen Rechte vorenthalte. All das habe die Mandatskommission zwar eingesehen, aber den Arabern doch nur ״eine dünne Mischung von Sympathie und Warnungen“ zuteil werden lassen. Im Ganzen werde der Bericht der Mandatskommission England nicht viel nützen, und je schneller die ganze Kontraverse in Vergessenheit gerate, desto besser. Jetzt müsse man in die Zukunft selmuen. Alle Beteiligten hätten viel zu tun, — außer der Mandatskommission, die am besten gar nichts täte! Die englische Regierung werde hoffentlich bald eine Klarstellung ihrer Politik veröffentlichen, die nicht nur auf dem Bericht von J. II. Simpson, sondern auf einem umfassenden Studium der ganzen Lage, wie es jetzt von Dr. S h i e 1 s angestellt werde, basiere. Aber noch mehr Verantwortung läge auf den Arabern und Juden, denn von ihrer Haltung werde es, wie wenigstens die Zionisten wüßten, abhängen, ob sich wirklich eine palästinensische Nation bilden könne! * ln dem Organ der schweizerischen Völkerbundsliga ״D e r Völkerbund“ veröffentlicht der Redakteur des ״Journal de Oeneve“, William Martin, eine Betrachtung über die Wandhingen in der Auffassung des Palästina-Mandates und die nach dem Rücktritt von Professor Rappard seiner Meinung nach geänderte Haltung der Mandatssektion des Völkerbundsekretariats. Knapp nach Veröffentlichung der Balfour-Deklaration habe allgemein die Meinung vorgeherrscht, der Aufbau des Jüdischen Nationalheims werde so rasch und machtvoll vor sich gehen, daß die Araber als Minderheit unter den Auswirkungen eines jüdischen Imperialismus in eine Lage geraten konnten, in der sie sich in ihren bürgerlichen und religiösen Freiheiten bedroht fühlen könnten. Dem Ideenkomplex des Minderheiten- Schutzes entsprechend, habe man damals den Artikel 2 in das Mandat eingefügt, welcher die Mandatarmacht verpflichtet, die religiösen und bürgerlichen Rechte aller Einwohner Palästinas, ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens, zu garantieren. Beurteile man diese Bestimmung nach dem Geiste, aus dem heraus sie geschaffen wurde, so sei sie nur als ein Beweis mehr dafür anzusehen, in welch umfassendem Sinne man damals den Begriff Jüdisches Nationalheim verstanden habe. William Martin versucht, den Nachweis zu führen, daß England, nachdem es in den Genuß der Vorteile gekommen war, die es aus dem Mandat riehen konnte, allmählich eine proarabische Stellung einzunehmen begann. Um diese Haltung zu rechtfertigen, habe es dem Artikel 2 eine den Absichten der Schöpfer des Mandates nicht entsprechende extensive Auslegung gegeben. Bei den Engländern habe allmählich die Vorstellung Platz gegriffen, daß der Artikel 2 des Mandates nicht eine bloße Schutzbestimmung im Interesse der Araber gegen einen etwa entstehenden jüdisehen Imperialismus, sondern Selbstzweck des Mandates sei. Man habe geglaubt, die Engländer seien nach Palästina gegangen, um das Jüdische Nationalheim zu schaffen; man habe geirrt; sie sind nach Palästina gegangen, um die Araber vor den Juden zu schützen. Seitdem Professor Rappard den Vorsitz der Mandatssektion des Völkcrbumdsekretariats niedergelegt habe, mache sich dort eine ausgesprochen araberfreundliche Strömung geltend, die sich der restriktiven Auslegung des Palästina-Mandates durch die britischen Beamten anschließe. Um so erfreulieber sei es, daß die Mandatskommission, welche lange Zeit mit dieser Interpretation des Palästina-Mandates übereinstimmte oder sie zumindest tolerierte, nunmehr in ihren einstimmigen Beschlüssen, mit ihr gebrochen hat * ״Near East and India“ nimmt zu Weizmam» Er־ klärung über die Schaffung eines binationaien Staates in Pa* lästina und zur Gegnerschaft, welche diese Erklärung gefunden hat, in folgender Weise Stellung: ״Sn großer Teil der Z10nisten übersieht die Erklärungen des Churchillschen Weißbuches vom Jahre 1922 und glaubt, den jüdischen Interessen am besten dadurch zu dienfcn, daß der Wunsch nach Errichtung eines Judenstaates in den Vordergrund des zionistischen Programms gestellt wird. Weizmann, der den idealistischen Charakter der zionistischen Bewegung mindestens so gut kennt, wie jeder andere, hat die selbstverständlich klingende Erklärung abgegeben, er könne sich nur mit einem Programm für die nächste Zukunft, nicht aber mit fernliegenden unklaren Perspektiven befassen.“ Das Blatt bezeichnet die Ablehnung von Weizmanns Demission als Zeichen gesunden Gemeinsinns innerhalb der zionistischen Bewegung und hebt hervor, die Zukunft des Zionismus hänge in bedeutendem Maße von dem Anteil ab, den die Nichtzionisten, besonders die Amerikaner, zum Aufbau Palästinas beitragen werden. Der Ausdruck ״Judenstaat“ »ei völlig unzeitgemäß und decke sich nicht einmal mit Irgendeinen» geographischen Begriff. Das ״Neue Wiener Journal* veröffentlichte kürzlieh längere interessante Ausführungen über ״Theater und Kabarett in Palästina“ aus der Feder von Jakob Horowitz, dem hebräischen Uebersetzer von Remarques ״Im Westen nichts Neues“, der sich jetzt in Salzburg mit Stefan Zweig über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen hebräisehen Künstlern und deutschen Dnuaatikern beraten hat. A. P. fn einer Zusammenkunft von Vertretern der jüdischen Siedlungen des Emek, die am 16. September in Af ul eh stattfand, wurde nach einem Bericht des Agronom Zwi von der Versuchsstation über den Verlaut der Mäuseplage und die Abwehrmaßnahmen der jüdischen Siedlungen eine Reihe von Resolutionen gefaßt. In einer Entschließung wird gegen die Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber der schweren Lage der von der Mäuseplage getroffenen Landwirte protestiert. Die jüdische Handelskammer in Haifa hat sich an den Distriktsgouverneur von Haifa mit der Bitte gewandt, im Bezirksgericht von Haifa einen jüdischen Richter zu ernennen, nachdem seit zwei Jahren in diesem Gericht kein jüdischer Richter vorhanden ist, obwohl das Gericht in sehr hohem Maße durch jüdische Parteien in Anspruch genommen wird. <Ziko.)