Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 76 (26.9.1930)
- Date
- 1930-09-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 406 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76, 26. IX. 1930 Jahr tm steigern (im Durchschnitt der drei Jahre 1024 bis 1026 betrug sie 20000!), so ergeben sich die folgenden Zahlen: Juden Araber Verhältnis 1040 387000 850000 1:2,20 1050 050 000 1 075 000 1:1,65 Unter dieser Voraussetrung hätten also die Juden nach 20 Jahren drei Fünftel der arabischen Zahl erreicht. Und könnten wir den Durchschnitt der starken Einwanderungsjahre 1024—1026 zum Durchschnitt der nächsten 20 Jahre machen, so hätten wir nach 20 Jahren 770000 Juden, d. h. drei Viertel der arabischen Zahl, in Palästina. Zahlen sind langweilig, aber sie sind wichtig. Wer die kleine Mühe nicht gescheut hat, diesen Zahlen zu folgen, wird sofort die weittragenden Folgerungen übersehen, die sich aus ihnen ergeben. Ohne phantastische Pläne, bei der nüchternen Voraus- Setzung, däl wir nur den bescheidenen Standard der letzten zehn Jahre aufrechterhaiten, werden wir schon in 20 Jahren in Palästina halb soviel Juden haben wie Araber. Bisher war nur von der Quantität die Rede. Aber diese Ziffer von über einer halben Million Juden bedeutet, daß wir wirtschaftlich und politisch die führende Schicht in Palästina sein werden, auch wenn wir den Fortschritt der arabischen Bevölkerung stark in Rechnung stellen. Mit dieser Zahl werden wir im Verbrauch materieller Güter mindestens das Eineinhalbfache, in der Erzeugung mindestens das Dreifache der arabischen Bevölkerung erreichen. Nichts ist gefährlicher für die Energie und den Schwung unserer Palästinaarbeit als ein künstlich gezüchteter und unberechtigter Pessimismus. Es ist nicht wahr, daß die Zeit gegen uns arbeitet. Sie arbeitet für uns — wenn wir arbeiten. Das Zukunftsbild, daß diese Zahlen für das Jahr 1950 vor uns entwerfen, ist kein Phantom und keine Utopie. Es ist das Mindestmaß dessen, was wir erreichen können und müssen. Mag Jeder dies Bild nach seinem Geschmack benennen, wie er will: Führende Stellung der Juden, binationaler Staat, jüdische Minderheit, Maximalismus, Minimalismus. Ich nenne es: Völlige Sicherung des Jüdischen Nationalheims und seines weiteren Ausbaues. An uns wird es sein, mehr in 20 Jahren zu erreichen als dieses Mindestmaß. Wenn wir in einem Jahrfünft, in einem Jahrzehnt in Palästina ein tüchtiges Stück vorwärts gekommen sind, dann können wir hoffen, daß das jüdische Werk in Palästina auch von sich aus eine so starke Anziehungskraft auf wandernde Juden ausüben wird, daß unsere Aufbauorgane die Einwanderung nicht mehr hineindrücken müssen, sondern daß sie von selbst strömt. Dann kann das Tempo der Immigration, auch wenn es im Anfang so langsam war, wie wir der Vorsicht halber annehmen, sich beschleunigen. Wenn wir die Einwanderungsquote durchschnittlich verdoppeln können, werden wir die Hälfte der arabischen Ziffer schon in zehn bis zwölf Jahren erreichen; um so besser. Oberstes Gesetz bleibt freilich, daß wir eine Einwanderung haben müssen. Unsere natürliche Vermehrung in Palästina ist nur deshalb so Koch* weil wir eine starke Einwanderung junger Xeute haben. Sobald wir weniger junge Leute nach Palästina bringen, sinkt unsere Geburtenziffer. Denn die Zahl der Kinder pro Ehe ist nicht hoch; hoch aber ist die jährliche Geburtenrate, solange junge Paare nachströmen und die ersten zwei Kinder bekommen. Die Besetzung der Altersklasse zwischen 20 und 30 Jahren ist bei uns sehr stark, und das ist unser Glück, So besteht für uns ein unlösbarer Zusammenhang zwischen Einwanderung und natürlicher Vcrmehrung. Was wird nach diesen ersten 20 Jahren sein? Das intercssiert uns jetzt sehr wenig. Was auch kommen mag — diese 20 Jahre müssen durchschritten werden. Für sie haben wir zu arbeiten und unsere Pflicht zu tun. Von den Problemen, die uns heute bewegen, war vor 20 Jahren kaum eines drängend, und in weiteren 20 Jahren werden wir andere Sorgen haben als heute. Mit den Leuten, die es eilig haben, will ich' nicht rechten; ich finde, wie Jeder, «der Palästina kennt, daß die Entwicklung rapide vorwärts geht. Genau eine Generation ist es her, seit Theodor Herzls ״Judenstaat“ erschien. In dieser einen Generatiot» (und inzwischen war Weltkrieg!) haben wir das Judentum völlig revolutioniert und die Fundamente des Nationalheims unverrückbar gelegt. Wenn wir in der zweiten Generation die Mauern aufführen und das Dach spannen, haben wir vor der Geschichte unser Werk getan. Die Leute, die nur auf die Millionenzahlen starren, haben meist nicht den Sinn für die Realität des Tausend. Wenn es uns einmal eng wird, werden wir weiten! In 20 Jahren. E. A. Felix M. Warbarg and Dr. Cyras Adler in New York New York, 17. September. (J. T. A.) Felix M. Warbürg gab nach seiner Rückkehr nach New York folgende Erklärung über seine Eindrücke von der Berliner Tagung der Jewish Agency ab: Eine Reihe von Tatsachen gibt uns für unsere künftige Arbeit neuen Mift, fn erster Reihe denke ich da an die entschiedene Erklärung Dr. Weizmanns, daß wir keine politischen Ziele verfolgen, die bei den Arabern berechtlgtc Befürchtungen erwecken können. Nach Dr. Weizmanns klarer Darlegung der Parallelität jüdischer und arabischer Interessen in Palästina wird es der Mandatarregierung leichter sein, ein Programm für Aufbau und friedliche Zusammenarbeit beider Völker zu entwerfen und auszuführen. Warburg drückte seine Befriedigung darüber aus, daß der Völkerbund an dem Standpunkt des Mandatsberichtes gegenüber den englischen Einwendungen festgehalten! habe. Das Hilfswerk der amerikanischen Juden für die Juden Osteuropas müsse fortgesetzt werden. Dr. Cyrus Adler, Präsident des American J ewish Committee, erklärte, der Völkerbund sei ein wirksames Boilwerk für den Schutz der Minderheiten. Mit Bezug auf die letzte Tagung des Administrative Committee stellte er fest, daß sich der disziplinierende Einfluß der neuen Kräfte in der Jewish Agency bereits geltend gemacht habe. "־־■ In der Kolonie B'nei'Brak wurde in der vergangenen Woche der Grundstein für das neue Viertel ״Ofwath Rokach“ gelegt. Ein amerikanischer Jude, Israel Rokach, dessen Name das Viertel trägt, hat zu seiner Errichtung eine große Summe zur Verfügung gestellt. Eine Gruppe von Kaufleuten aus Tel-Awfw und Jaffa haben in der Allenby-Straße in Tei-Awiw ein großes Grundstück erworben, um darauf ein größeres Geschäftshaus, das der Mittelpunkt eines neuen Geschäfts vierteil werden soll, zu errichten, (Ziko.) Die Juden im nat.~soz. Programm Es dürfte für die deutschen Juden an der Zeit sein, sich über die offiziell verkündeten Absichten der Nationalsozialisten klar zu werden. Das für unabänderlich erklärte Parteiprogramm vorn 25. Februar 1920 enthält 25 Punkte. Davon sind die ersten drei außenpolitischer Natur und mögen hier außer acht bleiben. Dagegen richten sich Punkt 4—8 gegen die Juden: 4״. Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse fst. Volkscnossc kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne ücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein. 5. Wer nicht Staatsbürger Ist, soir nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fremdengesetzgebung stehen. 6. Das Recht, über Führung und Gesetze des Staates zu bestimmen, darf nur dem Staatsbürger zustehen. Daher fordern wir, daß jedes öffentliche Amt . . . nur durch Staatsbürger bekleidet werden darf. . . . 7. Wir fordern, daß sich der Staat verpflichtet, in erster Linie für die Erwerbs- und Lebensmöglichkeit der Staatsbürger zu sorgen. Wenn es nicht möglich ist, die Gesamtbevölkerung des Staates zu ernähren, so sind die Angehörigen fremder Nationen (Nicht-Staatsbürger) aus dem Reich auszuweisen. 8. Jede weitere Einwanderung Nicht-Deutscher ist zu verhindern. Wir fordern, daß alle Nicht-Deutschen, die seit dem 2. August 1914 in Deutschland eingewandert sind, sofort zum Verlassen des Reiches gezwungen werden.“ Endlich richten sich noch die Punkte 23 und 24 gegen die Juden: 23״. Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen die bewußte politische Lüge und ihre Verbreitung durch die Presse, um die Schaffung einer deutschen Presse zu ermöglichen, fordern wir, daß: a) sämtliche Schriftsteller und Mitarbeiter von Zeitungen, die in deutscher Sprache erscheinen, Volksgenossen sein müssen, b) nichtdeutsche Zeitungen zu ihrem Erscheinen der ausdrücklichen Genehmigung des Staates bedürfen. Sie dürfen nicht in deutscher Sprache gedruckt werden, c) jede finanzielle Beteiligung an deutschen Zeitungen oder deren Beeinflussung durch Nicht-Deutsche gesetzlieh verboten wird und fordern als Strafe für liebertretungen die Schließung eine® solchen Zeitung®• betriebe® sowie die sofortige Ausweisung der daran beteiligten Nicht-Deutschen aus dem Reich.... 24. . . . Die Partei als solche vertritt den Standpunkt eines ositiven Christentums, ohne sich konfessionell an ein estimmtes Bekenntnis zu binden. Sie bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns. . . .“ Das ist wohl ohne Kommentar deutlich. Nur über den Gesamtrahmen, in dem diese antisemitischen Forderungen stehen, dürften einige Bemerkungen nötig sein. Das ״Herzstück des Nationalsozialismus“ ist die ״Brechung der Zinsknechtschaft“. Und was ist diese Zinsknechtschaft? Herr Dipf.-lng, Gottfried Feder, M. d. R., definiert sie in seinen offiziellen Erläuterungen zum Parteiprogramm als ״den Zustand der Völker, die unter der Geld- oder Zinsherrschaft der alljüdischen Hochfinanz stehen“. Und über die Durchführung dieser Hauptforderung nach Brechung der Zinsknecht-?Schaft,-״י die in. .der Tat, ,wie׳ ftafcr; Jtolz, ,hstvarJifM,Jb®. keiner anderen Partei ein Gegenstück1 ‘hat“, weif jeder wfrtschaftlich einigermaßen gebildete Mensch sich im 20. Jahrhundert eines solchen Blödsinns schämen muß — erfahren wir in der ebenfalls offiziellen sog. ״Federschen Formulierung“ u. a. folgendes: 16״. Befreiung des Staates und damit des Volkes aus seiner zinspflichtigen Verschuldung gegenüber dem Großleihkapital. 18. Geldbeschaffung für alle öffentlichen Aufgaben (Ausbau der Wasserkräfte, Verkehrswege usw.) unter Vermeidung des Anleiheweges durch die Ausgabe zinsloser Staatskassengutscheine bzw. auf bargeldlosem Wege. 20. Schaffung einer gemeinnützigen Bau- und Wirtschaftsbank (Währungsreform) zur Gewährung zinsloser Darlehen. 25. Behebung der Wohnungsnot durch umfangreiche Wohnungsneübauten im ganzen Reich mit den Mitteln der nach Ziffer 20 neuzuschaffenden Bau- und Wirtschaftsbank.“ Die angeführten Zitate, die sich stark vermehren ließen, zeigen wohl zur Ganüge, daß der ״Theoretiker“ der zweitstärksten deutschen Partei jemand ist, der noch nicht die allerersten Anfangsgründe der Nationalökonomie begriffen hat, — der nicht einmal weiß, daß stets das Kapital im Verhältnis zu seinen Verwendungsmöglichkeiten knapp, und deshalb der Zins als Auslesekriterium für die produktivsten Verwendiingsmöglichkeiten volkswirtschaftlich unentbehrlich ist, und der vergebens die Tatsache aus der Welt zu schaffen sucht, daß die ״Ausgabe zinsloser Staatskassengutscheine“ oder eine ähnliche Prozedur genau so wirken müßte, wie die Ausgäbe ungedeckten Papiergeldes, —- nämlich als sog. ״Schaf- Fung zusätzlicher Kaufkraft“, d. h. unbedingt in flat ionistisch. Uebrigens sind die Ideen von der Abschaffung der ״Zinsknechtschaft“ sehr alt und oft widerlegt. Aber der Dilettantismus der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik ist für uns Juden kein Trost, — im Gegenteil. Denn gerade dadurch wird der Antisemitismus zum einzigen großenteils realisierbaren Stück des nationalsozialistischen Programms! Wenn die Nationalsozialisten zur Herrschaft kommen sollten, würden sie natürlich so wenig ״die Zinsknechtschaft brechen“ wie sie die Erdumdrehung stoppen können. Aber ihr Antisemitismus, — ist er schon Wahnsinn, hat er doch Methode! Und da die versprochene ״Aufhebung der Friedensverträge von Versailles und St. Germain“ wohl auch auf gewisse Schwierigkeiten stoßen würde, so würden die Nationalsozialisten sicherlieh alle Kraft auf der Linie des geringsten Widerstandes einsetzen; gegen die Juden. A. P. Rahe In Wadi Hawarllh Jerusalem, 17. September. (J.T. A.) Wie das Hauptburo des Nationalfonds mitteilt, ist die Ruhe In Wadi Hawarith wieder vollkommen hergestellt. Die arabischen Okkupanten haben das Gebiet geräumt. Sie werden auf einem in der Nähe gelegenen 7000 Dutiam großen Bodenkomplex vom Jüdischen Nationalfonds als Pächter angesiedelt. Die jüdischen Siedler haben bereits mit der Arbeit in Wadi Hawarith begonnen. Die Ansiedlung der tausend jüdischen Familien als Kleinbauern soll in dem Plantagengebiet der Küstenebene, vermutlich auf dem Boden von Wadi Hawarith, stattlinden. DI• nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ er« scheint am 1. Oktober. Eine Umfrage Uber die Relchslagswahlen Die Jüdische Telegraphenagentur wandte sieh an verachteden« jüdische Persönlichkeiten Deutschlands mit der Bitte um Beantwortung nachstehender Fragen: Wie beurteilen Sie die neue politische Situation, nachdem fast 61/2 Millionen Wähler nationalsozialistisch gestimmt haben ■und 107 National- Sozialisten in den Reichstag einziehen? Was kann und 8011 von jüdischer Seite zur Abwehr der neu heraufziehenden Gefahren getan werden? Diese Fragen wurden u. a, von Albert Einstein, Georg Kareski, Ernst Wallach, Ludwig Hollinder, Bernhard Kahn, Kammergerichtsrat Wolff, Dr. Alfred Klee, R.-A. Heinrich Stern und Dr. Hermann B a dt beantwortet. Die Antworten stellen mit einer gewissen Uebereinetimmung fest, daß eine akute Gefahr für die Sicherheit und den rechtlichen Status der deutschen Juden nicht besteht, da der Wahlsieg der Hitlerpartei nur ein Symptom für eine verzweifelte Stimmung infolge der Wirtschaftskrise und der Arbeits- und Stellungslosigkeit sei. Die meisten Wühler, die für die Listen der Nalionäsozialisten stimmten, seien an der Judenfrage nicht interessiert. Dennoch bestünde die Gefahr einer weiteren antisemitischen Verseuchung durch die Propaganda der Hitlerpartei unter ihren Wühlern. Zur Abwehr müssen alle deutschen Juden zusammenstehen und bereit sein, die Opfer des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Boykotts, die namentlich in Provinzorten und kleineren jüdisehen Gemeinden sehr zahlreich sind, moralisch zu ermutigen und ihnen wirtschaftliche Hilfe zu bringen. Der Versuch, den Erfolg der Nationalsozialisten zu bagatellisieren, ist in keiner Antwort unternommen worden. Hingegen scheint es uns nicht richtig zu sein, wenn man sich damit zu trösten versucht, daß nicht alle nationalsozialisti* sehen Wähler an der Judenfrage interessiert seien. Darauf kommt es ja gar nicht an. Diese Wähler haben jedenfalls den radikal-antisemitischen Führern durch ihren Stimmzettel die Vollmacht erteilt, die Politik der nationalsozialistischen Partei zu treiben. Ob Schulze und Lehmann, die Wühler des Herrn Göbbels, Judenfresser sind, ist in diesem Falle belanglos. Herr Göbbels ist radikaler Rassenantisemit, und seine Wähler Schulze und Lehmann werden ihm nicht in den Arm fallen, wenn er blutrünstige Judenhetze treiben wird. Die wahre Sachlage ist leider noch viel schlimmer. Nicht nur die Wähler der Nationalsozialisten werden Hitler und Göbbels in deren antisemitischen Arbeit nicht stören, sondern auch viele Millionen anderer Wähler, die nicht für die Nationalsozialisten gestimmt haben, werden an Hitler und Göbbels am allerwenigsten deren Judenhaß tadelnswert finden. Wir sind nicht dafür, daß man sich einer Panikstimmung überlasse, andererseits möchten wir entschieden davor warnen, Vogel-Strauß-Politik zu treiben. Die durch die Reichstagswahlen enthüllte, aber nicht geschaffene Situation für die deutschen Juden ist viel zu «rast, als daß man sich gegenwärtig einem Selbstbetrug hingeben dürfte. Nach unserer Ansicht ist es die höchste Zeit, die Situation der deutschen Juden einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen und aus den gewonnenen Erkenntnissen zu lernen. Das Fortwursleln im alten Geist und mit den alten Methoden wäre ein nie wieder gut zu machender Fehler, j• r. Ein zionistischer Block Iflr die Wahlen in Polen Warschau, 18. September. (J. T. A.) In einer Konferenz der zionistischen Zentralkomitees von Kongreßpolen, Ostuqd ־WestgaMen wurde beschlossen, für die bevorstehenden zionistischen Block'zu schaffen. Nach Abgabe entsprechender Erklärungen durch den Präsidenten der Zionistischen Organisation von Polen, Jizchak Qrünbium, den Präsidenten der Lemberger Exekutive, Dr. E. Schmorak, und den Vorsteher der Krakauer Exekutive, Dr. S. Feldblum, wurde eine Reihe taktischer und technischer Fragen erörtert, die mit der bevorstehenden Wahlkampagne in Zusammenhang stehen. Die Aussichten der Juden im kommenden Wahlkampf werden allgemein pessimistisch beurteilt. Der Jüdische Klub, der im ersten Sejm 11 Mitglieder zählte, verfügte im zweiten Sejm über 46 Sitze, dazu ,kam noch ein Folkist. Im dritten Sejm saßen nur noch 19 Mitglieder des Jüdischen Klubs. Die außerordentliche Stärke des Jüdischen Klubs im zweiten Sejm war ein Erfolg des gemeinsamen Wahlblocks von Juden, Weißrussen, Ukrainern und Deutschen. Bei den Wahlen in den dritten Sejm versagte der Minoritätenblock vollständig, weil insbesondere den slavischen Minoritäten viele Wähler durch Abwanderung zur Kommunistisehen Partei verloren gegangen waren. Die Bildung eines all- . schelnüch. Die weißrussischen Führer haben heute wenig Anhang und die Ukrainer gehen in Ostgalizien selbständig vor. Die Führer der Regierungsparteien führen Unterbandlungen mit den jüdischen Parteien wegen eines Wahlpaktes. Als Vorbedingung eines solchen Zusammengehens verlangen die Zionisten Milderung der Zwangssonntagsruhe, Abschaffung der aus zaristischer Zeit übriggebliebenen gesetzlichen Beschränkungen und Oeffentlichkeltsrecht für mindestens ein hebräisches Gymnasium. Die Regierungsparteien verlangen, ohne daß sie sich bisher zur Annahme dieser Forderungen bereit erklärten, daß die Juden nur in solchen Wahlkreisen Kandidaten aufstellen, in denen die Wahl eines Juden absolut sicher ist. Führer der jüdischen Liste, die auch Vertreter der Agudah enthalten solle, müßten die ehemaligen jüdischen Mitglieder der Regierungs- Parteien Kirschbraun und Wislicki sein. Die Zionisten haben diese Forderungen der Regierungsparteien abgelehnt. Vom Bau der großen Arbeitersiedlung in Haifa. Die Zentralstelle für Arbeitersiedlungen in Haifa bei der jüdischen Arbeiterorganisation gibt ein Communiquö über den Stand der Vorbereitungsarbeiten für die Errichtung der Arbeiterliedhing in Haifa heraus. Danach wird in allernächster Zelt mit dem Bau der 200 Häuser begonnen werden, nachdem zwischen der Hypothekenbank, dem Hilfsfonds und der Exekutive Einverständnis über die Finanzierung des Projektes erzielt worden ist. Nach dem Plan wird die Errichtung der 200 Häuser einschließlich der Wasserversorgung, Anlage einer Hauptstraße und Gehsteige, sowie verschiedener kommunaler Einrichtungen die Summe von 39 500 Pfund erfordern. Von diesem Betrag übernimmt die Hypothekenbank 20000 Pfund, der Hilfsfonds 7500 Pfund, der Keren Hajessod 2000 Pfund und die Siedler 7000 Pfund; da das Eigenkapital der Gesellschaft ״Schchunath Owdim Haifa“ 1000 Pfund beträgt, soll die Beschaffung der noch fehlenden 2000 Pfund evtl, durch eine Versicherungsgesellschaft erfolgen. Die Gesellschaft hat mit den Architekten Kauffmann und Kutschinsky sowie den Ingenieuren Breuer und Wilensky Verträge über den Bebauungsplan, den Bau der Häuser, sowie die Durchführung der Bauarbeiter» abgeschlossen. Von den Sied■ lungsbewerbern sind bis jetzt 100 bestätigt worden, die ihren Anteil bereits eingezahlt haben- Eine Aerztefcommission hat über die Gesundheitsverhältnisse des Siedlungsgeländes ein sehr befriedigendes Gutachten abgegeben. (Ziko.) Frankfurt a. M., 21. September. (J.T. A.) In eine kleine Frankfurter Synagoge war während des Gottesdienstes eine Gruppe Nationalsozialisten eingedrungen, die ״Heil Hit ler“. Rufe ausstieß. Die Rowdies konnten von der herbeigerufene» Polizei nicht mehr, erwischt