Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 74-75 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 486 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74/75» 19. JX 193י Die Landeskonferenz des deutschen Hapoel ״Hazair Von M. S. Zum ersten Male seit vielen Jahren fand Sonntag, den 7. September, im Berliner Beth-Am eine ordentliche Landeskonferenz des deutschen Hapoel-Hazair statt. Lange erwartet und zweimal verlegt, gestaltete sie sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung, die noch verstärkt wurde durch die Bctcüignng einiger Führer der Arbeiterbewegung in Palästina, von denen Sprinzak, Kaplan und Bin Ourion mit eindrucksstarken Reden in die Verhandlungen, zum Teil mehrnials, eingriffen. Dreizehn Städte hatten ihre Delegierten entsandt, lieber das Ergebnis der Tagung sprechen die Resolutionen eine deutliche Sprache. Aber nicht nur der Verlauf der Tagung und ihre Ergebnisse, die eine Bestätigung des bisherigen politischen Kurses des deutschen Hapoel-Hazair darstellen, sind von Wichtigkeit. Wirksamer vielleicht war noch bei allen Teilnehmern der Eindruck, daß mit dieser eine Bewegung, die schon einmal eine Quelle großer Kraft war, sich nach einer Zeit äußerer Stagnation wieder zusammenfindet. Eine neue *Wirksamkeit 'des deutschen Hapoel-Hazair kündigt sich an, das ist der am stärksten empfundene Eindruck von der Tagung, ln der späteren Kriegszeit, als sich die Grenzen zwischen privatem Leben* und öffentlichem in fruchtbarer, gcmeinsch'aftsbiidender *Weise verflüchtigten, da bildete sich in sehr weiten Kreisen der jungen zionistischen Generation im *Westen jene* Stimmung aus, die empfänglich machte für die Botschaft der A. D. Gordonschen ״Briefe aus Palästina“', für das Postulat der persönlichen chaluzischen Tat, für die Forderung des menschlich und sozial erneuernden Charakters des zionistischen *Werkes. Dies war die Stimmung, aus der heraus innerhalb der zionistischen Bewegung Deutschlands der Hapoel-Hazair begeisterte Anhängerschaft fand, jene Partei der jüdischen Arbeiter in Palästina, die. eher einem Bund oder Orden glich, denn *einer politischen Partei. Die bewegtesten* Kreise der jungen Zionisten schlossen sich an, als in Deutschland (und anderen westlichen Ländern) in der Zeit nach Beendigung des Krieges, Organisationen mit dem Namen Hapoel-Hazair ins Leben traten, um den Geist jener gleichnamigen palästinensischen Arbeiter- und Pionierbewegung unter den, hier Wartenden zu pflegen und ihr Nachfolge zu erwecken« «4 Der Einfluß der Bewegung,׳ die ihre Menschen unverkennbar zeichnete, überrannte alles, & beherrschte den Geist des Zionismus, der auch in seinen bürgerlichen Vertretern nicht anders konnte, als sich der Intensität dieses WoUens und Bereitseins zu fügen. Die Chaluzbewegung, aus dem Geiste des Hapoel• Hazair geboren und von ihm geführt, entwickelte sich zur stärksten Kraft innerhalb der jüdischen Jugend. Die Spuren dieses Einflusses waren im deutschen Zionismus noch unverkennbar, als das organisatorische lGefüge der Bewegung — immer schon schwächer als ihre innere Intensität — nach vollzogener Ueber- Siedlung der die Organisation führenden Menschen und der ersten Chaluzgeneration nach Palästina brüchig wurde und sich schließlich fast aufgelöst hatte, Als im vorigen Jahre die schreckenerregenden Nachrichten aus Palästina kamen, da zeigte sich beim ersten Zusammentreffen einer größeren!zionistischen Körperschaft in Deutschland, daß ohne organisatorischen Zusammenhang, ja, ohne jede vorangegangene Verständigung die Angehörigen des Hapoel- Hazair eine erstaunlich einheitliche Haltung vertraten. Es war die gleiche Haltung, die den Hapoel-Hazair schon immer charakterislert hatte und. gleich auf dem ersten Nachkriegskongreß ■ m jepsjp im ,N*mef|d«tHI*ladn1tb-»׳״iMatt|n, Jäubej•, vor geta* geheH'ReiöTüttbifut ief.'AraMrfrage führte, dfe — Jamals'vom Kongreß gebilligt inzwischen zu solcher Bedeutung gelangt ist. Die Erkenntnis‘»einer!תeuen gemeinsamen Aufgabe war es, die den Zusammenhang * im י deutschen Hapoel-Hazair wieder stärkte und das: Bedürfnisfnach!erneuter systematischer Tätigkeit erzeugte. . * Die Haltung,; die ,der!deutsche Hapoel-Hazair in diesem letzten Jahre vertreten5 hat,* ist den Lesern dieser Zeitung bekannt: sein unbeirrtes;Eintreten für eine konstruktive und aktive Politik der Verstand!- gung mit denArabern; für eine Neuorientier u n g der zionistischen politischen Theorie und Praxis; gegen Illusionäre Zielsetzungen mit ihren politisch wie erzieherisch verderbliehen Wirkungen? fürfein realpolitisches, aus den besten seelischen und moralische ״Kraftquellen des Zionismus gespeistes Planen und Vorgehen, das zu gleich! m Einklang istmltden zukunftsgestaitendenKr.äfteninunsererZeit, mit dem Sozialismus. Mit *dieser Haltung hat sich der Hapoel-Hazair leider im Gegensatz zu gewissen Kreisen der zionistischen Bewegung befunden, oft auch —- und das war ihm besonders schmerzlich — zu manchen Genossen in Palästina. Die Konferenz, die bereits im Frühjahr stattfinden sollte, als mehrere maßgebende Chawerim aus Palästina sich in Europa aufhielten, sollte zeigen, ob die vom Zentralen Waad ein1• gehaltene politische!Linie die Billigung der Chawerim findet; sie sollte ferner der Klärung jener scheinbaren oder wirklichen Gegensätze dienen, die zwischen der» Chawerim in Palästina und Deutschland entstanden* waren. Ueber den Verlauf der Konferenz, deren Verhandlungen sieh bis in die späten Abendstunden fortsetzten, ist folgendes zu berichten: Nach Begrüßung der Konferenz durch den Vorsitzenden des Zentralen Waad, Dr. Georg Landaue־׳, und nach Wahl des Präsidiums Stiebet (Hamburg), Wolf heim (Erfurt), Landauer, begründete in einem längeren Relerat ״Zur weitpolitischen Lage des Zionismus“ Landauer die vom Zentralen Waad bisher befolgte politische Linie. In seinem Korreferat distanzierte sieh Elieser Kaplan (vom Hauptbüro der Hitachdutli in Palästina! in manchen Punkten vom Standpunkt des deutschen Hapoel-Hazair und vertrat ihm gegenüber die von der Histadruth in Palästina befolgte Politik. Eine sehr lebhafte Debatte, an der sich u. a. Ollendort, Ilberg (Braunschweig), Blumberg, Noack (Gotha), Ascher und Spitzer beteiligtcn, fand ihren Abschluß in ausführlichen und eindrucksvollen Darlegungen der palästinensischen Chawerim Sprinzak und Bin Gurion. Die Debatte, sowie die einstimmige Annahme der Resolutionen zeigten, daß die bisherige Politik desZcntralen Waad gebilligt wird. Von besonderer Bedeutung war dis Teilnahme der palästinensischen Chawerim, deren Ausführungen von den Delegierten und den zahlreichen Gästen mit besonderer Aufmerksamkeit angehört wurden. Es zeigte sich und wurde mehrfach von den Rednern der Histadruth selbst betont, daß die Ansichten zur Araberfrage innerhalb der Histadruth keineswegs einheitlich sind und daß die Meinungsbildung in dieser Hinsicht noch nicht abgeschlossen ist. Die Aussprache mit dem Schlußwort Landauers hat jedenfalls zur Klärung der Meinungen sehr viel beigetragen und die Hoffnung erweckt, daß in naher Zukunft auch im Punkte der Araberfrage die volle Ein- Helligkeit zwischen den Meinungen der Chawerim des deut* sehen Hapoel-Hazair und denen der Histadruth, zu der die Konferenz sich erneut in voller Solidarität bekannte, wiederhergestellt sein wird. Me Atmosphäre ist jedenfalls gereinigt, das Vertrauen ist wiederhergestellt, und es dürfte in Zukunft wohl nicht mehr Vorkommen, daß der ״Dawar" mit dem Hapoel- Haza'ir in einer Weise polemisiert, die in der Konferenz von einem führenden palästinensischen Chawer selbst als ungerechtfertigt und unzulässig bezeichnet worden ist Außer mit dem politischen Problem hatte sich die Konferenz auch noch mit der Frage des lehud und mit Organisationsfragen zu beschäftigen. Das Ichud-Referat erstattete Eli Ascher. Aus dem Referat, der anschließenden Debatte und den gefaßten Be* Schlüssen geht der Wille zu beschleunigtem Ichud in Deutschland hervor, wo ja manche in anderen Ländern bestehenden Schwicrigkeiten der Vereinigung der Hitachduth mit Poale Zion fortfallen. Das Organisationsreferat konnte aus Zeitmangel nicht mehr gehalten werden. Das ist um so bedauerlicher, als die Konferenz selbst stimmungsmäßig einen ausgezeichneten Ausgangspunkt für die Wiederbelebung des organisatorischen Gefiiges bedeutete. Die Frage wurde der nächsten Vollsitzung des neuen Zentralen Waad, die gleichzeitig mit der nächsten Sitzung des Landesvorstandes der Z. V.f, D. in Berlin stattfinden soll, überwiesen. Mit der Wahl eines neuen Zentralen Waad und eines Ar* beitsausschusses wurde die Konferenz in befriedigter Stimmung spät abends geschlossen. (Die auf der Konferenz angenommenen Resolutionen sind schon in Nr. 72 der ״Jüdischen Rundschau“) wiedergegeben worden.) Weltkongreß für das arbeitende Palästina Jüdischer Arbeiter-Weltkongreß Von Dr. S. KaHko, Berlin. Wie bekannt, tritt der Weltkongreß für das arbeitende Palästina am 27. September d. J. in Berlin zusammen. Endlieh ist es der Histadruth gelungen, ihren schon seit langem bestehenden Beschluß, einen Kongreß, der vor allem > die gesamte jüdische Arbeiterschaft um das Aufbauwerk in Palastina konzentrieren soll, zu verwirklichen.־; Erfreulicherweise hat der Gedanke eines Weltkongresses in sehr kurzer Zeit einen außerordentlich starken Widerhall in sämtlichen Kreisen der jüdischen Arbeiterschaft der ganzen Welt gefunden. Es läßt sich schon jetzt mit Sicherheit behaupten, daß dieser Kongreß eine imposante Kundgebung aller im jüdischen Volke vorhandenen schaffenden Kräfte für das Arbeiterwerk in Palästina werden wird. Dieser Kongreß wird zeigen, daß das arbeitende Palästina nicht nur Sache der jüdischen Arbeiter-, schaft im Lande, sondern Gemeingut der gesamten jüdischen; Arbeiterschaft ■und der ihr nahestehenden Kreise in allen Galuthländern ist. Das Wesentliche des Kongresses jedoch wird nicht seine demonstrative Wirkung sein, der Kongreß wird vielmehr eine große Anzahl von schwierigen und komplizierten Fragen zu lösen haben. Es ist nicht möglich, im Rahmen eines kurzen Aufsatzes auf den gesamten Fragenkomplex um das Arbeiterwerk in Palästina einzugehen. Ein kurzer Hinweis auf die Haupt- Probleme möge genügen, um die ganze Schwere der Aufgaben zu zeigen. Der schwere politische und wirtschaftliche Kampf, den die Histadruth, als Trägerin der organisierten jüdischen Arbeiterschaft im Lande, mit der palästinensischen Administration zu führen hat, der Kampf für eine freie ^lijah, für eine moderne Arbeitergesetzgebung, Agrarreform einers e i t s , und die Auseinandersetzungen mit dein bürgerlichen Zionismus, den immer wachsenden Zerstörungstendenzen des Revisionismus, die die Grundlagen des organisierten Willens der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zu untergraben versuchen, der Kampf gegen alle diejenigen Kräfte im Zionismus, die di« Basis der jüdischen Arbeiterschaft im Lande ZU schmälern versuchen — andererseits — dies alles hat' die jüdische Arbeiterschaft in Palästina in eine Defensive gebracht, die eine Konzentration aller Energien und Kräfte erfordert, um den Kampf zu einem siegreichen Ende zu führen. Es wird die Aufgabe des bevorstehenden Kongresses sein, nicht nur die moralischen Kräfte, die Sympathien für das Arbeiterwerk in Palästina zu mobilisieren, sondern auch die Organisierung der materiellen Hilfe, wie Stärkung der Aktionen für die Arbeiterinstituiionen im Lande und finanzielle Unterstützung der Unternehmungen der Histadruth, zu bewerksteliigen. Die Mobilisierung der jüdischen Arbeiterschaft für das Palästinawerk wird die Uncrscnütterlichkeit des kollektiven Willens der jüdischen Arbeiterschaft zum Ausdruck bringen, die Mobilisierung der internationalen sozialistischen Ocfientiichkeit wird ein Mahnruf an die sozialistische Welt und vor allem an die Labour-Regierung in England zur Erfüllung ihrer Pflicht gegenüber der jüdischen Arbeiterschaft sein, wird das proletarische Gewissen und die internationale Solidarität aller unserer Freunde wecken. Der Weltkongreß kann sich! aber nicht nur auf die Behandlung der Fragen des jüdischen Aufbauwerks in Palästina beschränken. Eng verbunden mit dem Schicksal des jüdischen Arbeiters In Palästina ist das des jüdischen Arbeiters in der Diaspora. Ein tiefgreifender Verdrängungsprozeß, der den jüdischen Arbeiter aus seiner wirtschaftlichen Position herausstößt, schreitet in den letzten Jahren mit Riesenschritten in allen Ländern der Welt — Amerika nicht ausgeschlossen — vorwärts. Aufgaben der Umschichtung und Produkt{vierung der deklassierten jüdischen Massen, Fragen der Agrarisierung und Emigration stehen heute in einer noch nicht dagewesenen Schärfe vor der jüdischen Arbeiterschaft. Diese Probleme können von der jüdischen Oeffentlichkeit der betreffenden Länder allein kaum gelöst werden. Auch sie fordern eine Organ!- sierung aller Kräfte, auch sie können nur von einem Kongreß mit Erfolg behandelt werden. Der Gedanke eines jüdischen Arbeiter-Weltkongresses ist eigentlich nicht neu. Bereits vor 25 Jahren ist diese Frage im der jüdischen Oeffentlichkeit erörtert worden. Die poalezionistische Partei Rußlands hat schon im Jahre 1906 die Einberufung eines Weltkongresses der jüdischen Arbeiterschaft in ihr Programm aufgenommen. Dieses Bestreben wurde späterhin auch von anderen Organisationen und Parteien unterstützt, konnte jedoch infolge der Gegnerschaft der assimilatorischen Kreise, sowohl von rechter als auch von linker Seite, nicht realisiert werden. Die jüdischen assimilatorischen Kreise sahen in einem derartigen Kongreß, der die Einheit des jüdischen Volkes und des jüdischen Proletariats bekunden sollte, einen offenen Widerspruch gegen ihre programmatische Auffassung vom Wesen des Judentums. Im August 1914, kurz nach Ausbruch des Weltkrieges, begann der Weltverband der Poale Zion in U. S. A. mit der Agitationsarbeit für einen jüdischen Weltkongreß, dessen Hauptaufgaben der Kampf für die nationalen und sozialen Rechte des jüdischen Volkes, die Regulierung der jüdischen Emigration, die Durchführung einer planmäßigen jüdischen Kolonisation und Umschichtung sein sollten. Dieser Gedanke fand warme Aufnahme und starken Widerhall unter der jüdischen Bevölkerung der U. S. A. Der Ausgang des Welt- Krieges, die ungeheure Zerstörung im jüdischen Leben Osteuropas, die die Notwendigkeit einer ״raschen Hilfe“ ln den Vordergrund rückte, ließen den Gedanken an einen Kongreß zurückstellen, jedoch hat die jüdische Arbeiterschaft, insbesondere ihre zionistisch-sozialistischen Schichten, diese Idee nie aufgegeben. Und es will scheinen, als sei es gerade jetzt an der Zeit, den Gedanken wieder aufzunehmen und ihn einen Schritt weiter zu seiner Verwirklichung zu bringen. Der Weltkongreß für das arbeitende Palästina kann der Auftakt zu einem Weltkongreß der jüdischen Arbeiterschaft werden. Der Kongreß vom 27. September, auf dem sich die Vertreter fast der gesamten jüdischen Arbeiterschaft der Welt treffen werden, an dem sich ferner Vertreter auch nichtzionistischer Arbeiterbewegungen und — last not least — der größte jüdische Gewerkschaftsound der U. S. A. (der mehr als 250 000 Mitglieder zählt) und Führer der Internationalen sozialistischen Bewegung wie Longuet, Pierard, Sassenbach u. 8. m. beteiligen werden, kann die notwendige organisatorische Vorbereitungsarbeit für einen jüdischen Arbeiterkongreß leisten, kann alle Voraussetzungen und eine gesicherte Grundläge für einen derartigen Kongreß schaffen. Die Losung des Kongresses vom 27. September muß sein; Vom Weltkongreß für das arbeitende Palästina — zum Weltkongreß der jüdischen Arbeiterschaft! # Von verschiedenen Seiten ist für die Feststellung der deutsehen Delegation zum Weltkongreß für das arbeitende Palästina, der am 27. September in Berlin eröffnet wird, eine Wahl verlangt worden. Erst die nächste Sitzung des deutschen Komitees wird endgültig über diese Frage entscheiden. Es ist wahrscheinlieh, daß Wahlen stattfinden werden. Ohne dem endgültigen Entschluß vorgreifen zu wollen, müssen alle Gruppen und Chawerim die Wahlvorbereitungen treffen, um gegebenenfalls die Wahl technisch zu ermöglichen: 1, Die noch nicht abgerechneten Wahlblocks müssen spätestens Montag, den 22. September 1930, int Büro der Liga für das arbeitende Palästina, Berlin N 24, Auguststr. 17, IV (Post- Scheckkonto Eduard Bernstein, Palästina-Arbeiterfonds Nr. 152083) abgerechnet sein. Nur diejenigen Wahlkarten haben auf Grund der Nummer Wahlberechtigung, deren Erlös bis zum Montag, dem 22. September, eingeschickt ist. (Die letzten Geldsendungen müssen den Poststempel Montag, den 22. September, tragen.) 2. In allen Städten mit über 100 Wahlberechtigten finden Ortswählen statt. An Hand der Blocks muß in diesen Städten eine Wahlliste angefertigt und allen Wahlberechtigten der Termin und das Wahllokal bekanntgegeben werden. Die Wahlliste muß vorher in einem öffentlichen Lokal ausgchängt werden. Die Wahl findet ln allen Städten mit Ortswähl am Donnerstag, dem 25. September, statt, in allen i l Städten muff sofort dne paritätische Wahlkommission ge- V1 bildet weMea, * 3. in allen Städten * ohne mündliche Wahl und für alle einzelnen Chawerim finden sdtriftHche Wahlen statt. Auch hier haben nur Wahlkarten Gültigkeit, deren Erlös bis zum 22. d. M. abgesandt wurde. Die Wahlerklärung muß in einem zweiten geschlossenen Kuvert zusammen mit der Wahlkarte am Donnerstag, dem 25. September 1930, an das Büro eingeschickt werden. Nur Wahlerklärungen, die den Poststempel vom 25. 9. tragen und die bis zum 22. 9. bezahlt sind, haben Wahlgültigkeit. 4. Im Falle der ,Wahl ergehen nähere Instruktionen. 5. Bei einer Wahl finden voraussichtlich Ortswahlen statt In: Berlin, Breslau, Chemnitz, Frankfurt a. M., Köln a. Rh., Königsberg (Ostpr.), Hamburg, Leipzig. 6. In Berlin findet die Wahl in folgenden Wahllokalen von abends 6 Uhr bis 10 Uhr am Donnerstag, dem 25. September 1930, statt: Büro des Hechaiuz, W 15, Meineke- Straße 10, Beth Am Iwri, Charlottenburg, Grolmanstr. 36, Heim des Brlth Haolim (I.I.W.B.) N24, Große Hamburger Straße 17, Büro der Liga N24, Auguststr, 17 IV. Weltkonferenz des Haschomer Hazair. An die Referate, die in den ersten Sitzungen der III. Weltkonferenz des Hascho* mer Hazair gehalten wurden, knüpfte sich eine lebhafte Ausspräche. Sie nefaßte sich mit der Entwicklung der Haschomer- Bewegung im Westen und mit dem in Palästina begründeten Erziehungsbund, mit dem Brlth Haimar. Am zweiten verbandlungstage referierte Choson (Palästina) über die Orientie-' rung des Haschomer Hazair in Palästina und betonte die konsequente zionistisch-sozialistische Ziel- Setzung des Bundes, die Schaffung einer selbständigen jüdischen Wirtschaft und die Wichtigkeit einer jüdischen Mehrheit in Erez-Israel. Die Gleichsetzung beider VöIkerschaften, die allein die Verwirklichung des Zionismus ermögliche, sei dabei eine unabweisliche Bedingung. Der Hasehomer Hazair befürwortet irr Prinzip die Konzentration in Palästina, ist aber der Ansicht, daß diese Vereinigung nicht nur einen organisatorischen Charakter tragen dürfe, sondern daß die Schaffung eines gemeinsamen ideologischen Inhaltes Grundbedingung sei. Darum bleibt der Haschomer Hazair ein treues und aktives Mitglied der Histadruth, besteht aber auf seiner vollkommenen Unabhängigkeit von der Miflegeth Poale Erez-Israel, um in allen Erziehungs- und ideologischen Fragen Selbständigkeit zu bewahren. Als Korreferent sprach S c h i 11 (Palästina), der den Eintritt des Haschomer Hazair in die Arbeiterpartei befürwortete und sich für die Notwendigkeit stärkster Konzentration der Arbeiterklasse in Palästina aussprach. Kleine Nachrichten In Haifa wurde eine jüdischarabische Ge- Seilschaft zur Beförderung von Reisenden und Gütern vom Hafen aut die in der Bucht liegenden Schiffe und zurück gegründet. Als Arbeiter der Firma werden u. a. auch jüdische Lastträger aus Saloniki beschäftigt, die dort schon in dem gleichen Berufe tätig gewesen waren. (Ziko.) Der Emir Abdallah von Transjordanien hat in der vergangenen Woche Jerusalem besucht, wo er Gast des stell vertretenden High Commissioners Sir Davies war. Der Besuch wird von der Presse in Zusammenhang mit den Bewegungen der arabischen Stämme an den Grenzen Transjordaniens gebracht. ׳ Jerusalem, 61. September. (J. T, A.) Der Kommandant der palästinensischen Polizei, Mavrogodato, begibt sich im Laufe dieser Woche nach London, um 200 Polizisten für Palästina anzuwerben. Gleichzeitig werden 200 Polizisten, die nach den vorjährigen Unruhen nach Palästina gekommen waren, nach der Heimat entlassen. London, 16. September.*1 (J.T.Ä.) Generalleutnant Sir Louis Bois, der frühere Generalstabschef Lord Allenbys und Militärgouverneur von Palästina im Jahre 1920, ist gestorben. Während seiner Amtsführung fanden zum erstenmal in Palästina Ausschreitungen gegen die Juden statt. Die Geburten- und Sterbeziffern der Stadt *T e 1 - A w i w für die Zeit vom September 19® bis September 1929 weisen 1905 Geburten und 623 Todesfälle auf, gegenüber 1740 Gebürten und 580 Todesfällen im vergangenen Jahre auf. Die statistischen Ziffern zeigen neben der erhöhten Geburtenzahl dne verminderte Kindersterblichkeit. Unser langjähriger Gesinnungsgenosse Prof. Dr. Opet in Kiel ist zum ordentlichen Professor ernannt worden.