Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 73 (16.9.1930)
- Date
- 1930-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 73, 10. IX. 1630 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 481 Sejmwahien In Polen Von unserem Berichterstatter. *־־•g. Warschau, 9. September 1930, Die Auflösung des Parlaments und die Ausschreibung der Neuwahlen für den 16. November bewirkten, daß schon in den ersten Septembertagen das politische Leben In Polen sich stark zu regen begann. Kaum sind die zionistischen Führer von den Berliner Tagungen zurückgekehrt, sind sie schon gezwungen, landespolitische Entscheidungen von größter Tragweite für die polnischen Juden zu treffen. Denn die Beschlüsse der Zionistisehen Organisation werden auch für alle anderen jüdischen Parteien maßgebend sein. Die schwierige Situation der polnischen Judenheit wurde in diesen Blättern oft geschildert. Das nun schon fünf Jahre andauernde Regime des Marschalls PilsUdski hat den Juden, trotz Erwartungen und Versprechen, keine Besserung ihrer Lage gebracht, ja gerade in den letzten Jahren ist eine Verschlimmerung zu verzeichnen. Es ist noch nicht die Zeit gekommen, das Kapitel ״Die Regierung Pilsudskis und die Juden״ abzuschließen, aber schon Jetzt muß festgestellt werden, daß die Juden von dieser Regierung, der sie die größten Sympathien entgegenbrachten, viele harte Enttäuschungen erlebt haben. Was hilft richtige Einsicht und Erfassung des jüdischen Problems, die man hfe und da im Kreise Pilsudskis findet? So hat z. B. der Chef der Ostabteilung im polnischen innenministerium, Tadetis Holöwko mehrfach die Gerechtigkeit der jüdischen Postuiate anerkannt, die Zionisten als den einzigen ernsten fortschrittlichen Faktor im jüdischen Leben bezeichnet (s. ״J. R.“ vom 5. August 1930). Aber derselbe einflußreiche Staatsmann hat unlängst in Wilna und in anderen Randgegenden in Gesprächen mit Vertretern der jüdischen Bevölkerung offen zugestanden, daß die Juden keine Verwirklichung ihrer gerechten Forderungen zu erwarten haben. Das jüdische Schulwesen wird nicht subventioniert werden können, da erstens die Juden selbst Schwierigkeiten (?) bereiten, zweitens aber das Staatsbudget dazu nicht imstande wäre. Die Juden müssen auf ihre Forderung, zu Staatsposten zugelassen werden, verzichten, da die Polen selbst eine Ueberproduktlon an Intelligenz auf* weisen und keine freie Posten vorhanden seien. Es wäre gewiß für die Juden von Nutzen, wenn sie staatliche Kredite bekamen, die Staatskasse sei aber leer... Die Zwangssonntagsruhe treffe zwar die Juden sehr hart, die Regierung sei aber in dieser Frage gebunden, und nur unbedeutende Aenderungen dieses Gesetzes wären möglich. Diese offenherzige Antwort bekamen die Juden zu hören von einem, der das Problem richtig beurteilt und ausgezogen ist, um die Juden für die Partei Pilsudskis zu gewinnen. Auch diejenigen, die im Jahre 1928, während der letzten Sejmwahien, diese Partei offen unterstützten (es war dies die ״Agudah“ und manche jüdischen wirtschaftlichen Organisationen), sind jetzt so weit, ihre Meinung zu Indern. Zumal die Regierungspartei auch nicht! zugehen um Die von jeher von zionistischer Seite propagierte Losung selbständigen, würdigen Auftretens im politischen Kampfe wird jetzt von fast sämtlichen jüdischen Parteien anerkannt. Zumal die allgemeine politische Situation in Polen sich jetzt so ge■ staltet hat, daß sich die polnische Gesellschaft in zwei sich aufs schärfste bekämpfende Lager trennt: die Regierungspartei, die sogenannte ,,Sanationspartei“und die Opposition von der rechten Nationaldemokratie bis einschließlich den polnischen Sozialisten. Es ist der entscheidende Kampf um die Macht im Staate. Die Juden können und dürfen sich keinem dieser Lager anschließen, wenn sie auch klar und deutlich für Demokratie und Parlamentarismus eintreten, - ׳. •׳.. Dm Gefahren, die die geltende Wahlordnung für die zer« arbeit beteilige, bleibt nur zu wünschen, daß sämtliche zionistisehen Parteien eine rationelle Arbeitsteilung beschließen und streng darüber wachen, daß die Palästina-Arbeit In Polen mögliehst wenig Schaden leide. Der Verband Schomre Schabbos an den Völkerbund Das Präsidium des Weltverbandes der Schomre Schabbos sandte ein Schreiben an den Völkerbund, In dem es dem Völkerbund nachstehende Resolution zur Kenntnis bringt: Der in Berlin vom 24. bis 26. August 1930 tagende Sabbath- Weltkongreß hat sich mit der geplanten Kalenderreform eht* neiitgung des siebenten Wochentage! im göttlichen achöpfungswerk unlöslich verankert ist. richtet der Weltkongreß den Appell an die gesamte Kulturwett, im besonderen an alle In* stanzen, die sich mit einer Abänderung des Kalenders befassen, diese in einer Weise durchzuführen, durch die die Unverrückbarkeit des Sabbaths gewährleistet wird. Unerträgliche Seelennot müßte für die gesamte Judenheit die Folge sein, wenn der Kalender durch Einsetzung eines Blankotages einen beweglichen Sabbath vorsähe. einen technischen Block sämtlicher nationaler Minderheiten in Polen geschlossen. Die Zionisten Galiziens waren Gegner eines solchen Blocks und sind selbständig, und zwar mit Erfolg, aufgetreten. Nun haben die letzten Wahlen den Juden bittere Enttäuschungen gebracht. Die im Block zusammengeschlossenen Ukrainer und Weißrussen haben in den Randgebieten vollständig versagt. Zionistisdierseits wird jetzt, mit kleinen Ausnahmen, die Idee eines Minderheitenblocks nicht mehr befürwortet. Doch ist es nicht ausgeschlossen, daß in den westlichen Gebieten sowie z. B. im Lodzer Wahlbezirk ein Block mit den Deutschen zustande kommt. S sehen Blocks für die bevorstehenden Parlamentswahlen lanciert. Bei den Ergänzungswahlen in manchen Bezirken, die im letzten Jahre stattfanden, stellte sich heraus, daß nur die Zionistische Organisation imstande sei, große jüdische Massen in Bewegung zu setzen. Dies und Erwägungen prinzipieller Natur veranlaßten zionistische Führer, einen Wahlblock mit anderen jüdischen Parteien, insbesondere mit der Agudah, abzulehnen. Nun ergeben aber nüchterne Ausrechnungen, daß bei meh• reren getrennten jüdischen Listen zwar nur Zionisten Aussicht haben, ihre Kandidaten durchzubringen, deren Zahl könnte aber“ nur sehr gering sein. Eine Konsolidierung und Zusammen- Schließung der bestehenden allgemein-zionistischen Organiaationen in Polen und eine Vereinigung mit sämtlichen zionistisehen Föderationen zwecks gemeinsamen Auftretens ist jedoch der erste Schritt, der zu tun wäre. In diesem Sinne hat sich schon der zionistische Parteirat in Warschau und die Zentralkomitees.der allgemein-zionistischen Organisationen in L e m* b e r g und in Krakau , wie auch die Leitungen des ״Misrachi“ und der ״Hitachduth“ ausgesprochen. Im Augenblick finden in Warschau Beratung en dieser Instanzen statt. Wiederum stellt es sich heraus, daß das zionistische gemeinsame Band stärker ist als alle anderen Momente taktischer oder persönlicher Natur. Große Meinungsverschiedenheiten sind aber noch, was den. allgemeinen jüdischen Wahlblock betrifft, vorhanden. Die Mehr* heit der Zionisten Kongreßpolens sind Gegner, die Mehrheit aber der Zionisten Galiziens Anhänger eine® gemeinsamen Auf* tretens sämtlicher jüdischer Parteien. Schon die nächsten Tage dürften Klarheit darüber bringen, welcher Teil die Oberhand gewinnen wird. Der ״Bund״ und die ״Poale*ZI0n״*Li ftke kommen natürlich als Telle eines solchen Blocks nicht in Betracht. Diese Parteien sind aber auch nicht in der Lage, bei selbstin• digem Auftreten auch nur ein einziges Mandat zu erlangen. Der ״Bund“, welcher schon offiziell seinen Eintritt in die zweite Internationale beschlossen hat, erwartete, daß die oolnis/chen und deutschen Sozialisten ihn als Verbündeten in ihren Wahlbf oeje auf nehmen werden. Man deklamierte ja so oft Tzeidersrits sorialiitische Solidarität. Nun hat die polnische Sozialdemokratie einen Block mit dem polnischen bürgerlichen Zentrum geschlossen und der ״Bund“; blieb natürlich draußen. Er appelliert Jetzt an die sozialistischen Parteien der nationalen Minderheiten, aber es ist sehr zweifelhaft, ob diese sich auf sozialistischer Platt- 1 form zusammenschließen werden. Es ist^vom zionistischen Standpunkt zu bedauern, daß die ',7ahlbewegfung für drei Monate die zionistischen Energien in |f‘‘“nspruch nehmen wird. Da aber diese Tatsache von anderen! frTktoren herbeigeführt wurde und es in Polen ausgeschlossen 0X t, da& «ich die Zionistische Organisation nicht an der Wahl- NEUIS LAND, FRIEDLICHE!! AUFBAU! Zur Rosdi Hasdianah'Ahflon Der Appell der Z. V. £ D, Alle Organe der Zionistischen Organisation, die Ortigruc pen und die politischen Verbände sindverpflichtet, rieh in diesen Tagen an Ihre Mitglieder mit der Aufforderung zu wenden, für dl• Rösch Hasehanah-Aktion des Keren Kajemeth zu arbeiten. Ohne nationalen Boden wäre eine Kolonisation von Chaluzlm unmöglich gewesen. Auch in Zukunft wird der Keren Kaiemath bei der Ansiedlwtg von Pionieren, die ohne eigene Mittel, aber ausgestattet mit Idealismus, Arbeitswillen und Arbeitsfähigkeit bis Land kommen wollen, die entscheidende Rolle spielen müssen. Der gegenwärtige Augenblick verlangt die höchste zionistische Aktivität. Die jüdischen Positionen im Lande, unsere Hoffnungen auf Herstellung friedlicher und befriedigender Zustände hingen davon ab, daß wir in dieser kritischen Zeit zionistischer Entwicklung voll von Zuversicht, stark durch einheitliches Wollen, aufzutreten vermögen. Das deutlichste Zeichen für unseren ungebrochenen Willen Ist die treue Pflichterfflllung aller Zionisten, sind die auch bei schlechten Wirtschaftliehen Verhältnissen gesteigerten Eingänge für unsere Fonds, die wirksamsten Instrumente unserer politischen Arbeit. Die Aktion des Keren Kajemeth soll ein Prüfstein für die innere Geschlossenheit des deutschen Zionismus werden. Es Ist unsere erste große Anstrengung im neuen Ar- b#tt»f«'hf.״.י״!■״־-■•-׳״, '־'־־׳“ '׳־״■ ■ . -... Jede Keren Ka/emeth-Sammlung ist in enter Linie ela organisatorlsches Problem. Sie muß in kurzer Zeit durchgeführt werden und kann daher nur gelingen, wenn Jeder organisierte Zionist in den für die Sammlung entscheidenden Tagen seine Zeit dem Keren Kajemeth zur Verfügung stellt. Ussischkin, der am stärksten und wirksamsten für die Idee des nationalen Boden! in der zionistische!! Welt eingetreten ist, ist während der Aktion unser Gast. Das Ergebnis der Reich Hasehanah-Aktion soll zugleich ein Gruß und Dank an ihn •ein! Zionistische Vereinigung für Deutschland Kurt Blumenfeld Der Ueberfallene ist schuldig. Aus Targu-Frumos, Rumänien, wird gemeldet, daß der dortige Richter 35 Juden, die sich gelegentlich des ueberfalles der cuzistlschen Studenten (nach der Wahl Cuzas ins Parlament) zur Wehr gesetzt hatten, wegen ״einfacher Störung der Ordnung“ unter Artklage gestellt hat. Ursprünglich lautete die Anklage auf ״Störung der Ordnung“; dagegen hatte aber der Staateanwalt Einspruch erhoben, worauf die Anklage auf ״Einfache Störung“, welche dem Gesetze nach nur ein ״Delikt“ ist, erhoben wurde. Moskau, 11. September. (J.T. A.) Das Präsidium des Zentral-Exelcutiv-Komitees gibt bekannt, daß Sowjetbürger, die aus dem Auslande Geld in Form von Erbschaften, Aus* Zahlung von Versicherungssummen, Alimenten oder Geldunter- Stützungen von Freunden und Verwandten erhalten, dadurch nicht des Wahlrechtes und der anderen Bürgerrechte verlustig gehen. Bisher pflegte man Personen, die Geldzuwendungen aus dem Auslande erhielten, zu den ״nicht arbeitenden Elementen“ zu zählen und ihnen das Wahlrecht vorzuenthalten. Die Fortführung der organisierten Emigranten• hilf e und die Regelung der jüdischen Wanderung durch die vereinigten Gesellschaften ״Hias-Ica-Emigdirect“ ist neuerdings In Frage gestellt werden, da sich Hias infolge der Krise in Amerika veranlaßt gesehen hat, seineZuschüssefürdas Hicem-Werk bis auf weiteres eint »Stellen. Wese Tatsache hat in den europäischen jüdischen Kreisen, die sich mit Fragen der jüdischen Emigration befassen, Bestürzung hervorgerufen. In einer vor einige« Tagen in Berlin stattgefundenen Zusammenkunft dieser Kreise mit den Vertretern der Jüdischen Presse wurde die neu geschaffene Lage eingehend besprochen und £um Ausdruck gebracht, daß die Maßnah von Hias dazu angetan td, die Jüdische Emigration wieder den alten anarchischen Zustand zu versetzen. Eine Erklärung Georg Kareskfs Herr Direktor Kareski ließ am 11. September durch die JTA. folgende Erklärung verbreiten: .,Um mißverständlichen Deutungen, wie sie in diesen Tagen bei verschiedenen Gelegenheiten zu meiner Verwunderung zutage getreten sind, vorzubeugen, lege ich Wert auf die Fest- Stellung, daß weder die Jüdische Gemeinde zu Berlin, noch die Jüdische Volkspartei, noch die Zionistische Vereinigung für Deutschland mit meiner Kandidatur auf der Reichstagsliste des Zentrums irgendetwas zu tun haben. Diese Stellen sind um ihre Stellungnahme von mir nicht befragt worden und meine Zugehörigkeit zu ihnen kann andererseits naturgemäß die Freiheit meiner Entschließung in den Dingen des deutschen politischen Lebens nicht beeinträchtigen.“ Kleine Nachrichten Genf, 7. September. (J. T. A.) Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung der Verkehrskommission des Völker- Bundes steht auch die Frage der Kaienderreform. Die Kommission beschloß ohne Debatte einstimmig, eine Diskussion der Kalenderreformfrage vom religiösen Standpunkt zu vermeiden. Eihe in Tel-Awiw von der Industrlellenvereini- ■ung einberufene Versammlung von jüdischen Kaufleuten, iniustriellen Unternehmern und Landwirten sprach sich gegen die geplante Einführung einer Einkommensteuer durch die Regierung aus. Die Ausbreitung der Hitlerbewegung in Deutschland wirft ihre Schatten auch nach Oesterreich. Die österreichischen Hakenkreuzler rufen durch ihr Organ ״Deutschösterreichi* sehe Tageszeitung“ die zehntausende völkischer Turner auf, aktiven Antisemitismus in breite Volksschichten hinetnai* tragen. Es soll auf geschäftlichem wie auf gesellschaftlichem Gebiet ein rücksichtsloser Judenboykott einietzen. Kunstpreise sollen an Juden nicht vergeben, jüdische Aerzte und jüdische Advokaten sollen nicht beschäftigt werden. Bisher sind die Wiener Justizbehörden gegen diese Agitation nicht eingeschritten. Rabbiner Dr. El! M u n k, Berlin, wurde zum Rabbiner der Oemeinde Adass Jisroel In London berufen. Dr. Eli Munk ist der älteste Sohn des Rabbiners der ״Israelitischen Religionsee. mein de Adass jisroel ztt Berlin“, Dr. Esra Munk, und rin Schtt- Ier des Hildeihrimertchen Rabbinerseminars in Berifa». Das von Erich Mendelsohn in der Alten fakobstraße zu Berlin erbaute Verwaltungshati* des Deutschen Metall* arbeiterverbandes erregt wegen seiner Monumentalität und Ort* ein neues Wahrzeichen Berlins. Das deutsche Auswärtige Amt hat die deutschen Konsulate im Auslande dahin instruiert, daß den Delegierten und Gästen, die sich zur Teilnahme an dem vom 27. bis 30. Sentember in Berlin stattfindenden Weltkongreß für das arbeitende Palästina begeben und einen Ausweis der Liga für das arbdtende Palästina besitzen, keine Schwierigkeiten bei der Ausfolgung der Einreisevisa gemacht und ihnen die Vlsuntsgebühren ermäßigt werden. Die aus dem Legat des jüdischen Philantropen Kadoorie aus Shanghai errichtete arabische 1 a ndwlrtschaf tliehe Schule in Tulkarem hat Kurse in landwirtschaftlicher Betriebslehre füi* arabische Dorflehrer ringerichtet Jeder Kursus dauert ein Jahr. Die Absolventen werden an den Dorfschulen landwirtschaftlichen Elementarunterricht erteilen. "BasTil französischer SpfatlÄ erscheinende dfWdttirörf»» der rumänischen Regierung, ״La Nation Roumaitte“, veröffentlieht einen Artikel, in welchem ausgeführt wird, daß, wenn größere Kapitalien Ins Land ־kommen sollten und sich dadurch die Lage der Landbevölkerung bessert, die antisemftischen Ausschreitungen unmöglich sein werden. Ehe rumlnische Presse bemerkt zu diesen Auslassungen, daß die Re- Dr. Chrim Koffler gestorben. Am 14. September verstarb plötzlich In Wien Dr. Chaim Koffler, der seit 6 Jahren als einer der Delegierten des Keren Hajessod mit großem Erfolge in Lettland, der Tschechoslowakei und In Oesterreich gewirkt hat. Als Philologe für den Lehrerberuf ausgebildet, war Koffler, ein ausgezeichneter Hebraist, ein genauer Kenner des jüdischen Lebens in der Qaluth und in Palästina. Seiner Aufgäbe treu ergeben, verstand er es, im persönlichen Verkehr viele Menschen für die Palästina-Arbeit zu interessieren und zu zionistische Bewegung einen schweren, bedauerlichen Verlust. Ehre seinep) Andenken! In Riga verstarb im Alter von 117 Jahren Raphael Feldman, der ilteate Jude Lettland«. amerikanischen Journalisten erklärte: Wenn die Juden der ganzen Weit Rumänien Kredite gewähren, werden sich Ausschreitungen gegen Juden in Rumänien nicht mehr ereignen., Die jüdische Presse Warschaus teilt mit, daß es in Ostgalizien in Verbindung mit den sich häufenden An- Schlägen 'der ״ukrainischen Militärorganisation״ gegen Behörden und polnische Gutsbesitzer, auch zu schweren Terror- und Sabotageakten gegen Juden in ostgalizlschen Dörfern gekommen ist. Allein im Tarnopoler Kreis wurden in den letzten Tagen drei jüdische Wirtschaften durch ukrainische Bauern nielergebrannt. New York, 9. September. (J.T. A.) In den Straßenkämpfen, welche am vergangenen Sonnabend in Buenos Aires stattgefunden und die zum Sturz der Regierung Irigoyen geführt haben, wurden drei Juden getötet und zehn verwundet. Eines der drei jüdischen Todesopfer, Chaim Rosenblatt, war seinerzeit Polizist in Palästina. Das Gebiet der jüdischen Kolonien in Argentinien ist von den Unruhen nicht berührt worden. Die internationale Flüchtlingskommission hat die dem Völkerbundrat zu unterbreitenden Vorschläge über die künftige Organisation des Flüchtlingswerkes endgültig formuliert. In Zukunft soll es dem Generalsekretär des Völkerbundes obliegen, Status und rechtlichen Schutz der Flüchtlinge zu sichern., während die Aufgabe der Flüchtlingshilfe in Form von Erleichterung der Niederlassung und Existenzgründung einem selbständigen Institut Zufällen wird, das im Rahmen des Völkerbundes errichtet werden soll. Das Problem der Anlage von Cltruspfianzungenim E m e k J e s r e e 1, das in der letzten Zeit von den zuständigen Fachleuten geprüft wurde, nähert sich einer positiven Lösung. Die Wirtschaften im Nurisblock werden auf jeden Fall in diesem Jahre bereits je fünf Dunam Grapefrüchte pflanzen. Der über drei Monate dauernde Arbeitskonflikt 111 der Fabrik Friedmann-Edelstein in Tel-Awiw ist durch ein Abkommen zwischen den Inhabern der Firma und dem Gewerkschaftsausschuß von Tel-Awiw beendet worden. In den New Yorker Lichtspielbühnen wird im Sepiember der erste Tonfilm in jiddischer Sprache zu sehen sein. Der Film, dessen Hauptrolle die jüdische Schauspielerin Bella Gudinsky innehat, wurde unter der Leitung von Sidney M. Goldin von der Judäa-Film-Companv gedreht. Gastspiel der Habtma V 0 r n o t i z. Mit Shakespeares ״Was Ihr wollt“ (übersetzt von Saul Tschernichöwski) begann die Habima am 15; d. M. im Nollendorf-Theater ihr diesmaliges Berliner Gastspiel. Regie (Michael Tschachow), Musik (Ernst Toc 11), Bühnenbilder (W. Masjutin), Kostüme (ausgeführt von Leopold Verch) sowie Temperitnent und Können des Ensembles ergaben, summiert, einen großen Erfolg. Vorerst erstaunt und dann hingerissen, .folgte das Publikum dem Spiel. Erstaunt, daß die hebräische Habima Shakespeare spielt, hingerissen von der Lieblichkeit und Eleganz der Leistung, Das Gastspiel dauert bis zum 24, September. k, k.