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Jüdische Rundschau · 1930-09-12 · Heft 72 (12.9.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 72 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 474 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72, 12. IX. 1030 Wirisdiftftlichc Neuorientierung Von Max Tischler, Berlin. (״.11 Diese Situation ist die eine große Voraussetzung des Zionismus. Die Bestrebungen in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, die Lage der luden zu verbessern, gingen von ihrer schlechten wirtschaftlichen Position aus. Der Zionismus erkannte, daß es nicht bloß eine materielle Judennot gäbe, die zu beheben sei, sondern auch eine geistige. Deshalb veredelte *r die gesamten bis dahin bestehenden so* Zusagen anarchischen Siedfungsbestrebungen der Juden, indem er ihnen den Aufbau Palästinas als Programm und Ziel wies. Dabei vergaß er nie, daß eine Hauptaufgabe darin liegt, auch die materielle Judennot zu beheben. Vor dem Kriege haben wir bei unserer Propaganda in Westeuropa immer auf die ideelle Judennot hingewiesen. Seute hat sich die Zeit gewandelt, auch Deutschland ist die Reihe der Linder gerückt, wo für Juden akute Lebensfragen gelöst werden müssen. In dieser Zeit müssen wir eine zionistische Antwort geben und nicht vor den Konsequenzen zurückschrecken. Diese Antwort muß freilich verantwortengsvoll sein. Die Zahl der zur Auswanderung gezwungenen Menschen wächst und wird weiterhin ständig wachsen. Die Erfahrungen des Hechaluz im letzten Halbjahr beweisen das, denn es melden sich dort immer mehr bisher von uns nicht erfaßte Menschen, die nach Palästina auswandern wollen. Dem Hechaluz war cs bisher nicht möglich, diesen Leuten so zu helfen, wie es notwendig wäre; eine Folge seiner geringen Mittel. Hier liegt zweifellos ein großes Arbeitsgebiet, denn wir können nicht darauf warten, bis derartige Leute sich bei uns melden, sondern wir müssen sie selbst zu erfassen und an uns heranzuziehen suchen. Es wäre verfehlt, dieses Material, weil es bisher vom Zionismus wenig oder gar nicht erfaßt war und aus anderen Gründen nach Palästina gehen will, als bisher deutsche Zionisten es taten, zu unterschätzen. Diese Leute haben als großes Plus den Zwang zur Auswan- Wanderung und den Willen, sich in neuen Verhältnissen eine neue Existenz zu schaffen. Es gibt für sie kein Zurück und auch dies ist, wie wir gerade aus den Erfahrungen der zionistischen Alijah aus Deutschland wissen, eine große Qualität für Auswanderer. Schließlich kann es nicht ewig so bleiben, daß nur ausgewähltes und gesiebtes Menschenmaterial nach Erez-Israel geht, sondern Palästina muß mit der Zelt seiner Bestimmung, ein Erez-Israel für Juden überhaupt zu sein, gerecht werden. Diese Entwicklung geistig und materiell zu fördern, ist heute die erste zionistische Aufgabe. Die Schaffung einer Reservearmee von Juden, die nach Palästina auswandern muß, weil sie sonst nicht existieren kann, wird uns für unsere ganze politische Aktion, die wir heute um unser Recbt auf Palästina durchführen, mehr Schlagkraft verleihen als noch so gute Protestresolutionen und Memoranden. Diese Armee muß freilich gut geschult sein und genau wissen^ wohin sie geht, was Ihr bevorsteht und welche Möglichkeiten sie erwarten. Eine derartige Aufklärung können wir ohne Scheu für Juden ln Frage kommenden Länder zu emigrieren, — heute schon gering, — zweifellos bei der Dauer und Intensität der Einwanderungsbeschrinkungen für Juden in den angelsäch sischen Ländern aus teils wirtschaftlichen, teils anderen Grün-!״den wwta« fe, kSgf ,l#..M״£ch jyeitere ׳ Erschwerungen, wenn nicht dIr®ffe;“^*frinÄf/'ftp *E1Bwani־ derung feststellen können, denn fast alle großen Einwanderer-!ander haben heute als Feige der Wirtschaftskrise hohe Arbeitslosenziffern. Daher ist es doppelt unsere zionistische Pflicht, den zur Auswanderung gezwungenen und bereiten Elementen, soweit sie für Palästina in Frage kommen, den Weg dorthin zu zeigen und zu ebnen. Diese Aufgabe ist auch erfüllbar. Schon heute ist bei Gemeinden, Landesverbänden und anderen jüdisehen Gremien für diese Fragen Interesse vorhanden oder leicht hervorzurufen, weil alle Kreise das Problem in seiner ganzen Schwere verspüren. In dieser Situation ist es Aufgabe der Zionisten, diese unsere Arbeit rechtfertigende Lösung als erste und beste mit allen Konsequenzen zu propagieren und durchzusetzen, nicht aber Experimente in Deutschland oder Peru, die von Anfang an irreal und undurchführbar sind, mit unserer Unterschrift zu decken und zu rechtfertigen. Wir können gerade nach den Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, daß jüdisches Geld und jüdische Energien, für derartige Zwecke aufgewendet, in erster Linie für Palästina bestimmt sein müssen. So werden wir unserer politischen Forderung auf eine quantitative Lösung der Heimstättenfrage, die heute durch das Mißverhältnis von Forderung und Mitteln oft etwas unmotiviert wirkt, wahrhafte Berechtigung und Stoßkraft verleihen. Diese klare Antwort wird vielen Zionisten heute zu gewagt und zu radikal erscheinen, doch wird gerade sie, wie der Verfasser glaubt, zum entscheidenden Punkt innerzionistischer Auseinandersetzung und Tätigkeit in kurzer Zeit werden und eine wirkliche, von politischen _ Tagesfragen unbeeinflußte Gruppierung des deutschen Zionismus zur Folge haben. Nicht jeder Arbeit«- und Existenzlose ist zur Auswanderung geeignet und Palästina kann nicht jedem Emigranten entsprechende Möglichkeiten bieten. Wir wissen aus unseren Erfahrungen, daß Palästina zwar erhebliche Teile, aber immer nur Teile der Judenheit überhaupt und damit auch Deutschlands aufnehmen kann. Unsere Antwort darf sich also nicht bloß damit begnügen, diesem einen Teil der deutschen Juden einen Weg zu zeigen. Wir müssen auch die Frage des anderen, des größeren Teiles, zu beantworten versuchen. Auf die geringen Möglichkeiten, in andere Länder auszuwandern, wurde bereits hingewiesen. Es bleibt also ein erheblicher Teil des Problems in Deutschland zu lösen. Innerhalb des Mittelstandes gibt es kaum noch Berufe, die für Juden neu erschlossen werden können. Zweifellos kann man durch snezielle Kreditinstitute, wie zum Beispiel die Volksbank Ivria eins ist, durch jüdische Arbeitsnachweise, durch Beeinflussung der jüdischen Arbeitgeber gewisse Hilfe bringen, aber die Möglichkeit einer derartigen Hilfeleistung ist, wenn aus allgemeinen Wirtschaftsgründen Berufe schlecht und unhaltbar werden, begrenzt. Das beweist uns gerade der Versuch des Joint in Polen und Rußland, wo unmittelbar nach dem Krieg soviel Millionen, wie sie uns nie zur Verfügung stehen werden, in derartige Banken und andere den jüdischen Mittelstand zu fördernde Institute hereingesteckt wurden, und der Untergang großer Teile dieses Mittelstandes, der durch Wirtschaftsentwicklungen bedingt war, nicht aufgehalten werden konnte. Die deutschen Juden müssen also versuchen, in neue Berufe, die ihnen bisher fremd waren, einzudringen. Da mittel- «‘indische nicht mehr vorhanden sind und ein Aufstieg nach oben nicht in Frage kommt, bleiben nur einerseits landwirtschaftliche und gärtnerische und andererseits handwerklichproletarische Berufe übrig. Hier muß zuerst eine prinzipielle Bemerkung gemacht werden. Welche Gründe beeinflussen die Berufswahl entscheidend? Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß, neben der Frage der Eignung und der Befrledigung im Berufe, die Aussicht, durch eine bestimmte Tätig- ♦1 Siehe Nr, 71 d. J, R.״. keit einen großen materießen Nutzen und damit eine geteff• schaftliche Stellung zu erwerben, den Ausschlag geben. Bisher waren alle Versuche der letzten Jahre, die ata sozusagen ideellen Gründen unternommen wurden, eine Berufsarascfaichtung unter den Juden in Deutschland zu erreichen, Experlmente, die bei normaler Wirtschaftslage niemals für die Berufsentscheidung größerer Gruppen entscheidend geworden wären. Anders ist die Frage, wenn wirtschaftliche und soziale Momente den Weg für eine derartige Entwicklung ebnen. Es war bisher für einen Juden unmöglich, seinen Lebensstandard freiwillig unter das bisher gewohnte Maß zu senken. Heute muß man bereits feststellen, daß diese Entscheidung in vielen Fällen nicht mehr in die Hand des Einzelnen gegeben ist und daß außerdem die Verdienstgrenze zwischen kaufmännischen Angestellten und qualifizierten Facharbeitern zu verschwinden beginnt. Im einzelnen kann folgendes festgestellt werden: Die Landwirtschaft kommt heute in Deutschland für Juden als Beruf nichtinFrage. Die Rentabilität dieses Berufszweiges ist bei alten und durch lange Zeit erprobten Betrieben fast vollständig geschwunden. Der Umbildung»- prozeß ist hier erst am Beginn, und seine Folgen sind kaum weniger schwerwiegend als sie bei den kaufmännischen Berufen geschildert wurden. Rein materiell ist also mit diesem Schritt nichts zu gewinnen. Da jedoch bei der Berufswahl neben den materießen Gründen auch soziologische oder, besser gesagt, gesellschaftliche entscheidend sind, läßt die Landwirtschaft als Beruf für Juden für absehbare Zeit weg. Es ist unvorstellbar, daß Irgendwo in Deutschland eine größere Siedlung für Juden auf dem flachen Land bei der heutigen politisch unduldsamen und antisemitischen Einstellung der Landwirte möglich wäre. Das muß nicht erst ausgeführt werden. Dagegen sind die vorstädtischen, gärtnerischen Berufe bereits mehr in Betracht za ziehen. Hier ist bei entsprechend guter Ausbildung und bei genügendem Kapital ein aanehmbarer Betrag aus den Betrieben herauszuwirtschaften. Die Kosten für die Ausbildung und die Anlage sind wesentlich geringer als bei der eigentlichen Landwirtschaft. Außerdem ist aber in dieser Form eine Gruppensiedlung leichter möglich und für den Einzelnen durch die Nähe der Stadt und die damit gebotenen kulturellen und gesellschaftlichen Möglichkeiten leichter erträglich. Auch volkswirtschaftlich zeigt dieses Gebiet große Möglichkeiten. Deutschland ist heute speziell für gute gärtnerische Produkte Importland, und es besteht gerade bei der Intelligenz der Juden die Möglichkeit, Im Gartenbau die Erfolge, die Hollana und Dänemark durch die bessere Bildung und theoretische Schulung der Landwirte und Gärtner erzielt haben, zu erreichen. "Das zweite Berufsgebiet, das für Juden in Frage kommt, Ist das des gewerblichen Beruf Spezialisten. Sei es als selbständiger Handwerker, sei es als Angestellter. Schon vorhin wurde darauf hingewiesen, daß es kaum noch Einkommensunterschiede zwischen einem durchschnittlichen kaufmännisehen Angestellten und einem guten Handwerker gibt. Auf diesem Gebiet haben wir auch schon einige Erfahrung und die beweist, daß zum Beispiel Elektrotechnik, Autoschlosserei sowie überhaupt Spezialschlosserei, Feinmechanik, Möbeltischlerei und andere qualifizierte Handwerkerberufe der Eignung des Juden entsprechen und ihn in seinem Berufe Befriedigung finden lassen. Dazu kommen noch die alten jüdischen Handwerksberufe wie Schneider, Glaser, Tapezierer, Juweliere und Graveure, so daß wir hier ein neues breites Berufsgebiet sehen, das für Juden, wenn auch nicht leicht und mühelos, erschlossen werden kann und das für die nächste Zeit steigende wirtschaftliche Möglichkeiten bietet. Noch zwei andere Möglichkeiten sprechen gerade iür ׳ diese Spezialberufe. Unter allen denteb« Vtilkjssc|jchten lat in der Arbeiterschaft der Antisemitismus am wenigsten fundiert und verbreitet.« Das soll nicht heißen, daß ein Eindringen von Juden in Arbeiterberufe bei schlechter Konjunktur nicht imstande wäre, auch hier antisemitische Instinkte weit mehr als bisher auszulösen. Doch da wir nur zwischen relativ günstigen Möglichkeiten zu wählen haben, so müssen wir anerkennen, daß die gesellschaftlichen Voraussetzungen in der Arbeiterschaft noch immer die günstigsten sind. Außerdem kann, um wieder auf allgemeine volkswirtschaftliche Tat- Sachen zurückzugreifen, mit gutem Grund angenommen werden, daß die Arbeitslosen der Spezialberufe bei einem Abflauen dieser Krise, wie überhaupt jeder Krise unseres heutigen Wirtschaftssystems, viel rascher und leichter wieder Arbeit finden werden, als die abgebauten und überflüssigen Angestellten. Ueber die Aussichtslosigkeit speziell dieser Schichten ist in der letzten Zeit soviel geschrieben worden, daß hier nichts mehr darüber gesagt werden muß. Zusammenfassend können also als Blickpunkte einer neuen wirtschaftlichen Orientierung der deutschen Juden von zionistischer Seite folgende in Betracht gezogen werden: 1. Emigration nach Palästina. 2. Schaffung von Wirtschaftsinstituten des jüdischen Mittel- Standes und von jüdischen Arbeitsnachweisen usw. 3. Vorbereitung der wirtschaftlichen und sozialen Umschichtung zu vorstädtisch gärtnerischen und handwerklichen Spezialberufen. Diese Punkte durch Diskussion in den verantwortlichen ■ Gremien zu klären und der gesamten deutschen Judenheit zur Durchführung vorzulegen, ist die zionistische Aufgabe der Stunde. Pauline Herzl gestorben. In Bordeaux starb nach längerer Krankheit im Alter von 40 Jahren die älteste Tochter Theodor Herzls, Pauline Herzl. Die Verstorbene war mit einem Ingenieur Hift verheiratet. Wie man uns mitteilt, wird die Leiche nach Wien überführt werden. Pauline Herzl war in den letzten Jahren leidend. Vor dem Kriege trat sie oft in zionistischen Veranstaltungen als Vorleserin von Werken* ihres großen Vaters auf.־ Im Alter von 82 Jahren verstarb in Paris der Dramatiker Georges de Porto-Riche. Er war seit 1923 Mitglied der Französischen Akademie. Schon früher war er zweimal für die Aufnahme in die Akademie vorgeschlagen, aber infolge heftigen Widerstandes der Antisemiten, die Ihn wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum angriffen, nicht aufgenommen worden. Am 7. September verstarb in Berlin die Leiterin des ״Israelitischen Hufswerks“, Fri. Hanna Lewinski, im Alter von 37 Jahren. Wie der ״Observer“ meldet, sind in Indien telegraphische Meldungen eingetroffen, denen zufolge Lord Zetland (Earl of Ronaldshay), ehemals Gouverneur von Bengalen, das ihm gemachte Angebot, Nachfolger von Lord Irvin aut dem Posten des Vizekontgs von Indien zu werden, abgelehnt habe und für diesen Posten den früheren High Commissioner für Palästina, Sir H e r b e r t S a m u e I, in Vorschlag brachte. Jerusalem, 8. September. (J. T. A.) Die vor etwa einer Woche unter Mitwirkung der Palästinaregierung• eröffneten Verhandlungen zwischen Juden und Arabern über eine Einigungsformel im Klagemauerkonflikt wurden nunmehr ergebnislos abgebrochen. Die Unnachgiebigkeit des Großmufti von Jerusalem macht eine Wiederaufnahme solcher Verhandlungen unwahrscheinlich. Büiow und der Zionismus ln den jetzt veröffentlichten Denkwürdigkeiten des Fürsten Büiow findet sich auch eine Schilderung der Palästinareise Kaiser Wilhelms, Fürst Büiow schreibt u. a,: Am 29. Oktober 1898 ritten wir in Jerusalem ein. Der Augenblick des Einzugs Ist durch ein Gemälde festgehalten worden, leider von einem sehr mittelmäßigen Künstler, Hermann Knackfuß, der uns auf der Orientreise begleitete und durch seine albernen Vorträge über Kunst und Natur allen Mitreisenden auf die Nerven ging. Vor dem Tor, durch das wir einzogen, wollte eine Deputation von Zionisten eine Ansprache an den Kaiser richten. An ihrer Spitze stand Dr. Theodor Herzl, ein geistreicher, von heiligem Eifer für die Sache des Zionismus erfüllter Wiener Publizist. Er war Kaiser Wilhelm durch den Großherzog von Baden vorgestellt worden. Wilhelm II. war anfänglieh Feuer und Flamme für die zionistische Idee, weil er auf diese Weise sein Land von vielen ihm nicht besonders sympathischen Elementen zu befreien hoffte. Als ihm aber der damalige türkische Botschafter in Berlin, der uns auf unserer Onentreise begleitete, klargemacht hatte, daß der Sultan vom Zionismus und von einem unabhängigen jüdisehen Reich nichts wissen wollte, ließ er die zionistische Sache fallen. In geschickter Welse versucht Fürst Büiow in seiner Dar- Stellung, die nach den großen politischen Erfolgen der zionlstischen Bewegung (Balfour-Deklaration, Palästina-Mandat) abgefaßt ist, vergessen zu machen, daß er der heftigste Oegner der zionistischen Bestrebungen in der Umgebung Kaiser Wilhelms war. Bülows feindselige Haltung gegen die zionistischen Pläne geht unzweideutig aus den Tagebüchern Theodor Herzls hervor. An mehreren Stellen der Tagebücher kommt Herzt ‘auf die Feindseligkeit Bülows gegen den Zionistnus zu sprechen. Im 2. Bande der Tagebücher, S. 185, heißt es: ״. . . der die Animosität Bülows und die Geneigtheit Eulenburgs bestätigte.“ Auf S. 191 heißt es: ,.. . . daß der mir nicht gewogene Büiow...“ Auf S. 193 heißt es: . . . Bülows Tendenz bei diesem Einwurf war übrigens unverkennbar. Er wollte dem Kaiser andeuten, daß keine Macht hinter mir stehe. Büiow sagte alles dagegen, mit Ausnahme des Wörtchens Nein, das er offenbar nicht wagt, weil die voluntas regis Ja ist. Büiow sagt: ״Ja, ja, Ja. aber; Ja, wenn nur! Lauter maskierte Nein . . .“ Aus diesen Stellen ist ersichtlich, daß Büiow und nicht, wie er schreibt, der türkische Botschafter in Berlin, die treibende Kraft war, um Wilhelms Interesse für den Zionismus abzuschwächen. An die Mitglieder der Berliner Jüdischen Gemeinde Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde richtet an die Gemeinde nachstehenden Aufruf: Die Reichstagswahlen stehen vor der Tür. Sie sind nicht nur für die allgemeine deutsche Politik, sondern ange3icl1ts einer schrankenlosen Demagogie, die unsere staatsbürgerliche, soziale und wirtschaftliche Stellung bedroht, von besonderer Bedeutung auch für uns Juden. Das Wahlrecht wird unter diesen Umständen für uns in besonderem Maße Wahlpflicht. Wir Juden gehören als solche zu keiner bestimmten Partei. Jeder hat vielmehr dort seinen Platz, wohin Weltanschauung, allgef infta! polijtiidie ye,berfetjgun g und wirtschaftspolitische Ein- Stellung Ihn stellen. Aber jeder Einzelne hat die Pflicht, an seiner Stelle das Gewicht seiner Stimme gegen diejenigen einzusetzen, die unsere Stellung als Juden bedrohen. Wir richten deshalb in letzter Stunde an die Mitglieder unserer Gemeinde die dringende Aufforderung, dieser Pflicht sich bewußt zu sein. Uebt am 14. September das Wahlrecht aus und stärkt durch die Abgabe Eurer Stimmen diejenigen Parteien, die für die bestehende Ordnung und die Wahrung unserer Rechte einireten. Einberulung des VIII. arabischen Kongresses? Die arabische Presse betont in den letzten Wocheg mit Nachdruck die Notwendigkeit der Einberufung eines neuen arabischen Kongresses, um der arabischen Bevölkerung und insbesondere den Kreisen der Opposition Gelegenheit zu geben, zu den aktuellen politischen Fragen Stellung zu nehmen. Die Frage der Deckung der Kosten des Kongresses ad zwar noch ungelöst, da die Mittel der arabischen Exekutive in letzter Zeit geschwächt seien, so daß man u. a. auch bereits die Ein- Stellung der englischen Ausgabe des ״Felestin“ erwogen hat. Der Kongreß soll sich vor allem mit der künftigen Zusammensetzung der arabischen Exekutive befassen. So wird eine Organisation ähnlich der des ägyptischen Wafd, bei der eine Zentrale der Bewegung für das ganze Land und Niederlassungen in allen Dörfern errichtet werden sollen, angestrebt. (Ziko.) ״R e f e r e e“ (London) tritt scharf den Ausführungen der ״Daily Mail“ (siehe die erste Seite dieser Nummer) entgegen, in denen die Räumung Palästinas durch England und die Uebertragung des Mandates an Italien empfohlen wurden. Die Verwirklichung eines solchen Vorschlages, schreibt ״Referee“, würde nur den Feinden Englands zugute kommen. Die Aufwendungen, die für Palästina gemacht wurden, seien der großen strategischen Bedeutung dieses Landes angemessen. Nur zu leicht seien die treibenden Kräfte hinter dem Artikel der ״Daily Mail“ erkennbar. ״Alle Wege führen nach Rom“ und die kolonialen Ambitionen Mussolinls im Orient seien wohl bekannt. Mit Palästina würde England ein Bollwerk verlieren, das den Weg nach dem Irak und Indien schützt. Palästina sei englisch und müsse englisch bleiben, solange es noch einen Mann gibt, der für die Ehre seines Vaterlandes einsteht, und solange noch ein Pfund in der Bank von England liegt. In einem seien Juden und Araber eines Sinnes: daß sie ihre Zukunft vertrauensvoll in Englands Hände legen können. Nur noch wenige Tage liegen die Wählerlisten zu den Wahlen der ״Repräsentanten- Versammlung der Jüdischen Gemeinde“ und des ״Landesverbandes“ aus. Es ist daher Pflicht eines Jeden, sofort festzustellen, ob er, seine Familienangehörigen und Bekannten in die Wählerliste aufgenommen sind. Achtet besonders aut weibliche Wahlberechtigte! Wahlberechtigt sind alle über 21 Jahre alten männlichen und weiblichen Juden Berlins. In- und Ausländer. Die Wählerlisten liegen aus im Büro der Jüdischen Gemeinde, Oranienbürget Str, 29, täglich von 9—3 Uhr, Sonntags von 9—12 Uhr. Wer 11 licht in der Wählerliste steht, darf nicht wählenI

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