Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 72 (12.9.1930)
- Date
- 1930-09-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 72, 12. IX. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 473 930 In der! Brith elbt es denster ski und t jeder öifentroblem nz des n Konen wir, t, dann e nicht fertig tischen Rechitt, der r steht Iie vor fertige tte für r steht g deutig. Es ge den Iso Bekennen Einzelige tat, se, die t seine um ist, ich ist, nsische ereicht, e neue mv erwird in »nisten, es Ziel m, daß *n auch t. Die ■ haben des in d wird ich ein Kultur re Ent- :hneller re Enthe und hne die!re Beael zur ss wermtwick- <Iarheit cht, im 1. Wir )Ik die ie ,tipf sl!«« Luden Wolf Von Paul Goodman. en Ak- Jewish! Comudgets, Schafft sind, zu er- Errichen auch stützen, r Kata- /ersuch ses der ch sind Jewish licht zu philanimd die aus. In Dinge für die alt sich renwäres als nd, mit reu Be- )litische hkeiten und die mtropleinflußen, und die Erind Errbeiterkam es nohamrde da-;emein-!ahmen, darüber len auf stlichen weitere er wuret. Der Tod Luden Wolfs ist an und für sich ein sehr bedeutender Verlust der jüdischen Sache. In der internationalen jüdisehen Politik, sowie in der englisch-jüdischen Geschichtswissenschaft hat er kaum seinesgleichen. Aber man könnte sagen, daß mit ihm nicht nur ein Mann, sondern ein System, ja eine Epoche im englischen Judentum dahingegangen ist. Die Tätigkeit Luden Wolfs im öffentlichen Leben und in der Publizistik Englands geht bis auf ein halbes Jahrhundert zurück. Im Jahre 1884 erschien von seiner Feder eine gediegene Biographie Sir Moses Montefiores zu seinem hundertjährigen Geburtstag, die besondere Erwähnung verdient, da diese Schrift durch mittelbare Kenntnisse der Persönlichkeit des Philanthropen, sowie des Milieus seiner Wirksamkeit sich ,auszeichnet. Das klassische Zeitalter der englisch-jüdischen Emanzipationsbewegung erreichte durch den Eintritt eines Juden, Nathan Mayer Rothschild, in das House of Lords seinen Höhepunkt. Die Philanthropie als höchste Auffassung der Judenpolitik schien sich damals, nach Ausbruch der russisehen Pogrome, besonders zu bewähren, und Baron Maurice de Hirsch versuchte während des folgenden Jahrzehnts die Judenfrage durch eine großzügige Finanzaktion zu lösen. Die Probleme, die die russisch-jüdische Einwanderung an die englische Judcnheit stellten,׳ waren mehr sozialer als geistiger Art. Die physischen Bedürfnisse der ״foreigu bretnren", wie die Neuangekommenen mit einer Mischung von Reserve und Mitgefühl bezeichnet wurden, wurden mit einem großen Aufwand von Geldmitteln und persönlichem Interesse mehr oder weniger befriedigt, für die religiösen und intellektuellen Strebungen konnte man nur eine oberflächliche Anglisierung bieten. Aber während die Eingewanderten die traditionellen religiösen Einrichtungen im fremden Lande weiterführten, und in geistiger Hinsicht sich entweder einem krassen Sozialismus-Anarchismus oder späterhin einem romantischen Chowewe-Zionismus zuwandten, begann auch das englische Judentum neue Keime ju sprießen. Die Historische Aus- Stellung in Albert Hall, London, im Jahre 1888 war eine großartige Unternehmung, die zur Gründung der Jüdischen Historischen Gesellschaft im Jahre 1891 führte. Es waren daran eine Anzahl von geistig hochstehenden Männern beteiligt, allen voran Luden Wolf. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurden die Grundlagen der englisch-jüdischen Geschichtswissenschaft gelegt. Eine tiefere und kühnere Auffassung des Judentums, wfe sie in der zahlenmäßig kleinen und patriarchal!seh-autokratisch beengten englisch-jüdischen Gemeinde üblich war, setzte sich durch. Josepn Jacobs, Israel Abrahams, Israel Zangwill, Luden Wolf wirkten bahnbrechend. Oswald John Simon und Claude Montefiore machten die ersten Versuche, dne radikale Reform des Judentums, sogar mit Sonntaggottesdienst, einzufiihren. Salomon Schechter und Moses Gaster pflanzten die jüdische Wissenschaft, wie sie auf dem Kontinent gepflegt wurde, im englischen Boden ein. Die Jahrgänge der ״Jewish Quarterly Reww“ und der ״Transactions“ der Jüdisch-Historischen Gesellschaft sind als sehr inhaltsreiche Fundgruben zu schätzen. In 20 bis 30 Jahren konnte sich der Nachwuchs der Immigranten dieser geistigen Bewegung anschließen und sie entwickeln. Der politische Zionismus, der in den neunziger Jahren auf den Plan trat, konnte sich nur schwer durchsetzen, und er schien zur Ohnmacht verurteilt, bis er durch die Balfour-Deklaration, fast plötzlich, der Mittelpunkt jüdischer Interessen wurde. Lucien Wolf blieb bis an sein Lebensende der spiritus rector der alten, yoraonistifchen Aera des CTgljlcfai, ludender sozialen Wohlfahrt der Juden — dies waren die drei Grundpfeiler seiner jüdischen Politik, und man sollte ihm die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er seinen Prinzipien nicht nur treu, sondern auch, insofern es in seiner Macht lag, erfolgreich diente. Er war, wie kein anderer, an der Begründung und dem Ausbau der englisch-jüdischen Geschichtswissenschaft beteiligt. Er hatte als Arbeitsfeld das romantische Zeitalter der Wiederansiedlung der Juden in England im siebzehnten Jahrhundert besonders im Auge und beherrschte es in meisterhafter Weise. Ausgestattet mit einem phänomenalen Oedächtnis und einer seltenen Arbeitskraft, sehr genau in seinen Ausführungen, aber dennoch mit einem weiten Blick für historische Gedankengänge, hat er dem weitverzweigten spanischportugiesischen Marranentum in seinen Wanderungen nachgespürt und es in den Rahmen der allgemeinen Geschichte eingefaßt. Es war eben sein besonderes Verdienst, daß, trotz seiner spezifisch-jüdischen Stellung und seinem jüdischen Wirkungskreis —• der allein hier behandelt wird — er eine anerkannt bedeutende Autorität aut dem Gebiete der Geschichte und Politik war und somit dem Judentum und den jüdischen Interessen mehr als lokale oder einseitige Bedeutung verlieh. Er war auch besonders mit den Einzelheiten des Aufstiegs — und Untergangs — der großen englisch-jüdischen Familien vertraut, und er besaß eine einzigartige Kenntnis der Rothschildschen Familien- und Geschäftsarchive. Er hat eine Anzahl Schriften historischen Inhalts hinterlassen, deren Herausgabe von der Jewish Historical Society unternommen worden ist. Der jüdischen Welt ist Luden Wolf mehr als jüdischer Politiker der westlich-assimilierten Riehtun g bekannt. Die Schtadlanut, die von Sir Moses Montefiore mit großem Glanz persönlich geführt wurde, wurde von Lucien Wolf als Sekretär des Joint Foreign Committee (das aus Vertretem des Jewish Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association besteht), amtlich geleitet. Wie die altehrwürdige Zedaka sich in eine moderne soziale Fürsorge unter geschäftsmäßiger Leitung entwickelt hat, so wird auch jetzt in der jüdischen Politik systematisch gearbeitet. Dieses Joint Foreign Committee, das in enger Fühlung mit der Alliance Israelite steht, ist aber besonders auf die traditionelle Unter- Stützung des englischen Foreign Office angewiesen. Man kann daraus ersehen, daß das jüdische Foreign Committee mehr als eine privat-jüdische Körperschaft ist In einem Gesprach mit einem Mitglied des Foreign Committee wurde mir von ihm unlängst nahegelegt, daß die Zionisten sich eine gewisse Reserve in ihrer Kritik gegenüber der britischen Regierung auferlegen müssen, da wir jetzt in unseren internationalen Beziehungen leider uns fast nur auf das Wohlwollen des britisehen Foreign Office verlassen können. Man kann nun ohne Uebertreibung sagen, daß das Joint Foreign Committee in Lucien Wolt verkörpert war. Seine Zimmer in einem Gebäude in Gray’s Inn, das in seiner Eigenart vielleicht nur in London ju finden ist, waren halb Wohnungen und halb Büro. Die Wände, bedeckt von oben bis unten mit ״files“, geben eine Andeutung, wie umfassend und genau Lucien Wolf es mit seiner politischen Arbeit nahm. Er war in jeder Hinsicht dazu befähigt, die jüdischen Interessen diplomatisch zu vertreten, und seine schriftlichen Ausführungen stehen anderen diplomatischen Schriftstücken i» keiner Weise zurück. Man kann daher begreifen, daß er sich nicht dazu bequemen konnte, sein Arbeitsgebiet mit anderen, besonders zionistischen Politikern, zu teilen. Er war nicht gut auf das Comitd des D61ägations Juives zu sprechen, und das Auftreten der Repräsentanten der zionistisch-orientierten Körperschaften während der Friedensverhandlungen in Versailles konnte er nie überwinden. In dieser Hinsicht ist es interessant zu bemerken, daß er das Verdienst in Anspruch nahm, die Minderheitsverträge nach seinen Auffassungen auf der Friedenskonferenz erlangt zu haben. Mit Lucien Wolf ist der geistig gefährlichste Gegner des Zionismus aus dem Leben geschieden. Er war nicht, wie Mr. Claude Montefiore, gegen die zionistische Auffassung des Judentums aus universalistisch-religiösen Gründen, denn für die jüdische Religion hatte Luden Wolf ziemlich wenig Interesse. 3agegen besaß er aber eine sehr umfassende Kenntnis der jüdischen Lebensbedingungen und konnte, wo es galt, die Prinzipien, die er vertrat, mit bedeutendem Geschick gegen den Zionismus ins Feld führen. Er war einer der Ersten, den Theodor Herzl zur Mitarbeit heranzuziehen suchte, aber obwohl sie einander sich als Berufsgenossen schätzten, wollte Lucien Wolf in den Bestrebungen, einen jüdischen Staat unter der Oberhoheit des türkischen Sultans zu errichten, nicht mehr als eine Utopie sehen. Er konnte sich nicht mit den Verhandlungen, die Herzl, besonders durch Herrn Newlinski, anknüpfte, befreunden, und er verstand richtig, daß die schlaue Art, mit der Abdui Hamid die Entrüstung gegen die Armeniermetzekien durch Begünstigung der Juden wettzumachen suchte, im England Gladstones keine gute Aufnahme gefunden hätte. Auch hatte Lucien Wolf das Gefühl, daß Herzl seine Juden nicht kannte. Aber auch Lucien Wolf konnte sich dem Drange des zionistischen Gedankens nicht für immer entziehen. Er fand eine günstige Gelegenheit, sich der Jewish Territorial Organisation, die von seinem Freunde Israel Zangwill begründet wurde, unter dem Vorwände anzuschließen, daß der Hoismus keine nationale Bewegung darstelle. Es war ihm aber nicht möglich, den Siegeslauf des Zionismus aufzuhalten. Sein Versuch während des Krieges, die zionistischen Bestrebungen zu vereiteln, waren von einem gewissen Erfolg, insofern er in einflußreichen Kreisen gegen die zionistischen Forderungen auftrat und somit die Arbeit der zionistischen Führer erschwerte. Seine Ansicht über die Zukunft Palästinas legte er nieder in dem bekannten Brief an die ״Times“ im Mai 1917, der, obwohl von anderen unterschrieben, von ihm verfaßt war. Die Umwälzungen, die darauf im jüdischen Gemeindeleben, besonders im Board of Deputies, stattfanden, haben ihn am schwersten getroffen. Die unumstrittene Machtstellung, die er als Experte in der jüdischen ausvvärtigen Politik genoß, wurde beschränkt, und, wie er mir vor einigen Monaten mit einer gewissen Schärte ins Gedächtnis riet, es war ihm verboten, sich offiziell mit palästinensischen Angelegenheiten zu befassen. Auch in anderen Punkten hatte die Zeit grundlegende Veränderungen mit sich gebracht. Eine neue Generation ist in England herangewachsen, die trotz aller Hochachtung für die hohe Begabung Lucien Wolfs, es sich nicht nehmen ließ, für die neuen Prinzipien, die das jüdische Leben jetzt beherrschen, einzutreten. Fürwahr, mit Lucien Wolf ist nicht nur ein Mann, sondern auch ein System für immer dahingegangen. Haifa Endpnnkt der Bagdad-IMittelmeerbahn Das ״Berliner Tageblatt“ meldet zur Nachricht, daß Haifa endgültig Endpunkt der Bagdad-Bahn und der fobmönt Company“, welche in der Irak - Regierung gegenüber ihrer Konkurrentin, der alten ״Iraq Petroleum Company“ begünstigt wird, sind englische und italienische Finanzgruppen zu 76 0/0, eine französisch-schweizerische Gruppe zu 12 % und ebenfalls zu 12 «/# eine deutsche Gruppe beteiligt. Hinter der deutschen Gruppe steht die rheinische und Ruhr-Schwerindustrie (Krupp, Gute Hoffnungs-Hütte und Otto Wolff 8t Co.), die sich 38 0/0 der Materiallieferungen für die Rohrleitung und die dazugehörigen Bahnlinien gesichert hat. Die Eisenbahnkonzession soll hingegen, unverbürgten Nachrichten zufolge, Lord Melchett erteilt werden. Der Bau soll als Teil des konstruktiven Programms für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims ausgeführt werden. Bahnbau und Leitungslegung sollen gleichzeitig in Angriff genommen und innerhalb von fünf Jahren fertig• gestellt werden. Während die Zeitungen im Irak ihre Freude über diesen Beschluß ausdrücken, indem sie sich von der neuen Bahn eine Belebung des Touristen- und Pilgerverkehrs versprechen, befürchtet die ägyptische Presse durch die neue Bahn eineSchädigung der Suezkanal-Schiffahrt und eine teilweise Ablenkung des Mittelmeerverkehrs von Alexandrien und Port-Said nach Haifa. (Wie weit diese Meldung den Tatsachen entspricht, läßt sich vorläufig nicht sagen. — Red.) Landeskonferenz des Hapogl Hazair in Deutschland Die Konferenz des Hapoel Hazair in Deutschland, die am 7. September 1930 in Berlin tagte, hat folgende zur Veröffentlichung bestimmten Resolutionen angenommen: 1. Die Konferenz des Hapoel Hazair bestätigt die vom Zentralen Waad befolgte politische Grundlinie. Sie beauftragt den neuen Zentralen waad, den Kampf für die Durchsetzung der vom deutschen Hapoel Hazair vertretenen Auffassung der zionistischen Politik innerhalb der Arbeiterschaft und innerhalb der Zionistischen Organisation fortzusetzen. % 2. Die Konferenz sieht mit Besorgnis, daß die mangelnde Aufklärung über die realen politischen und kolonisatorische» Aufgaben, die das jüdische Aufbauwerk in Palästina zu bewältlgen hat, sowie die Proklamierung politisch extremer Zielsetzungen zur Entwicklung einer nationalistisch-chauvinistischen Riehtung im Zionismus geführt haben, die ihren stärksten Ausdruck^ heute in der Propaganda der revisionistischen Partei findet. Die Konferenz sieht insbesondere mit Besorgnis, daß solche Tendenzen Boden in der jüdischen Jugend gewonnen, die hierdurch ihrer eigentlichen Aufgabe, Träger des nationalen und sozialen Fortschritts zu sein, entfremdet wird. Die Konferenz hält demgegenüber an der Auffassung des konstruktiven, völkerverbindenden und gesellschaftsemeucmden Charakters der zionistischen Bewegung fest, die der Hapoel Hazair seit jeher vertreten hat. Der Hapoel Hazair erblickt im Zionismus die Bewegung, das jüdische Volksleben in Palästina auf eigenem Boden, durch seine eigene Kultur, durch die Errichtung einer politisch freien arbeitenden jüdischen Gesellschaft zu erneuern. Er fühlt sich in diesem Ziel mit der jüdisehen Arbeiterschaft in Palästina verbunden und solidarisch,! Die Konferenz stellt fest, daß bei der Verwirklichung dies«® Zieles das volle Recht der Araber auf politische Freiheit und Selbständigkeit anerkannt wird, wie von den Arabern das Recht der Juden auf Einwanderung und politische Freiheit und Selbständigkeit anerkannt werden muß. Das entstehende gemeinsame palästinensische Staatswesen soll durch die beiden autonomen, in ihrer völligen Gleichberechtigung durch kein Minoritäts- und Majoritätsverhältnis beeinträchtigten Nationen gebildet werden. Die Konferenz ist der Ueberzeugung, daß eine Kooperation von Juden und Arabern auf allen Gebieten des Lebens einen Zustand friedlichen Zusammenlebens der beiden Nationen herbeiführen wird. 1 Als eine der wichtigsten Vorbereitungen für eine politische Verständigung mit den Arabern fordert die Konferenz eine aktive Teilnahme der Jewish Agency an der Ausarbeitung von Vorschlägen für eine Verfassung Palästinas. Eine solche Verfassung muß die unerläßlichen Vorbedingungen für den Aufbau der Jüdischen Nationalen Heimstätte sicherstellen und dev Wunsch der palästinensischen Bevölkerung nach Beteiligung a« der Landesregierung Rechnung tragen. 3. Die Konferenz des Hapoel Hazair tritt zu einen» Zeltpunkt zusammen, wo die Einwanderung von Chaluzim nach Palästina suspendiert ist. Sie protestiert gegen diese Maßnahme der Mandats-Regierung, die trotz der dringenden Vorsteliu»• gen der Exekutive der Jewish Agency nicht rückgängig gemacht worden ist. Die Konferenz fordert, daß die Einwanderung der Chaluzim nicht länger vom Lande ferngehalten wird, und daß die jüdische Einwanderung zukünftig die im Mandat zugesicherte Förderung erhält. Sie erwartet, daß das von der Mandatarmacht in ihren Bemerkungen zu dem Bericht der Permanenten Mändatskömsehen Volkes erfüllt und die ihr vorgetragenen Vorschläge der Jewish Agency berücksichtigt. Sie erwartet insbesondere, daß die Verwaltung in Palästina die die Förderung des Jüdischen Nationalhqjms betreffenden Artikel des Mandates in loyaler Weise ausführt. Die Zionistische Organisation war in ihren Arbeiten bisher von dem Gefühl des Vertrauens zur Mandatarmacht und dem Wunsche nach Zusammenarbeit mit ihr getragen. Die Konferenz ist der Meinung, daß die Beziehungen zwischen Jewish Agency und Mandatarmacht auch in Zukunft von diesem Geiste bestimmt sein sollen. 4. Die Konferenz des Hapoel Hazair stellt fest, daß das vom Administrative Committee der Jewish Agency angenommene Budget in keiner Weise den dringendsten Bedürfnissen der laufenden Palästinaarbeit genügt; insbesondere besteht im Rahmen dieses Budgets keine ausreichende Möglichkeit, di« begonnenen Siedlungen zu konsolidieren, neue Einwanderung Ins Land zu bringen und neue Arbeitsmöglichkeiten zu schäften. Der Hapoel Hazair hält es für notwendig, alle Kräfte der zionistischen Bewegung und der jüdischen Welt zu mobilisieren, um unsere Aufbauarbeit fortzuführen und zu verstärken, und fordert alle seine Chawerim auf, sich mit ailer Energie in den Dienst der Bewegung und ihrer Aktionen zu stellen. Der Parleirat Kongreßpolens gegen Wefzmann Die unter dem Vorsitz von J. Grünbaum abgehaltene Sitzung des Zionistischen Parteirates Kongreßpolens hat eine Reihe von Grünbaum (radikal) und Dr. J. Kahan (Revisionist) angebrachter Resolutionen mit Mehrheit angenommen, die u. a. besagen: Der Parteirat drückt sein tiefstes Bedauern darüber aus, daß Dr. Weizmann in der Berliner Sitzung des A.-C. eine Erklärung abgegeben hat, die als eine Verleugnung des Endziels des Zionismus gedeutet werden kann; der Parteirat sieht in dieser Erklärung eine Tendenz, der englischen Regierung weiterhin in einer Weise entgegenzukommen, die zur Balfour-Dekiaration und Mandat in Widerspruch steht. Der Parteirat erklärt, daß die Endziele des politischen Zionismus darauf hinausgehen, eine endgültige Lösung der Frage des jüdischen Volkes zu finden, die ihre Krönung in der Gründung eines jüdischen Staates in Palästina erhält.. Der Parteirat ist dafür, daß die Leitung der zionistischen Politik nicht weiter in Händen von Führern bleiben könne, die das Endziel des Zionismus, den Judenstaat in Palästina, verleugnen. Der Parteirat fordert die Einberufung des 17. Zionistenkongresses noch im Jahre 1930. Der Parteirat wählte eine Kommission zur endgültigen Fest- Setzung der Taktik und der Stellung der Zionistischen Organisation zu den bevorstehenden Wahlen in den polnischen Sejm. Kurz vor der Sitzung des Actions-Komitees fand in Wien eine Sitzung des Waad Haroschi des Weltmisrachi statt, an der führende Misraehisten aus den meisten Ländern teilnahmen. Die Sitzung beschäftigte sich mit den Fragen, die auf der Tages- Ordnung der A.-C.-Sitzung standen und außerdem mit internen Angelegenheiten des Misrachi. Ueber den Verlauf der Sitzung wird uns mitgeteilt, daß von den Vertretern der Misrachi-Landesorganisatiqnen Deutschlands und Hollands Vorschläge über die Neubildung des Merkas, sowie über die Regelung der Finanzen und Aufstellung des zukünftigen Budgets gemacht wurden, die Gegenstand lebhafter Debatten bildeten. Dabei kam eine tiefgehende Meinungsverschiedenheit über das Arbeitssystem der bisherigen Leitung zum Ausdruck, Nachdem es sich herausstellte, daß die gemachten Vorschläge bei der überwiegenden Majorität des Waad Haroschi keine Unter- Stützung fanden, erklärten die Vertreter des holländischen sowie des deutschen Misrachi, daß sie Landesversamip- Jungen einberufen würden, um zu der Frage Stellung zu nehmen, welche Konsequenzen die betreffenden Länder aus der geschaffenen Lage zu ziehen hätten. New York, 9. September. (J.T.A.) Moses Isaac M i n t z, ein bekannter jüdischer Schriftsteller, der gemeinsam mit Israel Beikind Biiu-Gruppen in Rußland organisiert hat, verstarb in New York im Alter von 70 Jahren. Seinerzeit Landwirt in Palästina, kam er später nach Amerika, wo er in der jüdisch-sozialistischen Bewegung und Presse tätig war. Schloß des Nationalitäten -Kongresses Genf, 7. September. (J. T. A.) Der Kongreß der nationalen Minderheiten Europas stimmte den Thesen Dr. J. Wilf a n s über die Entwicklung von Volksgemeinschaften bei den einzelnen europäischen Völkern zu. Abg. G r a e b e, Vertreter der deutschen Minderheit in Polen, legte inbetreff der Organisationsfragen folgende Entschließung der Organisationskommission vor: Der Kongreß beauftragt den Ausschuß des Nationalitätenkongresses, welcher aus den Herren Dr. Wilfan, Prof. Kurtschinsky, Dr. Lewicky, Maspons i A n g 1 a s e II, Leo Motzkin, Dr. Schiemann, Dy. v. S zü IIö und O 1 an 0 bestehen soll, die Beschlüsse des diesjährigen Kongresses durchzuführen und die nächste Tagung vorzubreiten. Olt nädisle Nummer enthält die (UUdffHiMdiabHhungs-Lislen des litiL