Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 70 (5.9.1930)
- Date
- 1930-09-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 70. 5. IX 1930 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 401 In Vertretung des von Berlin abwesenden Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Direktor Georg Kareski, hieß das Vorstandsmitglied, Dr. Max Kollenscher, die Gäste im Namen der Berliner Gemeinde, die mehr als 203 OM Juden, also die HäHte der preußischen und ein Drittel der gesamten deutsehen Judenheit, repräsentiert, herzlich willkommen. Die Jüdische Gemeinde als eine Körperschaft öffentlichen Rechtes und die Jewish Agency als eine vom Völkerbund anerkannte öffentlich-rechtliche Körperschaft besitzen die äußere Autorität, und nun gelte es, die innere Autorität im Judentum zu gewinnen. Die Jewish Agency, die eine große Aufgabe löst, sichere sich diese innerjüdische Autorität in einem immer höheren Maße, in ihrem engeren Kreise ist auch die Gemeinde bestrebt, eine solche innere Autorität zu gewinnen, indem sie über ihre engeren Aufgaben und Sorgen hinaus darauf bedacht sein will, dem Klai Jisrael zu dienen. Was aber ist dem Klal Jisrael näher als Erez-Israel? Der Redner weist auf die Stiftung eines Lehr- Stuhls an der Hebräischen Universität in Jerusalem durch die Jüdische Gemeinde Berlin hin sowie darauf, daß die Gemeinde Ihren früheren Vorsitzenden und jetzigen Vizevorsitzenden, Herrn Kommerzienrat Gerson Simon, offiziell in das deutsche Initiativkomitee der Jewish Agency entsandt hat. Wir wissen, schloß der Redner, daß die Jewish Agency schwere Sorgen hat, sie hat aber auch das Glück, die Interessen des Judentums zu vertreten. Wir wünschen, daß nicht ein Jota von diesen Interessen unvertreten bleibt, und daß alles für das jüdische Volkk erreicht wird. Als erster antwortet Nahum Sokolow. Die Jüdische Gemeinde Berlin — so führt er aus —■ hat von je das geistige Leben des Judentums beeinflußt. Von Moses Mendelssohn bis auf die Gegenwart haben jüdische geistige Führer Berlins jüdische Wissenschaft und jüdische Geistigkeit befruchtet. Im Namen der Jewish Agency ruft er: es lebe die Jüdische Gemeinde Berlin. Der nächste Redner, der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Gemeinde, Geheimrat Dr. J. Stern, wünscht der Jewish Agency Erfolg zu ihrer Arbeit, einer Arbeit, dem ganzen jüdischen Volke zum Segen. Felix M. Warburg , der Vorsitzende des Administrative Committee der Jewish Agency, sprach von der Arbeit und den Sorgen der Agency und sagte, so schwer diese Arbeit sei, sie ist der Mühe wert und sie muß getan werden. Diese Arbeit eint uns, einerlei aus welchem Lande war stammen. Aber Berlin leiht uns große Kräfte für das gemeinsame Werk. Unser Dr. Bernhard K a h n ist die Seele der großen gesamtjüdischen Aufbauarbeit, Berlin hat uns ihn und Dr. Senator gegeben. Warburg sprach noch von dem Einfluß der Frauen auf die Palästina-Ärbeit und rühmte das Werk der Hadassah. Er schloß mit dem Ausdruck des Dankes für die schöne Aufnahme und für die geleistete Hilfe. Im Namen der Fraktion der Jüdischen Volkspartei begrüßte R.-A. Dr. Klee die Vertreter des Weltjudentums und führte aus, der Geist der Jewish Agency werde in diesen Räumen gepflegt, wir wollen ihn zum Geist des Judentums machen, jewish Agency bedeutet, daß wir unser Schicksal nun selbst schmieden wollen, nachdem wir immer nur Ambos waren. Auch die Jüdische Gemeinde Berlin wird sich einreihen in den Klal JisraeJ und ihren Beitrag für den Keren Hajessod leisten. Wir hoffen, daß die Ideen der Agency Gemeingut der Judenheit Berlins werden. Sejmdeputierter Färbst ein, Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde, überbrachte die Grüße dieser größten jüdischen Gemeinde Europas und sprach die Hoffnung aus, daß das Judentum durch die Jewish Agency zu einer Gemeinde werde. Namens der Berliner Rabbiner begrüßte Rabb. Dr. Arthur Levy die Gäste und gab dem Bedauern Ausdruck, daß heute noch die Gemeinde nicht einig sei in der Frage der Agency, ';die dasjKd׳entpn..fftt,ä8s Werte,to'ÄUfb.at»l-RÄlstipas״ejnigen1 "׳Mil. ־ ■י־•■‘ י' ' ׳ י "' ‘ " . ׳' ׳ * Am 30. August veranstaltete der Vorsitzende des Administrative Committees der Jewish Agency, Herr Felix M. Warburg, einen Empfangsabend für die Mitglieder des Administrative Committees und des Councils der Jewish Agency für das Präsidium des Deutschen Keren Hajessod. Im Verlauf des Abends, der sehr angeregt verlief, ergriffen die Herren Felix Warburg , Dr. Weizmann, Dr.Baeck, Direktor Wassermann, Dr. h. c. Max M. Warburg, Ussischk i n und Sokolow das Wort. Für den folgenden Abend hatten die ״Deutschen Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Jewish Agency“ die Teilnehmer der Taoung ferner die Mitglieder des Deutschen Komitees Pro Palästina und eine größere Anzahl von Freunden und Mitgliedern des Deutschen Keren Hajessod zu einem Bierabend in das Logenhaus eingeladen. Nach einer Begrüßung durch Herrn Direktor Wassermann sprachen die Herren Oberrabbiner Dr. Loew (Szegedin) und Nahum Sokolow. Zar Krise Im Ä.-C. Die Erklärung der Arbeiterpartei Die Erklärung, die während der von uns bereits geschilderten Krise im zionistischen A.-C. von dem Vertreter der Arbeiterpartei, Ben Gurion, abgegeben wurde, wird jetzt im vollen Wortlaut der Presse übergeben. Sie lautet: Im Namen des Arbeiter-Flügels gebe ich dem Bedauern darüber Ausdruck, daß sich an die Rede Dr. Weizmanns eine Diskussion dieser Art knüpfen konnte — wenn wir auch nicht mit allem, was Weizmann gesagt hat, übereinstimmen. Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina und mit ihr die gesamte zionistische Arbeiterbewegung, die sich nach wie vor der vollständigen Verwirklichung des Zionismus widmet, haben den festen und durch nichts zu erschütternden Glauben an den Willen und die historische Bedingtheit des jüdischen Volkes, in sein Land zurückzukehren und dort ein wirtschaftlich, sozial, kulturell und staatlich selbständiges Leben aufzubauen, als freie Nation, von keinem Volke beherrscht und kein anderes Volk beherrschend. In dem ehrlichen und treuen Bestreben, Beziehungen der Freundschaft, Solidarität und Zusammenarbeit zwischen uns und dem arabischen Volke zu schaffen, sind wir überzeugt, daß es möglich ist, in Palästina Millionen Juden anzusiedeln, ohne irgendwie die Rechte, die Interessen und die nationale Selbständigkeit der arabischen Bevölkerung des Landes anzutasten. Wir bekämpfen jede Tendenz, die daraut hinzielt, der Hoffnung des jüdischen Volkes auf Wiederauflebung und Befreiung in Palästina herabzumindern. Ebenso bekämpfen wir den schädlichen Versuch, unsere unaufhörliehe Tätigkeit zur Verstärkung und Ausdehnung unserer Positionen in Palästina durch fruchtlose und inhaltlose Debatten über politische Formulierungen und Terminologien, die in dem Baseler Programm gar nicht enthalten sind, jenem Programm, das seit Bestehen der zionistischen Bewegung als ihr offizieller Ausdruck anerkannt ist, zu verfälschen. In der Heraufbeschwörung eines solchen Wettstreits erblicken wir eine moralische und politische Schädigung der Bewegung und einen Vorwand, die schwere Last des Aufbauwerkes im Lande von sich abzuwälzen. Der wirkliche zionistische Wille muß sich vor allem erproben in einer ununterbrochenen Anstrengung, den Aufbau des Landes zu beschleunigen, die Positionen des Jischuw zu vergrößern und unsere politischen Rechte zu verteidigen. Einzig diese Anstrengung bildet die wirkliche Garantie für eine vollständige Verwirklichung des Zionismus. Der Zionismus in der Agency Blumenfelds Rede im Adm.-Comm. In der Debatte im Administrative Committee der Jewish Agency hielt der Vorsitzende der Z. V. f. D., Kurt Blumenfeld, nachstehende Rede: Ich halte es für meine Pflicht, einen Irrtum zu berichtigen, in dem sich viele unserer Mitglieder befinden. Sie haben von der Debatte gehört, die im zionistischen Aktions-Comiie stattfand und wissen alle, daß sich dort die Zionisten über die Endziele des Zionismus unterhalten haben. Es ist der Irrtum entstanden, als ob es sich dort um einen Kampf zwischen einem ״radikalen“ und einem ״weniger radikalen“ Zionismus gehandelt hat. Es ist daher unsere Pflicht, Ihnen offen und freimütig zu sagen, daß diese Debatte seit 40 Jahren in der zionistischen Welt geführt wird und daß der Zionismus immer die Lösung der Judenfrage erstrebte. Sein Ziel war die Freiheit für das jüdische Volk in Palästina und die Schaffung der hierzu notwendigen Bedingungen. Und die Debatte über die Endziele ist nur eine Debatte darüber, ob diese oder jene Bedingungen ausreichen, um diese volle Freiheit des Lebens zu garantieren. Und wenn man daraus den Schluß gezogen hat, daß jemand auf den Gedanken verzichtet, die nationale Freiheit in Palästina in ihrer ganzen Größe aufzurichten, so ist das ein Irrtum. Ich halte diese Berichtigung für notwendig im Interesse unserer gemeinsamen Arbeit. Denn diese Arbeit ist ein Bündnis zwischen Zionisten und Nicht- Zionisten. Sie kann nur gelingen, wenn der zionistische Radikalismus, nämlich die große Sehnsucht und Kraft der zionistischen Bewegung, vorhanden ist. Alle die von den Freunden des Palästina-Werks erhofften geistigen und sittlichen Leistungen werden nur entstehen und lebendig bleiben, wenn eine zionistische Welt vorhanden ist, die ihr Schicksal in Erez-Israel erfüllen will und die glaubt, daß siedieLösungderJudenfrage und der Judentumsfrage herbeiführt. Wenn dieser Glaube fehlt, dann bricht das Werk zusammen, dann gibt es kein Bedürfnis mehr, der Palästina-Frage das Interesse zuzuwenden. In diesem Zusammenhang will ich einige Worte über das letzte Jahr sagen: Wir fragen uns heute, was mit unserem Werk geschehen soll; denn wir haben uns noch niemals in einer so schweren Situation befunden wie heute. Im vorigen Jahre hat man vor der Notwendigkeit gestanden, einen Emergency Fund zu schaffen, heute müßte man erst recht fühlen, daß ein höchster Notstand besteht. In den Reden wurde bereits erklärt, warum man nicht mehr erreichen konnte. Damit ist aber wenig geholfen. Ich würde das noch verstehen, wenn man sich in einer augenblicklichen, vorübergehenden Wirtschaftskrise befände, wir leben aber in einem Weltwirtschaftsprozeß, der uns allen bekannt ist, der sich gegen die Juden richtet, und in dieser ungünstigen Zeit sinkender Konjunktur muß das ganze jüdisehe Volk ein ungeheures Werk vollbringen. Und darum muß die Debatte um die Frage gehen: Was sollen wir im nächsten Jahre tun? Jede Vorstellung, wir müßten uns mit weniger begnügen, ist unmöglich. Denn wir haben einen Jischuw, der eine Pause nicht ertragen kann. Es sei mir, einem Freunde der Agency, gestattet, hier ein Wort der Kritik zu sagen. Wir müssen bei unserer Arbeit lernen;und wy allem auch ,«!«1riil@^f־.;־lernen. daß man heute versucht, den Gedanken der durch Sammlungen aufgebrachten nationalen Mittel zu bagatellisieren — Sie sehen, daß das ja auch Zionisten tun — und dem gegenüber den Gedanken von Investments auszuspielen und zu sagen, daß nur das der richtige Weg ist und daß es öffentliche Mittel nur geben kann für Gesundheit und Erziehung, aber nicht für den Aufbau des Landes. Ich will diese Frage nicht grundsätzlieh behandeln, ich will Ihnen nur sagen, daß auch wir praktische Leute sind und keine Doktrinäre. An zwei Fällen will ich das Gesagte demonstrieren: Sie sprachen hier von den Kon- Zessionen und Herr Wassermann rühmte so sehr die Kapitalsanlage beim Rutenberg-Werk und bei der Potash Company Ltd. Wir kennen die Entstehungsgeschichte dieser großen Kon- Zessionen; sie sind beide eine Schöpfung der öffentlichen Mittel, des Keren Hajessod. Ohne daß das nationale Kapital Schrittmacher gewesen wäre, hätte niemals die P. E. C. die Möglichkeit gehabt, sich für diese Institutionen zu interessieren. Man hat auch davon gesprochen, daß eine Zentralbank, deren Zweck die Förderung von Kooperativen ist, ohne Verlust arbeilet. Sie hat keine Verluste, das ist richtig, und der Grund liegt darin, daß sie fast ausschließlich Schuldner hat, für die durch die öffentlichen Mittel garantiert wird. Wenn eine kreditfähige Gesellschaft da ist, kann eine Kreditbank mit Erfolg arbeiten. Sogar Balfouria, eine amerikanische Gründung auf privat-wirtschaftlicher Basis, konnte ihre Existenz nur dadurch retten, daß der Keren Hajessod die Garantie für ihre Schulden bei der Zentralbank übernahm. Ich hielt es für nötig, einige Beispiele zu bringen, um die Frage Fonds und Investments gegeneinander abzuwägen. Als wir den Keren Hajessod in Deutschland gründeten, waren die Methoden unserer Arbeit auch neu und die Aussicht auf Erfolg ungewiß. Auch in Amerika gibt es neue Möglichkeiten. Es ist falsch, daß jede Kritik von außen mit Mißtrauen aufgenommen wird. Wenn man prüft, wie hier der Keren Hajessod entstanden ist, so wird man feststellen können, daß hinter ihm die lebendige Kraft einer radikalen zionistischen Bewegung stand. Mit den üblichen Drive-Methoden wird auf die Dauer ein Erfolg nicht möglich sein. Man muß die hinter der Aktion stehende Volksbewegung spüren. Das sind keine allgemeinen Behauptungen; ich bin auf diesem Gebiet ein reiner Praktiker, und ich glaube, daß man auch in Amerika auf unserem Wege zum Ziel kommen wird. Ich übe die Kritik um der Agency willen. Haben wir noch ein solches Jahr, dann wird die Freundschaft allein für die großen Gedanken nichts nützen, denn es ist ein Werk da, das um sein Leben kämpft. Nach der arabischen Zeitung ״Marad el Schark“ hat in Nazareth eine Versammlung stattgefunden, an der mehr als 30 arabische Notabein und Beduinen-Scheichs sowie zwei jüdische Führer teilgenommen haben. Nach längeren Verhandlüngen sei von den Anwesenden eine Eingabe an die Reglerung unterzeichnet worden, in der verlangt wird a) zwischen Arabern und Juden Frieden herbeizuführen, b) dem Einfluß des Obersten Moslemischen Rates und der Arabischen Exekutive ein Ende zu setzen. (Ziko.) Presseschan In der neuen Nummer von ״The New J u d a e a“ äußert sich Leonard Stein über das entstandene Verhältnis zwischen Großbritannien und den Juden. Kein denkender Zionist — so führte L. Stein aus — kann sich wohlfühlen angesichts des Schauspiels eines offenen Konfliktes in Genf zwischen der Mandatarmaebt und der Jewish Agency. Die Regierung hat jedoch die Agency zu diesem Kampf gezwungen. Der Zusammenstoß war betrüblich wie ein Famiücnstreit. Es ist natürlich, daß die Juden sich durch Ausdrücke der Sympathie gestärkt fühlen. Das Mandat ist ein internationales Institut und Großbritannien kann sich daher nicht über internationale Kritik beklagen. Aber wenn dies alles gesagt und getan ist, dann muß man sich schließlich doch erinnern, daß Großbritannien die einzige Macht ist, die etwas Greifbares für den Zionismus getan hat, und auch die einzige Macht, von der in Zukunft etwas Greifbares erhofft werden kann. Wenn Zionisten protestieren, wozu sie reichlich berechtigt sind, so wird dies nicht schaden, falls sie dabei daran denken, daß Großbritannien sich dieser Kritik ausgesetzt hat eben weil es bereit war, praktische Verpflichtungen im Intcresse des Jüdischen Nationalheims zu übernehmen. Es ist ein unanzweifelbares Recht der Zionisten, ihre Rechte zu vtrteidigen, aber man muß unterscheiden zwischen dem Geist, in dem man einen Feind angreift und dem Geist, in dein man an einen Freund appelliert. Dies ist jedoch nicht nur eine Frage des Gefühls. Wenn jemand nach den Reden der letzten Revisionisten-Konferenz urteilen wollte, könnte er meinen, daß das Mandat in der vollen Verfügung der Jewish Agency steht. Jabotinsky hat z. B. gesagt: ״Die jetzt beginnen de Periode muß als Prüfzeit betrachtet werden. Am Ende dieser Periode wird die Judenheit ihre Schlußfolgerungen zu ziehen haben, ob Großbritanniens A!Wesenheit in Palästina noch im Interesse des Zionismus liegt.“ Die Zionisten sind gewiß genügend realistisch, um zu erkennen, daß diese Art Rederei nur die Leute, die sie von sich geben, lächerlich macht. Bloßer Bombast wird uns nirgendwo hinführen. # Die ״Official Gazette“ Palästinas enthält folgende neue Eintragung in das Gesellschafts-Register: ״Imperial Chemical Industries (Levante Ltd.)“. Die neue Gesellschaft, die die Niederlassung der British Imperial Chemical Industries für die Levante darstellt, hat ein eingetragenes Kapital von 175 000 Pfund und die Aufgabe, die Erzeugung und den Handel von chemischen Produkten und Farbstoffen aller Art zu betreiben. (Ziko.) ArbeUeriepatierfe In Paläslina Jerusalem, 1. September. (J.T.A.) A. D. Denma*., Abgeordneter der Arbeiterpartei aus Leeds, überbrachte einer hier zu seinem Empfang und dem der Herren Abraham S h i p - lakow, Morris Finestone und Isaac HamIin Vom amerikanischen Arbeiter-Palästina-Komitee sowie dem jüdischen Mitglied der Arbeiter-Partei im südafrikanischen Parlament, Morris Ken t ri d g e, am 29. August abgehaltenen Arbeiterver- Sammlung die Grüße der englischen Arbeiterpartei. In seiner Ansprache führte er etwa folgendes aus: Ich bin erfreut, das jüdische Aufbauwerk in Palästina zu sehen. Ich habe viel Kritik gehört, bin aber gekommen, um euch zu ermutigen. Ich nehme Anteil am Jüdischen Nationalheim nicht als einer bloß jüdischen Unternehmung, sondern weil es Bedeutung hat für die ganze Welt. Ich glaube, daß die Juden eine Brücke zwischen Ost und West bauen werden, und wenn dfts der Sinn des Jüdischen Nationalheims ist, so ist dieses Werk das bedeutendste der Gegenwart * Kentridge begann sei« Ansprache hebräisch und fuhr englisch fort: Ich habe hier Wunder gesehen, vor allem in der Jisrael-Ebene, in Tel-Awiw und beim Ruthenberg-Werk. Das jüdische Werk bedeutet einen Fortschritt in Zivilisation und Ethik der Welt. Arbeitnehmer und Arbeitgeber hier denken nicht an persönlichen Vorteil, sondern daran, das Jüdische Nationalheim aufzubauen.. Jüdische Arbeit dient auch der Besserung der Lage der Araber. Unbeschadet der begangenen Fehler wird die englische Regierung ihre Versprechungen halten. In begeisterten1 Worten sprachen sich Ship lakow, Finestone und H a m I in über das in Palästina Gesehene aus und erklärten, sie würden nach ihrer Rückkehr nach Amerika alle ihre Kräfte der Palästina-Arbeit widmen. Sie kritisierten die Haltung der englischen Regierung dem Palästina-Aufbauwerk gegenüber und ,warnten die Revisionisten vor jedem Versuch, eigene Gewerkschaften in Palästina zu gründen. Anlagen der Oelgesellschaften in Haifa. Nach dem ״Commercial Bulletin“ hat die Aufstellung der neuen Tanks für die Shell Co. in Haifa sowie die Anlage von Untersee-Rohrleitungenin den letzten Wochen große Fortschritte gemacht. Die zwei neuen Unterwasserrohrleitungen werden künftig die Tankdampfer direkt mit den Tanks in den Lagern der Gesell- Schaft verbinden. Die beiden Rohrleitungen haben einen Durchmesser von je 10 Zoll und erstrecken sich etwa 750 m in die See, so daß das Oelschiff in dieser Entfernung von der Küste seine Ladung direkt in die Tanks entladen kann. Die Eiitrichtungen der Shell Co. können auf Grund eines Uebereinkommens auch von der Vacuum Oil Company benutzt werden, dif sich an den Herstellungskosten beteiligt hat. Mit der Fertigstellung des Haifaer Hafens wird die gesamte Installation in die eigentliche Oelzone des Hafens verlegt werden, von der aus Ueberland-Rohrleitungen direkt in die Reservoire der verschiedenen Oelgesellschaften führen werden. Nach einer Pressemeldung aus Amman haben die britischen Oelgesellschaften beschlossen, eine Eisenbahn von M ossul nach Zerka in Trans jordanien und von dort nach Akaba. und nach Haifa zu führen. Zunächst sei für diesen Plan ein Betrag von 200000 Pfund bereitgestellt w׳orden. Die Ingenieure werden mit dieser Arbeit im kommenden September beginnen, nachdem die Zeichnungen und die Ausarbeitung der Pläne bereits fertiggestellt seien. Die Regierung habe sich anebiieh bereit erklärt, 400 Soldaten zur Bewachung der Eisenahn zur Verfügung zu stellen. (Ziko.) Prof. Eduard Meyer, der vor kurzem in Berlin starb, hat sich auch mit der Erforschung der Geschichte des alten Israel, der Entstehung des Judentums und der Beziehungen zwischen Judentum und Christentum bei Entstehung des Christentums beschäftigt. Er veröffentlichte 1896 ״Die Entstehung des Judentums“, 1906 in Verbindung mit B. Luther ״Die Israeliten und ihre Nachbarstämme“; in seinem großen Werke ״Ur- Sprung und Anfänge des Christentums“ gab er eine Darstellung der Geschichte des alten Israel und beleuchtete namentlich die politischen und kulturellen Einflüsse aller Völker des Vorderen Orients auf die Entwicklung Israels. In dem Judentum sah Meyer, wie die gesamte christliche Theologie, eine Vorstufe des Christentums, ohne dessen eigenem Wert immer gerecht zu werden. Er besuchte wiederholt Palästina und hielt 1927 eine Gastvorlesung an der Universität Jerusalem. Nach seiner Rückkehr nach Berlin hielt er auf Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung vor einem jüdischen Publikum einen Vortrag über das neue Leben im alten Lande. Die linken Poale-Zion haben beschlossen, sich am Allwelilichcn Kongreß für das Arbeitende Palästina, den die Histadruth für den 27. September nach Berlin einberuft, zu beteiligen. im וו ä ilii?