Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 68 (29.8.1930)
- Date
- 1930-08-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 68, 29. VTII. 1930 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 449 Die Sftbbaih ״Weltkonfcrenz Die Eröffnungssitzung in der Singakademie am 24. d. Mi vormittags war außerordentlich stark besucht und legte Zeugnis von dem Interesse ab, welches die Frage des Sabbat-Oedankens beim jüdischen Volke findet. Es drückt sich doch darin neben dem Wunsche, einer religiösen Satzung zu genügen, das Be■ streben aus, die als Erbe bekommene Eigenart zu bewahren und den in jüdischer und menschlicher Hinsicht in gleichem Maße verderblichen Zersetzungserscheinungen der jüdischen Oemelnschaft entgegenzutreten. Es war auffallend, daß insbesondere die aus Palästina gekommenen Vertreter bei der Begrüßung durch Dozenten Orünberg mit lautem Beifallklatschen willkommen geheißen wurden. Auch Im Laufe aller Verhandlungen trat die zentrale Bedeutung Palästinas und des dort neu entstehenden jüdischen Lebens für die Versammelten klar zutage. Immer wieder klang klar ausgedrückt oder sozusagen zwischen den Worten die große Hoffnung durch, welche auch in religiösen Kreisen auf die Renaissance jüdischer Art in Palästina gesetzt wird. Allgemein war der tiefe Eindruck, daß diese Tagung durch den Ernst, der auf ihr herrschte, durch die große Beschickung aus allen Teilen der Welt eine beachtenswerte Kundgebung darstellt. * Der Präsident des Weltverbandes Scbomre Schabbos, Seminardozent Dr. Samuel Orünberg, begrüßte die Führer des religiösen Judentums, die Vertreter der Reichs-, Staats- und Stadtbehörden, die Vertreter der französischen und der italienischen Botschaft, sowie mehrere Gesandtschaften auswärtiger Regierungen, die Vertreter der verschiedenen jüdisehen Gemeinden und Organisationen des In- und Auslandes und der lüdischen Gemeinde Berlin. Einen besonders herz* liehen Willkommengruß bot der Redner den Delegierten aus Erez-Israel. Er entwickelte sodann Idee, Ziele und Organisation der Schomre Schabbos. Der sabbattreue Jude unserer Zeit ist entweder zu kaum tragbaren Opfern oder zur Entweihung des Sabbat gezwungen. Die größte Oefahr offenbart sich in den unsozialen Sonntagsruhe-Gesetzen unserer Länder. So wurde das religiöse Sabbat-Problem in unserer Zeit zu einem sozial-ökonomischen Problem, und die Lösung ist hauptsächlich auf sozial-ökonomischem Wege zu suchen. Der Kongreß wird über verschiedene wirtschaftliche Projekte und Pläne der Abhilfe beraten und entsprechende Beschlüsse fassen. Der Weltverband für Sabbatschutz soll die Solidarisierung der Gesamtjudenhelt mit dem Sabbat bewirken. Der Weltverband für Sabbatschutz, schloß Dr. Orünberg, richtet einen Appell an alle Kultumationen, in deren Mitte Teile unseres Volkes leben:: Oebet dem alten jüdischen Volk die Möglichkeit, seinen Sabbat zu halten! Die Bewegung der Fünf-Tage- Arbeitswoche in Amerika kann der Stern der Erlösung für unseren gefährdeten Sabbat werden. Der Sabbat in Erez- Israel muß mustergültig sein für die ganze Diaspora. Legationsrat Prof. Dr. M. Sobernheim begrüßte die Konferenz namens der Reichsregierung und der Preußischen Staatsregierung. Von den sonstigen Begrüßungsreden sind zu erwähnen: Herr James Goldschmidt im Namen des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Rabbiner Dr. Meier Hüdesheimer für die israelitische Synagogengemeinde Adaß Jisroel. Rabbiner Dr. Unna-Mannheim namens des traditionell fesetzestreuen Rabbinerverbandes. Rabbiner Dr. Max Wienererlin für den liberalen Rabbinerverband u. a. Rabbi Meir Berlin! mit einer großen Ovation empfangen, begrüB* in hebräischer Ansprache den Kongreß namens der Zionistischen Exekutive, der zionistischen Föderation Misrachi und des Waad Lettmi. Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M. begrüßt namens der Agudas Jisroel-Weltorganl sation. Es folgen die Referate von Dr. Hertzog über ,)Sabbat als heiligende Kraft in Israel“ und Dr. Sulzberger über ״Sabbat und Wirtschaft“. In der Nachtsitzung vom 27. August erstattete Stadtrat Desider K o r«i n {Budapest) sein Referat über ״Sonntagsruhe, Kirchen- oder Sozialpolitik“. Er setzte die Erfahrungen auseinander, die er in 30 jähriger Arbeit ziun Schutz der sabbattreuen Juden Ungarns gewonnen hat» Bei der Bekämpfung der absoluten Sonntagsruhe muß man sich auf die soziafpohtischen Argumente beschränken, die in der Tat so wirksam sind, daß sie z. B. in Ungarn die gesetzliche Verfügung absoluter Sonntagsruhe verhindert haben. — In der Vormittags- Sitzung vom 25. August erstattete Rabbiner Dr. Ansbach er (Wiesbaden) sein Referat über *Sabbat-Idee und Zeitgeist“, in dem er eine ideologische Grundlegung der Sabbatbewegung und des Sabbatgedankens in dieser Zeit zu geben versuchte. Anschließend referierte Rev. Dr. Bernhard Drachman (New York) über ״Die Fünf-Tage-Arbeitswoche als Lösung des Sabbatproblems“. Der Referent ging davon aus, daß geringe Erfoigaussichten für die Lösung des Sabbatproblems bestehen, solange dieses lediglich als interne jüdische Angelegenheit betrachtet wird. Die Mitwirkung nichtiüdischer Kreise sei aber erreichbar und eine Lösung des Problems Ist möglich in der Weise, daß die bisherige Sechs-Tage-Arbeitswoche durch eine Fünf-Tage-Arbeltswoche ersetzt wird, wodurch für die ganze Bevölkerung zwei Tage in der Woche arbeitsfrei werden. Erfahrungen In Amerika zeigen, daß die Idee praktisch durchführbar ist. Auf dem Gebiete des Schulwesens ist die Fünf- Tage-Woche in Amerika bereits vollständig durchgeführt und die Resultate sind gut. Dr. med. Henry Keller (New York) sprach dann über ״Die medizinische Bedeutung der FÜnf-Tage-Arbeitswoche“. Er legte die Vorteile der Fünf-Tage-Woehe dar und befürwortete die Einführung dieses Systems. In der Diskussion äußerten sich zu den angeschnittenen Problemen u. a. Dr. Meier Hildesheimer (Berlin), Dr. Alphonso Pacific! (Florenz), Bin Nun (Tel-Awiw), der die Konferenz im Namen der Thora-Waawodah-Bewegung begrüßte und Dr. Würzburger. Der bekannte deutsche Agudist Nußbaum machte den Vorschlag, in der Nähe der stark von Juden bewohnten Städte landwirtschaftliche Großbetriebe mit angeschlossenen gewerblichen Produktionsstätten zu schaffen. In der Sitzung von Montag nachmittag sprach (in An- Wesenheit des holländischen Gesandten) Fabrikant Henry Guggenheim über die Konzessionen, die seitens der holländischen Regierung den Juden gemacht werden und über die entgegenkommende Form der Handhabung der Sonntagsruhe. Jakob Rosenheim (Frankfurt a. M.) spricht über die Arbeit des Reichsverbandes für Stellenvermittlungen. Es soll eine sabbattreue Arbeitnehmergewerkschaft gebildet werden, die bei den Regierungen Petitionen Vorbringen solle, die Interessen der jüdisehen Arbeiter wahrzunehmen. Ebenso solle eine Berufsberatungs- und Ausbildungsstätte in allen Ländern geschaffen werden. Am 26. August, am späten Abend, ging die Konferenz zu Ende. Der dritte Kongreßtag war hauptsächlich der Beratung und Annahme der Statuten des Weltverbandes der Schomre Schabbos der Beratung und Annahme der Resolutionen und der Wahl eines Präsidiums und eines Generalrates gewidmet. Der Statutenentwurf wurde nach mehrstündiger, oft recht lebhafter Debatte nach verschiedentlichen Abänderungen angenommen. Der Kongreß schritt nach Annahme der Statuten und der Entschließungen zur Wahl des Präsidiums und des Zentralkomitees. Zum Präsidenten des Weltverbandes wurde der bisherige vorläufige Präsident, Herr Seminardozent Dr. Samuel Grünberg, gewihlt. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt Dr. Paul Sulzberger und Dr. Emil Hirsch. Es wurde ein viclgliedriges Zentralkomitee gewihlt, dem jüdische religiöse Führer aus allen auf dem Kongreß vertreten gewesenen!.ändern angehören. Mit einer Ansprache des Präsidenten Dr. Grünberg schloß der Kongreß. Von den angenommenen Resolutionen sind zu erwähnen: Resolution zur Kalenderreform: Der 1'n Berlin vom 24.-26. August 1930 tagende ״Weltkongreß für Sabbatschutz hat sich mit der geplanten Kalenderreform eingehend beschältigt. Von der Erkenntnis getragen, daß die Heiligung des siebenten Wochentages im göttlichen Schöpfungswerk unlöslich verankert Ist, richtet der Weltkongreß den Appell an die gesamte Ku'.turwelt, im besonderen an alle Instanzen, die sich mit einer Abänderung des Kalenders befassen, diese in einer Weise durchzuftihren, durch die die Unverrückbarkeit des Sabbats gewähr-;::״et wird. , Resolution zur Frage der Fünf-Tage-Arbeitswochc: Nach Anhörung der amerikanischen Referenten zur Frage der Fünf-Tage-Arbeitswoche beauftragt der Kongreß das Präsidium, dafür einzutreten, daß überall da, wo der Gedanke der Fünf-Tage-Arbeitswoche verwirklicht wird, der jüdische Sabbath einer der beiden Wochen-Ruhetage sein soll. Resolution betr. Sountagsru hegesetz ge bung: Der Kongreß erblickt in den Beschränkungen, die auf die jüdisehe Erwerbsfreiheit durch die Sonntagsruhegesetzgebung gelegt sind, eine Beeinträchtigung der Religionsfreiheit und richtet an die Regierungen der Welt den Appell, ihren, den Sabbat be- &Ä- NeSjtduti-Mfiön'dei HtiL IST ALLJÄHRLICH DAS ZEUGNIS FÜR DEN ERNST UND DU KRAFT DER ZIONISTEN DEUTSCHLANDS 5689 5490 5491 EIM GESETZ ZIONISTISCHER LEISTUNG: da* Maxütuw/ imtQMte/H— Mitoitumtsfüjr •totfy**’! obachtenden jüdischen Bürgern gegenüber die Strenge der gesetzlichen Bestimmungen der Sonntagsruhe zu mildern. Sozialwirtschaftliche Entschließungen: Der Weltkongreß weist die jüdischen öffentlichen Institutionen darauf hip. daß sie in erster Reihe in der Lage und dazu berufen sind, durch Anstellung von sabbathaltenden Beamten die Idee der Sabbatheiligung zu stärken. Der Weltkongreß erwartet von allen selbst den Sabbat beobachtenden Unternehmern, daß sie dazu beitragen, Schomre Schabbos Exlstenzmögllchkeiten zu gewähren. Der Weltkongreß appelliert gleichzeitig an die Inhaber anderer Betriebe, sabbatfreie Stellen zu schaffen. Die Versammlung beschließt einen dringenden Appell an alle Organisationen, deren Haupt- und Nebenziele die Berufstimschichtung der Judenheit ist. zu richten, bei ihrer Arbeit die Interessen der Schomre Scfiabbos zu berücksichtigen. Der Kongreß beschließt die Einsetzung eines ständigen, aus Männern der Wirtschaft zusammengesetzten Wirtschaft«- ausschusses, der am Orte des Präsidiums seinen Sitz hat. Der Ausschuß ernennt in den verschiedenen Ländern korrespondierende Mitglieder, die territoriale Wirtschaftsausschüsse zu bilden haben. Zum Aufgabenkreis des Wirtschaftsausschusses gehört die Prüfung und Bearbeitung aller Vorschläge, die geeignet sind, Schemiras Schabboth zu ermöglichen. Hierzu gehört insbesondere: 1. Schaffung von Genossenschaften (korporative) auf dem Gebiet von Produktion, Konsum, Kredit und Siedlung. 2. Propagierung von Berufsumschichtung jüdischer Menschen und deren Vorbereitung zu solchen Berufen, die Beobachtung des Sabbat möglich machen. Handwerk und Land- Wirtschaft sowie Hausindustrie sind dabei besonders zu berücksichtigen. 3. Einflußnahme auf staatliche und kommunale Instanzen zur Beseitigung sabbathindernder Bestimmungen (Sonntagsruhe, Verlegung der Lohnzahlungstage, Messen und Märkte. Achtung* Gemeinde wählen! Die Wählerlisten zu den Wahlen der Repräsentantenver- Sammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin und zum Landesverband Preußischer Synagogen-Gemeinden liegen nur bis zum 11. September 1930 zur Einsichtnahme aus. Wer nicht in der Wählerliste steht, dar! nicht wählen. Es ist daher Pflicht eines jeden, sofort festzustellen, ob er, seine Familienangehörigen und seine Bekannten In die Wählerliste aufgenommen sind. Wahlberechtigt sind alle über 21 Jahre alten männlichen und weiblichen Juden Berlins, in- und Ausländer. Die Wählerlisten liegen aus im Büro der Jüdischen Gemeinde, Oranlenburger Str. 29, täglich von 9—3 Uhr, Sonntags von 9—12 Uhr. Wählerlisten einsehen I Der Kongreß bevollmächtigt die zentrale Wirtschaftskam• missten, sogleich nach ihrem Zusammentritt sich an den Vorarbeiten zur Gründung einer Garantiebank zu beteiligen, unter der Bedingung, daß die unparteiische Leitung und Verwaltung der Bank gewährleistet ist. Resolutionen der sozialpädagogischen Kommission: 1. Das Präsidium des Weltverbandes für Sabbatschutz Schomre Schabbos wird gebeten, eine pädagogisehe Kommission einzusetzen, deren Aufgabe es ist, die mit Schemirath Schabbos zusammenhängenden Fragen der Schule zu lösen. Alles gesetzgeberische Material soll gesammelt und den Landesorganisationen zur Verfügung gestellt werden. 2. Der Kongreß empfiehlt allen jüdischen Gemeinden soweit wie möglieh, jüdische Schulen zu errichten und ersucht alle Landesorganisationen dahin zu wirken, daß die jüdischen Schüler an nichtjüdischen Schulen vom Unterricht am Schabbos und Jom tow befreit werden. 3. Der Kongreß legt Verwahrung dagegen ein, daß jüdische Kinder von jüdischen Lehrern zum Chillul Schabbos veranlaßt werden. 4. Der Weltkongreß richtet an die Weltorganisationen, die für die gesundheitliche Fürsorge und die wirtschaftliche Ertüchtigung der Jugend tätig sind, das dringende Ersuchen, in allen Anstalten das Gebot der Sehemiras Schabbos allen Beamten und Insassen zur strengsten Pflicht zu machen. Ebenso fordert der Weltkongreß die Sportverbinde auf, keine öffentlichen Veranstaltungen zu machen, mit denen Chillul Schabbos verbunden ist. Der Weltkongreß erklärt es als seine Pflicht, der jüdischen subventionierenden Stellen, mitBnw Subventionen die Forderung auf Erfüllung des obigen Postulats zu verbinden. 5. Der Weltkongreß fordert die Landesorgtnisationen auf, die religiös eingestellte Hachscharahtitigkdt (landwirtschaftlicher und handwerklicher Art) zu unterstützen und auszubauen. Das Präsidium des Weltverbandes wird gebeten, eine zentrale Kommission zur Sammlung des Materials und zur Beratung der Landesorganisation einzusetzen. * Reichskanzler Dr. Brüning empfing am 25. August nachmittags den Präsidenten des Weltkongresses des Schomre Schabbos, Dozenten Dr. Samuel Grünberg, und die Mitglieder des Präsidiums, Rabbi Drachmann -New York und Stadtrat K 0 r e i n - Budapest. Der Reichskanzler gab als religiöser Katholik im Verlauf der Unterredung seiner Sympathie für die religiösen Bewegungen unter den Juden Ausdruck und versprach, dahin zu wirken, daß dem jüdischen Standpunkt in der Kalenderreform auf internationalem Wege Oehör und Geltung verschafft werde. Die Arbeit des Palästina-Hilfsfonds N e w Y 0 r k, 24. August. J. T. A4 Aus einem von David A. Brown veröffentlichten Bericht des Mitgliedes der Palästina• Exekutive der Jewlsh Agency, Dr. Maurice B. Hexter, der der dreigliedrigen Leitung des Palästina-Hilfsfonds angehört, geht hervor, daß für den zur Hilfeleistung an die durch die palästinensischen Unruhen Geschädigten begründeten Palästina- Hilfsfonds (Palestine Emergency Fund) in Amerika und Engtand 2945 000 Dollar aufgebracht worden sind, davon 2038493 Dollar in England. Ueber 2 780 000 Dollar aus den Mitteln dieses Fonds ist bereits verfügt worden. 207 790 Dollar wurden für allgemeine Hilfe unmittelbar nach den Unruhen verwendet 140000 Dollar sind für die Witwen-, Waisen- und JnvaHdenfürsorge im Laufe der nächsten 12 bis 15 Jahre bestimmt, 225000 Dollar für Dar* Rhen an Familien, die durch die Unruhen betroffen sind, 325 000 Donar n»r *11»• •*», ttejPmuÄ»? ««**» die Wiederinstallierung der Siedler, 250 000 Dollar für Wohnzwecke, 75000 Dollar für Darlehen an Kaufleute, die durch den antijüdischen Boykott geschädigt worden sind, 25 000 Dollar für Hilfe an Kleinkrämer, 80000 Dollar für Sicherheitszwecke und 182500 Dollar für Straßenbau, Tefephonanlagett und Zentralgebäude zur Sicherung besserer Selbstverteidigung im Falle künftiger Unruhen. Der Saba •Orden für Üssischkin Während seines Kuraufenthaltes in Kisslngen wurde Herrn Ussis chkin, dem Vorsitzenden des Direktoriums des Keren Kajemeth, der ihm anläßlich der Einweihung des König Peter-Waldes in Palästina verliehene jugoslawische Saba-Orden 2. Klasse überreicht. Bekanntlich haben die jugoslawischen Juden eine Sammlung durchgeführt, die innerhalb kurzer Zeit den Ertrag für die Anpflanzung von 10 000 Bäumen erbrachte Im vergangenen Frühjahr wurde in Glnegar, im Emek JesreeL an* grenzend an den Balfour-Wald, mit der Anpflanzung des König Peter-Waldes begonnen. Üssischkin hat seinen Dank für die ihm zuteil gewordene Ehrung in einer Depesche an das Außenministerium zum Ausdruck gebracht, in welcher er betonte, daß er darin nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern auch die Sympathie und die Anerkennung des Königs und der jugoslawischen Regierung für die Errichtung der Jüdischen Ham- Stätte in Palästina erblicke. Das Hebräische Pädagogium in Wien. Das vor mehr als 11 Jahren gegründete Hebräische Pädagogium geriet nach Ableben von Dr. Chajes in finanzielle Schwierigkeiten. Nun ist es dank den Bemühungen einiger Freunde dieses Instituts in Amerika gelungen, den Fortbestand desselben für weitere Jahre zu sichern. Es ist ein Komitee ins Leben gerufen worden, an dessen Spitze der bekannte Führer des amerikanischen Judentums, ludge Julian W. Mack, steht, und das sich die Erhah tung der jüdischen Hochschulen in Wien zum Ziele gesetzt hat. Die Vorlesungen im Wintersemester beginnen am 21. Oktober. Vom Kongreß für das arbeitende Palästina. Während der in den letzten Tagen in Zürich stattgefundenen Sitzung der Exekutlve der sozialistischen Arbeiter-Internationale hatte der Vertreter des Verbandes Poale Zion und der Exekutive, M. Jarblum, eia Gespräch mit dem Vertreter der tschechoslowakischen Sozialdemokraten in der Sozialistischen Internationale, den Präsidenten des Senats der Tschechoslowakei, Franz Soukoup, über die Ziele des Weltverbandes für das arbeitende Palästina. Herr Soukoup brachte den Zielen des arbeitenden Palästina großes Interesse entgegen und erklärte, er nehme die ihm im Namen der Histadruth übermittelte Einladung, an dem am 27. September in Berlin beginnenden Kongreß der Ligen für das arbeitende Palästina tellzunehmen, mit herzlichem Dank an. Dr. Jakob PIstiner gestorben. Auf einer Eisenbahnfahrt von Bukarest nach Czernowitz verstarb plötzlich im Alter von 49 Jahren der jüdische Führer der Sozialdemokratie in Rumänien, Dr. Jakob PIstiner, früher Mitglied des Senats und zuletzt Deputierter der französischen Kammer. Er war Chefredakteur des in Czernowitz in deutscher Sprache erscheinenden ״Vorwärts“. Er war Mitbegründer der jüdischen sozialistischen Partei ״Bund“ in der Bukowina und genoß Respekt über die Kreise seiner Partei hinaus. Pistiner war im Parlament unerschrocken gegen die Duldung antisemitischer Ausschreitungen durch die Behörden aufgetreten-