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Jüdische Rundschau · 1930-08-29 · Heft 68 (29.8.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 68 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 446 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 68, 29. VA!.!930 ist. Gegen Goldmann und Oroßmantt gewendet, erklärt Redner, es sei falsch, Weizmann die Schuld zu geben, wenn politische Schwierigkeiten entstehen. Nicht Weizmann ist die Ursache, sondern unsere objektive Situation, die Tatsache, daß die zehn Millionen Araber und 303 Millionen Mohammedaner eine große Kraft sind. Daher müssen auch wir alle Kräfte zusammenfassen. Twersky (Hitachduth) fuhrt aus, bei Jedem politischen Kampfe müsse man sich über das Ziel, die Methoden und die Möglichkeiten genaue Rechenschaft ablegen, sonst laufe man Gefahr, einen heroischen Endkampf wie vor 2000 Jahren die Zeloten zu führen, nicht aber Erez-Israel zu bauen. Die Araber erheben sich ständig auf ein höheres Niveau, und wir sind nicht daran interessiert, daß sie auf niedrigem Niveau bleiben. Wir können uns nicht dagegen wenden, wenn die Regierung etwas zur Förderung der Araber tut. Wir verlangen Garantien für uns, aber nicht Stellungnahme gegen die Araber. GrOnbaum (radikal) erklärt, die englische Regierung habe zehn Jahre gegen unseren politischen Status gekämpft, jetzt greife sie unsere konkrete Arbeitsmöglichkeit an. Weizmann hätte zurücktreten sollen schon als Symbol dafür, daß ein neues Kapitel der zionistischen Geschichte beginnt Wir dürfen uns nicht mit einer jüdischen Minderheit in Palästina zufriedengeben and den Gedanken des Judenstaates nicht opfern. Wir müssen mit aller Energie und mit allen Kon- Sequenzen den Kampf gegen England weiterführen, gestützt auf alle Kräfte, dte mit uns gehen wollen, und dürfen nicht kapitulieren. Präsident Sokolow warnt vor einer Debatte, die sich in allgemeinen Redensarten ergeht, und regt an, in der Politischen Kommission die Auseinandersetzung in ganz konkreter Weise fortzuführen. Nach einer kurzen Geschäftsordnungs-Debatte wird beschlossen, nachmittags zur Fortsetzung der politischen Debatte eine geschlossene Sitzung abzuhalten. Schluß der Sitzung 2 Uhr nachmittags. 5. Sitzung, 26. August 1930, 4 Uhr nachmittags. Stricker (radikal): Jetzt sind alle über den Fehlschlag der erweiterten Jewish Agency enttäuscht, den Redner stets vorausgesagt habe. Er betont, daß die Rettung der zionistischen Bewegung in der Propagierung des Judenstaatsgedankens liegt. Weizmann hat in seiner Rede seine Stellung zur Situation nicht präzisiert. Man hat von Propaganda-Reisen nach Amerika gesprochen, aber zionistiscne Abordnungen können doch nicht ohne Zustimmung der Nichtzionisten nach Amerika gehen. Wir haben einen Vertrag geschlossen, und solange wir ihn nicht gekündigt haben, muß man sich an ihn halten, und kann nicht über die Köpfe der Partner in Amerika irgendwelche Schritte und Sammlungen unternehmen. Zum Schluß tritt er für die Einberufung des Kongresses ein. Levite (Warschau) bezeichnet Ben Gurions und Grünbaums Parolen als ungenügend, weil kein Weg gezeigt wird, wie sie durchgeführt werden sollen. Es sei ein unverzeihlicher Fehler gewesen, daß man sich Im Jahre der Gefahr nicht zusammengeschlossen habe. Hinsichtlich der Mandatarmacht kann nur eine elastische Politik geführt werden. Wenn das angekündigte Programm der Regierung vorliegen wird, wird die Zionistische Exekutive entscheiden können, ob sie zu bleiben oder zu gehen hat Redner schlägt die Schaffung eines Komitees aus allen Richtungen zur Vorbereitung der nächsten Aufgaben und des Kongresses vor. RlnmanMil heinn*״ daß die innere NofaKftB*j mus drängt, unabhängig von den letzten Zielen, die für die Propaganda sekundär sind. Die Frage Judenstaat oder binationaler Staat ist bereits zugunsten des letzteren entschieden, da die Araber in Palästina sind und bleiben werden. Die wichtige Frage ist die der Quantität unseres Werkes. Wir sollen uns hierin aktuelle Aufgaben stellen, jeder Schritt vorwärts ist eine große Stärkung unserer Macht. Der Welt- Wirtschaftsprozeß wirkt gegen die Juden, und diese Erkenntnis eröffnet große Möglichkeiten, zionistisch zu werben. Man muß jetzt mit der arabischen Politik ernst machen und ebenso ernst machen mit den praktischen Aufbauarbeiten in Palästina. Dazu gehört eine Verstärkung der Mittel, insbesondere der nationalen Fonds. Ke zionistische Bewegung existiert, sie ist nur der Organisation entglitten. Joseph Cowen (England) protestiert gegen die Verweigerung der Einreisebewilligung für Jaboiinsky und wendet sich Fegen Versuche der Revisionisten, äußere Politik auf eigene äust zu machen. Redner ist unbefriedigt von Welzmanns Rede, weil sie nichts über die künftige Politik aussagt. Wir müssen England gegenüber einen scharfen Kurs einschlagen. Die Exekutive und das A-C. müssen ein Pro gramm verschiedener Aktionen überlegen, durch die man der englischen Öffentlichkeit ins Gedächtnis rufen muß, daß die Juden eine Macht darstellen. Sokolow: Die unverrückbare Baste all unserer Arbeiten ist das Baseler Programm und alle Entwicklungen seit jener Zeit sind nur Kommentare. Es gibt einen bedingten Zionismus, der von den Wechselfällen abhängt, und einen unbedingten, den er seit Jahrzehnten vertritt. Dieser unbedingte Zionismss macht fähig, alle Schwankungen der Politik und des realen Werkes zu überwinden. Seiner tiefen Ueberzeugung nach ist das nationale Pathos im jüdischen Volke latent und muß nur geweckt werden. Eine Aenderung der Propaganda unter anderen politischen Schlagworten ist undenkbar. Man hängt zu sehr von den realen politischen Faktoren ab, die unter bestimmten Auspizien mit uns paktiert haben. Wollten wir unsere Propaganda nach den Vorschlägen Strickern ändern, müßten wir uns in den Zustand von 1897 zurückversetzen. Wir würden unsere politischen Errungenschaften aufs Spiel setzen. Es fehlt in der Welt gegenwärtig an Verständnis für das jüdische nationale Problem. Man betrachtet unser Werk unter dem Gesichtswinkel der Oekonomik. Unsere Appellation an die Mandatskommission hat sich infolge ihres ganzen Charakters auf den Standpunkt gestellt, der nach dem Kriege in bezug auf die kleinen Nationen galt. Ke Sprache unserer Presse gegen England war oft sehr unüberlegt. In der Zukunft werden wir unsere politische Arbeit intensivieren musen. Dazu aber gehört eine Vergrößerung der Mittel. Naiditsch (Paris): Alles hängt von der Kraft des jüdischen Volkes ab. Nach San Remo ging Weizmann nach Amerika, und das war der richtige Weg. Ein Rücktritt Weizmanns im gegenwärtigen Augenblick wäre ein Unglück, denn er symbolisiert unsere Bewegung. Als die Hauptsache die reale Arbeit in Palästina war, war Weizmann der stärkste Exponent dieser Ansicht. Als die Fragen der Politik im Vordergründe standen, hat er mit stärkster Vehemenz im vergangenen Jahr politisch gearbeitet Im gegenwärtigen Augenblick ist nur ein Weg gegeben: der der Konzentration aller Kräfte. Redner ist gegen die überstürzte Einberufung eines Kongresses. Ruppin über die arabische Frage Dr. Ruppin polemisiert zunächst gegen einige Redner, vor allem Dr. Soskin, und wendet sich dann der arabischen Frage zu. Er verweist auf seine Kundgebungen seit dem XII. Kongreß (1921). Als ich 1925 aus der Exekutive ausschied, habe ich den Brith Schalom mttgegtündet, ttm in «Sesem Kreise die von mir als zentral erkannte Frage weiter zu behandeln. Reiner wendet sich entschieden gegen die Intoleranz, mit der ein großer Teil der zionistischen Welt ihm nicht zusagende Anschauungen anderer Zionisten aufnimmt. Ke Araber naben sich in den zehn Jahren seit dem Krieg! überraschend organisiert und sind heute eine politische Kraft, die nicht übersehen werden darf. Vielleicht war die Taktik mancher Mitlieder des Brith Schalom in ihren Artikeln nicht immer lug, aber es geht nicht um solche Einzelheiten, sondern um die Sache selbst. Wichtiger als der Brith Schalom ist die Frage, mit der er sich beschäftigt und das A.-C. muß endlich darüber ernsthaft «achdenken. Wenn nicht eine praktische Politik in der arabischen Frage als eine der wichtigsten Bestandteile in das zionistische Programm auf genommen wird, droht uns eine ungeheure Erschwerung unserer Arbeit. Wir werden keinen Frieden in Palästina haben. Der nur von englischenTruppeti gesicherte Friedeistkein Friede. Was ich Vorschläge ist nur ein Anfang, der noch nicht den Frieden bringen wird, aber eine bessere Atmosphäre vorbereiten kann. Wir müssen feststellen: für keines der Völker wollen wir Minderheitsrechte wie in Osteuropa. Beide Völker leiten ihre Rechte direkt aus dem Völkerrecht und vom Völkerbund ab. Wenn wir mit so einem Programm des ״binatiooalen Staates“ zu den Arabern kommen, 80 werden sie es wahrscheinlich heute nicht annehmen; aber da sie glauben, daß wir sie beherrschen wollen, so wäre es schon ein großer Fortschritt, wenn wir dieses Programm den Arabern verständlich machten. Wir müssen und damit abfinden, daß die Araber als Volk Rechte auf Palästina haben. Wir sind nicht mit solchen Ideen nach Palästina gekommen, wir müssen uns umstellen, dies ist eine Frage der Erziehung. Dabei gibt es für mich eine Bedingung: es darf keine künstliche Grenze für die |üdische Ausdehnung geben. Wenn wir die Mehrheit werden können, ohne daß Araber verdrängt werden, und unsere Mittel dazu ausreichen, dann soll uns niemand daran hindern. Wir müssen aber bedenken, daß bei dem natürliehen Geburtenüberschuß der Araber wir bei einer Einwanderung von 30000 pro Jahif die gar nicht so leicht durch- Zufuhren ist, vielleicht in 25 Jahren eine Million Juden haben werden, dann sind aber die Araber bereits anderthalb Millionen. Kann jemand glauben, daß wir, auch wenn wir es wollten, die Macht haben werden, 20 Ms 25 Jahre die Entstehung konstitutioneller Einrichtungen zu verhindern? Wir müssen uns überlegen, ob es nicht besser ist, daß diese mit unserer Mitwirkung als daß sie gegen uns entstehen. Der Brith Schalom hat niemals Verhandlun gen mit Arabern geführt und kann das auch far nicht, da er nur eine ganz kleine Gruppe repräsentiert Ile anderen Gerüchte sind unwahr. Redner verweist auf das vorliegende Memorandum des Brith Schalom und kündigt für die Politische Kommission konkrete Vorschläge an. Kaplansky verweist darauf, daß die Ursache aller politischen Verwicklungen in der arabischen Frage zu sehen ist. Er wendet sich gegen die Redner, die von einer Propaganda des ״Judenstaates“ eine Besserung erwarten. Kese Parole türmt nur neue Schwierigkeiten auf unseren Weg. Wir müssen jetzt zu Verhandlungen mit der britischen Regierung kommen. Ke Exekutive hat ein Memorandum überreicht, über dessen Vorschläge nach Erstattung des Berichtes von Simpson diskutiert werden wird. Wir müssen aber Verständnis dafür haben, daß England es sich nicht leisten kann, die Araber zu ignorieren. Redner verweist daraüf, daß er bereits 1923 im A.-G, und 1924 auf der Konferenz der Achduth Awodab in Palästina vergeblich für eine Man«*■' Ueber ein genaues Programm wird in der Kommission zii sprechen sein. Zunächst handelt es sich um die politische Linie, die politische Erziehung; die Mentalität der zionistischen Bewegung muß von Grund aut geändert werden. Der direkte Ausgleich mit den Arabern ist die Basis der zionistischen Pofitik. Das Palästinawerk kann nicht ein Kalos! zwischen uns und England sein, sondern ein Dreieck; solange wir das nicht verstehen, werden wir auch zu keiner Verständigung mit England kommen. Schluß der Sitzung 8 Uhr. Mittwoch finden Kommisslons-Sitzungen statt 6. Sitzung, 27. August 1930, 4»/* Uhr nachmittags. Fortsetzung der Debatte Rabbiner Brod (Misraehi) vermißt eine klare Darstellung der gesamten Lage, was zu einer Schädigung der gesamten Organisation führen muß. Gibt es eine reale Basis für Vertrauen oder ist das Vertrauen nur eine Flucht aus der Verzweiflung? Die Schuldfrage für die Gestaltung der Situation ist unerheblich. Wenn Cowen recht hat, dann müßte man in breitester Front mit einem zionistischen Maximalprogramm Um das Verständnis der Wett und die Unterstützung der Weltjudenheit ringen. Redner wendet sich gegen politische Sonderaktionen, mögen diese von den Revisionisten oder vom Brith Schalom kommen. Dr. Meyer Ebner (Bukowina): Die Worte ״Krieg“ und ״Kampf“ sind nur bildlich zu verstehen.• Proteste werden mit der Zelt stumpf. Redner ist gegen die Taktik eines Bruches mit England und hat für ״heroische Politik“ wenig Verständnis. Man soll auch nicht allzu große Hoffnungen auf den Völkerbund setzen, denn für dessen Unterstützung müßte man an die einzelnen Regierungen imtragbare Kompensationen zahlen. Weizmann genießt das Vertrauen der rumänischen Zionisten. Dr. Georg Halpem (Berlin): Der Ernst der Lage scheint manchen Richtungen im A.-C. nicht klar zu sein. Wie könnte man sonst von einer Aenderung der Leitung reden? Es gibt keinen Mann, der geeignet wäre, so wie Weizmann eine starke Politik zu machen. Wenn Ruppin den Brith Schalom in Schutz nimmt, so mußte er von den Aktionen von Magnes und Aeußerungen Dr. Bergmanns abrücken. Es ist sinnlos, von Politik zu reden, wenn man nicht den Willen zur Aufbringung von Mitteln für positive Arbeiten hat. Hinsichtlich des von Senator vorgeschlagenen Budgets kann es für den zionistischen Teil in der Jewish Agency nur den Standpunkt der Ablehnung geben. Ad-' ministrative Committee und A.-C. müßten für Bereitstellung von Mitteln Sorge tragen, wobei das Schwergewicht dieser Aufgabe im A.-C. liegt. Harzfeld (Arbeiterpartei, Palästina) gibt der Meinung Ausdruck, daß bei der Inangriffnahme der arabischen Frage zunächst der ökonomische Weg beschritten werden müßte. Da gibt es zahlreiche Berührungspunkte und die Möglichkeit eines tätigen Ausbaus der Beziehungen. Je größer unser Werk wird, um so leichter wird die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen uns und den Arabern werden. Ke Beschreitung des politischem Weges in der arabischen Frage ist eine delikate Angelegenheit, welche durch die Tätigkeit des Brith Schalom nicht leichter gemacht wird. Redner wendet sich auch gegen die außerhalb Palästinas wohnenden Förderer des Brith Schalom. Zum Schlüsse bespricht er das vorgelegte Budget, welches er für eine Katastrophe hält. Glücksohn (Palästina) wendet sich gegen die Kampfesweise der Revisionisten, insbesondere gegen die unverantwortliche Haltung des ״Doar Hajoin“. •Er beantragt einen Beschluß des A.-C., der jeder zionistischen Gruppe verbiete^ separatistische Außenpolitik zu machen. Llcfitheim (Revisionist): Das System der Leitung ist zusammengebrochen, daher muß die Leitung zurücktreten. Die zweite Forderung der Revisionisten ist die sofortige Einberufung des Kongresses zwecks Wiedergewinnung der Freiheit des zionistischen politischen WoDens gegenüber der erweiterten I Agency, Ke politische Basis für uns bleibt die Kooperation j mit England, Wir sind überzeugt, von der Interessengemeinschaft zwischen uns und dem englischen Imperium. Trotzdem können wir in der Tagespolitik mit aller Macht gegen die englische Regierung kämpfen. Eine Verständigung mit den Arabern ist unmöglich, denn ivir sind in Palästina auf Grund der eng- Mschen Macht, und da die Araber ab politisches Kollektiv gegen diese sind, müssen sie auch gegen uns sein. Zum Schluß erklärt Redner, angesichts der monistischen Situation glauben die Revisionisten ein revolutionäres Recht auf separatistische politische Aktion zu haben. Alexander Goldstein (Allgemeine Zionisten) spricht über die Notwendigkeit einer Aufklärungsarbeit unter den Mohammedanera in Indien und anderen außerpalästinensischen Ländern. Coralnik (Amerika): Es ist wahr, daß die Zionisten in Amerika und wohl auch in anderen Ländern mit vielem unzufrieden und über manche Ereignisse enttäuscht sind. Aber wir wollen keine Leitungskrise. Redner ist mit Einzelheiten des revisionistischen Programms einverstanden, aber das System als ganzes ist unanwendbar. Das System der Exekutive und Weizmanns kann nicht durcli ein anderes ersetzt werden. Zum Schluß spricht Redner gegen eine überstürzte Einberufung des Kongresses. Dr. Bileski (Deutschland) spricht zunächst über die Not- Wendigkeit einer Kooperation mit England, ln der arabischen Politik genügt nicht eine Berufung auf die Resolution des XII. Kongresses und auch nicht der Wunsch zur Pflege von Be- Ziehungen auf allerlei Lebensgebieten, sondern wir dürfen auch der Grundfrage, der politischen Frage, nicht ausweichen. Diese besteht heute vor allem in zwei Punkten, nämlich erstens eine eindeutige Erklärung des Zieles des Zionismus im Sinne eines binationalen Staates und zweitens eine aktive Behandlung der Frage der Umgestaltung des verfassungsmäßigen Zustandes Palästinas. Auf Antrag von Levite wird hierauf Schluß der Debatte ohne Anhörung weiterer Redner beschlossen. Es folgen die Schlußreden der Exekutive. Schlußwort der Exekutive Prof. Brodetsky erklärt sich auf zwei Punkte beschränken zu wollen. Zunächst auf die Darstellung der Lage und dann auf die Skizzierung dessen, was in der nächsten Zeit getan werden kann. Aus dem Gehörten und aus dem vorgelegten Material habe das A.-C. das Wesentliche über die gegenwärtige politische Situation erfahren. Am hervorstechendsten sei, daß die Suspendierung der Zertifikate nicht aufgehoben wurde. Dadurch haben wir ein halbes Jahr verloren. Die oft angekündigte und von uns erwartete Debatte im englischen Parlament konnte aus vielen Gründen nicht stattfinden. In den Verhandlungen mit der englischen Regierung muß man sich auch die psychologischen Voraussetzungen vergegenwärtigen, welche die Männer der englischen Reperung in der Behandlung des Palästina-Problems beeinflussen. Als illustratives Beispiel möge das Verhalten der englischen Regiefung in Kenya dienen. Dort nimmt die Regierung Partei gegen die ״weißen“ Engländer für die eingeborene Bevölkerung. In Palästina ghubtdie Regierung die arabische Bevölke- ׳• *nrit 9feMtMn4,׳.anlMa* *sriairiingjm beweisen das, Anhänger des Jüdischen Nationalheims. El handelt sich für uns darum, die Auffassung der eng- Mschen Regierung unserer Auffassung anzunähem. Simpsons Bericht wird für die nächste Zeit in London erwartet. Wir erwarten, daß die Regierung gemeinsam mit uns die aus dem Inhalt des Berichtes resultierenden Vorschläge diskutieren wird. Wir sind nicht der Meinung, daß man diese Verhandln«- gen nur im Kampfwege durchführen kann. Es gibt auch eine stille Form des Protestes. Es ist möglich, mit einer Regierung zu verhandeln und gleichzeitig mit ihr zu kämpfen. Wir müssen die Regierung dazu bringen, daß sie ein positives Programm vorlegt. Sie hat das versprochen, und wir werden die Einzelheiten dieses Programms in aller Ruhe diskutleren. Die ganze jüdische Welt erwartet in diesem Augenblicke, daß etwas Konstruktives unternommen werde. Dieser Meinung muß man nicht gerade in Protesten Ausdruck verleihen. Man kann in ernsten Konferenzen in allen Ländern der ganzen Welt sagen, was man von der englischen Regierung erwartet. Redner hält die Antithese, daß England an dem jüdisehen Palästinawerk interessiert oder desinteressiert sei, für abwegig. So einfach liegen die Knge nicht. Dem vorhandenen englischen Interesse am jüdischen Palästinawerk können, was man sich leicht vorstellen kann, Momente widersprechen, die dieses englische Interesse abschwächen. Wir sind mit England als Partner verbunden. Daran darf man nicht vergessen. Es ist nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht des A.-C., zu erklären, daß die Situation im Jahre 1930 nicht mit der Lage <}es Jahres 1922 verglichen werden darf. Die Exekutive steht auf dem Standpunkt, daß man von den kommenden Vorschlägen der britischen Regierung nur das akzeptieren kann, was unsere Arbeit in Palästina nicht stören wird. Wir müssen positiv erklären, was wir für die Grundprinzipien unserer Arbeit in Palästina halten. So erschütternd die Ereignisse im Vorjahre gewesen sind, so bedeuten sie doch nicht die Hauptkrise unseres Werkes. Die wirkliche Krise tritt erst dann In Erscheinung, wenn die Fragen unserer p r a k - tischen Politik zur Behandlung gelangen. Es gibt hinsichtlich der Stellungnahme gegenüber England zwei Extreme: unbedingter Kampf und unbedingte Nachgiebigkeit. Redner lehnt diese Extreme ab. Wir müssen auch in der Zukunft mit England kooperieren und dem englischen Volk und der ganzen Welt darlegen, daß England das Mandat nicht in einer dessen Wortlaut und Sinn entsprechenden Weise durchführt. Unsere Stellung liegt zwischen beiden Extremen. Das mag weniger dramatisch und interessant sein, aber es stellt den x praktisch gangbaren Weg dar. Redner faßt seine Darlegungen m die Worte zusammen: keine Extreme, keine Nachgiebigkeit, keine IntranSigenz, ruhig verhandeln unter dem Zeichen des Protestes. Rabbi Berlin (Misraehi) erklärt, daß von den zwei Problemen, Verhältnis zu England und Verhältnis zu den Arabern, das zweite noch wichtiger ist als das erste. Gegenüber den persönlichen Anschauungen Ruppins über den Brith Schalom wolle er auch seine persönliche Meinung als Gegner des Brith Schalom sagen. Ke Aktionen des Brith Schalom sind angreifbar. Bei der Aktion für die Begnadigung der arabischen Mörder habe es sich um einen pqü&chen Schritt gehandelt, weil der Brith Schalom sonst in Fällen von Todesurteilen in Palästina nicht eingegriffen habe. Aber die Theorie des Brith Schalom ist wichtiger als die einzelnen Akte. Ke vom Brith Schalom geforderte ״Umstellung“ könne Redner nicht mitmachen. Der dauernde Hinweis, daß die Juden in Palästina eine Insel im arabischen Meer darstellen, entspreche einer uns aus Westeuropa bekannten Ideologie, die die Forderung aufgestellt hat, daß sich die Juden den Bedingungen der Umwelt anpassen müssen. Die Anschauung, daß Palästina beiden Völkern mit gleichem Recht gehört, wird vom Redner abgelehnt

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