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Jüdische Rundschau · 1930-08-26 · Heft 67 (26.8.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 67 (26.8.1930)
Date
1930-08-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 442 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 07, 26. VIII. 1930 Nationales Kapital ist der Schrittmacher In seinem Begrüßungsaufsatz anläßlich der Berliner Tagung des Aktions-Comitds und des Administrative Committee berührte der Vorsitzende der Z. V. f. D., Kurt Blumenfeld, eine Frage, die jenseits von politischen Konstellationen stets und alle Zeit für unser Werk am wichtigsten war und bleiben wird. Eindringlieh mahnte er die für das Palästina-Werk verantwortlichen Körperschaften, ihr Augenmerk in erster Linie der Palästina- Wirtschaft zuzuwenden und, soweit es sich um nationale Mittel handelt, sich vor allem mit der Kolonisation zu befassen. Ferner stellte er und die überwiegende Mehrheit nicht nur der Zionisten, sondern aller Juden in der Welt, vom J i sch uw zu schweigen, fest, daß die zionistische Bewegung keine ״Atempause“ verträgt. Mit diesen Bemerkungen hat Kurt Biumenfeld den Kern aller Aufgaben berührt, die von Zionisten und Palästina- Freunden dauernd zu leisten sind. Es ist begreiflich, daß die aktuellen politischen Fragen das Hauptinteresse der ziouistisehen Führer erregen. Aber die Alltagsbedürfnisse des Palästina- Werkes, das in diesem vorwärtsdrängende Eigenleben verlangen gebieterisch dauernder Berücksichtigung. Klar ausgedrückt: die Betriebsmittel zur Aufrechterhaltung und zur Förderung des Werkes vertragen keine Minderung. Innerhalb jedes möglichen politischen Rahmens, mag er den zionistischen Wünschen gemaß gespannt sein oder sogar eine zeitweilige Verengerung erfahreg, sind zahlreiche Möglichkeiten gegeben, die unbedingt ausgenützt werden müssen. In der Befestigung der in Palästina errungenen Positionen, in der Ausnützung der vorhandenen Oegebenheiten, in der praktischen Alltagsarbeit zum Ausbau des Palästina-Werkes kann und darf es keine Unterbrechungen geben. Diese Erkenntnis ist, es gereicht zur Genugtuung, das feststellen zu können, in allen jüdischen Kreisen vorhanden, die sich praktisch und nicht nur agitatorisch mit der Aufbauarbeit In Erez-Israel beschäftigt haben. Es ist erstaunlich, daß die großen Massen des jüdischen Volkes, obwohl sie keine so direkte Berührung mit dem Werke in Palästina haben wie der Jischuw, instinktmäßig dieser Erkenntnis durch eine Opfer- Willigkeit Ausdruck geben, die jede Anerkennung verdient. In dem Berichte, den das Direktorium des Keren Hajessod, des zentralen Finanzinstitutes der Jewish Agency, den Tagungen des A.-C, und des Administrative Committee vorkgt, finden sich Daten, die von dieser Opferbereitschaft der jüdischen Massen, besonders in Ost- und Mitteleuropa, ein beredtes Zeugnis ablegen. Im abgelaufenen Krisenjahr, von dem insbesondere Osteuropa, und in diesem in stärkstem Maße die jüdische Bevölkerung, betroffen wurde, haben Polen, Ostgalizien, Westgalizien und Bessarabien ihre Beiträge für den Keren Hajessod gegenüber den vorangegangenen Jahren gesteigert. Die Judenheiten in Frankreich, Holland, in der Tschechoslowakei, in der Schweiz, Jugoslawien, Italien und in Palästina haben die ihnen zugedachten Quoten für das Jahresbudget des Keren Hajessod aufgebracht und vielfach überschritten. Im großen ganzen kann man feststellen, daß dieAlteWeltdiegegenüber dem Keren Hajessod durch die zionistisehen Vertreter in Zürich im Jahre 1929 übernommene Verpflichtung erfüllt hat. Wenn das Soll des Keren Hajessod im abgelaufenen Jahre nicht aufgebracfit wurde, so liegt der Orund in dem Ausfall der Eingänge isfwä döf'V^eihltftn Staaten vott Amerika. Wena*nandfe Sache genauer untersucht, so kommt man zu dem Ergebnis, daß in all denjenigen Ländern, in denen eine schlagkräftige Zionistische Organisation existiert, auch die Eingänge für die zionistischen Fonds trotz der schlechten wirtschaftlichen Zeiten eine Steigerung erfahren haben. Es kommt also nicht nur auf die allgemeine Wirtschaftslage und auf die politischen Schwankungen in Palästina an, sondern auf den Willen und die Arbeit der verantwortlichen zionistischen Instanzen in allen Ländern, in welchen Juden leben. Wenn man die Arbeitsmethoden des Keren Hajessod untersucht, so kommt man ferner zu einem weiteren überraschenden Ergebnis. Die Erfolge in den einzelnen Ländern sind vielfach nicht so sehr die Arbeit der lokalen zionistischen Führer als die der zionistischen Soldaten. Die Generale und die Offiziere der Zionistischen Organisation beschäftigen sich mehr mit Politik; die Truppe der zionistischen Armee aber erfüllt ihre Pflicht. Daraus folgt, daß die jüdischen Massen in allen Wechselfällen der Palästina-Politik eigentlich eine stärkere seelische Disziplin bewahrt haben als diejenigen, die mit gutem Beispiel hätten vorangehen müssen. Eigentlich ist diese Erscheinung nicht verwunderlich. Das leidgewohnte jüdische Volk hat die schweren Jahrhunderte der Prüfungen nur durch seinen immanenten Lebenswillen und durch sein Vertrauen, daß letzten Endes alle Schwierigkeiten überwunden werden, zu überwinden vermocht. Man mag das Mystizismus nennen, der sich in einem Gegensätze zu politischer Rechenkunst befindet. Man vergesse aber nicht, daß das jüdische Volk nur dank dieser mystischen Kraft durch ein Meer von Tränen und Blut waten konnte, um sich bis zur Zeit seiner durch Selbsthilfe erfolgenden Erlösung zu erhalten. Dem Berichte des Keren Hajessod-Direktoriums, das jetzt anläßlich des zehnjährigen Bestandes des Keren Hajessod einen Keren Hajessod-Monat in der ganzen jüdischen Welt vorbereitet, sind noch andere interessante Daten zu entnehmen. Den größten Betrag pro Kopf der Bevölkerung leistete im Jahre 5689 für den Keren Hajessod Südafrika, wo jeder Jude 14 sh beisteuerte. In Deutschland betrug diese Leistung pro Kopf der jüdischen Bevölkerung 1,13 M., in England ungefähr 1,60 M. Die rumänischen Juden trugen pro Kopf der Bevölkerung genau soviel für den Keren Hajessod bei wie die Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, nämlich 0,60 M, Auch aus dieser Aufstellung geht hervor, daß es nicht nur auf die Zahl der Juden und die wirtschaftliche Lage ankommt, sondern vielmehr auf den werktätigen Willen, zu leisten und nicht nur zu diskutieren. Die Frage des Keren Hajessod im nächsten Budgetjahr wird die Tagungen des A.-C. und des Administrative Committee ausführlicli beschäftigen. Besonders vom Aktions-Comite muß der Impuls ausgehen, in der Arbeit für unseren zentralen Fonds im , nächsten Jahr den Eifer zu verdoppeln. Es soll hier nicht darauf eingegangen werden, welche Schritte zu unternehmen sind, damit insbesondere die Vereinigten Staaten von Nordamerika die Quote, die die übrige Judcnheit der Welt den dortigen Juden im Interesse Palästinas zu übertragen berechtigt war und die auch von den Vertretern der amerikanischen Zionisten und Palästina-Freunden akzeptiert wurde, im Jahre 1931 aufgebracht werden kann. Es genüge hier bloß die Feststellung auf Grund der bisherigen Arbeit des K- H., daß in allen Ländern, die Vereinigten Staaten nicht ausgeschlossen, die potentieile Möglichkeit vorhanden ist, jene Mittel aufzubringen, welche für die FortfüHrungder Arbeit In Palästina notwendig sind. Wenn man bedenkt, daß im vergangenen schweren Krisenjahr, trotz der Vorfälle in Palästina und trotz der furchtbaren Verarmung der jüdischen Massen in Ost- und Mitteleuropa, zionistischer Opfermut und zionistischer Arbeitseifer imstande waren, nachdem im Herbst 1929 in einem ungeheuren seelischen Aufschwung außerordentlich hohe Beträge für den Emergency Fund aufgebracht worden waren, die übernommenen Verpflichtungen gegenüber dem K. H. zu erfüllen, so besteht für keinen einzigen verantwortliehen zionistischen Führer ein Orund zu Skeptizismus und zu Ausreden, daß die allgemeine Lage in der Welt und in Palästina ein Hindernis für aussichtsreiche Werbearbeit im Dienste des K. H. darstellen. Es bedarf in diesen Blättern keines pathetischen Aufschreis und keines besonderen Aufwandes an appellierenden Rede wendüngen, um die jetzt in Berlin versammelten Vertreter der Zionistischen Organisation und der Palästina-Freunde an ihre Pflichten gegenüber unseren Fonds zu mahnen. Ein nüchterner Hinweis auf die Notwendigkeiten des Palästina-Aufbaus und auf die Erfahrungen in den letzten schweren Monaten mögen genügen. Jedes zionistische Problem ist wichtig, und von überragender Bedeutung sind selbstverständlich die politischen Fragen. Der ruhende Pol in der zionistischen Arbeit aber überall, wo Zionisten leben und wirken, ist die Tätigkeit zur Aufbringung der nationalen Mittel. Kurt Blumenfeld hatte mit seinen einfachen Worten in dem bereits erwähnten Artikel recht: ״Ohne öffentliche Mittel kann der Aufbau des Landes nicht erfolgen. Nationales Kapital Ist der Schrittmacher für alle privaten Unternehmungen.“ s.n. Presseschau Der bekannte englische Sozialist Brailsford, von dem wir schon mehrmals prozionistische Artikel zitierten, schreibt in der amerikanischen Wochenschrift ״The New Repu• b 1 i c“, die erste unmittelbare Reaktion der englischen Regierung aut die August-Massaker, nämlich die Verstärkung der Garnison und die Reorganisierung der Polizei, sei ganz richtig gewesen, ihre jetzige Behandlung der politischen Probleme aber müsse die schwersten Besorgnisse erregen. Denn während manche Aeußerungen von MacDonald und Dr. Shiels ein Verantwortungsbewußtsein für die Errichtung des Jüdisehen Nationalheims erkennen ließen, ständen die Hand- Jungen der englischen Regierung in flagrantem Widerspruch dazu. Offenbar frage sich die Regierung bereits, ob das Mandat überhaupt durchführbar sei: jedenfalls sei es nur so zu verstehen, daß zehn Jahre nach Uebefnahme der Verpfliehtung, die geschlossene Ansiedlung von Juden in Palästina zu erleichtern, Sir J. H. Simpson ausgeschickt werde, um festzustellen, ob für diesen Zweck überhaupt Land da sei. Das Verbot der jüdischen Einwanderung sei offenbar eine rein politische Maßnahme, da ja die englischen Behörden in Palästina die Zertifikate ausgestellt, also die ökonomischen Vorbedingungen für die Einwanderung für gegeben erachtet hätten. Tatsächlich herrsche denn auch Mangel an Arbeits- Kräften, und es würden sogar arabische Arbeiter aus Aegypten angeworben 1 Noch sei alles In der Schwebe, und gewiß werde keine englische Regierung das Mandat einfach preisgeben. Aber die Juden hätten leider Orund zu der Frage, ob ihre Nationale Heimstätte ohne Menschen und ohne Boden errichtet werden solle. ' » Die jüdische Unters tützung, die man einst so gern gewinnen wollte, als die Deutschen vor Amiens standen, sei 'heute für die Engländer nicht mehr so wichtig; das edelmütige Gefühl, daß die Christenheit dem gepelnigten Judenvolk eine Wiedergutmachung schulde, sei verflogen, und in der kühleren Atmosphäre des Friedens überlegten sich die Realpolitiker, daß man mit einem arabischen Staat in Palästina ebenso gut ein strategisches Bündnis schließen könne, wie mit dem Irak oder mit Aegypten. Und deshalb finge man jetzt an, sieh ein Gewissen wegen der arabischen Rechte In Palästina zu machen. Und daß die Araber antizionistisch gesinnt 'seien, sei freilich unzweifelhaft. Man dürfe aber die wilsonschen Prinzipien vom Selbstbestimmungsrecht der Natlonen nicht blindlings und zugunsten jedes rückständigen, weit verstreuten und sein Land vernachlässigenden Volkes anwenden, sondern der Völkerbund habe oei Errichtung des Palästinamandates eine durchaus gesunde Auffassung vom 1nli1l111111;:n1!1u11]11l11h11111n1111111lm11m1111:ni11111;11u1U11ll111»!11i1m1n1nm1111111nn1l1:Hi11l1i1111mnln1i'i111111i)11i1H11l11H ^öst eure GLÜCK. WÜNSCHE ROSCH HAfCHANAH durch den KEÜEN ICAJEMLTH Selbstbestimmungsrecht gehabt, und die Araber hätten auch bis heute von der jüdischen Einwanderung nur Vorteil«, wie sich denn auch bezeichnenderweise die arabische Bevölkerung in Palästina schneller vermehre als irgendwo sonst. Da aber die Araber trotz alledem den Zionismus erbittert bekämpften, ständen die Engländer vor der Frage, ob sie sich auf eine ewige Okkupation gefaßt machen müßten. Seit Kriegsende schlügen die Pulse des britischen Imperialismus schwächer, und die ganze Tendenz der englischen Orientpolitik spreche gegen die ewige Okkupation Palästinas. Aber angesichts der arabischen Haltung gäbe es für die Englinder nur die Alternative, entweder trotz inneren Widerstrebens auf unbegrenzte Zeit, nämlich bis zur Erlangung einer jüdischen Mehrheit oder wenigstens einer zum Selbstschutz ausreichenden Stärke, im Lande zu bleiben, oder aber das Jüdische Nationalhelm so bescheiden zu gestalten, daß die Araber es dulden und nicht mehr fürchten würden. Diese Fragestellung liege auch unausgesprochen dem Shaw- Bericht zugrunde. Brailsford kritisiert dann ausführlich den Shaw-Bericht, wobei er besonders betont, bei der Betrachtung der Bodenfrage dürfe man erstens nicht vergessen, daß nur ein Drittel der jüdischen Einwanderung auf das Land ginge, während die anderen zwei Drittel Palästina zu dem fortschrittlichsten Industrleland des Orients machten, — und zweitens, daß ein Bodenmangel, wenn er tatsächlich bestehen sollte, ausschließlieh auf die höchst willkürliche Abtrennung Transjorda nie ns zurückzuführen sei, welches viel mehr Platz für Neuansiedlungen böte; sollte aber dieses Land den Juden versperrt sein, so wäre es wenigstens vernünftig, die Ab* Wanderung eines eventuell entstehenden arabischen Proletariats dorthin zu begünstigen! Im übrigen müßten zur Lösung des Bodenproblems nicht nur die Juden, sondern auch die Araber die besseren Anbaumethoden anwenden, und hier läge eine schwere Mkhtversäumnis der Regierung gegenüber den Arabern vor. Die Regierung hätte überhaupt merken müssen, daß unmöglich ein modernes Volk mit einem mittelalterlichen friedlich Zusammenleben könne, sondern daß man auch das mittelalterliche an dps 20. Jahrhundert heranführen müsse. Die Effendis würden freilich auf alle Fälle antizionistisch bleiben, aber es bestehe die Hoffnung, die arabischen Massen durch Erziehung und Agrarreform von der Führung der Effendis zu befreien. Vor allem aber werde kein Friede in Palästina einkehren, solange die englische Regierung sichtbar vor den Schwierigkeiten ihrer Aufgabe zurückschrecke. Die Zivilisation, so schließt Brailsford, darf nicht vor dem Massaker zurückweichen! A. P. * ״Der Deutsche Volkswirt“ bringt (in seiner Nummer 44) einen Aufsatz von M. Y. Ben-öawriel, Jerusalem, über Probleme des vorderen Orients. Palästina befinde sich noch immer in einem Zustand höchster politischer Unsicherheit, da die verschiedenen englischen Untersuchungskommissionen die Leidenschaften wachhielten und ein Proteststreik dem andcren folge. Jeder Versuch zur Verständigung von Seiten des gemäßigten Teiles der Judenheit stieße auf den erbitterten Widerstand der arabischen Effendis, die durch de» Kampf gegen den Zionismus den Niedergang der Feudal Wirtschaft glaubten aufhalten zu können. Die linksgerichteten, aber antibolschewistischen Teile der Judenheit hätten schon längst ״das jüdisch-arabische Problem als Teilproblem der ökonomischen Umwandlung des Landes zu werten gelernt“, und versuchten gemeinsame arabisch-jüdische Gewerkschaften und Arbeiterklubs zu gründen, obwohl sie sich der Schwierigkeiten wohl bewußt seien. Die an Zahl geringen, aber sehr aktiven K o m m u n i s t e n hätten sich in ihrem Bestreben, den jüdischen Aufbau des Landes zu verhindern, bisher vorwiegend an die jüdischen Arbeiter gewendet, änderten aber jetzt angesichts ihrer Mißerfolge ihre Taktik und bearbeiteten die Araber, und zwar gleichzeitig Effendis und Fellachen, die sie beide zum Kampf gegen den Zionismus und gegen England aufhetzten, Und zwar leider mit nicht ungünstigen Aussichten, da die Unsicherheit der politischen Lage, das Rachebedürfnis, die Verelendung der Fellachen und die Hinrichtung der drei arabischen Mörder in Akko einen günstigen Boden für die kommunistischen Wühlereien bildeten. Wahrscheinlich werde man versuchen, das Zentrum der kommunistischen Propaganda für die arabischen Länder, das seit der vor einigen Jahren erfolgten Ausweisung der russischen Vertreter, aus Palästina in Djiddah und in Alexandrien gelegen habe, nun wieder nach Palästina zu verlegen. Auch wirtschaftlich sei die Lage des Landes durch die Heuschrecken- und Mäuseplage und den durch die Einwanderungssperre hervorgerufenen Arbeitermangel recht schwierig. Hoffentlich würden Araber und Juden bald den Weg zueinander finden, aber man müsse diesen Weg nicht nur in Jerusalem suchen, sondern auch in den Zentren des Islam. Der Verfasser streift dann die Lage im Yemen, wo der Imam angeblich einen neuen Krieg gegen England vorbereite, um die sieben umstrittenen Emirate zwischen dem Yemen und dem englischen Aden zurückzugewinnen, und prophezeit der Aussöhnung zwischen König Feisal von Irak und König Ibn Saud von Hedschas eine kurze Dauer, da aus der Natur der ״militant-puritanischen Sekte“, die den Staat Ibn Sauds bilde, unweigerlich neue Expansionsbestrebungen folgen würden. In sehr interessanter Weise geht Ben-Gawriel auf die Lage im Irak ein, wo England eine unnütze Prestige-Stellung aufge* geben, aber sich einen Markt gesichert habe. Alle diese Ent- Wicklungen im vorderen Orient, so schließt der Verfasser, zeigten die verstärkte Tendenz zur politisch-wirfschaftilchen Emanzipation, die man auch in Palästina berücksichtigen müsse. Araber und Juden seien auf* einander angewiesen; denn schon aus ökonomischen Gründen könne es kein rein arabisches Palästina mehr geben. Andererseits aber sei der Traum eines rein jüdischen Palästinas ״eine politisch leichtfertige Phantasie von Etappen- und Hinterlandspolitikern“. Der Weg Palästinas sei klar vorgezeichnet. Das Ziel sei zunächst eine arabisch -jüdische Gemeinschaft unter dem Mandat, für später aber ein autonomes jüdisch-arabisches Palästina im großarabischen Staatenverband: die pansemitischeFöderation. Arabische Exekutive und moslemischer Rat Jerusalem, 20. August. (J.T.A.) Ein führendes Mitglied der Arabischen Exekutive teilte dem JTA.-Vertreter mit, daß der Konflikt zwischen Arabischer Exekutive und Moslemischem Obersten Rat infolge der Eigenmächtigkeit des Mufti sich immer mehr verschärft, so daß mit einem baldigen Bruch zu rechnen ist. Der Präsident der Exekutive, Maza Kazim Pascha, wehrt energisch die Versuche des Mufti, sich in die Angelegenheiten der Arabischen Exekutive einzumischen, ab. Die Mitteilung, daß AuniBeyAbduIHadiaus dem Obersten Moslemischen Rat a u s g e s c h i e d e n ist (s. vorige Nr. der ״J. R.“), ist irrig und auf eine Verstümmelung im JTA.־ Telegramm zurückzuführen. Richtig ist nur, daß Auni Bey durch den Mufti gezwungen wurde, sein Amt a 1 s A n w a 11 des Moslemischen Rates niederzulegen. Dem Rate selbst gehörte Auni Bqt nicht an.

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