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Jüdische Rundschau · 1930-08-26 · Heft 67 (26.8.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 67 (26.8.1930)
Date
1930-08-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 440 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 67, 26. VIII. 1930 Inf. Anselm Reiß, Saiman Kubaschow, MelrOro ßmann, Richard Lichtheim, Dr. S. Soskln, Abg. Jizchak Grünbaum, Ing. Robert Stricker. Nachmittags trafen ein: Ab. Qo!dberg,Dr. A. Coralnik. Vertreter des Waad Leirmi: D. Ben Gurion. Vertreter der Direktorien usw.: Joseph Co wen (Jewish Colonial Trust), Dr. A. Hantke (Keren Hajessod). Kongreß-Juristen: S, Gronemann (Vorsitzender des Kongreß- und Ehrengerichts), Dr. A. Barth (Kongreßanwalt). Ersatzmitglieder des A.-C.: Dr. Berthold F e i w e I, Dr. Meyer Ebner, Dr. M. Glückson, Dr. Georg Haiperm, loachim Neiger, Alfons Pacific!', Dr. Martin Rosenbiüth, Elihu D. Stone, Rabbi Wolf Gold. Moscheh Schapiro, Herrmann Struck, Dr. Jacob Hellmann, Dr, Abraham Silberschein, Dr. Schmuei F r i e d in a n , Dr. Jakob H o f f m a n, Dr. Nahum Ooldmann. Ersatzvertreter des Waad Leumi: Eliahu B e r 1 i g n e. Ersatzmänner der Vertreter der Direktorien: Leib Jaffe (Keren Hajessod). Kongreßajjwalt-StellVertreter: Max Jacobsohn. Als Vertreter der Administration der Zionistischen Organisation Amerikas: Judge Mack, Mrs. Jacobs. Unter den Gästen befinden sich Vertreter von Landes- Organisationen, die entweder keine Vertreter im A.-C. haben oder deren A.-C.-Mitglieder abwesend sind. Zu nennen sind: als Vertreter für Ostgalizien Dr. Schmorack und Dr. Rottenstreich, der Vertreter für die litauische Organisation Mosche Kahan und der Vertreter der holländischen Organisation Fritz Bernstein. Ferner sind unter den Gästen: Prof. War bürg, Dr. Senator (Exekutive der Jewish Agency), Hoofien (Direktor der APC.), Mohl (Direktor der Loanbank). Von zionistischen Mitgliedern und Ersatzmitglicdern des Administrative Committee der Jewish Agency nehmen an der Sitzung als Gäste teil: Dr. Max Soloweitschick, Dr. Dr. Georg Landau er, Dr. Emil Marguiies. Vorsitzender Motzkin gedenkt in seiner Eröffnungsrede der Verluste, die die Organisation durch das Ableben führender Zionisten erlitten hat, insbesondere des Herrn Abraham Podlischewsky und des Herrn Prof. Dr. Carl Lewin. Sodann teilt der Vorsitzende mit, daß Dr. Weizmann verhindert ist, rechtzeitig zu Beginn der Sitzung einzutreffen, und daß daher d i e T agesoranung geändert werden muß, indem der politische Bericht Prof. Wcizmanns auf Montag verschoben werden mpß. Als erster Punkt der Tagesordnung wird das Referat Dr. Ruppins über die kolonisatorische Arbeit in Palästina angesetzt. Referat Dr. Ruppin Dr. Kuppln gibt ein Bild der wirtschaftspolitischen Arbeit der Exekutive in den fünf Monaten seit der letzten Sitzung des A.-C. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand die Tätigkeit von SirJ'ohnHopeSimpson. Die Exekutive hat Simpson eine Reihe von Memoranden und Materialien vorgelegt und er hat auch in Begleitung Dr. Ruppins die jüdischen Kolonien besichtigt. Wir haben Simpson gegenüber betont, daß schon die Verfasser des Mandates — wie aus dem Text hervorgeht —- die Absicht hatten, eine Intensivierung der arabischen Wirtschaft zu befürworten, um für mehr Menschen Platz zu schaffen. Die Regierung hat aber nichts hierzu getan. Die Exekutive hat nun genaue Untersuchungen in einer Reihe von Gebieten durchführen lassen, und auf OJund des 80 gewonnenen Materials haben wir Simpson einen Plan bezüglich vier Distrikten vorgelegt. In diesen vier Gebieten können wir zirka 55 000 Familien ansiedeln, ohne die gegenwärtigen arabischen Siedler von ihrem Boden zu verdrängen. Es gibt in diesen vier Gebieten drei bis vier Millionen Dunam, davon wollen wir 1300000 Dunam für jüdische Siedlung erwerben, wobei die Araber die Mittel erhalten, durch Intensivierung ihrer Betriebe mit dem restlichen Boden auszukommen. Die arabischen Familien, die jetzt den Boden in der Küstenebene sehr extensiv bewirtschaften, können mit Hilfe des Kaufpreises, den sie für einen Teil ihres Bodens von uns erhalten, sich von ihren etwa 1 000 000 Pfund bctragenden Schulden befreien, so daß sie, da sie 25 0׳״ Zinsen zahlen müssen, 250000 Pfund jährlich ersparen. Weitere zwei Millionen Pfund des Kaufpreises können sie zur Verbesserung ihrer Betriebe verwenden, so daß sie nach Durchführung dieses teilweisen Bodenverkaufs ein besseres Einkommen haben als früher. Wir haben Simpson auch Material über die Industrie gegeben, die aus jüdischer Initiative in diesen zehn Jahren ge* schaffen wurde. Außer mit Simpson hat die Exekutive auch mit Herrn Strickland, dem Experten für Kooperativen, zusammengearbeitet. Strickland hat seiner Bewunderung für die jüdisch! kooperative Arbeit ln Palästina Ausdruck gegeben. Der Referent wendet sich dann der Lage der Kolon!- sation zu. Das letzte Jahr war sehr unbefriedigend, da einerseits die Mäusepiage einen großen Teil der Ernte vernichtet hat und Palästina auch an der großen landwirt* schaftlichen Weltkrise teilhat, andererseits das Budget der Jewish Agency nicht eingehalten wurde, so daß nur etwa zwei Drittel der vorgesehenen Ausgaben gemacht werden konnten, worunter die Arbeit sehr leidet. Die wichtigste Frage, mit der die jüdische Kolonisation sich jetzt zu beschäftigen hat, ist die Erschließung von Märkten. Es wird beabsichtigt, hierfür einen eigenen Experten zu engagieren. , Was die Verträge mit den Siedlern betrifft, haben wir uns auf einen Vertragsentwurf geeinigt, wonach der Siedler in den ersten fünf Jahren nichts zu zahlen hat, dann zehn Jahre lang eine Verzinsung von 2 0/0 und dann in weiteren 40 Jahren Verzinsung und Amortisation des ganzen Kapitals. Die Siedler wünschen noch eine Aenderung, über die das A.-C. zu entscheiden haben wird, nämlich daß nach Ablauf von je 10 Jahren eine Kommission feststellt, ob sie mehr zu zahlen in der Lage sind. in der Durchführung des Beschlusses der Londoner Sitzung über die A n s i e d 1 u n g von 1000 Arbeiterfamilien wurden bisher noch keine Fortschritte gemacht. Für die Finanzierung stehen zur Verfügung: 50 000 Pfund aus dem Hilfsfonds, 25 000 Pfund Spenden aus England, 30 000 Pfund von den Siedlern selbst, außerdem soll die Palestine Economic Corporation einen Kredit von 125 €00 Pfund geben und weitere 175 000 Pfund sind aufzubringen in der Form eines Kapitals für eine Arbeiter- Kreditgesellschaft. Die allgemeine Wirtschaftslage in Palästina war in den Städten nicht schlecht. Industrie und Handel haben sich von den Folgen des Boykotts erholt. Rutenberg wird in etwa zwei Monaten aus dem Stauwerk Kraft liefern. Am Toten Meer sind zirka 100 jüdische Arbeiter beschäftigt. Die heißen Quellen von Tiberias werden jetzt von einer Gesellschaft übernommen, deren Finanzierung versucht wird. Von den 120000 Dunam mit Orangen bepflanzten Boden gehören den Juden 58 000 Dunam. Die Exekutive bringt ein Budget zur Sitzung mit, das sich auf 850 000 Pfund beläuft. Dies ist das Minimum dessen, was die Jewish Agency für ihre Palästina-Arbeit braucht. Von diesen 850000 Pfund sind 300000 Pfund für Landwirtschaft bestimmt, um endlich die Konsolidierung der Siedlungen durchzuführen. Die Exekutive hat es nicht als ihre Aufgabe betrachtet, sich über die Einnahme-Möglichkeiten Rechenschaft zu geben. Das ist Sache des A.-C., bzw. des Ad- Die WlrfschaHskrisc ln Amerika Ein Interview mit Chefredakteur Fishman über die Leistungsfähigkeit des amerikanischen Judentums für Palästina Der Chefredakteur der großen New Yorker jüdischen Tageszeitung ״Morning Journal“, Jacob Fishman, der gegenwärtig in Berlin an der Tagung des Zionistischen Aktions-Comites teilnimmt, gab der Berliner J. T. A. ein Interview, worin er sich über die Wirkung der amerikanischen Wirtschaftskrise auf die Leistungen der amerikanischen Juden für Palästina folgendermaßen äußerte: Im amerikanischen Judentum ist das Gefühl für allgemeine jüdische Werte und namentlich für das Palästina-W erk der Jewish Agency sehr lebendig. Aber man gibt sich einer Täuschung hin, wenn man glaubt, daß die Juden Amerikas heute in der Lage und willens sind, beträchtlich mehr als den proportionell auf sie entfallenden Teil für die Aufbauziele des Weltjudentums beizutragen. Die gegenwärtig in Amerika herrschende Wirtschaftskrisis hat die jüdischen Schichten weit schwerer als die übrigen Schichten Amerikas getroffen. Die Juden sind in ihrer wirtschaftlichen Struktur und in ihrer beruflichen Gliederung leichter durch Krisen zu er• schüttern; sie besitzen zu wenig von den wirklichen amerikanischen Reichtümern, wie z. B. Boden, Bodenschätze und Industrien. Dazu komnit, daß sich bei der Verschärfung der ökonomischen Situation das Vorurteil gegen die Juden, die gewissen Berufen stärker zudrängen, verschärft. In der ״White Coilar Industrv“ z. B., in den große Massen von Angestellten beschäftigenden Riesenuntemehmungen, sind jüdische Angestellte nicht erwünscht. Das gleiche ist der Fall bei den ״public ■Utilities“, z. B. im Telephonwesen, bei dem nur wenige jOdisehe Mädchen ankommen können, bei Elektrizitäts-, Gas-, Wasserwerken u. ä. m. Man kann nicht behaupten, daß es sich hier um Auswirkungen eines krassen Antisemitismus handelt, und man hofft, daß, wenn man der Sache mit Takt und Vorsicht nachspürt, sieh eine Besserung wird erzielen lassen. Der American Jewish Congress läßt sich eine Untersuchung nach djpser Richtung angelegen sein. . Es kommt hinzu, daß sich auch die Zahl der manuellen jüdischen Arbeiter zusehends verkleinert. Es Ist verständlich, daß die Kinder der älteren jüdischen Arbeiter nicht gerne mehr in die ״sliops“ gehen, im Schneiderfach, einem früher überwiegend jüdischen Beruf, haben wir längst das Uebergewicht eingebüßt, die Italiener sind hier in die jüdischen Positionen emgedrungen. ' Das große amerikanisch-jüdische Problem — das Problem einer Gemeinschaft von viereinhalb Millionen —- ist ein Problem der Jugend. In den Vereinigten Staaten werden jährlich 75 000 jüdische Kinder geboren. Was wird aus dieser Jugend werden, wenn ftr der Zugang zt* d ejl.Aj^/enteUtej!*0ejr. J1tfJE und den Intellektuellen ■Berufen immer mehr erschwert wird? Bei Aufnahme in die Universitäten und Hochschulen > werden besonders die jüdischen Studierenden stark gesiebt. Die Juden sind in einer zu roßen Zahl in den medizinischen und in den juristischen erufsstand eingedrungen. Ohne einem ausgesprochenen Antisemitismus zu huldigen! lassen die Universitäten bei Aufnahme jüdischer Studenten eine gewisse Proportion walten, keine Universität wünscht es, 40—50 0/# jüdische Hörer zu haben. Man findet Handhaben genug, um durch eine gewisse Praxis bei Aufnahmeprüfungen Juden zurückzudrängen, bei der New Yorker Medical School wurden Tausende jüdische Studienwillige zurückgewiesen. Tausende junge Juden reisen in ferne Universitäten, um dort unterzukommen. Einigermaßen Abhilfe könnte geschaffen werden durch Zuwendung von Juden zur Landwirtschaft. Es existieren heute in Amerika über 100000 jüdische Farmer, von denen viele Halbfarmer sind, indem sie sich mehr der Fremdenindustrie widmen. Man braucht mehr Ackerbauschulen für die jüdische Jugend, man braucht technische Schulen. Im großen und ganzen also erscheinen Gegenwart und Zukunft des amerikanischen Judentums in einem nicht allzu rosigen Lichte. Es bestehen aber auch akute Probleme der jüdisehen Jugend. Das jüdische Erziehungswesen wird finanziell vom Judentum getragen, da das öffentliche Erziehungswesen hierfür nicht im geringsten sorgt. Jüdische Erziehung ist dringendstes Bedürfnis, da sonst die Jugend den Zusammenhang mit dem Judentum verliert. Die Talmud- Thora-Schulen und die übrigen Spezialschulen für jüdische Er- Ziehung belasten den Schüler sehr. Man geht jetzt zur Schaffung von Schulen über, die allgemeine Bildung mit rciigiösem Unterricht verbinden. Sogar die Jeschiwoth bevorzugen jetzt diese Doppelform. Das wirtschaftlich geschwächte und von Zukunftssorgen beschwerte amerikanische Judentum hat also genug an seinen eigenen Problemen zu tragen und kann sich an allgemein jüdischen Zielen — es werden heute zu viele Fonds gesammelt — nicht stärker beteiligen, als ihm seiner Zahl und seiner wirtschaftlichen Kraft nach zukommt. Die Begeisterung für die Idee des Jüdischen Nationalheims ist grpß, und es ist tief zu beklagen, daß der Beginn der Arbeit der erweiterten Jewish Agency mit einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Depressionen in Amerika zusammenfällt. Das ist aber nur die eine Seite. Es kommt hinzu, daß das praktisch denkende amerikanische Judentum gewohnt ist, über die Verwendung der Fonds, für die es beisteuert, nachzudenken. Auch über die Verwendung der Keren Hajessod-Gelder macht es sich Gedanken. Es fragt sich, warum die Jewish Agency die großen finanziellen Lasten der öffentlichen Erziehung und Gesundheit — wir steuern sogar zu den Kosten der öffentlichen Gesundheit der Araber bei — tragen soll, die eigentlich Sache der Regierung sind. Diese zwei Posten belasten das Budget der Jewish Agency in einer Weise, daß die Leistungsenergie für den praktischen Aufbau stark gemindert ist. Alle fühlen, daß cs so nicht weitergehen könne, daß man die Regierung endlich dazu bringen müsse, für öffentliche Gesundheit und Erziehung der Juden zu sorgen. Der amerikanische Jude, der für den Keren Hajessod spendet, will die Gewißheit haben, daß sein Geld nicht dazu verwendet wird, um Ausgaben zu decken, die der Regierung zukommen. Wenn er für den Palistina-Auftau beisteuert, so will, er es ent• weder in der Form Von ihVestmeäts öder düreji dfe* Schaffung bleibender Werte, wie Kolonien usw!*, tun. Der gegenwärtige Drive in Amerika, dessen Verlaut den i n ihn gesetzten Erwartungen leider nicht entspricht, wird nicht allein durch die Wirtschaftskrisis beeinträchtig^ sondern auch davon, daß er zu einer fortgeschrittenen Jahreszeit ins Werk gesetzt wurde. Er wird sich in das . Anstrengungen erforderlich sein, um das Ziel, das man sich gesetzt hat, zu erreichen. IIIIIIIHIIIIIIHIIIIIlllllllUlllMHIIHBIIIIIHIIIIIHlllWIHWI1mm1lll1a1IIIIIIIBIlllllUWIIItllllllWltliltltl«lll)IIIIIUIIIIIMIIHIIIIIIIIIlllllllllll1mtllllllllllllllllillMIIIHIIHIIIIIIIIIIIllllll>tlllllUIIIMIIHIIIIIMIIIIIIII1ltlllllHIHIII1n1llll>illlllllllllllllllll1r1IUII11muu1||HIIIU1m ministrative Committee der Jewish Agency. Nach Klärung der Fragen, welche Einnahmen man für möglich hält, wird dann das A.-C. die endgültige Festsetzung vornehmen müssen. Es ist aber notwendig, sich klar zu machen, daß ohne dieses von der Palästina-Exekutive beanspruchte Budget keine Fortschritte erzielt werden könnert. Vorsitzender Motzkin teilt mit, daß Judge Mack und Mrs. Jacobs als Vertreter der gegenwärtigen Leitung der amerikanischen Zionistischen Organisation zu der Sitzung eingeladen wurden. 2. Sitzung, Sonntag Nachmittag. Keren Hajessod and Keren Kajemeih Dr. Arthur Hantke: Drei Momente haben die Sa mm• iungen und Eingänge des Keren Hajessod im vergangenen Jahre beeinflußt: der Emergency-Fund, die zionistisch-politische Lage, und die über die ganze Welt sich ausdehnende Wirtschaftskrise. Trotzdem sind die Ergebnisse der Sammlungen für den Keren Hajessod, soweit alle Länder, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, in Betracht kommen, keineswegs stark hinter den Er- Wartungen zurückgeblieben. Insgesamt sind aus den außeramerikanischen Ländern etwa 240000 Pfund für den Keren Hajessod aufgebracht worden, ungeachtet der großen Summen, welche aus einzelnen Ländern an den Emergency-Fund geflossen sind. Es hat sich gezeigt, daß in allen Ländern mit starkem jüdischen Leben und mit einer tätigen Zionistischen Organisation die Opferbereitschaft der jüdischen Massen trotz der behindernden drei Momente, Emergency- Fund, politische Lage und Wirtschaftskrise, sich bewährt hat. Einige Länder, in denen die allgemeine Wirtschaftskrise am stärksten herrschte, wie z. B. Polen, Bessarabien haben ihre Einnahmen gesteigert. In Amerika hat sich die Allied Campaign nicht bewährt. Es ist zu erwägen, ob in der Zukunft die Sammeltätigkeit für den Keren Hajessod nicht auf andere Grundlagen gestellt werden soll. Eine genaue Darstellung der Situation der zionistischen Sammlungen in Amerika ist den Berichten der amerikanischen Vertreter Vorbehalten. Dem nächsten Jahre blickt das Direktorium des Keren Hajessod ohnePessimism u s entgegen. Die wichtigsten Monate für die Keren-Hajessod- Arbeit werden die Monate Oktober, November und Dezember dieses Jahres sein. Alle diejenigen, die in der Keren Hajessod- Arbeit dauernd tätig sind, wissen, daß man durch Anstrengung auch im nächsten Jahre befriedigende Ergebnisse erzielen kann. Es sind viele Vorschläge bezüglich einer Neuarganisierung der zionistischen Sammlungen in der Presse und in einzelnen Organisationen gemacht worden. Der Keren Hajessod hat jetzt zehn Jahre seiner Tätigkeit hintef sich. Die bisherigen Ergehnisse berechtigen ihn, mit Vertrauen in das nächste Jahrzehnt der Arbeit cinzutreten. Die einzelnen Reformvorschläge mögen diskutiert werden, aber es hat sich noch immer gezeigt, daß in allen Zeiten, besonders in Zeiten der Krise, die öffentliche« Mittel die sicherste Grundlage für die Arbeit darstellen. M. M. Ussischkin gibt einen kurzen Bericht über den KKL., In dem er an seine vor einigen Monaten in London auf der A.-C.-Sitzung gemachten Ausführungen anknüpfte. Die Eingänge für den KKL. haben in den neun Monaten seit dem Züricher Kongreß bis Januar 1930 e 1 ne S t e i ge r u n g u m 25 0׳.״ erfahren, wobei zu bemerken ist, daß in den ersten sieben Monaten diese Steigerung 35 ״/« betrug und in den folgenden zwei Monaten nur 5 ״/o ausmachte. Ob in diesem Sinken der Steigerung sich eine dauernde Tendenz ausdrückt, kann vorläufig nicht beurteilt werden. Wenn man die Leistungen des KKL. im letzten Jahre charakterisieren will; so wären diese als zufriedenstellend zu bezeichnen, wenn es sich um ein normales Jahr gehandelt hätte. Sowohl hinsichtlich der Bodenkäufe, wie auch der Amelioration, der Wasserbohrungen und der Pfianzungsanlagen sind die Leistungen durchaus zufriedenstellend. Bedenkt man aber, wie groß und vielfältig die uns obliegenden Aufgaben und auch gegenwärtigen Möglichkeiten sipd, so kann man sich mit dem Geleisteten doch nicht begnügen. Ussischkin teilt am Schluß seiner Ausführungen mit, daß er sich am 3. Oktober nachAmerikabegibt, um dort eine große Aktion für den KKL. mit dem Ziel der Aufbringung von fünf Millionen Dollar einzuleiten. Bei den Sammlungen des letzten Jahres stand Erez-Israel hinsichtlich der Steigerung an erster Stelle. Erfreulich sind auch die Ergebnisse in Südafrika, Tschechoslöwakei, Jugoslawien, Bessarabien und Kongreßpolen. Auch Deutschland weist eine gewisse Steigerung auf. Sogar die Ergebnisse in Amerika müssen ln Anbetracht der Tatsache, daß sie in diesem Jahr durch den KKL. selbst aufgebracht wurden, als ein guter Anfang bezeichnet werden. Die Aktion zur Eintragung Lord Balfours in das Goldene Buch hat in Erez-Israel einen außerordentlichen Erfolg (über 100 Eintragungen) gehabt. In den übrigen Ländern ist die Aktion ein wenig zum Stillstand gekommen, soll jedoch׳ in den nächsten Monaten wieder aufenommen werden, was um so mehr zu wünschen ist, als das ritische Museum seine Bereitwilligkeit erklärt hat, das Goldene Buch mit den Eintragungen für Lord Balfour in dauernde Ver- Wahrung zu nehmen. Die Debatte Supraski (Palästina) spricht über die größen Möglichkeiten der Industrie und wendet sich gegen die Beschneidung des Budgetpostens für Handel und Industrie. Bei der Palästina-Exekutive müsse ein ständiger Beirat für Industrie geschaffen werden, der auch für Informationen sorgt. Es ist kein Anlaß zu Pessimismus in bezug auf das Privatkapital, die Zeit ist jetzt für wirtschaftlichen Aufbau günstiger als je. Der Redner polemlsiert heftig gegen die revisionistische Parole einer Unterbrechung der zionistischen Aufbauarbeit als Protest gegen die englische Politik. Dr. Soskin (Revisionist) wendet sich gegen die Vorschläge von Ruppin, die er für undurchführbar hält. Wir hätten England deutlich erklären müssen, wir brauchet) Palästina diesseits und

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