Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 434 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 00, 22. Vni. 1930 Revisionismus Bemerkungen zur revisionistischen Konferenz in Prag Von Richard Lfchtheim. Der Vizepräsident der revisionistischen Union gibt hier eine Dar- Stellung mancher Hauptprobleme der revisionistischen Tagung. Eine eigene Stellungnahme behalten wir uns vor. Red. Die in der vorigen Woche in Prag abgehaltene Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisten hat unzweifeihaft eine starke Wirkung auf die revisionistische Bewegung selbst, wie auch auf ihre Gegner ausgeübt. Zum ersten mal hat sich die offizielle zionistische Presse in ausführlicherer Weise mit einer revisionistischen Tagung beschäftigt, und wenn wir auch nicht immer mit den Kommentaren dieser Presse einverstanden sein können, so erkennen wir doch gern an, daß die Berichterstattung einigermaßen ausführlich war und immerhin ein Bild der Verhandlungen gab. Leider sind aber auch recht unsachliche und verzerrte Darstellungen in die Presse gelangt. So hat die ״Vassische Zeitung״ berichtet, der Antrag Jabotinskys auf Austritt aus der Organisation sei abgelehnt worden, was schon deshalb nicht stimmt, weil weder Jabotinsky noch sonst jemand einen derartigen Antrag gestellt hat. Belanglosen Aeußerungen einzelner Redner wurde in manchen Blättern gar große Bedeutung zugemessen und wirklich wichtige Reden und Beschlüsse wurden nicht erwähnt. Es sei mir gestattet, einige Fragen zu beleuchten, die nach unserer Auffassung in der Darstellung der offiziellen Presse nicht richtig zum Ausdruck gebracht wurden. Die Gegner des Revisionismus suchen diesen gern durch populäre Schlagworte zu erledigen, wie etwa ״Faschismus“, ״Militarismus“ u. dgl. Gegen diese Methode sollte man sich Im Zionismus grundsätzlich ablehnend verhalten. Es ist nichts leichter, als die Tendenzen einer zionistischen Partei mit irgendwelchen Formeln der europäischen Politik in Verbin* düng zu bringen und dann der ganzen Bewegung ein derartiges Etikett anzukleben. Statt sich mit dem Revislonismus und dem Brith Schalom so auseinander zu setzen, wie es diese Richtungen auf Grund ihrer eigenen Geschichte und Argumentation verlangen können, begnügt sich die allgemeine Denkträgheit mit den Schlagworten: Faschismus und Parifismus, und meint, damit die betreffende Bewegung erledigt oder begründet zu haben. Wir wünschen diese Methode nicht auf unsere Gegner anzuwenden, sondern bemühen uns, deren Argumentation zu verstehen und zu widerlegen. Das gleiche verlangen wir für uns und lehnen es daher ab, auch nur auf jene allgemein gehaltenen Vorwürfe einzugehen, die mit so schillernden Begriffen wie ״Militarismus“, ״Reaktion“ o. dgl. den Revisionismus zu treffen versuchen. Es ist z. B. vollkommen richtig, daß die Brith Trumpeldor-Bewegung, die zwar organisatorisch völlig selbständig ist, aber tatsächlich die Jugendbewegung des Revisionismus darstellt, in ihren Erscheinungsformen an manches erinnert, was heute in Deutschland unter dem Namen ״Militarismus“ unpopulär ist. Dennoch halten wir diese Organisationsform für gut und zweckmäßig, ln denjenigen Ländern, in denen sich der Brith Trumpeidor besonders stark entwickelt hat, z. B. in Polen und der Tschechoslowakei, ist gerade diese Organisationsform populär, weil es dort mit der nationalen Freiheitsbewegung innig verknüpfte Legionsbildungen gegeben hat. Eine nach Palästina strebende Jugend in einer Art von militärischer Formation zusammenzufassen, sie der Hachscharah und Alijah zuzuführen, sie durch militärische Gewöhnung zu disziplinieren und für den Gedanken der Selbstverteidigung durch militärische Uebungen zu erziehen — dies alles ist nicht Militarismus im Sinne des preußischen Kasernenhofes oder eines reaktionären europäischen Antipazifismus, sondern es ist eine für den Zionismus nicht nur verständliche, sondern durchaus richtige und zweckmäßige Lebensform der jüngsten Generation. Wir proklamieren die Eigengesetzlichkeit Unserer nationalen Bewegung und erkennen dabei die Notwendigkeit, der Umwelt Formen zu entlehnen, die wir in unserem Geiste und zu unseren Zwecken verwenden. Wir haben, um ein Beispiel aus der Vergangenheit zu nennen, am Anfang der zionistischen Bewegung in Deutschland die Formen des studentischen Verbindungslebens einschließlich bunte Bänder, Kneipen und Fechten übernommen, ohne dabei den Geist etwa eines reaktionären Korpsstudententums zur Grundlage unseres Zionismus zu machen. Wir brauchten eine Form der Organisation und der Disriplinierung und nahmen diejenige, die sich uns aus den zeitgeschichtlichen Verhältnissen anbot. Der Blau-Weiß übernahm die Formen des deutschen Wandervogels und auch vielleicht allzuviel von seinen inneren Prinzipien. Aber nicht hieran ging er zugrunde, sondern an dem Mißverhältnis zwischen seiner Lebensform und der palästinensischen Realität. Das K. J. V. bedient sich noch heute des in Deutschland üblichen Korporationsrahmens, wenngleich in einer sehr abgeschwächten Form. Aber diese Abschwächung der Form hat wiederum ein Formproblem im K. j. V. geschaffen, mit dem dieses vorläufig noch nicht fertig geworden ist. Die gegenwärtige Form der revisionistischen Jugendbewegung entspricht nach meiner persönlichen Beobachtung in ihrem Gemisch von nationaler Begeisterung, ernsthaftem, nach Palästina gerichteten Streben, Willen zu selbstgeschaffener Disriplin und Erziehung der Jugend zu einem realistischen Palästinagedanken, der die körperliche Erziehung starte in den Vordergrund stellt, mehr als jede andere mir bekannte zionistische Jugendbewegung den tatsächlichen Aufgaben und Zielsetzungen des Zionismus. Darum soll diese Bewegung weiter in Ihrer jetzigen Form gepflegt werden — aus den inneren Gesetzen der Bewegung bestimmt, und nicht irgendwelchen Schlagworten zuliebe, an die der Gegner des Revisionismus sich so gern klammert. Ein zweites großes Kapitel, für welches die gleiche grundsätzliche Haltung des Revisionismus gilt, ist das Kapitel des Verhältnisses der revisionistischen Bewegung zur sozialen Frage und zur Arbeiterschaft Die Behauptung, der Revisionismus sei wirtschaftlich reaktionär und arbeiterfeindlich, kehrt immer wieder, und hier liegen die scheinbar vorhandenen Parallelen zu europäischen Bewegungen so nahe, daß sich davon sogar Freunde des Revisionismus beeinflussen lassen. In Wahrheit ist die Haltung des Revisionismus zur sozialen Frage diese: hai das Wori Wir wünschen mit der ganzen zionistischen Bewegung ein-; schließlich der Arbeiterschaft eine möglichst große und möglichst rasche jüdische Immigration nach Palästina. Gerade auf Grund unserer politischen Ansicht ist das schnelle Anwachsen der jüdischen Kopfzahl in Palästina von höchster Bedeutung. Schon daraus ergibt sich, daß wir nicht arbeiterfeindlich sein können, da eine rasche Massenimmigration selbstverständlich nicht überwiegend aus begüterten Elementen bestehen kann, sondern eben aus jungen Menschen bestehen muß, die durch ihre Arbeit ihr Brot verdienen und die Landesproduktion steigern. Der Vergleich mit der faschistischen Wirtschaftsreaktion stimmt auch deshalb nicht, weil sich der Revisionismus nirgends auf ein Bündnis mit dem Kapital stützt und keine kapitalistischen Interessen zu verteidigen hat. Wenn wir uns heute dennoch in einer Kampf- Stellung zur palästinensischen Arbeiterorganisation befinden, so liegt der Grund hierfür nicht in unserem Programm und den Tendenzen unserer Bewegung, sondern in der Eigenart dieser Arbeiterorganisation, die uns zuerst den Kampf erklärt und damit die Abwehr aufgenötigt hat. Was bekämpfen wir an der Histadruth? Wir bekämpfen erstens die Uebersteigerung der sozialistischen Theorie und Praxis in einem Lande, in dem man die Auswüchse des Kapitalismus vorläufig noch mit dem Mikroskop suchen muß. Ein so wohlwollender sozialistischer Kritiker wie Franz Oppenheimer hat ja auch erklärt, daß in Palästina ein bis an die Zähne gerüsteter Gewerkschaftssozialismus den schwachen und winzigen Anfängen kapitalistischer Wirtschaft gegenübersteht. Wir sind also zunächst einmal der Meinung, daß die Arbeiterorganisation bei der Wahrnehmung der Arbeiterinteressen sehr häufig über das Ziel hinausschießt, daß viel zu viel gestreikt wird, daß die sozialen Fragen unter Wohlwollender Assistenz der Zionistischen Organisation oder des Waad Leumi in diesem Stadium alle leicht gelöst werden könnten, ohne daß dauernd die erhitzte Atmosphäre der klassenkämpferischen Ideologie geschaffen wird. Wir betrachten den ganzen Jischuw als einen Vorposten der Nation ln Palästina und fordern in diesem Aufbaustadium ein Maximum von Duldung, Schonung und Unterordnung aller Kreise unter die obersten Gesetze der nationalen Disziplin. Die Arbeiterorganisation in Palästina hat eine andere Auffassung. Sie hat seit Jahren versucht, die Wirtschaft des Landes so zu gestalten, daß sie selbst gleichzeitig Trägerin des nationalen Willens, aber auch aller wirtschaftlichen Funktionen ist, die der Zionismus in Palästina erfüllen soll. Diesem Streben ist die zionistische Leitung 100 ״/oig entgegengekommen. Alles, was der Zionismus wirtschaftlich in Palästina tut, geschieht nach dem Rezept, man muß schon sagen, nach dem Diktat der Arbeiterorganisation. Das war für den Zionismus schlecht, weil es weite Kreise des Jischuw abstieß, und es war für die Wirtschaft des Landes schlecht, weil nichts geschah, was nicht unmittelbar dem Willen der Arbeiterschaft entsprach. In letzter Zeit hat die Macht der Umstände den Zionismus und die Arbeiterorganisation selbst gezwungen, manche neuen Wege zu beschreiten, die unserer Wirtschaftsauffassung bereits mehr entsprechen. Die einseitige Förderung der Kwuzoth, In denen in den ersten Jahren der Getreidebau die Hauptrolle spielte, wurde durch ein gemischtes System abgelöst, das mehr und mehr zur Intensivierung der Betriebe führte. Wir haben seit vielen Jahren das eigentliche Ziel der landwirtschaftlichen Kolonisation Palästinas in intensiver Gartenbauwirtschaft gesehen, weil nur diese den Bedingungen des Landes entspricht, und nur so eine dichte Besiedlung möglich ist. Die zionistische Leitung stellt es so dar, als ob diese Erkenntnis erst in den letzten Jahren gewonnen werden konnte. Aber sie war längst vorhanden, wie ich auf der Prager Konferenz dadurch beweisen konnte, daß ich aus einer von mir vor elf Jahren verfaßten Schrift die entsprechenden Sätze zitierte. Die zionistische Leitung ist dieser Erkenntnis einfach ausgewichen, weil sie immer nach dem Diktat der Arbeiterorganisation handelte, die ihr Kwuzah- und Getreidebausystem seinerzeit vielmehr aus ideologisch-politischen als aus wirtschaftlichen Gründen durchzusetzen strebte. Daß die zionistische Leitung stets der Arbeiterschaft nachgab, und daß alle Mittel unserer Fonds immer nur in der von der Arbeiterschaft gewünschten Richtung verwendet wurden, geschah wiederum deshalb, weil die Leitung sich kongreßpolitisch auf diese Arbeiterschaft stützte. So kam es auch, daß in den linken Parteien die Kritik an der Agencypolitik und der verkehrten äußeren Politik der Leitung sich nur sehr schwach und theoretisch zu äußern wagte und daß die Arbeiterschaft zur Schutztruppe Dr. Weizmanns und seines Systems ׳wurde — häufig gegen die bessere Erkenntnis mancher Führer der Arbeiterschaft. Diesen ungesunden Zustand wollen wir allerdings beseitigen. Indem wir das System Weizmann bekämpfen, wenden wir uns gegen die Arbeiterschaft als Schutztruppe dieses Systems, aber damit ist noch gar nichts über die konkreten Maßnahmen ausgesagt, die eine revisionistische Leitung auf dem Gebiet der sozialen Frage ergreifen würde. Hier nun hat unsere Prager Konferenz einen wichtigen Beschluß gefaßt, der von den Gegnern des Revisionismus sofort als Zeichen reaktionärer Gesinnung gedeutet wurde*), in Wahrheit aber vollkommen richtig und der Sachlage angemessen ist. Wir haben beschlossen zu verlangen, daß in Palästina neutrale Arbeitsämter und ein neutrales Schiedsgericht für Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Unternehmern geschaffen werden. Das sind Forderungen, die in sozial fortgeschrittenen Ländern wie z. R. auch in Deutschland als höchst gerecht, ja als selbstverständlich betrachtet werden; in Palästina aber stoßen diese Forderungen auf den erbitterten Widerstand *) Zur Vermeidung von Mißverständnissen muß wohl hier fertgestellt werden, daß die Kritik, gegen die Lichtheim hier polemisiert, nicht -- oder nicht nur — von ״Gegnern des Revisionismus“ geübt wurde, von denen sogar manche gerade in dieser Frage gar nicht so weit von der Anschauung Lichtheims entfernt sind. Die Gegnerschaft gegen diese revi- Monistische Politik in der Arbeiterfrage kommt vielmehr aus dem revisionistischen Lager selbst. Auf der Prager Revislonisten-Konferenz wurden die Argumente geltend gemacht, gegra die Lichtheim, in Verteidigung der revisionistischen Majorität, sich hier wendet Aut der Prager Konferenz selbst fiel auch das Wort von den ״gelben Gewerkschaften“, das Lichtheim weiter unten irgendwelchen boshaften außenstehenden Kritikern in den Mund legt Ja ein führender Revisionist, von den Revisionisten ins A.-C. entsandt, Red. Klinoff, hielt die Sache für so wichtig, daß er wegen des Beschlusses, ״gelbe Gewerkschaften“ zu gründen, aus der revisionistischen Union ausgetreten ist. Ohne also jetzt zu der Sache selbst Stellung zu nehmen, halten wir es doch für notwendig, auf die wirkliche Konstellation in dieser Frage hinzuweisen, — Red. ׳der Arbeiterorganisation. Warum? Weil es sich für diese Organisatlon gar nicht um Frieden und Gerechtigkeit, sondern um eine reine Machtfrage handelt, bei der sie wiederum ihren Willen diktatorisch durchzusetzen wünscht. Wir haben in Palästina bereits mehrere hundert revisionistische Arbeiter. Diese Arbeiter finden, wenn sie in der Histadruth verbleiben, keine Arbeit, weil sie aus politischen Gründen von der Organisation schikanlert und unterdrückt werden. In Deutschland ist die Arbcits- Beschaffung durch staatliche oder städtische Anstalten geregelt. In Palästina liegt sie in den Händen einer Gewerkschaft, die zugleich politische Partei und engster Verbündeter des Weizmannschen Regimes ist Diesen Zustand können wir nicht ertragen und nicht länger dulden. Wir verlangen ein n e»1t ral e s Arbeitsvermittlungsamt Es ist keine Rede davon, daß unsere Arbeiter etwa als Lohndrücker auftreten, oder sonstwie die allgemeinen Interessen der Arbeiterschaft verletzen sollen. Wogegen wir uns wenden, das ist der politische Terror, der zurzeit von der Histadruth ausgeübt wird. Man denke au Kfar Saba, wo unsere Arbeiter von den Histadruth-Leutcn überfallen und verprügelt wurden — nicht etwa weil sie Streikbrecher oder Lohndrücker waren, sondern weil sie ohne Vermittlung der Histadruth die Arbeit in einer Kolonie angenommen hatten, der die Histadruth damals kein« geeigneten Arbeiter beschaffen konnte! Unsere zweite Forderung besteht in der Schaffung eines neutralen Schiedsgerichtes. Wir sagten schon, daß im Aufbaustadium des Landes Streiks möglichst vermieden werden müssen, und daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich dem nationalen Interesse beugen sollen. Das kann aber nicht geschehen, wenn jeder Konflikt unbestimmte Zeit hindurch zwischen den Beteiligten allein ausgekämpft wird. Es müßte eine Instanz geschaffen werden, die etwa dem Schlichter in Deutschland entspricht, dessen Spruch bekanntlich von der Regierung für verbindlich erklärt werden kann. Ist es ungerecht und ist es unsozial, für Palästina etwas Aehnliches zu fordern und an die nationalen Instanzen des Jischuw zu appellieren, eine solche Einrichtung zu schaffen? Die Histadruth hat sich bisher diesen Forderungen gegenüber völlig ablehnend verhalten. Sie konnte dies um so leichter, da sie immer die zionistische Leitung mit ihren Fonds hinter sich hatte, die — nochmals sei es gesagt — politisch und wirtschaf tüch völlig im Fahrwasser der Arbeiterorganisation schwimmt. Diese beiden gerechten und sozialen Forderungen durchzusetzen, sind wir entschlossen. Will die Arbeiterorganlsation sich hierüber nicht verständigen, so wird unseren Arbeitern in Palästina nichts anderes übrig bleiben, als eine eigene Gewerkschaft zu bilden, um sich der Unterdrückung und der Aushungerung durch die Histadruth zu entziehen. Das bedeutet nicht, wie verständnislose Kritiker jetzt schreiben wef%n, die Gründung ״gelber“ Gewerkschaften, sondern es bedeutet die notwendige Reinigung in den unerträglich gewordenen Verhältnissen der Arbeiterorganisation, und es bedeutet den Druck auf die zionistische Leitung, sich ihrer wirklichen Aufgaben im Lande zu erinnern, die in der Förderung des gesamten Aufbauwerkes und nicht in der einseitigen Unterstützung einer für sie bequemen Parteiorganisation besteht. Wer mit uns hierüber diskutieren will, möge unsere hier kurz skizzierten Beweggründe prüfen, aber er unterlasse die oberflächliche und unrichtige Behauptung, daß unsere Bewegung antisozial oder arbeiterfeindlieh sei. Damit sind zwei Punkte klargestellt, die in der allgemeinen Diskussion über den Revisionismus eine bedeutende Rolle spielen, und die auch in den Beschlüssen unserer Konferenz eine Rolle gespielt haben. Unser außenpolitisches Programm, das sich schon in den weitesten zionistischen Kreisen durchgesetzt hat, braucht hier nicht nochmals dargestellt zu werden. Wir können für unsere politische Stellungnahme auf die Deklaration unserer Konferenz verweisen. Unser Verhältnis zur Zionistischen Organisation bleibt das Gleiche: Wir bleiben in der Organisation, behalten uns aber das Recht vor, eine politische Aufklärungsarbeit zu leisten, die uns nötig erscheint. Die Ideologie und die Praxis einer so jungen Partei sind notwendigerweise noch nicht abgeschlossen. Eis lag mir daran, gerade diejenigen Seiten des Revisionismus darzustellen, die für unsere Jugendbewegung und unsere soziale Haltung maßgebend sein werden. Die Führung wird bemüht sein, in dem hier gekennzeichneten Geiste die Jugend zu führen und den sozialen Ausgleich zu fördern. Das allein entspricht dem umfassenden nationalen Programm unserer Bewegung, deren Ziel es ist, den Zionismus in seiner Totalität zu erneuern, und auch die Zionistische Organisation in unserem Sinne an Haupt und Gliedern zu reformieren. Wir sind dazu auf dem Wege. Die Prager Konferenz hat allen ihren Teilnehmern in einer für uns selbst überraschenden Weise gezeigt, wie stark wir bereits sind. Es war tatsächlieh ein kleiner Kongreß, der sich" in Prag abspielte, mit mehr Delegierten (wirklich gewählten Delegierten aus zahlreichen Ländern) als der erste Zionistenkongreß in Basel vereinigte. Sachlicher, schärfer und klarer als im Aktions-Comite oder auf den Kongressen, die ich seit nunmehr 25 Jahren sämtlich beobachtet habe, sind auf dieser Prager Konferenz die Grundfragen der Bewegung, ihre Ideologie und Gestaltung diskutiert worden. Hier wächst eine neue Kraft! Das ist der allgemeine Eindruck, und wir glauben, daß es die zentrale Kraft der erneuerten zionistischen Bewegung sein wird. Fiinljahresplan für Blro Bidschan Moskau, 12. August. (J. T. A.) Die vor einiger Zeit vom Landwirtschaftskommissanat der Regierung der Sowjet- Union nach Biro Bidschan entsandte Kommission zum Studium der bisher geleisteten Arbeit in der Ansiedlung von Juden in diesem Rayon hat soeben ihren Bericht überreicht. Auf Grund dieses Berichtes stellte das landwirtschaftliche Volkskommissariat fest, daß die bisherige Arbeit in Biro Bidschan unbef ri e di - gend sei, und faßte den folgenden Entschluß: Die Neusiedlungssektion des Landwirtschaftskommissariats, Konizet, und die übrigen an der jüdischen Siedlung interessierten Organisationen sollen in kürzester Zeit praktische Vorschlag« für Ansiedlung von 50000 arbeitenden Juden in Biro Bidschan bis Ende des ersten Fünfjahr-Planes unterbreiten. Diese Neu- Siedler sollen alle Zweige der Wirtschaft in Biro Bidschan (Landwirtschaft, Handwerk und Industrie) entwickeln. I>ie Landwirtschaft in Biro-Bidschan soll auf der Grundlage großer Kollektiven entwickelt werden. Biro Bidschan wird ein selbständiges administrativ-wirtschaftliches Zentrum bilden und durch ein Rayons-Vollzugskomitee verwaltet werden. Das Präsidium des Zentralexekutivkomitees der Sowjet- Union hat in seiner am 16. August im Moskauer Kreml abgehaltenen Sitzung beschlossen, Biro-Bidschan als j üdisehen Ansiedlungs- Rayon mit dem Zentrum in Tichon ko je zu erklären.