Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 66 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 432 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 06, 22. Vin. 1030 sal ist in hohem Maße von den Mitteln abhängig, die wir cinzusctzen versuchen. Vertröstungen, Versprechungen oder Erklärungen Ober die Schwierigkeiten der allgemeineu Lage können uns weder befriedigen noch iiberzeugen. Ist man erfüllt von Mut und Entschlossenheit und wagt man es, ohne alle Vorbehalte, auf das ganze jüdische Volk einzuwirken, dann ist auch unter schwersten Bedingungen der erforderliche Erfolg zu erreichen. Ohne öffentliche Mittel kann der Aufbau des Landes nicht erfolgen. Nationales Kapital ist der Schrittmacher für alle privaten Unternehmungen. Wer die Erfahrungen unserer Arbeit kennt, der weiß, daß das private Unternehmen seit Jahren Hilfe und Förderung durch öffentliehe Mittel erwartet. Man soll den oft begangenen Fehler nicht wiederholen, zwischen Fonds und Privatinitiative eine Antithese zu konstruieren, die beiden Teilen nur Schaden gebracht hat. Gerade diejenigen, die von der Bedeutung unserer Fonds für das Kolonisationswerk überzeugt sind, müssen heute vorurteilslos nach allen Mitteln suchen, die möglichst vielen Menschen in Palästina ein gesichertes Arbeitseinkommen geben können. Unsere schon aus der Vorkriegszeit stammende Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung der Juden in der Welt hat sich leider bewahrheitet Schneller als wir ahnten sind wir Zeugen einer furchtbaren Schwächung der jüdischen Positionen im Wirtschaftsleben der Völker geworden und unsere Forderung, daß die Juden und zumindest die Zionisten eigenes Kapital in Palästina anlegen sollen, hätte sich in vielen Fällen als guter Rat herausgestellt. Heute gibt man gern den politischen Schwierigkeiten die Schuld daran, daß Privatleute zögern, zurzeit Investionen in Palästina zu machen. Es handelt sich aber hier nur um ein psychologisches, nicht um ein wirtschaftliches Argument. 111 den letzten Jahren befindet sich die Palästinawirtschaft in einem starken Aufschwung. Das jüdische Palästina ist wirtschaftlich gesund und entwicklungsfähig und wir können heute, wenn wir es nur richtig anfangen, eine überzeugende Darstellung von den großen Möglichkeiten palästinensischer Entwicklung geben. Unsere verantwortlichen Körperschaften müssen Ihr Augenmerk in erster Linie der Palästinawirtschaft zuwenden, und Soweit es sich um nationale Mittel handelt, vor allem der Kolonisation. Das Primat unserer Kolonisationstätigkeit darf nicht bestritten werden. Seit Jahren sichert man in erster Linie die für das Gesundheitswesen und die Erziehung erforderlichen Gelder und setzt die ersten Lebensnotwendigkeiten unseres jüdischen Nationalheims an die zweite Stelle. Diese nur vom philanthropischen Standpunkt aus zu rechtfertigende Bewertung führt heute zu einer ernsten Gefährdung unserer Arbeit. Auch der Erfolg unseres politischen Auftretens Ist in hohem Maße von unserer finanziellen Macht abhängig, und es ist sehr schwer, gute Politik ohne gute Finanzen » machen. Das A.-C. und das Administrative Committee werden gezwungen sein, wichtige Entscheidungen über die politischen Aktionen unserer Leitung zu treffen. Die Linie in unserem Verhalten gegenüber England und gegenüber den Arabern muß klar herausgearbeitet werden. Wir wollen keinen Bruch mit der Mandatarmacht, aber wir glauben, daß das von uns angestrebte neue Vertrauensverhältnis zur englischen Regierung durch ein klares, eindeutiges und starkes Vertreten der lebensnotwendigen zionistischen Interessen zu erreichen ist. Die gegen die Suspension der Immigration unternommene Protestbewegung war erforderlich. England muß wissen, wo für uns die Grenze liegt und daß wir eine Orientpolitik auf Kosten des Palästinamandats und der Balfour-Deklaration mit aller Energie bekämpfen werden. Die Regierung hat uns durch eine Reihe von Maßnahmen in unserer Arbeit geschädigt. Sie hat verschuldet, daß die guten Beziehungen zwischen der ganzen jüdischen Welt und der englischen Regierung beeinträchtigt worden sind. Von entscheidender Bedeutung ist für unsere Politik die A r a b e r f r a g e. Eine nur redensartliche Behandlung dieses Problems, die wir seit langem gewohnt sind, ist uninteressant. Mit vollem Ernst muß ein modus vivendi zwischen uns und dem arabischen Volk erstrebt werden. Die zionistische Welt täuscht sich gern über die Bedeutung dieser Frage, aber es sollte ihr zu denken geben daß heute schon Repräsentanten der verschiedensten Auffassung, Männer wie z. B. Ruthenberg und Ben Gurion, mit voller Offenheit erklären, daß unsere Stellung in Erez Israel von der richtigen Behandlung des arabischen Problcms abhängig ist. Die englische Regierung hat nichts getan, um den Ausgleich zwischen beiden Völkern herbei zuftihren. Wir wissen nicht, ob böser Wille vorliegt, ob man wirklich in Palästina nach dem System ״divide et itnpera“ arbeiten wollte. Wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß England versuchen wird, die nationalen Gegensätze in Palästina ernst und in unserem Sinne zu behandeln, wenn klar wird, daß dieser Ausgleich sich nicht gegen England richtet. Unsere arabische Politik muß von dem mit voller Deutlichkeit betonten Grundsatz der nationalen Gleichberechtigung ausgehen. Auf die Antithese Judenstaat oder palästinensischer Staat mit zwei gleichberechtigten Nationen muß unsere Exekutive eindeutig antworten. Aber diese Antwort behandelt nur einen Teil des Problems. Sie ist wertlos, wenn nicht gleichzeitig die Kernfrage des Zionismus behandelt wird, die Frage nach dem Ausmaß unseres Nationalheims. Der Gedanke des binationalen Staates ist dadurch diskreditiert worden, daß man glauben konnte, er müsse mit dem Verzieht auf die mit der Verwirklichung des Zionismus verbun denen nationalen Hoffnungen verknüpft sein. Wenn engtische Politiker glauben sollten, die britische Regierung habe ihre Verpflichtungen bereits erfüllt oder das jüdische Heim sei fertig, wenn noch 50 oder 100 (XX) Juden ins Land einwandern und sie mit dieser Anschauung die Abehnung des Judenstaates verbinden, dann muß eindeutig dar werden, daß wir völlig andere Größenvorstellungen laben und auch eine grundsätzlich andere Auffassung von der zukünftigen Gestaltung der palästinensischen Verhältnisse. Wir brauchen keine Diskussionen über die Frage der jüdischen Majorität. Wir können aber nicht zulassen, daß man uns daran hindert, wenn unsere Kräfte dazu ausreichen, zur Majorität im Lande zu werden. Gerade weil wir es ablehnen, heute durch eine arabische Majorität beherrscht zu werden, lehnen wir es auch ab, den Arabern die Stellung einer Minderheitsnation zuzumuten. Es besteht kein Zweifel daran, daß ein Ausgleich geschaffen werden kann, der für beide Nationen erträglich ist, weil wir glauben, daß in Palästina Platz für eine sehr große, heute der Zahl nach gar nicht zu übersehende jüdische Bevölkerung vorhanden ist. Wir haben das Land durch unsere Kolonisationsmethode größer gemacht und wir können in diesem Lande für eine Bevölkerung Platz schaffen, deren Zahl kein Sachverständiger für landwirtschaftliche Kolonisation zu beurteilen vermag, wenn er nicht gleichzeitig auch ein Experte für die Kräfte des jüdischen Volkes der ganzen Welt ist. Die tragische Unvereinbarkeit der nationalen Interessen, von der in unseren Reihen so oft gesprochen wird, braucht nicht zu bestehen, und es sollte auch in unserer Politik nicht so viel mit dem Begriff des ״zu spät“ gespielt werden. Ob irgend etwas zu spät war, kann der Historiker beurteilen; für den Politiker, der an die Erreichbarkeit des zionistischen Zieles glaubt, muß es immer Zeit sein, den richtigen Weg zu gehen. Und ebenso wenig es ein Zuspät geben kann, so wenig darf man auch mit dem Gedanken einer Unterbrechung unserer Arbeit spielen. Die zionistische Bewegung verträgt keine ״Atempause“ und der Gedanke der Pause dürfte gerade im gegenwärtigen Augenblick einer Desperadostimmung entspringen. Von höchster Wichtigkeit ist die Art, in der unsere Politik vertreten wird. Beste politische Erkenntnisse bleiben wirkungslos, wenn sie nicht als Bestandteil des Systems einer klaren zionistischen Gesamtauffassung erscheinen. Die Bewegung muß in schwierigen Zeiten das Vertrauen zur politischen Führung behalten können und je mehr eine Leitung gezwungen ist, Maßnahmen zu ergreifen, deren Notwendigkeit noch nicht allgemein begriffen ist, um so mehr muß sie von der Bewegung als nationales Symbol empfunden werden. So natürlich es ist, daß die Sorge um die richtige Politik unsere Sitzungen beherrscht, so wichtig wäre es, daß auch bei der Behandlung der politischen Fragen immer an die wichtigste Voraussetzung unserer politisehen Erfolge gedacht wird, an die innere Kraft der zionistischen Bewegung. Nichts ist allerdings von einem Radikalismus zu halten, der am schwächsten am Heimatsq׳rt ist, wo es sich um die unmittelbare Bewlhrung des Ziemismus’J!indelt und am stärksten ^ich.dgrt'ltaßeffrWö• man durch direkte eigene Arbeit nichts zu beeinflussen vermag. Opportunisten im Tageskampf, die sich den strengsten Anforderungen der Organisation entziehen, sind schlechte Vertreter großer politischer Forderungen. Die Entwicklung von Erez-Israel in den letzten Jahren kann uns die beste Lehre geben. Alles hängt von der ehrlichen, niemals unterbrochenen täglichen Arbeit aller Glieder unserer Bewegung und aller Teile unseres Volkes ab. Unsere obersten Körperschaften sollen von der Möglichkeit Gebrauch machen, das große Vertrauen zu unserem Werk und zu unserer einzigartigen Bewegung in unseren eigenen Reihen wiederherzustellen und zu stärken. Gerade die Entwicklung des Weltjadentums in den letzten Jahren gibt uns auf allen Gebieten Recht. Die zionistische Ideologie bewährt sich bei allen Erscheinungen der Politik und der Wirtschaft im Leben der Völker. Wir sind mitten im Aufbau, aber wir sind gleichzeitig auch mitten in der Gewinnung des jüdischen Volkes für unsere Wahrheit. Wir können die Verantwortung für unsere Sache tragen, wenn wir bei voller Kenntnis der Lage die Kraft behalten, unsere Pflicht zu tun. Stricklands Mission Der von der Palästina-Regierung eingeladene Sachverstän• dige für Kooperativen, Herr Strickiand, empfing am 13. d. M. Vertreter der palästinensischen Presse und gab ihnen einen Bericht über die von ihm durchgeführten Untersuchungen. Herr Strickland sagte, er sei der Ansicht, daß der in der Bildung von Kooperativen unerfahrene Araber zur Selbsthilfe er zogen werden müsse. Es müsse ein Registrierungsbeamter für Kooperativen bei der Regierung ernannt werden, der in Europa und Indien ausgebildet ist und Hebräisch und Arabisch versteht. Bei der Bildung arabischer Genossenschaften muß man sehr langsam Vorgehen. Die Araber sollen ermutigt werden, ihre eigenen Fonds zu sammeln, wie es die Juden taten. Die Araber müssen sich unabhängig machen, aber sie müssen auch eine wirkliche Hilfe seitens der Regierung erhalten. Auf die Frage, wie die Schulden der Fellachen geregelt werden sollen, sagte Strickland, er beschäftige sich damit, ein Maximum festzusetzen, das der einzelne Mann zahlen kann, ohne ungerechte Härte gegenüber dem Gläubiger, der gleichfalls geschont werden müsse. Es wäre aber zwecklos, daß die Regierung den Bauern Darlehn gibt, wenn sie trotzdem wieder bei den früheren Geldverleihern borgen. Auf die Frage, ob er glaube, daß die Kooperativen, um die Lage des Fellachen zu verbessern, die Landwirtschaft intensivieren sollen, antwortete Strick land bejahend. Der Redakteur des ,,Felestin״ stellte folgende Frage: ״Da Sie den bäuerlichen Kleinbesitz schützen wollen halten Sie es nicht für nötig, die Veräußerung von Bo den gesetzlich zu verbieten?“ Darauf antwortete Strickland: ״Soweit Zwangsversteigerung von Grundstücken in Frage kommt, besteht bereits ein türkisches Gesetz, welches den Verkauf des Hauses und von soviel Boden als der Fellache für seine und seiner Familie Erhalt benötigt, verbietet. Ein Verbot des freiwilligen Verkaufes von Boden ist eine Angelegenheit, die nicht in meine Kompetenz fällt, sondern in die von Sir John Simpson. 01c Berliner Wahlkreise Wir haben auf Grund von Meldungen ln der ״Vosslschen Zeitung“ und in der ״B. Z. am Mittag“ in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ zu angeblich endgültig aufgesteliten Kandidaturen der Staatspartd in den drei Wahlbezirken Groß- Berlins, in denen die Zahl der jüdischen Wähler größer ist als in allen anderen Wahlbezirken, Stellung genommen. Wir haben zum Ausdruck gebracht, daß die jüdische Wählerschaft verstimmt sein müsse, wenn von der Staatspartei in den drei Graß-Berliner Bezirken, die für eine Wahl von Kandidaten der Staatspartd als sicher gelten, nur Judensttmmlinge und keine Juden und im Wahlbezirke Potsdam I überdies der bis vor kurzem noch zur deutachnatioflalen Partei sich zählende Oewerkschaftsführer Arthur Adolph als Kandidaten aufgestellt werden. Diese Ueberlegung scheint auch in den Kreisen der deutsch-demokratischen Partei vorgeherrscht zu haben. Wie wir erfahren, ist es hauptsächlich dem Drängen der Demokraten im letzten Moment gelungen, eine Korrektur der Kandidatenlisten für die drei Oroß-Berliner Bezirke zu erzwingen. Nach den letzten in der Tagespresse veröffentlichten Angaben befinden sich unter den Kandidaten der Staatspartei für Groß-Berlin die Namen Gustav Stolper und Arthur Adolph nicht mehr, ln der eigentliehen Stadt Berlin kandidiert an erster Stelle Reichsfinanzminister Dietrich, der übrigens auch in Baden Spitzenkandidat ist, der Gewerkschaftler Gustav Schneider und an dritter Stelle R.-A. Dr. Bruno Weil. Im Wahlkreise Potsdam I ist der bisherige Spitzenkandidat Georg Bernhard durch Major a. D. Herrmann ersetzt. Ursprünglich war als Ersatzmann Adolph ausersehen. In dieser Aenderung der Kandidatenliste liegt zweifellos ein Entgegenkommen der volksnationalen Partei (Jungdo) an die Wünsche der Demokraten. Ob der einzige jüdische Kandidat in Groß- Berlin Dr. Bruno Weil Aussicht hat, in den Reichstag zu kommen, hängt vielleicht davon ab, wie die Wahlen , in Berlin und Baden ausfallen werden, und im Falle Reichsfinanzminister Dietrich zweimal gewählt werden sollte, auf welches Mandat er dann verzichten wird. Für uns Juden bietet von den genannten Kandidaturen die Bruno Wells das stärkste Interesse. Sie ist in keiner Weise mit den seinerzeitigen Kandidaturen Georg Bernhards und Ludwig Haas’ zu vergleichen, welche, wiewohl jüdischpolitisch einer bestimmten Richtung angehörend, von der jüdischen Gesamtheit als Repräsentanten angesehen wurden. Dr. Weil ist eine 1m innerjüdischen Parteileben stark prononzierte Persönlichkeit, gegen die wir häufig entschieden Stellung nehmen mußten. Angesichts seiner Kandidatur wäre es nicht nur für uns Zionisten, sondern gewiß auch für weitere jüdische Kreise von größtem Interesse zu erfahren, ob Dr. Weil im Falle seiner Wahl seine bisherige Kampfstellung gegenüber ihm unsympathisch jüdischen Richtungen vor der Außenwelt ändern und sich in seinen Ausfällen gegen Zionisten, Ostjuden, Palästina-Aufbau und jüdische Gemeindepolitik mäßigen wird. Selbstverständlich können wir als jüdischen Repräsentanten nur einen Mann gelten lassen, der, ungeachtet seiner persönlichen Gesinnung, im staatsbürgerlichen Leben vorbehaltlos für die Rechte aller Juden ein tritt. Aber derartige Erwägungen, zu denen wir eine Aeußerung Dr. Weils abwarten, stad ^Jnpriüdjsqlier,״. Natt«, ״,.u!«L, ya ,,*pU, vhiqr dw£ iVelfer'es* ztigesfaijäeii'Werden, *cfa§ 'die"Kreise'-um MaÜraun in der Aufstellung Dr. Bruno Weils eine Konzession an die jüdische Wählerschaft schlechthin erblickt und diese gemacht haben, ohne sich weiter um innerjüdische Partei-Differenzen zu kümmern. Man hat überhaupt den Eindruck, als ob in der Staatspartei das Bestreben vorgeherrscht habe, Berlin als ״jüdischen Besitzstand“ zu betrachten. Um so energischer ist der ״Jungdo“ in seinen Ansprüchen in den übrigen Wahlkreisen Deutschlands gewesen. Wie aus der JTA. ersichtlich, hat Dr. Bruno Weil kurz vor seiner Nominierung als Kandidat der Staatspartei eine Unterredung mit Mahraun gehabt. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß diese Aussprache einen großen Teil der Widerstände aus dem Wege geräumt hat, die ursprünglich seitens des Jungdo gegen die Kandidatur Dr. Bruno Weils entgegengestellt wurden. j. r. * Wie wir nach Redaktionsschluß erfahren, hat der in Aussicht genommene Spitzenkandidat für den Wahlkreis Potsdam I, Major a. D. Hermann, Mitglied der Volksnationalen, die Uebernahme der Kandidatur abgelehnt. Er soll sich dazu auf das Drängen seiner Freunde, die demokratischen Vorstellungen Gehör schenkten, entschlossen haben. Wer nun Spitzenkandidat in Potsdam I an Stelle Georg Bernhards werden wird, steht noch dahin. Der Berliner ״Vorwärts“ schreibt: ״Vor uns Hegt ein Flugblatt an die Mitropa-Angestellten, in dem diese zu einer ,Gründungsversamtnlung einer N. S.-Betriebszelle‘ eingeladen werden. Vorgearbeitet ist ja in der Mitropa schon fleißig. Das leitende Personal lind auch das Aufsichtspersonal ist — zweifellos unter tätiger Mithilfe des Personalchefs — von Nationalsozialisten durchsetzt. ... Im übrigen ist die Haltung der Generaldirektion der Mitropa derart, daß das leitende Personal annehmen kann, die Förderung der Nationalsozialisten ist erwünscht. Vielleicht hängt demnächst am Eingang der Speise- und Schlafwagen der Mitropa ein Zettel mit der Inschrift: .Juden, Ausländer und Republikaner habe״, hier keinen Zutritt*.“ Empfang für amerikanische Archäologen Seit einiger Zeit weilt eine Gruppe von a m e r i k a n i - sehen Professoren und Lehrern, etwa 35 Personen, im Lande. In der amerikanischen archäologischen Schule in Jerusalem werden eine Reihe von Vorträgen über palästinensische Altertümer für die Gäste veranstaltet. Nachdem der Mufti Von jerusalem die Gruppe empfangen und ähr den Standpunkt der Arabischen Exekutive dargelegt hatte, wandte sie sich an die z i o n i s t i s c h e n I n s t i t u 11 o n e n mit der Bitte, ihr Aufklärungen über den Zionismus und das jüdische Aufbauwerk in Palästina zu erteilen. In einer Zusammenkunft schilderte Col. Kisch das Entstehen der zionistischen Idee und die Entwicklung der jüdischen Kolonisation in Palästina. Die Anwesenden stellten verschiedene Fragen: Ob Boden für jüdische Kolonisation vorhanden sei, ob die Regierung die Araber nicht zu sehr mit Steuern belege, ob Großbritannien nicht den Arabern solche Versprechungen erteilt hat, wie sie es gegenüber den Juden getan habe, ob die Juden mit der Politik der Mandatsregierung zufrieden seien usw. Diese Fragen wurden von Dr. Ruppiti beantwortet. (Ziko.) Aus Dschedda (Arabien) wird die unverbürgte Nachricht übermittelt, daß John Philby zum Islam übergetreten sei.