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Jüdische Rundschau · 1930-08-22 · Heft 66 (22.8.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 66 (22.8.1930)
Date
1930-08-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Das Judentum als Religion JÜDISCHE Einzelnummer 0£S Goldmark RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Auslandsabonnemetits werden te der Währung der einrelnen Lander berechnet Anreigenpreis: 8 gesp. Nonpareillezeile 0.50 G--M. Stellengeeticb• 0,25 G.-M. Nummer 66 | Berlin, 22. VIII. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m.b. H., BerlinWlS, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. An>*ts«1sscl11u£: Di«qii■! und frtiti! stchmittag• 4 Ulir Redaktionsschiu& Sonntag und Mittwoch nachmittag. Post! check •Koste n: Bedio 17392, Bm«1 V 9355, B.l«»d 68032. BrÜMei 394 33, B11d»p#« 596 93, D»nri*!973. H»«g 140470, Pr»« 594 10 Ri*. 4155. Strmbur« 16430, W.r»cl»t1 190 7(«. Wien 156 030. Bank 'Konten! Dartnstadter txnd Nationalbank. Depositen«Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Bane• de Eit, Cemaud (Rumänien); Anglo Paksfine Co. in Hailab leruaalam, Tel -Aviv. ann ב״ח אס | xxxv. Jahrg. Per Zionismus erstrebt Iflr das indische Voll! die Schaffung einer dffantllch rechtlich flcelchcrten Heimstätte ln Pallatlna. .,Baseler Programm.** Felix warburg bei Passiieid Der britische Kolonialminister, Lord Pa ssfield, hat an Felix Warburg, den Präsidenten des Administrativ!«omitees der Jewish Agency eine Einladung zu einer Unterredung ergehen lassen. Felix Warburg hat bekanntlich vor einiger Zeit bei dem britischen Botschafter in New York Vorstellungen erhoben, wobei er im Zusammenhang mit der Suspendierung der Chaluzimmigration eine ernste Kritik an dem Verhalten der Mandatarmacht übte. Es besteht die Vermutung, daß die vom Kolonialamt gewünschte Aussprache einer Klärung der britischen Palästina-Politik dienen 9011. Warburg hat sich vom europäischen Kontinent, wo er zur Kur weilte, nach London begeben und wird heute, Freitag mittag, von Lord Passficld empfangen. Von London begibt sich Warburg sodann nach Berlin, um an den Vorbereitungen zur Sitzung des Administrativkomitees der Jewish Agency teilzunehmen, die am 29. d. M. beginnt und bei der Warburg den Vorsitz führt. Aus Anlaß der Berliner Sitzungen findet eine Reihe von Veranstaltungen statt, von denen vorläufig foigende feststehen: Montag, den 25. d. M , abends, in den Spichernsälen ein großes zionistisches Meeting, bei welchem Dr. W e i z m a n n sprechen wird. Außer Weizmann werden noch eine Reihe anderer führender Persönlichkeiten der Exekutive und des Aktions-Comites zu Worte kommen. Die deutschen Mitglieder des Verwaltungsausschusses der Jewish Agency haben eine Reihe von Persönlichkeiten zu einem Bierabend für Sonntag, den 31. d. M., im Logenhaus eingeladen. Im Anschluß daran findet im Theater am Nöllendorfplatz eine Festaufführung der Ha bim ah statt, die um 104/י Uhr abends beginnt. Zur Aufführung gelangen: ״Was Ihr wollt“ von Shakespeare, 1. Akt; ״Dybuk“ von Anski, 2. Akt (Unkostenbeitrag 5 M.) Ami. September veranstaltet dieJüdischeGemeinde Berlin einen Empfang für die Mitglieder des Administrative Committees. Englands Pollllk In Palästina Ein zweiter Teil der Regierungserklärung zum Bericht der Mandatskommission in Aussicht London, 18. August. (J.T.A.) ״Manchester Guardian“ erfahrt aus Genf, daß der Palästina-Bericht der Mandatskommission nebst den Bemerkungen der britischen Regierung zu diesem Bericht wahrscheinlich am Mittwoch, dem 20. August, veröffentlicht werden wird. Bedeutsam an den Bemerkungen der britischen Regierung, meldet die Zeitung, sei das V e r - sprechen, in kurzem den zweiten Teil ihrer Bemerkungen zu übermitteln, in welchem ein konstruktives Programm für die zukünftige Verwaltung des Mandates enthalten sein wird. Es verlautet, daß dieses Dokument jene Vor- Schläge enthalten wird, die der High Commissioner Sir John Reidisiagswahlaussdiufi 1930 Wir erhalten nachstehendes Communique: Auf Einladung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens traten am Mittwoch, dem 20. d. M., Vertreter des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und der Großloge für Deutschland U. O. B. B. zu einem Reichstagswahlausschuß 1930 zusammen. Unter Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, stellvertretender Vorsitzender des C.-V. und unter Mit- Wirkung von Kurt Blumenfeld, Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie in Anwesenheit des Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Leo Löwenstein, konstituierte sich der Ausschuß nach einem Referate des Syndikus des C.-V., Dr. Alfred Wiener, der zum Vorsitzenden des Ausschusses bestimmt wurde. Zu Geschäftsführern des Ausschusses wurden Dr. Alfred Hirschberg, stellvertretender Syndikus des C.-V., sowie ein Mitglied der Zionistischen Vereinigung, dessen Persönlichkeit noch nicht feststeht, bestellt. Der Zweck des Ausschusses besteht in der Erfüllung von Aufgaben, die zum Wöhle der deutschen Juden von allen Organisationen gemeinsam erfüllt werden können. Insbesondere soll der Ausschuß finanzielle Mittel neben den Sammlungen der Organisation beschaffen. Die im Ausschuß vertretenen Organisationen stimmen darin überein, daß es sich bei diesem Ausschuß um keinerlei Gesinnungskompromisse handelt, und daß die eigene Tätigkeit der Organisationen durch die Existenz des Ausschusses in keiner Weise geändert werden soll. * Dieses Communique unterrichtet die Oeffentlichkeit über das Ergebnis von Besprechungen, die bereits vor einiger Zeit auf Initiative des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin eingeleitet wurden, um angesichts des bedrohlichen Steigens der antisemitischen Welle in Deutschland ein gemeinsames Vorgehen aller jüdischen Verbände in ge- Chancellor nach der Rückkehr von seinem Urlaub nach Palästina den Arabern machen wird. Wie erinnerlich, haben die Mitglieder der arabischen Delegation in der letzten Sitzung der Arabischen Exekutive solche Vorschläge an gekündigt. Der Sekretär des palästinensisch-arabischen Kongresses teilte damals mit, England werde den Arabern eine Legislative Assembly (Gesetzgebende Versammlung) anbieten, der die Araber zustimmen können, ohne ihre übrigen Kardinalforderungen, wie z. B. Errichtung einer völligen Selbstregierung und Preisgabe des Plans des Jüdischen Nationalheims, insofern dieser Plan als eine Verdrängung der Araber durch die jüdischen Einwanderer betrachtet wird, aufgeben zu müssen. * Im Zusammenhang mit den Mitteilungen des ״Manchester Guardian“ erkundete der Jerusalemer J. T. A.-Vertreter die Meinungen der britischen und arabischen Kreise in Palästina über den gegenwärtigen Stand dieser Frage. Die vorherrschende Ansicht ist die: Die Araber werden zunächst ein ihnen von der Regierung gemachtes Angebot, einen Legislative Council gemäß den Riehtlinien von 1922 zu schaffen, ablehnen; wenn aber die Regierung fest bleibt und erklärt, daß dieses Angebot ein Maximum dessen enthält, was sie zu gewähren in der Lage ist, werden die Araber dem Legislative Council zustimmen. Die meisten der maßgebenden Araber erkennen an, daß die Politik der Noncooperation, die in dem Blutvergießen vom August 1929 gipfelte, versagt hat. Mit Ausnahme des Mufti und seines engeren Kreises haben alle führenden Araber das Gefühl, daß wenn sie die 1922 gemachten Vorschläge betreffend Errichtung eines Legislative Council angenommen hätten, sie heute politisch viel weiter gewesen wären, als sie es sind. Die maßgebenden englischen Kreise in Palästina stimmen darin überein, daß wenn man auch die Frage des Jüdischen Nationalheims aus dem Spiele läßt, es der Mandatarmacht unmöglich wäre, einer Selbstregierung zuzustimmen, da dann die Frage der christlichen Heiligen Stätten akut werden würde. tJ1»bbIng|g#'Bc06ach|9' #r Lage so auchjie Mitglieder der iäterriatiortalen Klagemauer-Kommission und sogar der britische Bevollmächtigte Sir John Hope Simpson haben, wie aus vielfachen privaten Aeußerungen hervorgeht, den bestimmten Eindruck gewonnen, daß mir der Mufti und seine engeren Freunde sich allen VermittlungsvorschlMgen gegenüber unversöhnlich zeigen, daß aber mehrere einflußreiche Personlichkeiten der arabischen Exekutive sich seit langem der Not- Wendigkeit bewußt sind, die die Beziehungen zwischen den Arabern und den Juden vergiftende Atmo- Sphäre zu reinigen. (Die Verantwortung für alle diese Mitteilungen, die freilich u. E. manches Glaubwürdige enthalten, muß natürlich dem Jerusalemer JTA.-Vertreter überlassen bleiben. — Red. ״J. R.“) wissen Angelegenheiten zu ermöglichen. Ueber diese Besprechungen sind vorzeitig Nachrichten veröffentlicht worden, und in manchen Provinzorganen wurden stark übertriebene Dar- Stellungen über den Charakter dieser Verhandlungen gegeben. Was die zionistische Stellung zu den aufgeworfenen Fragen betrifft, so ist zu bemerken, daß die zionistischen Verhandlungsführer ihre Aufgabe darin erblickten, zu verhindern, daß die Noigemeinschaft, die durch die Reichstagswahlen notwendig wurde, zu einer Verwischung unserer Auffassung vom Wesen der Judenfrage und zu grundsätzlichen Kompromissen führt. - Es ist bekannt, daß wir mit der jüdischen Grundauffassung und vielen Arbeitsmethoden des Central-Vereins nicht übereinstimmen, und es schien wichtig, das Recht der innerjüdischen Kritik auch bei Zustandekommen des neuen Ausschusses zu wahren. Alle beteiligten Organisationen haben sich in dieser Hinsicht Handlungsfreiheit Vorbehalten. Allerdings wurde vereinbart, daß bis zum 14. September ein in ner jüdischer Kampf nicht stattfinden soll, doch haben alle Gruppen das Recht, ihre Prinzipien in positiver Form rückhaltlos zu vertreten. Fflr Einwanderung des MIMelstandes Vor einiger Zeit fand — wie Ziko. mitteilt — in Tei-Awiw eine Sitzung der Immigrationskommission der Jewish Agency unter Vorsitz des Herrn J. S p r i!1 z a k statt. Die Frage der Einwanderung des Mittelstandes stand im Mittelpunkt der Besprechungen. Folgende Beschlüsse wurden der Immigrationsabteilung der Jewish Agency zur Kenntnis gebracht: a) Bei aller Dringlichkeit, die die Immigrationskommission der Verstärkung der chaluzischen Alijah zuschreibt, hält sie es doch für sehr notwendig, daß die Leitung der Jewish Agency auch der Regelung derEinwanderungdesMittelstandes ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet, b) Die Kommission hält es für notwendig, die Einwanderung des Mittelstandes auf landwirtschaftliche Ansiedlung, Industrie und Handwerk zu lenken und fordert die Agency auf, einen Plan dafür auszuarbeiten und es so dem Einwanderer aus dem Mittelstände zu ermöglichen, sich im Lande einzuordnen, c) Ferner fordert die Immigrationskommission die Agency auf, die Einwanderung des Mittelstandes durch informative Tätigkeit des Ein- Wanderungsbüros für den Mittelstand und durch Vorkehrungea im Lande zur Aufnahme dieser Einwanderung zu fördern« Zur Begrünung Die Berliner Sitzung des Aktiom-Comit€» und des Administrative Committees Von Kurt Blumenfeld. Das Aktions-Comite der Zionistischen Organisation und das Administrative' Committee der Jewish Agency treten in den nächsten Tagen in Berlin zu wichtigen Sitzungen zusammen. Die Z. V. f. D. begrüßt aufs herzlichste die Führer der zionistischen Bewegung und die Repräsentanten der nichtzionistischen Palästina-Freunde. Berlin hat sich schon oft als ein geeigneter Tagungsort für unsere Sitzungen erwiesen, und wir hoffen, daß die Sitzungen nicht nur der gemeinsamen Arbeit förderlich sein werden, sondern auch den persönlichen Zusammenhang zwischen den Mitgliedern beider Körperschaften enger und freundschaftlicher gestalten werden. Als wir vor einem Jahre in Zürich nach Tangen Kämpfen den großen Bund in der erweiterten Jewish Agency schlossen, da waren wir erfüllt von der sicheren Hoffnung auf das schnelle Wachsen unseres Werkes in Erez-lsrael. Unsere Erwartungen sind nicht in Erfüllung gegangen. Der erste Schlag war der Tod von Louis Marshall. Es kamen die August-Unruhen, die unsere politische Situation verschlechterten, es kam im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise der wirtschaftliche Rückgang im amerikanischen Judentum, von dem wir die stärkste finanzielle Hilfe erwarteten. Diese Ereignisse verhinderten die Entwicklung der Jewish Agency. In weiten Kreisen der zionistischen Bewegung ist man heute enttäuscht über die geringen Ergebnisse. Eine gerechte Prüfung der Entwicklung des letzten Jahres muß jedoch zu dem Resultat kommen, daß heute ein Urteil über den Wert der Jewish Agency nur mit großer Vorsicht abgegeben werden darf. Die objektiven Voraussetzungen waren gegen uns. Die Agency hatte schwere Belastungsproben sofort paejh ihrer Gründung zu bestehgn. Reiche Früchte wireh ürii* vermutliefi'fesclllden gewesen, wenn" es ־ge•־ lungen wäre, die Kooperation mit den Nichtzionisten, schon vor Jahren herbeizuführen; und wer wagt andererseits zu sagen, wie es um unsere politischen und wärtschaftlichen Kräfte bestellt wäre, wenn damals in Zürich die neue Gründung nicht zustande gekommen wäre! Als wir um die Agency kämpften, da war für uns unerläßliehe Voraussetzung für die Vergrößerung der Arbeit eine starke einheitliche arbeitswillige Zionistische Organisation. Die Agency war als eine große und schwere Aufgäbe für diese Zionistische Organisation gedacht. Sie war bei ihrer Begründung kein fertiges Gebilde. Es kam alles darauf an, den begonnenen Prozeß des Verstandnisses für die Bedeutung von Erez-lsrael für die jüdische Welt sinnvoll zu befördern. Die Ereignisse haben es mit sich gebracht, daß wir nach Jahresfrist noch immer am Anfang stehen, aber es hat sich auch gezeigt, daß wir mit Aussicht auf Erfolg aufs neue beginnen können. Unsere Partner sind uns in schweren Zeiten treu geblieben. Sie haben trotz mancher Konflikte mit uns gemeinsam gearbeitet. Sie haben unsere politischen Aktionen unterstützt, haben sich den Beschlüssen der gemeinsamen Körperschaften unterordnet und manche von ihnen sind in diesem schweren Jahre der Sache aufs engste verbunden worden. Es darf auch nicht vergessen werden, daß unsere nichtzionistischen Freunde entscheidend an der Aufbringung von über ,£ 500 000 für den Emergency Fonds beteiligt waren und daß ein erheblicher Teil dieser Summe sonst dem Keren Hajessod zugute gekommen wäre. Wir bedauern, daß die Wirkungen der Jewish Agency gerade in Deutschland gering sind. Materielle Erfolge sind auch moralisch höher zu werten als moralische Erfolge, die mit keinerlei Opfer verbunden sind. Das jüdische Palästina ist eine Wirklichkeit, der Sympathieerklärungen nur dann nützen können, wenn sie von sichtbaren Taten begleitet sind. Die Wirtschaftsnot ist in den Ländern des Ostens viel größer als in Deutschland oder gar in Amcrika und die antisemitischen Gefahren ganz gewiß in Rumänien größer als in uns näherliegenden Ländern. Dennoch können wir dort mit Freude, aber auch mit Beschämung nicht nur relative, sondern auch absolut größere Leistungen feststellen als in jenen Gebieten, auf die wir in Zürich die größte Hoffnung gesetzt haben. Es kommt eben auf die Tiefe des Gefühls und auf die leidenschaftliehe Arbeit mehr an als auf die äußeren Verhältnisse. Wir glauben, daß die Festigkeit des Bündnisses sich darin erweisen wird, daß wir freimütig Kritik üben können, ohne daß Kränkungen oder Beleidigungen entstehen. Die Jewish Agency wird sich dadurch bewähren, daß Kritik an einzelnen Maßnahmen und Personen zur Folge hat, daß der feste Entschluß, alle Kräfte anzuspannen, gestärkt wird und daß man sich bemühen wird, begangene Fehler im nächsten Arbeitsjahr wieder gutzumachten. Aber auf dieses Jahr kommt es an. .Unser Schick-

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