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Jüdische Rundschau · 1930-08-19 · Heft 65 (19.8.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 65 (19.8.1930)
Date
1930-08-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 428 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. es, 19. VIII. 1930 Schluß der Revisionirteti'Konferenz Von unserem Korrespondenten. hl, Prag, 15. August 1930. Die ,IV. Weltkonferenz der Zionisten-Rcvis i o n i s t e n wurde heute in aller Frühe geschlossen. Entgegen den Verlautbarungen des Präsidiums, das die Schlußvernand- Jungen für Freitag angesagt hatte, wurde eine vertrauliche, nur für Delegierte zugängliche Sitzung von Donnerstag abends nach Mitternacht für öffentlich erklärt, ohne daß die Oelfentüchkeit natürlich mehr etwas davon in Erfahrung bringen konnte. Die Generaldebatte war vorzeitig abgeschlossen worden. Es kamen in ihr Pro- und Kontra-Redner zu dem Vorschläge Wein- ■fein«, in Palästina eine neue nationale Arbeiter- Organisation zu gründen, zu Worte. Unter den Gegnern dieses Vorschlages befand sich auch der Führer des Brith-Trum* peldors, Pro p es. Dr. Fe Id sch uh, Warschau, wollte hingegen den Vorschlag auch für die Galuth-Liinder ausgedehnt wissen. Klinoff trat energisch den Ausführungen Weinsteins entgegen. Es müsse endlich einmal alles darangesetzt werden, um den unberechtigten Ruf der Arbeiterfefndlichkeit, der der revisionistischen Union seit ihrer Entstehung anhaftet, zum Verschwinden zu bringen. Der Revisionismus habe einen katastrophalen Fehler gemacht. In der zionistischen Bewegung gab es einen Flügel, in dem die besten Freunde Jabotinskys {׳esessen haben, eine Judenstaatspartei, die lange die Idee der udlschen Legion unterstützt hat: die PoaTe Zion (lebmfter Beifall und Widerspruch). Der Revisionismus werde nur dann die Zionistische Organisation erobern können, wenn es uns gelingt, einen Weg zur Arbeiterschaft zu finden, ln der vertraulichen Sitzung kam die Frage des Austrittes aus der Zionistischen Organisation zur Sprache. Jabotinsky, der sich in leidenschaftlicher Weise dafür aussprach, und darauf hinwies, daß ihm bereits jedwede Sprache zu den anderen Zionisten fehle, stand mit seinem Vorschläge des sofortigen Austrittes ganz isoliert. Die überwältigende Majorität der Delegierten stellte sich vielmehr Unter Großmann, der die Ansicht vertrat, daß man die Zionistische Organisation auf legalem Wege erobern würde. In Anbetracht dieser Stimmung zog Jabotinsky seinen Antrag zurück. Auch der Antrag Lichtheims, sich zu einem Sonderverbande zu erklären, kam nicht vor das Plenum, da er in der Organisationskommission mit 12:3 Stimmen abgelehnt worden war. Ebenso war es dem Vorschlage von der ״Non-cooperation“ ergangen, ln einer erregten Kampfabstimmunj: wurde der Antrag Weinsteins, im Eventualfälle in Palästina eine nationale Gewerkschaft zu gründen, mit 81:40 Stimmen (bei 5 Enthaltungen) angenommen. Einhellig wurde die Ermächtigung an die revisionistische Exekutive erteilt, selbständige politische Aktionen unternehmen zu dürfen. Die Leitung der Union der Zionisten-Revisionisten verbleibt weiterhin in London, wohin auch die Redaktion des Zentralorganes ״Der neue Weg״ von Paris verlegt wird, ln das Exekutiv-Komitee der Union wurden gewählt: Jabotinsky, Großmann, Lichtheim, Schechtmann, Angel, Machower, Tiomkin und Berschin. Zum Präsidenten der Union wurde Jabotinsky, zum Vizepräsidenten Großmann und Lichtheim gewählt. Außerdem wurde ein Parteirat nominiert. Die politische Resolution ist in Form eines Manifestes ״An das jüdische Volk“ gehalten. Mit den üblichen Dankesreden unter Absingung der Hatikwah wurde die Konferenz Freitag um 8 Uhr früh beendet. Resolutionen Aus den angenommenen Beschlüssen geben wir folgende wieder: Erklärung zur innerzionist isch en Lage: Die Konferenz erklärt: 1. Die Ereignisse des letzten Jahres bedeuten den vollständigen Zusammenbruch der Politik der zionistischen Leitung. 2. Die Leitung hat jahrelang die Warnungen überhört, die wir im Hinblick auf ihre kurzsichtige und leichtsinnige Politik formuliert und auf den zionistischen Kongreisen vorgetragen haben. 3. Trotz der vollständigen Mißerfolge ihres politischen Systems hat die Leitung nach den blutigen Vorfällen in Palästina und nach den darauf folgenden politischen Niederlagen nicht die selbstverständlichen Konsequenzen gezogen, nämlich den Kongreß einzuberufen und ihr Amt niederzulegen. 4. Unsere Vorschläge zu gemeinsamer politischer Aktion hat sie zurückgewiesen, ohne ihrerseits Vorschläge zur Verständigung mit der von uns vertretenen politischen Ricntung zu machen. 5. Die Konferenz nimmt von der Erklärung der Zionistischen Exekutive Kenntnis, daß die politischen Prärogativen der zionistischen Leitung auf die erweiterte Jewish Agency übergegangen sind. Demgemäß ist der Beschluß der dritten Konferenz der Union bezüglich der politischen Prärogitiven solange suspendiert, bis eine auf demokratischer Grundläge gewählte Jewish Agency geschaffen ist. 6. Angesichts dieser Sachlage und 1m Hinblick auf die eingetretenen Katastrophen und den Zustand höchster Gefahr für den Zionismus bevollmüchtigt die Konferenz die Exekutive der Union, alle ihr geeignet erscheinenden Schritte zu ergreifen, um die bereits begonnenepolftlscheAufklärungsarbeltfortzusetzen und in jeder geeignet scheinenden Weise zu erweitern. 7. Die Konferenz beauftragt ihre Vertreter itr. A.-C., die sofortige Einberufung des Kongresses noch für dieses Jahr zu fordern. Wird dieser Forderung nicht stattgegeben, oder sollte der Kongreß wiederum das Schicksal des jüdischen Volkes in die Hände der für die jetzige katastrophale Lage verantwortlichen Männer legen, so überträgt die IV. Weltkonferenz dem Parteirat der Union, bzw. der revisionistischen Kongreßdelegation, gemeinsam mit dem Parteirat alle ihre Rechte als Weltkonferenz der Union. (Das bedeutet, daß Kongreßdelegation und Parteirat über den Austritt der Union aus der allgemeinen Zionistischen Organisation beschließen können. — Anm. d. Red.) ln der Erklärung zur außenpolitischen Lage heißt es: Das VertrauendesjüdischenVolkeszurMandatarmacht ist schwer erschüttert. Trotzdem war* nen die Revisionisten vor einer übereilten Aenderung der politischen Orientierung. Jn gleichem Maße wie England ist die gegenwärtige zionistische Leitung verantwortlich, aa deren Vorgehen es ermöglicht hat, daß England die ausdrücklichen Be* Stimmungen der Durchführung des Mandates umgehen konnte. Eine in ihrer Methode erneuerte zionistische Politik hat den letzten Versuch zu unternehmen, die Mandatarmacht zur Er* füüung ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Zionismus zu be* wegen. Diese bestehen in der Schaffung einer jüdisehen Mehrheit in Palästina beiderseits des Jordan. Dieses Ziel ist durch friedliche kolonisatorische Arbeit ohne Unterdrückung der arabischen Landesbevölkerung erreichbar. Das jüdische Volk ist bereit, weiterhin Menschen und Kapital nach Palästina zu senden. & ist ferner bereit, falls dies notwendig sein sollte, die Verteidigung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina im Einvernehmen mit der Mandatarmacht selbst zu Übernehmen. Die unerläßliche Voraussetzung zur Erreichung dieses Zieles ist jedoch die geeignete aktive und planmäßige Mit* afbeit der Mandatar mach t in gesetzgeberischer und administrativer Beziehung. E§ kann dein jüdischen Volke nicht zugemutet werden, unbegrenzt Opfer zu bringen, wenn die Früchte seiner Anstrengungen nicht ihm selbst und dem Jüdi• sehen Nationalheim zugute kommen. Sollte die Mandatarmacht ihre gegenwärtige Politik fortsetzen, so würde sie das tör* male und moralische Anrecht, das Mandat über Palästina auszuführen, verlieren. Die Resolution verlangt schließlich eine Reform der zionistischen Führung und appelliert an die Mandatarmacht und den Völkerbund, das Recht zu achten und das Mandat in dem Sinne zu erfüllen, wie es gedacht, geschrieben und vom ganzen jüdischen Volke verstanden worden ist. * Berichtigung. Unser Prager Korrespondent teilt uns mit, daß bei seiner Wiedergabe des Referates von Weinstein in der vorigen Nummer ein Irrtum unterlaufen Ist. Weinstein habe nicht gesagt, für die Revisionisten existiere kein soziales Problem, sondern er wandte sich gegen die Anschauung der Allgemeinen Zionisten, daß es keine soziale Frage in Palästina gehe, und fügte hinzu, daß die Lösung dieser Frage kein Privileg der Histadruth sein dürfe. KlinoH ausgetreten Wie wir erfahren, ist J. K1 f n o f f aus der revisionistischen Partei wegen des Beschlusses, eine besondere Arbeitergewerkschaff in Palästina zu schaffen, ausgetreten und hat alle ihm von den Revisionisten in zionistischen Vertretungskörpern anvertrauten Aemter (A.-C., Landesvorstand der Z. V. f. D., Hauptvorstand der B. Z. V.) niedergelegt. Presseschau Zur revisionistischen Ideologie Die Prager ״S e 1 b s t w e h r“ bespricht in ihrer letzten Nummer im Leitartikel den Verlaut der gegenwärtig in Prag tagenden revisionistischen Weltkonferenz. Dabei wirft das Blatt auch die Frage auf, welche neuen ideologischen Perspektiven sich auf der Konferenz gezeigt haben und erwähnt den der Konferenz als Sonderdruck vorgelegten Artikel Grabovskys aus der ״Zeitschrift für Politik“. Die ״Selbstwehr“ schreibt dazu: ״... Von Grabovsky übernimmt der Revisionismus seine ideologische Parole: ,Wir wollen nicht mehr Geschichte dulden, sondern Geschichte machen!' Was heißt das? Darf man vielleicht sagen, daß der Zionismus vor dem Auftreten der Revisionisten nur Geschichte erduldet und nicht Geschichte gemacht hat? Heißt das ,Geschichte erdulden‘, wenn ein Volk'nach 2000jähriger Zerstreuung sich aufzuraffen vermag, eine zionistische Organisation aufzubauen und gegen alle Gegenkräfte von außen und gegen alle Mächte der Ohnmacht von innen all das aus Land und Menschen zu formen, was heute schon in Palästina besteht und die Bewunderung aller geschichtlich urteilsfähigen Menschen erregt? Also was heißt Geschichte machen? Grabovsky gibt die Antwort und L i c h t h e i m hat sie vorgelesen: ,Der Inhalt der Geschichte ist der Kampf um die Macht.‘ Geschichte macht, ,wer als Herrenvolk aufzutreten weiß mit dem Anspruch des Stärkeren', und ,Palästina kann nur gewonnen werden durch Eroberung, die gerade dann nicht gewaltsam zu sein braucht, wenn der Jude von vornherein 16 i t dem An- Spruch, das Herrenvolk zu sein, in Palästina aufgetreten war, die aber auch vor Blut und Opfern nicht zurückscheuen darf.‘ Darum handelt es sich; das ist die: pösitive Bedeütuwr., ‘der Verhöhnung von Ethik und Philosoph«♦ von Prager und' Berliner Richtung, von Martin Buber und Achad Haam! Das ist natürlich auch eine Philosophie und auch eine Ethik. Es ist nur eine andere Ethik und eine andere Philosophie. Sie bezieht ihre Weisheit nicht von den jüdischen Propheten und nicht von Buber und Achad Haam, sondern von den deutschen Propheten des Machtgedankens: von Spengler und Grabovsky. Und im Kern liegt der Unterschied einfach darin, daß sie mehr an den Sieg der Macht und der Gewalt, als an den Sieg des Geistes und der Gerechtigkeit glaubt. Das ist durchaus kein Unsinn, das ist eine durchaus mögliehe Weltanschauung. Es ist gleichsam der rechte Flügel der Ethik. Beide Weltanschauungen stehen dem Menschen zur Wahl frei. Aber es ist gut, genau zu wissen, was zur Wahl steht und es ist sogar gut, sich die Sache philosophisch eu vergegenwärtigen; und in diesem Sinne hat diese Konferenz durch die Zitierung des sehr klaren Geschichtsphilosophen Qrabovsky eine wichtige Klärung gebracht.“ * Englands neuer Imperialismus Im Abendblatt des ״Berliner Tageblatt“ vom 16. d. M. schreibt der Londoner Korrespondent Dr. Kurt von Stut* terheim in einem Artikel ״Englandsneuer Imperja* lismus“ u. a.: ״Jahrhundertelang hat der englische Löwe, der einen ebenso guten Magen besitzt wie die katholische Kirche, Länder, Völker und Erdteile aufgefressen. Jetzt aber macht sich, vielleicht zum ersten Male in der Geschichte Englands, ein Stillstand seiner Kaumuskeln geltend. England ist satt, ja übersättigt. So erlebte man das einzigartige Schauspiel daß ein neuer Machtzuwachs, wie England ihn in dem Mandat über Palästina erhielt, von weiten Teilen der englischen öffentlichen Meinung mit Mißbehagen auf genommen wurde. Nur die moralische VerpfMchtung der Balfour-Erklärung, die französische Nachbarschaft in Syrien und die Frage der indischen Verbindungsstrecke verhinderten, daß die Unzufriedenheit über die Verpflichtungen in Jerusalem zu einer ernsthaften Erörterung der Aufgabe des Mandates führte. Im Irak dagegen konnte die neue Konzentrationsbewegung Englands sich deutlich entfalten. Hier hat England ungefähr alles das aufgegeben, was es nicht unbedingt zur Aufrechterhaltung seines Weltreichsgebäudes benötigt...‘* * Das verhinderte Bodengesetz Der Londoner ״Jewish Chronicfe“, der in seinen redaktionellen Aeußerungen sich unzweideutig revisionistisch gebärdet, bespricht ausführlich das soeben erschienene Protokoll der Verhandlungen vor der Mandatskommission und erklärt, daß die zionistischen Aussagen vor der Korn* mission zum großen Teil schuld daran tragen, daß die Regierung zu dem Plan einer Einschränkung der Einwanderung und Beschränkung des Bodenkaufes gelangte. Die Regierung konnte aus den Aussagen den Eindruck gewinnen, daß eie Zionisten gegen diese Beschränkungen nichts haben. Bei dieser Gelegenheit kommt der Berichterstatter auch darauf zu sprechen, daß die geplante Bauernschutz-Verordnung infolge einer energischen Intervention Dr. Weizmanns von der Regierung nicht erlassen wurde. Den Hergang dieser Sache schildert das Blatt folgendermaßen: Als die Regierung IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIHIIIItllllinilllllllinilBIIIIIIHIIIIIHIIIIIIHIIimillinM Gartenfest des Jugendpflegeausschusses der Jüdischen Gemeinde zugunsten des neuen Sportplatzes, im Ulap am Lehrter Bahnhof, Mittwoch, den 20. August. Beginn 17 Uhr. IIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUHIHINIHII1n1m1IUIIIIIII1mUllilHIIHWIWI1nm1mHHMIIHNI1m1WIUIII1mn1HIIIIW die Beschränkung des Bodenverkaufe* an Juden vorbereitete, I war Dr. Welzmann in Genf im Zusammenhang mit der Sitzung der Mandatskommission. Während seiner Abwesenheit tun. gierte Rutenberg als sein Vertreter und wurde eines Tages ins Kolonialunt gerufen. Dort wurde ihm von der Regierung eröffnet, daß unverzüglich die erforderlichen Schritte eingelcitet werden müßten, um den Verkauf von Boden an Juden zu k• schränken. Daraufhin habe Rutenberg, um eine öffentliche B«. kanntgabc einer solchen Maßnahme zu verhindern, der Regierung vorgeschlagen, Dr. Weizmann würde einen Brie t an die Regierung schreiben mit dem Versprechen, daß die Juden in Zukunft keinen Boden ohne Zustimmung der Pa• flstinaregierung kaufen werden. Rutenberg fuhr dann nach | Paris, wo er mit dem aus Genf kommenden Dr. Weizmann zusammentraf. Weizmann lehnte jedoch mit Entschiedenheit ab, den vorgcschfagcnen Brief zu schreiben und kündigte unbeugsame Opposition gegen die Absichten der Regierung an. Nach einigen Tagen wurde daraufhin der Vorschlag der Regierung zurückgezogen. Der ״Jewish Chronicle“ bezeichnet diese Tat Dr. Weizmanns als einen großen zionistischen Sieg. Für die Darstellung müssen wir dem genannten Blatt die Verantwortung überlassen. * Araber gegen Judenstaat Zur Nachricht von der Entsendung des Ministers Dr. S h i e 18 nach Palästina schreibt — laut ״Pal. Bull.“ •— die arabische Zeitung ״Feiestin“: ״Es wäre besser, wenn Dr. Shiels mit seiner Reise gewartet hätte, bis er den Bericht von Sir John Simpson studiert hat. Man kann annehmen, daß Simpson bereits gewisse Teile seines Berichtes an das Kolonialamt gesandt hat. Wenn das Kolonialamt nicht weiß, daß die Juden danach streben, daß Palästina so jüdisch wird wie England englisch, dann sollten wir sofort mit der Sammlung von Beweisen für diese u. E. verderblichen jüdischen Ab• sichten beginnen, um sie dem Vertreter des Kolonialamts, falls er das Palästinaproblem mit unseren Komitees bespricht, vorzulegen. Ja, wir müssen ihm, wenn er es noch nicht begreift, begreiflich machen, daß die Juden nicht mit einem Nationalheim in Palästina zufrieden sind, sondern sie wollen Palästina und womöglich auch die Nachbarländer zu einem jüdischen Königreich machen, über dem die zionistische Flagge weht. Wir müssen Dr. Shiels begreiflich machen, daß die Araber kein totes Volk, sondern überaus lebendig sind, und daß die jüdisehen Absichten die Ursache von Blutvergießen im Heiligen Land gewesen sind und sein werden, wenn nicht Großbritannien diesen Geist vernichtet." * ״Was ist uns Ziem?“ In der mlsrachistischen Monatsschrift ״Z i 0 n“ veröffentlicht der bekannte Vorkämpfer Achad Haams in Deutschland, Dr. Abraham Schlesinger, einen sehr lesenswerten Aufsatz ״Was ist uns eigentlich Zion?“, worin er die Anschauung Achad Haams über die Notwendigkeit der Fortexistenz der Diaspora (dies im Gegensatz z. B. zu HerzI und Klatzkin) und deren Belebung durch das jüdische Zentrum in Erez- Israel darlegt. ״Selbst wenn es wunderbarerweise glückte, aus Erez-Isracl ein jüdisches Land und einen freien Judenstaat zu machen, wäre Zion nicht mehr als das nationale Zentrum des jüdisehen Volkes, wofern nicht zugleich der größere Teil desselben ausstürbe. Selbstverständlich erfordert der Aufbau des nationalen Zentrums die Seßhaftmachung einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung im Lande, ohne die eine Vollkultur ja unmöglich gedeihen könnte. Man braucht damit aber nicht, unbedingt die Gedanke» an eine jüdische Mehrheit zu verbinden, so sehr erwünscht natürlich eine solche wäre. Meist versieht Achad Haam das Wort ״Mehrheit“, wo er es in solchem Zusammenhang gebraucht, mit Anführungszeichen. Das unmittelbare praktische Ziel des Zionismus von heute, die Schaffung des nationalen Zentrums, läßt sich, wie mir scheint, notfalls und einigermaßen auch erreichen, wenn es zunächst und ohne der weiteren Entwicklung vorzugreifen, gelingt, die jüdische Bevölkerung nur gerade auf 50 oder vielleicht sogar nur 40 °/0 der gesamten Landeseinwohnerschaft zu heben. Hauptsache bleibt für die absehbare Zukunft — und der späteren, unabsehbaren, gilt doch unmöglich unsere praktische Gegenwartsarbeit —■, eine jüdische Volksmasse ins Land zu bringen, die auch relativ beträchtlich genug sein muß, um in der Gestaltung ihres eigenen jüdischen Lebens und der Entfaltung ihrer eigenen jüdischen Kultur nicht mehr wesentlich von einer zahlenmäßig allzu übermächtigen und kulturell überlegenen fremdnationalen Umwelt behindert werden zu können. Sehr viel kommt es unter solchen Umständen allerdings auf die Q ualität des Siedlungs- Werkes und seiner Menschen an, eine Forderung, die Achad Haam stets nachdrücklich erhoben hat... Dieser Zionismus meint nicht schlechthinnige Galuthverneinung, sondern fordert Zions Aufbau außer seinem Selbstwert zugleich und wesen tlieh für die Diaspora, von deren Lebenswillen er Kenntnis nimmt und deren Lebensrecht er nicht bestreitet. Zion und Diaspora sind ihm wie Mittelpunkt und Umkreis aufeinander bezogen, einander zugeordnet. Man hat die Lehre Achad Haams dermaßen entstellt und verzerrt, daß es heute noch den schärfsten Widerspruch hervorruft, wenn man behauptet: der organisierte Zionismus, den Misrachi inbegriffen, ist Achad-haamismus. Trotzdem verhält es sich also. Schon die älteren Schriften eines Auerbach, Lichtheim, Ruppin z. B. wissen es nicht anders: Erez-Israel soll das Oesamt- Judentum neu beleben, die fernerhin bleibende Diaspora stärken und stützen, d. h. doch eben ,geistig-nationales Zentrum‘ des jüdischen Volkes sein. Später hat N. Goldmann deutlicher Im gleichen Sinne geschrieben. ,Palästina und die Diaspora sind zwei Daseinsformen des jüdischen Volkes, Palästina die höhere, reinere, harmonischere, die Diaspora die problematischere, schwierigere, spezifischere; das jüdische Volk aber bildet eine Einheit in seinen beiden Daseinssphäreq/ Auch die misrachistisehe Literatur weiß schwerlich etwas von einer Preisgabe der Diaspora, anerkennt vielmehr das aufzubauende Erez-Isracl ais das zugleich religiös belebende Zentrum des Gesamtvolkes, wie ja schon die Bezeichnung ,Misrachi‘ Abkürzung von merkas ruchanl ist.“ In der ״Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland“ schreibt Di. Walter Lux einen längeren Aufsatz über ״Das Ende der demokratischen Partei“. Er schildert 'ihren Niedergang im Laufe der letzten Jahre, den er aus ihrer Zusammensetzung, ihrer unsicheren Haltung und der politischen Entwicklung in Deutschland erklärt. Eine wesentliche Rolle hat jedoch die Tatsache gespielt, daß die demokratische Partei in den Augen der nichtjüdischen Bevölkerung als Judenpartei gegolten hat. Diese Feststellung unseres Freundes Dr. Lux Ist leider durchaus zutreffend. Di« Verhältnisse im bürgerlichen Nachkriegsdeutschland sind derartig, daß jedes Problem zunächst unter dem Gesichtswinkel des Judentums gesehen wird. Und bet der ausgesprochenen antijüdischen Stimmung des deutsehen Bürgertums hat eine Partei von vornherein, tnag sie auch vernünftige Grundsätze vertreten, bei der Wählerschaft jeden Kredit verloren. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, haben sich die Mitglieder der Palästina-Exekutive, Dr. R u p p i n und Sprfnza k, sowie die Herren Glickson, Twersky, Mereminsky, Eliahu Berlin und Frau Shoshana Pasitz zur Teilnahme an den Sitzungen des A.-.C. und der Jewish Agency nach Berlin begeben.

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