Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 64 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 64, 15. Vm. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 423 Palästina *Buch eines Pazifisten Reisebücher über Palästina sind keine Seltenheit. Aber selten nur dringt ein Buch dieser Art auf den örund der Probleme, die mit diesem historisch so bedeutungsvollen, mit mystischer Glut begehrten und umstrittenen Boden verknüpft sind. Denn dazu bedarf es mehr als feuilletonlstischer Begabung; es bedarf eines scharfen, im Verstehen des Menschlichen geübten Blickes, aber auch des Einfühlungsvermögens und der Phantasie, und vor allem unbestechlicher Wahrheitsliebe. Mit minderwertigen Variationen über das Propagandamaterial, das diese oder jene Seite dem Schriftsteller in die Hand drückt und an das er sich schon aus Gründen der Bequemlichkeit (es akzeptierend oder dagegen polemisierend) hält, ist nur ein sehr oberflächlicher Zweck erfüllt und der Sache selbst, die eine Angelegenheit tiefsten Ernstes ist, kein Dienst erwiesen. Auch der Zionismus hat — zumindest auf lange Sicht — Interesse nur an solchen Freunden, die wirklich voll dem Problem mit all seinen Implikationen ins Auge sahen und auf Grund dieses Wissens, nicht aus Unwissenheit, den Zionismus bejahen. Und besonders wichtig ist es für uns, zu "hören, wie solche Freunde über unsere Sache urteilen. Der Zionismus hat sich in 30 Jahren stets auf die liberal und fortschrittlich denkenden Kreise der Menschheit gestützt. Er konnte und wollte nicht Sympathien suchen bei den Kräften der Reaktion; aber jene Menschen, die eine Neuordnung der Welt, eine Besserung des Völkerlebens anstreben, für die Freiheit ein Ideal ist, das allein Menschenwürde verbürgt, diese Menschen, die für das Gute und Edle in dem Freiheifsringen eines unterdrückten Volkes, das sich durch äußere und innere Knechtschaft erniedrigt fühlt, Verständnis haben, — diese waren unsere natürlichen Helfer. Und so sehr wir uns auch in unserem Wollen unabhängig und autonom fühlen mögen, es geht uns doch an, was diese Freunde über uns sagen, und wir sind verpflichtet, es zu hören. In der letzten Zeit, besonders im letzten Jahre, haben viele Zionisten sich oft gewundert, daß diese unsere Freunde nicht immer hundertprozentig mit uns gegangen sind, daß sie Bedenken hatten und Einschränkungen machten. Besonders deutlich war dies in Amerika, wo die liberale öffentliche Meinung, die früher ausgesprochen prozionistisch war, Ihre Haltung teilweise revidierte. Dies ist aber ein Faktor von größter Bedeutung, den nicht zu beachten strlflicher Leichtsinn wäre. Nun liegt uns ein amerikanisches Buch vor, das, von einem warmen freunde des Zionismus geschrieben, in seinem menschlichen und gedanklichen Radikalismus besanders aufschlußreich ist. Man darf wohl annehmen, daß dieses Buch trotz seiner deutlich individuellen Züge doch charakteristisch ist für eine ganze Richtung, für die Anschatrungsweise von Menschen ähnlicher Gesinnung und Haltung wie der Verfasser; und wer dieses Buch gelesen hat, wird nachdenklich werden und wird verstehen, wie heute liberalgesinnte Menschen dieser Art das Palästinaproblem betrachten. Im Februar 1029 besuchte als Vertrauensmann von Nathan Strauß der Prediger der Community Church in New York, Dr. John Haynes Holmes, Palästina. Holmes ist auch in Europa bekannt als radikaler Pazifist, der während des Weltkriegs in Amerika unerschrocken der Kriegshetze entgegengetreten Ist, sowie durch manche literarische Arbeiten, z. B. ist er der Herausgeber der Schriften Ghandis (deutsch im Rotapfel-Verlag, Zürich). Holmes, der eine Zeitschrift ״Unity“ (Chicago) leitet, ist seit langer ״Zeit ela begeisterter Freund des Zionismus. Er erblickt in dem Aufbau des Jüdischen Nationalheims nicht nur einen AM der höheren Gerechtigkeit, sondern auch ein gewaltiges Interesse von Kultur und Religion, von großer Bedeutung für die ganze Menschheit. Seine Sympathien für die zionistische Sache verstärkten sich während seines Aufenthaltes in Palästina und er kehrte voll Bewunderung für die jüdische Leistung und für den neuen jüdischen Menschen, den er in Palästina gesehen hat, nach Amerika zurück. Während er mit der Abfassung seines Buches ״PaiestineTo-dayandTo-morrow. AGentiles Survey of Zionism“ (The Macmillan Company Pubüshers, New York) beschäftigt war, brachen die Augustunruhen in Palästina aus. Von diesen Vorgängen tief erschüttert, unterbrach er — wie er im Vorwort berichtet — zunächst seine Arbeit. Dann aber begann er zu überlegen: der Aufstand der Araber gegen die Juden war zwar furchtbar, aber im Grunde nur eine Wiederholung ähnlicher Ereignisse von 1020 und 1021. Zion war zwar schwer verwundet, aber keineswegs tödlich. Dieses tragische Erlebnis war nur eine Unterbrechung des unvermeidlichen Fortschrittes der Bewegun g zu ihrem Ziele. Der Autor wandte sich der Arbeit wieder zu und erkannte, daß er nichts an dem Buch zu ändern hatte. Denn was er in seinem Buch gegeben hatte, ist eine Schilderung der Kräfte, die In Palästina am Werk sind und die auch eine Erklärung der späteren Ereignisse bilden. In dem Buche selbst wird auf die Unruhen nicht Bezug genommen. Nur in dem Vorwort faßt er seine Eindrücke von den Augustereignissen in vier Punkten zusammen. 1. Die Unruhen, die sich in Plünderung, Mordbrennerei usw. abspielten, weil sie in der Hauptsache von den unzivilisierten Nomaden und Fellachen getragen wurden, waren in ihrem wahren Wesen eine Revolte. 2. Es handelt sich nicht um einen religiös motivierten ״heiligen Krieg“, sondern um einen politischen und sozialen Aufstand, angefacht durch nationalistisches Selbstgefühl. Die Unzufriedenheit der Araber richtet sich vor allem gegen England, das sie aber nicht anzugreifen wagten. 3. Dieser Kampf kann nicht durch die Mandatarmacht beigelegt werden. Selbstverständlich muß die englische Administration den Frieden aufrecht erhalten und die Juden vor Gewalt und Mord schützen. Aber die Verstärkung der militärischen Herrschaft kann nur die Situation erschweren, zumal die Regierung Juden und Araber enttäuscht hat. 4. Die endgültige Lösung der Schwierigkeiten kann nur durch Juden und Araber selbst erfolgen. Es wäre ein Verrat an den zionistischen Idealen, wenn der Zionismus sich auf britische Bajonette stützte. Die Juden müssen das Vertrauen und die Sympathie ihrer arabischen Nachbarn gewinnen, und das können sic nur selbst, gestützt auf ihre prophetischen Ideale von Frieden und Brüderlichkeit und ihren Gerechtigkeitssinn. Das Buch von Holmes zerfällt in fünf Kapitel. Das erste Kapitel bringt eine Reihe von Reisebeschreibungen, das zweite gibt eine Darlegung des Zionismus, wie Holmes ihn sieht. Dieses Kapitel, so betont der Autor, ist besonders für christliche Leser bestimmt, die in das Wesen und die historischen Voraussetzungen des Zionismus eingefährt werden sollen. Jüdische Leser, so meint er, kann dieses Kapitel höchstens interessieren als die Spiegelung der Auffassung eines Nichtjuden. Das dritte Kapitel ist dann eine Erörterung der Schwierigkeiten und Probleme auch politischer Natur. In diesem Kapitel gibt der Autor seine Auffassung der arabisch-jüdischen Beziehungen sowie der englisehen Politik. Kapitel 4!st eine Beschreibung des jüdischen Kolonisationswerkes. Holmes bezeichnet dieses Werk als eine außerordentliche Kulturtat, ein Zeugnis der Selbstaufopferung und des Heroismus. Abgesehen von der ersten Besiedlung von New England kenne er nichts in der Geschichte, was sich mit diesem jüdischen Werk vergleichen ließe. Im letzten Kapitel schließlich sagt Holmes, wie er den Sinn des Zionismus sieht. Der Zionismus ist für ihn vor allem eine ethische und geistige Bewegung, und er glaubt, daß die Schwierigkeiten, welche dem Zionismus in Palästina begegnen, Bedingungen schaffen, die dem Zionismus zu r wahren Größe verhelfen können, freilieh nicht in Gewinnen an Reichtum und Macht, aber an den Kulturwerten, welche stets die Größe Israels ausgemacht haben. Holmes ist ein religiöser Pazifist, der aus Gewissensgründen erbitterter Gegner des englischen Imperialismus Ist. Er findet scharfe Worte gegen England, und er hält auch nicht mit seinem Urteil über Balfour zurück, den er als skrupellosen Imperialisten charakterisiert. Daß die Verwirkiichung des Zionismus mit dem Namen Balfours verknüpft ist, ist in den Augen von Holmes ein unglückliches Zusammentreffen. Zugleich kritisiert er unbarmherzig die englische Verwaltung Palästinas. Der Autor hat als christlicher Amerikaner Gelegenheit, gehabt, mit den hohen Beamten Palästinas zusammenzukommen, die sich ihm gegenüber ziemlich offen gaben. Er stellt fest, daß diese Beamten zum großen Teil offe n antijüdisch sind. Dies Ist einerseits eine Folge antisemitischer Vorurteile, die man aus dem Westen mitbringt, andererseits der Unwille darüber, daß man mit so unbequemen Untertanen zu tun hat. ״Ungerechtigkeit gegen Juden ist ein nur allzu häufiges Vorkommnis in der britischen Administration Palästinas“. Viel ernster aber noch ist die a b 1 e h n e n d e H a 1tung der Engländer gegenüber der zionistisehen Bewegung und Ihrer Arbeit. Dem durchschnittlichen Engländer ist im besten Fall der Zionismus unsympathisch, im schlimmsten Fall verächtlich und lächerlich. Die Aeußerungen englischer Beamten, die Holmes anführt, genügen vollständig zur Charakteristik dieses Beamtentums. Diese Beamten haben, so schreibt Holmes, keine Ahnung, welche ungeheuren Ideale in der zionistischen Bewegung stecken, welche große Bedeutung sie für die Menschheit hatv wie tief diese Sache in dem Genius des jüdischen Volkes verankert ist, ״So wie die Römer bei ihrem ersten Zusammentreffen mit dem Christentum, so sind die Engländer bei ihrer Berührung mit Zion teils nicht beeindruckt und daher geringschätzig, teils beunruhigt und daher feindlich.״ Immer wieder wiederholt Holmes seine Beobachtung, daß die englische Administration dem Zionismus nicht freundlich ist, weil sie an ihn nicht glaubt, ja ihn nicht einmal versteht. Aber auch die praktische Politik der Engländer unterwirft er einer scharfen Kritik. England trägt z. B. die Schuld, wenn die Ausnützung des Bodens heute noch eine so schlechte ist wie unter den mittelalterlichen Verhältnissen des türkischen Regimes. In der Haltung der Zionisten sieht Holmes positive und negative Momente. Er betont zunächst, weichen gewaltigen Eindruck die ruhige und sichere Zuversicht der zionistischen Führer er nennt Ruppin und Miß Szoid — auf ihn gemacht hat. Diese Männer und Frauen sind weit entfernt von dem leichtfertigen Optimismus, den der Autor häufig in zionistischen Kreisen Arnerikas gefunden hat Sie kennen alle Schwierigkeiten, aber sie sind entschlossen, sie zu überwinden. Der zweite beherrschende Eindruck ist die heroische Leistung der Chaluzim. Diesen zwei positiven Momenten steht jedoch als dritte elementare. Erkennt• his die Einsicht In die fürchterlichen Probleme gegenüber, mit denen der Zionismus zu tun hat. Wese Probleme in ihrer vollen Schwere nicht zu sehen, würde bedeuten, das wahre Wesen und Ausmaß der Aufgabe, die dem modernen Judentum gesetzt ist, verkennen. Den Ausgangspunkt des Zionismus hat Holmes verstanden: Für den Juden, so sagt er, kann es keinen Selbst• respekt geben, bevor er nicht einen Heck Bodens sein eigen nennen kann, bevor er nicht volle Freiheit hat, sein Schicksal zu gestalten, ohne nur von andern geduldet zu sein. Aber in dieser Sehnsucht sieht Holmes auch bereits die Gefahren schlummern. Falsch aufgefaßt, kann dieses Streben den Juden rückwärts statt vorwärts treiben. Er könnte einem reaktionären Nationalismus erliegen, der das wichtigste, sein inneres Leben, gefährden könne. Holmes ist sehr entschieden in der Ableh nung jedes Nationalismus. Eine neue Nation im landläufigen Sinn zu schaffen, ■würde nicht bedeuten, Zion zu schaffen. Es wäre nur ein neues Zentrum des Kampfes und Unfriedens in der Menschheit. Der Geist Zions aber ist einzig in der Welt; der Geist, den das jüdische Volk sich durch Jahrhunderte trotz aller Verfolgungen bewahrt hat, muß Zion sein Gepräge geben. Dort, wo Zionisten diesem Gebot nicht Rechnung tragen, ist das Gelingen des großen Werks am meisten bedroht. Besonders charakteristisch ist die Art und Weise, wie Holmes den arabischen Standpunkt darstellt. Holmes ist nach Pa- Iästina gekommen, ohne viel von den Arabern zu wissen. Er hat Palästina als unverminderter Freund des Zionismus verlassen, aber er hat im Lande auch Gelegenheit gesucht, sich über die Anschauungen der Araber zu informieren. Dieses Kapitel ist dämm so wichtig, weil es uns einen typischen Vorgang enthüllt. Gleich oder ähnlich wie Holmes haben zahlreiche andere Nichtjuden, besonders Engländer und Amerikaner, die nach den Unruhen Palästina besucht haben, reagiert. Holmes berichtet über die Zusammenkünfte, die er mit arabisehen Persönlichkeiten, und zwar Advokaten, Journalisten, Lehrern, Kaufleuten und Politiker hatte: ״Diese Männer waren mir gegenüber offen und entschieden. Ich brauchte nicht lange Zeit, um sie zu verstehen, ja sogar mit ihnen zu sympathisieren. Ich weiß, d^ß ich sie verstanden habe, denn ich hatte, als ich ihnen zuhörte, das Gefühl, daß ich, wäre ich ein Araber, ebenso dächte wie sie.“ Die Araber sagen, daß Pa- Iästina ihnen gehört, und daß sie dort 1300 Jahre leben, 1000 Jahre länger als die Amerikaner in Amerika. Palästina sei klein und bevölkert, und die Einwanderung der Juden bedeute daher unvermeidlich die Verdrängung* der Araber. Die Haupt- Schwierigkeit aber liege in dem politischen Problem, in der arabischen Forderung nach Selbstregierung. Die Haltung der Juden, die einer Demokratisierung nicht zustimmen wollen, ist durchaus vergändiieh, denn wenn man die Araber reden hört, versteht man, daß ihnen nicht die zionistische Sache ausgeliefert werden kann. Aber ebenso überzeugend erscheint einem der Standpunkt der Araber; ihr Streben nach Freiheit und politischen Rechten ist durchaus berechtigt. Der Widerstand der Zionisten gegen dieses Streben ist der schwächste Punkt des Zionismus. Es sei Unrecht von den Juden, einfach zu behaupten, eine Lösung des Problems sei unmöglich. Die Juden haben das Recht, die volle Sicherung der Einwanderung und der Freiheit des Bodenkaufes und Besitzes, sowie Sicherangen für die speziellen Bestimmungen des Mandates zu verlangen. Dies steht aber nicht in unbedingtem Widersprach zu Gewährung von Selbstverwaltung, und es ist nicht erwiesen, daß die Araber eine Autonomie, die zugunsten der Juden eingeschränkt wird, zurückweisen würden. Die Fortsetzung der gegenwärtigen Situation scheint Holmes jedenfalls unmögich und könne nur zum Bürgerkrieg führen. Das Tragische ist die Vorherrschaft extremistischer Programme auf beiden Seiten. Die einzige Hoffnung liegt darin, daß beide Völker cinsehen, daß sie in einem Land, das ihrer beider Erbteil ist, Zusammenleben müssen; Holmes meint auf Grand seiner Erfahrungen, es gäbe jetzt schon auf beiden Seiten Elemente, die einen solchen Frieden des Ausgleichs wünschen. (Dies ist freilieh vor den Unruhen geschrieben.) Die Juden wissen sehr gut, daß die Zukunft des Zionismus nicht nur als eines prophetischen Traumes, sondern auch als praktischer Staatskunst in diesem Problem ihrer Beziehungen zu den Arabern auf dem Spiele steht. Die meisten Zionisten, so betont Holmes, respektieren die Rechte der Araber und wünschen nicht ihnen unrecht zu tun. Aber auch diese gemäßigten Zionisten zeigen yne Neigung, die Kontrolle über das ganze Land anzustreben. Sie denken nicht an Gewalt oder Unterdrückung, aber sie verlassen sich auf England. Nach der Erreichung einer jüdischen Majorität wollen sie dann die politische Souveränität im Lande antreten. Ein solcher jüdischer Staat würde die Unterordnung der Araber unter jüdische Oberhoheit bedeuten. Dies aber wäre ein Unrecht, das dem Sinn des Zionismus zuwider ist. Hier liegt die wirkliche Schwierigkeit und hier das wahre Problem der Zukunft. Holmes glaubt nicht an die Möglichkeit eines Juden- Staates und hält diesen auch nicht für wesentlich. Wichtiger als äußere Macht ist die Wahrung der sittlichen Ideale Israels: ,Nicht durch Heer und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist...“ Und fast ist es glückliche Fügung zu nennen, daß dem Zionismus nicht der äußerliche nationale Aufstieg zuteil werden kann, der die Gefahr der Verflachung, Verrohung und des Ungeistes so nahe bringt. Ein Zion, das zwar nicht ein Staat aber ein Volk, zwar nicht eine Regierung aber eine Kultur, nicht eine Macht aber ein Gemeinwesen ist, ein solches Zion wird ein Licht für die ganze Menschheit sein. Es ist ein Ideal und eine Vision von hinreißender, packender Gewalt. Der Zionismus ist darum so eine Schicksalskrise, weil hier über Sein oder Nichtsein des Judentums entschieden wird. Und der Erfolg wird eintreten, wenn das ״Hinterland“ standhält: warn die Juden die Sache nicht im Stiche lassen, moralisch und materiell. Holmes ist ein enthusiastischer Verfechter des Zionismus und sein Buch gehört zu dem Eindrucksvollsten, was über die menschheitliche Bedeutung des Zionismus je gesagt oder geschrieben wurde. Er hat schwere Bedenke» gegenüber der aktuellen zionistischen Politik. Aber er glaubt an die Idee. Der Zionismus braucht solche Freunde; und wenn. es Zionisten gibt, die meinen, ein jüdisches Zentrum in Palästina, das kein Judenstaat ist, wäre wertlos, so können sie aus diesem Buch eines Christen vielleicht eines Besseren belehrt werden. Das Buch von Holmes ist eine äußerst fesselnde Darstellung des Palästinaproblems, gesehen von der Warte eines Unbeteiligten, und erleichtert daher auch dem Beteiligten die notwendige Kontrolle der eigenen Anschauungen. Robert Weltsch. WaaS Hair gegen Tosebaw-Orpnlsation Jerusalem, 11, August (J. T. A.) Waäd Hair (Jüdischer Gemeinderat) in Jerusalem wendet sich in einer offiziellen Kundgebung gegen die neugegründete Organisation ״Toschaw“ (Bürger), die die Schaffung einer separaten jüdischen städtischen Behörde in Jerusalem anstrebt. Die Organisation ״Toschaw“ wurde als Protest gegen den Jerusalemer Bürgermeister Nashash bi gegründet, der sich als arabischer Delegierter nach London begab, um gegen jüdische Rechte und Interessen zu arbeiten, obwohl er der Bürgermeister einer Stadt ist, deren Bevölkerung zu 60 °/0 aus Juden besteht. ״Toschaw“ wendet sich auch dagegen, daß in einer Stadt mit jüdischer Mehrheit die Araber in der Stadtverwaltung die Mehrheit haben. Waad Hair erklärt in seiner Kundgebung, daß die Toschaw-Bewegung geeignet sei, die nationale Disziplin unter den Juden zu untergraben, und fordert die Führer des Toschaw auf, von jederweiteren Tätigkeit abzusehen. Die Lage der Jaden in Marokko Der soeben von einer Reise nach Marokko zurückgekehrte Präsident der französischen Liga für Menschenrechte, Prof. Victor Basch, erklärte, der kulturelle Standard der marrokkanischen Juden sei ungewöhnlich niedrig, Schulen und noch einmal Schulen seien notwendig. Frankreich könne sich aus politischen Gründen da nicht einmischen, es könne den Sultan seiner Vorrechte nicht berauben und auch nicht die Vorrechte seiner Notabein, die das Volk unterdrücken und die Juden malträtieren, aus der Welt schaffen. Die Juden in Marokko sind rechtlos; es ist ihnen nicht erlaubt, die französische oder die marokkanische Staatsbürgerschaft an zunehmen. Sie stehen unter dem ״Schutz“ des Sultans von Marokko, was nur bedeutet, daß sie einer mittelalterliehen moslemischen Jurisdiktion unterworfen sind. Jeder kleine Ortsrichter verhängt Qeißelstrafen über Juden, Das Colonial Office teilt nunmehr auch offiziell mit, daß der Unterstaatssekretär des Kolonialamts Dr. S h i e 1 s noch im Laufe der jetzigen Parlamentsferien sich zu einem kurzen Aufenthalt nach Palästina begeben wird. Antisemitismus In der Schweiz. Vor einigen Tagen war in Schweizer jüdischen Zeitungen zu lesen, daß nationalsozialistische Agitatoren in der Schweiz, besonders innerhalb der bäuerlichen Bevölkerung, eine lebhafte antisemitische Propaganda entfalten. Die Wirkung dieser Verhetzung macht sich bereits in einzelnen Schweizer Ortschaften, hauptsächlich in solchen, die vom Fremdenstrome nicht berührt sind, bemerkbar. Nun wird gemeldet, daß die schweizerische antisemitische Gesellschaft ״Res Helvetica“ in Genf Aufrufe verbreitet, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, gegen die drei jüdischen Internationalen, die Freimaurer, den Sozialismus und den Kommunismus, zu kämpfen. In den Aufrufen wird vermerkt, daß keine Genfer Druckerei dazu zu bewegen war, die Aufrufe zu drucken, so daß sich die Gesellschaft gezwungen sah, eine auswärtige Druckerei in Anspruch zu nehmen. Diese auswärtige Druckerei wird wohl in Deutsch-!and liegen. Auf diese Weise heben die deutschen Antisemiten den deutschen Export. Ob das dem Deutschen Reiche bei der Linderung seiner Wirtschaftsnot helfen wird? » #